Die Kinder frisieren mich, die Zeit der Katharsis beginnt

Hi. Das hier wird jetzt zum richtigen Tagebuch. Ich hatte erst gedacht, ich würde jetzt aufhören, über das alles hier zu schreiben. Würde wieder zurückkehren zu einfacheren Themen. Ich hatte das Gefühl, es würde jetzt reichen und ich könnte hier nicht dauernd drüber schreiben oder gar rumjammern oder so. Aber dann habe ich auf die Seitenstatistik geschaut. Hey. Da schreibe ich seit zwei Jahren und ausgerechnet meine Trennung zieht am meisten Menschen an. Besucherrekord, längste Verweildauern auf der Seite, höchste Zahl angeklickter Seiten ever.

Und wie war euer Wochenende?

Hattet ihr es schön? Das Wetter war ja nicht so gut:) War ja eher zum Drinbleiben. O.K. – ich denke, ihr möchtet vielleicht wissen, wie die Story hier weitergeht. Es ist verrückt. Teils bizarr, skurril. Wie ein Film mit merkwürdigem Drehbuch. Alle Befürchtungen die ich hatte, alle Annahmen, die in mir herumschwirrten, werden keine Realität. Was hatte ich für eine tiefe Angst vor dem Moment, vor dem Augenblick des Endes. Genau vor einer Woche habe ich oben in der Küche gesessen und habe den entscheidenen Satz gehört. Und was ist danach passiert? Viel und wenig. Die Erde dreht sich weiter. Und bei mir hat sich ein Gefühl von Freiheit, Stimmigkeit, Erlösung eingestellt. Unglaublich.

„Good Morning, Vietnam!“

Wenn alles wackelt. Wenn das Chaos ausgebrochen ist und die Fetzen fliegen, dann hilft nur eines: Reden, reden, reden. Ich könnte euch gerade, und mache es ja auch, ein Klavier ans Knie quatschen. Oh, Mann, was für ein Redebedarf. Heute Morgen bin ich eine Stunde vor der Weckerzeit aufgewacht. Ihr kennt das. Wach liegen im Dunkeln. Im Kopf fängt es an zu arbeiten. Argumente werden hin und her geschoben, Bilder fliegen rein. Die reinste Multimediashow.

Notfallregeln für das Verlassen der Komfortzone

Ihr Lieben, nun möchte ich hier nicht rumjammern. Ihr sollt von all dem, was hier gerade passiert, auch etwas haben. Ihr wisst, ich neige zum Predigen und Empfehlen. Nun sitze ich hier im angeschlagenen Kahn, versuche nicht unterzugehen und nehme das Megaphon in die Hand, um euch am sicheren Ufer Verhaltenstipps zuzurufen. Das ist mein Weg. Kommunikator. Sich Gedanken machen, wissenschaftlich sezieren und Forschungsergebnisse niederschreiben. Ich bin gerade das Insekt unter dem Mikroskop, der Blick ist auf mich gerichtet. Ich schaue mit.

Ela

Denk‘ ich an dich

schließ ich die Augen

und fühl die Welt die niemand

kennt

so tief und weit umschließt du mich

bist da in mir

wo ich auch stöbere liegen

deine Anker unserer Erinnerung

Nichts ist so weich und zart

wie dies Gefühl

ich kenne dich und weiß genau

den Weg zu dir kann niemand

gehen

Eine geschenkte Reise ins gelobte Land

Getrennt.

Schon gestern hätte ich hier gerne über London berichtet. Aber, es ist etwas für mich sehr Unerwartetes dazwischengekommen. Ela hat sich in einen anderen Mann verliebt und hat mir das gestern Morgen gesagt. Dieser Moment: Ich muss mit dir sprechen, es wird jetzt sehr hart.

Ich bin noch ziemlich geschockt. Vom einen auf den anderen Tag. Wir sind nun getrennt. Unser Leben hier als Familie geht erst einmal weiter. Fiftyfifty bekommt allerdings eine andere Dimension. Wir sind jetzt eher ein Familienprojekt, nehme ich an. Ich weiß das alles noch nicht so genau. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie tief das geht.