Lodernde Feuer & mysteriöse Federn

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Ostern auf dem Land ist schlichtweg schön. Vor allem, wenn das Wetter mitspielt. Das hat es in diesem Jahr getan. Wunderbares Auferstehungswetter. Mein Geburtstag fiel auf den Karfreitag, nachdem ich 1965 am Ostersonntag geboren bin. 1976 hatte ich auch am Ostersonntag Geburtstag, was das nächste Mal erst wieder im Jahr 2049 der Fall sein wird. Das ist so das Lebensalter, wo ich auch an Auferstehung denken werde.

In diesem Jahr gab es im Dorf wieder ein Osterfeuer, nachdem der Bauer über Jahre hinweg seine Wiese nicht mehr zur Verfügung gestellt hatte. In einem Jahr hatte es ein wenig Chaos gegeben. Müll, Feuerreste, aufgewühlte Wiesen… Dieses Jahr ein neuer Anlauf, und? Es hat geklappt. Zwei junge Männer haben sich der Sache angenommen und die Aktion durchgezogen. Holz besorgt, aufgeschichtet, bewacht…

So konnten wir am Ostersonntag auf der Höhe unser dörfliches Osterfeuer erleben. Viveka, ihre und meine Kinder und ich saßen am Feuer. Auf einer alten Couch. Gemütlich und warm und schauten in die Flammen und übers Land, wo überall die Flammen loderten. Ich muss dann zwar immer an die Scheiterhaufen denken, die hier im Mittelalter auch brannten, finde dann aber doch schnell zum gemütlichen Teil des Abends zurück. Sieht einfach schön aus.

Am Ostermontag sind wir dann auf eine merkwürdige Erscheinung gestoßen. Zaunpfähle im Wald mit weißem Federschmuck. Auf jedem Zaunpfahl längs des Weges eine weiße Feder. Bald sahen wir, weshalb. Der Weg führt zu einem hölzernen Kreuz inmitten der Landschaft. Hier hat wohl eine Prozession der Katholiken stattgefunden. Weißes Federn als Friedenszeichen? Keine Ahnung.

In diesem Jahr sind die Wiesen jetzt schon gelb vom blühenden Löwenzahn. Das sieht so schön aus. Grünes Gras, satt gelbe Blüten, blauer Himmel mit weißen Wolken. Fast ein wenig kitschig. Egal.

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Lone at the beach

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Gestern super Wetter, heute ist es zugezogen. Ab Mittag. Wolken, Wind, später Regen. Am letzten Tag gibt es immer einiges zu tun. Sich verabschieden vom Meer. Sich alles noch mal so richtig reinziehen. Mit den Jungs ein letztes Bier im van der Werff. Kleine Geschenke kaufen.

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Nach dem Bier mit Jens und Jens haben sich unsere Wege getrennt. Jens wollte noch in den Bioladen, Jens in einen anderen Shop. Mich zog es ans Meer. Für Viveka. Sie liebt das Meer und wenn sie an der Küste ist, ist sie vom Strand nicht wegzubekommen. Tagelang, nächtelang. Sitzen, laufen, eintauchen, gucken. Es gab diese wunderbare Szene im letzten Jahr in Italien, als die Wellen hoch waren. Viveka schwamm raus, weit raus, lange raus. Dorthin, wo niemand mehr war. Ein kleiner Punkt draußen. Ich machte mir schon Sorgen, wusste nicht, wie gut sie schwimmen kann und wollte sie natürlich um keinen Preis der Welt durch eine Fehleinschätzung verlieren. Sie spielte mit den Wellen, dem Wasser, den Bojen.

Ich schnappte mir ein Bodyboard und schwamm raus. Mir war in den hohen Wellen schon ein wenig mulmig. Als ich zu ihr kam, lächelte sie. Alles in Ordnung. Sie muss einmal ein Fisch gewesen sein, eine Meerjungfrau, ein Delfin. Kein Problem. Stundenlang. Ihr Element.

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Und so bin ich heute raus auf die Sandbank. Die Ebbe hat es möglich gemacht, der Übergang ein kleiner Rinnsal. Kein Problem. So durch. Meine Rossis hatte ich vor der Abfahrt dick eingefettet, also konnte ich trockenen Fußes hinüber. Auflandiger Wind, kaum Vögel, mir entgegen fliegender Sand. Ich wusste nicht, wann die Flut einsetzen würde oder ob sie vielleicht schon… Ich habe eine Linie in den Sand gezogen – neben die Wassergrenze und habe geschaut. Keine Veränderung. Highest Peak, habe ich angenommen. Ein Niederländer mit hohen Gummistiefeln folgte mir und ging sicheren Schrittes Richtung Wellen.

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Gut. Ein Schauspiel. Der fliegende Sand, die ziehenden Wolken, das Getöse, die Weite. Der andere Mann verschwand in eine andere Richtung, wurde kleiner und kleiner und unbedeutender. Wen juckt es, wenn so ein schwarzer Punkt von irgendwelchen Naturkräften verschlungen wird. Ich machte mich auf den Weg. Fotografierte, was das Zeug hielt. Erreichte das Wasser, sah ein Fischerboot im Dunst des aufkommenden Regens verschwinden.

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Zum ersten Mal musste ich alle Einstellmöglichkeiten meiner Goretex-Jacke justieren. Nach unten hin abdichten, die Klettverschlüsse am Ärmel eng ziehen, die Kapuze ums Gesicht legen. Alles gut. Fotos nur mit dem Wind, um die Kamera zu schützen. Am Ende ist die Linse voller Tropfen. Und ich bin allein. Der andere Mann ist schon wieder auf sicherem Boden. Mir fehlt Herr Cooper. Egal, er brauchte heute eine Pause. Anstrengende Tage. Mit dem Fahrrad unterwegs, das ist für Hunde Leistungssport.

Ich bewege mich Richtung Land zusammen mit dem fliegenden Sand, erreiche den Übergang, das Flussbett. Geht noch. Die Hose ist eh nass, die Schuhe sind es auch. Ich denke an Viveka und sauge alles auf. Sie wäre noch geblieben. Ich fahre nach Hause, mir ist es kalt, die Finger sind klamm. Jens sitzt im Jacuzzi, ich setze mich dazu. Der Regen fällt, das Wasser wärmt. Schön. Luxus. Morgen geht es nach Hause. Ostern. Aufgetankt für die nächste Runde.

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Und hier zum Abschluss noch ein Video von Finn und Jim, der Support geleistet hat…

Mission Impossible auf dem Weg ans Ende der Welt

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Draußen schreit eine Möwe und die Welt ist eine Scheibe.

Zwei Tage hintereinander habe ich, haben wir es versucht. Ich wollte bis ans Ende der Welt vordringen. Also bis zum Ende der Insel. Das sind einige Kilometer immer am Strand lang. Meine Vorstellung war, das Ende der Insel, dieser kleinen Welt mit weit auslaufendem Horizont zu fotografieren. Rechts das Meer, links das Meer und dazwischen der letzte Sand unter den Füßen bis es tief abfällt. Bis zum Mariannengraben oder der letzten Ruhestätte der MH 370.

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Das Meer lockt, tröstet, fasziniert, inspiriert. Einfach am Wasser entlang. Den Fischerbooten zusehen, den Wellen, den Möwen, den kleinen Vögeln. Schauen, wie sich alles verändert. Durch Wind und Gezeiten. Gucken, was so angetrieben wird. Alles, was irgendwo über Bord gegangen ist. Von Holzkisten über Spüliflaschen bis zu Fischernetzen und Brettern mit Farbsprenkeln.

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Gestern der erste Versuch. Annäherung über Land. So weit wie möglich mit dem Fahrrad vordringen, dann querfeldein über Wiesen und durch Dünen bis zum Strand. Am Morgen hatte sich eine Gefolgschaft gesammelt. Entdecker, Eroberer. Conquerors. Eine Fahrrad-Armada begleitet durch einen hechelnden Herrn Cooper. Als wir am letzten möglichen Fahrrad-Parkplatz ankamen, stellte sich heraus, dass der Datumszeiger auf dem 15. April stand. Exakt. Und ab dem 15. April ist die Landschaft hinter diesem letzten Fahrrad-Parkplatz unzugänglich. Brutzeit. Vogelschutzgebiet. Ach. Kann man natürlich nicht machen. Mission abgebrochen.

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Heute Morgen dann die Idee: Wenn nicht über Land, dann den Weg am Meer entlang. Wieder sammelte sich ein Team. Eine lange Strecke ist das bis zum Ende der Insel. Viele Kilometer. Menschenleer. Nur Dünen rechts, Wellen links und dazwischen Strand und all der angespülte Müll. Ein Niemandsland. Eine Wüste. Ohne Getränkeverkauf, Raststätte. Unwirklich, unwirtlich. Ist trotzdem schön. Eine beeindruckende Landschaft. Groß, weit, scheinbar unendlich.

Wir waren unterwegs. Gut unterwegs und hatten schon eine weite Strecke mit weiten Augen hinter uns gelassen. Ab und an reduzierte sich die Gefolgschaft um einzelne Mitstreiter, die auf den Besuch des Endes der Welt gerne verzichteten und abdrehten. Da tauchten Schilder am Horizont auf. Zunächst klein. Dann größer. In einer Linie vom Meer zu den Dünen aufgereiht. „Sie verlassen nun den westdeutschen Sektor.“ Nein. Vogelschutzgebiet. Brutzone. „Auch hier, mein Sohn Brutus.“ Ab 15. April. Seit gestern. Ende Gelände. Aus der Traum. Vertagt auf einen Inselbesuch in der Zukunft.

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Also ist der verbleibende Trupp rechts abgebogen und hat sich auf den Heimweg gemacht – immer am Fuße der Dünen entlang. Bei strahlend blauem Himmel und dem Fernziel Strandcafe.

Boah, ey – die Next Top-Models…

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Leute! MANN!

Ich meine, das alles so komplett ohne Ausbildung. Wenn du Mofa fahren willst, musst du. Ihr wisst schon. Anträge, Prüfung, Versicherung. Der ganze Kladderadatsch.

Aber Kinder, nö, die kriegste einfach so mit. Entbindung, ab in den Arm und Tschüss und schönen Tach noch. Und dann? Kannste dich daran erinnern, wie Mama und Papa das gemacht haben, probierst rum, liest womöglich total verklemmte Elternratgeber und bist am Ende des Tages auch nicht schlauer. Weil gerade in dem Augenblick, in dem du glaubst, erziehungs- und entwicklungstechnisch die Oberhand zu gewinnen, da sind die schon wieder ganz woanders und du kannst praktisch neu anfangen. Wie bei Mensch-ärgere-dich-nicht. Kurz vorm Häuschen rausgekickt.

Nun bin ich ja schon ein relativ alter Hase in Sachen Kinder aufziehen. Ich habe schon sehr viele Zähne bekommen, also mitbekommen, Kinderkrankheiten in langen Nächten durchlebt, habe das Impfthema intensiv behandelt, die Schulfrage, das Ernährungswesen, Bindewindeln oder nicht und lauter so’n Kram… Habe genügend Tränen erlebt, Einschulungen, Zeugnisse und ja, ach, Kindergeburtstage. Mein lieber Schwan.

Tatsächlich dachte ich, in unendlicher Elternnaivität, ich wäre durch. Prust. Wow. Nun. Es gibt von allem immer die Steigerung. Pubertät. Klar, braucht man nichts mehr sagen, liegt auf der Hand. Aber das ist auch noch nicht alles. Weibliche Pubertät. Der Übergang vom süßen Schnuckelchen über den Teenie zum fraulichen Wesen. WESHALB SIND DA VATERAUSBILDUNGEN BEIM TÜV-NORD MIT ZERTIFIKAT NICHT VERPFLICHTEND VERBINDLICH???

Wie soll man denn da als Mann bestehen? Und: Wie soll man das alles verstehen? Da oben, die LKWs, die da über dem Text erscheinen, die habe ich dort platziert, um männliche Einfachheit auszudrücken. Vier Räder, Kipper, Steinbruch. Alles gut. Kraftvoll, sprengen, bohren, laden. Das ist handfest. Das kann man verstehen, nachvollziehen.

Aber Weiblichkeit? Ich dachte, ich wäre weiter. Bis zum heutigen Tag. Stunde Null. Germanys Next Top-Model. Klum, wumm. Heiliger Termin. Zoe trifft sich mit Ihren Freundinnen hier bei uns, um sich zurückzuziehen. Ich kaufe dann Süßigkeiten und Knabbereien und denke mir, das ist schön für die Mädchen, ziehe mich dann auch zurück und bin froh. Alles easy.

Aber heute. Herrje. Hirnknoten, Verständnisunvermögen. Zwei Autofahrten. Zoe hat donnerstags Klavierunterricht. Der Klavierlehrer wohnt hinter den sieben Bergen und so ist eine Weile im Auto sitzen angesagt. Vier Mädchen an Bord. Hab den Wagen vollgeladen.

Irgendwann habe ich um Gnade gewinselt. Das sind Dinge, die Väter nicht wissen wollen. Wie schnell können Mädchen eigentlich reden? Und wie verstehen die das? Und wie kriegen die das hin mit Simsen, Reden, Kreischen, oh-my-god-Rufen, Haare werfen und ALLES Kommentieren gleichzeitig?

Boah, ey. Und lästern. Puh. Wenn ich das als Junge gewusst hätte… Möchte mir vielleicht jemand so ein englisches Taxi mit Schallschutz-Glaswand zu den Rücksitzen verkaufen? Wie, um alles in der Welt, kann man 15 Minuten über Shampoo reden? Lockenshampoo, Guhl, für fettiges Haar, für blondes Haar… SHAMPOO. Da geht man in den Laden, nimmt so eine Flasche, die möglichst groß und preislich im Rahmen ist und gut ist. Kann man das Fach Shampoo studieren? Ich habe mir einfach mal rausgenommen, Zoes Was ist falsch mit euch? zu zitieren. An keinem Tag meines Lebens habe ich intensiver gespürt, dass Männlichkeit und Weiblichkeit zwei vollkommen verschiedene Dinge sind!

Zuhause rief mich Viveka an und meinte, dass wir nach Klums Modelshow telefonieren könnten. Auch du, mein Sohn Brutus, äh…

Ich brauch jetzt was Handfestes. Ah, da kommt mir der Bagger gerade recht… Hebel, Schaufel, Erde, LKW beladen, Diesel, Drehmoment…

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P.S. Die Fotos sind entstanden, während Herr Cooper und ich durch die Gegend zogen, um auf das Ende des Klavierunterrichts zu warten. Parallel habe ich mit einem alten Freund telefoniert, mit dem ich im Internat Abi gemacht habe – männlicher Support zur Vorbereitung der Rückfahrt. Auftanken! DANKE! Rettung. MENSCH!

Und jetzt die Rumänen…

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Ja Mann, was weiß ich eigentlich über Rumänien? Bilder im Kopf, sonst nix. Dracula, Transylvanien, Pferdefuhrwerke, ein toter Ceaucescu und erzkonservative CSU-Bayern, die mit Rumänen Wahlkampf betreiben. Kohl, Koch, Seehofer. Wie war das damals: Das Boot ist voll. Dann brannten die Häuser. Biedermann und die Brandstifter. Immer schön einheizen und Stimmung gegen Menschen machen und Angst schüren. Des lieben, hart verdienten Geldes wegens, dass dann die anderen in Saus und Braus verprassen. Janos hat da die schöne Geschichte vom Maulwurf und der Grille gemalt, die den ganzen Sommer über gefiedelt hat. Und? Im Winter setzt sie der Hirschhornkäfer (als Hundebesitzer mag ich keine Jäger, die nerven nur und lauern einem auf und sind tiermordende Großkotze mit perfidem Revierverhalten – wie Hausmeister in grauen Kitteln – tu das nicht, tu jenes nicht, des armen Wildes wegen, dass sie dann zum Wohle des Tieres erschießen. Hä? Nun gut, klar, es gibt auch nette Jäger. Aber einige. Vollschuss.) vor die Tür: Hast den ganzen Sommer nur gefiedelt! Nun sieh zu, wie du klar kommst! Und so stapft sie durch den hohen Schnee in dünnen Schühchen. Herrje. Das Mitgefühl ist nicht die Stärke der christlichen Vorreiter! Wie machen die das immer mit ihrem Gewissen und den sonntäglichen Kirchenbesuchen und den folgenden Reden? Ablassbriefe? Beichten? Schizophrenie?

Nun, Thema dieses Beitrages ist ein ganz anderes. Erinnert ihr euch an Den kommen die Polen holen? Da war unser alter Focus im Oktober den Weg des Gerechten gegangen. Also ab nach Polen in die Heimat Wojtylas. Von dem habe ich den Versuch in Erinnerung, Christen, Juden und Moslems zu versöhnen. Mit krummem Rücken nach Jerusalem. Eine seiner letzten Reisen, oder?

Im Oktober hatte Adrian die Kiste aufgeladen und sie mit nach Osten genommen. Der Wagen war alt, hatte den Erdball mehrfach umrundet und durfte sich nun darauf freuen, eine polnische Wellnessfarm für Westkarren zu besuchen. Nun geht es ihm gut, er läuft weiter rund und ist der Schrottpresse noch einmal vom Haken gesprungen. Ich hatte Ersatz besorgt bei einem wunderbaren türkischen Mitbürger, der eine wahrhaft weise Freundlichkeit besaß und mich in zwei Gesprächen mit wunderbarem Mokka beglückte. Das hatte Stil, die Karre läuft, alles gut.

Tja. Mit jenem Auto. Weil wir aber zwei Kisten brauchen und aufgrund unserer familiären Situation mit Liebesverhältnissen in Essen und Köln ziemlich viel rumkommen, hatte nun auch das zweite Fahrzeug – unser Urlaubs-Kinder-Hunde-Familien-Kombi – den Geist aufgegeben. Zwei Turboladerschäden hintereinander. Die erste Reparatur kostete 1.600,00 €. Es stellte sich raus, dass dieses TDCi-Modell motorenmäßig ziemlich kacke konstruiert ist. Falsche Ölleitungen, Hohlschrauben mit Sieben, die sich notorisch zusetzen und den Fordhändlern ganze Armeen von Geschädigten in die Arme treiben. Und nicht nur den Ford-Händlern – das Motorenkonzept ist auch in Citroens und Peugeots verbaut. Irgendwie reingefuckelt in die Karosserie und Turbolader ade wegen nix Öl. Boah, ey. Hals ohne Ende. Mittlerweile bin ich Turbolader- und Ölzuführungsspezialist für Ford Focus 1.6 Liter TDCi-Motoren. Ford hat das einfach mal so laufen lassen und auch das überarbeitete Modell hinsichtlich der Ölversorgung nicht überarbeitet. Das Turbolader-Ableben geht fröhlich weiter. Ford-Händler bestätigen das und arbeiten mit obskuren Vorfiltersystemen, die die Reparatur noch einmal um rund 300 Euro teurer machen. Kommt gut, wenn man schon bei 150.000 km 1.500 Euro für den obligatorischen Wechsel des Rußpartikelfilters gelatzt hat. Bravo! Gut überlegt. Ich denke mal, dass die eine oder andere Familie in Deutschland aufgrund dieser Konstruktions-Weltmeisterleistung schön Zuhause am Baggersee verbringen konnte, weil die kleinen Konstruktionsprobleme das Urlaubsbudget geschluckt haben. Shareholder-Value – Hauptsache die Gewinne stimmen.

Wir fahren jetzt Renault. Das Web hat bezüglich des Motors und des Turboladers mehr Positives als Negatives ausgespuckt. 1.5 dCI. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Jetzt waren wir ziemlich blank. Diese Karren fressen einem die Haare vom Kopf. Was will man machen? Landleben. Der Natur so nah, von allem anderen so weit weg. Bis Köln mit öffentlichen Verkehrsmitteln ca. 2,5 h. Für 65 Kilometer. Zur Arbeit nach Attendorn – das wären, wenn überhaupt möglich, sicherlich auch mehr als 2 h. Erst einmal eine Stunde lang nach Gummersbach… Wir waren aber nicht nur blank, sondern hatten auch noch eine kaputte, vom Schrauber unseres Vertrauens zerlegte Schrottkiste am Hals. Ich meine, der Wagen war eigentlich echt super. Ghia-Ausführung mit allem. Elektrisches Glasschiebedach, Klimaautomatik, Sitzheizung, Tempomat, Multifunktionslenkrad, CD-Spieler, Alufelgen, 8-fach bereift, Anhängerkupplung und all so’n Schnickschnack. Bequem, komfortabel. Aber kaputt.

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Da stand er nun und lag mir im Magen. Was tun damit? Der Freund eines Freundes wollte ihn kaufen. Für wenig Geld. Nö. Ich meine, wenn es einen so erwischt hat, hat man nix zu verschenken. Mein Gefühl sagte mir, 2.000 bis 2.400 Euro. Die wollte ich haben. Also fotografiert, abends rein in mobile und los gings. 2.000 hatte ich geschrieben. 5 Minuten, 5 Mails (meine Telefonnummer habe ich nicht reingesetzt). Bei dem Erfolg hab ich gleich den Preis erhöht. 2.400. Weitere Mails. Wieder ein Adrian, ein Toni, ein Tony, ein Dragon und ein Fane. Alle mit der Bitte, doch meine Telefonnummer rauszurücken. Sie selbst hatten als Vorwahl 040. Rumänien. Ich habe zurückgemailt, um mal zu schauen, wer wirklich interessiert ist und wie das mit dem Preis so hinhaut. Angebot und Nachfrage. Bald hatte ich den Preis raus: 2.200. Am nächsten Tag musste ich arbeiten, hatte ein langes Telfonbriefing und die Jungs parallel im Mailaccount. Die ersten hatten dann über meinen Namen meine Telefonnummern rausbekommen und riefen an. Mit Dragon, der den Wagen un-, un- unbedingt haben wollte, hatte ich für die nächsten Stunden einen netten Telefonkontakt.

Nun ist in diesem Business eine gewisse Linie gefragt, sonst versinkt man im Chaos und geht unter. Also schrieb ich mir auf die Fahnen: Jungs, sorry, ich weiß, ihr würdet aus Rumänien kommen, aber es ist so – wer zuerst die Kohle auf den Tisch legt, kriegt den kaputten Focus. Fane mailte ins Briefing. In zwei Stunden hol ich ihn ab. Nachdem das Telefonbriefing dann beendet war, läutete Dragon durch. Und? Ich berichtete ihm von Fane, der bereits unterwegs sei. Dann rief Fane an, dann Dragon. Dragon schwor Stein und Bein, dass er ihn Montagfrüh abholen würde. Zwischendurch sagte mir Adrian, er würde Sonntagmorgen kommen. Ein Hin, ein Her. Dragan war mir, das muss ich so zugeben, am sympathischsten. Er hatte auch das überzeugendste Argument: Ich will den Wagen für mich haben! Tja, das hätte ich auch gerne gesagt…

Es war ein irrer Tag. Als hätten sich alle verabredet, mich gänzlich wahnsinnig zu machen. Meine rumänischen Freunde, Jobs, Mails, Anrufe, Kinder. Hammer. Um 14.30 Uhr dann der Anruf. Sind gleich da. Dragon fragte nach, ob der Wagen jetzt wirklich abgeholt sei? Nein, noch nicht! Ich versprach, mich zu melden. Das versprach ich allen, auch Toni, der 1.450 geboten hatte. Die Ersatzteile seien so teuer, mehr könne er nicht geben. Sorry, Toni, weißt du, das hier ist mit Turboladern und diversen Reparaturen auch kein Kinderspiel.

Die Jungs rollten auf den Hof. Mit Anhänger. Fanes Jungs. Er war nicht dabei. Die beiden begutachteten die Kiste, sprachen kein Wort Deutsch oder Englisch und berichteten alles mobil nach Rumänien. Am Ende dann gab mir der Kleinere mit wichtigem Gesichtsausdruck den Handapparat: Chef Fane. Ja, klar, dann ging es los. Preisverhandlungen. Ich meine, vier Leute wollten die Kiste haben. Habe ich Fane auch gesagt. Du musst nicht. Kommt ein anderer. Er redete vom fehlenden Turbolader, dass er den kaufen müsse und vom fehlenden Reserverad (die Kisten haben heute Reparatur-Kits). Handapparat zurück an die Jungs. Ich blieb stur. Palaver. Gucken. Haube auf, Haube zu. Chef Fane. Turbolader, Reserverad. 100 Euro runter. 50. Nein, 100. MANN! O.K. Kohle bar auf die Kralle, kein Vertrag, Papiere übergeben, aufgeladen und Tschüssikowski. Das war eine Sache der Ehre. Fane konnte vor seinen Leuten nicht das Gesicht verlieren. So was nimmt mir die harte Linie. Geschäfte unter Männern. Wissen, was der andere fühlt. Alles komplett irrational.

Das Aufladen war ein Abenteuer für sich. Den Seilzug mit Altöl geschmiert, tropf. Die kaputte Umlenkrolle mit einem Eisenhebel zurechtgerückt (mein Part). Teamwork. Händedrücke, Lächeln, Abfahrt, Hupen, Winken. Ciao, Jungs. Grüßt mir Rumänien. Mir wurde warm ums Herz.

Telefon. Dragon. Sorry, ist weg. Für wie viel? 2.100 Schweigen am anderen Ende. Geistiges verarbeiten. Was? 2.100? Ich hätte dir 2.200 gegeben. Montag. Konnte er nicht verstehen. Heute ist Montag, ich musste arbeiten und Ela auch. Ich glaube auch nicht, dass das ihre Welt gewesen wäre. Telefonate mit Fane und Dragon und Verhandlungen und Aufladen und… Dragon hat sich bedankt, sehr freundlich. Tat mir leid, aber so geht Auto-Business. Mal gewinnst du, mal verlierst du. Kann da gerade mitreden.

So. Story zu Ende. Jetzt könnte ich noch von den ganzen Reifen erzählen, die gerade samt Felgen in unserem Gartenhaus liegen. Zwei Autos vierundzwanzigfach bereift. Wenn die alle passen würden. Aber es gibt Lochkreise, Einpresstiefen, Reifengrößen, Felgen mit vier und fünf Schraubenlöchern – aber das ist eine ganz andere Geschichte und zudem eine Wissenschaft für sich, in die ich mich auch einarbeiten durfte. Aktuell habe ich zwei Semester Automobilwissenschaft studiert.

Jetzt könnt ihr mir zwei Gefallen tun. Erstens: Bitte gut über Rumänen denken und sprechen. Zweitens: Mir die Daumen drücken, dass die Karren jetzt mal halten. Grazie.

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