Wir haben vom Klimawandel nichts gewusst?

Hey, Leute?

Der Ölpreis sinkt, die Spritpreise nicht. Der Rhein hat nicht genügend Wasser. Kürzlich brach eine kleine Panik aus, weil die Info, dass eine Tankstelle in Bergneustadt keinen Sprit mehr hatte, die Runde machte. Panikkäufe, lange Schlange an der Tanke.

Gestern eine lapidare Meldung im Radio: „Der Waldzustand in NRW ist sehr, sehr besorgniserregend.“ Sagt die CDU-Umweltministerin.
Gründe für den Negativ-Rekord
Der Sturm Friederike im Januar 2018 hat NRW besonders stark getroffen, im April habe schon der Hitzesommer eingesetzt, der bis in den Herbst dauerte, sagte die Umweltministerin. Er war verbunden mit Hitze und Dürre. Die Monate April bis August waren die wärmsten, sonnenscheinreichsten und niederschlagärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung (1881).
Das Fazit von Heinen-Esser: „Die ersten massiven Folgen der globalen Erwärmung sind bei uns längst zu spüren.“ (Zitat wdr.de)

Überraschung, der Klimawandel ist vor Ort. Und das, wo wir alle doch von nichts gewusst haben… Das eine Grad. Ach. Und wenn es zwei werden…

Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gewusst habe. Mit Abi und Voll-Bafög war ich privilegiert, an de RWTH Aachen zu studieren. Und habe mich dort mit gesellschaftlichen Themen beschäftigen dürfen. Einige Jahre lang. Magisterstudiengang: Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Politische Wissenschaft, Internationale technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit (ITWZ). Wir fragten uns: Wo kommen wir her, wo wollen wir hin?

Insbesondere in ITWZ stand die Zukunft der Menschheit auf dem Programm. Meine Bibel waren die Erkenntnisse des Club of Rome, einem 1968 gegründeten Think Tank mit Verbindungen zum MIT. 1972 brachten die Damen und Herren der Denkergemeinschaft einen Bericht in die Öffentlichkeit, der es in sich hatte. Der Wachstumsgedanke fährt die Welt vor die Wand. Man wusste bereits, dass die expansiven Industrie- und Konsumgesellschaften Spuren hinterlassen.

Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes „Die Grenzen des Wachstums“ waren:

„Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“

„Unsere gegenwärtige Situation ist so verwickelt und so sehr Ergebnis vielfältiger menschlicher Bestrebungen, daß keine Kombination rein technischer, wirtschaftlicher oder gesetzlicher Maßnahmen eine wesentliche Besserung bewirken kann. Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen. Sie erfordern ein außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut. Wir glauben aber, daß diese Anstrengungen geleistet werden können, und hoffen, daß diese Veröffentlichung dazu beiträgt, die hierfür notwendigen Kräfte zu mobilisieren.“

– Schlussfolgerung aus: Die Grenzen des Wachstums (Quelle Wikipedia – dort gleichnamiger Beitrag)

„Und hoffen“. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Und: Es erfordert ein „außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut“.

Leider war und ist der nicht in dem Maße vorhanden, wie er gebraucht wird. Deutschland hat den CO2-Ausstoß zuletzt wieder erhöht und die gemachten Zusagen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens nicht eingehalten. Beim Kohleausstieg hat man eine Kommission eingesetzt, die jetzt noch einmal vertagen möchte. Im Bundestag sitzen teils Politiker/innen, die keine Anzeichen von Klimawandel sehen. Andere setzen auf Wachstum, Wachstum, Wachstum. Die meisten beschäftigen sich mit Migration und sehen darin die größte, wenn nicht die Mutter aller Gefahren.

Nun, kann man machen. Augen zu und durch.

Aber, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Steht alles im Web. Alle Bürger/innen und Politiker/innen können das nachlesen. Da die wissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) nicht wahrgenommen oder sogar als Fake-News abgetan werden, habe ich mal bei der Münchener Rück nachgesehen. Die zahlen auch für die Schäden, die durch Klimawandel bedingte Extremereignisse entstehen (sofern versichert). Nun. Die nehmen zu.

Ich möchte euch bitten, zu lesen (einfach auf Überschrift klicken):

Die Erderwärmung? Hat’s doch schon immer gegeben!

Die Sintflut kommt

Bald gibt es kein Zurück mehr

Forscher fordern kompletten Kohleausstieg bis 2030

Wenn ihr die gelesen habt, stehen euch die Fakten zur Verfügung. Dann wisst ihr auch in Zahlen, was die Stunde geschlagen hat. Es sieht nicht gut aus. Und vielleicht könnt ihr mir einen Gefallen tun: Klärt euer Umfeld auf. Lasst uns die Lethargie überwinden. Lasst uns reden und für Klarheit und Veränderung sorgen. Denn wir wissen, was gerade geschieht und wir können etwas tun…

Später zu sagen, „das habe ich nicht gewusst“, ist dann auch egal und zählt einfach nicht.

Wir müssen dringend reden…

Hey, was geht ab. Normalerweise beziehe ich hier irgendwie Stellung und kommentiere das Leben oder gebe Erkenntnisse und Gedanken preis. All dieser Kram, der mich bewegt. Seit geraumer Zeit bewegt mich nichts. Das heißt genau genommen: Es bewegt sich alles, aber ich will nicht. Nicht das. Mein Inneres spielt Toter Mann und wartet auf ein Zwischending aus Inspiration und Erleuchtung. Lieber Gott, schick mir ein Zeichen. Lottogewinn. Wiederauferstehung Jimi Hendrix. Der Papst heiratet. Sowas.

Tatsächlich habe ich mal geglaubt, ich wäre ganz nah dran. Ups. Nun. Das ist das Schöne. Überhaupt und dann auch am Älterwerden. Sich selbst überholen, im Rückspiegel der eigenen Unzulänglichkeit betrachten, den kleinen Jungen dort sehen und Gnade vor Recht ergehen lassen. Komm, komm, ich lege meinen Arm um dich und wir schauen einfach nur. Mehr nicht. Nichts wollen, nichts zwingen, nicht schreien, nicht poltern und auch nicht verzweifeln oder den Kopf in den Sand stecken. Wozu auch.

Viveka und Spotify haben mich durch dieses Jahr getragen. Es war ein merkwürdiges Jahr. Alles gut auf dem Papier, die Bilanz stimmt, im Grunde gibt es nichts zu beklagen. Gut, diese Welt da draußen. Dieses Ungemach.

Auf Ebay habe ich Beuys gesucht. Eigentlich die DVD, weil wir es nicht ins Kino geschafft haben. Jetzt muss ich unterbrechen an dieser Stelle. Versteht ihr jetzt nicht. O.K. Also: Gestern habe ich Beuys auf Ebay gesucht, den Film. Da wurde mir ein Originaldruck angeboten. Für 22,80 €. Yep. Und wisst ihr was ich gemacht habe? Gestern nichts. Aber gerade, als ich daran gedacht habe, habe ich mir das Ding gekauft. Weil ich mich sehne. Weil all das da draußen gerade schmerzt. Ich könnte Gewalt anwenden und einigen echt…

Beuys. Es ist eine gerahmte Karteikarte, auf der steht: „Wer nicht denken will, fliegt raus.“ Da wären wir dann ja schon einige weniger. Dann könnten sich einige Maulhelden der Gegenwart erst einmal wieder ganz weit hinten anstellen. Nein, bitte noch ein ganzes Stück weiter ganz hinten. Die Welt ist doof. Mit Doppel-O wie WC.

Mein Kopf sucht nach Auswegen. Ich versuche zu fliehen. Als alles ein wenig smarter war und sich in meinem Körper ein Gefühl der Beruhigung und des Aufgehobenseins eingestellt hatte, da durfte ich mich den zarten Gedanken und Gefühlen hingeben. Das war Denken wie auf Droge. Das hatte eine entspannte Leichtigkeit mit Flughöhe im Himmlischen. Das ist in diesem Jahr 17 im Nebel der Geschehnisse verflogen. Ich denke, ihr habt die Nachrichten verfolgt. Und ja, die hatten einges zu bieten. Nicht, dass die Welt jemals langweilig war. Mitnichten, nein, aber aktuell gehen die Weichenstellungen in Richtung eines kratzenden Ungemachs. Die Bad Boys haben die Oberhand gewonnen.

Jungs der Freude: Weinstein, Gauland, Trump, Amri, Putin. Die Jungs in Saudi Arabien, Nord-Korea, Iran, Somalia, Ägypten, Libyen, Venezuela… Würde man auf einem Globus der Duseligkeit all die Länder des Wahnsinns 17 pink einfärben, würde man glauben, die Welt gehöre der Telekom.

Contenance. Die immer wieder neu heraufbeschworene innere Ruhe. Du schaust zu. Du verfolgst es, siehst es. Wir hatten einmal etwas erreicht. Das Kinde mit dem Bade. Mit dem Hintern einreißen. Sorry: Mit den fetten Ärschen der Idioten.

Manchmal denke ich: Ey, 1965 geboren ist echt Kacke. ’68 war ich 3. Da war ich nicht nicht so weit. Und als es losgehen sollte, kam 83 diese Schlaftablette aus der Pfalz. Die Einheitskanzler-MONOTONIE. 16 Jahre. Da war ich 34 und zweifacher Vater. Und dann hat er in einer Talkshow gesagt, dass er Karamellpudding liebt. Da war mir alles klar. Da waren wir ganz am Ende angekommen. Da blieb nur noch Karamellpudding. Alles eine Sauce. Du kommst endlich an und willst den Ballsaal betreten und dir das Hirn raustanzen, da klappt der Gitarrist einen Koffer zu und sagt Gute Nacht. Fuck.

Gut. Dann kamen Gorbatschow und Perestroika und Glasnost und Abrüstung und G8 plus Russland und die IRA wurde friedlich und selbst die baskischen Separatisten hörten auf, Autobomben zu zünden. Der Weg ins Paradies war frei…

Puff, Beng, Bumm. Aktiencrash, die Türme 2001. Alles, alles, alles vorbei. Gegen das Folgende war Vietnam Kindergarten und Apokalypse now ein kleiner Gruß aus der Küche. Amuse Gueule.

Es sind alle verrückt geworden. Die Welt spinnt. Jeden Tag noch ein wenig mehr Zunder ins Feuer. Nordkoreanische Raketentests. Voila. Jerusalem. Krim. Ausstieg aus dem Klimaabkommen. Brexit. Wir sehnen uns nach neuen Grenzen und Nationalstaat. Orban. Kaczyński. Mitten in Europa. Griechenland war ein Problem?

Ich möchte wieder in meinem Maikäfertal spazieren gehen und mir Gedanken über das Wetter machen. Schauen, wie sich die Wolken im Winde verwehen. Tatsächlich habe ich eine Sehnsucht, wieder über Banalitäten zu schreiben. Sie aus dem Nichts zu überhöhen. Die Zeit ist nicht so. Nicht mehr so. Sie war nie so. Aber es war einfacher, Dinge auszublenden und alles zu romantisieren. Das fällt gerade schwer.

Die New York Times hat heute publiziert, dass Trump bis jetzt 103 Mal nachweislich gelogen hat. Obama in seiner gesamten Amtszeit 18 Mal. Dennoch folgt Amerika Trump. Dennoch verabschieden amerikanische Politiker Trumps Steuerreform.

Wir haben nicht Trump, wir haben eine verfickte Partei mit A. Die lügt auch. 13 % folgen. Beuys. Früher in den Diskussionen um die Rettung der Welt ging es immer darum, was man tun muss. Was der nächste Schritt ist. An welcher Stellschraube man drehen muss. Es geht nicht mehr um Rettung. Das Spiel ist ein anderes. Der Ausgang ist egal. Wir stehen am Roulette-Tisch und sind in den schwitzigen Händen der scheuklappenbeengten Zocker.

Ich schaue zu, lese mit, höre Spotify und telefoniere mit Viveka. Das ist das, was ich liebe. Das ist in einem Satz 2017. Was 2018 wird, weiß ich nicht. Was ich weiß, es muss sich etwas tun. So geht das nicht. Auf keinen Fall. Zu viele Arschlöcher regieren die Welt.

Nun. Sie sind gewählt. Man bekommt immer das, was man verdient. Und dann höre ich die Musik der 70’er. Gil Scott Heron.

Ich verabschiede mich mit einer Perle aus den Neunzigern. Hat mir Spotify vor die Füße gespielt. Stereolab aus London. Metronomic Underground. 9:45. Ihr könntet ein wenig Geduld mitbringen:) Bleibt mir nur, euch und das Leben zu küssen. Lasst uns nicht aufhören, zu fliegen. Und zu küssen. Und all den Scheiß zu machen.

Diese verflixten Social Media

Ey, Leute, kommt, ihr kennt das.

Ja, wenn man nicht gerade 17 ist und in den ganzen Kram reingeboren, dann lebt man die Social Media zwischen Faszination und Abneigung. Hat man ein Problem, wenn man mehr facebooked als ins Kino geht oder Bücher liest?

2010 bin ich eingestiegen. fiftyfiftyblog begann und ich wollte ein berühmter Blogger und Influencer werden. Ja, manchmal mache ich mich ein wenig lächerlich. Aber, das ist nicht schlimm. Ich komme damit klar. Um den Blog nach ganz oben in den Himmel des Interesses zu hieven, wollte ich die sozialen Medien nutzen. So macht man das. Verlinkt, posted usw. Hat auch irgendwie funktioniert. Und hätte besser funktioniert, wenn ich das Ganze, wie ich das aus meinem Job kenne, zielgruppenspezifisch angegangen wäre. Hatte ich keine Lust zu. Wollte dann doch eher spielen und frei schreiben und tun und lassen, was ich will.

Das hat mir viel Freude bereitet und tatsächlich habe ich im Blog gute Stunden verbracht. Habe mit Sprache gespielt, mich ausgetauscht, habe die Fotografie entdeckt, weil ich Fotos brauchte und bin oft an die Schamgrenze gegangen. Das hat mich verändert. Lockerer gemacht. Mir ist es heute ziemlich egal, was Menschen von mir denken.

Und parallel bin ich in die Social Media eingestiegen. Habe alles mal ausprobiert. Zunächst Twitter. Das habe ich sehr ernsthaft betrieben und heute sind da immer noch über 6.000 Follower. Allerdings bin ich nie richtig mit diesen 140 Zeichen klargekommen. Das tut weh. Trotzdem mag ich Twitter und habe zuletzt auch wieder mehr Engagement gezeigt. Zwischendurch habe ich Tumblr und Pinterest ausprobiert. Aber: Nicht wirklich mit warm geworden.

Facebook ist mein Ding. Ab und an lade ich neue Freunde hinzu, die natürlich keine Freunde sind. Menschen, die mich interessieren könnten. Ich mag es, in der Küche zu sitzen, und die Bilder und Geschichten durchlaufen zu lassen. Da sind meine Kinder, meine Brüder, Kollegen, Freunde aus Nosbach, Köln, Kollegen, Schulfreunde, Künstler, Gleichgesinnte. Es ist bunt. Viel besser als die Nachrichten. Obwohl. Erst lese ich Spiegel Online am Morgen, dann öffne ich Facebook. Allerdings nicht jeden Tag. Oft lebe ich auch tagelang ohne. Freue mich dann zu sehen, was geschehen ist. Oben diese kleine rote Zahl. Benachrichtigungen.

Der angenehme Nebeneffekt: Ich arbeite in der Branche. Kommunikation. Eigentlich wollte ich Bauingenieur, Meeresbiologe, Surflehrer auf Fuerteventura und letztlich Theaterregisseur werden. In einer alten Fabrikhalle wohnen, mit Freunden über das Leben sprechen, die Zeit diskutieren, die Welt retten. Mindestens. Hat sich anders entwickelt. Mein Papa sagte immer: Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Yep. Hat sich als durchaus wahr erwiesen.

Kommunikation. Die Social Media gehören dazu. Für uns sind das Kanäle. Wenn man sie für Kunden nutzen möchte, muss man wissen, wie sie funktionieren. Wie sie ticken. Welche Sprache dort gesprochen wird, wie die Mechanismen sind. Nach sieben Jahren habe ich ein ganz gutes Gespür. Allerdings: Die Zeit bleibt nicht stehen. Manches war gestern, manches kommt heute neu hinzu und auch morgen werden neue Möglichkeiten auftauchen.

Aktuell war ich nun gefragt, Instagram zu verstehen. Was ist der Reiz? Was ist die Methodik? Was ist das Herz? Am Wochenende habe ich einen Account eröffnet. Direkt am Anfang habe ich dort meine Kinder getroffen, die sich von Facebook verabschiedet haben. Ich weiß jetzt, weshalb. Die Psychologie einer Generation. Mit Jim habe ich mich unterhalten und er konnte mir ziemlich genau sagen, weshalb.

Nun könnte man rein theoretisch den Social Media absagen und sein Leben elektronisch-digital auf Null schrauben. Askese. Klingt verheißungsvoll und rein. Om. Nur. Die Neugierde. Das Neue entdecken. Vasco da Gama. Um den nächsten Felsen herum segeln. Was mag da sein? Es ist ganz einfach spannend und unterhaltsam. Manchmal wahrhaft befremdlich. Weil unbekannt. Weil anders als alles andere vorher. Hat Social Media Nebenwirkungen? Bekomme ich Akne oder Krebs oder psychisch-soziale Störungen?

Wer weiß? Aber: Egal. Hauptsache es macht Spaß. Mein Papa: Leute, wollt ihr ewig leben?

Letzten Endes werden wir zu keinem Ergebnis kommen. Wir sind die ersten Affen, die diesem Versuch beiwohnen. Später einmal wird man über uns lächeln. Und, bitte, löscht alle meine Posts. Es könnte peinlich werden. So, als wäre man ein Mensch, der zum ersten Mal ein Feuer sieht. Wahrscheinlich alles ein wenig eckig und unbeholfen. Wie erste Funksprüche.

Aber: Ich möchte sie nicht missen. Und ich freue mich über dieses leichte Prickeln, das Instagram in mir auslöst. Entdecken, wie es funktioniert. Tatsächlich möchte ich immer nur spielen. Ausprobieren. Den Social Media Baukasten zum Glühen bringen. In diesem Sinne. Wir posten uns auf Facebook, Twitter, Instagram…

Alles neu macht der Mai, alles…

Mögt ihr auch dieses junge Blättergrün? Diesen heillos optimistischen Farbton, der in seiner gänzlichen Zartheit so vor Willen und Kommendem strotzt? In etwa so wie Kirschblüten, nur noch ein wenig realistischer. Nicht ganz so märchenhaft.

Früher habe ich ihn überwiegend in dem Buchenwald unten im Maikäfertal wahrgenommen, nun in Essen Werden. In den Wäldern der grünen Hauptstadt Europas. Steht hier überall. Nun. Wenn das mal nicht mit der Reinwaschung eines hier heimischen Strombetriebs zu tun hat, dessen Kohlkraftwerke mehr Schatten als Licht verbreiten. Aber es ist Mai und es war von Optimismus die Rede.

So lassen wir ihn zu Wort kommen. Auf meinen Streifzügen durch Facebook habe ich einen Interviewausschnitt aus einer Talkshow gesehen, in der sich Claas, der von Joko, über Europa und die Zukunft äußerte. Er sprach davon, 1983 geboren zu sein und zu einer Generation zu gehören, die bislang dachte, die Politik samt Demokratie und Europa käme mit der Post. Seit den politischen Volksentscheidungen im angelsächsischen Raum sieht das nun anders aus. Demokratie ist gar nicht so einfach und strikt, wie man denkt. Und ja, wenn sie nicht gepflegt wird, oh, bekommt sie ein Haltbarkeits- und Verfallsdatum.

Es ist an der Zeit. Als unbelehrbarer Optimist und Mensch, der sich Strohhalme zu Bäumen redet, glaube ich fest an das Sprießen von Hoffnung. So Schritt für Schritt erreichen wir den Zenit der dunklen Kräfte. Das sich Überstülpen der schwarzsehenden Mahner und Warner macht so wenig Spaß und verdirbt dermaßen die gute Laune allerorten, dass sich diese Erscheinung hoffentlich bald auflöst. Was immer dieses Breitmachen von Frust und Enge auch bedeuten mag, möge es sich jetzt wieder zurückziehen. Braucht kein Schwein.

Friede, Freude, Osterfeuer

Ostern in Essen 2017.

Gestern Abend der Osterspaziergang. Rund um den Baldeneysee brennen die Osterfeuer. Oben auf der Höhe bei den Bauern, unten am See auf den Bootsplätzen der Segelclubs. Die Sonne scheint, es blüht, die jungen Blätter kommen, das zarte Grün. Der leuchtende Baum auf der anderen Seite des Ackers, der schmal auslaufende grüne Streifen.

Die Welt ist zauberhaft. Harmonisch, optimistisch schön. Im zarten Grün.

Und gleichzeitig ist sie es nicht. Die Friedensmärsche, so nötig wie lange nicht. Ihr seht Nachrichten, seid informiert. Keine Details an einem solchen Tag.

Meine Kinder sind in Portugal, Zoe kommt heute per Flieger zurück, Jim geht jetzt Richtung Tarifa, Gibraltar. Die Mittelmeerküste entlang zurück. Glaube ich. Wir werden sehen.

Frohe Ostern wünsche ich euch. Und ein Denken an das, was dieser Tag zu bedeuten hat. Öfter mal nachdenken und sich Zeit nehmen, das Sinnvolle zu empfinden und zu tun. So einfach ist das. Die Welt ist schön, wenn man schaut. Von oben. Wieso dieses Schöne nicht in voller Aufmerksamkeit leben und lieben? Wieso dieses unfassbare Glück als Mensch auf diesem Planeten leben zu dürfen nicht mit vollen Händen nehmen? Schwelgen im Gegebenen? Nennen wir es das Göttliche an diesem Tag. Nennen wir es den Geist der Welt. Nennen wir es das Lottoglück der Menschheit.