Frieden 11

Mutters Picasso im Schlafzimmer neben dem Spiegel
Mädchen mit Taube, weiß
auf Spanplatte
Musterplatte meines Vaters
Rand gestrichen, weiß
– so sanft

Neben dem Foto
des Vaters meines Vaters
noch lächelnd
nach der Entnazifizierung
gestorben am Darmkrebs

Mein Sohn heute
in Köln
Ausflug der Klasse
ins Gestapogefängnis
Gedenkstätte
Entnazifizierung des Volkes Teil X
Lege meine Hand über deine Seele
sende dir Blumenduft und Rosenhauch
und eine starke Hand

Bilderstreit
Messehallen Köln
Ästhetik des Widerstands
danke Peter, Peter
Schmidt und Weiss
Guernica
Les Bombardements never ends

Danke Joseph
bist mir eine Stütze
Dürer, ich
führe per=
sönlich Baader+
+Meinhof
durch die
documenta
V

jens schönlau, februar 2011

7 Antworten auf „Frieden 11“

  1. Guten Morgen, Jens,

    jetzt wirst Du „geschichtlich“. Hierzu nur ein kleines Zitat:

    Golo Mann: „Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen.“

    Ich wünsche Dir einen guten Tag.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ein gutes Zitat. Gehen wir über die Erkenntnis hinaus und vertiefen uns in das Metaphysische, sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eins. Unvorstellbar, aber es ist so. Der Blick in den Raum vorbei an den Sternen verrät, wie es tatsächlich ist. Es genügt, am Abend in der freien Luft den Kopf in den Nacken zu legen. Geschichtlich, persönlich.

      Dir auch einen schönen Tag

      Jens

  2. Lieber Jens,

    bist Du gerade in einem Tief? Ich empfinde, auch wenn ich gerade nicht die Zeit habe intensiv zu lesen, die Worte, die ich von Dir lese so. Es fühlt sich für mch an als schwinge Schwermut mit.

    Ich habe Elaine verloren, war zu lange ohne Konzentration zu lesen. Jetzt habe ich zu tun, aber wenn ich mal wieder Zeit habe, werde ich sie ganz sicher lesen.

    Dir einen schönen Tag

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      so ähnlich. Schwerer, aber nicht schwermütig. Handfester, tiefer, konzentrierter vielleicht. Da tut sich gerade was:) Momentan kann ich gerade nicht die leichten Blogtexte schreiben. Hat vielleicht auch mit Elaine zu tun. Aber egal. Mach dir bitte keine Sorgen, mir geht es wirklich bestens, auch wenn das alles rauer und frostiger klingt. Ich weiß, ist mit bewusst. Gerade kein Friede, Freude, Eierkuchen. Elaine ist natürlich kompliziert zu verfolgen, ist mir auch klar. Dann kommt was, dann kommt nichts, dann weiß man nicht mehr, was war. Geht mir auch so:) Momentan macht es mir aber einfach Spaß, daran zu schreiben und deshalb mache ich das auch. Eine neue Erfahrung, einen solch langen Text zu schreiben, der nicht wissenschaftlich ist. Bislang ist meine Magisterarbeit der längste Text, den ich geschrieben habe.

      Dir auch einen schönen Tag

      Jens

  3. Lieber Jens,

    natürlich mache ich mir Sorgen, wenn mich das aus Deinen Worten heraus förmlich anspringt. Man kann nicht jeden Tag gleich gut drauf sein, wobei ich weiß, dass es solche Menschen gibt. Man hat einfach unterschiedliche Lebensphasen, Gefühlsphasen und das ist gut so. Aber wie das so ist, der eine sendet das aus, der andere nimmt es auf, empfindet es oder auch nicht.

    Ich denke aber, dass Du das schaffen wirst.

    Herzlich
    Gitta

  4. Hallo Jens,
    was für ein tiefes Gedicht! Da ist so viel drin, das mich anspricht: Kindheit und ihre Gefühlsprägungen durch die Eltern und den Opa, in die Gegenwart transportiertes Grauen, festgehalten und es unsren Kindern vor Augen führen lassend und gleichzeitig sie davor schützen mögend: „Lege meine Hand über deine Seele
    sende dir Blumenduft und Rosenhauch
    und eine starke Hand“ – wie liebvoll, wie fürsorglich und verantwortungsvoll, so sollte jeder Vater sein – ,Politisches und Kunst und deren zentrale Rolle im eigenen Sein.

    Gefällt mir sehr gut, Dein Gedicht und traurig finde ich es überhaupt nicht traurig; so ist es, das Leben.

    Liebe Grüße Eva 2

    Wie geht es der Familie von Elas Bruder in Neuseeland?

    1. Hi Eva,

      Elas Bruder und Familie geht es gut. Das Beben war direkt in der Nähe von Christchurch durch tektonische Verschiebungen ausgelöst worden. Sie wohnen in Nelson, das doch ein ganzes Stück entfernt liegt. Es dürfte sie dennoch getroffen haben, wenn so viele Menschen in der „Nähe“ durch ein Beben umkommen. Da entsteht sicherlich Angst. Keine schöne Situation.

      Zum Gedicht. In der Embryonalphase durchläuft der Mensch die Phylogenese, die biologische, stammesgeschichtliche Entwicklung des Menschen. In der Ontogenese, der Individualentwicklung, ist die Phylogenese enthalten. Das zieht sich soziokulturell fort. Beuys spricht von der sozialen Plastik, von der sozialen Skulptur und damit von der Einmischung des Künstlers ins gesellschaftliche Leben. Das klingt vielleicht abgedroschen nach siebzigerjahre Diskurs, ist aber für mich der Motor gesellschaftlicher Entwicklung und künstlerischen Handelns. Die Dinge fließen ineinander und sind verzahnt. Die verzahnungen zu empfinden, sie aus der Ratio in die Emotion zu tragen, ist für mich seit jeher ein versuch, den ich von verschiedenen Seiten angehe. Kirschblütenblättersehnsucht und Frieden 11 sind einender nicht so fremd, wie es beim lesen klingt. Sie wachsen auf einem Boden. Nur manchmal ist es mir ein Anliegen, die Sprache brachialer, die Bilder gewaltätiger zu wählen. Weil ich selbst nicht einschlafen möchte und ab und an ein Weckruf in mir wie ein fieser Wecker klingelt und weil ich auch nicht will, dass die Welt pennt. Zumindest die kleine Welt um mich herum. Deshalb bin ich manchmal eine Zumutung.

      Danke für deinen Kommentar, der mich sehr gefreut hat.

      Liebe Grüße

      Jens

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