„Mama, Papa, Jim, Cooper, Haus!“

Aus der großen Welt der Politik kehre ich zurück ins kleine Leben. Ganz schön aufregend, wenn ein Artikel plötzlich Wellen schlägt und so viele Besucher/innen in den Blog kommen. Es hat mir Spaß gemacht, zu politisieren, aber das hier ist kein Polit-Blog. Das gibt mein Leben tatsächlich nicht her. Ich habe eine Meinung, bin aber noch in der Phase, als erziehender Vater gebraucht zu werden. Deshalb die Überschrift heute.

Meine Kinder. Die Welt von Morgen. Sie sollen gut vorbereitet sein, wenn es los geht. Ihr Leben auf eigenen Füßen. Gestern Abend kam ich vom Fußball nach Hause. Es war kurz vor Zehn und Zoe konnte nicht schlafen. Das hat sie manchmal. Total müde, aber die Augen wollen nicht zufallen und der Geist will nicht ins Reich der Träume hinüberwandern. „Legst du dich noch kurz zu mir?“ Klar. Selbstverständlich. Gerne. Da liegt sie neben mir und schließt die Augen. Ich merke, wie wohl sie sich fühlt. Geborgen.

Ich rede noch ein wenig mit ihr. „Zoe, geht es dir gut?“ Eltern möchten das manchmal einfach hören. Und vielleicht gibt es ja einen Grund, weshalb sie nicht schlafen kann. Gedanken. Irgendetwas in der Schule. Probleme. „Papa, mir geht es gut.“ Schön. Eine Frage noch, denke ich. Mich interessiert es und ihr hilft es, auf andere Gedanken zu kommen und dann einzuschlafen. „Zoe, was ist dir wichtig im Leben?“ Die Antwort ist die heutige Überschrift. „Mama, Papa, Jim, Cooper, Haus!“ Das war schon immer so. Alle zusammen. Sicherheit. Heimat. Mich freut es. Ich glaube, wir können ihr ein gutes Zuhause geben. Meine Hand lege ich ihr auf den Kopf. Leicht, nicht drückend. Ihr Atem wird ruhiger und sie schläft. Drei, vielleicht vier Minuten hat die Aktion gedauert. Hätte es nicht geklappt, hätte ich ihr eine Geschichte erzählt. Das funktioniert schlafsicher.

Derweil liegt Jim in seinem Bett und schläft schon seit geraumer Zeit. Er ist am Samstag 14 geworden. Das wilde Alter beginnt. Am Sonntag hatten wir „Kindergeburtstag“. Ist natürlich nichts mehr mit kleinen Spielchen und Schokoladenessen. Im letzten Jahr war ich mit ihm uns seinen Freunden in Köln in der Kletterfabrik. Die Wände hoch. In diesem Jahr sollten Mädchen dabei sein. Ela hat den Vorschlag gemacht: Bowling. Jim war einverstanden, ich war dann drei Stunden mit sieben Teens plus Zoe bowlen. Die kleine Schwester durfte dabei sein. Sie hat gefragt und Jim fand es O.K. Da standen sie nun. Kicherten. Jungs-Mädchen-Thema. Handys, kurze SMS. „Och nö, kommt. Jetzt mal für die Zeit des Bowlings keine Handys.“ Jim hat kein Handy. Wir wollten das rauszögern. Auf dem Geburtstag hab ich dann gesehen, wie selbstverständlich die Dinger sind. Und wie die Finger beim Simsen fliegen.

Ela und ich haben dann beschlossen, dass Jim jetzt auch darf. Er hatte schon mal eins für eine Zugfahrt nach Dänemark, da hatte er aber gleich das ganze Guthaben per Internet verballert. Irgendwie war das an, obwohl wir vorher eingeschaltet hatten „Bei Verbindungsaufbau nachfragen.“ In Hamburg war die Karte leer. Vorm Umsteigen hatte er sich gerade noch mit „Bin fast im Zug gemeldet“. Später ist der Zug auf die Fähre gefahren und alle mussten aussteigen. Das wusste er nicht. Wir auch nicht. Er wollte lieber mal anrufen, aber Karte leer. Ts. Nun haben wir ihm also gestern gesagt: „Du kannst ein Handy haben“. Wollte er nicht. „Wisst ihr was, die Dinger interessieren mich nicht. Ich hab meinen iPod zum Musikhören. Mehr brauche ich nicht.“ Ah. Ja dann. „Wenn du doch willst, einfach sagen.“

Ganz schön kompliziert mit dem Erziehen. In Deutschland ist alles kontrolliert (außer Futtermittel scheinbar), nur Kindererziehung, die geschieht so. Ist ja auch gut so!!! Aber diese Vorstellung: Du kommst aus dem Krankenhaus und hast plötzlich ein Baby auf dem Arm. Und dann learning by doing. Von nix eine Ahnung. Tür auf, Eltern mit Baby raus und schönen Tag noch. Do it yourself. Heimwerkern. Irre.

Euch einen schönen, entspannten Tag.

„Der Mensch ist, was er tut. Nichts anderes.“

Das Zitat der Überschrift stammt von Jean Ziegler. Es steht jetzt hier in diesem Blog, weil es seinen Weg über einige Gedankenecken und Fügungen zu mir gefunden hat. Besser umgekehrt. Ich bin zu ihm geeilt. Einige Tage zuvor: Ich schreibe hier im Blog Google, Sex, Dreikönigstreffen! Bin angekratzt. Hörte Guido Westerwelle sich zurück in die Pole-Position schreien. Angriffe mit stumpfer Waffe. Politik in Deutschland – je lauter, desto besser. Große Buchstaben. Einfache Zusammenhänge. Leicht nachvollziehbar. Sündenböcke. Und die Medien spielen mit, nehmen die Informationen, um eine verkäufliche Ware zu haben. Mechanismen.

Also schreibe ich diesen angekratzten Text und schimpfe noch über die leseschwachen Heiligen Könige, die in diesem Jahr zu meiner Überraschung lesestark und pfiffig waren. Ein König des Wissens erläuterte mir sogar die drei Buchstaben C*M*B – nicht Caspar, Melchior, Balthasar, nein: Christus Mansionem Benedicat (Christus segne dieses Haus). Danke! Kann man immer brauchen, einen guten Segen. In diesem Jahr hätten wir statt der Kreide auch einen Aufkleber haben können – nicht abwaschbarer Segen. Eine Innovation der katholischen Kirche, von der ich mir in anderen Fragen diese Beweglichkeit wünschte. Nun gut, sie kommen zu uns und bringen den Segen. Als wehmütiger Traditionalist wählte ich die Vergänglichkeit des Kreidestaubs.

Zurück zum Thema. Der Beitrag Google… hatte vor allem Eva und Ewa (im Brigitte Woman Blog) zu Kommentaren bewegt, die wiederum mich bewegt haben. Verzweiflung. Unmut über den Zustand der Welt. Und ja: Nach dieser Finanzkrise entsteht der Eindruck, nichts zählt mehr außer Geld: USA vor der Fast-Pleite. Der Finanzminister bittet den politischen Feind auf Knien um Gnade. Griechenland. Portugal. Spanien. Sparprogramme, Unmut. Erste Anarchisten treten auf, Bomben explodieren in Botschaften in Rom. Italienische Anarchisten. Wut. Zorn. Weshalb? Tausende Milliarden Dollar zur Rettung der Banken, die schon wieder Milliarden an Boni ausschütten. Gleichzeitig wird „das Budget des Welternährungsprogramms der UNO um die Hälfte reduziert, von sechs auf drei Milliarden.“ Das sagt Jean Ziegler, schweizerischer Soziologieprofessor.

Ein Bekannter hat mir am Freitag einen Artikel der Zeit gemailt. „Ich bin ein weißer Neger“ Jean Ziegler im Interview. Der Mann ist 76 Jahre alt und mit 6 Millionen Euro verschuldet, weil er immer wieder wegen übler Nachrede verklagt und verurteilt wurde. Weil er Diktatoren beschimpft hat oder Banker seines Heimaltlandes. Ein streitbarer Geist, der viel erlebt hat und seit 50 Jahren über das ungerechte Gefälle zwischen erster und dritter Welt schreibt. Dieses Interview ist sehr besonders. Ich möchte euch empfehlen, es zu lesen. Nicht zwischendurch, sondern mit etwas Zeit. Es macht Mut. Nicht in die Richtung, die Welt lässt sich retten. Nein. Ganz und gar nicht. Aber in die Richtung: Es gibt Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Die dem Unangenehmen nicht aus dem Weg gehen. Die kämpfen.

In meinem Magisterstudium hatte ich ITWZ belegt. Neben Germanistik und Politischer Wissenschaft mein drittes Fach. Internationale Technische und Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Entwicklungspolitik. Ich dachte, da lässt sich was ändern. In der Entwicklungspolitik liegt der Schlüssel zur Weltgerechtigkeit. Es war ein Versuchsstudiengang. Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler in einem Boot. Interdisziplinarität. Wir wurden an die Wand gedrückt. Wir sagen euch Geisteswissenschaftlern mal, was Entwicklung braucht: Zement! Um Beton mischen zu können, das Fundament von Farbriken, Industrie und Wohlstand. Ein Projekt, über das ich schrieb, war Ruanda. Ich dachte, es kann nicht nur darum gehen, einen Zugang zum Meer zu schaffen. Erst müssen wir das Land, die Menschen verstehen. Sozio-kulturelle Faktoren. „Bullshit“ war die Antwort. Sozio-kulturelle Faktoren kann keiner essen. Dann kamen die Massaker, die Entwicklungshelfer wurden ausgeflogen. Genozid. Alles Geld futsch, zum Teufel gejagt. Zurück blieb: Zement. Guten Appetit.

Ich hatte die Schnauze voll, wollte damit nichts mehr zu tun haben. Bin am Theater gelandet und wollte Botschaften von der Bühne senden. Nationaltheater Mannheim. Abonnement-Publikum. Türen knallen bei modernen, gewagteren Inszenierungen. Pfui-Rufe von den überwiegend älteren Damen des Abonnements. Intzrigen im Haus – Kampf Kreative gegen Technik, Technik gegen Kreative. Wo kämpfen? In Ruanda? Auf deutschen Bühnen?
Jetzt bin ich Werbetexter. Lebe zurückgezogen auf dem Land, kümmere mich um meine Familie, schreibe sanfte Gedichte und einen freundlichen Blog. Kratze nicht, lege mich nicht an.

Lese Ziegler. Was für ein Mann. Mit 76 in der Welt unterwegs für die UNO. Erst als Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, jetzt als Mitglied im beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats. Es wird Zeit, sich wieder mehr einzumischen. Den Geldbesessenen dieser Welt ein Gegengewicht zu präsentieren. Eine Botschaft in die Welt zu senden „Ihr könnt nicht tun und lassen, was ihr wollt.“ Ziegler zitiert Brecht: „Was hat das alles denn genützt? All die Theaterstücke, die Schriften, dieses Ringen im Exil? Brecht dachte nach, und schließlich sagte er: Ohne uns hätten sie es leichter gehabt.“ Und er zitiert Walt Whitman: „Er erwachte am frühen Morgen und ging der aufgehenden Sonne entgegen… hinkend.“

Mit Gedichten gegen Mauern? Laotse. Das weiche Wasser, bricht den harten Stein. Viel weiches Wasser. Sehr, sehr, sehr viel weiches Wasser. Die Bewegungen der siebziger Jahre. Ohne die hätte es Abrüstung und Windkraft nie gegeben. Ciao.

Drama, Drama um Tamara

Wer ist Tamara? Eine Leinwandfigur. Wir haben es wieder getan. Sind zu viert ins Kino gefahren. Diesmal nach Köln. Cinenova in Ehrenfeld. Keiner der riesigen Kinopaläste, sondern eine umgebaute Fabrikhalle. Eintritt bezahlbare 6 € und Sweets zu Preisen, die sich kreditfrei aus dem normalen Tagesbudget bezahlen lassen. Die hatten sogar Lakritz. Sehr sympathisch. Wenn meine Eltern Sonntagnachmittags gerne mal allein sein wollten, durften mein älterer Bruder und ich ins Kino. Tüte Katjeskinder für 60 Pfennig und dann „Vier Fäuste für ein Halleluja“ mit Bud Spencer und Terence Hill. So hatten wir alle unseren Spaß.

„Immer Drama um Tamara“ von Stephen Frears war gestern ein Aufheller. Nachdem der Südwind mächtiges Tauwetter herangepustet hatte, war mir gestern komisch. Eis und Schneematsch und alles ein Einerlei. Da kam die britische Komödie mit ihrer heftigen Sprache (F…, Sch…, Pf…) genau richtig. Komischerweise ging es wie in „3“ wieder um sexuelle Begierde, Betrügereien und Bettgeschichten. Diesmal jedoch weniger schwerwiegend erzählt. Die Szenerie: Ein englisches Dorf. So groß wie unser Dorf. So verschlafen wie unser Dorf. Dort hat sich ein Ehepaar niedergelassen. Er Bohemien, Bestsellerautor, leicht schmieriger Schleimer und Verführer, sie Seele des Landguts. Die beiden vermieten Zimmer an Autoren/innen. Da kommen ziemlich skurrile Typen und Gespräche zusammen.

Wie im Sommernachtstraum nehmen die Dinge ihren Lauf. Kommentiert von zwei fünfzehnjährigen Mädchen, deren Schaltzentrale die Bushaltestelle des Dorfes ist. Alles geht seinen Gang, bis eine ehemalige Dorfbewohnerin mit Hotpants die Welt durcheinanderwirbelt. Skurrile Situationen entstehen, die Geschichte ist trocken britisch erzählt, die Dialoge – vor allem der beiden fünfzehnjährigen Mädchen – sind witzig. Englisch. Muss ich doch mal hin, auf die Insel drüben.

Nachdem wir noch ein Bier getrunken hatten, fiel ich um halb Eins ins Bett. In der Nacht träumte ich von einer Hochzeit. Ob mich der Film an „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ erinnert hat? War’s der Südwind? Oder das Lakritz? Auf jeden Fall: Schön war es. Ich war nicht der Bräutigam. Diese Erfahrung fehlt mir ja bekanntlich gänzlich. Ich war dabei. Draußen auf einer grünen Wiese im Sommer. Der Bräutigam trug einen weißen Pullover, hatte zwei große Ohrringe und eine Irokesenfrisur. Mein älterer Bruder war dabei. Wir waren eingeladen, weil wir dem Bräutigam einen Gefallen getan hatten. Ich glaube, wir hatten bei einem Umzug geholfen (gefühlt habe ich in meinem Leben eine Millionen Mal bei Umzügen geholfen und irgendwie immer die Waschmaschine getragen). Die Atmosphäre der Hochzeit war so schön. So warm war es, die Sonnenstrahlen, die lachenden, fröhlichen Menschen. Meine Seele wollte sich wohl in einer Sehnsucht tummeln. Licht, Wärme. Nicht im Gedanken, ich würde heiraten, falls ihr das jetzt denkt. Ach, wie schön. Bin und bleibe ein unverbesserlicher romantischer Harmoniker mit dem Drang nach Happyend. Alles wird gut. Ist gut. Immer.

Euch einen schönen Tag. Mit Liebe, Licht, Sommerlust. Zwar fallen die Sonnenstrahlen wahrscheinlich wieder in Tropfenform, aber egal, Hauptsache es macht Spaß. Tschüss.

Google, Sex, Dreikönigstreffen!

Ein bedeutender Tag! Die heiligen Könige kommen. Zu Jesus an die Wiege und adeln das von Gabriel verkündete Kind. Bei uns auf dem Dorf fährt irgendwann ein Kombi vor, aus dem drei bunt verkleidete Gestalten aussteigen, um an unserer Tür zu klopfen. Der Text steht hinten auf dem Stern und der Vortrag bestätigt die Leseschwächen der Pisa-Studie. 2 Euro. Tschüss. 2011 Jahre später.

Derweil versucht ein Guido Westerwelle die Scherben seiner ersten Regierungszeit zusammenzuschieben und daraus einen leuchtenden Stern zu formen, hinter dem sich das liberale Deutschland wieder versammeln kann. Der Ärmste. Kommt mir ein wenig vor, als müsste er nun als großer Magier David Copperfield irgendein As aus dem Ärmel zaubern, um gegen die ganzen persönlichen Anfeindungen anzukommen. Da steht die Meinung des amerikanischen Botschafters im Raum und auch sonst rumort es. Ich persönlich hab die Sache mit der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen und die Begleitung durch private Wirtschaftsdelegationen noch nicht vergessen. Deutscher Außenminister. Das war immer irgendwie ein parteiübergreifendes Amt. Ehrfurcht. Gute Botschaften im Ausland. Genscher, Kinkel, Fischer. Gute Auftritte. Westerwelle gehört leider nicht in diese Liga. Bin gespannt, was er sagt. Wie er’s sagt.

Derweil hab ich neue Erfahrungen als Blogger gesammelt. Seit ich mich aus dem gemütlichen Schoß des Brigitte Woman Blogs in die freie Wildbahn begeben habe, hat sich einiges verändert. Zum Beispiel, dass ein Anti-Spam-Programm wichtig ist, das den Blog schützt. Tag für Tag trudeln hier bis zu 20 Spam-Kommentare von meist russischen Servern ein, die Links verbreiten wollen. Musste ich anfangs per Hand löschen, jetzt geht das automatisch. Die Lösung musste ich erst einmal finden. Reale Welt. Außerdem wird der Blog jetzt von Besuchern frequentiert, die über Google kommen. Und was suchen die? Sex. Meistens. Da kommen viele Menschen auf diese Seite, die nackte Männer unter Duschen sehen wollen oder gerne Sex zu viert hätten. Hab ich natürlich nicht dran gedacht. Google-Logik. Wer mit dem Feuer spielt. Ich glaube, da hab ich mittlerweile einige Leute arg enttäuscht:)

Gestern dann: Das Thema Dioxin-Eier hat mich wirklich beschäftigt. Aus dem Bauch raus hab ich die Überschrift mit den Ei-Erkennungscodes gewählt. What happens? Besucherrekord. Absolut. Ich dachte, was ist den hier los? Hab dann mal meine Head eingegeben bei Google und siehe da: Der fiftyfiftyblog erschien auf dem 3. Platz. Vor großen Nachrichtenportalen. Und viele haben geklickt. Sind aber nicht geblieben. Die Welt des Internets. Sex, Sensationen, SEO (Search Engine Optimization). Eigentlich nicht meine Welt. Trotzdem werde ich nun mit ihr stärker konfrontiert, als ich das möchte. Blogwachstum kontra Authentizität. Das Weiche gegen das Harte. Das Netz verändert. Saugt, formt, will. Nun gut. Ein Aspekt des Bloggens. Muss man sich drüber im Klaren sein. Werd das mal beobachten…

Euch wünsche ich einen schönen Tag mit persönlichem Dreikönigstreffen. Vielleicht haltet ihr euch innerlich eine eigene politische Rede. Wo soll die Reise hingehen? Ciao.

2-DE-0350121 und 2-DE-0350372

Ja was ist das denn? Eierkennzeichnungen. Erzeugercodes. In diesem Falle könnten wir auch von Erzeugerkot sprechen. Das sind die Stempel, die auf Eiern mit aktueller Dioxin-Belastung drauf sind. Der Spiegel hat diese Codes veröffentlicht.

„Potenziell mit Dioxin belastete Eier könnten Einkäufer am Erzeugercode erkennen, sagte Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei Eiern mit den Codes 2-DE-0350121 und 2-DE-0350372 liege der Dioxinwert über dem zugelassenen Grenzwert.“

Weitere Codes hat das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen veröffentlicht:

2-DE-0513912 (MHD bis spätestens 20.01.2011).

3-DE-0514411 (MHD bis spätestens 20.01.2011, bei Eiern mit dieser Stempelnummer sind nur die Eier mit brauner Färbung betroffen.)

Zusammenfassend sollte auf unseren Frühstückseiern also folgendes nicht stehen:

2-DE-0350121
2-DE-0350372
2-DE-0513912
3-DE-0514411

Und weshalb? Weil mit Dioxin nicht zu spaßen ist. Das geht nicht rein und gleich wieder raus, sondern bleibt schön drin. Bei Wikipedia heißt es: „Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane sind sehr giftig, das 2,3,7,8-TCDD wird teilweise als „die giftigtste vom Menschen hergestellte Verbindung“ bezeichnet.“ Leider steht da noch mehr: „Fachgremien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der amerikanischen Gesundheitsbehörden und der US-Umweltbehörde EPA stufen 2,3,7,8-TCDD als für Menschen krebserregend ein.“ Ob es sich in den Eiern um dieses Dioxin handelt, weiß ich nicht. Vielleicht lest ihr euch selbst mal in den Wikipedia-Artikel Dioxin ein.

Unappetitlich aber ist, dass das Zeug nur ganz schlecht aus dem Körper wieder rauskommt. Es lagert sich im Fettgewebe ab und bleibt da drin. Wikipedia: „Bei einer akuten Vergiftung ist keine Möglichkeit zur raschen Entgiftung bekannt. Wegen der Einlagerung im Fettgewebe des Körpers können sie selbst durch Blutwäsche nicht oder nur langsam ausgeschieden werden.“ Bingo. Deshalb schreibe ich diesen Artikel. Wer bis jetzt gedacht hat „was schert mich so ein bischen Dioxin“, der sollte vielleicht umdenken und zumindest eine Zeit lang auf Bio umstellen. Vor allem, wenn Kinder im Spiel sind. Denn letztlich werden Eier in jede Menge Produkten verbraten. Keine Sorge? Wird doch kontrolliert?

Nanü. Immerhin ist das Zeugs über die Futtermittelindustrie in die Nahrungskette gelangt. Was die Hühner essen, essen wir. Am Ende landet das Zeugs in unseren Körpern und wir fragen uns dann irgendwann „Weshalb ausgerechnet ich?“ Das Dioxin war in Industriefetten, die bei der Biodiesel-Produktion übrig waren. Die sind für die Futtermittelproduktion verboten. Who cares? Das Unternehmen hat selbst Alarm geschlagen. Zumindest das. Wer macht das schon? Zeit zum Umdenken. Bio. Teurer? Vielleicht weniger, aber besser essen. Die haben auch Skandale? Nicht zu vergleichen mit dem, was die konventionelle Nahrungsmittelproduktion veranstaltet. Es gibt einfach viele Stoffe, die gehören nicht in die Nahrungskette. Nicht in unsere Körper.

Haut euch heute mal ein leckeres Bioei in die Pfanne. Zeichen setzen. Nicht alles schlucken. Ciao.

Quäl dich, du Sau!

Etwas heftig am frühen Morgen. Was für eine Überschrift. Udo Bölts. Radsport. Tour de France. Jan Ullrich kämpft um den Sieg (ja, ich weiß unter welchen Umständen er da hoch gesprintet ist). Alpe d’Huez. Schmerzen in den Muskeln. Und dann sagt es Bölts zu Ullrich: Quäl dich, du Sau! Ullrich gewinnt die Tour de France. Wie ich jetzt darauf komme? Vom gedopten Leistungssport zurück ins Weltgeschehen des hobbymäßigen, dopingfreien Breitensports. Zumindest in meinem Fall dopingfrei, abgesehen von… Ach. Ja, ja.

Gestern Abend in der Muckibude. Ich absolviere mein Programm. Während der fünf Kilometer auf dem Laufband (bin ich ein Hamster?) sehe ich Eurosport. Fernsehen. Einmal in der Woche. Was wird gezeigt? Dart. Das Spiel mit den Pfeilen. Ein Wettkampf in England. Stundenlang werden Pfeile geworfen. Die Massen im Saal sind aus dem Häuschen. England. Ein wenig anders. Nach fünf Kilometern erlöse ich mich von den bunten Bildern und starte mein Programm. Erst Maschinen, dann Hanteln. Ganz entspannt. Zu entspannt, wie mein Trainer befand. „Hey! Ganz runter.“ Ich liege auf der Hantelbank und stemme Gewichte. So eine Stange wie beim Gewichtheben über mir. Hebe und senke die Stange mit ihren Gewichten puppenlustig leicht und locker. Da kommt er. „Jetzt aber mal ordentlich.“ Dann kommen die Anweisungen. Also: Normalerweise hebe ich die Stange 12x. Ich war bei 7. Da sagt der Trainer „Jetzt mal nur halb hoch.“ Boah, ist das anstrengend. Noch 4x. Echt? Das tut alles weh! 3x, 2x, 1x. Ich will die Stange einhängen. Mein Bizeps droht zu explodieren. Der Trainer: „Moment. Jetzt von oben halb runter. Ja, genau so. Noch 5x.“ Ist der wahnsinnig? Weiß der nicht, wie scheiße weh (sorry, aber war so) das tut. 4x, 3x, 2x – ich kann nicht mehr!!! „Doch, du kannst. Noch 1x.“ Geschafft. Ich will einhängen. Ach quatsch, will weg sein. Planetenwechsel. Fluchttendenz. Da. Genau in diesem Augenblick, als ich gerade einhängen will, sagt er: „Ne, ne, ne. Jetzt die ganze Strecke. Runter bis auf die Brust und dann hoch. 7x.“ Ich habe Hörprobleme. Ich meine das ist unmöglich, das die Info stimmt. Dringend mit Q-Tipp sanft reinigen. Du hast jetzt nicht 7x gesagt! „Doch, mein Freund. 7x. Los.“ Was hat der mir überhaupt zu sagen. Ich bin ein freier Mensch.

Darf der das überhaupt? Hier Menschen quälen. Und dann noch ausgerechnet mich. Ich glaube, der hatte keinen guten Tag. So viel Neue. Januar. Das Telefon steht nicht still. Massenhaft Anmeldungen. Gute Vorsätze. Die Bude ist voll, voller, am vollsten. Immer nach Silvester. Die guten Vorsätze. Ordentlich beleibte Menschen quälen sich auf dem Laufband. Viel zu schnell, der Schweiß wird aus den Poren gesprengt und fliegt nur so umher. Gehen. Gehen wäre am Anfang besser. Langsam anfangen. Die Leute kommen, habe ihre guten Vorsätze und neue Sportklamotten im Gepäck, unterschreiben einen Vertrag für ein Jahr, bleiben die Probezeit und werden nie mehr gesehen. Zahlen aber weiter. Ablass. Auch eine Art Fitnesstraining, für eine nicht in Anspruch genommene Leistung zu zahlen und arbeiten zu gehen. Futsch. Einfach futsch.
Vielleicht wollte er an mir ein Exempel statuieren? Seht mal, wie es euch geht, wenn ich euch in die Finger bekomme! Ihr werdet noch froh sein… 7x. Herrje! Ich kann nicht mehr. Das tut so schweineweh. „6x noch.“ Ich gebe ihm innerlich nicht gerade sympathische Namen. Ich wollte doch freundlicher werden. Da ist doch noch was von dieser Unbändigkeit in mir. Das Tier!!! Sagen wir ein kleines Tier. 5x. Können Muskeln platzen, zerspringen, explodieren? 4x, 3x, 2x. Ich beschließe, egal was er sagt, danach einzuhängen. Der kann mich mal. Ich bin ein Bürger dieses Landes und habe Rechte. 1x. Ich hänge ein. Wahrer Widerstandskämpfer. Ich lächle verzweifelt. „Siehste, jetzt lachste!“ Was? Ich lache? Boah, ey. Jetzt dreht der das auch noch und tut so, als wäre das mein ultimatives Glück. Ich sage ihm „Geh doch einfach!“ Und er meint: „Fünf Minuten muss ich noch rumkriegen, hab‘ gleich Feierabend!“ Aber nicht bei mir. Lass‘ mich bloß in Ruhe. „Du bist doch nicht zum Spaß hier!“ Was? Aber genau deshalb. Bin ich Masochist oder was? Muss mir mein Leben weh tun, damit ich was spüre? Schönen Tag noch, tschüss Trainer.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert und schreib‘ auf teurem Papier. Ach quatsch, das war Marius. Ich sitze hier und habe Muskelkater. Schulter, Arme. Wenn ich den in die Finger kriege. Erst 7x und dann langsam bis zu 1x runter. Und dann von vorne. Bin nämlich kein Masochist, Trainer. Warte nur…

Euch wünsche ich einen muskelkaterfreien Tag. No Sports! Winston Churchill. Gebt mir eine Zigarre. Ciao.

50/50 Highlights 2010!

Wer Lust hat, die meistgeklickten fiftyfiftyblog-Beiträge 2010 noch einmal zu sehen, zu lesen oder zu erleben, findet sie hier:

1. Blog-Rückblick!

2. Wenn Männer Damenunterwäsche kaufen…

3. Wiege der Welt

4. Essen, beten, lieben. Ich auch.

5. Beste Freundinnen, forever!

6. Duschgespräche unter Männern!

7. Der Herr Cooper!

8. Lauter nackte Menschen.

9. „Fucking Gitarrenladen!“

10. 19 Jahre mit Ela!

Die meisten Kommentare hatte übrigens „Wenn Männer Damenunterwäsche kaufen…“ – 37 insgesamt.

Reset.

Jetzt sitze ich hier. Punkt. Alles anders und doch alles gleich. Binärer Code 0/1. Der Sprung von 10 auf 11. Fühlt sich alles gleich und doch ganz anders an. Aus Ende wurde Anfang. An dem stehe ich jetzt und frage mich, was kommt. Da ich keine Glaskugel habe, weiß ich das natürlich nicht. Jedoch kommen bei mir Signale an. Meine Sinne melden: Alles beim Alten. Mein Büro, der Schreibtisch (allerdings zum Jahreswechsel frisch aufgeräumt), der zeitliche Morgenablauf. Gleich geht’s raus mit Cooper. Und täglich grüßt das Murmeltier. Was hab‘ ich denn erwartet?

Ab 9 Uhr dann der erste Job des Jahres. Es geht um Motorengehäuse. Erdige Arbeit. Aus Stahl gegossen. Schiller, die Glocke. Fest gemauert in der Erde. So ähnlich werden diese Motoren auch heute noch gegossen. Es gibt sie, die Dinge, die die Zeit überdauern. Trotz Schnelllebigkeit. Vielleicht lebt es sich auch gar nicht so schnell, wie ich annehme. Vielleicht ist das Leben doch ein langer ruhiger Fluss. Bei mir jedenfalls passiert gerade wenig Spektakuläres. Vielleicht bin ich durch den Winter eingefroren oder durch die ruhige Zeit etwas gedämpft.

Dabei sind so viele schöne Dinge geschehen. Wir waren auf einer Silvesterparty im großen Haus einer Freundin. Konnten im Gästezimmer übernachten. 16 Erwachsene, 22 Kinder waren da. Könnte man meinen „Huch, Chaos“. Das war unsere Befürchtung. Die meisten der Kinder aber waren schon 14 oder bald 15. Die haben mitgetanzt. Freunde von Jim. Ich weiß noch, wie die bei der Einschulung aussahen. So kleine Hasen. Ela und ich sind um 4 Uhr ins Bett, da waren die Kinder, äh Teens, noch lange wach. 2011, 2012, 2013. Die ersten werden volljährig. Nur noch drei Jahre.

Gestern haben wir uns dann in eine lange Schneewanderung gestürzt. Hoch ins Dorf und über die Wiesen, den alten Schulweg entlang ins Nachbardorf. Dort gibt es eine alte Bergmannskneipe, weil dort bis Anfang letzten Jahrhunderts Silber abgebaut wurde. Das Dorf, das heißt die Menschen dort, sind in der Gegend bis heute für ihre raue Art bekannt. Leider hatte die Gaststätte geschlossen. Kein Licht. Also weiter ins nächste Dorf. Auch da: Nix. Zum Schluss sind wir ganz romantisch in einer Pommesbude gelandet und haben Glühwein mit Rum getrunken. So ein neues Jahr scheint langsam anzulaufen. Noch herrschen die heiligen Nächte. Bis zum 6. Januar. Heilige drei Könige. Noch haben die Kinder Ferien. Noch liegt über allem Schnee. Die Welt wie zugedeckt. Fang‘ ich einfach mal an. Mit Bloggen, Schreiben, mit 2011. Mal sehen. Seid ihr schon so richtig gestartet?

Ciao.

Quo vadis 2011?

Wo geht die Reise hin? Für mich ist 2011 irgendwie ein großes Überraschungsei. 2010 war bewegend. Langsame wirtschaftliche Erholung. Nicht das goldene Ei. Familiär hat die erste Pubertätsstufe gezündet und manchen Tag durcheinander gewirbelt. Sohnemann Konfrontation. Papa im Test. Wie mühsam und lehrreich. Papa sein bleibt ein Ausbildungsberuf. Learning by doing. Insgesamt ein sehr schönes Jahr mit der Familie und auch mit Ela. Die Woche Kreta nur mit Ela, die Sommerferien auf Korsika. Canyoning mit alle Mann. Mein unvergessliches Surferlebnis bei Windstärke sieben.

Und: Der Blog. Die Blogs. Der aus dem Brigitte Woman-Blog entstandene fiftyfiftyblog. In beiden zusammen sind mehr als 230 Artikel und mehr als 2.000 Kommentare erschienen. Seit September hatte der fiftyfiftyblog rund 6.400 Besucher/innen, die sich über 14.000 Seiten angesehen und teilweise auch gelesen haben. Sehr lebendig, sehr bereichernd für mich. Ich gehe als Blogger in 2011 und freue mich drauf. Mal sehen, was wird. Was entsteht.

Was ich mir für 2011 wünsche? Ein gutes Jahr mit schönen Erlebnissen. Mit der Familie, mit Freunden, mit Menschen – gerade auch hier im Blog. Ich wünsche mir, dass Gutes entsteht. Dass ich die Kraft und Energie habe, wach zu bleiben und ein wenig Licht in die Welt zu senden. Mit meinem täglichen Tun und Handeln, mit meinen Texten, Fotos, Gedichten. In diesem Sinne möchte ich auch diesen Blog weiterentwickeln. Schauen, was machbar ist, was ich verändern, verbessern kann.

Euch allen hier am Bildschirm sage ich Danke. Danke für eure Aufmerksamkeit, eure Unterstützung, eure Mitarbeit, eure Freundlichkeit. Hier im Blog herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre. Kein Gemotze, Geschimpfe, Gebrummel. Stattdessen Offenheit, die teilweise sehr weit geht und mich oft bewegt hat. Dank euch ist ein kleiner Treffpunkt entstanden. Wie ein Café, in dem man sich morgens trifft. Ich gehe sehr gerne in dieses Café und treffe euch. Tausche mich aus und starte dann in den Tag. Das ist für mich ausgesprochen inspirierend.

Ich wünsche euch, dass 2011 für euch und eure Lieben ein gutes Jahr wird. Eines, dass euch bereichert im Sinne von Entwicklung. Eines, in dem ihr weitere Schritte geht. Achtsam. In dem ihr es schafft, euch den Menschen gegenüber weiter zu öffnen. In dem ihr tiefer ins Gespräch kommt. Ins positive aufeinander Zugehen und miteinander Reden. Kommt gut rüber ins neue Jahr. Jens.

Thomas D. – Danke T.

Was für ein Riesengeschenk! Das ist eine Thomas D. Zeile. Thomas D.? Kommt, hey! Kennt ihr. Bitte. Ich weiß, wir alle hier im fiftyfiftyblog sind etwas älter. Angefaltet, angegraut, aber längst nicht angezählt. Ich meine, jetzt gerade, in diesem Lebensabschnitt um diese fantastische Mitte herum passiert doch so viel. Ernte einfahren. Erfahrung in Leben und Glück multiplizieren. Thomas D. von den Fantastischen Vier. Tag am Meer, Die da und der Song mit Grönemeyer und dieses Abkürzungsteil – MFG, DAK usw.

Also dieser Thomas D. hat diesen Song geschnitten. Wahrscheinlich wisst ihr das alle, weil ihr Fernsehen schaut. Oder anderswo her. Ich habe den Song im Kino gesehen. Gerade erst. Als Telekom-Spot. Ja, Werbung. Böse Werbung. Geld verdienen, immer nur Geld verdienen. Eklig. BWL monetär optimierte zentrierte entwicklungsgestörte Ideen Verhinderungswelt. Telekom. Die, über die es tausende Katastrophenstorys gibt. Freunde von uns sind dank des rosaroten Panthers aus dem ehemaligen Bundeshauptdorf gerade wochenlang offline. Also quasi tot. Nicht dabei. Ih, die spielen nicht mehr mit.

Diese Jungs und Mädels aus Bonn haben nun die Geschicke in Thomas D. Hände gelegt. „Mein lieber D., wir möchten die Welt emotional begeistern. Mit den technischen Mitteln der Neuzeit. Nun können wir Technik, haben aber seit jeher ein emotionales Problem. ADS oder so. Kannst du nicht? Für uns? Bitte…“ Nun, das mit den Emotionen mussten sie dem Thomas nicht zweimal sagen. Der hat das drauf. Aus dem Bauch und dem Efef heraus. Hat der also im Namen des rosa T’s aufgerufen, seinen Song mit 7 Seconds Refrain und Melodie zu singen. Haben 11.000 Menschen gemacht. Direkt online. Alle dabei. Gesungen, gerappt, gescratcht, getanzt, gelacht, verkleidet. Das Leben in die Hand genommen. Ach, scheiß drauf. Was soll das denn? Machen wir mit. Klar, Alter.

Und so ist der Song entstanden. Ein echtes Weihnachtsgeschenk. Von T wie Thomas und Telekom für D. wie Deutschland. Silvester läuft der Song am Brandenburger Tor. Deutschland tanzt zu D.’s Zeilen:

doch alle Teile des Sein, dass uns am Leben hält, verbunden,
nicht allein auf der Welt, nicht von Geburt an getrennt
wir gehen vorbei und bleiben weil sich jeder wiedererkennt
in den Geschichten die wir schreiben hier in diesem Moment

It’s not a second
7 seconds away
Just as long as I stay

Hey- danke für diesen Moment,
für dieses Riesengeschenk

Wow. Gestern Abend, als wir vom Skifahren aus dem Sauerland kamen, haben wir uns den Song in voller Länge angesehen und angehört. Youtube. Ich möchte euch die Telekom Extra-Version präsentieren und meinem lieben Thomas D. danke sagen. Ein wunderbarer Jahresabschluss – nicht allein auf der Welt, nicht von Geburt an getrennt. We ‚re family. Mein Herz hüpft. Ja.

Am Morgen, Meerjungfrau

Sonnenaufgang am Winterhorizont
Rechts von Osten
Stapfe, stapfe durch den Schnee, Sand
Den Hügel, die Düne hinauf
von den Gezeiten hergespült
im Rhythmus, gleichen Takt
sechs, zwölf, achtzehn, vierundzwanzig

Der Ozean wartet wie jeden Morgen
der Wind hat in der Nacht
die Wellen allesamt per Hand gemalt
gezeichnet, filigran geschwungen

Wie Muscheln liegen die Blätter des Herbstes
verteilt
so ruhig, bescheiden, demütig
im weiten, weißen Bett

Der Baum mein Baum der Baum des Meeres
mit Füßen streif ich eine Linie
um dich rum
und locke dich Meerjungfrau
deinen Gesang dein alles
dich
auf meine, unsre Insel
Island in the Sun

Tätowiert
den Rücken hinauf über die Schulter
die Ranke japanische Schriftzeichen
eine ganze Geschichte
am Hals vorbei bis zur
runden, runden Brust

Komm
wir werden miteinander schlafen
im Meeresrauschen
unterm Baum
entschlüsseln deine Zeichen
wundersame Meerjungfrau
am Morgen

jens schönlau, dezember 2010

Flotter Dreier zu viert!

Und das zwischen den Jahren in der ausklingenden heiligen Zeit! Ja, es geht um Sex. Verspieltes Liebesspiel. Rote Ohren. Zu dritt? Zu viert? Alle durcheinander oder was? Gangbang? Nun, wo die Liebe hinfällt. Der Schauplatz? Siegen, Berlin. Überall? Ich spreche verklausuliert, wahrscheinlich, weil das Thema so brisant ist. Nicht eigentlich wirklich, denn letztlich geht es um das allgemein bekannte Spiel der Anziehung, Abstoßung und des intensiven Miteinanders. Ineinanders. Gestern. Heute. Morgen. Menschen.

Wir waren im Kino. Ein ganz normales, seriöses Kino mit den modernen großen Leinwänden, den tiefen Sesseln und viel Beinfreiheit. Mit Freunden. Auf der Kinobühne wurde 3 gegeben. Der neue Tom Tykwer-Film. Beziehungsdrama wäre wohl die Kategorie, obwohl das Drama ausgefallen war. Alles eigentlich ganz harmonisch. Kein Stress, zumindest nicht wirklich. Stattdessen wurde viel geliebt. Gesext. In allen möglichen Stellungen. Querbeet. Mann mit Frau, Frau mit Mann, Mann mit Mann, Frau mit zwei Männern. Tom Tykwer sagt „Letztlich ist Monogamie widernatürlich“.

Ist Monogamie widernatürlich? 3 erzählt die Geschichte schön ruhig. Das Basispaar, dass sich nach 20 Jahren Beziehung ins Neue, ins Abenteuer stürzt, wird in feinen Zügen skizziert. Verrücktes Berlin. Schräg. Die beiden könnten glücklich sein. Komplett glücklich. Haben sich, haben gute Jobs, ein gefülltes Leben. Trotzdem: Langeweile. Irgendwie. Das Fehlende tritt auf, macht sich breit. Gradmesser ist Sex. Viel Sex, viel gut. Wenig Sex, wenig gut. Kinder können sie irgendwie nicht bekommen. Wollen sie auch irgendwie nicht. Unausgesprochen. Die würden auch gar nicht passen. Dann kommt Nummer 3 ins Spiel. Erst mit ihr, dann mit ihm. Er schläft mit ihm. Homosexuelle Sexszenen. Er liegt zwischen seinen Beinen und es geschieht, was sonst nur als Akt zwischen Mann und Frau gezeigt wird. Mutig. Im klassischen Sinne der Monogamie betrügen die beiden. Das Paar. Einander mit einem Mann. Showdown. Lösung aller Probleme. Glück durch Überwindung von Grenzen, von Moralvorstellungen. Der Film erzählt ein neues Modell. Abkehr von einer angenommenen „biologischen Determiniertheit“, wie die Nummer 3 es nennt. Im Film wird manchesmal gerne verklausuliert gesprochen. Im Ethikrat, im Monolog über Spinoza.

Hat mir der Film gefallen? Ich könnte jetzt sagen „schöne Bilder“. Nein, ja. Er hat mich irritiert. Zugegeben. Berührt hat er mich nicht. Für romantische Verklärung, für die Darstellung von Liebe war kein Raum. Die Liebe wurde in der alten Beziehung als vorausgesetzt angenommen. Habe ich die Protagonisten beneidet? Wegen ihrer Freiheit, vermeintlich zurück gewonnenen Leidenschaft? Nicht wirklich. Dazu war das alles zu egal. Blutleere Leidenschaft. Klare Aussagen, Eindeutigkeiten, aber kein Mitfühlen, Miterleben. Irgendwie distanziert. Rational. Triebsehnsüchte. Ist das alles? Frei ausleben und alles ist gut? Das Bett beleben und schon geht’s gut? Ich weiß nicht…

Vielleicht habt ihr ja Lust, euch auf das Experiment 3 einzulassen. Ich meine im Kino. Vielleicht erfahrt ihr dann mehr als ich und könnt mich aufklären. Bin gespannt. Ich bin ein wenig ratlos. Ciao.

Im Landschaftsstudio!

Bin noch ganz weihnachtsbelämmert. Mangare. Lecker gegessen. Habe eben unseren Bauern getroffen, der klagte. So viel. Das könnte man über vierzehn Tage verteilen. Die leckersten Sachen und man will sie nicht mehr. Kann sie nicht mehr sehen. Jetzt ist hier alles in Nebel gehüllt. Der Schnee liegt höher und höher. Was wegtaut, fällt in der Nacht neu. Das Wasser verdunstet, schwebt in Form kleiner Teilchen an den Himmel und fällt direkt wieder herab. Mir aufs Dach und vor die Füße. Was bin ich in den letzten Wochen mit Cooper durch tiefen Schnee gewatet. Anstrengend.

Heute Morgen nun, nach erneutem Schneefall in der Nacht, Nebel. Komplett zugezogen. Suppe. Als ich oben auf der Wiese mit dem kleinen Baum ankomme, steht der da, als wäre er in einem Fotostudio aufgestellt. Drumherum ein Schneeteppich, der wiederum von Nebel umhüllt ist. Wie oft habe ich diesen Baum jetzt schon fotografiert? Und immer denke ich, jetzt müssten doch alle Bilder im Kasten sein. Jetzt könnte doch nichts Neues mehr kommen. Und dann sieht er wieder anders aus.

Etwas weiter lagen, ein sehr poetisches Bild, Herbstblätter oben auf dem Schnee. Eine Windböe muss sie aus den Bäumen auf die Wiese getragen haben. Sanft auf die Schneeoberfläche drapiert. Leider in der Schönheit des Augenblicks fotografisch nicht festhaltbar. Zumindest nicht von mir. Vielleicht aber war diese Schönheit des Augenblicks auch nur in meinem Herzen entstanden. Wer weiß schon, was wir immer so sehen.

So viel für heute. Nur ein kleiner Text. Muss Weihnachten mit den vielen Erlebnissen, die ich gar nicht alle schildern kann, noch verdauen. Manchmal ist gelebte Zeit so komprimiert. Ich wünsche euch eine schöne Zeit zwischen den Jahren. Ciao.

Send you an ˈeɪndʒ(ə)l

Ihr Lieben. Was ist das? Ein Bilderrätsel? Was bedeutet denn ˈeɪndʒ(ə)l ? Lautschrift. Englisch. Angel, Engel. Unsere diesjährige Weihnachtskarte. Nach einem unruhigen, krisengeschüttelten Jahr war es uns ein Herzensanliegen, für das nächste Jahr Engel bereitzustellen. Zu vesenden. Die Welt mit Engeln zu bereichern. Schutzengel, Helfer, Unterstützer, Freunde. Ihr wisst, wie sehr man die braucht. Dann wird alles einfacher, eleganter, besser. Um diese Engel kreist unsere Weihnachtsbotschaft: Füreinander da sein. Ich wünsche euch ein frohes Fest und ein gutes, gutes Jahr 2011.

Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei euch zu bedanken. Allen voran bei Annegret, die den fiftyfiftyblog täglich begleitet und mit ihren Kommentaren unterstützt. Selbstverständlich hab ich manchmal Durchhänger, denke, och, heute nich. Dann aber weiß ich, Annegret ist da. Sie wird gleich lesen. Das motiviert ungemein und so bist du, liebe Annegret, eine wichtige Unterstützerin. Bedanken möchte ich mich auch bei Jutta Müller von Brigitte Woman, die mich überhaupt zum Bloggen gebracht hat und mir auf brigitte-woman.de eine Heimat gegeben hat. Dort fühle ich mich weiterhin Zuhause und sehr wohl. Dann ist da filo, die mich immer wieder inspiriert hat, Gedichte zu schreiben. Und dann sind da Eva, Ewa, Claudia, Gitta, Julia, Uta, Pia, Raoul und Thomas, die regelmäßig kommentieren und den fiftyfiftyblog wohlwollend begleiten und unterstützen. Natürlich bedanke ich mich auch bei allen Leserinnen und Lesern, die diesem Blog einen Sinn geben. Nicht zu vergessen: Ela, Jim, Zoe und Cooper, ohne die dieser Blog nicht existieren würde oder blutleer wäre. Euch allen sage ich: Danke.

L’Imprimerie – pralles Leben!

Mais qui! Aber ja, wir haben es geschafft! Diesmal hat uns kein Schneetief Petra aufgehalten. Wir haben den besungenen Jahrestag begangen! In einem eigenwilligen französischen Restaurant in Köln. Eigenwillig? Mais qui! Keine Reservierungen, keine getrennten Rechnungen, keine Kartenzahlung! Der Maitre oder Patron, ein rundlicher Franzose namens Gilles Berthier, von dem gesagt wird, er sei ein Belgier, führt ein hartes Regiment. Weil er in seinem Restaurant, einer alten Druckerei, die mit ihren Betondecken und verzinkten Fensterrahmen den nüchtern-sachlichen Charme einer Pariser Markthalle verströmt, eine außerordentliche Küche betreibt, kann er sich Allüren erlauben. Bodenständige Allüren. Kein Schickimicki. Kein René Lezard leider teuer-Feeling, sondern den Hauch von Verliebtheit in besonderer Liebe zum Detail. Alles was auf den Tisch kommt – Karaffen, Flaschen, Gläser, Körbe, Teller – ist mit wahrlich erlesen Schmackhaftem gefüllt.

Und so saßen wir dort. Bedient von einem Portugiesen, der in Norddeutschland aufgewachsen ist, den es nach Köln verschlagen hat und der nun in einem französischen Restaurant arbeitet. Er hat für uns die Weinkarte interpretiert, auf der es sicherlich keinen Ausrutscher gibt. Profis. Franzosen. In Sachen Essen schafft es nichts, sich da ungerechtfertigter Weise einzuschleichen. Wir nahmen einen kleinen Aperitif, teilten uns eine Vorspeise, entschieden uns für Fisch. Was für ein Fisch. Zoe bekam einen kleinen Teller mit verschiedenen Gemüsen. Während des Essens: Ruhe. Gegenseitiges Probieren. Ein kleiner Schluck Wein und der Mund war voller Aromen. Sinnlichkeit. Und immer wieder die Frage: Wie machen die das?

Dahinter steckt eine Lebensphilosophie. Die Kultur einer ganzen Nation. Keine Kompromisse beim Essen. Wie liebevoll jede Kleinigkeit. Das frisch gebackene Brot. Dunkles Landbrot. Safran im Dessert. Süßes und Safran. Die dunkle Schokolade über dem Eis. Profis. Die Menschen um uns herum saßen, lachten, erzählten, tranken und aßen. Ich kam mir vor, als sei ich tatsächlich in Frankreich. Gesichter voller Freude, Lebensfreude. Trinksprüche. Prusten. Einander kurz berühren, anfassen, einen Arm auf die Schulter legen und reden, reden, reden. Chocolat. Juliette Binoche. Die Kraft der Lebensmittel. Und überall zwischendrin der charaktervolle, unbeugsame Patron. Keine Reservierungen, keine getrennten Rechnungen, keine Kartenzahlung! Ein eigenes Reich, in dem es auf das Wesentliche ankommt: Den Genuss. Satter, praller Genuss. Mit jedem Bissen, jedem Schluck, jedem Blick.

Unsere Teller waren leer. Da lagen nur noch Thymian- und Rosmarinzweigchen. Jim hat seinen Teller leergefegt. Heilbutt. Er war schon immer ein Feinschmecker. Die ersten Urlaube seines Lebens verbrachten wir in der Bretagne. Auf den Märkten der Bretagne, wo wir eingekauft haben, um zu kochen. Dieses Land! Diese Menschen! Diese Weine! Diese Speisen! Culinaria Frankreich: Küche, Land, Menschen. Eine kleine Reise durch das Land! Mache ich immer wieder gerne. Manchmal abends.

Wir sind glücklich nach Hause gefahren. Jim hat die ganze Fahrt von seiner Biografiearbeit erzählt. Beseelt von Mme Curie. Einer Polin, die in Frankreich gelebt hat. Wieder Frankreich. Wieder Leidenschaft. Es ist einfach so faszinierend schön, hier mitten in Europa zu leben. Zwischen all dem, was in so langer Zeit gewachsen und allmählich entstanden ist. Ach. Und mittendrin Ela und ich. 19 Jahre, zwei Kinder. Ein Hund. Ha. Ein wunderbarer Jahrestag. Manchmal läuft es einfach richtig gut.

Genießt. Alles. Egal. Ciao.