Allmählich in Stimmung…

Die Weihnachtsstimmung baut sich unaufhaltsam auf. Unsere Adventskranzkerzen sind schon fast durch, die Weihnachtskekse größtenteils schon jetzt weggefuttert. Was auch damit zusammenhängt, dass unsere Kinder seit Tagen schulfrei haben. Heute auch. Eine Woche Weihnachtsferienverlängerung. Vor der Tür stehen die Skier, mit denen sie über eine selbst gebaute Schanze fliegen. Dicht am Weidezaun vorbei. Ah!

Gestern Abend haben wir uns dann das volle Weihnachtsprogramm gegeben. Das Christgeburtspiel in der Schule. Aufgeführt von Schülerinnen und Schülern der 12. und 13. Klasse. Das Bühnenbild eine große Krippe. Der Text mehrere hundert Jahre alt – wahrscheinlich aus dem Mittelalter. Das Oberuferer Christgeburtspiel. Früher aufgeführt von Bauern einer deutschsprachigen Enklave in Ungarn. Dann in Vergessenheit geraten und 1850 wiederentdeckt von einem Wiener Dialektforscher.

Die Bühne voller Hirten, Wirte, Engel und eben: Josef und Maria. Maria in einem roten Kleid und einem blauen Mantel. Renaissancefarben. Wie auf einem Gemälde von Raffael oder Guido Reni. Als sie das Kind bekommt, sitzt sie auf einem Holzstamm. Die Szene war so schön. Josef schläft, sie neigt sich ganz langsam vor. Dieser Gesichtsausdruck. Die Hände erreichen den Boden, nehmen das Kind auf. Christ ist geboren. Der Erzengel Gabriel verkündet es den Hirten. Die Geschichte der Welt nimmt ihren Lauf. Bis ins Jahr 2010. Alles lange her. In den Gesten und in der Sprache der Schauspieler/innen aber so lebendig. Nach dem Stück Weihnachtslieder: Es ist ein Ros entsprungen und Maria durch ein Dornwald ging. Ich werde noch zum Traditionalisten.

Das Foto oben hat Zoe gemalt. Am 20. Dezember 2003. Sie war noch im Kindergarten. Es hat das Format 60 x 80 cm und hängt neben meinem Schreibtisch. Kopffüßler. Kinder in dem Alter malen fast nur Extremitäten. Beine, Hände, Kopf. Ich hatte damals Kinderdienst am Nachmittag und habe mit den Kindern gemalt. Ich habe sie gefragt, ob sie mir eine Maria malen würden. Nach zwei Minuten gab mir Zoe ihre komplette Krippe inklusive der heiligen drei Könige. Vorne ganz, ganz klein das Jesuskind. Zwischen Maria und Josef nur ein kleines Köpfchen. Die Figuren haben etwas Debiles, dennoch strahlen sie die Zuneigung dieses wichtigen Augenblickes aus.

Euch einen schönen Weihnachtsendspurt mit besinnlicher Weihnachtlichkeit. Ciao.

P.S. Erinnert ihr euch an die Story „Fucking Gitarrenladen!“? Gestern hat uns unser Zahnarzt seine erstes Album als Weihnachtsgruß geschickt. 12 tolle Songs – unplugged solo. Im Studio aufgenommen. Dieses Leben ist doch so voller Überraschungen. So schön.

Schneetoberei, ei, ei…



Das ist doch mal eine gute Weihnachtseinstimmung, oder? Ich saß gestern am Schreibtisch, hatte noch einiges zu machen und zu tun, als ich meinen Kopf nach rechts führte. Da war etwas, das mich lockte. Anzog. Restinstinkt einer Biene, die vom Duft der Blüten angezogen wird. Wir Männer reagieren da ja auch manchmal ziemlich simpel nach einem einfachen Reiz-Reaktions-Schema. Aktion, Reaktion. Was sah ich da über meiner Schulter rechts durchs Fenster? Licht. Sonne. Weiße Wolkenformationen. Die Wolkendecke war aufgerissen, um die Schneelandschaft zu illuminieren.

Kein Gedanke mehr an Autobahnen, stillstehende Flughäfen, gestrandete Reisende, LKW-Fahrverbote, Versorgungsengpässe, nicht ankommende Weihnachtsgeschenke. Egaaaal. Raus. Alles stehen und liegenlassen. Raus. Ich wollte mir die Kinder schnappen und Ela und Cooper. Ela war zur Post runter gefahren, Jim arbeitete an seiner Madame Curie-Biographiearbeit, Zoe hatte Lust mitzukommen und Cooper sowieso. Ich bin vorgestapft. Erst einmal über die zugeschneite Landstraße. Ungeräumt. Schönes Bild. Dann über den Bauernhof hoch auf die Wiesen in Richtung Mühlenberg. Denn dort stand die Sonne am Horizont. Im Begriff, in der näheren Zukunft unterzugehen. Wie am Meer. Italien. Levanto. Sommer. Wenn wir abends in der Piperbar sitzen, unseren Apero knabbern und schlürfen und darauf warten, dass sie im Meer versinkt. Schneelandschaften haben etwas von Meer. Weite.

Wir stapften durch den tiefen Schnee der Wiesen. Cooper als Vorwitznase voraus, ich als Eisbrecher und Wegbereiter hinterher und dann Zoe. „Boah Papa, kannst du mal nicht so tief einsinken? Das ist total schwer zu laufen.“ Äh, wie jetzt? Schweben, oder was? Ich habe mein Gewicht leicht nach vorne verlagert, wodurch ich dann nicht mehr ganz so tief eingesunken bin. „Danke, Papa. Besser.“ Tiefes Grinsen im rotwangigen Gesicht, das aus der Kälteschutzausrüstung rauslugte. Ich kam mir vor, als wäre ich auf dem Weg zur Südpolentdeckung. Der Schnee reichte mir bis weit übers Knie. Wahnsinn. Als wir oben ankamen, waren wir ganz allein. Kein Fußstapfen weit und breit. Tatsächlich, wir waren die ersten und einzigen. Die Sonne begann, die Welt zu verfärben. Cooper tobte herum, Zoe mit ihm. Cooper tauchte in den Schnee, schnüffelte, grub. Zoe ließ sich vorwärts, rückwärts, seitwärts reinfallen. Juchzte, lachte, schlug einen Purzelbaum und zeichnete einen Engel ins Weiß. Doppelter Engel. Bei dem Purzelbaum war sie mit dem Gesicht einmal durch den Schnee gerollt. Alles weiß. Lachen.

Dann ging die Sonne unter. Im Süden. 16:15 Uhr zeigte die Uhr. Wintersonnenwende. Kürzeste Tage des Jahres. Wenn sie so schön sind, ist mir das egal. Das Licht eines solchen Sonnenunterganges reicht für mehrere Tage. Da hüpft die Seele. Freude, Wonne, zeitloses Erleben. Große Momente innerhalb unseres kleinen Lebens. Momentediebstahl. Du gehörst mir. In diesem Fall war es Timing. Der Blick über die Schulter, der Impuls, die Umsetzung in die Tat. Schon standen wir vor der Tür, waren unterwegs. Einer der Vorzüge des Landlebens. Vom Schreibtisch direkt in den Winterurlaub.

Euch wünsche ich heute auch ein Stück weit Winterurlaub. Raus aus der Katastrophenstimmung, rein in die schönen Seiten dieses fulminanten Winters. Ciao.

Wish you were here!

Vollmond. Morgen. Wetterwechsel. Wir werden sehen. Ein heikles Ding so kurz vor Weihnachten. Es soll anfangen zu regnen. Das heißt: Weiße Weihnacht wird zum Wettlauf mit der Zeit. Was ich genau weiß, der riesige Schneeberg vor unserem Haus wird bis zum 24. nicht abtauen. Der von der Gemeinde entsandte Traktor zum Räumen des Schulhofes hat ihn gestern Abend noch einmal höher aufgetürmt. Er ist jetzt über zwei Meter hoch, nur ein kleiner Weg zwängt sich durch zum Haus.

Schnee. Schnee. Schnee. Gestern Nachmittag waren wir vier Stunden auf der Autobahn unterwegs. Aus der Eifel zurück ins Oberbergische. Mein kleiner Bruder ist 40 geworden. Ein bewegender Augenblick. Zurück in die Heimat, in eine andere Zeit. Am Samstag auf der Autobahn wurde mir schon anders. Die alten Zeiten. Damals. Anfang der achtziger Jahre. Helmut Kohl war am 6. März 1983 noch nicht zum Bundeskanzler gewählt worden, die Friedens- und Ökobewegung war noch groß. Mitten in unserem kleinen Dorf gab es eine große Diskothek in einem alten Getränkemarkt. Ein Kifferschuppen. Ausgestattet mit alten Kirchbänken und einer Monster-Soundanlage für die Musik der Zeit damals. Samstagnacht stand der Parkplatz voll – Autos aus Köln, Bonn, Koblenz, Trier. Unser Dorf Kaisersesch in der Eifel hatte in der Szene Berühmtheit erlangt.

Wir fuhren am Samstagnachmittag nach Kaisersesch. Auf die Party in der alten Schule. Mein kleiner Bruder hatte die Musicalbox aufgebaut. Soundanlage, Lichtanlage, kleine Bühne für den DJ, den Raum mit schwarzen Tüchern verhangen. Zeitreise. Aufregend. Die Menschen von früher. Der DJ war in meiner Klasse, bevor ich das Dorf verlassen habe. Viele bekannte Gesichter. Auf der Hintour hatte Ela im Auto Pink Floyd aufgelegt. The Dark Side of the Moon von 1973. Die Kinder protestierten, wir haben den Klang nach vorne auf die Boxen gelegt und sind mit Time & Co. über die Autobahn getanzt. Was für eine Musik. Was für eine Ruhe. Intros. Zeit, eine Stimmung aufzubauen. Heute Morgen bin ich gleich zu Youtube rüber, die wohnen hier im www direkt neben dem fiftyfiftyblog, und hab’ die gebeten, mir mal ein paar alte Nummern einzuspielen. Hach! Könnt ihr euch an Wish you were here und Hey you erinnern?

Mein kleiner Bruder hat sich das Logo der Musicalbox auf den linken Arm tätowieren lassen. Obendrauf. Unter dem Arm steht der Name seines Sohns. Sein linker Arm wird einmal seine Lebensgeschichte in Tattoos erzählen. Wir sehr ich ihn mag, diesen kleinen Bruder und seine Tattoos. Auf der Party lief die Musik. Erst wollte keiner tanzen. Ela und ich sind dann auf die Tanzfläche. Eröffnungstanz. Die Kinder kamen mit und dann die Nichten und meine Schwägerin und meine Brüder und meine Mutter. Alle auf der Tanzfläche. Alle voller Lachen. Da war sie wieder da, die alte Zeit. Wunderschöne Frauen mit langen Haaren in dicken selbstgestrickten Wollpullovern und mit Birkenstocks, die sich im Klang der Musik wiegten. Einmal kam ein Hippie auf die Tanzfläche. Seinen Blaumann hatte er mit Hühnerfedern beklebt. Irgendwann war die Musicalbox voller Hühnerfedern. Damals.

Diese ganzen Erinnerungen, so ein Leben voller Bilder, das ist das wirklich Gute am Älterwerden. Schwelgen in satten Farben. Ihr auch? Schaut mal nach, was da ist. Wo eh so viel Schnee liegt und die Welt zum Erliegen kommt. Wie ruhig es ist. Es fahren kaum Autos. Gedämpft. Da kann man sich gut noch mal einen Tee aufsetzen und The Dark Side of the Moon durchhören. Am besten mit einem Plattenspieler. Ich hab das Kratzen der ersten Umdrehungen noch im Ohr. Ciao.

Survived!



Yes, we can! Wir können Blizzards, Unwettern, Schneetiefen trotzen. Ich biet‘ euch Trotz ihr Sterne! Wahrlich, es kam eine ordentliche Portion Puderzucker vom Himmel. Engels-Cocaine ist uns zuhauf aufs Dach gerieselt. Wir wollten nach Köln, den Jahrestag feiern, haben uns das aber abgeschminkt. Später haben wir gehört: 300 Staus in NRW. Pfui Teufel, wie wenig gern ich Staus mag. Mit Kindern im Auto. Bei Eis und Schnee. Wir haben uns wie die Murmeltiere in unserer Höhle verschanzt. Tür zu, schönen Abend auch Schneetief-Petra. Gegen das, also die, ist die Kalte Sophie im Mai eine heiße Braut. War das kalt, uselig, ungemütlich draußen.

Heute Morgen dann die großen Überschriften. Spiegel-Online meldet „Schneefront stoppt Verkehr auf deutschen Straßen“. Wozu wurde hier das Wort „deutschen“ gebraucht? Dramatisierung. Klingt wie ein Angriff Grönlands auf unsere Nation. Mit modernen Eiswaffen. Journalistentrick. Zur weiteren Dramatisierung trugen dann Begriffe wie Schneealarm und Unwettertief bei. Immerhin gab es auf „nordrhein-westfälischen Straßen“ – die gibt es auch! – gegen Mitternacht 185 km Stau. Das Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk mussten ausrücken und die Menschen mit heißen Getränken versorgen. Teils. Gute Entscheidung, nicht nach Köln gefahren zu sein.

Heute nun: Entwarnung. Die Unwetterzentrale sieht die Schnee-Unglücks-Alarmfront weiter nach Osten ziehen. Trotzdem ist bei uns die Schule wieder ausgefallen. 5x klingelte das Telefon am Morgen, bis alle Klarheiten beseitigt waren. Hin und her, Bestätigung, Rückversicherung und lieber noch mal kurz drüber sprechen. Ela brachte mir einen Cappuccino ins Bett, sie hat diese Woche Frühdienst, und kuschelte sich an mich. Sehr gemütlich. Draußen leuchtete die Sternschnuppe vom Feuerwehrturm ins Schlafzimmer und die Sprossenfenster waren von Schnee eingerahmt. 100% Winter-Weihnachts-Feeling.

Gestern Abend haben wir dann übrigens etwas sehr Lustig-Anachronistisches gemacht. Wir haben uns mit den Kindern Dias angesehen. Von früher. Da im Winter so wenig Neues geschieht, irgendwie kommt das Leben zum Erliegen, ist die Zeit perfekt für Rückblicke. Wir haben weit zurückgeblickt. Elas Neuseeland-Reise 1990, unsere Bretagne-Ferien mit Jim (Zoe war noch nicht da) in einem schnuckeligen Haus in St-Pierre-Quiberon. Junge Eltern. Süß. Die Kinder waren ganz begeistert. Dias! Die haben die Vorführung gemanagt. Projektor aufgestellt, Dia-Kassetten eingeschoben, Schärfe reguliert. Manchmal glauben die, wir kommen aus einem anderen Jahrhundert (was ja auch stimmt). Ela und ich haben uns zurückgelehnt und ein leckeres Glas Rotwein getrunken. Einen fruchtigen Côtes du Rhône aus dem Weinladen der Nachbarstadt. Zur Feier des Tages.

Jetzt muss ich los. Ela schaufelt draußen Schnee, weil sie zum Bäcker will. Das ist doch mein Job, das mit dem Schneeschaufeln. So früh… Hallo! Komme. Mache das schon. Also…

Euch einen schönen Tag nach Petra in der weißen Winter-Wunder-Welt (www.wwww.de). Ciao.

19 Jahre mit Ela!

Unwetterwarnung. Schneemassen aus Nord-Ost. Karasee, Russland, arktisches Meer. Das Telefon klingelt, die Schule fällt aus. Präventiv. Ela kuschelt sich zu mir ins Bett. Vor 19 Jahren war ich geblieben. Ela hatte mich zu einem Diavortrag eingeladen. Mit Freunden. Sie zeigte Fotos von ihrer dreimonatigen Neuseelandreise. Mit dem Motorrad. Ihr Bruder lebte damals schon auf der Südinsel. Ela hatte mich im Rahmen ihrer Diplomarbeit angerufen. Grafik-Design Abschluss. Als sie anrief, reparierte ich gerade mein Auto. Zusammen mit meinen Bruder in der Eifel. Als ich zurückkam, lag ein Zettel in der WG. Eine Michaela hat angerufen. Grund: Unbekannt.

Sie meldete sich wieder. Hatte meine Nummer vom Literaturbüro. Ich schrieb. Geschichten, Gedichte, ein erstes Stück. Eine Veröffentlichung in einer Stadt-Anthologie. Wir haben uns kurz getroffen, sie brauchte Texte lebender Autoren für ihre Abschlussarbeit. Die Gestaltung eines Buches mit Texten aus dem Hier und Heute. Ich drückte ihr vertrauensvoll meine Mappe mit gesammelten Texten in die Hand. Hunderte. Ihr wisst ja, wie viel ich schreibe. Textmaschine. Ich ging dann nach Heidelberg ans Stadttheater und hospitierte bei Hans-Ullrich Becker, meinem späteren Chef, in der Inszenierung des Stückes „Karate Billy kehrt zurück“. DDR. 1991. Ich kam aus Heidelberg zurück, hatte einen Job für die nächste Spielzeit am Nationaltheater Mannheim in der Tasche. Regieassistent.

Ich musste noch schnell meine Magisterarbeit schreiben. Heiner Müller. In den Probenpausen habe ich die halbe Heidelberger Unibibliothek kopiert. Die hatten alles da, was ich brauchte. Ich studierte an der Technischen Hochschule in Aachen, da gab’s deutlich weniger Bücher, die ich brauchen konnte. Ich kam zurück, Ela lud mich zum Frühstück ein. Sie zeigte mir die zwei Texte, die sie für ihr Buch ausgesucht hatte. Sommer ’76 und Das Spiel, die Wirklichkeit, die Realität und das Leben. Ja. Genau die.

Sie lud mich für den folgenden Abend zum Diavortrag ein. Ihre Freunde waren da. Ich war neu. Ich blieb. Wir redeten die ganze Nacht. Am nächsten Morgen meldete ich meine Magisterarbeit an, sie ihre Diplomarbeit. Timing. Zwei auf dem Weg. Ich half ihr bei ihrem Buch und vor allem bei der Inszenierung ihrer Buchpräsentation im Museum Ludwig in Aachen. Wir fuhren gemeinsam zu Radiointerviews, ich kümmerte mich um Heiner Müller, um die Lesung und meine Zukunft. Ela bestand, ging nach Neuseeland. Eventuell für immer. Hatte sie vor. Nach zwei Wochen kam sie zurück. Sehnsucht. Wir fuhren in die Ardennen. Mieteten ein kleines Zimmer fürs Wochenende. Machten Pläne.

Zwischenzeitlich hatte sich meine Zeit für die Magisterarbeit halbiert. Ein Bühnenbildner hatte mich angerufen, ob ich bei den Händelfestspielen assistieren wolle? Im Goethetheater Bad Lauchstädt. Goethes Original-Sommertheater. Hier hat er inszeniert. Ich war im Jahr zuvor seine Italienische Reise nachgefahren. Ich wollte. Enger Zeitrahmen. Die Magisterarbeit. Ich musste täglich fünf Seiten schreiben, um fertig zu werden. Ich schrieb täglich fünf Seiten, ging nach Bad Lauchstädt und nach Mannheim. Aachen war plötzlich weg. Ela da. Schon in Mannheim. Für eine Agentur gestaltete sie Kunstkataloge. Wir zogen zusammen, ich war am Theater. Zwei Jahre. Der Anfang. Heute ist das alles 19 Jahre her. Wir haben zwei Kinder, arbeiten zusammen in einer alten Schule, fahren einen Kombi, haben einen Labrador. Und das Wichtigste: Ich bin verliebt wie damals. Sie ist es. Wird es sein. Sie hat mich angerufen, ich bin geblieben. Ende offen.

Euch einen schönen Tag. Trotz Unwetterwarnung. Wieso eigentlich gerade heute? Ein Zeichen? Coelho? Nehme ich es einmal als Freude des Himmels und als eine energiegeladene Geste des Schicksals. Eigentlich wollten wir mit den Kindern nach Köln und in einem netten Restaurant feiern. Wird wohl nichts draus. 30 cm Neuschnee. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Manchmal. Lassen wir mal lieber. Muss ja nicht sein. Am 19. Dezember 1991 schneite es auch. Am Abend ging ich mit Ela Arm in Arm durch den Park, über den Weihnachtsmarkt. Im Supermarkt kauften wir ein, kochten zusammen. Und redeten. Bis heute. Ich habe ihr einmal ein Gedicht geschrieben. Das gehört nur ihr. Eine Zeile darf ich zitieren: und niemand sonst weiß ahnt von dem was diese Tiefe ist. Ciao.

Eure persönliche Weihnachtsbotschaft ist gefragt!


Greife ich doch einfach ganz tief in die Klischeekiste. Wie in der Lostrommel rühren und irgend so’n „das sagen immer alle in dieser Situation“-Dings rausziehen. Was sagen denn gerade alle? „Schon wieder ein Jahr rum, die Zeit vergeht wie im Flug“. Oder „Und plötzlich ist Weihnachten“. Für all diese automatisierten Sprüche, die in unserem Kopf als Zeitbomben abgelegt sind, die über ein Codewort gezündet werden, sollte bei Detonation ins Phrasenschwein eingezahlt werden. Ein Euro für Bedürftige. Oft sagen wir nämlich Sachen, die wir gar nicht sagen wollen. Kontextbedingt. Das Codewort kommt und wir plappern los. Knopfdruck, peng – die Phrase ist da. Früher, bei Eltern und Großeltern der alten Zeit waren das gerne die deutschen Sprichwörter: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ oder „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Die erzeugen nun wirklich Unwohlgefühle. Mittlerweile explodieren die allerdings nicht mehr, wenn die hoch kommen (auch bei mir gegen meinen Willen in X-ter Generation) entsteht in mir Mitleid. Mit mir selbst. Junge, was hast du nur für einen Mist in der Rübe. Meistens schaffe ich es, die gerade noch runterzuschlucken. Fader Geschmack.

Aktuell habe ich das große Vergnügen, für meine Kunden Weihnachtskarten zu texten. Müsste man ja annehmen, dass wäre total easy. Frohes Fest und guten Rutsch und ab die Maus. Dafür müsste man mich ja nicht buchen. Was also schreiben? Soll ja wirklich von Herzen kommen, ohne werblich kitschig zu sein. Gleichzeitig aber so offen, dass es zu allen Angeschriebenen passt. Die Weihnachtskarte ist die emotionalste Botschaft des Jahres. Sonst geht es um Fakten, um Preise, um Innovationen, um Möglichkeiten. Die ganze Welt des Schaffens, Entstehenlassens, Geldverdienens. Weihnachten natürlich auch, aber unter anderem Vorzeichen. Eine Botschaft muss mit, die das Phrasenschwein nicht klingeln lässt. Mein Job.

Wir haben gestern unsere Weihnachtspost verschickt. Karte mit Konzept auf feinem Papier gedruckt. Schöne Umschläge, Sondermarken, handgeschrieben. Was ’ne Arbeit. Wie die aussieht? Kann ich leider nicht verraten, die ist ja noch unterwegs. Das wäre eine www-Vorwegnehmen. Habt ihr schon eure Weihnachtspost verschickt? Habt ihr dieses Jahr eine Botschaft fernab vom Muster? Würde mich interessieren. Was ist gerade wichtig? Worüber sollten wir Weihnachten mal nachdenken? Was ist mit 2011? Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, Frieden, Umweltschutz. Abgehakt. Was steht auf dem Plan? Was brauchen wir? Ich würde mich über eure persönliche Weihnachtsbotschaft im Kommentar freuen. Bin gespannt, was zusammenkommt. Gemein, ’ne! Jetzt hier auch noch arbeiten müssen. Nachdenken, überlegen.

Aber seht es mal so: Vielleicht habt ihr oder findet ihr einen persönlichen Stern, unter den ihr euer Weihnachtsfest stellt. Einen mit Leuchtkraft, der euch neben der Deko durchs Fest führt. Vielleicht ist es ein bereichender Gedanke, der euch ein reicheres, inhaltlicheres Weihnachtsfest beschert. Noch ist Zeit, nachzudenken. Denn ihr wisst ja „Und plötzlich ist Weihnachten!“

Ich wünsche euch gute Eingebungen und persönliche Botschaften, die euch und die Welt reicher machen. Nur Deko hilft nicht, da bleibt Weihnachten Fassade und das ganze aufkommende Sentimentale schleudert einen rum. Mit eigener Botschaft gerüstet und vorbereitet läuft es vielleicht besser. Oder: Noch besser! Ciao.

Warten auf den Vollmond

Nein, ich werde ihn nicht anheulen. Meine Zähne werden auch nicht wachsen. Ich warte auf den Wetterwechsel. Der Wind kommt derzeit aus nordöstlicher Richtung. Nordwind. Was ist gut gegen Nordwind? Wir hatten das vor kurzem, als es um den Südwind ging, der so angenehm warm daher kam. Normalerweise liegen wir hier in der Westwind-Zone und werden vom Atlantik her mit einigermaßen warmer und feuchter Luft verwöhnt. Der Golfstrom spielt da eine Rolle. Nun: Nordost. Schräg von oben.

Kürzlich hatte ich einen Text über den Klimawandel geschrieben und hatte gefragt, was denn nun los sei. Da kam die Antwort über Twitter. Vladimir Petoukhov vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung schreibt im Wissenschaftsjournal Geophysical Research, dass in der russischen Karasee, ein Teil des arktischen Ozeans, das Eis schmilzt. Die See ist eisfrei, das Wasser wärmer als die Luft, warme Luft steigt auf und verdrängt die kalte Luft der arktischen See. Es entstehen Winde, die sich zu uns bewegen.

Deshalb durften unsere Kinder heute eine Stunde länger schlafen – verspäteter Unterrichtsbeginn. Die Nachbarkinder haben frei, weil der Bus nicht kam. Unsere Kinder fahren mit einem anderen Bus, weil sie auf die Waldorfschule gehen (Ja, ja, ich weiß, das sind die, die ihren Namen tanzen können – immer wieder beliebtes Comedythema). Da stehen dann die Mütter und warten, ob der Bus kommt. Eigentlich müssten sie zur Arbeit, die Stechuhr wartet. Verzwickte Situation. Um 8 Uhr war dann klar, dass heute kein Bus mehr kommt. Abfahrt. Wohin mit den Kindern? Nordostwind. Ein kleiner Gruß aus der Karasee.

Nun kommt das Prinzip Hoffnung ins Spiel. Am 21. Dezember ist Vollmond. Der bringt meist den Wetterwechsel. Wenn er so voll am Himmel steht, beeinflusst er die Welt. Menschen und Wetter. Was sich genau ändert, weiß ich nicht. Aber da er so viel Kraft hat, Ebbe und Flut zu bewirken (bei Vollmond sind Ebbe und Flut besonders ausgeprägt), hat er auch die Kraft, Windrichtungen zu ändern. Vielleicht kommen wir dann wieder in den Genuss von Atlantikregen. Weiße Weihnacht würde dann natürlich ausfallen. Aber das Leben würde etwas geregelter laufen und ich müsste nicht um 5:50 Uhr den ersten Anruf entgegennehmen, der mir sagt, wie das heute mit den Schulbussen läuft. Telefonklingeln um diese Uhrzeit – voll aus dem Tiefschlaf gerissen. Eklig.

Ich hab mir dann den Hund geschnappt und bin raus auf die Wiesen über dem Dorf. Fantastische Luft, die da von Nordost rüberkommt. Die hat zwar unser Auto mit einer fetten Eisschicht überzogen, aber lässt sich ziemlich gut atmen. Frisch wie in der Zahnpastawerbung. Bis zum Vollmond werde ich die weiter genießen – dann bin ich gespannt, wie das Wetter am 22. Dezember aussehen wird. Ich könnte tatsächlich gut ein wenig Südwind vertragen. Da bin ich mit Emmi Rothner weiterhin einer Meinung.

Wünsche euch einen schönen Tag. Ciao.

Nothing Else Matters.


Metallica. METALLICA. Die schweren Jungs mit den harten Gitarrenriffs. Hallo, alle mal wach werden. Montagmorgen. Die müden Glieder schütteln, den Kopf durchpusten lassen. Vielleicht mit Enter Sandman? Das ist die harte Nummer, der kleine Schockrocker nach dem Frühstück. Muss man mögen. Ich mags. Wenn die Jungs die Hände fliegen lassen und alle mitrocken. Bis heute einer meiner Lieblingssongs: Child in Time von Deep Purple. Und dann AC/DC. Männerwelt. Muskelbepackte Arme, die auf Gitarren einwirken. Rauslassen. Was auch immer.

Wie ich jetzt auf Hardrock komme? Teil meines Lebens. Als praktizierender Papa natürlich eher selten und gerne spät auf Partys – das wirkliche Hören. Highway to Hell quer durch die Wohnung kommt nicht so gut. Zumindest nicht für alle. Obwohl ich gerne schon mal die Anlage aufdrehe und bei uns auf der Kücheninsel tanze. Aber das Thema kommt heute aus einer ganz anderen Richtung. Jim. Er jetzt auch? Nein. Ich denke, meine Hardrock-Vorlieben kennt er gar nicht. Er selbst lernt gerade Nothing Else Matters von Metallica auf der Gitarre.

Jugend musiziert. Der Wettbewerb steht an. Im Januar. In diesem Jahr darf seine Altersklasse Pop und Rock spielen. Nicht als Duo, wie im letzten Jahr, sondern als Solist. Nun klingt täglich Nothing Else Matters durch die Wohnung. Und es wird immer besser. Er spielt den Song in der klassischen Version. Also nicht als Akkord-Begleitung, sondern alle Noten. Da müssen die Finger ganz schön fliegen. Weil er nun seit sieben Jahren Gitarre spielt, tun sie das auch ganz schön schnell. Ist einfach unbeschreiblich, was da manchmal aus seinem Zimmer kommt und die Wohnung erfüllt. Es gibt Tage, da. Ach.

Kürzlich waren zwei Feuerwehrmänner zu Besuch. Die jährliche Sammlung. Die beiden saßen da und Jim probte nebenan. Plötzlich: „Hey, ist das Nothing Else Matters?“. „Ja.“ „Wow.“ Stolz. Klar. Gestern Abend war der Song dann irgendwie der Abschluss eines schönen Familiensonntags. Und ein passender. Wir waren zum Wildenburger Hof gewandert. Quer durch den Wald und durch den Schnee. Das Restaurant liegt direkt neben Schloss Crottdorf. Da hat die Gräfin Dönhoff, die ehemalige Herausgeberin der Zeit, ihre letzten Tage verbracht. Deshalb ist das Restaurant mit irren Schwarz-weiß-Aufnahmen geschmückt, die sie in den 20’er Jahren auf einer Reise über den Balkan geschossen hat. Als wir wieder Zuhause waren, haben wir den Rest des Nachmittages im Schein der drei Kerzen Rommee gespielt. Zu viert am Küchentisch. Und dann, Gitarrenprobe: Nothing Else Matters. Ja. genau.

Wünsche euch eine schöne Woche. Genießt, was wichtig ist. Den Blick schweifen lassen und dort verharren, wo sich die Seele wohl fühlt. Reichtum. Die Plusseite. Alles ist da. Ciao.

Duschgespräche unter Männern!

Da stehen sie nackig unter der Dusche. Das Wasser fließt an ihren Körpern herab. Jeder ist anders geformt, mehr oder weniger behaart, mehr oder weniger rasiert an allen möglichen Stellen. Gestern Abend war ich noch schnell in der Muckibude, mir den langen Tag aus dem Kopf laufen. Das tut gut. Einmal die Körpersysteme hochfahren und dem Kopf zeigen: Du bist nicht allein auf dieser Welt. Nimm dich nicht so wichtig. Also lief ich auf dem Laufband und lief. Eine halbe Stunde. Dabei sah ich Männern zu, die sich beim Billard maßen. United Kingdom Championship. Fernsehen.

Keine Frau an Bord, die die Kugeln über den grünen Stoff schubste. Männerdomäne. Ich war spät dran. Hatte in Köln bei einer Freundin, die mir einen schönen Job vermittelt hat, noch Kaffee getrunken. Vor ewiger Zeit habe ich mit ihr zusammengearbeitet. Nun plötzlich die Mail und der Kontakt zu einem netten Kunden. Auf der Rücktour habe ich noch die Wocheneinkäufe erledigt – Bioladen, Supermarkt, Supermarkt. Deshalb blieb nur Zeit fürs Laufen. Keine Hanteln, keine Maschinen. Danach dann schnell unter die Dusche.

Da standen sie. Zwei Männer wie Gott oder wer auch immer sie geschaffen hat. Im angeregten Gespräch. Ich konnte kaum weghören und ganz ehrlich: Wollte ich auch nicht. Bin ich zu neugierig? Aber was sollte ich tun? Zwei junge Männer. Young Guns. Junge Väter, wie sich herausstellte, die sich gegenseitig ihr Leid klagten. „Da komme ich nach Hause, da kommt mir mein Sohn schon entgegen. Was ist denn, frage ich. Die Mama hat nur gemotzt. Da könnte ich ja schon. Noch nicht mal gesessen, keinen Kaffee getrunken.“ „Kenn ich.“ „Und dann sag ich zu meiner Frau: Soll ich mal mit den Kindern rausgehen? Und weißt du, was sie sagt? Klar, da kommste von der Arbeit und dann gehst du mit den Kindern raus. Und ich darf hier die Putze spielen oder was?“

Kinderzeit. Wenn sie noch klein sind. Oi, oi. Nicht ganz so einfach. Der junge Mann hatte dann aber eine Lösung für sich. „Weißte, manchmal kotzt mich das an. Da kannste noch nich mal Samstagabend ausgehen. Manchmal hilft da nur eins, sich richtig einen ballern.“ „Kenn ich.“ „Vor kurzem kam ich nach Hause. Wieder Theater. Dann rief einer aus dem Betrieb an. Da habe ich die Gelegenheit gleich ergriffen. Raus hier. Muss noch mal weg. Probleme in der Firma. Hab meine Sporttasche mitgenommen, bin in die Firma, hab da mit den Kollegen ’nen Kaffee getrunken, bin dann zum Sport und war um 10 wieder da. Sie hat mich dann gefragt: In der Firma alles in Ordnung? Ja, haben wir hingekriegt.“

Fiftyfifty. Zwei Parts, zwei Seiten einer Medaille, der Versuch, den Kopf über Wasser zu halten, sich selbst zu bewahren in einer Situation, die manchmal glauben macht, das „Ich“ würde ertrinken. Abschied von Jugend, Party, Leichtigkeit. Erwachsen werde. Ein manchmal schmerzlicher Prozess. Verantwortung für andere übernehmen. Neben dem Ich die Familie. Während die anderen draußen sind- Kino, Kneipe, sonst was – sitzen die jungen Eltern erschöpft Zuhause und warten darauf, dass die Kleinen einschlafen. Und pennen die dann endlich, ist der Abend vorbei. Müdigkeit greift um sich. Nicht so einfach, durch die Zeit der „jungen Eltern“ durchzukommen. Und die Beziehung zu bewahren. Da sind ja nicht nur die Kinder.

Ich hätte dem jungen Mann am liebsten gesagt: Schafft euch Freiräume! Arbeitet zusammen. Macht das so, dass ihr nicht das Gefühl habt, eingesperrt zu sein. Der Tag war zu lang, das Thema zu groß, mein Körper voller Seife. Raus aus dem Kopf. Müssen die jungen Männer selber durch. Die wirkten trotz bedenklicher Vorgehensweise (ballern, verpissen) sehr nett. Die machen das schon. Irgendwie. War auch nur eine Momentaufnahme. Unter der Dusche. Wo das Leben überall Geschichten schreibt…

Euch einen schönen Tag. Solltet ihr unter zu wenig Freiraum in eurem Leben leiden, schaut doch mal nach, ob es da nicht andere Konzepte geben könnte. Falls ihr genügend Freiraum habt, genießt ihn. Ich für meinen Teil gehe jetzt mit Cooper raus in den Schnee. Durchatmen. Ciao.

Neuseeland 2 – Flucht vor dem Seelöwen!



Nachdem ich gerade die Kinder zum Schulbus gebracht habe und dabei fast von der Straße gefegt worden wäre, ein Kleinwagen dachte seine Spur verlassen zu wollen, um sich torpedoartig in die Seite meines Autos zu bohren (hinten bei Zoe!), denke ich jetzt lieber wieder an Neuseeland. Sommer. Damals wollten wir die Reise nutzen, um zu sehen, ob wir dorthin auswandern. Elas Bruder lebt ja schon da und es ist einfach so ein schöner Fleck Erde. Dann haben wir uns aber doch dagegen entschieden, weil uns auf der Südinsel ein wenig Kultur gefehlt hat.

So kamen wir zum Beispiel nach Dunedin. Dort sind wir zur Otago Peninsula aufgebrochen, um uns das einzige Schloss Neuseelands und Australiens anzusehen – Larnac Castle. Ein Geschäftsmann hatte es seiner Frau gebaut. Mit Blick aufs Meer. Gute Adresse. Aber eben das einzige Schloss. Von dort sind wir zur Albatross-Station gefahren, die von Prinz Charles eingeweiht wurde, und letztlich zu einem einsam gelegenen Strand. Da war es schon gut, dass wir einen 4-Wheel-Drive-Kombi hatten.

Zoe hatte sich in den Kopf gesetzt, Pinguine sehen zu wollen. Am Strand dann aber entdeckten wir zunächst ein großes Stück Treibholz nah am Ufer, das sich schnell als lebendig herausstellte und näher kam. Ein brüllender Seelöwe und Strandwächter, der uns in seiner Sprache deutlich „Verpisst euch“ entgegenschleuderte. Ruhig Kinder, kein Problem. Ich werde mal mit ihm reden. „Hey, alter Seelöwe. Alles fit im Schritt? Keine Probleme, sind gleich wieder weg.“ Dem Heißsporn hatte wohl jemand schlechte Fischsuppe untergejubelt. Mit dem war nicht zu reden. Im Gegenteil, der wurde nur noch sauerer. Und kam auf uns zu.

Wir haben dann gedacht, gut, Baby, wir gehen jetzt hinter die Dünen, schleichen uns dort entlang und kommen hundert Meter weiter an den Strand zurück. Gesagt, getan. Als wir uns durch das Seegras zum Strand robben, trauen wir unseren Augen nicht. Da hat sich dieses ausgewachsene Exemplar, dieses Bart tragende Ungeheuer, dieser fettleibige Macho doch schon genau dort positioniert! Und brüllt. Und macht Theater. Und mein Strand und verpisst euch und ich will euch nie wieder sehen und so.

Wir haben uns dann in die Dünen gesetzt und haben uns den Strand angeschaut. So richtig schön. Nur ein Schloss aber millionenfach überwältigende Einsamkeit. Große Felsen im Meer. Ein solcher Strand bei uns an der Nordsee und… Ach, vergesst es. Nordsee. Ostsee. Deutsche Küste. Auch sehr, sehr schön. Aber abends am Timmendorfer Strand auf dem Weg nach Schweden sind wir mal nicht an den Strand gekommen. Der war abgeschlossen!!! Strand abschließen. Der gehört mir, da dürft ihr nicht drauf. Habe ich bis heute nicht verstanden. Verkraftet. Diese deutsche Engstirnigkeit lässt mich manchmal an diesem Land verzweifeln. Das bereitet mir Atemprobleme. Das ist die andere Seite Deutschlands. Burgen, Schlösser, Museen, Theater, Opernhäuser allerorten und ein abgeschlossener Strand. Das ist ein wenig wie sich selbst Handschellen anlegen.

Der Seelöwe hat sich dann diskret zurückgezogen. Die sind doof, die machen das Spiel nicht mit. Setzen sich einfach in den Sand. Wir konnten also irgendwann aufstehen und hatten den Strand für uns. Fast. Einige Meter weiter lag eine schlafende Robbe im Seegras. So süß. Flossen angelegt, Augen zu. Bubu. Hörte ich ein sanftes Schnarchen? Nein. Ich habe sie vorsichtig fotografiert. Aus der Distanz. Und schlafen lassen.

Als wir den Strand dann wieder verlassen haben, zur Vorsicht entlang der Dünenrückseite, war Zoe ein wenig ungehalten. „Schon wieder keine Pinguine.“ Gar nicht so einfach, die kleine Lady zufrieden zu stellen. Der müsste man wahrscheinlich auch ein Schloss mit Meerblick bauen. (Nicht wirklich.) Jim spielte die ganze Zeit Seelöwe. Verzog sein Gesicht und kam brüllend auf uns zugestürmt. Auf dem weiteren Weg nach Nelson zur Sylvesterparty haben wir dann noch mehrfach Robbenkolonien gesehen. Leider waren die Gelbaugenpinguine draußen auf dem Meer – wir haben sie nicht gesehen. Jetzt heißt es immer, wenn Zoe ihren Willen nicht bekommt: „Keine Pinguine.“ Das Foto von der Robbe unten ist in Kaikoura entstanden, wo es neben Walen, Delfinen, weißen Haien (ne, Thomas!) und Albatrossen eben auch Robben gibt. Sehr schöne Tiere.

Euch wünsche ich einen unfallfreien Tag. Ich werde mich gleich zu einem Kundenbesuch nach Köln durchschlagen. Es geht in eine große Fabrik. Da freue ich mich drauf, weil ich Produktionsstätten sehr mag. Wenn mir die Menschen stolz erzählen, was sie alles herstellen und weshalb sie das so gut machen. Menschen, die eine Sache richtig gut können. Alles wissen. Sprühen. Leuchten. Ein wirklich positiver Aspekt meines Jobs. Immer wieder neue interessante Menschen und Themen. Es wird nicht langweilig. Bei euch hoffentlich auch nicht. Falls doch, macht was dagegen. Is wichtig. Bewegung. Laotse: Das weiche Wasser bricht den harten Stein. Ciao.

Ui, ui, ui – alles voller Weihnachtsdeko.

Werde ich alt? Spießig? Kommen Kindheitswünsche ungefiltert hoch? Oder werde ich am Ende gar plötzlich gänzlich erwachsen? Was ist nur los? Seit einigen Jahren verstärkt sich bei mir die Tendenz, Feiertagsschmuck zu mögen. Osterdeko, Weihnachtsdeko, Frühlingsdeko. Das war für mich früher so ein kunstgewerblicher Mistkram. Mochte ich nicht. Überall dieses Gedöns. Und nun. Ich mag’s. Freue mich drüber. Bei jeder Mahlzeit leuchten die Kerzen unseres Adventskranzes, den ich gebastelt und arrangiert habe.

Wo ist der Wunsch nach klaren Linien geblieben? Der reduzierte Ansatz? Ich meine, nach wie vor fragen uns viele Menschen, wo denn unsere Möbel sind. In unserem Ofen- und Lesezimmer, das quasi unser Wohnzimmer ist, gibt es nur ein Regalbrett, einen Hängesitz und ein Podest mit einem Futon. Das klassische Sofa, wenn man so will. Zum Rumlümmeln und gemütlichen Lesen. Auf dem Regal stehen immer nur wenige Bücher. Schätzchen. Ansonsten verschwindet, was nicht mehr gebraucht wird. Viele mögen das nicht, wenn es so leer ist. Mir gibt es das Gefühl, frei zu sein.

Deshalb habe ich wohl auch lange Deko abgelehnt. Zu niedlich, verspielt und überhaupt. Und jetzt freut sie mich. Neben unserem Esstisch mit dem Adventskranz steht eine große Weide. Die habe ich unten am Bach abgesägt. Sie steht in einer Glasvase mit Steinen, damit sie nicht umkippt. Durch die Zweige windet sich eine Lichterkette mit Sternen. Sieht sehr schön aus. Kurz nach Weihnachten beginnt die Weide, Blätter und Wurzeln zu bekommen. Ein Gefühl von Frühling mitten im Winter. Im Frühling dann pflanze ich die Weide an unseren Weiher, den wir gepachtet haben.

Am Wochenende hatten wir nun das Familienfest, die goldene Hochzeit meiner Eltern. Da hat uns meine Schwägerin einen kleinen Weihnachtsbaum im Tontopf geschenkt. Oben an der Spitze glänzt ein goldener Stern – seht ihr oben auf dem Foto. An dem gehe ich nun mehrmals täglich vorbei und freue mich jedes Mal. Schön, wie er da so vorwitzig in der Fensternische steht. Eine Etage höher hat Ela das Fensterbrett mit Tannenzweigen und kleinen Weihnachtsfiguren geschmückt. In diesem Jahr habe ich wirklich ein angenehmes Weihnachtsgefühl im Bauch. Vielleicht auch wegen des Schnees draußen, und wegen der Deko. Glaube ich. Den Baum, den wir dann als Weihnachtsbaum ins Ofenzimmer stellen werden, habe ich mir schon ausgesucht. Der steht auf meiner morgendlichen Coopertour auf einer Wiese. Es kommt der Tag, da muss die Säge sägen.

Euch wünsche ich heute ein klein wenig Weihnachtskribbeln. Vielleicht am Abend einen Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt? Wir fahren nächste Woche mit den Kindern nach Köln auf den Weihnachtsmarkt. Ela und ich haben etwas zu feiern. Ciao.

Ah, oh, wie wundervollst wunderbar!



Kürzlich hat mir jemand auf Twitter unterstellt, ich würde zur Romantisierung und Verklärung neigen. Da kann ich nur sagen: Jawoll. Das ist so. Meine Deutschlehrerin in der elften Klasse meinte: „Jens, hüten Sie sich vor Übertreibungen!“ Was soll ich sagen. Das habe ich nie getan. Mich vor Übertreibungen gehütet. Im Gegenteil, ich nehme sie, wo ich sie finden kann. Ich bin WERBETEXTER! Ohne Übertreibungen würde ich da nicht weit kommen. Wie banal würden die Dinge ohne das sanfte Einfließen des Superlatives klingen. Und wie langweilig wäre mein Leben, wenn ich nicht ab und an das Banale erheben würde. Gar gleich in den Adelsstand.

Gerade komme ich von einer sehr inspirierenden Reise. Bin von Eisscholle zu Eisscholle gesprungen und habe mit Eisbären um den letzten Proviant kurz vor dem Erreichen des Pols gekämpft. Quatsch. Mit Soße. War mit meinem schwarzen Eisbärn, dem Herrn Cooper meinerseits, äh, an meiner Seite, draußen im tiefen, tiefen Schnee. Und zwar nicht im tiefen, tiefen Wald, sondern oben, oben auf der Wiese. In Verwehungen plumpste mir der Schnee oben in die Stiefel.

Aber was war jetzt so wundervollst wunderbar? Wollt Ihr wissen, ihr Naseweiß, ihr Schelmenpack. Die Luft, die Landschaft, die Liebe, das Leben! Ach. Dort oben stehen. Also bei uns runter ins Tal, dann über die Landstraße, die zur Autobahn führt und dann den Berg rauf. Vorbei an der großen Birke, die jetzt alleine steht. Ihre Freunde sind im Kampf der Holzpreise gefallen. Abgesägt und abtransportiert und vielleicht gerade in diesem Augenblick ist der Stuhl, auf dem ihr sitzt, aus ihnen gemacht. Oh, au. Nich schlimm. Die wachsen nach. Sind die zu groß, haut die nur der Sturm um. Wegen der Klimakatastrophe, die uns den Polarwind geschickt hat. Ich nehme das jetzt mal als Nature-Entertainment.

Die Natur bietet mir einzigartige Schauspiele. Seit Tagen schon. Und eben heute oben auf dem Berg. Himmel in alle Richtungen. 360 Grad Rundum-Blick. Spiel des Lichts, leichte Morgenröte mischt sich ins Wolkengrau. Und mittendrin Herr Cooper und meine Wenigkeit. Ich atme diese kristallklare Luft, erhole mich von der nächtlichen Autofahrt (nachts um ein Uhr auf dem Rückweg von der Nikolaus-Weihnachtsfeier bei Köln). Da lief im Radio dieser Song von Jimmy Somerville von Bronski Beat Smalltown Boy. Könnt ihr euch erinnern?

Wenn ich euch etwas raten darf, was ich jetzt einfach mal mache, dann empfehle ich euch dringendst einen himmlischen Winterspaziergang. Draußen in der Luft ist irgendetwas Gutes. Naturdrogen. Schnee- und Sternenflimmer, der gute Laune zaubert. Und warme Füße. Einmal total durchglühen in Daunenjacke und Wanderschuhen. Dann reinkommen und denken, wie heiß ist es hier denn. Macht mal. Lohnt sich. Jetzt such ich noch eines der Morgenfotos raus. Oder eines von meinem Schneespaziergang gestern mit Ela? Oder mehrere? Ihr werdet sehen. Ciao.

The real Nikolaus-Feeling!

Was für ein Wochenende! Der Schnee ist über uns gekommen. 30 cm. Freitagabend war ich mit den Kindern in die Eifel gefahren, um mit der Familie und Verwandtschaft die Goldhochzeit meiner Eltern zu feiern. 50 Jahre. Respekt. Die Feier war Samstagabend bzw. -nacht. Dadurch konnte ich bei der Premiere des Nikolausstückes am Samstag bei der Altenfeier nicht dabei sein. Tja. Dafür habe ich bis 3 Uhr in der Nacht gefeiert. Schön, mal alle zu sehen. Brüder, Nichten und Neffen, Cousins und Cousinen, Tanten und Onkels.

Sonntagfrüh musste ich dann los, um wenigstens bei der Aufführung des Stückes im Rahmen unserer jährlichen Nikolausfeier im Dorf dabei zu sein. Selbstgebackener Kuchen, große Kinderaugen und irgendwann kommt der Nikolaus und jedes Kind bekommt ein kleines Geschenk. In diesem Jahr ein T-Shirt mit Aufdruck „I ♥ Nosbach“. Vorher musste ich mich jedoch wie der Nikolaus selbst durch den Schnee pflügen. Mit Zoe als begleitenden Engel an Bord. Ela und Jim waren abends schon gefahren. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr Schnee lag auf der Fahrbahn. Wir sind mal lieber langsam gefahren und haben zu allen reichlich Abstand gehalten. Deshalb dauerte die Fahrt dann ewig und wir sind kurz vor knapp angekommen.

Auf dem Schulhof lag dann so viel Schnee, dass ich den Wagen kaum einparken konnte. Wir sind gleich in die Halle und da war die Aufregung schon groß. Meine Schauspieltruppe hat dann eine super Vorführung hingelegt. Alle waren in ihren Figuren und total mutig. Nach vorne raus. Ich war wirklich beeindruckt, wie die das umgesetzt haben und wie viel Spaß sie hatten. Großer Applaus, große Freude. Schön. Der Dorfpfarrer hatte das Stück auf der Altenfeier gesehen und hat jetzt angefragt, ob die Truppe damit nicht in der Kirche auftreten möchte. Am 4. Advent.

Cooper und ich haben eben eine Schneewanderung gemacht. Wir mussten uns tatsächlich durchkämpfen auf die Höhe. Dort haben wir das Pferd getroffen, das so gerne kuschelt. Es ist neu und die anderen Pferde beißen es noch. Deshalb stand es alleine im Schnee und kam sofort an. Wir haben es ein wenig aufgebaut und dabei die dicke, knuffige Pferdenase fotografiert. Nach viel Aufregung, Feiern, Gefahre und Geräume am Wochenende, bin ich nun froh, wieder alleine und in Ruhe vor meinem Bildschirm zu sitzen. Nur die Buchstaben und ich. Meine Welt. Gemütlich mit Tee. Ein schöner Nikolaustag. Die Kinder haben schneefrei und werden sich gleich im Schnee tummeln.

Euch wünsche ich auch einen schönen Nikolaustag. Ich hoffe, in eurem Stiefel war was drin. Ansonsten beschenkt euch selbst:) Ciao.

Mit Delfinen schwimmen in Neuseeland!

Alles ist immer eine Frage der Perspektive. Bist du gerade oben oder unten? Mitten im Winter oder mitten im Sommer. Unsere Antipoden mixen gerade ihre Adventsdrinks für den Strand. Caipirinha oder Sex on the Beach neben dem aufblasbaren Adventskranz als Badeinsel. Der Blick in den Blog der Wesslings baut mich gerade regelmäßig auf. Erstens, weil viel Licht und gute Laune rüberspringt. Zweitens, weil ich an unsere Neuseelandreise 2007 denke. Nee, was war das schön.

Wie der Titel dieses Beitrags schon verrät, möchte ich euch eines der vielen Highlights dieser so unglaublichen Reise mit der ganzen Familie näherbringen. Wir sind mit Delfinen geschwommen. Die ganze Familie. Das war in Kaikoura, dort, wo das Meer so tief abfällt, voller Plankton ist und jede Menge Wale anlockt. Wir kamen vom Milford Sound, wo wir Weihnachten gefeiert hatten und waren auf dem Rückweg nach Nelson, wo Elas Bruder mit seiner Familie lebt, um dort Silvester zu feiern (was ein Reinfall war, die Kiwis gehen um 11 Uhr ins Bett – an SILVESTER!!! Eine Rakete am Himmel! Eine!).

In Kaikoura überlegten wir dann: Wale oder Delfine oder überhaupt? Beides ist ziemlich teuer und reißt ein dickes Loch in die Reisekasse. So richtig erlauben konnten wir uns das nicht. Aber dann, süß. Die Kinder sagten: Wir wollen unbedingt. Wir waren hin und her gerissen. Ich meine, wann kann man schon mit Delfinen schwimmen? In freier Wildbahn? Die Kinder sagten dann: O.K. Wir geben unser Weihnachtsgeld von den Omas dazu. Perfekt. Das ist ein Deal. Machen wir.

Kleines Problem: Am Dolphin-Counter wurde uns gesagt, dass die Termine über zwei Monate hinweg ausgebucht sind. Naive deutsche Touristen. Mal eben buchen. Ts. Nun waren wir aber hartnäckig. Haben gefragt, ob da nicht manchmal Gäste abspringen? Kann sein. Aha, Fuß in der Tür. Erzählen sie doch mal… Wir sollten einfach vorbei kommen, wenn es los geht und schauen, ob jemand abgesprungen ist. Haben wir dann zwei Tage lang gemacht. Und siehe da: tatsächlich. Es ist niemand abgesprungen, aber die dachten wahrscheinlich: Die wollen wirklich. Uns wurde eine Art Stand-by angeboten. Ihr könnt mitfahren, aber nur ins Wasser, wenn einer der gebuchten Gäste rauskommt. Oder wir lassen euch am Ende kurz rein. Denn: Es dürfen immer nur 12 Leute im Wasser sein. Die werden vom Boot aus von Rettungsschwimmern beobachtet, damit niemand in die ewigen Delfingründe abtaucht. Ist ja O.K.

Mit einem superschnellen Motorboot sind wir dann in die Bucht geheizt. Allein das war schon atemberaubend. 1.000.000 PS oder was? Riesige Fußspur hinter uns. Zwischendurch eine kleine unbedeutende Pause. Da war ein Touristenboot, von dem aus Albatrosse gefüttert wurden. Haben wir gleich mal zugesehen. Als kostenloses extra. Albatrosse! Sehr beeindruckende Tiere. Als wir dann in der Bucht ankamen, sahen wir sie. Eine ganz Delfinschule – 300 bis 400 Tiere. Die schwimmen auf der Jagd nach Futter in der Bucht immer von rechts nach links und wieder zurück. Kommen sie, springen die Menschen mit Neopren, Taucherflosse und Brille bewaffnet ins Wasser und machen Lärm. Das lockt die Tiere an, weil die scheinbar neugierig sind. In Neuseeland wird sehr auf die Natur geachtet. Forscher haben dieses Konzept mitentwickelt und so ausgearbeitet, dass es für die Delfine in Ordnung ist. Stand da.

Wir schauten zu. Waren ja nur auf Stand-by. Schon kam ein Paar aus dem Wasser. Seekrank. 1.000.000 PS. Deutsche. Danke. Jim sprang als erster mit Ela. Später kamen noch welche wieder an Bord, Zoe und ich konnten auch rein. Und dann Gänsehaut. Blick durch die Brille unten ins Meer. Da kamen sie auf uns zu. Schauten uns an. Sahen aus, als würden sie lächeln. Neben Zoe schwamm kurz ein Muttertier mit ihrem Kleinen. Zoe spürte den kleinen Delfin an ihrem Arm. Jetzt könnte man glauben, die Schönheit der Tiere wäre das Beeindruckende. Auch, klar, selbstverständlich. Was aber wirklich bleibt und zu Herzen geht, ist die Atmosphäre, die Ausstrahlung. Die Freundlichkeit, die spürbar ist. So, so, so schön. Wenn ich jetzt die Bilder sehe, wird mir noch ganz anders. Gänsehaut. Wir sind mit einem breiten Grinsen zurückgefahren. Wir hatten schon einen Berg bestiegen, den größten Teil der Südinsel umrundet, hatten den Milford Sound erlebt, sind von einem Seelöwen von einem Strand vertrieben worden, konnten Robben live erleben und dann die Delfine. Geschenke des Himmels. Super Bilder fürs Kopfkino zwischendurch.

Euch wünsche ich heute ein paar schöne, warme, sonnige Gedanken. Hawaii, Lockerheit in den Hüften, Tanzen durch die Welt, Gedanken fliegen lassen, warum nicht abheben? Wie hat mein Daddy immer gesagt: Was kostet die Welt! Ciao.

Tell me why, tell me why, tell me why…

Und dann kam in dem Song etwas mit live together. Welcher Song war das? Egal. Die Frage nach dem Warum beschäftigt mich heute Morgen. Nö, keine Sinnkrise. Mir geht’s gut. Keine Sorge. Ich frage mich, warum hatten wir gestern den kältesten 1. Dezember seit Aufzeichnung, von, von, von – ach allem. Wir haben diese Klimakatastrophe. IPC-Daten, Klimakonferenzen, Klimamodelle. Gestern las ich einen Spiegel Online Bericht aus dem Jahr 2008. Die Sommer werden trockener, im Winter wird es keinen Schnee mehr geben.

O.K. Jetzt herrschen draußen minus 9 Grad. Scheißekalt, echt, hab’s eben getestet, während ich das Foto oben geschossen habe. Ich möchte nun nicht sagen: „Hey Leute, Klimakatastrophe fällt aus wegen is nich.“ Nein. Aber ich würde gerne wissen, weshalb wir jetzt schon Ende November, Anfang Dezember eine Woche Schnee haben. Der letzte Winter erst war ziemlich hart. Cooper und ich wissen, wovon wir reden. Schnee von Dezember bis März. Und nun? Der nächste strenge Winter in aller Munde. Und nirgends lese ich, weshalb das nun so ist. Sag mal, Mr. Klimaforscher, was ist denn nun? Kannst du nur, wenn’s wärmer wird, erklären? Sag doch mal. Mach mal. Hey?

Das Problem ist ja folgendes: Wenn es hier so grausam kalt ist, wer glaubt denn da noch an Klimawandel mit steigenden Temperaturen? Kältester 1. Dezember. Schnee bis März. Kühler Sommer. Wie passt denn das? Hier im Dorf sagen die Leute, das Wetter ist eher wie früher. Und wenn ich da komme, die Klimamodelle sagen aber, dann kann ich das gleich lassen. Die gefühlte Wirklichkeit liegt weit entfernt von den universitären Weitblicken.

Also: Was jetzt? Blickt jemand durch? Müssen wir jetzt mehr Auto fahren, damit es wärmer wird? Sind das hier nur Kapriolen oder Langzeittrends? Fragen über Fragen. Da werden doch ziemlich viele Leute dafür bezahlt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Jetzt mal Butter bei die Fische, Visier aufgeklappt, Hosen runtergelassen und nix als die Wahrheit auf den Tisch. Hier und jetzt. Ich mach mir erst ma nen warmen Tee…

Falls ihr Antworten habt, könnt ihr die gerne hier posten. Vielleicht bringen wir ja gemeinsam Licht ins Dunkel. dann würden wir alle etwas klarer sehen. Klare Sicht wünsche ich euch dann heute mal. Und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, damit ihr gut in Fahrt bleibt. Oder nehmt ihr heute den Schlitten? Quatsch hier. Spassss auch. Ciao.