Heute ist der Blogger faul!

Ihr Lieben,

diese Woche habe ich genug geschrieben. Wer soll das denn alles lesen? Nun, wenn ich mich hier so umsehe, dann seid das wohl ihr, beziehungsweise du, die/ der gerade fiftyfiftyblog geklickt hat. Heute Morgen habe ich mal in die Statistiken geschaut. Und was hab ich gesehen? Projekt Elaine hat relativ wenige Klicks.Teil 3 ist kaum gelesen worden. In meinem Schreibwahnsinn war ich davon ausgegangen, dass ihr an der Story dran seid und wissen wollt, wie es weitergeht. Hatte ich so aus den Kommentaren rausgehört. Und für einige trifft das sicherlich so auch zu.

Junggesellenabschied!

Beim Frühstück bin ich ein wenig in die sentimentale Schiene gerutscht. Unsere italienische Kaffeemaschine träufelte mir gerade einen Cappuccino in eine französische Boule, als ich versuchte, das Radio zu starten. Ein wenig Hintergrundmusik. Dabei fiel mir auf, dass der CD-Player keine Lichtzeichen von sich gab. Der spinnt. Sei ihm verziehen, die Anlage habe ich 1989 während des Studiums von meinem in der Getreideernte verdienten Geld gekauft. 21 Jahre, X Umzüge, tausend Jahre abgespielte Musik im Alltag, auf Feten. Neue CDs, die einen nicht loslassen, Songs, die ich auf Random-Play durchgenudelt habe, bis sie tatsächlich durch waren.

Projekt Elaine 3

Die Lehrerin hatte es vor den Sommerferien angedeutet. Es kommt eine neue Schülerin, ein Mädchen aus der Stadt, aus Berlin. In der Klasse wurde getuschelt, es gab Gerüchte. Berlin, Drogen, Sumpf, Moloch. Cat hörte die Kommentare in den Pausen, das Flüstern. Merkwürdigerweise war ihr diese neue Schülerin nicht gleichgültig. Von Anfang an nicht, als die Lehrerin, Frau Saalbach, von ihr erzählte. Sie hatte gesagt „Die neue Schülerin heißt Susanne Schuhmacher. Ihre Mutter zieht aus beruflichen Gründen hierher und wir werden Susanne aufnehmen, als hätte sie schon immer in diese Klasse gehört. Ich erwarte Kollegialität, Unterstützung und Freundlichkeit. Ihr wisst, was ich meine. Von Anfang an, keine Spielereien, keine testenden Provokationen. Ihr seid in einem Alter, in dem das möglich sein muss“. Ihre Mutter. Sie hatte gesagt, dass die Mutter aus beruflichen Gründen herzieht. Und der Vater? Hatte Susanne einen Vater? Noch nie waren Cat wegen einer Mitschülerin, sogar wegen einer, die noch gar nicht da war, so viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Sie lächelte und ihre Lehrerin fragte gleich „Catherine, ist etwas mit dir?“ Die Klasse horchte auf. Sie war angesprochen worden. Würde sie reden? Den Gefallen wollte sie niemandem tun, sie wollte ihr Schweigen nicht brechen, ihre Isolation nicht aufgeben, ihren Panzer, den Schutzraum, das Innere des Igels nicht verlassen.

Die dicke Nase des George Clooney.

The American. Gestern Abend. In Siegen im Kinocenter. Vorbei an einer zu verpachtenden Kneipe, Designläden. Die Rolltreppe rauf, der Blick auf schwitzende Menschen hinter den Fensterfronten der Billigmuckibude. An der Tanke hatte ich mir Dosenbier und eine Tüte Katjes Kinder gekauft. Verboten, aber ein Bier im Kino kostet 3,90 €. Die wollen auch leben? Egal. Das Ticket habe ich mir Online gezogen. Hatte keine Lust auf Schlange stehen.

Projekt Elaine 2

Sie heißt Cat. Nicht wirklich Cat und schon gar nicht Katze. Sie ist eine Frau. Ihre Eltern haben sie nicht nur Catherine genannt, sie haben sie auch so taufen lassen. Sie würde es gerne rückgängig machen, das Wasser von ihrem Kopf streifen. Wie so vieles ist auch das nicht möglich. Sie, Catherine, ist in behüteten Verhältnissen aufgewachsen. In einer Villa am Rand einer Kleinstadt. Gründerzeit, großes Areal, Garten, Bäume, alter Baumbestand, wie Immobilienmakler es ausdrücken würden. Ein kitschiges Türmchen, als sei die Villa ein Schloss. Eine Freitreppe, als wäre alles vom Winde verweht. Feine bürgerliche Verhältnisse. Ihr Vater, ein Anwalt, ihre Mutter, eine erziehende Innenarchitektin. Ihre Eltern hatten sich auf der Uni kennengelernt, hatten geheiratet und waren ganz dicht beieinander getrennte Wege gegangen. Sei sahen glücklich aus, sie lächelten, strahlten und nur Catherine wusste, fühlte, erlebte was wirklich war. Sie konnte es nie in Worte fassen und kann es auch heute nicht. Zwei Menschen, die sich küssen, berühren und es im gleichen Augenblick nicht tun. Eine in Nähe, Enge erstarrte Unnahbarkeit. Haben ihre Eltern sie geliebt? Wahrscheinlich. Auf ihre Art. Sie, die einzige Tochter, die kleine Catherine, das brave Mädchen, die Musterschülerin, die Klavierspielerin, das Vorzeigemädchen mit den perfekten Manieren, die Außenseiterin mit den traurigen Augen, dem steinernen Blick, der Fähigkeit, in Eis gehüllte Blicke auszusenden. Das Mädchen, das es aushielt, den Finger in die Flamme zu halten, bis sich Brandblasen auftaten.

Projekt Elaine.

Nur die rote, blinkende Lampe des Anrufbeantworters bringt Farbe in den Raum. Alles andere ist weiß. Der Boden aus weiß lasiertem Holz, die Ledercouch, der Ledersessel, der kleine Tisch mit dem weißen MACbook, der Schrank. Seit Stunden sitzt sie auf der Couch, sieht zu, wie sich das Licht im Raum verändert, wie die weißen Wände es zurückwerfen, tanzen lassen. Sieht wie und wo Schatten entstehen, die die wenigen Möbel verändern, ihnen neue Oberflächen geben. Auf dem Schrank wollte sie die Schatten mit einem Edding nachzeichnen. Den Augenblick festhalten, minütlich. Ein Muster des Tages. Sie will keinen schwarzen Edding mehr. Niemand hat ihre Nummer. Seit einem halben Jahr wohnt sie in dieser sündhaften teuren Wohnung über dem Fluss. Das Haus wie ein Kran daran gebaut. Die großen Fenster nach Osten ausgerichtet, in die aufgehende Sonne. Morgens schläft sie. Lange Nächte. Zu lange Nächte. Sie arbeitet an ihrem Projekt, ihrem Projekt.

Dann bin ich jetzt Single!

Allein, allein, allein, allein. Fifty-fifty hat Pause. Räumlich. Eine Woche lang. Ela ist mit den Kindern weg und dem Hund. Ferien. Urlaub. Eine Woche Schiermonnigkoog. Eine niederländische Insel ohne Autoverkehr, endlos langem Sandstrand und dem Hotel van de Werff, in dem abends im holzvertäfelten Gastraum der Billiardtisch abgedeckt wird, um die Insel zum Apero zu empfangen. Fotos aus alten Zeiten an den Wänden, die Landung des ersten Wasserflugzeuges im Wattenmeer. Zugerauchte Ölgemälde von Windjammern in rauher See an den Wänden, ein ausgestopftes Krokodil aus Kolonialzeiten im Regal hinter dem Tresen. Wie oft war ich da? Diesmal nicht.

Jetzt wird’s holy, holy…

Heilig. Das ist das richtige Wort. Unser Dorf tritt in die Phase der Heiligen. Und ich mittendrin. Als Buddhist. Im Dorf herrscht Aufregung, weil sich Großes verkündet. St. Martin und St. Nikolaus. Was ich damit zu tun hab? Das eine kostet mich Gehirnzellen, das andere Schweiß und Nerven. Aber der Reihe nach.

Erst Fitness dann fett zum…

Nach dem Stuttgart 21-Hype letzte Woche bin ich jetzt froh, wieder über „unsere kleine Farm“ zu schreiben. Der politische Ausflug in die große weite Welt nebst Tagesgeschäft war doch ganz schön anstrengend. Hier sind teils Kommentare eingegangen, die waren strange bis sehr strange. Teils tatsächlich sprachlich wirr und unverständlich. Die habe ich mal blockiert, weil es da nicht um die Sache ging. Schade. Insgesamt scheint da so viel Druck im Kessel zu sein, dass Komisches entsteht. Ich verfolge das Geschehen still weiter, habe meine Meinung, wende mich aber wieder dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu. Bis es wieder Zeit wird, was zu sagen…

Und platsch in den Bach!

Ela, meine Freundin und Mutter unserer gemeinsamen Kinder, dreht abends oft gerne noch eine Runde durch den Wald. Manchmal geht sie allein mit Hund, manchmal nimmt sie mich mit. Gestern Abend hat sie mich nach der Arbeit und vor dem Abendbrot zu einer kleinen Runde eingeladen. Sie wollte mit mir eine Runde durch das Maikäfertal drehen – ein kleines Tal, in dem fast nie ein Mensch anzutreffen ist. Es heißt übrigens Maikäfertal, weil dort der Maikäfer, ein leicht verrückter Bauer, einen Gerümpelplatz hat. Da liegt alles kreuz und quer. Der ist ein wenig Messi im großen Stile: Alte Ladewagen, Haufen von Silagefolie, Bretter, Metallplatten. Ein Kleinod der Vergänglichkeit. Ein Schrottplatz der besonderen Art, auf dem der Schrott teilweise mit der Natur verwachsen ist. Eine Frontgabel von einem Traktor ist tatsächlich tief in einen Baum eingewachsen. Ein gleichsam interessanter wie gespenstiger Ort. Hätte auf unserer Runde gelegen, aber…

Frau am Bach

Unter dem Schirm
in einer Glasperle

Pfauenauge
im Haar

Geschichten des
fließenden Wassers

Wellen umspülen
die Zeh’n

Ein Blatt
schwebt, tanzt

Kein Plätschern
das sie hört

Ihr wäre
nach mehr

Kommt sie
die Liebe?

Oder nur
ein Fisch

oktober 2010

Mann. Frau. Umgekehrt.

Fifty-fifty. Ihr erinnert euch? Das Kernthema dieses Blogs, die Startposition am 18. Februar 2010. Pole-Position. Was geht da ab im Fifty-fifty-Experiment auf dem Lande? Da dies Fifty-fifty für das Paar und Gegensatzpaar Ela und Jens steht, also eine Art Ying und Yang, Pode und Antipode oder schlicht das Weibliche und das Männliche, möchte ich mal kurz hier auf das Wesentliche eingehen. Den kleinen, feinen Unterschied. Allen ist ja sowieso immer klar, wie Frauen und Männer so ticken. Die Mädels auf der einen Seite mit schön-schön, fein-fein, guter Duft und George Clooney an ihrer Seite und die Jungs mit Bier, Fußball, herbe drauf, technisch versiert und intellektuellem Interesse an Penelope Cruz-Filmen.

P-, P-, Party und Zeche!

Partys mit Mitte vierzig? Hm. Sind das noch Partys oder schon Gesprächsrunden mit gutem Essen und leckerem Wein? Ela und ich waren am Freitag auf die Party einer Freundin in einem Nachbardorf eingeladen. Auf der Terrasse direkt vor der Küche stand ein großes Zelt mit Tischen und Heizstrahlern, das „Wohnzimmer“ war ausgeräumt und mit einer fetten Musikanlage ausgestattet. Tanzen. Wie tanzt man mit Mitte vierzig?

du fällst nicht

du fällst nicht

glaubst es nur

die weiche weiche nacht umhüllt dich

wie ein warmes warmes vlies

und wenn du doch fällst

schreibt der wind des falls

dir die gänsehaut

in jeden winkel deines körpers

deine angst treibt

glitzernd bunte schweißperlen

auf die gipfel deiner haut

es ist der weite weite weg

zurück

den du niemals gehst

könnten mich die flügel

heben hoch empor

„Schämt euch!“

Mir blutet das Herz. Gestern saß ich den ganzen Tag am Twitter-Ticker und habe die Geschehnisse in Stuttgart verfolgt. Kürzlich erst hatte ich Brecht zitiert, als ich über Lyrik schrieb. Bertolt Brecht: „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist – weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?“ Nun müssen wir über Bäume sprechen, die heute Nacht unter Polizeischutz gefällt wurden. Tausende Menschen harrten in der Nacht vor Ort und skandierten „Schämt euch!“. Darunter, wie Spiegel-Online berichtet, nicht alleine die gerne genannten Chaoten, auf die sich so einfach alle „Schuld“ schieben lässt.