Drama, Drama um Tamara

Wer ist Tamara? Eine Leinwandfigur. Wir haben es wieder getan. Sind zu viert ins Kino gefahren. Diesmal nach Köln. Cinenova in Ehrenfeld. Keiner der riesigen Kinopaläste, sondern eine umgebaute Fabrikhalle. Eintritt bezahlbare 6 € und Sweets zu Preisen, die sich kreditfrei aus dem normalen Tagesbudget bezahlen lassen. Die hatten sogar Lakritz. Sehr sympathisch. Wenn meine Eltern Sonntagnachmittags gerne mal allein sein wollten, durften mein älterer Bruder und ich ins Kino. Tüte Katjeskinder für 60 Pfennig und dann „Vier Fäuste für ein Halleluja“ mit Bud Spencer und Terence Hill. So hatten wir alle unseren Spaß.

„Immer Drama um Tamara“ von Stephen Frears war gestern ein Aufheller. Nachdem der Südwind mächtiges Tauwetter herangepustet hatte, war mir gestern komisch. Eis und Schneematsch und alles ein Einerlei. Da kam die britische Komödie mit ihrer heftigen Sprache (F…, Sch…, Pf…) genau richtig. Komischerweise ging es wie in „3“ wieder um sexuelle Begierde, Betrügereien und Bettgeschichten. Diesmal jedoch weniger schwerwiegend erzählt. Die Szenerie: Ein englisches Dorf. So groß wie unser Dorf. So verschlafen wie unser Dorf. Dort hat sich ein Ehepaar niedergelassen. Er Bohemien, Bestsellerautor, leicht schmieriger Schleimer und Verführer, sie Seele des Landguts. Die beiden vermieten Zimmer an Autoren/innen. Da kommen ziemlich skurrile Typen und Gespräche zusammen.

Wie im Sommernachtstraum nehmen die Dinge ihren Lauf. Kommentiert von zwei fünfzehnjährigen Mädchen, deren Schaltzentrale die Bushaltestelle des Dorfes ist. Alles geht seinen Gang, bis eine ehemalige Dorfbewohnerin mit Hotpants die Welt durcheinanderwirbelt. Skurrile Situationen entstehen, die Geschichte ist trocken britisch erzählt, die Dialoge – vor allem der beiden fünfzehnjährigen Mädchen – sind witzig. Englisch. Muss ich doch mal hin, auf die Insel drüben.

Nachdem wir noch ein Bier getrunken hatten, fiel ich um halb Eins ins Bett. In der Nacht träumte ich von einer Hochzeit. Ob mich der Film an „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ erinnert hat? War’s der Südwind? Oder das Lakritz? Auf jeden Fall: Schön war es. Ich war nicht der Bräutigam. Diese Erfahrung fehlt mir ja bekanntlich gänzlich. Ich war dabei. Draußen auf einer grünen Wiese im Sommer. Der Bräutigam trug einen weißen Pullover, hatte zwei große Ohrringe und eine Irokesenfrisur. Mein älterer Bruder war dabei. Wir waren eingeladen, weil wir dem Bräutigam einen Gefallen getan hatten. Ich glaube, wir hatten bei einem Umzug geholfen (gefühlt habe ich in meinem Leben eine Millionen Mal bei Umzügen geholfen und irgendwie immer die Waschmaschine getragen). Die Atmosphäre der Hochzeit war so schön. So warm war es, die Sonnenstrahlen, die lachenden, fröhlichen Menschen. Meine Seele wollte sich wohl in einer Sehnsucht tummeln. Licht, Wärme. Nicht im Gedanken, ich würde heiraten, falls ihr das jetzt denkt. Ach, wie schön. Bin und bleibe ein unverbesserlicher romantischer Harmoniker mit dem Drang nach Happyend. Alles wird gut. Ist gut. Immer.

Euch einen schönen Tag. Mit Liebe, Licht, Sommerlust. Zwar fallen die Sonnenstrahlen wahrscheinlich wieder in Tropfenform, aber egal, Hauptsache es macht Spaß. Tschüss.

Google, Sex, Dreikönigstreffen!

Ein bedeutender Tag! Die heiligen Könige kommen. Zu Jesus an die Wiege und adeln das von Gabriel verkündete Kind. Bei uns auf dem Dorf fährt irgendwann ein Kombi vor, aus dem drei bunt verkleidete Gestalten aussteigen, um an unserer Tür zu klopfen. Der Text steht hinten auf dem Stern und der Vortrag bestätigt die Leseschwächen der Pisa-Studie. 2 Euro. Tschüss. 2011 Jahre später.

Derweil versucht ein Guido Westerwelle die Scherben seiner ersten Regierungszeit zusammenzuschieben und daraus einen leuchtenden Stern zu formen, hinter dem sich das liberale Deutschland wieder versammeln kann. Der Ärmste. Kommt mir ein wenig vor, als müsste er nun als großer Magier David Copperfield irgendein As aus dem Ärmel zaubern, um gegen die ganzen persönlichen Anfeindungen anzukommen. Da steht die Meinung des amerikanischen Botschafters im Raum und auch sonst rumort es. Ich persönlich hab die Sache mit der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen und die Begleitung durch private Wirtschaftsdelegationen noch nicht vergessen. Deutscher Außenminister. Das war immer irgendwie ein parteiübergreifendes Amt. Ehrfurcht. Gute Botschaften im Ausland. Genscher, Kinkel, Fischer. Gute Auftritte. Westerwelle gehört leider nicht in diese Liga. Bin gespannt, was er sagt. Wie er’s sagt.

Derweil hab ich neue Erfahrungen als Blogger gesammelt. Seit ich mich aus dem gemütlichen Schoß des Brigitte Woman Blogs in die freie Wildbahn begeben habe, hat sich einiges verändert. Zum Beispiel, dass ein Anti-Spam-Programm wichtig ist, das den Blog schützt. Tag für Tag trudeln hier bis zu 20 Spam-Kommentare von meist russischen Servern ein, die Links verbreiten wollen. Musste ich anfangs per Hand löschen, jetzt geht das automatisch. Die Lösung musste ich erst einmal finden. Reale Welt. Außerdem wird der Blog jetzt von Besuchern frequentiert, die über Google kommen. Und was suchen die? Sex. Meistens. Da kommen viele Menschen auf diese Seite, die nackte Männer unter Duschen sehen wollen oder gerne Sex zu viert hätten. Hab ich natürlich nicht dran gedacht. Google-Logik. Wer mit dem Feuer spielt. Ich glaube, da hab ich mittlerweile einige Leute arg enttäuscht:)

Gestern dann: Das Thema Dioxin-Eier hat mich wirklich beschäftigt. Aus dem Bauch raus hab ich die Überschrift mit den Ei-Erkennungscodes gewählt. What happens? Besucherrekord. Absolut. Ich dachte, was ist den hier los? Hab dann mal meine Head eingegeben bei Google und siehe da: Der fiftyfiftyblog erschien auf dem 3. Platz. Vor großen Nachrichtenportalen. Und viele haben geklickt. Sind aber nicht geblieben. Die Welt des Internets. Sex, Sensationen, SEO (Search Engine Optimization). Eigentlich nicht meine Welt. Trotzdem werde ich nun mit ihr stärker konfrontiert, als ich das möchte. Blogwachstum kontra Authentizität. Das Weiche gegen das Harte. Das Netz verändert. Saugt, formt, will. Nun gut. Ein Aspekt des Bloggens. Muss man sich drüber im Klaren sein. Werd das mal beobachten…

Euch wünsche ich einen schönen Tag mit persönlichem Dreikönigstreffen. Vielleicht haltet ihr euch innerlich eine eigene politische Rede. Wo soll die Reise hingehen? Ciao.

2-DE-0350121 und 2-DE-0350372

Ja was ist das denn? Eierkennzeichnungen. Erzeugercodes. In diesem Falle könnten wir auch von Erzeugerkot sprechen. Das sind die Stempel, die auf Eiern mit aktueller Dioxin-Belastung drauf sind. Der Spiegel hat diese Codes veröffentlicht.

„Potenziell mit Dioxin belastete Eier könnten Einkäufer am Erzeugercode erkennen, sagte Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei Eiern mit den Codes 2-DE-0350121 und 2-DE-0350372 liege der Dioxinwert über dem zugelassenen Grenzwert.“

Weitere Codes hat das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen veröffentlicht:

2-DE-0513912 (MHD bis spätestens 20.01.2011).

3-DE-0514411 (MHD bis spätestens 20.01.2011, bei Eiern mit dieser Stempelnummer sind nur die Eier mit brauner Färbung betroffen.)

Zusammenfassend sollte auf unseren Frühstückseiern also folgendes nicht stehen:

2-DE-0350121
2-DE-0350372
2-DE-0513912
3-DE-0514411

Und weshalb? Weil mit Dioxin nicht zu spaßen ist. Das geht nicht rein und gleich wieder raus, sondern bleibt schön drin. Bei Wikipedia heißt es: „Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane sind sehr giftig, das 2,3,7,8-TCDD wird teilweise als „die giftigtste vom Menschen hergestellte Verbindung“ bezeichnet.“ Leider steht da noch mehr: „Fachgremien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der amerikanischen Gesundheitsbehörden und der US-Umweltbehörde EPA stufen 2,3,7,8-TCDD als für Menschen krebserregend ein.“ Ob es sich in den Eiern um dieses Dioxin handelt, weiß ich nicht. Vielleicht lest ihr euch selbst mal in den Wikipedia-Artikel Dioxin ein.

Unappetitlich aber ist, dass das Zeug nur ganz schlecht aus dem Körper wieder rauskommt. Es lagert sich im Fettgewebe ab und bleibt da drin. Wikipedia: „Bei einer akuten Vergiftung ist keine Möglichkeit zur raschen Entgiftung bekannt. Wegen der Einlagerung im Fettgewebe des Körpers können sie selbst durch Blutwäsche nicht oder nur langsam ausgeschieden werden.“ Bingo. Deshalb schreibe ich diesen Artikel. Wer bis jetzt gedacht hat „was schert mich so ein bischen Dioxin“, der sollte vielleicht umdenken und zumindest eine Zeit lang auf Bio umstellen. Vor allem, wenn Kinder im Spiel sind. Denn letztlich werden Eier in jede Menge Produkten verbraten. Keine Sorge? Wird doch kontrolliert?

Nanü. Immerhin ist das Zeugs über die Futtermittelindustrie in die Nahrungskette gelangt. Was die Hühner essen, essen wir. Am Ende landet das Zeugs in unseren Körpern und wir fragen uns dann irgendwann „Weshalb ausgerechnet ich?“ Das Dioxin war in Industriefetten, die bei der Biodiesel-Produktion übrig waren. Die sind für die Futtermittelproduktion verboten. Who cares? Das Unternehmen hat selbst Alarm geschlagen. Zumindest das. Wer macht das schon? Zeit zum Umdenken. Bio. Teurer? Vielleicht weniger, aber besser essen. Die haben auch Skandale? Nicht zu vergleichen mit dem, was die konventionelle Nahrungsmittelproduktion veranstaltet. Es gibt einfach viele Stoffe, die gehören nicht in die Nahrungskette. Nicht in unsere Körper.

Haut euch heute mal ein leckeres Bioei in die Pfanne. Zeichen setzen. Nicht alles schlucken. Ciao.

Quäl dich, du Sau!

Etwas heftig am frühen Morgen. Was für eine Überschrift. Udo Bölts. Radsport. Tour de France. Jan Ullrich kämpft um den Sieg (ja, ich weiß unter welchen Umständen er da hoch gesprintet ist). Alpe d’Huez. Schmerzen in den Muskeln. Und dann sagt es Bölts zu Ullrich: Quäl dich, du Sau! Ullrich gewinnt die Tour de France. Wie ich jetzt darauf komme? Vom gedopten Leistungssport zurück ins Weltgeschehen des hobbymäßigen, dopingfreien Breitensports. Zumindest in meinem Fall dopingfrei, abgesehen von… Ach. Ja, ja.

Gestern Abend in der Muckibude. Ich absolviere mein Programm. Während der fünf Kilometer auf dem Laufband (bin ich ein Hamster?) sehe ich Eurosport. Fernsehen. Einmal in der Woche. Was wird gezeigt? Dart. Das Spiel mit den Pfeilen. Ein Wettkampf in England. Stundenlang werden Pfeile geworfen. Die Massen im Saal sind aus dem Häuschen. England. Ein wenig anders. Nach fünf Kilometern erlöse ich mich von den bunten Bildern und starte mein Programm. Erst Maschinen, dann Hanteln. Ganz entspannt. Zu entspannt, wie mein Trainer befand. „Hey! Ganz runter.“ Ich liege auf der Hantelbank und stemme Gewichte. So eine Stange wie beim Gewichtheben über mir. Hebe und senke die Stange mit ihren Gewichten puppenlustig leicht und locker. Da kommt er. „Jetzt aber mal ordentlich.“ Dann kommen die Anweisungen. Also: Normalerweise hebe ich die Stange 12x. Ich war bei 7. Da sagt der Trainer „Jetzt mal nur halb hoch.“ Boah, ist das anstrengend. Noch 4x. Echt? Das tut alles weh! 3x, 2x, 1x. Ich will die Stange einhängen. Mein Bizeps droht zu explodieren. Der Trainer: „Moment. Jetzt von oben halb runter. Ja, genau so. Noch 5x.“ Ist der wahnsinnig? Weiß der nicht, wie scheiße weh (sorry, aber war so) das tut. 4x, 3x, 2x – ich kann nicht mehr!!! „Doch, du kannst. Noch 1x.“ Geschafft. Ich will einhängen. Ach quatsch, will weg sein. Planetenwechsel. Fluchttendenz. Da. Genau in diesem Augenblick, als ich gerade einhängen will, sagt er: „Ne, ne, ne. Jetzt die ganze Strecke. Runter bis auf die Brust und dann hoch. 7x.“ Ich habe Hörprobleme. Ich meine das ist unmöglich, das die Info stimmt. Dringend mit Q-Tipp sanft reinigen. Du hast jetzt nicht 7x gesagt! „Doch, mein Freund. 7x. Los.“ Was hat der mir überhaupt zu sagen. Ich bin ein freier Mensch.

Darf der das überhaupt? Hier Menschen quälen. Und dann noch ausgerechnet mich. Ich glaube, der hatte keinen guten Tag. So viel Neue. Januar. Das Telefon steht nicht still. Massenhaft Anmeldungen. Gute Vorsätze. Die Bude ist voll, voller, am vollsten. Immer nach Silvester. Die guten Vorsätze. Ordentlich beleibte Menschen quälen sich auf dem Laufband. Viel zu schnell, der Schweiß wird aus den Poren gesprengt und fliegt nur so umher. Gehen. Gehen wäre am Anfang besser. Langsam anfangen. Die Leute kommen, habe ihre guten Vorsätze und neue Sportklamotten im Gepäck, unterschreiben einen Vertrag für ein Jahr, bleiben die Probezeit und werden nie mehr gesehen. Zahlen aber weiter. Ablass. Auch eine Art Fitnesstraining, für eine nicht in Anspruch genommene Leistung zu zahlen und arbeiten zu gehen. Futsch. Einfach futsch.
Vielleicht wollte er an mir ein Exempel statuieren? Seht mal, wie es euch geht, wenn ich euch in die Finger bekomme! Ihr werdet noch froh sein… 7x. Herrje! Ich kann nicht mehr. Das tut so schweineweh. „6x noch.“ Ich gebe ihm innerlich nicht gerade sympathische Namen. Ich wollte doch freundlicher werden. Da ist doch noch was von dieser Unbändigkeit in mir. Das Tier!!! Sagen wir ein kleines Tier. 5x. Können Muskeln platzen, zerspringen, explodieren? 4x, 3x, 2x. Ich beschließe, egal was er sagt, danach einzuhängen. Der kann mich mal. Ich bin ein Bürger dieses Landes und habe Rechte. 1x. Ich hänge ein. Wahrer Widerstandskämpfer. Ich lächle verzweifelt. „Siehste, jetzt lachste!“ Was? Ich lache? Boah, ey. Jetzt dreht der das auch noch und tut so, als wäre das mein ultimatives Glück. Ich sage ihm „Geh doch einfach!“ Und er meint: „Fünf Minuten muss ich noch rumkriegen, hab‘ gleich Feierabend!“ Aber nicht bei mir. Lass‘ mich bloß in Ruhe. „Du bist doch nicht zum Spaß hier!“ Was? Aber genau deshalb. Bin ich Masochist oder was? Muss mir mein Leben weh tun, damit ich was spüre? Schönen Tag noch, tschüss Trainer.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert und schreib‘ auf teurem Papier. Ach quatsch, das war Marius. Ich sitze hier und habe Muskelkater. Schulter, Arme. Wenn ich den in die Finger kriege. Erst 7x und dann langsam bis zu 1x runter. Und dann von vorne. Bin nämlich kein Masochist, Trainer. Warte nur…

Euch wünsche ich einen muskelkaterfreien Tag. No Sports! Winston Churchill. Gebt mir eine Zigarre. Ciao.

50/50 Highlights 2010!

Wer Lust hat, die meistgeklickten fiftyfiftyblog-Beiträge 2010 noch einmal zu sehen, zu lesen oder zu erleben, findet sie hier:

1. Blog-Rückblick!

2. Wenn Männer Damenunterwäsche kaufen…

3. Wiege der Welt

4. Essen, beten, lieben. Ich auch.

5. Beste Freundinnen, forever!

6. Duschgespräche unter Männern!

7. Der Herr Cooper!

8. Lauter nackte Menschen.

9. „Fucking Gitarrenladen!“

10. 19 Jahre mit Ela!

Die meisten Kommentare hatte übrigens „Wenn Männer Damenunterwäsche kaufen…“ – 37 insgesamt.