nimmermehr

für Eva S.

dein Wort retten
aus den Klauen klauben
eine schöne Birne zurücklegen
in den Korb mit Tuch

Katharsis
kein Kampf, kämpfen
nehmen
mit der Hand Silbe für Silbe
nim
mer
mehr

Wie Wellen
trägt
spiegelt das Wort
den Blick zurück
in unvergessener Sehnsucht
ein Abschied vom Meer

Drum nehme ich es
für dich
auf eine Kreuzfahrt
schrubbe die Rundungen der n und m
außen und...

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Frieden 11

Mutters Picasso im Schlafzimmer neben dem Spiegel
Mädchen mit Taube, weiß
auf Spanplatte
Musterplatte meines Vaters
Rand gestrichen, weiß
– so sanft

Neben dem Foto
des Vaters meines Vaters
noch lächelnd
nach der Entnazifizierung
gestorben am Darmkrebs

Mein Sohn heute
in Köln
Ausflug der Klasse
ins Gestapogefängnis
Gedenkstätte
Entnazifizierung des Volkes Teil X
Lege meine Hand ü...

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Nord, Nord-Ost

Kein Spiel mehr
fürs Ich
die Wanten verwaist
der Kurs in Marmor geprügelt

Voran

Füße
in kalten Stiefeln
Nord, Nord-Ost
ins Reich der Götter

Wind pfeift
der Bug knarzt
bäumt sich
im Meer

Kalte, salzige Wellen
durchs
faltige Gesicht

Kein Umdrehen mehr
kein Süden
kein Fluchen
kein Huren
die letzte Frau ist
von Bord

Die Hand hält
das Seil zieht Linien
in die Fläche
am Sc...

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Erinnerungsflash, Midlife

1976, im Sommer
Randalierend im Knast von Renesse
Gegen Laternen getreten, Handschellen
Blaulicht
Am Nachmittag, Sport blau gemacht
Geschlafen mit der Tochter der Sportlehrerin
Immatrikuliert, demonstriert gegen die Schließung
Ästhetik des Widerstands gelesen, zwei Jahre
Frauen, jung
Am Theater Wolokolamsker Chaussee
Heiner Müller in Leipzig, gesehen
Seinen weggeworfenen Zigarrenstummel...

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Am Morgen, Meerjungfrau

Sonnenaufgang am Winterhorizont
Rechts von Osten
Stapfe, stapfe durch den Schnee, Sand
Den Hügel, die Düne hinauf
von den Gezeiten hergespült
im Rhythmus, gleichen Takt
sechs, zwölf, achtzehn, vierundzwanzig

Der Ozean wartet wie jeden Morgen
der Wind hat in der Nacht
die Wellen allesamt per Hand gemalt
gezeichnet, filigran geschwungen

Wie Muscheln liegen die Blätter des Herbstes
ve...

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Bär, tanzt in mir

für filo

Im Nebelmantel
der kratztanzende Bär
mit plumpstoßenden Tatzen
im Wirbel der Blicke

Stoße dich weg
mit der Faust
auf die Brust
die Striemen
der Krallen
egal

Du glaubst
du bist stark
Tanzbär

Mit Kraft aller Welten
schnapp ich deine Kehle
und halt dich umschlossen
im friedlichen Kuss

Wir werden uns drehen
kratzpfotiges Wesen
und Streifen am Boden
gemeinsamer Zeit
...

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Er, Südwind

In einem weiten grünen Bett
liegt sie
mit nacktem Körper
und träumt
von andren Dingen

Von Süden
weht er
lächelnd ran

Augen schließend sanft
und voller Kraft
sinkt er
zu ihr herab

Im leichten Flug
berührt er kurz
ihr Haar
ein Hauch

Erfasst die
Gänsehaut
der Brüste

Berührt mit einem
Flügelschlag
des Schmetterlings
die aufgestellten
Spitzen

Streicht über ihren
Bauch
...

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Frau am Bach

Unter dem Schirm
in einer Glasperle

Pfauenauge
im Haar

Geschichten des
fließenden Wassers

Wellen umspülen
die Zeh’n

Ein Blatt
schwebt, tanzt

Kein Plätschern
das sie hört

Ihr wäre
nach mehr

Kommt sie
die Liebe?

Oder nur
ein Fisch

oktober 2010

du fällst nicht

du fällst nicht

glaubst es nur

die weiche weiche nacht umhüllt dich

wie ein warmes warmes vlies

und wenn du doch fällst

schreibt der wind des falls

dir die gänsehaut

in jeden winkel deines körpers

deine angst treibt

glitzernd bunte schweißperlen

auf die gipfel deiner haut

es ist der weite weite weg

zurück

den du niemals gehst

könnten mich die flügel

heben hoch empor

...

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