In welcher Einheit wird das Glück gemessen?

Zeit, zu reflektieren.

Es waren aufregende Jahre, die durch existenzielle Koordinaten im Kosmos meines Lebens verortet sind. Ich schreibe über mich. Mein Leben, mein Blog, mein Tagebuch, meine durchlebten Jahre.

2012. Das einschneidende Jahr. Der Anruf. Papa ist tot. So nah war in meinem Leben kein Einschlag gekommen. Nicht, dass da keine Ansagen gewesen wären. Von wegen aus heiterem Himmel. Ich hatte schon viel früher damit gerechnet, drei Schlaganfälle muss man erst einmal wegstecken. Hat er gemacht. Rolf Schönlau, geboren am 26. März 1934 in Schötmar. Gestorben am 1. Februar 2012.

Ich fuhr nach London, besuchte einen Sprachkurs im buddhistischen Zentrum, lebte eine Woche in einer WG. Junge Eltern mit Kind, ich auf dem Sofa. Mittendrin sozusagen. Tat, was ich in Städten tue. Theater, Museen. Menschen, Kneipen, auf ein Bier. Reden. Reden.

Sonntagabend landete ich in Köln, wurde abgeholt. Der Papa, Küsschen, Geschenke. Am Morgen das Treffen in der Küche, die Worte, das Aus. Der Schmerz, das Leiden, die Tränen, die Kinder, das Zusammennehmen, Aufbäumen. Es würde nie wieder so sein. Ein Sommerurlaub in Italien mit Kindern und in spezieller Konstellation. Zu fünft, zwei Autos, drei Erwachsene, die neue Familie.

Hatte ich Schiss vor den drei Wochen. Als ich nach durchfahrener Nacht morgens am Meer stand, war ich eigentlich nicht mehr da. Aufgelöst, pulverisiert, Energielevel im Minusbereich. Ich hätte einfach tot umfallen können, es hätte mir nichts ausgemacht. Nun gut. Die Kinder, der Optimismus, das Meer, Italien.

Viveka.

Wir hatten uns im Jahr zuvor kennengelernt, zwei Familien. Sie sollte mich ablenken, mit mir ausgehen. Sie war auf mich angesetzt worden. Kümmere dich um Jens. Man könnte sagen, eine Mitleidsnummer. Sie hatte mir vorher geschrieben, einen Brief. Papier, Tinte, ein Geschenk, ein Buch und ein Zitat aus dem Buch.

Das Zitat lautete „Das Lächeln von den Lippen küssen.“ Ihr Kommentar dazu, „dass dir das einmal passiert, das wünsche ich dir.“

Wie oft seither hat sie mir das Lächeln von den Lippen geküsst. Im Sommer 2012 in Italien habe ich mich in Viveka verliebt und diese Liebe hat in den vielen Jahren seither keinen Deut nachgelassen.

Viveka ist ein polarisierendes Wesen. Man mag sie, oder man mag sie nicht. Sie ist keine leichte Kost, sagt eins zu eins, was sie denkt. Oft kassiert sie dafür Prügel, die sie einsteckt oder mit einem leidenschaftlichen Zorn pariert. Sie ist ein Wesen, das man nicht von Bäumen pflücken kann. Ihr Herz ist so groß, wie ich selten eines erlebt habe.

Sie hat auf Jamaika gelebt, war lange in Asien. Sie hat alles immer so gemacht, wie sie es wollte. Statt Ausbildung Jamaika, statt Führerschein Flugticket. Ich kenne keinen anderen Menschen, der dem Leben so konsequent und furchtlos begegnet.

Sie treibt mich in den Wahnsinn, fordert mich, weitet mein Denken, meinen Blick auf die Welt. Sie hat mich stärker und in vielem radikaler gemacht. Sie hat einen Teil meiner bürgerlichen Grundfesten aufgelöst. Ich habe Grenzen fallen lassen, habe das Leben tiefer geküsst und geschmeckt.

Viveka ist wie mein Vater am 26. März geboren. Wir beide sind Widder, ich bin Widder mit Aszendent Widder. Unsere Möglichkeiten, aus der Haut zu fahren, sind umfassend. Manchmal müssen wir unserer Intensität aus dem Weg gehen, weshalb es nicht schlecht ist, in einem Haus mit vielen Zimmern zu wohnen. Wir haben beide die Fähigkeit, schnell wieder zu lachen. Und wir verletzen einander nicht. Es bleiben bei aller Intensität keine Kratzer.

In welcher Einheit wird das Glück gemessen?

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist. Es ist schwierig. Es gibt keine Skala zwischen 0 und 10. Oder?

Gerade ist es schön. Nach acht Jahren habe ich das Gefühl, Boden unter den Füßen zu haben. Ein Leben jenseits all des Wahnsinns. Wochenendbeziehung, zwei Jobs, zwei Kinder und das ganze Familientrallala im Übergang.

2016. Der Verkauf der alten Schule. Im Mai war sie weg, im August musste ich ausziehen. Wohin? Ich habe das alte Steigerhaus hier in Mühlhausen gefunden. Mir war nicht klar, ob ich es mir würde leisten können. Wir hatten Glück, haben die Schule mit Gewinn verkauft und so hatte ich Grundkapital. Die Zinsen waren niedrig, eigentlich passte alles. Der Verkäufer und ich wurden uns einig, dann rief er an. Doch nicht. Es würde finanziell nicht passen.

Die Zeit lief, der August kam näher, ich suchte nach Optionen. Container für die Klamotten, irgendwo unterschlüpfen. Wollte ich nicht. Manchmal habe ich einen guten Drive und kann Menschen sagen, was sie tun sollen. Ich habe den Verkäufer angerufen und ihm gesagt, dass wir das jetzt gemeinsam durchziehen. Dass ich das Haus kaufe, mich um alles kümmere und ihn von aller Last befreie. Er hat zugestimmt. Ich wusste damals nicht, dass ich das Haus zu einem Spottpreis bekommen habe. Für mich war das viel Geld. Nach vier Jahren ist das Haus fast doppelt so viel wert. Manchmal belohnt ein lieber Gott die Phasen des Leidens.

Nun lebe ich hier. Nun leben wir hier.

Gleich kommt mein kleiner Bruder mit seiner Frau. Seit unsere Mutter am 1. März gestorben ist, haben wir uns selten gesehen. Die Zeit davor ständig. In Krankenhäusern, im Pflegeheim. Drei Brüder.

Acht Jahre voller Veränderung.

Jetzt sitze ich in der Küche, die Desserts sind fertig, alles ist fürs Kochen vorbereitet. Ich weiß, dass es ein schöner Abend wird. Eine gute Zeit.

Das Glück wird in keiner Einheit gemessen. Yep. Es ist ein volatiles Wesen. Man kann froh sein, wenn es da ist. Es kommt, es geht. Man kann ihm Türen öffnen und den Weg bereiten, zwingen und messen kann man es nicht. Ich liebe es, glücklich zu sein. Damit bin ich wahrscheinlich nicht allein. Ich arbeite daran. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Viveka würde sagen „So ist Leben.“

Ja, so ist Leben.

Die Sonne ist nicht nur ein Planet

Ist das Kunst oder kann das weg? Trifft hier wohl besonders zu, weil die alte Miele SPECIAL ELECTRONIC W698 nach 30 Dienstjahren eigentlich den Weg des Gerechten gegangen wäre. Im besten Falle ausgeschlachtet und als Organspender lebensverlängernd für ein baugleiches Modell verwendet.

Anfang der Neunziger entstand ein erstes Bild der gegenständlichen Serie. Eine Kühlschrank-Tür eines Siemens-Kühlschranks, der auf einem tief blauen Untergrund gelandet ist. Zu der Zeit war ich noch Regieassistent und wollte die Welt nicht nur über die Bretter, die die Welt bedeuten, nicht nur erobern, sondern mindestens auch verändern und natürlich nachhaltig retten. Dass mit dem Gerettetetetet hat nicht so ganz so gut funktioniert. Die damals sich abzeichnenden Herausforderungen der Menschheit haben sich nicht in Wohlgefallen auflösen wollen und auch die Revolution des Guten hat in der Form vielleicht eher in der zweiten Reihe und schleichend stattgefunden.

Ich glaube es war im Jahr 1994, als der Kühlschrank einen Interessenten fand, der ihn mir für 1.000,- DM abkaufen wollte. Nein habe ich gesagt. Da bin ich Egoist. Das sind meine Bilder fernab von Kunst und Kunstmarkt. Mein Geld verdiene ich als Texter und Konzepter – das sind meine Aufgaben in dieser Welt, die ich schätze und die mich beruflich ausfüllen und glücklich machen. Mit Gedanken und Worten spielen, in die Tasten hauen, den Nevenkitzel vor der leeren weißen Fläche vor den Augen spüren. Auch noch nach so vielen Jahren dieses Kribbeln des Scheiterns. Wird das was?

KATHARSIS 2020. Hatte ich auf Instagram und Facebook veröffentlicht, ohne sehr viel dazu zu sagen. Sollte selbsterklärend sein. Wie bei den anderen Exemplaren der Serie – es gibt noch einen Feuerlöscher auf hellgrünem Grund und drei Küchenbeile mit hellgrünem Kopf auf organefarbenem Grund – schien mir doch ein wenig Ratlosigkeit aufzukommen.

Was soll das?

Nichts. Gar überhaupt nichts als ganz allein mir dieses innere Gefühl zu geben, das niemand nachvollziehen kann. Das „Projekt“ trage ich schon seit Jahren im Kopf. So eine Idee der Kategorie „würde ich gerne mache“. Also das, was üblicherweise in der Tonne und Vergessenheit des Lebens vor sich hin schimmelt.

Corona-Coroni war dann der Impuls, es zu tun.

Nun bin ich glücklich. Es war eine Freude, den Weg zu gehen. Die Maschine nach langer Suche bei Ebay Kleinanzeigen zu entdecken, den Transport zu organisieren, sie in die Werkstatt zu schleifen und zu demontieren. Zwei Gedankenebenen in meinem Kopf. Was bedeutet sie für dich? Die Maschine, ihr Antlitz. Wie setzt du das handwerklich um? Die Größe, die Farbe, die Haltekonstruktion im Hintergrund bei rund 30 Kilo Gesamtgewicht.

Schritt für Schritt. Es hat mich ausgefüllt, hat meine Gedanken kanalisiert und kleine Antworten auf die Herausforderungen der Zeit gegeben. Ich verstand und verstehe das alles nicht, was passiert. Tue das immer noch nicht und beziehe keine Stellung mit Worten. Für mich habe ich einen Umgang gefunden, der meiner Seele eine angenehme Ruhe gibt. Ich denke, das kommt nicht von allein und nicht alle Ventile, die der Mensch sich sucht, sind geeignet. Manches ist vielleicht sogar eher kontraproduktiv.

Es ist eine Zeit, in der man das Ich als Labor und Experimentierfeld verstehen kann. Ein wenig wie Mondlandung. Gar nicht so einfach, Ordnung im Ich zu halten. Mit allen Umständen, Zuständen, Impulsen umzugehen.

Im Osten geht die Sonne auf. Jeden Tag. Noch vor Mittag beginnt sie, hier in mein Lebens- und Arbeitsrefugium zu scheinen. Zumindest an Tagen wie diesem. Ich sitze in der Küche an dem alten kleinen Tisch aus Holz, an dem ich im Internat für mein Abi gelernt habe und der mich seither begleitet. Meine ersten Texte im Büro für Grafik und Text in Köln-Ehrenfeld in der Gutenbergstarße sind im April 1996 an diesem Tisch entstanden. Man könnte denken, es hätte sich nichts getan. Nun. Hier sitze ich also weiterhin und schreibe, denke, trinke Kaffee und Tee.

Die Sonnenstrahlen fielen eben ins Zimmer und ich wusste, um die Ecke im Raum nebenan treffen sie auf KATHARSIS 2020. Der Chromring funkelt, das Hellblau leuchtet. Schattenspiele der Fensterkreuze. Das ist Poesie des Alltags, die Freude des einfachen Mannes am Funkeln und Glitzern. Immer schon war ein wenig Elster in mir.

Man möge es nicht glauben oder anders sehen, aber ich denke, es sind gute Zeiten, in denen wir leben. Fundamental bedeutend für das Ordnen der Gedanken, des Denkens, der Seele. Es ist nicht alles Sonne, was glänzt, aber es ist auch nicht alles Schatten, was in der dunklen Tiefe liegt.

Ich gehe in das Zimmer nebenan, lasse den Blick schweifen, schaue auf die Murano-Vasen, Shois Bild an der Wand und gehe weiter bis zur Miele. Waschen, schleudern. 30 Jahre lang. Für mich lächelt sie.

On Mars Q2

Durch die Fenster ohne Scheiben
Das Licht in den Garten
Der keiner ist

Die Kunst an der Wand
Hängend
Versteift
Begreifen suchen

Der Strommast
Ohne Kabel
Als Büste
CUT

Rundgang
Rund
Rundgang

Am hellichten Tag
Auf offener Flamme
Das Wesen geröstet
All das
Was schön ist

Unter Verrätern leben
Arschgeigen
Knorrigen

Gewalt ausüben
Ende setzen
Dem Strommast

Das Kabel

Wie er dort steht
Oben ohne

Fingerübungen des Begreifens
Ich verstehe es
Nicht

Offenes Nichts
Wird Zeit
Abzuheben
Komplikationen zu Lebzeiten

sEPTEMBER 2020

WEIGERUNG P4

Dekonstruktion

Auflösung Alltag

Das Geschrei

Widerlich

Einmal einfach
Still

Erklärungen
Fuck you
Danke

Still

Babel
Kakophonie
Der Zeit

Gesalbte
Opfer
Gekrönte

Schmierige Argumentation
Aus Kartons
Von Paletten
Regalen
Schubladen
Setzkästen
Schiebesystemen
Tupperware
Gefrierbeuteln

Der Auftakt
Erstes Wort
Erster Ton

Ende
Fullstop
Mehr kommt nicht der Horizont ist die obere Kante des Laptops

Ein Virus
Denken an Krücken

Piss off

sEPTEMBER 2020

Liebeserklärung an die Stadt Köln und raum13

IHR SCHREIBT GESCHICHTE!

Wer hätte jemals für möglich gehalten, was gerade in Köln geschieht?

Eine Stadt stellt sich auf die Seite der Kunst und auf die Seite eines Kunstprojektes, dass sich wie David gegen Goliath gegen eine vermeintliche Übermacht aufstellt.

Veedel gegen Investoren.

Bislang schienen Investoren sakrosankt. Die investieren, kommen mit Geld, gestalten quasi kostenlos. Man muss sich um nichts kümmern. Stadtentwicklung all inclusive. Kleiner Nachteil: Es gibt nur die billigen Getränke. Muss sich ja rechnen. Das ist so eine Art Fake. Alles sieht proper und geschniegelt aus. Die Facility Manager kümmern sich um fein gemähte Rasenflächen und die Mülltonnen sind irgendwo schön versteckt. Städtische Idylle im oberen Kauf- und Mietpreissegment. Weshalb also der Vergleich mit den billigen Getränken?

Weil etwas fehlt, was viel mehr kostet als Fassade!

Inhaltlichkeit, Menschenorientierung, Entwicklung entlang den Bedürfnissen einer Stadt und ihrer Menschen. Weshalb ist es denn so schön in Nippes und Ehrenfeld? Weshalb leben denn die Menschen dort so gerne? Weil da was los ist. Weil das lebendige Viertel sind. Weil sich da Kulturen treffen. Weil da die Dönerbude und die Kölschkneipe lebendig nebeneinander koexistieren. Dat is Kölle. Das macht Köln zu dieser wunderbar sympathischen Stadt.

Feiert mal Karneval auf der Neusser. Und dann feiert mal Karneval unter den Kranhäusern. Gute Nacht, Marie. Kannste knicken. Und wie wird das wohl zukünftig auf der anderen Seite sein? Da wo die alten Industriegebäude standen? Da wird gerade viel betoniert. Stahlbeton als Fundament einer neuen Lebenswelt für gut Betuchte. Ein Reichen-Ghetto. Da kommt dann irgendeine Schickimicki-Gastronomie hin, die Stimmung bis zum Abwinken garantiert.

Und nun zur Liebeserklärung:

Kölle, du min Stadt, du min Hätz. Was hast du mich überrascht. Ich muss mich bei dir entschuldigen, weil ich skeptisch war, ob du das mit dem Otto-Langen-Quartier kapierst und ob du richtig reagierst. WOW! Was für eine Performance in den letzten Monaten. Was für bahnbrechende Entscheidungen, die in ihrer Größe und Bedeutung kaum zu fassen sind.

Du hast dich entschieden, die Flächen des Otto-Langen-Quartiers per Vorkaufsrecht zu übernehmen. Das war schon großes Kino. Aber dann bist du noch einen Schritt weiter gegangen und hast eine Resolution verfasst, in der du raum13 zum Ankerpunkt der Entwicklung im neuen Otto-Langen-Veedel machst.

Die Politiker*innen deiner zauberhaft wunderbaren Stadt haben, wie im Märchen, fraktionsübergreifend gemeinsam (bis auf die immer-sowieso-gegen-alles-kopf-in-den-sand-und-merkel-muss-weg-hinderer-politikvermeider) entschieden und eine Resolution verfasst.

Ladies and gentlemen, so geht Geschichte. Ich erlaube mir zu zitieren:

„Die oben genannten Fraktionen, Gruppen und Einzelvertreter des Rates der Stadt Köln:

1. …

2. sprechen sich dafür aus, dass raum13 — Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste weiterhin den Ankerpunkt im ehemaligen Hauptverwaltungstrakt der Gasmotorenfabrik Deutz für eine ganzheitliche Entwicklung des Otto-Langen-Quartiers in einem gemeinwohlorientierten Nutzungsmix aus Wohnen, sozialen, kulturellen und gewerblichen Nutzungen bilden und dies auch unter Berücksichtigung der besonderen Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes. 


3. streben für die Stadt Köln oder eine mit ihr verbundene Entwicklungsgesellschaft spätestens über die Anwendung des besonderen Vorkaufrechtes den Kauf und somit die Sicherung der unter 3. ausgeführten Ziele und Rahmenbedingungen an.“

Hat es das schon gegeben?

Das ist groß. Das ist sehr groß. Das hat Bedeutung.

Die viertgrößte Stadt Deutschlands setzt Gentrifizierung Grenzen. Sie schreit in die Welt! Sie sagt: Wir wollen es anders als bisher machen. Sie vertrauen dem Kunstkollektiv raum13. Sie setzen ein Zeichen, das Wellen schlagen wird. Der Blick richtet sich nach Köln. Wie läuft das da? Was passiert da? Ist das ein alternativer, ein besserer Weg?

Köln hat sich mit dieser Entscheidung, so sie tatsächlich und letztendlich umgesetzt wird, zurückgemeldet und einen Anspruch formuliert. Wir wollen unsere Stadt selbst gestalten. Wir wollen eine lebendige, lebenswerte Stadt gerade auch dort sein, wo Neues entsteht bzw. Altes bewahrt wird.

Viele werden kommen und schauen. Viele werden berichten. Viele werden über das „Modell“ Köln sprechen. Politiker*innen anderer Städte werden sich fragen: Sollen wir es wie in Köln machen?

Mit der Entscheidung hat sich Köln entschieden, ein Leuchtturm in Sachen Stadtentwicklung zu sein. Dafür liebe ich diese Stadt nur umso mehr. Congratulation, Respekt! Endlich Champions League:)

Und raum13?

Ach Anja, ach Marc. HOPE! haben wir einmal gesagt. Dran glauben. Dranbleiben. Einstecken, weitermachen. Hoffnung nicht verlieren, arbeiten, Möglichkeiten aufzeigen, eine Vision entwickeln.

Neun Jahre habt ihr geschuftet, geackert, Überzeugungsarbeit geleistet, begeistert. Ihr habt eine unbändige Energie, mit der ihr die Geschichte der Stadt Köln ein Stück verschoben habt. Einen Tick auf eine neue Bahn.

HOPE!

Da geht was. Welt ist nicht immer so, wie wir sie sehen. Es ist nicht, wie es gerade ist oder zu sein scheint. Der Staus quo steht auf einem wackeligen Sockel. Es ist, wie wir es wollen. Und wenn am Anfang nur steht: Es soll anders sein. Wenn es nur darum geht, den Standard aufzuhalten, weil er nicht gut ist.

Ihr habt gezeigt, dass es anders geht. Ihr habt Geduld bewiesen. Und vor allem: Weitblick.

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen? FUCK.

Der soll daran glauben und die Welt zu einem schöneren Ort machen.

Das habt ihr getan. Ihr habt einen Ort, der so historisch, so wichtig ist, vor der Abrissbirne gerettet! Ihr habt eine Fläche, die Millionen, Millionen, Millionen von Euro wert ist, den Plattmachern entzogen, um sie den Menschen und dem Leben in der Stadt Köln an die Hand zu geben.

In Markenworkshops suchen wir stets nach dem WHY. Dem wahren Antrieb. Der tieferen Bedeutung von Unternehmen auch für Gesellschaft. Unternehmen, die etwas bewirken wollen, die der Menschheit etwas geben wollen fernab von Profit, sind immer die besseren, geschätzteren Unternehmen.

In der Immobilienbranche, bei den Projektentwicklern scheint es das WHY nicht zu geben. Die haben nur das WAS sie machen und das WIE sie es machen. Kaufen – abreißen – hochziehen – vermieten – verkaufen – Rendite einstreichen. Klingt so langweilig wie das, was ohne WHY entsteht. Weshalb sollten die an einen Fahrradladen denken? Oder an einen Unverpacktladen? Oder eine Krabbelgruppe? Oder einen Proberaum? Oder eine Theaterbühne? Oder einen PC-Reparaturladen? Oder einen Schuster? Oder einen Buchladen? Oder einfach einen Treffpunkt für Menschen? Oder eine Kölschkneipe? Kommt im Investorendenken nicht vor. Ist nicht im Mindset, in der Gedankenwelt. Bringt nix.

Hat man aber ein WHY wie raum13, denkt man an das Wohl der Menschen, dann hat man auch Argumente, die am Ende des langen Überzeugungswegs gepunktet haben. Ein lebendiges Viertel. Für Menschen gemacht. Mit dem, was sich Menschen wünschen. So, wie Menschen leben wollen. Schön, nett, durchdacht. Mit allem, was die Menschen brauchen. Es geht darum, Menschen, Kölner*innen glücklich zu machen. Über einen partizipativen Prozess. Transformation durch das Einbinden der Menschen, die in dieser Stadt leben. Die wissen, was sie für ihr Glück brauchen. Die das sagen, formulieren und in die Diskussion geben. Nur dann kann entstehen, was echt ist.

Letztlich einen Ort schaffen, an dem man auch Karneval feiern kann. Und alles andere tun kann, was mit Veedel zu tun hat. Diese Stadt hat eine Historie. Diese Stadt ist besonders. Diese Stadt hat es verdient, ihr Glück zu mehren, ihre Menschen zu ehren und der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht.

Ihr habt es geschafft, Anja, Marc, raum13 mit all euren Helfer*innen, Unterstützer*innen, Fans, die Weichen zu stellen, das Fundament für Entwicklung zu bauen. Mit all den wunderbaren Menschen, die ihr um das Projekt geschart habt. Mit all den Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Architekten*innen, Politiker*innen, Kulturschaffenden, Denker*innen, helfenden Händen.

Dafür liebe ich euch. Dafür liebe ich raum13. Ihr gebt Hoffnung, auch mir.

Jetzt bleibt nur noch, die letzten Schritte zu gehen, bevor das einzigartige, wunderbare, formidable Projekt seine Arbeit vollends aufnehmen und finalisieren kann.

Erstens: Möglichst die Räumungsklage überstehen. Der Noch-Besitzer schachert und will raum13 raus haben. In der Annahme, das würde die Preisverhandlungen mit der Stadt Köln positiv beeinflussen? Keine Ahnung. Wahrscheinlich geht es um Geld. Rendite. Immobilienmensch ohne WHY. Nur irgendwie – Kohle machen. Schade, dass er auf der falschen Seite der Geschichte steht und in den Geschichtsbüchern der Hinderer sein wird. Der, der die Knüppel zwischen die Beine wirft. Er könnte sich einbringen, er könnte die Seiten wechseln, er könnte seinem Herz einen Ruck geben, er könnte mitmachen. Mach doch.

Zweitens: Schnell kaufen, liebe Stadt, damit es losgehen kann und raum13 seine Energie nicht für sinnlose Prozesse verballert. Die Zeit für all den Quatsch ließe sich kreativer nutzen. Lasst raum13 schnell durchstarten. BITTE:)

Lang geworden der Text. Hat sich einiges aufgestaut. Aber die Liebe muss eben raus.

Wenn ihr was für raum13 tun möchtet, dann schreibt über das Projekt. Postet in den Social Media, geht auf die raum13-Seite und informiert euch über Veranstaltungen und Aktionen. Macht mit bei einem großen Projekt. Werdet Teil von etwas Großem. Geht hin! Ihr seid alle willkommen. Es ist so außerordentlich spannend und erwärmend, dort vor Ort zu sein. Ihr solltet euch einen Gefallen tun und mal reinspüren. Lohnt sich.

Hier der Link zu raum13: https://www.raum13.com