Lichter der Nacht

durchgang

Habe ich euch, habe ich meinem fiftyfifty-Tagebuch schon erzählt, wie ich Viveka kennengelernt habe? 2011 war das. In Italien. Levanto. Ein Jahr später habe ich sie dort wiedergetroffen. Ich war relativ frisch getrennt und experimental mit dieser kompletten Patchwork-Combo unterwegs. Mir ging der Arsch auf Grundeis und mein persönliches Ziel dieses Urlaubs war, irgendwie den Kopf über Wasser zu halten. Manchmal muss man im Leben ganz kleine Brötchen backen.

Kommt es anders als man denkt

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In erster Linie mag ich es, meinen Vater zu zitieren. Rolf Schönlau, leider nicht mehr unter uns. Aber bis heute, und ich hoffe noch lange, ein Quell der Inspiration. Vielleicht, ich denke schon, der Urheber meiner kleinen Sprachobsession. Er hat, unter anderem, mit Sprache gespielt. Irgendwie, ich weiß auch nicht, kann ich mich dem bis heute nicht entziehn. Ein Erbe, eine Richtung, eine Determinante. Mein Papa. Man hat nur einen. Und meiner, Herr Schönlau, nun, er bleibt besonders.

Die pure Lust am Schreiben

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Heute war ich in Düsseldorf auf der K-Messe. Kunden besuchen, reden, schauen. Ein wenig wie ein Schulausflug. Das Klassenzimmer verlassen, die Bücher vom Tisch räumen und raus in die Welt. Weil ich morgens und nachmittags über die A3 gemusst hätte, habe ich ab Köln Mülheim S- und dann ab D’dorf HBF die U-Bahn genommen (ist im Messeticket-Preis praktischerweise enthalten). Zusammengepfercht mit Spaniern, Russen, Pakistanis, Chinesen and so on in dunkelblauen Anzügen mit bunten Krawatten, auf denen teils Firmenlogos blühten. Messe hat ein wenig was von Zirkus und Kirmes. Junger Mann zum Mitreisen gesucht.

Ruhig, schön, Herbst, Bowie, Prince, Steinbrüche, Steigerhaus, Film noir…

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Wieder Frank Ocean. Wieder das Sofa, der Kerzenleuchter brennt auf dem Ofen, das Licht ist aus, Jim zockt oben online mit Mattes, Zoe ist in Stuttgart und nutzt die Ferien und lässt sich zur Ernährungsberaterin ausbilden. Viveka ist mit meinem Auto in Essen. Der Zahnriemen, sie hat eine gute Werkstatt. Derweil bin ich mit ihrer Holly unterwegs. Ihr Kennzeichen trägt meine Initialen und mein Geburtsdatum. Sieht also so aus, als wäre es meine Holly. Ist sie aber nicht, obwohl, ich könnte schwach werden. Sie ist sehr nett zu mir.

Licht am Ende des Tunnels…

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… oder der Sinn von irgendwas.

Es ist. Mehr müsste ich nicht schreiben. Nun, ich könnte, sollte die Formel um ein Konkretes erweitern. Im Werden? Was?

Allmählich komme ich dahinter. Ich weiß nicht, wann ihr euer Leben zuletzt umgekrempelt habt. Es ist etwas geschehen oder ihr wolltet, musstet, habt. Ist ja auch egal, warum.

Allmählich, die Zweite. Also. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Beim Sinnabend unserer Agentur. Bei den Fassbinder-Filmen, die ich in letzter Zeit schaue, bei dem Haus, das wird. Bei dieser Geschwindigkeit, die mich umhüllt.

Zwischen Induktionsfeld und Glaswolle

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Bin ich ein wenig abhanden gekommen.

Allmählich wird es. Ganz allmählich. So von einem Haus in ein anderes zu ziehen ist schon so eine Sache für sich. Könnte man einen Hauptberuf draus machen. Nun ist der Adler also gelandet und ich möchte euch die neue Heimat des fiftyfiftyblogs vorstellen.

Das Alte Verwaltungsgebäude der Bleigrube Bliebach aus dem Jahr 1900. Kernsaniert 1992, neue Fenster 2012. Ein gutes Haus, so viel habe ich bislang mitbekommen. Eine schöne Atmosphäre, wenig Altlasten in allen Bereichen. Es spukt nicht, die Geister sind verflogen. Keine Ecke im Keller, die Böses ahnen lässt. Sehr angenehm.

Frank Ocean läuft…

Dolphins

Es ist alles leicht und dreht sich. Manchmal eiert diese Welt, da hat sie eine Unwucht, weil sie schräg im Raum steht, um das Lächeln des Mondes besser zu sehen.

Der Adler ist gelandet, bin hier und dort, zwischen den Zeiten und Räumen in diesen Murakami-Etagen, die zwischen zwei Stockwerken liegen. Die Welt lächelt, die Sonne strahlt, die Legoklötzchen fügen sich, mein Herz tanzt, dreht sich, freut sich auf die Schritte tipp, tapp. Es geht schnell, es ist unerwartet, es ist groß, aufregend und enorm sexy.

Noch 3x schlafen:)

Leeres Zimmer

Ja:)

Es geht voran und es geht aufwärts. Hinter mir liegen Tage, die sich das Prädikat außerordentlich tatsächlich verdient haben. Von Wochen könnte ich sprechen, von Monaten reden. Also dieses Jahr 2016 hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

Nun, ich zitiere meinen geliebten Papa Rolf: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So in etwa ist das gelaufen. Überraschung. Nun finde ich mich also an einem 3. August 2016 wieder und tatsächlich kann ich kaum sagen, weshalb es plötzlich August ist. Und weshalb ist mein Zimmer leer? Nur noch Werkzeug, Leiter, Matratze?

Was ist Heimat?

Borner 16

Gestern habe ich diesen Beitrag geschrieben. Über das, was mein Innerstes gerade auf links dreht. Puff, Peng. Zuspruch, Verständnis, Mitgefühl. Danke.

Seit zwei Wochen ist Viveka hier. Wir testen ein wenig das Leben, wie es sein könnte, wenn wir tatsächlich einmal zusammenwohnen. Es ist spannend. Wir teilen den Alltag. Viveka bewegt sich durchs Dorf. Trifft die Nachbarn, unterhält sich, nimmt Kontakt auf. Es ist schön.

An allen Ecken warten Gespräche. Dieses wunderbare kleine Leben. Fernab.

Es tut weh. Punkt.

Jens 93 Dennis Durant

Vor diesem Beitrag drücke ich mich nun seit Wochen, Monaten. Ich war ein Maschinenmensch, der das Notwendige getan hat. Es kam alles so schnell. Das Haus, die Heimat, verkauft. Weg. Es kommen neue, nette Menschen, die übernehmen. Ich kämpfe mit den Tränen. Mein Herz weiß, ich will nicht gehen. Es haben 100.000 € gefehlt, die ich in meinem Leben mit Arbeit nicht mehr aufbringen. Der Zug ist abgefahren.

Bye, bye Little Britain

Little Britain II

No you walk alone.

Ihr habt euch abgewendet, weggedreht, uns den Rücken zugekehrt. Und manche von euch haben uns den Stinkefinger gezeigt. Es ist ein Desaster. Eine Trennung nach so vielen Jahren. Gestern plötzlich habe ich es gewusst: Der BREXIT wird kommen. Sie gehen, die Briten. Und plötzlich war ich ein wenig wütend. Weil nun auch sie sich einreihen.

Ein Mond, der lächelt

Zu Zeiten Jesu Christus
oder um 3067
hab ich vergessen

Von einem Planeten
hab ich mich gestürzt
in diesem Anzug
Supermann

Der war mit Alufolie beklebt
und Liebe und Glitzer

Von einem Einmeterbrett
als Abschussrampe
bin ich gesprungen
in den freien Fall

Ich weiß noch
das Gefühl war Porno

Den Leuchtring
am Finger
die Schweißerbrille
für alle Fälle
das Butterbrot
die Apfelsine und Tee

Erst war es glühend heiß
am Bauch
dann luftleer

Zum Hass verführt, zur Gewalt bereit

Rattengift

Alles ganz einfach!

Der Lügenpresse das Maul stopfen. Die Bürger bewaffnen, damit sie Attentäter erschießen können. Zäune bauen, um Europa abzuschotten. Denen, die nicht zum Islam gehören, die Köpfe abschneiden. Die Krim annektieren. Die Kurden bombardieren. Auf Flüchtlinge schießen. Den Fans der gegnerischen Mannschaft die Kiefer brechen. Die Schwarzen im eigenen Land diffamieren. Bürgerwehren bilden.

Ey.

Mir ist so…

… ein wenig vorfreudig kitschig zumute. Thank god, it’s friday:)

Bin aufgeregt
dich zu sehen
das ist immer ein wenig
als würde die Liebste
nach langer Zeit
mit einem
von einer Dampflok gezogenen Zug
langsam in den Bahnhof einfahren
und hinter einem der Fenster
an einer Tür
da wird sie stehen
und genauso aufgeregt sein

Schachtner/van Ackeren – Peripherie IV – Kunst ist es, wenn es Position bezieht

TATE Frau gelb

SCHACHTEN & ACKERN. Zurück an den Anfang. Köln, Duisburg, Mannheim und jetzt wieder Köln. Labor Ebertplatz. PERIPHERIE IV Daimäxion/Sturz. Eine Raum-Klang-Performasphäre. Barbara und Norbert werden das Labor bespielen. Letzte Woche habe ich sie dort getroffen. In dem Raum hinten ohne Fenster, in dem ich Norbert und seine Bilder 2012 kennengelernt habe.

Wir haben gesprochen. Es ging um Kunst, es ging ums Schreiben. Die beiden wünschten sich zum Abschluss der Peripherie-Reihe diesen Text. Die Reihe abschließen. Jens Schönlau schreibt zu Peripherie IV, ohne etwas zu wissen. Wir haben nicht darüber gesprochen, was passieren wird. Es wird etwas passieren.