Die Lyrik starb in der Mayerschen, Woody schenkte uns Marvin

Wiehltalsperre_Wald

Diese Welt würde mich taumeln lassen, ständen die mir gewachsenen Füße nicht auf einem Boden, der die Sterne zu Griffen macht, die Bäume zu Halt, die Sonne zur Mutter Theresa des Gewissens, das Tagwerk zum Steigbügel mutigen Weitergehens. Atmen nicht vergessen.

Das Wochenende liegt hinter mir. Es begann mit einem Tumult. Es hätte von Anfang an so schön sein können, war es aber nicht. Menschen sind ein fürchterlich unberechenbarer Faktor. Irgendetwas fällt ihnen immer ein.

Durch den Tag gehen, Dinge tun, die getan werden müssen. Durch die Wohnung putzen, das Essen bereiten. Vergan, unvegan. Dinkel-Spaghetti mit frittierten Tomaten und Spaghetti-Frutti di mare mit angeschwitzter Paprika und kleinen, in Olivenöl ausgebackenen Zucchini-Würfeln. Essen hält Leib und Seele zusammen, heißt es.

Das Leben in den eigenen vier Wänden gestalten.

Ela ist wieder weg, Viveka war da und ist auch wieder weg. Ich sitze in meinem indischen Bett aus Mangoholz, höre Bowie in Dauerschleife und denke. Nach. Über diesen konzentrierten Wust. Gerade brauche ich die große Schaufel, um das alles zu bearbeiten. Die Dinge gehen. Tendenziell. Bowies Lazarus. Look up, I’m in heaven. I’ve got drama, can’t be stolen. Die Abschiedsplatte. Look up here man, I’m in danger. Nichts mehr zu verlieren, keinen Dollar mehr verdient, den er hätte ausgeben können. Sauber gehen.

Dieses Wochenende stand im Zeichen von Lyrik. Mit Jim habe ich über die Expressionisten gesprochen. Er mag Alfred Liechtenstein. Mit Zoe über die Lyrik des Barock. Sie lernt, zu interpretieren. Methodisch. Am Donnerstag war Elternabend. Ihr Deutschlehrer ist ein beeindruckender Mann. Aktuell teilen sie Deutsch. In Politik und Deutsch. Und in Poetik, die eine andere Lehrerin gibt. Das ist schön intensiv. In Poetik hatten sie letzte Woche Haikus. 5 – 7 – 5. 15 Minuten Selbsterfahrung. Silben zählen, Worte reihen, Zeilen. Zoe hat mich nach meinem Haiku gefragt.

Die Liebe ist mein
gestohlen am ersten Tag
gestreichelt, geküsst

Es ist ein gutes Gefühl, von Gedichten, Poemen umgeben zu sein. Zoe hat ihren Conrady in die Küche gebracht. Ein Schulbuch voller Gedichte. Ein Abriss. Alle Zeiten, alle Stile, alles. Wie hat mich dieses Buch gefreut, dass sie so geherzt hat. Jim meinte, mit der Romantik hätte er Probleme. Eichendorff.

Ich konnte ihn verstehen. Aber dann habe ich nachgedacht, und meine Bücher vom Speicher geholt. Novalis.

An-

Was paßt, das muss sich ründen,
Was sich versteht, sich finden,
Was gut ist, sich verbinden,
Was lebt, zusammen sein.
Was hindert, muss entweichen,
Was krumm ist, muß sich gleichen
Was fern ist, sich erreichen,
Was keimt, das muß gedeihn.

Gib treulich mir die Hände,
sei Bruder mir, und wende
Den Blick vor deinem Ende
Nicht wieder weg von mir.
Ein Tempel, wo wir knieen,
Ein Ort, wohin wir ziehen,
Ein Glück, für das wir glühen,
Ein Himmel mir und dir!

Ich habe es Viveka vorgelesen. Mehrfach. Wir haben dann noch Heine gelesen und Schlegel und Brentano und Hölderlin. Romantik zum Frühstück. Und anschließend mit Herrn Cooper in den Wald. Dieses Mal weiter weg ans Ende der Wiehltalsperre. Allein im Wald. Der Schnee der letzten Wochen geschmolzen, Nebel. Moos, grünes Gras zwischen den Bäumen, Eisschollen auf dem Weg. Ein Glück, für das wir glühen.

Nun liegen sie hier. Lasker-Schüler, Fried, Neruda. Die Menschheitsdämmerung. Trakl.

Jetzt höre ich Trouble Man von Marvin Gaye. 1972. Letztes Wochenende saß ich bei Viveka in Essen auf dem Sofa. Sie kam gerade von Stevie, ihrem besten Freund, dem Vater ihrer Kinder, der zwei Stockwerke höher wohnt. Er hatte die Platte gerade aufgelegt. Geerbt von Woody, einem Jamaikaner, der im letzten Winter gestorben ist. Er war ein Freund von Viveka. Über 70. Kurz vor seinem Tod hatten wir ihn auf der Straße getroffen. Er kam vom Yoga, hatte eine Erkältung, lehnte eine Einladung zum Kaffee ab. Eine Woche später war er tot. Die Einschläge kommen näher, meint ein Fußballkollege, daran muss ich mich noch gewöhnen, werde es aber sicherlich nicht tun. Viveka hatte die Platte geerbt und Stevie geschenkt. Er hatte sie letztes Wochenende gehört und Viveka hatte sie dann über Spotify „aufgelegt“. Und ich saß da auf dem Sofa und hatte ein unendlich schönes Gefühl der Ruhe, so, wie man es manchmal hat, wenn sich die Dinge aus dem Schicksal heraus fügen.

Musik, Lyrik. Bowie, Novalis, Gaye.

Kürzlich war ich in der Mayerschen, um für Ela ein Buch zu kaufen. Weihnachtsgeschenk. Als ich all die Bücher sah, wollte ich mir Lyrik kaufen. Stöbern, nachsehen, was es gibt. Es gibt sie nicht mehr zu kaufen. In diesem riesigen Laden 30 cm Gedichte. Grünbein ist wohl der letzte Mohikaner. Reste. Dazwischengeklemmt. Sentimentalitäten. Lyrik verkauft sich nicht, wird nicht gelesen. Ich habe die Verkäuferin gefragt, sie zuckte mit den Achseln.

2016. Keine Gedichte mehr zu kaufen. Bin ich froh, dass ich noch welche habe. Notfalls leihe ich mir Zoes Conrady.

Das Foto übrigens entstand, als Viveka meinte: Stopp. Schau! Ja. Es war eine besondere Stimmung. Wald- und Wassergeister. Mindestens. Wir haben den Weg verlassen und uns durch den nebligen Wald geschlagen, in dem das Moos von den Bäumen hing. Ich sang in tiefer Stimme und besonders laut ein Lied vom Versinken im tiefen Grund. Herr Cooper sah mich irritiert an, Frau Beckmann lachte und das Wild machte sich vom Acker. Romantik ist, wenn alle guten Geister sich verlassen und das Chaos in der Tiefe des Waldes sich in Unwichtigkeit ordnet. So einfach ist das. Grins.

Dieser Marvin Gaye ist der Hammer. Danke Woody, wüsste ich nicht, dass deine Asche an einem weit entfernten Ort verstreut wurde, ich würde denken, dir heute begegnet zu sein. Dort.

Paris:)

Gare du Nord

Salut.

Wer hätte das gedacht, noch ein Beitrag 2015. Und wieder Paris.

Alles ist wie am Schnürchen gelaufen. Wecker: 5 Uhr. Abfahrt: 5 Uhr 34. Geplante Ankunft: Spätestens 12 Uhr 45. Um kurz nach 10 hatten wir bereits die mit Maschinenpistolen bewaffneten französischen Zöllner passiert. Kein Stau. Kein Aufhebens. Alles easy. Der Terror ist bereits in den Alltag eingepreist (Ramadi ist von irakischen Schiiten und Sunniten befreit worden, auf Twitter sagen Muslime dem IS ab, weil sie Netflix gucken wollen. Es bewegt sich etwas in eine gute Richtung. Es scheint, der IS beginnt die Welt zu langweilen, nun muss er nur noch abgewickelt werden. Bitte.).

Irgendwann sind wir von der Autobahn abgefahren, haben die Autobahngebühr per Karte bezahlt und sind über die Dörfer, weil wir noch viel Zeit hatten. LECLERC. Einkaufen. Die Franzosen. Ah. Oh. Sie sind in einem bezaubernden Silvester-Wahn. Es geht um Essen und Trinken. Die Regale sind voller Köstlichkeiten. Wir konnten einen wunderbaren Cotes du Rhone ergattern. Bei Abnahme von 12 Flaschen hätten die beiden Kisten 35 € gekostet. Oh. Ah. Jetzt, wo er hier offen steht. Es schmerzt ein wenig. Ich hätte es wissen müssen: Franzosen exportieren nur, was übrig bleibt. Viel zu sehr lieben sie all diese Köstlichkeiten und kaufen sie selbst, bevor… Es ist pure Selbsterhaltung. Kultur, Wesen, Identifikation. Eine NATION im Rausch. Gaumen, Sinne, emporhebendes Gefühl, Entfliehen. Hach.

Mitten in Paris das Auto kurz parken, die Wohnung übernehmen, den Wagen ins Parkhaus bringen. In eine Sprechanlage eine Zahl sprechen, ein Tor öffnet sich. Den Wagen zurücklassen, zu Fuß an den Kanal, durch die Stadt, die Straßem, Kleinigkeiten kaufen, die Sonne genießen. Nicht fassen können: Es ist Paris, die Stadt, die am Morgen noch in weiter Ferne lag.

Eine süße Wohnung. Von Sophie, die jetzt bei ihrem Max untergekommen ist. Sie macht etwas mit Mode. Ein Themenzimmer wäre es in einem Hotel. Eine Figurine, Bildbände, Zeitschriften. Alles schön. Jede Tasse, jeder Teller. Wie gemalt. Postkarten aus den Cinque Terre. Menschen sind schön, besonders, wenn sie das Schöne mögen. Wir haben wieder Glück gehabt. Nach Yan im April nun Sophie im Dezember. Gerade hören wir ihre Musik. Airnb ist ein wenig Voyeurismus. Man schaut in das Leben der anderen. Es läuft KEREN ANN. Gitarre, schöne Stimme. Paris. Tres bien.

Den Tag über? Viveka und ich laufen. Los. Nur ungefähr eine Richtung. Ja, Montmatre. Über die Stadt schauen. Am Kanal vorbei, wieder, an den Bahnhöfen, den Gleisen. Durch die lebendigen Viertel. Wenn man geht, begegnet man der Stadt. Der Tag neigt sich. Wir haben gekocht. Die Nudeln und die Soße von Alex und Andrea. Ein Geschenk zum Fünfzigsten. Der richtige Augenblick. Arrabiata. Gambas dazu und diesen Wein. Hach. Das Leben ist schön. Lebemann in Paris ist eine Disziplin, die mir liegt.

Bleibt die Frage: Wohin morgen? Das Feuerwerk über der Stadt ist abgesagt. Privates Feuerwerk ist verboten. Der Eiffelturm ist abgeriegelt, die Champs Elysee bewacht. Wahrscheinlich werden wir durch die Straßen ziehen und einfach Leben atmen. Ca suffit.

fiftyfifty durch fifteen

00_Projektor

Jahresrückblick

2015. Nun. Weltweit kein ganz einfaches Jahr. Für den fiftyfiftyblog ein ruhiges Jahr. Aus den verschiedensten Gründen habe ich mich zurückgehalten. Weniger geschrieben, weniger kommentiert. Wegen Arbeit, wegen Konzentration auf andere Dinge, oft wegen Sprachlosigkeit. Geht in der Welt draußen ab, was gerade in der Welt draußen abgeht, ist es schwierig über die kleinen, schönen Dinge zu schreiben. Und es gibt schon so viele Meinungen und Kontroversen und Auseinandersetzungen. Ich hatte keine Lust, das Facebook-Polit-Geplapper hier rüber zu ziehen und mir komische Leute in den Blog zu holen. Manches auf Facebook hat mich wirklich irritiert.

So kommentiere ich hier mein persönliches Jahr 2015 in Bildern, die ihr noch nicht kennt. Es hat gestern Abend fast vier Stunden in Anspruch genommen, die Fotoordner 2015 zu durchforsten. Sherlock in eigener Sache. Es sind Jahr für Jahr so viele Fotos. Irgendwann muss ich fotografisch mal lernen, mich zu konzentrieren. Norbert van Ackeren hat mich kürzlich gefragt: „Was ist deine Bühne?“. Das beschäftigt mich nun seit fast 2 Wochen.

Was ist meine Bühne? Schwierig, als Tausendsassa seine Bühne zu beschreiben. Wie passt das alles zusammen? Die Fotos, der Blog, die Gedichte. Wo ist die Linie? Wo ist der Weg? Wo ist das Ziel? Oder ist das egal? Nun. Wer weiß.

Viveka hat mir bei der Auswahl geholfen. Es sind Fotos, die in Essen, Nosbach, Köln, Paris und Schiermonnikoog entstanden sind. Das gibt schon ein ganz gutes Bild. Attendorn fehlt. Die Agentur, die FETTE BEUTE. Die spielt natürlich eine ganz wichtige Rolle, aber in diesem Blog geht es nicht um Arbeit. Texte, Konzeptionen, Strategien, wenn ich damit erst einmal anfange…

Jetzt habe ich übrigens tatsächlich frei. Heute Morgen der letzte Job. Drei Interviews mit Leuten, die Outdoor unterwegs sind. Schweden, sächsische Schweiz, Türkei. Ein Paddler, ein Freikletterer, ein Kartograph. Ich mag diese Gespräche, weil sie Bilder im Kopf produzieren und meine Welt erweitern. Ein klein wenig reise ich mit. Jetzt ist für 2015 Feierabend.

Heute Nacht machen Viveka und ich uns auf den Weg nach Paris. Die Wohnung ist gemietet, wir werden gegen 13 Uhr erwartet. Hach. Liberté.

Was bleibt: Ein Dank an euch. Dass ihr dem fiftyfiftyblog die Treue gehalten habt, obwohl er nicht mehr so oft veröffentlicht wie bislang. Ich hoffe, er gefällt euch trotzdem noch. Ich wünsche euch einen glatten Rutsch und ein fettes Jahr 2016 mit guten Zutaten. Lasst es euch schmecken. Bis denne.

Januar 2015 - mit Viveka und Cooper auf Jochens Wiese im tiefen Schnee.
Januar 2015 – mit Viveka und Cooper auf Jochens Wiese im tiefen Schnee.
Februar 2015 - Essen, Lichterwoche in der Gruga
Februar 2015 – Essen, Lichterwoche in der Gruga
März 2015 - in Vivekas Wohnung, den Frühling ins Haus geholt
März 2015 – in Vivekas Wohnung, den Frühling ins Haus geholt
April 2015 - mein Geburtstagsgeschenk zum Fünfzigsten - Paris mit Viveka, Nachtspaziergang an der Seine
April 2015 – mein Geburtstagsgeschenk zum Fünfzigsten – Paris mit Viveka, Nachtspaziergang an der Seine
Mai 2015 - Zeche Zollverein, Kunstausstellung in einem sehr besonderen Gebäude
Mai 2015 – Zeche Zollverein, Kunstausstellung in einem sehr besonderen Gebäude
Juni 2015 - Geschenke von Max, Kunstfahrt in die Provence
Juni 2015 – Geschenke von Max, Kunstfahrt in die Provence
Juli 2015 - endlich Urlaub, abhängen im geliebten Levanto
Juli 2015 – endlich Urlaub, abhängen im geliebten Levanto
August 2015 - ein weiteres Steinpilz-Jahr, kulinarische Highlights vor der Tür - so lecker: Am liebsten als Risotto
August 2015 – ein weiteres Steinpilz-Jahr, kulinarische Highlights vor der Tür – so lecker: Am liebsten als Risotto
September 2015 - eine Art zweiter oder dritter Heimat, das Labor am Ebertplatz in Köln - hier im Anschluss an die Karl Valentin Lesung: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit
September 2015 – eine Art zweiter oder dritter Heimat, das Labor am Ebertplatz in Köln – hier im Anschluss an die Karl Valentin Lesung: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit
Oktober 2015 - Schiermonnikoog, wieder und wieder - mit Herrn Cooper und dem Rad am Deich entlang
Oktober 2015 – Schiermonnikoog, wieder und wieder – mit Herrn Cooper und dem Rad am Deich entlang
November 2015 - St. Martin im Dorf, von Haus zu Haus - hier in der Feuerwehr - im Bild die Abgasschläuche - die Feuerwehr ist ausgeflogen
November 2015 – St. Martin im Dorf, von Haus zu Haus – hier in der Feuerwehr – im Bild die Abgasschläuche – die Feuerwehr ist ausgeflogen
Dezember 2015 - im Ofenzimmer. Weihnachten mit Jim. Abend mit Viveka bei Ofenfeuer und Kerzenschein - Fotoauswahl für den Blog
Dezember 2015 – im Ofenzimmer. Weihnachten mit Jim. Abend mit Viveka bei Ofenfeuer und Kerzenschein – Fotoauswahl für den Blog

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Ihr Lieben, was für ein schöner heiliger Abend.

Ganz anders. Viveka ist nicht da. Zoe und Ela auch nicht, die sind in Neuseeland. Wenn ihr mal Bilder eines schönen Lebens sehen wollt, dann klickt mal hier bei toseenewland.com. Jim hat den beiden vor dem Abflug einen Blog eingerichtet. Also Viveka in Essen, Zoe und Ela in Raglan, Jens in Köln und Jim, Herr Dr. Cooper und ich hier.

Ein schöner Tag. Ein besonderer Tag. Ein vielleicht symbolischer Tag. Ein Zeichen der Zeit, wenn man es so sagen möchte.

Jim, Cooper und ich haben Männer-Weihnachten gefeiert. Alles fast wie immer und doch ganz anders. Gestern haben wir den Baum aus dem Wald geholt. Heute haben wir ausgeschlafen und ihn irgendwann geschmückt. Das ging Ratzfatz. Er war zu lang und Jim hat zur Stichsäge gegriffen, die Stihl wäre vielleicht eine Nummer zu groß gewesen. Rein in den Ständer, Kerzen und Kugeln dran. Fertig. In all meinen fünfzig Jahren war es niemals unproblematischer einen Weihnachtsbaum in Funktion zu nehmen. Härlisch.

Dazu lief Pink Floyd in der Küche, wo noch Jims Anlage seiner beiden Dezember-Partys steht. Wish you were here. Ihr wisst, weshalb. Another brick in the wall. Das ganze Programm. Zwischendurch der Musikzug Bergerhof im Dorf, der uns komplett beschallt hat. So schön. Oh du fröhliche… Pink Floyd aus, Fenster auf. Hach. Dieses Dorf.

Eigentlich wollte ich in die Kirche, obwohl ich da als Buddhist wenig zu suchen habe, aber die buddhistischen Weihnachtsangebote in der näheren Umgebung sind relativ reduziert. Aber dann habe ich gedacht, Jens, Mensch. Mach doch mal was anderes. Und so habe ich Jim gefragt, ob er dabei ist. Yep. Feuerschale. Ein paar Scheiten rein, 1:50 Motorsägen-Sprit drauf und WUFF. Noch nie so schnell ein Feuer angekriegt. Alex kam auch, mein lieber Nachbar, der gerade an Krücken geht und nicht mit in die Kirche konnte. Ja, wir haben ein Bier getrunken, aufs Feuer geschaut und den heiligen Abend begrüßt.

Heiligabend. Das ist Feiern. Und Feiern braucht Menschen. Den ganzen Tag habe ich telefoniert. Mit Andreas, Vivekas Vater, Elas Vater und Mutter, meinen Brüdern, meiner Mutter und ihrem Freund und gefacetimed mit Zoe und Ela. Gleich Viveka. Nur kurze Mails zwischendurch. Weihnachten ist ein Fest der Familie. Ihre kleine Familie, meine kleine Familie. Wir nehmen uns zurück. Paris. Die Zeit wird nur uns gehören. Wir werden küssen, tanzen, lachen, laufen, essen, das Leben prall und satt nehmen. I love you baby.

Das Wichtige noch: Das Essen. Jim und ich haben gekocht. Steak. Fritten aus der alten, offenen Friteuse meiner Mutter, Brokkoli und Bohnen in einer leichten Kräuterbutter. Dazu ein Châteauneuf-du-Pape 2012. Kein gewöhnlicher Wein. Wenn ihr wisst, was ich meine. Diese eine aufschlussreiche, lebensentscheidende Flasche mit meinem Vater. Steht im Blog, die Geschichte. Und nun mit meinem Sohn. Das Leben hat manchmal Ergreifendes zu bieten. Mit dem Vater, mit dem Sohn. Väter, Männer stehen in einer Linie. Das ist. Ja. Ach.

Espresso, Lavazza Rosso, frisch gemahlen. Und Crème brûlée. Beim Discounter meines Nachbardorfes und Vertrauens, den Gebrüdern Feinkost-Albrecht seit 1888 gab es diesen Gourmet-Gas-Brenner. Außer, dass ich mir aus Schusseligkeit den rechten Zeigefinger verbrannt habe, brûlée eben, ein geniales Teil. Karamelisierter Zucker in unter 30 Sekunden. Perfetto. Anschließend noch einen China-China (ein Geschenk meines lieben Freundes Jean-Luc zum Fünzfigsten) als krönenden Abschluss und jetzt: Überglücklich. Das Leben ist schön. Sitze auf meinem Bett mit neuer Matratze.

Gleich klingelt Viveka durch und ich höre derweil weiter Gloria Gaynor auf Spotify. I am what I am.. Frohe Weihnachten, Ihr Lieben.

P.S.: Das Video hat Jim für seinen Onkel Nirav in Neuseeland gedreht, der heute bei Ela und Zoe in Raglan eintrifft und das letze Mal 1998 hier war, als wir gerade in die alte Schule eingezogen sind. Da sah sie noch ziemlich anders aus.

Würde hat dann ja auch was mit guter Laune zu tun, nö?

Kleines Glück

Ey Leute, es weihnachtet. Und ja, endlich ist frei. Mir geht es schon den ganzen Tag so, dass ich was schreiben will. Selbstverständlich so etwas Bedeutendes, Großes. Präsidentenhaftes, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger und Neubürgerinnen und Neubürger und Cheeseburger/innen. So eine Weihnachtsansprache mit Format und Karacho. Hasta la vista, baby. Die Massen bewegen, die Botschaft rüberbringen.

Au Mann, ich bin aus der Übung. 3x hatte ich vor diesem Beitrag angesetzt und nur so Tiefenrumgeschwafel produziert. Es passiert eben auch mal, dass sich Worte zu Katastrophen reihen. Trief, manchmal weiß ich auch nicht, was in meinem einmalig beschränkten Geiste so vorgeht. Bin ich froh, dass ich meiner geistigen Weihnachtsumnachtung nicht auf „veröffentlichen“ gefolgt bin. Das ist wie NASA bei Zero. Alarmstufe ROT. Rien ne va plus. Naja, so ähnlich.

Was ich sagen will? Es ist Weihnachten, lasst gehen, haut raus. PARTY! Ey, alle haben frei, also fast alle, nun gut einige müssen. Aber der Rest. Tanzen. Lachen. Gehen lassen. Gut, natürlich auch so ein wenig besinnlich sein, aber das muss ja nicht gleich in Dramen und Depressionen enden. Ich meine, hey, Heiligabend ist doch auch nur so ein Tag im Jahr. Und es liegt ja auch schon 2015 Jahre zurück.

Die Überschrift hat übrigens damit zu tun, dass ich über Würde schreiben wollte. Ui, ui. Vielleicht sollten wir gemeinsam ein klein wenig den Weihnachtswinkel verschieben, die Blickrichtung, die Emotionsebene. Zum Beispiel mit Gloria Gaynor. Oder den Bee Gees. Oder Bonnie Tyler.

Jesus hätte gegen ein wenig Lockerheit nichts einzuwenden gehabt. Muss ja auch Spaß machen auf Erden, wegen dem Wohlgefallen, der sich einstellen soll. Man muss ja auch sehen, wo man bleibt. Frau auch.

Deshalb, bitte, macht locker. Was so viel heißen soll wie: Schönlau, mach du dich locker. Letzen Endes meint man ja immer sich, wenn man von Allgemeinheit redet. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich wünsche euch ein rauschendes Fest. Eine echte Geburtstagsparty mit Topfschlagen, Schokoladenessen und Schubkarrenrennen um den Weihnachtsbaum. Scherz. Macht was draus. Schön, dass ihr vorbeigeschaut habt. Danke, dass ihr den fiftyfiftyblog lest. Kuschlige Grüße, Küsschen, Umarmungen, Raketen, Konfetti. Und jetzt mach ichs: VERÖFFENTLICHEN. Peng, Autsch’n.