Ab durch die Hecke…

… rein ins Gebüsch. Cooper und ich haben uns heute einem langen, ausgiebigen Waldspaziergang hingegeben. Da ich bei dem schönen Wetter nicht lange am Rechner sitzen möchte, hier nur zwei Fotos. Ich wünsche euch einen schönen Feiertag – der dürfte bei dem Wetter ja eher ein Heimspiel sein:) Morgen und Übermorgen bin ich weg. Mal wieder in Berlin – mit Ela. Da werde ich wohl nicht zum Bloggen kommen. Genießt den Tag, die Sonne, das Leben – überhaupt. Ciao. Bis dann.

Ein Leuchten in der Welt…

Sitze mit Dachschaden am Rechner. Oben klopft es. Der Dachdecker haut mit seinem Hammer auf das Dach ein. In seinem Radio vor meinem Fenster läuft „New York, New York“. Dachdecker mit großem Orchester, so liebe ich das. Ein wunderbarer Morgen. Alles swingt, jeder Vogel singt, der Dachdecker pfeift ein fröhliches Liedchen und die Sonne scheint mit sich selbst um die Wette. Ein gelungener Einstieg ins Wochenende, an dem ich an die Mosel fahren werde, um bei einem Klassentreffen nach fast 30 Jahren dabei zu sein. Morgen werden wir in Cochem an der Mosel mit einem Schiff fahren und das Leben genießen. Am Abend geht es dann in ein Restaurant und wir werden in alten Zeiten und kulinarischen Köstlichkeiten schwelgen. Mit Zigarren und Cognac an der Bar… (jetzt geht’s wieder mit ihm durch, verzeiht!)

Heute Morgen bin ich mit Cooper durch die Landschaft getingelt. Ach wie schön ist Panama. Ach wie schön kann landleben sein. Wir sind hoch auf die Höhe gefahren, wo die Sonne sich früh im Osten zeigt und die Welt so schön optimistisch macht. Konnte ich nach einem Streit mit Jim gut gebrauchen. Manchmal sind pubertierende 14-jährige wie Terroristen, die versuchen, auf den eigenen wunden Punkten Klavier zu spielen. Aua! (Schön doof, wenn man das mit sich machen lässt. Manchmal sind Eltern einfach schön doof.) Da tut dann so ein Feld-Wald-Wiesenspaziergang mit Hund ausgesprochen gut. Ela meinte zwar heute Morgen, ich solle mich nicht aufregen, aber bekanntlich ist es ja vom Gesagten bis zum Getanen ein weiter Weg. Sonst hätten wir ja keine Krisen auf dieser Welt:) Persönlich und allgemein. Im Großen und Kleinen. Ne, Angie.

Wir sind also dort hoch gefahren, konnten aber wegen einer Straßensperrung nicht an unsere geliebte Stelle. Haben wir halt eine andere genommen. Das Schöne am Sonnenaufgang ist, dass es so eine Zwischenzeit ist. Noch ein wenig dunkel aber auch schon hell. Was kommt, deutet sich an, ist aber noch nicht da. Dann verändern sich die Lichtverhältnisse von Minute zu Minute. Mal fallen alle Strahlen durch eine Baumlücke, dann neigt sich die Sonne wieder leicht hinter ein paar Bäume. Es geht so schnell. Tagsüber, wenn sie dort ganz oben steht, sieht es aus, als würde sie am Himmel entlangkriechen. Am Morgen aber ist es ein Rennen. Ein kindliches Versteckspiel. Buh!

Cooper und ich sind eine große Runde gegangen und haben für euch ein paar Fotos geschossen, von denen zwei die interne Qualitätskontrolle und Photoshop-Bearbeitung passiert haben. Ich hoffe, sie gefallen euch. Sie sollen ein wenig sagen: Schaut mal, wie schön die Welt ist. Geht raus, stürzt euch hinein, umarmt sie, fühlt euch umarmt, liebt… Selbst bei Stress wie zum Beispiel durch interne Auseinandersetzungen mit Familienangehörigen der Nachfolgegeneration (ich könnte ihn, arrggg…)! Slow down, komm runter, sein nett. Om! Ps. #Tschakka Mpf! Ganz ruhig, Brauner!

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende! Ciao.

Jan Brandt: „Gegen die Welt.“ Die Plutonier sind überall…

Die Zeit spricht von einem beeindruckenden Buch, die FAZ von einem beeindruckenden Roman. Blogs dürfen da schon etwas weiter gehen und die vornehme Zurückhaltung aufgeben. Wahnsinn! So ein Buch kommt hier in Deutschland nicht alle Tage in die Läden. Kein Wunder: Neun Jahre hat sich Jan Brandt Zeit genommen, sein Debüt zu schreiben. Zu verdichten, Ideen zu finden, Figuren anzureichern.

Es ist ein verrücktes Buch, das in einem erfundenen Dorf Jericho in Ostfriesland spielt. Ende der achtziger Jahre. Alles fühlt sich so an, als wären es die fünfziger und sechziger Jahre. Der Männergesangsverein, das bürgerliche Unternehmertum, die häusliche Ordnung, die Scheinheiligkeit. Und doch sind es die Achtziger. 6. März 1983 – Helmut Kohl übernimmt die Regierungsgeschäfte, ein Land fällt in einen langen Schlaf. Revival des Konservativen. Die Rechten, die ganz Rechten erleben einen neuen Frühling. An den Wänden des Dorfes Jericho tauchen Hakenkreuze auf und Parolen wie „Deutschland den Deutschen“. Das war die Zeit, als die Bildzeitung titelte „Das Boot ist voll“ und dann gab es die Brandanschläge auf die türkische Familie Genc in Solingen und das Asylbewerberheim in Hoyerswerda. Unter anderem.

Zurück zum Roman. In Jericho ist es die Jugend, die verzweifelt. Da sind die Freunde Onno, Stefan und Reiner, die Auswege suchen. Da ist Simone, von der man nicht genau weiß, wo sie steht. Alle wollen sie fliehen aus diesem Kaff, das vom Nebel umhüllt ist. Sie Saufen, sie kiffen, sie suchen die Rettung in der Musik – Dark Metal. Mittendrin Daniel Kuper als Opfer und Kulminationsfigur. Einer, der versucht, seinen Weg zu gehen. Gegen die Welt. Der gemieden, rumgeschubst, drangsaliert wird. Der versucht, seinen Platz zu finden. Chancenlos. Es bereitet körperliche Schmerzen, mit Daniel durch dieses Buch zu gehen. Seinen Niedergang zu erleben. Sein Ausbrennen bis zur Ohnmacht, die Jan Brandt im Druck des Buches teils durch kaum lesbare Buchstaben sichtbar macht. Im Buch gibt es eine ganze Reihe solcher guten visuellen Ideen…

Die Jugend verzweifelt an Jericho. Am Bürgermeister-Wahlkampf, in dem der alleinerziehende Bauunternehmer wie eine Fassbender-Figur wirkt. Seine Wahlkampfreden schmückt er mit Begrifflichkeiten aus „Mein Kampf“. Zwischen Jugend- und Erwachsenenwelt liegen Gräben, die unüberwindbar sind. Die Elterngeneration – Aliens? Außerirdische. Plutonier. „Die zeichnen alles auf“, sagte Stefan. „Das wird alles gespeichert. Alles, was wir sagen. Alles, was wir denken. Sie sind da. Nicht da oben. Um uns herum. Sieh dir die Leute an, Alter. Sie sie dir genau an. Wie ferngesteuert. Es könnte jeder sein. Der Briefträger, die Lehrerin, der Bürgermeister. Deine und meine Eltern.“

Wie ferngesteuert. Programmiert. Es ist wirklich sehr besonders eindrucksvoll, wie Jan Brandt jede seiner Figuren zeichnet, charakterisiert, auf den Wahnsinn reagieren lässt. Er selbst ist 1974 geboren, war 1989 also 15 Jahre alt. So alt wie Daniel Kuper. Heute lebt Jan Brandt in Berlin, ist in die Weltstadt geflohen, um diesen großen Roman zu schreiben. Ich rätsele noch, welcher der Jungs er in diesem Buch ist. Wahrscheinlich hat er alle einmal durchlebt – früher, auf jeden Fall aber beim Schreiben.

Am Ende werden sich die Hauptfiguren jeweils auf ihre Art und Weise Jericho entzogen haben. Jan Brandt hält hier wunderbar die Spannung, durchmischt die Figuren, deutet an, kommt später darauf zurück. In den neun Jahren seines Schreibens hat er verschachtelte Strukturen inszeniert, die aufgehen. Ihm ist tatsächlich der sezierende Adlerblick auf Jericho und die Figuren gelungen. Dadurch ist er als Erzähler viele Schritte voraus und kann mit Erwartungen spielen. Gegen die Welt schließt das Literaturloch der achtziger Jahre. Durch die vielen Beschreibungen ist es auch ein „Historienroman“, der die vergessene, verschlafene Zeit beschreibt, in der die Globalisierung einsetzte und vielem ein Ende bereitete. Ich kann nur dringend empfehlen, dieses wichtige Buch zu lesen. Aus Spaß an guter Literatur und als erhellenden Blick auf eine Zeit, die so weit weg scheint und doch noch so nah liegt. Auch wenn es teils anders aussieht, Jericho ist auch heute noch weit verbreitet. Man muss ihm in die Augen sehen, um festzustellen, wer zu den Plutoniern gehört…

Da mir Gegen die Welt über „Blogg dein Buch“ vom Dumont-Verlag zur Verfügung gestellt wurde, hier einige Links, die ich gerne angebe: Der Verlag , die Bestellmöglichkeit des Verlages sowie Blogg dein Buch. Wenn euch das Buch gefällt, könnt ihr es natürlich auch über meinen Amazonshop auf der Startseite bestellen. Lieber ist es mir allerdings, ihr kauft bei eurem Buchhändler um die Ecke…