Big, big Day!!!

Für euch alle ist dieser Tag wahrscheinlich ein ganz gewöhnlicher Mittwoch. Aufstehen und machen und tun, was ihr immer macht und tut. Bei uns ist es heute anders. Die Schwiegereltern sind da, Zoe ist schon um 4 Uhr aufgewacht, Ela stand um 6 Uhr in der Küche, obwohl ich Kinderdienst habe und Jim schnieft und röchelt. Dabei ist er heute die absolute Hauptperson. Die Schüleraufführung hat heute früh Premiere. Das Achtklassspiel der Freien Waldorfschule Oberberg.

Das bedeutet, der große Theatersaal wird gut gefüllt sein. So zirka dreihundert Menschen werden ihren Blick auf die Bühne richten, wenn „Die Welle“ gezeigt wird. Ein aufregendes Projekt. Jede achte Klasse muss ein Stück inszenieren. Unsere hat nun rund fünf Wochen geprobt, gearbeitet, gezittert. Regisseur und Regisseurin sind der Klassenlehrer und eine professionelle Schauspielerin, die für einen professionellen Rahmen gesorgt hat. Richtige Proben, richtige Bühne mit Vorhängen, Prospekten, Mobiliar, Requisiten. Und Jim wird vorne stehen und die Hauptrolle spielen, den Mr. Ross, der seine Schüler in die Bewegung „Die Welle“ führt.

Die Wochen waren aufregend. Allein das Besetzen der Rollen. Ein langer Prozess, bei dem auch Tränen geflossen sind. Einen Samstag, da wurde auch geprobt, war ich als Coach im Einsatz. Eine Schülerin hatte ihre Rolle geschmissen und wollte in eine andere Szene. Das wollten die Schülerinnen dieser Szene nicht, weil sie etwas Gutes entwickelt hatten. Fast zwei Stunden haben wir geredet und nach einer Lösung gesucht. Am Ende hatten wir einen guten Kompromiss. Das zeigt: So ein Theaterstück führt die jungen Menschen an Grenzen ihrer Selbst. Sie müssen über Mauern springen, durch Täler gehen und vor allem eines überwinden: Hindernisse in sich. Es wird viel über Waldorf gelästert. Und Theaterstücke werden als Kunstquatsch abgetan, der keine Inhalte transportiert. Fakten, Zahlen, Daten. Dafür lernen die Schüler/innen die berühmten, oft eingeforderten sozialen Kompetenzen. Teamarbeit, einander zuhören, es irgendwie schaffen, das Projekt durchzuziehen. Talente erkennen und einsetzen. Und das ist kein Kinderspiel: Denn heute Abend bei der Aufführung wird die Öffentlichkeit da sein. Jeder und jede kann kommen. Und die Schüler/innen müssen zeigen, dass sie gut sind. Dass sie gearbeitet haben, dass sie im Team funktionieren, dass sie es schaffen, über den Bühnenrand hinaus den Saal zum Leuchten zu bringen. Dass sie in der Erwachsenenwelt eine Rolle spielen. Ich bin gespannt.

Ela hat am Montag Fotos gemacht. Große Durchlaufprobe. Was allein auf den Fotos in den Gesichtern der Schauspieler/innen zu sehen ist, beeindruckt. Also freue ich mich, da gleich im Publikum zu sitzen und das Ergebnis der Metamorphose Pubertät zu betrachten. Es ist eine Botschaft der jungen Menschen. Wir sind keine Kinder mehr. Wir sind Persönlichkeiten, Charaktere, Menschen mit Profil. Und ja, das sind sie. Weil sie wieder und wieder gefordert werden. Weil sie immer wieder in der Verantwortung stehen. Nun auf der Bühne, vor kurzem bei der Präsentation ihrer persönlichen Biografiearbeiten vor jeweils über einhundert Menschen. Als Eltern begleiten und unterstützen wir diese Klasse nun seit acht Jahren. Es ist unglaublich, was in der Zeit alles geschehen ist. Und dieses Stück, mit dem sich die Klasse nun auch von ihrem Klassenlehrer verabschiedet, der in der neunten Klasse traditionell durch einen Klassenbegleiter ersetzt wird, ist die Summe aus vielen individuellen Entwicklungen. Es ist ein Blick zurück und ein Blick nach vorne. Da wachsen Menschen heran, die immense Fähigkeiten haben. Soziale Kompetenzen. Die wissen, welche Talente jeder Einzelnen, jede Einzelne von ihnen hat. Auch das ist echtes, aufrichtiges, sinnvolles Fiftyfifty. Darüber freue ich mich sehr. Immer wieder.

Eben habe ich Zoe und Jim zum Bus gebracht. Jim war ziemlich cool. Ich habe ihm über die linke Schulter gespuckt. Der alte Theatergruß. So, wie wir das früher immer vor Premieren gemacht haben. Toi, toi, toi. Ich kann gar nicht sagen, wie aufgeregt ich bin. Wie ich mich freue. Das heute ist ein großer Tag in unserer Familie. Ein big, big Day, wie er nicht all zu oft kommt.

7 Antworten auf „Big, big Day!!!“

  1. Hi Annegret,

    danke für deine Wünsche. Komme gerade zurück und bin wirklich ziemlich berührt. Am Ende des Stückes stand Jim auf der Bühne und hat die Mitgleider „der Welle“ agitiert. Gänsehaut. Der Junge da oben, der war mal so klein. Den habe ich getragen, dem habe ich die Flasche gegeben (was er jetzt natürlich nicht lesen darf) – und nun. Puh. Wirklich tolles Theater. Sicher, souverän, engagiert gespielt.

    Liebe Grüße

    Jens

    1. Hi Gitta,

      vielen Dank! Das schöne, gute, alte Toi, Toi, Toi. Heute Abend die zweite Vorstellung, diesmal mit der anderen Bestzung. Jim ist dann morgen Abend wieder an der Reihe. Immer wieder schleicht sich Theater in mein Leben. Gut so.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Lieber Jens,

    da wünsche ich euch, dass der Tag heute so gelaufen ist, wie er sollte und dass ihr euren großen Tag genießen konntet!

    Solche Tage sind besondere Tage und sie sind in dem „Projekt Familie“ ein ganz besonderes Puzzleteil, welche die Familie weiter zusammenschweißt!

    Liebe Grüße
    Claudia

  3. Oh je, jetzt hab ich erst gesehen, dass es schon gestern war! Aber es war ein wunderschöner Tag wie ich nachgelesen hab! Das ist das wichtigste!

    Viele Grüße
    Claudia

    1. Hi Claudia,

      da sich Gitta einen detaillierteten Bericht gewünscht hat, steht der nun im Blog. Danke für deinen Wünsche!

      Liebe Grüße

      Jens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.