Ich gehe mal…

Gehen. Heidegger, Bernhard, Kant. Und ich stelle mich jetzt auch einmal in diese Reihe, aber nur, weil ich auch Geher bin. Morgens. Gehen ordnet irgendwie die Gedanken. Irgendwie bedeutet in diesem Falle, dass ich denke, dass im Kopf neuronale Verbindungen zwischen dem Denkzentrum und dem Bewegungszentrum bestehen. Wird das eine Zentrum aktiviert, strahlt es auf das andere aus und es beginnt eine gegenseitige Beeinflussung. Gehen. Denken. Denken. Gehen. Die Ströme laufen, die Aktionspotenziale schwirren. Es lebt. Es bewegt sich. Beides. Körper, Geist. Die Definition Mensch. Ich. Ego. Alles.

Ich bin unterwegs im Maikäfertal, um Herrn Cooper zu bewegen. Und mich auch. Gedanken ordnen. Da sind gerade so viele. Parallelwelten, obwohl es die ja gar nicht gibt. Ist ja alles eins. Die Welt ein einziger Müsli mit Zuckerstückchen, Nüssen, Haferflocken und der warmen Milch, die mütterlich alles zusammenhält. All die Atome, die wir uns alle schon geteilt haben. Eines von hier, eines von da. Nur Struktur, elektronische Verbindung, Zusammenhalt auf Quark-Ebene. Gedanken, Bilder, Töne. Nach dem Wochenende schwirrt mir immernoch die Musik durch den Kopf. Tage wie dieser rauf und runter. Heute Morgen habe ich mit den Kühen zu DJ Antoine feat. The Beat Shakers – Ma Chérie getanzt. „When I’m looking in your eyes, I see rainbows in the Sky.“ Wie schön das klingt. O.K. Gelogen. Das mit den Kühen, nicht das mit den Regenbögen. Die wollten nicht. Die Kühe. Lagen auf der Wiese in der Ecke und haben gepennt. Die hatten alle ne Tasse Kaffee vor dem Frühstück in der Hufe. Das ist jetzt aber die Wahrheit. Und Schokocroissants, die sie kollektiv nicht anrührten. Vielleicht wird die Milch dann Kakao. Und die Augen so halb offen: Sprich uns bloß nicht an…

Also ging ich und dachte und pfiff Ma Chérie und war wieder im Wochenende und in Italien und dann auch wieder hier und bei Jobs und den Kindern und… Ja. Wie schnell man mit dem großen Prozessor zwischen den Ohren die Orte wechseln kann. Tatsächlich können wir uns in jeder Sekunde wegbeamen. Scottie, mach was. Hierhin, dorthin, in jenes Gefühl oder in das da. Verreisen. In sich. Als bekennender Highlight-Junkie mag ich das sehr. Die Rosinen rauspicken. Einsteigen. In die emotionale, berührende, bewegende, spaßversprechende Ebene. Dort, wo alles bunter, lauter, wilder ist. Abflug, Rocket I. Next Planet.

Und dann wieder Alltag. Kinder, Brote schmieren, Job, Steuer, Kundentermine, Autoreparaturen, diese blöde kleine Plastikleiste hinten am Kombi, die da so fies hängt und 70 € kosten soll… Auch drin. Im Müsli. Alles. Und noch viel mehr.

Morgen wird der fiftyfiftyblog zwei Jahre alt. Es wird einen großen Sektempfang im Rathaus geben und die Zeitungen werden berichten und die Toten Hosen kommen, um es mir live zu singen. Gut. Auch gelogen. Habe heute einen Clown gefrühstückt. Gar nicht so einfach, immer wieder im Hier und Jetzt zu landen. Langsam mit dem Fallschirm zu Boden trudeln und die Welt von oben sehen. Ich mache mir jetzt einen Cappuccino, setze mich zu den Kühen und rede übers Wetter. Die lagen da tatsächlich im Nebel und kauten vor sich hin. Kauen und denken. Jede Kuh für sich. Nix kuscheln oder so. Scheinbar kuscheln Kühe nicht. Die gehen morgens auf die Wiese, legen ihr Handtuch hin und der Tag ist gelaufen. Verstehe einer diese verrückte Welt.

Was ist das da draußen?

Himmel schwarz, Fenster nass. Gewitter und Regen. Donnern und blitzen. Shitishitishiti. Wer hat das bestellt, bitte schön? Wer hat sein Tellerchen nicht leer gegessen? I’m not amused.

Heute Nacht schon hat mich prasselnder Regen auf dem Dach und meinem Dachfenster geweckt. Rumms, kam der runter. Monsun. Hier wird doch nicht etwa plötzlich von einem Tag auf den anderen die Regenzeit Einzug halten? Ich bin nicht vorbereitet. Sorry, das geht jetzt noch nicht. Ich brauche noch so zwei, drei, vier Monate Sonnenschein und T-Shirt-Wetter. Ich will nicht. Dieser Sommer soll niemals aufhören. Nur ein Mal niemals aufhören. Menno, büttteee.

Komischerweise ist mir jetzt schon ein wenig fröstelig zumute, obwohl der Temperaturtacho auf 21 steht. Im Winter würde ich schwitzen. Aber jetzt? Gefühlte Wirklichkeit? Aaaah. Es lässt sich nicht aufhalten. Da kann ich toben, kratzen, beißen, spucken, fluchen, schimpfen. Was man ja nicht tun soll. Aus gutem Grund. Also hinnehmen. Wie war das mit der Kraft, das hinzunehmen, was sich eh nicht ändern lässt?

O.K. Ruhig. Es ist nicht schlimm. Es sind nur schwarze Wolken, aus denen der Versuch herabprasselt, dich zu ersäufen. No. Falscher Ansatz. Also, das hier ist alles gar nicht so… Verarschen kann ich mich alleine. Auch falsch. Lieber Jens, sieh doch einfach mal das Positive… Noch ein Ton.

Hier steht heißer Tee. HEISSER TEE!!! Die Zeichen, die Zeichen der Zeit.

Selbst mein Fotoapparat wollte nicht loslassen. Als ich das Foto oben schießen wollte, hat der keinen Platz auf der Speicherkarte freigegeben. „Sorry, leider voll. Alles Italienfotos. Kein Platz für beknackten Regen.“ Wollte der nix mit zu tun haben. O.K., der Oleander und der Olivenbaum draußen, die freuen sich. Die trockenen Böden auch und vielleicht wuchern jetzt auch die Pfifferlinge. Nun. Was hilft’s? Ich stecke meinen Kopf einfach wieder in die Arbeit und glotze im Monitor-Tunnelblick in die Welt. Schnell noch ein paar Italienfotos gucken… Hach. Sehnsucht. Immernoch.

The day after…

Hangover. Ups. War das Wochenende mit den Jungs unterwegs. Es war immer sehr früh und sehr spät und überhaupt. Viel gelacht. Mindestens. Werde mich heute mal sanft resozialisieren und Schritt fassen. Ich wünsche euch eine schöne Woche:)