Der gute Herr Cooper wird 10!

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Morgen! Da heißt es dann Happy Birthday mein Lieber und Congratulation und drei Mal HOCH.

Menno, wie die Zeit vergeht. Jim fährt mittlerweile Auto, Zoe ist eine junge Frau und Herr Cooper und ich ergrauen allmählich gemeinsam. Noch ist er schwarz und ich dunkelblond, aber es schieben sich graue Haare ins Bild.

Der alte Weggefährte. Maikäfertal. Berge rauf, Berge runter. Im Oktober 2005 habe ich ihn abgeholt bei einer Pflegestelle von Retriever in Not. Wir wussten nicht, wen wir bekommen. Es war ein Lotteriespiel. Weil die Kinder noch jung waren, sollte es ein Welpe sein. Das hatten uns die Leute vom Verein empfohlen. Also haben wir gewartet. Und dann plötzlich der Anruf.

Ein Hund war aus einer Familie zurückgekommen. Der Herr Cooper, der damals anders hieß. Er war fast vier Monate alt und hatte schon zweimal die Familie gewechselt. Wir haben uns auf ihn gefreut und so bin ich an einem Tag mitten in der Woche morgens aufgebrochen, um ihn zu holen. Irgendwo hinter Bielefeld in einer Pflegestelle der Organisation.

Ich kam rein in diesen Hundehaushalt, der deutlich Hund geprägt war. Eine Frau begrüßte mich und rief den kleinen Kerl, der fröhlich angetapert kam. Kein Welpe mehr, aber noch ein sehr kleiner süßer Fratz. Dicke Pfoten, große Ohren, unschuldsvoller Blick. War der süß.

Alle meinten, ich solle für den Transport einen Hundekäfig mitnehmen. Wollte ich nicht. Einsperren. Uahh. So einen kleinen Kerl. Nun, ich hatte Glück. Herr Cooper war von Anfang an eine Seele. Ruhig, entspannt, sympathisch, freundlich, friedlich. Er hat sich auf die Decke im Fußraum des Beifahrersitzes gelegt, hat mich angesehen und ist eingeschlafen.

Zwischendurch habe ich mit ihm kurz an einem Feldweg gehalten und er hat schön Pipi gemacht und hat sich dann, nachdem ich ihn ins Auto gehoben habe, direkt wieder hingelegt. Bubu. Und so liegt er nun auch hier. Ich sitze am Tisch in der Küche und er liegt völlig entspannt auf seinem Kissen und freut sich auf morgen.

Hunde-Geburtstag mit befreundeten Hunden aus der Hundeschule, die Dorfhunde kommen auch, es gibt Frolic und Kauknochen und lustige Spiele quer durchs Haus. Wer kriegt den Ball? Nunja, das ist natürlich Quatsch mit Sauce. Es wird eine stille Feier. Bin gespannt, wer dran denkt. Gestern habe ich es mal erwähnt. 10 Jahre. Ist ja schon ein Alter. Ich werde ihm einen Kauknochen schenken. Verpackt. Wie an Weihnachten. Da zerfetzt er dann das Papier und kann es kaum glauben. Ein Geschenk!

Singen werde ich für ihn auch. Im Wald morgen Früh. Wie schön, dass du geboren bist… Ja wirklich. Mann, ist der mir ans Herz gewachsen. Eine gute Seele, ein liebevoller Hund, der ganz selten bellt, nie knurrt, allem Stress mit anderen Hunden aus dem Weg geht und so gut wie nie Ärger macht.

Außer, er ist mal wieder ausgebüxt ins Dorf und ich muss ihn suchen und finden und holen und mir Fragen anhören wie „na Jens, suchst du mal wieder deinen Hund?“. „Och. Nö. Geh‘ nur mal so spazieren. Ist so schöne Luft.“ „Ah. Das ist gut. Dann kannst du auch gleich den Herrn Cooper einfangen, der ist hier gerade vorbeigekommen.“ „Echt? So ein Zufall. Dann schau ich mal. Tschüss.“

So ist und bleibt das Leben mit Herrn Cooper spannend und ich genieße dieses besondere Gefühl, wenn er meine Nähe sucht. Da geht dann plötzlich die Tür auf und er legt sich vor mein Bett und bleibt dort liegen. Oder er liegt vor meiner offenen Bürotür und wartet. Der Gute. Wie sehr ich ihn mag. Und morgen nun wird er 10 und ich freue mich – für ihn, für mich, für alle.

Cooper_Hase

Bogotá – von Susanna Schönberg

Bogota

Essen. Zeche Zollverein. C.A.R. Contemporary Art Ruhr. Von Freitag bis Sonntag. Im Cubus. Ein Betonwürfel – 35 m x 35 m x 34 m. Von japanischen Architekten entworfen, heute genutzt von der Folkwang-Schule. Ein irres Gebäude. Schön. Groß. Unvorstellbar.

Viveka und ich waren eingeladen zur Vernissage am Freitag. Vivekas Freundin Susanna Schönberg hatte uns auf die Gästeliste setzen lassen. Ich war zu spät in Essen, hatte die Woche wie ein besessener gearbeitet, am Freitag das Haus geputzt und getextet und telefoniert und war zu spät. 20 Uhr statt 19 Uhr. Eine ewige Hetzerei. Termine, Autobahnen, Textpassagen, Konzeptionen.

So war mein Kopf unvorbereitet. Keine Zelle hatte an die Ausstellung gedacht. Irgendetwas war da, aber was? Kunst? Susanna Schönberg. Ein Beitrag. Asche auf mein Haupt, ich hatte keine Ahnung. Null.

Irgendwann landeten wir auf dem Parkplatz vor dem Museum und waren dort nicht ganz richtig. Wir schlängelten uns durch. Verschlossene Türen wurden uns von mitfühlenden Menschen geöffnet. Es war kafkaesk. Unter uns die ausgehöhlte Erde, über uns das Ziegelbraun der Zeche, die Stahltürme, Kolosse, Industrie-Denkmäler. Meine Vorstellung schickte mich in einen engen dunklen Raum mit schlecht beleuchteten Bildern. Manches lässt sich weder denken noch antizipieren.

Wir fragten eine Horde junger, Bier trinkender Menschen. Die lachten und riefen „Hier, folgt uns, kommt mit. Dort geht es lang.“ Wir folgten, kamen um eine Ecke und ich traute meinen Augen nicht. Ich Vollidiot hatte meine Kamera im Auto gelassen. Ich meine, hey, sonst fotografiere ich jede Gänseblume und jetzt: Leere Hände. Denn vor uns, in kontrastreichen Regen-Abendwolken: DER CUBUS, von dem ich nicht wusste, dass es ihn gibt.

Eine Betonfassade. Quadratisch. Fenster. Quadratisch. Oh. Schön, groß, erhabend. Der Luxus eines reichen Landes. Ein Würfelgebäude mit 5.700 qm Kunstfläche auf fünf Etagen. Tägliche Bewirtschaftungskosten 1.000 Euro. Yepp. Nehmt meine Steuern für solche Projekte. Bitte. Verschwendet sie in Ästhetik und Proportion. In Herzschlag und Licht. In diesem Gefühl, einem Haus dankbar zu sein, nur weil es es gibt.

Cubus

Auf der Wiese trafen wir Susanna und Stefan. Susanna filmte eine Performance. Sie hat einen Teil der Ausstellung kuratiert: TRANS_AKTION. Ausgewählte Gesten und Versuche des Übertragens. Sie hat mit jungen Künstlern gearbeitet. Ich würde euch gerne beschreiben, was es damit auf sich hat, aber es würde den Rahmen sprengen. Ein Ornament einer Istanbuler Moschee per Forografie übertragen in die Ausstellung. Transaktion. Ein Leuchtfenster, ein Muster. Gerhard Richters Domfenster (meine Assoziation). Egal. Hier ist jetzt nicht der Raum.

Wir haben den Cubus betreten und uns durchgearbeitet. Susanna war vorgegangen, Stefan, ihr Mann, hatte uns vage begleitet. Kunst anzuschauen ist eine individuelle Angelegenheit und Rhythmen der Betrachter sind unterschiedlich. Wir sahen uns, trafen uns, verloren uns, begegneten uns, überraschten einander.

1. OG. Was für eine profane Bezeichnung. Wir sind die Treppen hoch gegangen. Ein schmuckloses Beton-Treppenhaus mit weißen Stahlhandläufen und Stahl-Feuerschutztüren, wie in den Kellern unserer Einfamilienhäuser. Keine Arabesken. Kein Prunk. Konsequente Einfachheit. Nun denn, eine beeindruckende Einfachheit. Eine grandiose Einfachheit. Eine überwältigende Einfachheit. Mamamia.

Das 1. OG ist ein Raum mit der beschriebenen 35 m x 35 m Grundfläche. Imposant. Aber dann. Freunde. Hey. Von hier geht es hoch. Die Decke schwebt 10, 11, 12 Meter höher. Die Außenwände sind durchzogen von quadratischen Fenstern in unterschiedlichster Größe. Das Draußen ist Drinnen. Keine Trennwände, nur zwei Versorgungsschächte.

Nun ist da dieser Cubus. Und in diesem Cubus war die Kunst und ich wusste nicht, wem ich mehr Beachtung schenken soll. Cubus. Kunst. Kunst. Cubus. Wenn das Drumherum so groß ist, muss die Kunst außerordentlich sein.

Glück. War es. Für mich. Wenn man eingeladen wird zu einer Vernissage, dann steht irgendwann eine Frage nach Wertung im Raum. Das ist wie in einem Roman, in dem eine Pistole auftaucht. Irgendwann, herrje, wird sie abgefeuert. Und auf einer Vernissage sucht die Frage nach Antwort: Und? Die Bewertung, Einschätzung.

Wir wussten nicht, welches Werk von Susanna war. Wir schauten uns durch, ließen uns treiben, beeindrucken, langweilen. Als Ausstellungsbesucher trägt man die Arroganz der Wertung in sich, verteilt lautlos Noten, wendet sich zu, wendet sich ab, verharrt, geht, streift, gafft, lächelt. Wischt mit einem Handstreich die Arbeit von Wochen, Monaten weg.

Wir hatten alles gesehen (man sieht niemals alles). Und dann glaubten wir zu wissen. Bogotá.

Zwei Bildschirme auf Stativen. Die Bildschirme aus Fernsehern ausgebaut. Rudimentär. Auf der Rückseite die sichtbare Elektronik. Zwei Platinen mit Widerständen und Steckern. Verbunden mit kleinen knarzenden Lautsprechern. Umgebaut, gelötet. RAW. Direkt, technisch, wissenschaftlich, auf das Wesentliche beschränkt. Monitore ohne Marketinghülle. Der Rahmen verzinktes Blech, silber. Passend zu den Stativen.

Bildschirme

Die Videopanels wie die Fenster des Cubes. Der Blick nach draußen. In diesem Fall nicht nach Essen, sondern nach Bogotá, Kolumbien. Susanna hatte dort drei Wochen verbracht. Eingeladen von einer Hochschule. Dort hat sie gedreht. Sie ist Medienkünstlerin, Videokünstlerin.

Parque Parada 3

In Bogotá hat sie die Sequenzen eingefangen. An zwei Orten. Parque und Parada. Susanna hat uns ein wenig erzählt. Ein Luxus. Das, was sich niemals erschließt, was nirgends geschrieben steht. So öffnet sich Kunst. Bogotá ist eine Stadt, die sich in ihrer Psychologie verändert hat. Dort leben fast 8 Millionen Menschen und es werden mehr. Damit ändern sich die Rahmenbedingungen. Kriminalität, Drogenkriminalität hinterlässt ihre Spuren im Alltag. Susanna sprach von Paranoia der Menschen.

Parque Parada

PARADA. Der rechte Bildschirm, etwa in zwei Meter Höhe. Man sieht einen Mann gehen und hört rollende Geräusche. Der Mann wird von der Kamera verfolgt. Es ist ein Betonweg, der rechts und links von Glasscheiben gesäumt ist. Neben den Glasscheiben rollt der Verkehr. Es ist ein Busbahnsteig mit Schleusen. Der Bus hält an, Glastüren öffnen sich. Alles sicher, kontrolliert. Im Video ist es irritierend, eine unbekannte Atmosphäre. Fremd. Das ist nicht Köln, nicht Berlin, nicht Paris, nicht London. Es ist Bogotá. Die Menschen schützen sich, haben Angst, schaffen Sicherheitszonen.

Parque Parada 2

Susanna wurde empfohlen, nicht zu filmen. Das sei gefährlich. Sie hatte sich entschieden, es doch zu tun. Mit einer auffälligen Konstruktion. Mit einem fahrbaren Stativ, mit dem sie die GoPro auf Überkopf-Höhe und höher ausfahren konnte. Hat sie gemacht und dann hat sie das Stativ geschoben und die Szenen von oben gefilmt. Weil die Rollen auf dem Untergrund nicht sauber laufen, ruckelt der Film, hat aber Schärfe und Klarheit. Die Kamera folgt dem Mann, rechts rauscht der Verkehr, rauschen Busse vorbei. Ein dynamisches, verstörendes Bild. Man muss hinschauen und hinfühlen, um die Spannung aufzulösen. Ich habe mir die Sequenz wieder und wieder angesehen. Der Mann geht, Menschen gehen, ein Bus kommt, wird von einem zweiten überholt. Alltag.

PARQUE. Ein Niemandsland. Eine geordnete Parklandschaft, sauber, geometrisch angelegt. Der Bürgermeister von Bogotá hat hier ein schwieriges Viertel geglättet. Die Kriminalität musste weiterziehen. Susanna lässt den Film in einer Tiefgarage starten. Es geht um Höhen der Stadt. Hier sind die Höhen tief. Bedrückend. Schwarz-weiß. Aus der Perspektive der Überwachungskameras. Man hört das Rollen der Stativräder auf dem Untergrund. Als sie nach oben will, gibt ihr die Garagen-Security zwei Männer an die Hand. Dort oben, im Park, ist es zu gefährlich. Die Kamera fängt die Beschützer ein. Von oben herab. Da stehen zwei Security-Männer und bewachen eine filmende Frau. Und der Park im Hintergrund liegt friedlich und ruhig. Kein Mensch dort. Ein gepflegtes Niemnandsland.

Die beiden Bildschirme in der Ausstellung bewegen sich auf zwei Höhen, auf den Höhen, die die Kamera in Bogotá jeweils eingenommen hatte. Die Bilder fesseln, ziehen hinein.

Wir haben uns mit Susanna unterhalten. Über die Arbeit, über die Ausstellung, über die Kunst überhaupt. Sie sprach von Konzept. Ich musste innerlich lächeln. Mein Job. Konzepter. Ja, wir brauchen in der Werbung, in der Kommunikation Konzepte. Das ist mein täglich Brot, das ist das, wofür ich bezahlt werde. Und das ist das, was in der Kunst wie in der Werbung den Unterschied macht.

Im Job, ziehe ich Konzepte durch. Stringent. Konsequent. Bei meiner Kunst, bei meinen Gedichten, Fotos und Texten hier im Blog, arbeite ich wie ein Amateur. Ohne Konzept. Was immer das bedeutet, das war eine interessante Message an mich. Mal sehen, was ich damit mache.

Susanna hatte eine dritte Sequenz in Bogotá gedreht, die von der Ästhetik aus dem Rahmen gefallen wäre. Ich hätte diesen dritten Strang gerne gesehen. An diesem Ort, in diesem Kubus, ein weiteres Fenster mit bewegten Bildern aus einer fremden Welt.

Die Ausstellung ist vorbei. Im nächsten Jahr wieder.

Infos: Susanna Schönberg und C.A.R.

Willkommen in der oberbergischen Provence – in der wunderschönen Gemeinde Reichshof

Isolator

Kennt ihr die Gemeinde Reichshof? Die A4 von Köln Richtung Olpe und dann die beiden letzten Ausfahrten? Kommt mal vorbei. Schnell. Denn jetzt gerade blüht der Löwenzahn. Noch. Denn: Der erste Schnitt, der gute Schnitt ist fällig. Silage. Bis Mitte Mai ist es hier wie in der Provence, nur anders. Aber irgendwie. Also es gibt da Stellen, da sind die Wiesen in die Landschaft geschwungen. Rundungen, Hügel in Täler abfallend, in die kleinen Bachläufe. Und alles in sattem Löwenzahngelb. Dazu Grüntöne ohne Ende in allen Nuancen. Birkengrün, Eichengrün, Buchengrün, Tannengrün, Lärchengrün, Grasgrün. Ganz hell, die jungen Triebe, das frische Gras.

Viveka und ich durften es am Wochenende erleben. Ein lange Wanderung über die Höhen mit Weit- und Nahblick. Mitten drin. Hier ein paar Fotos. Schöne Zeiten wünsche ich euch.

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Dem Glück auf Ewigkeit ausgeliefert

Jens_Paul

Nicht zwingen, nicht wollen, nicht erzürnen, nicht ergeben sein, nicht, nicht, nicht.

Cohen läuft. Dieses Mal nicht in Paris, in Köln. Ich habe mir erlaubt, die CD reinzuziehen. In iTunes. Und mitzunehmen. Geschenke des Lebens. Emotionen transportieren, mitnehmen, konservieren, erhalten wie die Mumie Tut Ench Amuns.

Das Foto?

Der Egomanie verfallen für einen weiteren Augenblick jetzt. Es zulassen. O.K. Ich habe für die kleine Eitelkeit oben eine Geschichte. Wir, Vi und ich, wohnen dieses Wochenende in der Wohngemeinschaft. Ein Hostel in Köln, Richard Wagner Straße. Ein Geschenk, mit Salsa-Kurs. 3h am Nachmittag. Quick, Quick, Slow. Ola, die Waldfee. Wie man Füße und Gedanken und Hände verknoten kann.

Und jetzt? Gleich. Zum Vietnamesen. Gebucht, telefonisch. Auch geschenkt. Ein reiches Land, reiches Leben. Kiss it. Durchaus bin ich dankbar. Dem Menschen heute, vorm Backwerk, der seine Cents gezählt hat. Ich wusste nicht. Kann ich ihm Geld geben oder würde er sagen: Bin doch kein Penner. Ich habe mich getraut, ihn zu fragen: Brauchst du Geld? Ja, hat er gesagt. Habe ich ihm gegeben. Er ist in den Laden und wieder raus. Ja, entäuscht war ich, weil ich dachte, er würde es. Egal.

Später dann. Vorm REWE. Dort stand er mit Käsehäppchen. Er hat mich glücklich gemacht. Er mich. Mehr konnte er mir nicht geben an diesem Tag.

Dieses Glück ist ein brüchiges. Ein sensibles, das verlangt. Auf Schienen können wir das Glück nicht erleben, in Konventionen gehüllt ist es flüchtig.

Das Hostel. Paul, heißt das Zimmer. „Das stylische Fotostudio“. 6. Etage. Unterm Dach, juchhee. Ein Konzeptzimmer. Fotografien, Zeitschriften, Kameras. Ja, ich habe es als Fotostudio genutzt und mich abgelichtet. Sich gerne sehen, die Kultur der Selfies, verpönt, geliebt, bewertet. Egal. Scheißegal. Illegal. Just do it.

Am Ende zählt, dass es Ebenen verlässt und darüber hinaus wächst. Ein gelesener Satz. Heute. Ein gestohlenes Gedicht:

Sortiere Bücher nach Größe und manchmal
nach Farbe, dem Zustand des Papiers, dem Grad
seiner Durchfeuchtung. Geruch, Konsistenz, Schwere.

Und dann, ein Satz wie vom Himmel an unerwarteter Stelle. Das ist Stadt. Adrian Paul: Ich habe den Teufel gemalt, in Gelb und in Weiß.

Mehr geht nicht. Definitiv. Das ist die Essenz.

Jetzt gehen wir essen. Vietnamesisch. Das Glück ist die pralle Fülle. Und die Demut, von ihm geführt und gestreichelt zu werden.

Die Liebe in Paris erlebt wie an keinem Ort nirgends

Braut

Ein Klischee. Sicherlich. Paris, die Stadt der Liebe. Doisneau, der Kuss.

Herrje. Ich habe sie erlebt.

Mit ihr durch die Nacht. Die Nächte. Nicht schlafen gehen wollen, einander an die Hand nehmen. Stundenlang. Vom Tour Eiffel die Seine entlang. Die letzte Metro ist weg, die Wohnung am Montmatre weit weg. Viveka und ich fahren kein Taxi. Keine Option.

Hier sitze ich, durchstreife die Fotos. 800. 200 habe ich durchleuchtet, einige ausgewählt, leicht bearbeitet. Alle vom ersten Tag, aus der ersten Nacht.

Wir haben uns dem Eiffelturm genähert, sind abgebogen über die Brücke, über die Seine, um aus der Ferne zu sehen. Wir haben uns hingesetzt, nah nebeneinander und haben geschaut. Zwei Mal haben wir die Sterne gesehen, das stündliche Wunderkerzenleuchten, die Silberlichter. Nur dagesessen, glücklich mit Paris, mit der warmen Nacht, miteinander.

Jetzt sitze ich hier, bin noch benommen. Es sind Tage, die geschenkt sind, es sind Nächte, die bleiben. Es ist Zeit, deren Wert unermesslich ist. Ich möchte Gedanken, Erinnerungen fesseln, betonieren, halten. Für immer. Sie gehen. Nur ein Teil bleibt. Aber der für immer, das weiß ich.

Die Kerzen leuchten. Leonhard Cohen läuft. Wieder und wieder. Die Platte aus der Wohnung. Die Musik von Yan. Songs from a Room. Besser könnte der Titel nicht sein. 1969. Bird on the wire.

Wie ein Vogel hoch auf dem Draht
Wie betrunken tief in der Nacht,
Hab´ ich versucht, frei zu sein.
Wie ein Wurm fest am Haken,
Wie ein Ritter in manch alten Sagen
So blieb in der Liebe ich dein.

Die Stimme, ein junger Cohen. Einer, der die Gefühle glaubt. Noch. Noch.

Die Stadt der Liebe, ich durfte sie erleben. Und ja, sie kann was. Sie hat tatsächlich eine Magie. Wir haben an der Seine gesessen, am Montmatre, am Kanal in der Sonne mit Blick auf das Chez Prune. Dort habe ich mit meinen Eltern und meinen Brüdern gesessen. Wir haben dort einen Kaffee getrunken und ich habe den Tisch gesehen, an dem mein Vater gesessen hat. Die letzte Fahrt als Familie. Alle zusammen. Und Viveka war an meiner Seite und hätte gerne ihrer Mutter von Paris erzählt.

Diese Stadt packt einen im Inneren, da gibt es kein Entkommen. Ich bin gerne nicht entkommen. Im Gegenteil. Satt reingesetzt. Aufgesogen. Keine Sekunde verschenkt, kein Rückzieher, kein zu früh schlafen gehen. Ausgereizt, die Stadt der Liebe, die Liebe.

Zusammengewohnt für 4 Tage. Kein Essen, kein Nosbach, kein einander Vermissen, kein Fern. Nah. Nebeneinander. So nah. Tage, eingebrannt. Ich höre jetzt nur noch Cohen und die Songs from a Room und beame mich zurück in die Stadt, in Yans Wohnung. Beam me up. Ich bin sehr verliebt. Sehr. Merci beaucoup, Holly Vi.

Hier eine Auswahl der Fotos aus den ersten zwölf Stunden. Kisses.

Ingrid

Mädchen

Treppenhaus 2

Treppenhaus

Dächer

Dachfenster

Mann_Treppe

Barbes

Franklin

Amischlitten

Cinq

Roosevelt