Der Herr Goethe, die Farben und Bäume bei Sonnenaufgang

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Goethe, der alte Goethe, wie er gerne genannt wird, kam mir gestern in den Sinn. Ich war auf dem Weg am Morgen. Per Auto unterwegs und hatte die Kamera eingepackt, weil die klare Kälte mit weit offenem Himmel Schauspiele versprach. Himmelsspiele.

So kam ich auf eine schneebedeckte Höhe, parkte den Wagen etwas unglücklich in einer Schneewehe am Straßenrand, so dass sich die ab und an aufkreuzenden Fahrzeuge darum herum puzzeln mussten. Was sollte ich tun? Tiefer in die Wehe, näher an den Rand hätte Game Over und Bauern holen und so fort bedeuten können. Also sammelte ich finstere Blicke und genoss den Sonnenaufgang am östlichen Horizont.

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Wie ich dort so stand, dachte ich an Johann-Wolfgang und ein Seminar, das ich zwei Jahre lang mit (abschließender Italienfahrt auf den Spuren des Meisters) besuchte. Ich erinnerte mich an ein Wochenende im Wochenendhaus meines Professors, in dem wir uns den Goetheschen Naturwissenschaften und insbesondere der Farbenlehre widmeten. Ausgestattet mit Prismen schauten wir ins Licht. Weshalb wir das taten? Das kann Wikipedia besser erläutern:

„Newton hatte Farben als Bestandteile des weißen Lichtes korrekt verstanden, dagegen versuchte Goethe zu zeigen, dass das weiße Licht nicht zusammengesetzt ist und sich Farben aus einer Wechselwirkung von Licht und Finsternis ergeben. In diesem Sinne deutete er die sogenannten Kantenspektren, die er beim Betrachten dunkler Streifen auf hellem Hintergrund und heller Streifen auf dunklem Hintergrund durch ein Prisma sah. Dieses Experiment war für ihn das entscheidende Erlebnis dafür, seine eigene Farbenlehre zu entwickeln.“

Die Kanten. Die Übergänge. Rot, Orange, Gelb. Ich sah in den Morgenhimmel und dachte an die Prismen und die Übergänge und die Farben. Und gleichzeitig an Werthers Ausspruch in den „jungen Leiden“ – KLOPSTOCK. Die Begeisterung für Naturphänomene. Das waren Zeiten. Ich wäre wohl durchaus erlaucht auf meine Kosten gekommen, so ich irgendwo als Günstling eines Hofes in Brot und Arbeit gestanden hätte. Oder als glücklicher Schafhirt in den Weiten der Natur, um mich romantischen Gefühlen hinzugeben.

Goethe irrte. Irrlichter seines Geistes. Shit happens, aber er hatte ja auch schon Darwin Vorlagen für die Evolutionstheorie geliefert und einige kleine literarische Ergüsse zu Papier gebracht, die sich heute noch verkaufen. Und das, obwohl der Mann schon eine ganze Weile nicht mehr irdisch unterwegs ist. Der hatte was, konnte was, wollte was.

Hier nun also einige Fotos des Licht-Phänomens Sonnenaufgang – mit Bäumen. Die standen da rum und fügten sich ganz gut ins Bild. Man muss es nehmen, wie es kommt. Es werde Licht:)

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2 Antworten auf „Der Herr Goethe, die Farben und Bäume bei Sonnenaufgang“

  1. Hallo Jens,

    der Winter schenkt uns wirklich wunderbare Farbspiele, morgens und abends, wenn es nicht bewölkt ist. Da kann man sich an dem Naturschauspiel erfreuen, auch wenn man lieber schon im Frühling wäre.

    Goethe war nicht nur ein Dichter sondern auch auch ein großer Denker. Er muß ein erfülltes Leben gehabt haben als er mit 83 Jahren starb. Und er war Italien-Liebhaber. So wie Du, Jens.

    Danke für den Abendspaziergang.

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ja, ne. Manchmal ein wenig kitschig, aber gerade deshalb schön.

      Goethe. Der bgeleitet mich schon so lange. oder ich ihn…

      Ich wünsche dir einen schönen Abend

      Jens

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