Google, Sex, Dreikönigstreffen!

Ein bedeutender Tag! Die heiligen Könige kommen. Zu Jesus an die Wiege und adeln das von Gabriel verkündete Kind. Bei uns auf dem Dorf fährt irgendwann ein Kombi vor, aus dem drei bunt verkleidete Gestalten aussteigen, um an unserer Tür zu klopfen. Der Text steht hinten auf dem Stern und der Vortrag bestätigt die Leseschwächen der Pisa-Studie. 2 Euro. Tschüss. 2011 Jahre später.

Derweil versucht ein Guido Westerwelle die Scherben seiner ersten Regierungszeit zusammenzuschieben und daraus einen leuchtenden Stern zu formen, hinter dem sich das liberale Deutschland wieder versammeln kann. Der Ärmste. Kommt mir ein wenig vor, als müsste er nun als großer Magier David Copperfield irgendein As aus dem Ärmel zaubern, um gegen die ganzen persönlichen Anfeindungen anzukommen. Da steht die Meinung des amerikanischen Botschafters im Raum und auch sonst rumort es. Ich persönlich hab die Sache mit der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen und die Begleitung durch private Wirtschaftsdelegationen noch nicht vergessen. Deutscher Außenminister. Das war immer irgendwie ein parteiübergreifendes Amt. Ehrfurcht. Gute Botschaften im Ausland. Genscher, Kinkel, Fischer. Gute Auftritte. Westerwelle gehört leider nicht in diese Liga. Bin gespannt, was er sagt. Wie er’s sagt.

Derweil hab ich neue Erfahrungen als Blogger gesammelt. Seit ich mich aus dem gemütlichen Schoß des Brigitte Woman Blogs in die freie Wildbahn begeben habe, hat sich einiges verändert. Zum Beispiel, dass ein Anti-Spam-Programm wichtig ist, das den Blog schützt. Tag für Tag trudeln hier bis zu 20 Spam-Kommentare von meist russischen Servern ein, die Links verbreiten wollen. Musste ich anfangs per Hand löschen, jetzt geht das automatisch. Die Lösung musste ich erst einmal finden. Reale Welt. Außerdem wird der Blog jetzt von Besuchern frequentiert, die über Google kommen. Und was suchen die? Sex. Meistens. Da kommen viele Menschen auf diese Seite, die nackte Männer unter Duschen sehen wollen oder gerne Sex zu viert hätten. Hab ich natürlich nicht dran gedacht. Google-Logik. Wer mit dem Feuer spielt. Ich glaube, da hab ich mittlerweile einige Leute arg enttäuscht:)

Gestern dann: Das Thema Dioxin-Eier hat mich wirklich beschäftigt. Aus dem Bauch raus hab ich die Überschrift mit den Ei-Erkennungscodes gewählt. What happens? Besucherrekord. Absolut. Ich dachte, was ist den hier los? Hab dann mal meine Head eingegeben bei Google und siehe da: Der fiftyfiftyblog erschien auf dem 3. Platz. Vor großen Nachrichtenportalen. Und viele haben geklickt. Sind aber nicht geblieben. Die Welt des Internets. Sex, Sensationen, SEO (Search Engine Optimization). Eigentlich nicht meine Welt. Trotzdem werde ich nun mit ihr stärker konfrontiert, als ich das möchte. Blogwachstum kontra Authentizität. Das Weiche gegen das Harte. Das Netz verändert. Saugt, formt, will. Nun gut. Ein Aspekt des Bloggens. Muss man sich drüber im Klaren sein. Werd das mal beobachten…

Euch wünsche ich einen schönen Tag mit persönlichem Dreikönigstreffen. Vielleicht haltet ihr euch innerlich eine eigene politische Rede. Wo soll die Reise hingehen? Ciao.

16 Antworten auf „Google, Sex, Dreikönigstreffen!“

  1. Hallo Jens,

    olala, mit Dir ist heute aber nicht gut Kirschen essen. Wenn da nicht gleich ein Gewitter losgeht! Attacke von allen Seiten. Calm down! Selbst die per Auto anstatt zu Fuß oder per Kamel angereisten Sternsinger bekommen ihr Fett weg. Ich glaube, lieber Jens, Du brauchst mal eine Aus-Zeit, zum ganz tief Durchatmen.

    Ganz ruhige Grüße

    Annegret

  2. Lieber Jens,

    ich hab beim Lesen deines Kommentars auch gleich eine leicht aggressive Schwingung gespürt oder vielleicht besser eine stürmische Schwingung!

    Da sieht man mal, wonach Leute so googeln. Ich hab das auch schon bei anderen Blogs erlebt!

    Ich wünsche dir und uns, dass du den Faden nicht verlierst und dich nicht allzu sehr stressen lässt, von dem , was da auf dich einprasselt!

    Einen schönen Tag

    Claudia

    1. Hi Claudia,

      bin heute etwas… Kratzig. Grrrr. Ich merke, da gefällt mir was nicht. Muss ich noch nachfühlen und nachgehen.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Gefällt mir gut, Deine Kratzigkeit, das muss manchmal auch sein, gehört dazu und darf man leben dürfen.

    Ich kämpfe auch immer mit den Spammern, die dann doch mal durchrutschen, ein Ärgernis, aber was solls.

    Ich bin mir sicher, dass Du ganz schnell Dich selbst wieder loten wirst. Das passt schon.

    Herzlich
    Gitta

  4. Hm.
    Hab‘ ich jetzt auf’s Erste nicht so erlebt. Den shit, wenn man sich zu weit ins Internet hinaus-/hineinlehnt, kenne ich. Wenn man vor lauter Spams und sonstigen Quatsch sein Mailfach übermüllt bekommt – das ist nicht Mail-Sonnenschein…

    Mit der Pisa-Studie sind wir Österreicher in letzter Zeit ja geradezu überschwemmt worden. DAS Drama. (Und: eine typisch österreichische Rechtfertigungserklärung. Für alle nicht österr. Leser/innen: es gab zum Zeitpunkt der Tests gerade einen (kleinen) möglicherweise exkalierenden Konflikt zwischen Lehrern und Unterrichstministerin. Einige (wenige!!) Tests wurden boykottiert. – Nach Bekanntgabe des miserablen österreichischen Ergebnisses, fischte man diese Tatsache aus dem Vergessen und kommentierte: wenn die Schüler/innen nur gewollt hätten, ja dann… — hihihi. Österreichische Politik ist manchmal wirklich ein Kabarett…) Also, Pisa seh‘ ich eher cool. Vielleicht wird ja dereinst mehr in Piktogrammen schriftlich kommuniziert werden. Dann ist das Dechiffrieren der komischen Zeichen auf der Rückseite eines Sterns nicht mehr so schwierig… ;-))

    Muss noch auf ’nicht gut Kirschen essen‘ zurückkommen. Ist Kritik äußern ’nicht gut Kirschen essen‘?

    Dreiköniglich nachdenklich, aber doch gut gelaunt…
    LG filo

    1. Hi filo,

      normalerweise bin ich ja hier nicht so kratzig, deshalb die Sache mit den Kirschen. Denke ich. Ja, vielleicht wirklich gerade ein wenig angespannt. Jobs, Blog, Kinder, Küche, Kirche. Wird vielleicht Zeit, dass die Ferien zu Ende gehen und hier wieder normale Verhältnisse einkehren. Dann können die Sternsinger, die es ja nur gut meinen, nochmal kommen:)

      Liebe Grüße

      Jens

    2. Hallo filomena,

      natürlich darf Jens Kritik äußern, auch massenweise, alles was auf ihm lastet. In diesem Zusammenhang ist mit ihm nicht gut Kirschen essen, weil er dann schwer umgänglich, gereizt ist. War nicht böse gemeint.

      Annegret

  5. Hallo. lieber Jens,

    wo die Reise hingehen sollte, das weiß ich wohl. Allerdings ist mir auch klar, dass das meine persönliche Utopie ist und so gar nichts mit der momentanen Richtung zu tun hat, die dieser gierhungrige Raubtierkapitalismus knallhart und globaldestruktiv einschlägt.

    Ich wünschte mir Gerechtigkeit, eine sorgende Liebe und Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern des Landes und denen in der ganzen Welt, das entsprechende Verantwortungsgefühl, d.h. sorgsamer Umgang mit den Ressourcen, Achtsamkeit in Bezug auf die Seelen derer, die uns als unser Geschenk an die Zunkunft überleben werden und unser einziger wirklicher Reichtum sind.

    Ich wünsche mir, dass jeder Mensch in dieser Welt ein Dach über dem Kopf hat, sauberes Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen, genug gesunde Nahrung und den Zugang zu Bildung und zu seinem und den Herzen anderer.

    Wie aber soll das weltweit klappen, wenn das noch nicht einmal in unserem immer noch reichen Land realisiert wird? Man beachte hier z.B. aktuell neben dem erneuten Dioxinskandal nur die Äußerungen der amtierenden Arbeitsministerin, die die Einstellung von Schulsozialarbeitern rein monetär betrachtet und ablehnt.
    Man beachte die Augenwischerei der SPD, die einen einzigen Sozialarbeiter pro Schule fordert und grad so tut, als könne ein Fachmann/eine Fachfrau pro 600 Schüler da überhaupt etwas ausrichten.
    Man betrachte das läppische, die entsprechenden Kinder diskriminierende Bildungspaket der Ministerin, die u.a. so tut, als könnten 30€ pro Monat die tatsächlich entstandenen Nachhilfekosten für ein Kind aus einer HartzIV-Familie abdecken und und und…. .

    Wir leben in einer Zeit der im stärkeren Abwesenheit von Liebe und das macht mich sehr traurig und irgendwie auch heimatlos. Meine Welt ist das nicht mehr.

    Abschließend kann ich leider nur sagen, dass die Reise in eine Richtung geht, die uns allen nichts Gutes bringen wird. Tut mir Leid, das sagen zu müssen.

    Deine „Kratzigkeit“ finde ich übrigens OK.

    Liebe Grüße

    Eva 2

    1. Hi Eva,

      vielen Dank für den ausgiebigen Kommentar. Was tun? Wir versuchen hier, im eigenen Umfeld gegenzusteuern. Den Riesenöltanker mit Händen aufzuhalten, ist schier unmöglich. Ich glaube selbst ein Gandhi würde einfach nicht wahrgenommen. Heute reg ich mich einfach nur auf. Gehe nachher ins Kino und schaue mir einen Film an. Etwas Ablenkung. Gibt so Tage.

      Liebe Grüße

      Jens

  6. Hallo Jens,

    manchmal muss die Luft raus aus dem Ballon. Geht mir auch manchmal so.

    Zu Westerwelle fällt mir nur die Antwort von Helmut Schmidt im Interview mit Sandra Maischberger ein, als sie ihn nach Guido Internationale fragte :“ Die Frage ist jetzt nicht ernst gemeint?!“

    Pisa ist für mich leider an anhaltender Versuch, Kinder dahingehend zu beeinflussen, dass ihr Arbeitspensum dem eines erwachsenen gleicht. Nichts mehr mit Kindheit, dass macht mich ärgerlich!

    In Sachen Spam kann ich nur sagen „Welcome to the pleasuredome“. Nervig, aber über die Softwareeinstellungen gut zu organisieren. Mich stören vielmehr die Kommentarschreiber, die keinen Bezug zum Artikel nehmen, sondern irgendeine banale Frage einstellen „Wo ist denn der RSS-Feed Button“ und das in abgewandelter Form einige Male. Kommen gleich in den Spam-Ordner. Seinen Link zu placiren ist völlig ok und das unterstütze ich auch, aber bitte nicht so.

    So, jetzt ist alles raus. Morgen ist ein neuer Tag und alles ist gut ;-)

    1. Hi Raoul,

      manchmal ist das so. Und dann ist es auch wieder gut. Dann kommen auch wieder die goodnews:) Pisa finde ich auch bedenklich. Vor allem, wenn der Schluss gezogen wird, es müsste der Druck erhöht werden. Was wirklich fehlt: Zeit für Kinder. Gute Nachtgeschichten. Vorlesen, selber lesen lassen. Statt der immer weiter um sich greifenden Wii. Oder: iPod, Nintendo, Playstation… Die werden als Spielzeug gewertet. Ich habe das Gefühl, das die Dinger oft den Babysitter ersetzen. Oder die Betreuung. Das Gemeinsame. Analoge. Karten spielen. Sich dabei ins Gesicht sehen. Beim Verlieren nicht einfach ein anderes Level wählen.

      Danke. Liebe Grüße

      Jens

  7. Hi Jens, das, was Ihr macht, ist gewissermaßen Überlebensstrategie und wir gehören auch zu denen, die sich auf diese Weise über Wasser halten. Wir leben einigermaßen umweltbewusst, gehen auf Demos, die uns wichtig sind, haben unsre Kinder für Politisches sensibilisiert und einen Freundeskreis, der aus Gleichgesinnten besteht und Geborgenheit gibt. Wir müssen zuschauen, dass wir, die wir so sind, zusammenhalten. Nur das bietet die kleine Chance, dass diese eklige Gier ihre zerstörerische Macht verliert.

    Das mit Pisa sehe ich genauso wie Raoul. Wir leben leider auch in einer Zeit des permanenten Heruntermachens des individuellen und kollektiven Selbstbewusstseins – Pisa ist ein solcher Versuch, es gibt diverse andere. Wenn man weiß, dass dahinter gewaltige Lobbygruppierungen und deren Profitinteressen stehen und alles Taktik ist, ist man ein wenig besser geschützt gegen die entsprechenden Tricks und Versuchungen.

    Liebe Grüße

    Eva 2

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