Ja, Papa Papandreou

Gestern war Feiertag, dennoch habe ich den ganzen Tag gearbeitet. Geschrieben. Und mir ein wenig mehr Zeit als üblich für Blog, Tumblr und Twitter genommen. Das nennt man wohl einen Easy-Going-Arbeitstag. Am Abend bin ich dann kurz auf Spiegel Online, um die Lage zu checken. Ich traute meinen Augen nicht. Papandreou will Volksentscheid! Ich dachte: No! Jetzt geht der ganze Zirkus wieder von vorne los. Volksentscheid im Januar. Eiertanz über Monate. Bitte nicht!

Doch dann dachte ich: Ganz schön pfiffig, der Papa Papandreou, der Landesvater der Griechen, der Zeus, der mit den Füßen im Hades steht, der den Kampf gegen die Titanen führt. Pergamon. Richtig, ne, da war doch was? Die Wiege der Demokratie. Das Land der Philosophen. Die großen Diskurse und Diskussionsrunden der antiken Antike, des Prototyps der Antike, des Originals. Rom war schon Retro. Europa aufgewärmt. Amerika verblasst.

Was macht er? Nun, er sorgt dafür, dass die Griechen über das Schicksal Griechenlands entscheiden. Dass aus einem Finanzdebakel mit technisch geprägten Finanzgesprächen auf Europa- und Weltebene wieder ein Politikgespräch wird. Griechenland steht mit dem Rücken an der Wand. Die Menschen spüren das, gehen teilweise auf die Straße. Die Krise ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Opposition. Ich stelle mir vor, was sich Frau Merkel hier in Deutschland anhören könnte, würden Bezüge gekürzt, Steuern drastisch erhöht, Wachstum wegbrechen, Investoren ausbleiben, Schulden einen Multiplikator per Zinsschraube erhalten. Das wäre nicht lustig. Für niemanden.

Und so scheint es, dass dieser Volksentscheid eine Zerreißprobe wird. Der Dax ist mal wieder abgeschmiert, den Profibankern wird es zu heiß. In deren Haut möchte ich auch nicht stecken. Rauf, runter, runter, rauf. Ich hoffe, die treiben Sport und essen gesund, sonst gibt es irgendwann die Finanzkrisen-Invaliden. Veteranen des tobenden Finanzkrieges, in dem sich die Völker Europas gegenüber stehen. In Form von Bankern und Investoren in der ersten Reihe. Das ist battlefield mit Staatsanleihen. Da gibt es Hebel statt der dicken Berta.

Die Griechinnen und Griechen dürfen also abstimmen. Dürfen über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sehr mutig. Sagen sie nein, wird es trotzdem weitergehen. Natürlich ganz anders. Dann jedoch wird Europa über Nacht ein anderes sein. Dann wird sich gezeigt haben, was fehlt. Dann wird man sich Gedanken machen müssen, woran die europäische Idee krankt. Solidarität. Denn: Griechenland hat nie in den Euroraum gepasst. Es hat nie die wirtschaftliche Stärke gehabt, um mit den großen Volkswirtschaften mithalten zu können. Deutschland, Frankreich, Italien – das sind voll industrialisierte Staaten irgendwo an der Spitze der Weltökonomie mit enormen Einnahmen. Die stehen für den Wert des Euros, den hohen Preis. Für die Griechinnen und Griechen ist der teure Euro eine Fessel, ein Knebel, ein Hindernis. Es funktioniert nicht, wenn es keine Solidarität gibt. Es reicht nicht zu sagen: Ihr macht alles falsch. Wer A sagt, muss B sagen. Wer Europa will, muss Europa leben. Wer Griechenland in den Euroraum holt, muss Griechenland unter die Arme greifen. Nicht erst dann, wenn das Kind in der Mitte des großen Flusses abtreibt.

Nun kommt also das Referendum, vor dem die Welt zittert. „Ein Geniestreich“, wie Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung auf Spiegel Online meint. Griechenland ist zurück auf der politischen Bühne, hat das Schicksal in die eigene Hand und Verantwortung genommen und sich damit ein wenig von den Demütigungen der letzten Monate erholt. Wir wissen aus der eigenen Vergangenheit was mit gedemütigten Völkern geschieht. Deutschland nach dem ersten Weltkrieg. Kein Atmen mehr, keine Selbstbestimmung, kein Selbstwertgefühl. Das treibt unheilsame Kräfte an die Oberfläche.

Denn, wie fühlt es sich heute an, Griechenland zu sein? Kein schönes Gefühl, wenn alle mit dem Finger auf einen zeigen und Worte wie „Betrüger“ und „Steuerhinterzieher“ fallen. Wenn man mit dem Rücken an der Wand steht und herumgeschubst wird. Im Januar werden wir definitiv deutlich mehr Klarheit haben. Ein Volk wird sich entschieden haben. Nicht die Finanzmärkte entscheiden. Diesen Prozess nennt man Demokratie. In diesem Fall ein Drahtseilakt, Hochseilakt, bei dem alle zuschauen und Angst vor der Panik in der Menge haben. Wir werden sehen.

27 Antworten auf „Ja, Papa Papandreou“

  1. Guten Morgen, Jens,

    ja, wir haben es gestern unterwegs im Radio gehört, daß Papa Papandreou sein Volk befragen möchte. Nach all den Krisensitzungen jetzt die Frage an das Volk. Demokratie. Da können wir gespannt sein, wie die Griechen entscheiden und besonders wie es dann weitergeht, welche Konsequenzen es für Griechenland bringt und dann folglich auch für die anderen europäischen Länder. Gibt es ein Zurück zur Drachme? Was ist mit den anderen flügellahmen Ländern? Welche Bedeutung hat es für den Euro? Viele Fragen. Die Antworten müssen warten.

    Viele Grüße
    Annegret

  2. Hi Annegret,

    die Antworten kennt nur der Wind… Natürlich sprechen jetzt viele Kommentatoren von Harakiri. Da haben alle zusammengesessen und einen Plan zusammengebastelt. Aber das ist letztlich doch alles nur Makulatur, weil sich die Rahmenbedingungen dauernd ändern. Aktuell sind 40% der griechischen Bevölkerung im Alter zwischen 17 und 24 ohne Arbeit! Die Arbeitslosenquote liegt bei über 17%. Da ist so viel gesellschaftlicher Sprengstoff, dass das Land bereits jetzt im Chaos versinkt. Die Schuldenpolitik der Euroländer hat mit dem schicksal der Menschen längst nichts mehr zu tun. Erst ab 2013 wird wieder mit Wachstum gerechnet. Wo soll das denn herkommen? Das Land wird durch sozialen Unmut zerrissen. So weit hätte es nicht kommen dürfen. Nur hat es eben auch keinen Zweck, nun gegen das Volk zu regieren. Das bringt nur vermeintlicher Erlöser an die Macht – Berlusconis und solche Gestalten. Vermeintliche Retter. Vielleicht übersteht Papandreou ja bereits die Vertrauensfrage nicht, dann gibt es eh Neuwahlen…

    Liebe Grüße

    Jens

  3. Moment! So einfach ist das nicht, wie Du das schreibst und in den Euro wurden sie auch nicht gezwungen, das Gegenteil ist eher der Fall. Schweden ist Teil der EU, aber ohne Euro, Großbritanien ebenfalls. Nein, lieber Jens, da bin ich mit Dir nicht d’accord. Griechenland wollte den Euro, hat seine Bilanzen dahin gehend beschönigt, um nicht zu sagen gefälscht. Die Regierung, nicht das Volk und ich will nicht unter den Tisch kehren, dass dies mit Wissen einiger anderer Regierungen der Fall war. Das ist Fakt.
    Fakt ist aber auch, dass Griechenland, schert es aus dem Euro aus, sehr große Probleme haben wird, weiter seine Existenz zu sichern, denn was passiert, wenn eine Inflation ein Land auffrisst wissen wir auch, wenn das Brot dann Millionen von Drachmen kostet.
    Dass Papandreou sein Volk befragt ist in Ordnung, dagegen sage ich gar nichts, aber er darf nicht verschweigen, was passiert, wenn das Volk mit „Nein“ abstimmt. Es wird unglaublich viel Geld kosten den Drachmen wieder einzuführen. Geld, das das Land nicht hat. Nichts führt an einer grundlegenden Reform vorbei, gar nichts. Ob sie nun im Euro bleiben oder nicht, es wird für das Land mehr als schwer werden Gelder und die so wichtigen Investoren zu bekommen. Sie werden mit oder ohne Euro von Zinsen geknüppelt und so hoch können sie die Inflation nicht treiben, dass sie so aus den Schulden raus kommen. Sie werden noch mehr Schulden machen, ihre Staatsanleihen werden gegen Null gehen und sie werden keine neuen mehr bekommen, keine Bank wird mehr welche von Griechenland kaufen. Und dann? Die Arbeitslosenquote wird ins Unendliche steigen, weil keine Investoren mehr da sind, selbst die wohlhabenden Griechen dabei sind gerade dabei ihr Geld abzuziehen, jaufen wie dolle und verrückt Immobilien in anderen Ländern. Der Staat muss die Steuern erhöhen. Alles wird teuer werden, noch teurer mit der Konsequenz, dass auch die Urlauber weg bleiben. Und dann? Dann läuft die Spirale noch weiter nach oben. Peng!
    Weißt Du, Deutschland wurde immer angemacht, als unsere Wirtschaft mehr als invalide humpelte unseren Haushalt in Ordnung zu bringen, Reformen durchzuziehen in Zeiten tiefster Rezession. Ich habe mich damals immer gewundert weshalb in unseren Nachbarländern annähernd Vollbeschäftigung war und wir Volltrottel fast keinen Arbeitsmarkt hatten, der was hergegeben hat.
    Nun wird das an Beispielen wie Italien, Frankereich, Irland mehr und mehr klar, oder? Ich weigere mich zu akzeptieren, dass wir nun an all dem die Schuld tragen sollen.
    Das alles ist nicht einfach auf den Nenner Euro schlecht für Griechenland Drachmen ist gut zu bringen, das wäre eine gefährliche Betrachtung des Situation.
    Der Euro wurde geschaffen, damit Europa im Ganzen eine einheitliche Handelswährung als Gegengewicht zu dem Dollar hat, um auf dem Weltmarkt eine besere Postition zu bekommen. Allerdings darf man sich nicht darauf ausruhen, was wir an manchen Stellen bereits schmerzlich zu spüren bekommen haben.
    Bevor sie abstimmen, sollten sie die Wahrheit erfahren, wenn es denn wirklich eine gibt, die auf Fakten beruht, die den Tatsachen entspircht.

    Herlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      von ganz so einfach kann man bei dem Thema wirklich nicht sprechen. Eher alles sehr kompliziert. Nur hilft es weder polititisch noch finanziell, immer wieder auf die Griechen einzudreschen. Das Kind liegt im Brunnen, Griechenland am Boden. Nachtreten zählt nicht. Es fehlt ein europäisches Verständnis, das Griechenland nicht als Ausland sieht. Technisch gebe ich dir recht. Doof gelaufen und von griechischer seite her auch nicht ganz sauber, aber das war eine andere Regierung und Europa hat das mitgemacht. Und wir sind eben so verwoben, dass wir zueinander gehören. Wenn wir wollen. Oder wir sprechen von uns und denen, aber dann brauchen wir weder Euro noch Europa. Die momentane Situation zeigt, dass das Konzept noch nicht zu Ende gedacht ist. Es ist jetzt tatsächlich an der zeit, sich zu Europa zu bekennen. Die Griechen werden das tun oder lassen. Wir werden sehen. Was dann aus Giechenland wird? Ich habe keine Ahnung. In zehn Jahren wissen wir mehr. Deutschland ist auch schon aus Ruinen aufgestanden – mit internationaler Hilfe. Und wir hatten es so richtig vergeigt und menschlich und wirtschaftlich in den Sand gesetzt. Uns wurde geholfen, uns wurden Mittel zur Verfügung gestellt, wir wurden unterstützt. Wir werden sehen, was mit Griechenland geschieht.

      Liebe Grüße

      Jens

      P.S. Hier noch ein weiterer Spiegel Online Artikel: Bravo, Herr Papandreou

  4. Entschuldige bitte wer drischt auf die Griechen ein? Das allererste, da war weder die Höhe des griechischen Desasters noch die Auswirkungen auf uns bekannt, da wurden wir, Deutschland mit Nazi-Parolen und Hakenkreuzen an unseren Botschaften in Griechenland bedacht. Wer drischt da auf wen ein? Wir würden die größte Last des finanziellen Desasters, und das ist eins, das kann man mit Fug und Recht behaupten, tragen, dem Land würden Tonnen an Schulden erlassen und im Gegenzug sollen sie nichts anderes tun als ihren Haushalt zu konsolidieren. Was bitte ist da „auf die armen Griechen eindreschen“?
    Geh Du mal auf Deine Bank, mit einem Schuhkarton an Belegen unterm Arm und bitte um einen Kredit. Na Du wirst doch nach Hause geschickt mit fröhlichem Schulterschlag und dem guten Rat die Sache in Ordnung zu bringen.
    Das Land ist arm, ja, aber es hat Potentiale, die es nicht nutzt und die armen Griechen verfolgen gerne, sehr gerne das Motto die Guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen.
    Niemand, wirklich niemand, will dieses Land, diese Nation vernichten, im Gegenteil wir alle, die wir Steuern bezahlen, halten den Kopf dafür hin, gehen ein hohes Risiko ein, dürfen wir da nicht verlangen, dass die Griechen dort Ordnung in ihre Kiste bringen?
    Ich habe mal die Buchhaltung für eine Bekannte gemacht, die immer meinte am Ende bliebe nix übrig. Na ja es war ein wenig hart, aber ich habe ihr das aufgeräumt, Ausgaben gestrichen, die unnötig waren, auch wenn das für sie erst mal hart ewesen war, Abos und weiß der Fuchs was alles gekündigt von Mist, den sie nie in Anspruch genommen hat, wo ihr überhaupt nix gebracht hat.
    Ich kann mich dunkel erinnern, dass Du, weil wegen der wirtschlaftlichen Lage Aufträge nicht so üppig flossen, das einen oder andere Abo gekündigt hattest, schmerzlich aber notwendig, damit Dein Topf nicht anz leer wird.
    Zurück zu der Bekannten: Plötzlich blieb auch am Monatsende etwas übrig. Merkwürdig. Du kannst kein Sozialsytem haben, bzw. Dein Sozialsystem kann nix leisten, wenn in dem Topf nichts drin ist. Natürlich wird überall und immer Schwarzgeld gemacht, damit kann ich leben, jeder Bürger beschickert schon mal im Kleinen und sehr gerne den Staat. Aber wenn das immer der Fall ist und Du eine Kapelle auf Dein Grundstück baust, und wenn es nur eine Latrine mit Kreuz darauf ist, und Du deswegen niemals einen Pubs Steuern bezahlen musst, dann brauchst Du Dich doch nicht zu wundern, wenn Du dann aus Not zu Deinem Staat gehst und der dann sagt „Wie Du willst was haben? Sorry kann ich aber nicht, habe leider in meinem Topf nix drin.“.
    Muss ich Mitleid haben, dass der letzte Stein eines Hauses nicht gebaut wird nur um Steuern zu sparen? Das machst Du vielleicht 1x oder auch auch 2x, aber dann sollte das nicht mehr sein.
    Und nur weil man all das offen auspricht, drischt man auf die Griechen ein, die ihrerseits aber austeilen uns als Naz beschimpfen und auf die Botschaften Hakenkreuze aufmalen? Da stimmt etwas in der Anschauung nicht.
    Es wird unter dem ach so bösen Euro den Griechen geholfen werden, aber sie müssen eine Gegenleistung bringen. Übrigens war Griechenland unter dem Drachmen ein bitterarmes Land gewesen, dessen Schere zwischen arm und reich unglaublich weit auseinandergeklafft hat und schon 1980 als wir Athen besucht haben, waren die Leute deswegen auf der Straße, hatten sie kein Geld weder für Sozialleistung und Bildung, noch um ihre Bauwerke zu pflegen.
    Man sollte man vergleichen wie war das vor Euro und wie ist das jetzt. Darüber hört man sehr wenig, denn das war auch nicht besser.
    Ich habe natürlich mit den Menschen leid, die heute nicht wissen, was sie morgen ihren Kindern aufs Brot schmieren sollen, die vor der Frage sthen ob sie überhaupt noch Brot haben werden, denen soll auch bedingungslos geholfen, werden, aber ich habe kein Mitleid mit jenen, die dann wirklich mal ihre Steuern entrichten, wo die Pensionen wegfallen, die sie bekommen weil ihr verstorbener Vater beim Militär Offizier gewesen war usw.
    So nun habe ich das noch schnell noch mal geschrieben, weil meine Anfänge und Fastvollendungen gestern jedes Mla weg waren, wenn ich kurz den Laptop verlassen hatte.
    In diesem SInn einen fröhlichen Tag
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      da werden wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Egal. Natürlich ist das nicht schön, dass da Hakenkreuze erscheinen. Aber das ist nicht Griechenland. Da sind Menschen, die das machen. Frustrierte. Das ist einfach der einfachste, billigste Weg. Wir sollten uns nicht auf die Ebene der Feindschaft zwischen den Völkern begeben. Hier die Griechen, hier die Deutschen. das sollten wir hinter uns haben. Als ich mit Ela auf Kreta war, haben wir uns mit Griechen unterhalten. Da hat uns niemand als Nazis beschimpft. Dass einzelne Griechen jetzt Angela Merkel zum Sündenbock machen, da ich nur für mich sagen: Geschenkt. Das sind Emotionen, die verständlicherweise hochkochen. und Deutschland steht momentan einfach sehr gut da und wirkt vielleicht aus der Sicht einzelner Griechen übermächtig und bestimmend, vielleicht sogar bevormundend.

      Was du im Einzelnen sagst stimmt sicherlich in weiten Teilen, mag stimmen. Die Beispiele der Verschwendung gehen hier ja breit durch die Presse. Sprich mal mit ein zelnen Griechen, die werden dir etwas anderes sagen. Da bekommen es sicherlich nicht alle vorne und hinten reingeschoben. Ja, Greichenland war ein sehr armes Land und ist es jetzt wieder. das Land hat versucht, in der Euro-Liga mitzuspielen und ist gescheitert. Für mich kommt jetzt eben Europa ins Spiel. Nehmen wir die europäische Idee ernst, leben wir das oder lassen wir das?

      ich empfinde gegenüber den Griechen keinen Zorn und mag auch keinen Zorn empfinden. Natürlich möchte auch ich gerne, dass Griechenland seine Hausaufgaben macht und auf die Beine kommt. Aber eben nicht nur finanztechnisch, sondern auch politisch. Und da muss Europa aufpassen, keine Demütigungen zu schaffen. Was jetzt hier stattfindet und in Cannes seinen Weg geht, ist bisland beispiellos. Ich denke, Europa lernt gerade schneller, als es Europa lieb ist. meiner Ansicht nach ist das letztlich ein guter, heilender, aber schmerzlicher Prozess. Längst überfällig.

      Danke für deine langen, intensiven Kommentare und den respektvollen Umgang.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Meine Eltern hatten ein Hotel und wir hatten sehr viele griechische Kaufleute zu Gast, haben dorthin freundschaftliche Kontakte aufgebaut, waren mehrfach in Griechenland gewesen.
    Du schreibst das Land habe versucht in der Europa-Liga mitzuspielen, dann sage mir aber warum haben sie dann so weiter gemacht wie eh und je und das bei wechselnden Trainern? Das ist ein Punkt, den ich nicht verstehe. Europa wäre bereit mit hohem Risiko das Land zu stüzten, ihm zu helfen, seinen Menschen zu helfen, auch wenn es für alle, für die Gemeinschaft, bedeuten könnte Miliarden zu verlieren. Erkläre mir was ist falsch daran das Land aufzufordern sich an diesem Prozeß aktiv zubeteiligen? Nicht passiv die Hand aufhalten, eben aktiv mitzuarbeiten, Wege für die Zukunft zubereiten. Ist das demütigend? Wenn Du generell sagst, dass Hilfe annehmen demütigend ist, dann muss ich Dir zustimmen, dann wird das so sein. Ich finde es nicht demütigend Hilfe anzunehmen.
    Möglich, dass ich etwas komisch reagiere, wenn Deutschland gleich als Naziland beschimpft wird, es sind längst keine Eintagsfliegen mehr, die dies in Griechenland gesummt haben. Ich bin nach dem Krieg geboren, musste mir bei Reisen ins Ausland in jungen Jahren dennoch anhören aus welchem Land ich kam und habe eben genau diese Beschimpfungen ertragen müssen ohne provoziert zu haben. Sie dürfen austeilen, werden dann aber gedemütigt, wenn mal jemand sagt, Leute, das ist ordentlicher Mist, den ihr da verzapft habt, kommt, Ärmel hoch und los gehts? Ist das gedemütigt? Den Boden für diese Demütigungen haben sie selbst geschaffen, die Griechen zum Teil und ihre Regierungen. Das weißt Du und das weiß ich und nicht nur aus den Zeitungen. Pleite gehen, hinfallen, die Hand annehmen, die helfen kann. Das ist nicht demütigend.

    Ich glaube schon, dass wir auf einer Welle schwimmen, ich auf der nüchternen kaufmännischen und Du auf der mentalen Ebene. Die eine kann ohne die andere nicht. Einschnitte, die ich machen würde, müsstest Du dann sanft streicheln, weil Du weißt, dass das ohne nicht geht.

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      ich gebe dir durchaus recht in vielem, was du sagst. Nur sehe ich es dennoch anders. Mit Demütigung meine ich nicht das Gefühl, Hilfe anzunehmen. Das finde ich nicht demütigend, sondern großzügig. Von beiden Seiten. Geben können, nehmen können. Für mich macht es nun einfach keinen Sinn mehr, den Griechen ihre Verfehlungen der Vergangenheit vorzuwerfen. Damit kommen wir nicht weiter. Natürlich sind sie selbst schuld an dem finanziellen Debakel. Sie haben es richtiggehend verbockt. da gibt es Korruption, Steuerhinterziehung, jetzt Kapitalflucht und, und, und. Meine Meinung ist nur, auf einen am Boden Liegenden tritt man nicht ein. was sollen sie den jetzt noch machen? Welchen weg sie auch gehen, nirgendwo sieht es rosig aus. Sie haben durch ihre Verschuldung das Heft aus der hand gegeben. Andere bestimmen, wie Finanzpolitik in Greichenland jetzt zu laufen hat. Die Troika. Kommt, untersucht, bewertet, sagt, wo es lang geht. Dass da ein gefühl von Ohnmacht entsteht, ist klar. Dass die Griechen da nicht unverschuldet reingeschlittert sind, auch. Nur muss ihnen jetzt die Möglichkeit gegeben werden, ihr Gesicht und ihre Souveränität ein klein wenig zu wahren. Das ist das Ansinnen von Papandreou, meiner Meinung nach. Und das finde ich ist ein sehr guter Schachzug, um Griechenland wiedfer ein Gefühl von Eigenständigkeit zu geben. Wenn jetzt alle, die arbeitslose Jugend, über Spar-,Spar-, Sparprogramme desillusioniert werden, wer soll dann den Karren aus dem Dreck ziehen? Es braucht emotionale Aufbauarbeit. ich finde es gut, dass Greichenland nun entscheiden kann, ob es den Weg gehen will. danch sehen alle klarer und können dann tun, was zu tun ist oder eben die Konsequenzen tragen.

      Liebe Grüße

      Jens

  6. Stop, die Troika untersucht und bewertet nicht die Vergangenheit, sondern nur die Maßnahmen, die angedacht sind, die man per Gesetz erlassen möchte. Die Vergangenheit bewerten sie nicht, sondern den Weg nach vorne.

    Herzlich
    Gitta

    1. Ja, genau. Die Vergangenheit ist eher in der öffentlichen Diskussion, in den immer wieder neu formulierten Vorwürfen gegenüber Griechenland. Einige deutsche Zeitungen nutzen jede Gelegenheit zu zeigen, dass die Griechen doch selber schuld sind. Die mit den großen Buchstaben tut sich da sehr hervor, um Anti-Griechenland-Stimmung aufkommen zu lassen. Nur: Die hilft nicht. Niemandem. Griechenland braucht nicht nur Geld…

      Liebe Grüße

      Jens

  7. Hallo Jens,

    heute lehnen sie sich wieder ganz entspannt zurück, der Sarko und die Merkel, denn der Volksentscheid ist abgeblasen. Ich möchte nicht wissen, welche Fäden sie da im Hintergrund gezogen haben. Hier war förmlich greifbar, wie nervös das Duo des Grauens plötzlich geworden war.

    Und so ahnungslos, wie getan wird in Bezug auf den Niedergang Griechenlands, waren die nicht und wenn, dann diskreditierte sie das wirklich endgültig. Die haben die vielmehr wissentlich ins Messer laufen gelassen und Griechenland ist nur der Schwarze Peter, mit dem anderen Ländern vor Augen geführt wird, dass es ihnen ähnlich ergehen wird, wenn sie nicht kuschen.

    Hier erkennt man übrigens Analogien zur Arbeitsmarktpolitik in unserem Land, die ja auch stets mit dem Damoklesschwert Arbeitslosigheit droht und sofort sind die Menschen still, kuschen und lassen sich alles gefallen, sogar 400.-€- Jobs, die dann als Arbeitsplätze auf der Arbeitslosenstatistik eingetragen werden und somit die Arbeitslosenzahlen schönen.

    Sarkozy und Merkel aber können sogar noch „stolz“ darauf sein, mit dazu begetragen zu haben, dass Griechenland in Zukunft von ihren konservativen Freunden regiert werden wird und das Finanzkapital somit weiterhin vollkommen freie Bahn hat.
    Wir leben in einer makaber spannenden Zeit, denn wir sind mittendrin im Demokratie-Abschaffungsprozess.

    Und warum das Ganze? Weil eine Minderheit von Gierigen in der Welt den Ranzen nicht voll genug kriegen kann. Gier aber ist eine Todsünde, ist vernichtend wie Pest, ist eine der widerlichsten Charaktereigenschaften, die man sich denken kann.

    Was aber tun dagegen?

    Liebe Grüße Eva

    1. Hi Eva,

      jetzt ist das Chaos perfekt. Es erinnert mich zunehmend an den Turmbau zu Babel. Eine Kakophonie, Stimmengewirr, Politinteressen. Als erstes: Finanztransaktionssteuer von Obama weggepustet. Dann nehmen Merkel und Sarkozy Papandreou an die Leine und lassen ihn Sitz machen. Pfötchen geben. Es wird wohl nächstes Jahr Neuwahlen geben in Griechenland. Aber worüber darf Griechenland dann abstimmen? An der Situation wird sich nichts ändern.

      Was tun?

      Meine Taktik ist, zu den menschen in Griechenland zu halten. Ich finde das wichtig, auch wenn viele das anders sehen. Als erstes müssen wir raus aus dieser „Wir sind die Guten, die Griechen sind die Schlechten“ Diskussion. Hier werden gerade Feindbilder aufgebaut, weil es plötzlich ums Geld geht. Bei Geld hört die Freundschaft auf. Und Europa scheinbar auch. Wollen wir Europa? Ein friedliches Europa? Tatsächlich? Ist der europäische Gedanke wirklich da? Ist er. Aber Geld kann ihn zunichte machen. Da wird gerade viel Porzellan zerdeppert. Die Zeitung mit den großen Buchstaben schürt da mal wieder den Volkszorn. Und viele Menschen springen auf den Zorneszug auf. was ich da überall höre, beim Sport, auf der Straße. Wie über Griechenland geredet wird. So sollten Menschen nicht miteinander umgehen. Wenn die politische Ebene das nicht schafft, sollten die Bürger es zumindest schaffen.

      Liebe Grüße

      Jens

  8. Du hast etwas vergessen, lieber Jens, noch bevor Merkel und Sarkozy dem Guten die Hölle heiß machten konnten, bließ ihm bereits eiskalter Wind von seiner eigenen Partei und der Oposition aus Griechenland bis nach Nizza um die Ohren und das bezogen auf die Volksbefragung zum Euro. Dass Merkel und Sarkozy mit ihm „gesprochen“ haben, war dann nur noch reine Makulatur, schätze mal, dass sie hinter verschlossenen Türen entpsannt einen Kaffee getrunken haben, mit ihren Handys/I-Phones gespielt haben und dann eine angemessene Zeit abgewartet und dann vor die Presse getreten sind.

    Herzich
    Gitta

    1. Guten Morgen Gitta,

      ja, dem wehte einiges um die Ohren. Das hat ja auch ein ziemliches Chaos ausgelöst und war so nicht zu verstehen, dass er da plötzlich mit einer solchen Idee um die Ecke kam. Das war der Hammer! Kurse gepurzelt, G20-Gipfel okkupiert mit dem Thema. Und ja, ihm weht in Griechenland ein starker Wind ins Gesicht. Dennoch glaube ich, dass letztlich die Großen der Union intensiven Einfluss auf Papandreou genommen haben. Die haben ihm gesagt, wie das Referendum auszusehen hat, wann es stattfindet und was gefragt wird. Ganz klar. Und dannwaren da noch 8 Milliarden für nächste Woche, die zurückgestellt wurden. Klingt nicht nach gemütlichem Kaffeetrinken in meinen Ohrer. Aber ich gebe zu: Alles nur Spekulationen und Bauchgefühle. War ja nicht dabei.

      Liebe Grüße

      Jens

  9. Unterstellen wir ihmmal er hat das bewusst gemacht, das Referendum gefordert, bestimmt. Warum? Er wusste doch, dass das nicht hinhauen würde, weil selbst aus Griechenland Stimmen kamen, die den Euro damals wie heute auch für Griechenland als notwenig erachtet. Warum also tat er das, er wusste doch, dass der Euro damals für Griechenland so bewertet wurde, vonden Griechen selbst. Ich habe zu meinem Mann gesagt, wer weiß, vielleicht hat er auf falelnde Kurse gesetzt, denn komischerweise zaubern die Griechen immer wieder mal ein paar Milliarden aus dem Hut, wenn es heißt ab Donnerstag sind sie zahlungsunfähig. Reine Spekulation, reines Bauchgefühl…. Ich beziehe das bitte nicht auf die Menschen dort, sondern nur auf ein paar wenige, die um Papandreou herum sind, die wenn das so wäre, eingeweiht wären.

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      warum er das gemacht hat? Mein Gefühl: Um den Griechen zu sagen „Ihr müsst euch jetzt entscheiden. Entweder, ihr sagt ja und geht mit und hört auf zu demonstrieren und zu lähmen und zu nörgeln, oder ihr sagt Nein und geht vor die Hunde.“ Ich denke, er wollte das Chaos beenden und Greichenland auf eine Linie bringen, der sich dann auch seine Partei und die Opposition unterzuordnen gehabt hätte. Nun war der zeitpunkt seiner Entscheidung fünf Tage nach dem Gipfel recht unglücklich und hat tatsächlich ein ziemliches Chaos angerichtet und das vertrauen in Griechenland als verlässlichen partner nachhaltig erschüttert. Aber es ist, wie Sloterdijk schreibt, so: Ein ins Wasser geworfener Stein bringt viele Wellen. Nun ist Bewegung i´n der griechischen Politik und es geht tatsächlöich darum, in Griechenland einen politischen Konsens zu finden. Zwischen Regierung und Opposition un d über den weg eventueller Neuwahlen im nächten Jahr dann auch über das Volk. Bislang war der stolprige Weg der Entschuldung wenig von Politik gekennzeichnet, da ging es mehr um „Hebel“ und Finanztechnik. Das geht aber nicht. da sind menschen, deren Einkommen wegbrechen. ich weiß, viele sagen: Selber schuld. Nur ist das eben politisch eine Katastrophe. Ein Pulverfass in Europa. Klar, dass die Menschen auf die Barrikaden gehen und nicht mehr ruhig und rational entscheiden. ich denke, hier hat Papandreou versucht, Druck aus dem Kessel zu nehmen. Ist in die Hose gegangen, hat aber einen politischen Prozess in Gang gesetzt.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Ich frage mich was die Griechen wählen werden, wenn momentande Regierungspartei und die Opposition gleichermaßen für den Euro sind? Eigentlich ist das eine verfahrene Kiste mit und ohne Schuldzuweisungen. Griechen sind im Grunde gute Kaufleute umso mehr verwundert das Verhalten sowohl der Bevölkerung als auch der Regierung. Auf der anderen Seite kann ich aber nicht verstehen, dass da kein Einsehen ist, dass nur die Gemeinschaft miteinander, ob mit oder ohne Euro, aus dem Schlamassel rundern kann. Sicher es werden durchaus einige bereichern, aber mein Gott, die gab es immer und die wird es immer geben, nicht dass ich das unbedingt gut heiße. Es bedarf weniger des Aktionismus als des Einsehens, dass etwas passieren muss. Es ist natürlich tragisch, wenn die Arbeitslosenquote so hoch ist, aber es gibt für das Land Möglichkeiten vor allem auf dem Gebiet der Stromerzeugung, nur um ein Beispiel zu nennen. Was immer auch passieren wird, ich hoffe, dass es so passiert, dass es für dieses wunderschöne, interessante Land vorwärts gehen wird.

        Herzlich
        Gitta

        1. Hi Gitta,

          ich denke, sie werden die Konservativen wählen, weil Papandreou wahrscheinlich entnervt zurücktreten wird. Papandreou ist jetzt erst einmal der Sündenbock in den Augen vieler Menschen, obwohl er ja das alles nicht verbockt hat. Die Ursachen liegen in der Vergangenheit. Und mal eben so durchmisten, ist nicht. Ein langer Weg. Strom erzeugen? Gute Idee. Solarförderung nicht in Deutschland, sondern da, wo die Sonne scheint. Griechenland als ein Ökostromlieferant für Europa. Das Problem: Im derzeitigen Chaos wird wohl niemand in Griechenland investieren. Wirtschaftlich ist das alles ein riesiges Desaster, was die immer weiter runterzieht. Dieses Jahr 5 % weniger Wachstum, wo die eh schon nicht so blühend da stehen. Mir kommt das so vor wie beim Monopoly, wenn auf allen eigenen Karten schon eine Hypothek lastet, die Liquidität bei Null ist und man dauernd auf die Parkstraße mit zwei Hotels kommt. Und dann sagen einem alle, dass man es nicht drauf hat und falsch gespielt hat und müsste das taktisch sehen und man hat überhaupt keine Ahnung von Wirtschaft. Da kann man nur noch aufhören zu spielen. Griechenland kann das nicht. Und eben eine neue Partie beginnen läuft auch nicht. Was tun? Hoffen auf die Großzügigkeit der anderen. Solidarität.

          Wir müssen Europa so bauen, das es besser funktioniert. Keine Ahnung, wie das im Einzelnen ablaufen soll. Das muss einerseits wachsen, andererseits von den Europäern wirklich gewollt werden. Nur zu sagen, es gibt keine Alternative, reicht nicht. Wenn man in einem Boot sitzt, muss man auch gemeinsam rudern. Möglichst in eine Richtung, sonst dreht man sich auf der Stelle oder fährt zurück. Wir werden nicht umhin kommen, Europa mehr Macht zu geben und die Nationalstaat zurückzufahren. Ein wenig erinnert mich das an die Entstehung Deutschlands aus der Vielstaaterei heraus. Leider wird dieser Prozess noch 50, 100 Jahre dauern. Wir werden ein wirklich geeintes Europa mit einem gemeinsamen Selbstverständnis nicht mehr erleben. Wir können schon froh sein, wenn wir irgendwann Deutschland nicht mehr in Ost und West unterteilen. es dauert…

          Liebe Grüße

          Jens

  10. Guten Morgen, lierber Jens,

    Deine Taktik ist auch meine.
    Hier stellt sich doch immer wieder die Frage, weshalb eine ganz bestimmte Nation, aber auch ganz bestimmte Menschen direkt vor unsrer Haustür – hier z.B. HartzIV-Empfänger – hergenommen und an den Pranger gestellt werden. Das kommt nicht von ungefähr, das hat System, ist der Herd, auf dem die Volksseele ihr Empörungssüppchen kochen kann, während die Gierrepräsentanten und ihre Vasallen aus der Politik sich freudig die Hände reiben können, da ihre Ablenkungsmanöver gar trefflich greifen.

    Da wir aber denkende Menschen sind, sollten wir ihnen nicht auf den Leim gehen, sondern nachschauen, was sie alles so zu unserem Schaden verbockt haben und immer noch fabrizieren. Das ist geradezu unsre Pflicht, denn wenn wir nicht aufpassen und immer wieder mahnen, wird die Gefahr des Abbaus von Bürgerrechten und Demokratie erst erkannt werden, wenn es endgültig zu spät ist.

    Auffallend ist doch, dass immer mehr angebliche Missstände von den Medien aufgegriffen und bis zum Gehtnichtmehr aufgebauscht werden, was dann wieder die den Ruf nach mehr Kontrolle nach sich zieht. Und so wird sukzessive die Generalüberwachung eingeführt, die letztendlich den legitimen Widerstand der Menschen bereits im Keim zu ersticken in der Lage sein wird.

    Ich denke, dass jeder auch im Kleinen dieser unheilvollen, entmenschlichten Zeit etwas entgegensetzen kann und das ist – klingt jetzt sehr pathetisch – die Liebe. Im Miteinander Solidarität üben, sei es am Arbeitsplatz, sei es im Freundes- und Nachbarschaftskreis, sei es als Kunde gegenüber einer Verkäuferin, die sichtbar erschöpft von einem langen Arbeitstag ist.
    Sich einmischen, wenn man Zeuge von Ungerechtigkeiten wird und auch deeskalierend eingreifen, wenn man merkt, dass beispielsweise ein Konflikt zwischen älteren Menschen und Jugendlichen aus dem Ruder läuft.
    Und immer wieder nachdenken und das eigene Verhalten reflektieren. Und nach der Devise „steter Tropfen höhlt den Stein“ für sich persönlich ein anderes Konsumverhalten entwickeln und versuchen, nicht ständig auf Schnäppchen und die günstigsten Angebote zu schauen, sondern auf Qualität zu achten.

    Hier machen wir i.M. die Aha-Erfahrung, wie wichtig es ist, ortsansässige Handwerksbetriebe zu unterstützen, die sehr ums Überleben kämpfen, weil sie im Würgegriff der Banken kaum noch Kredite bekommen. Da kann der Einzelne diesen Verschuldungskreislauf unterbrechen, indem er den Handwerker seines Vertrauens vorab bezahlt.
    Ich bin davon überzeugt, dass sehr viele Menschen äußerst kreativ sind und diese Fähigkeit sollten sie im Umgang miteinander sich nicht ausreden lassen, sondern sie nutzen wo es möglich ist.

    Ach, ich könnte schreiben und schreiben und hoffe, das war jetzt alles nicht zu verworren.

    Liebe Grüße Eva

    1. Liebe Eva,

      wie immer bei uns beiden, kann ich einiges teilen, einiges nicht. Hundertproznetig d’accord bin ich bei der Selbstverantwortung. Der eigene Blick, das eigenen Handeln. Das solidarische Eintreten für andere, das Mitgefühl. Das muss die Basis sein. Die entmenschlichte Zeit spüre ich nicht. Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich keinen fernseher habe und viele Bilder nicht sehe. Für mich übe ich hier ganz bewusst Seelenhygiene. Viele Bilder, viel Stimmungsmache möchte ich mir von den Sendern nicht in den Kopf schieben lassen. Thema Hartz IV. Ein Unwort, das ich nicht nutze. Wel disqualifiziert. Die Menschen haben Namen. Und sie gehören nicht nur einer Gruppe an. ich weiß, da geht gerne die Schublade auf und dann ist sie auch schon wieder zu. Das ist ein menschliches Problem zu einem großen teil auf individueller Ebene, weil Verurteilung von Mensch zu Mensch stattfindet. Ausgrenzung. Kürzlich hörte ich eine Gymnasiastin von „Unterklassen-TV für Hartz IV“ sprechen. Das hat mich umgehauen. Ich habe dann mit ihr gesprochen und sie hat relativiert. es dürfen die Menschen hinter den Bezeichnungen nicht vergessen werden. Deshal wehre ich mich auch gegen „die Griechen“. Schublade auf, alles Betrüger, Schublade zu. So ein Schwachsinn. menschen wie du und ich, die ihre Kinder lieben, die durchs Lben gehen wollen, die Ängste haben, Hoffnungen und aktuell jede Menge Sorgen.

      Liebe Grüße

      Jens

  11. Hallo Jens,

    natürlich werden hier Menschen mit abschätzigen Bezeichnungen abgewerten, keine Frage. Aber es gibt nun mal diese Medien und deren Macht sollte man nicht unterschätzen oder sich einfach wegdenken. Sie sind in der Lage, das Volk permanent zu benebeln und zu manipulieren und sie entsprechend ihrer „Schichtzugehörigkeit“ zu bedienen.

    Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die, abhängig von staatlichen Zuwendungen, sich einer permanenten Kontrolle und Diskriminierung ausgesetzt sehen, existiert, egal, ob man die Leistungen dann als Sozialhilfe oder HartzIV oder Damit-du-nicht-verhungern-musst-Gabe oder Existenzsicherungsminimalzuwendung oder was weiß ich bezeichnet.

    Sorry, es zu umschreiben, wie Du es offensichtlich tust, löst es nicht, sondern ist ein Euphemismus. Und dass der Gebrauch des von Dir in gewisser Weise tabuisierten Wortes „ein menschliches Problem“ „zum großen Teil“ auf „individueller Ebene“ ist, glaube ich nicht. Dahinter steckt ein gesellschaftliches Problem, das von Politik und Medien geschickt zum Schwarzer-Peter-Phänomen umgedeutet, den Bürger auf die falsche Fährte lockt. Er hat dann seinen Sündenbock und kann auf wen herunterblicken und gut ist für ihn.

    Ich denke, dass Du nicht nur wegen Deiner Fernsehkonsumverweigerung das Entmenschlichte nicht siehst, sondern das hat auch etwas mit Deiner beruflichen Situation zu tun, die Dir, bei allem, was sie an Überlebenssorgen durchaus mit sich bringen mag, Freiheiten gibt, die andere nicht haben.

    Denn hier hat sich in den vergangenen Jahren allmählich eine schlimme Wandlung vollzogen und die Menschen immer unselbständiger werden lassen. Sie werden gegängelt, kontrolliert, ihnen wird gedroht, sie haben in einer Tour die teilweise unsinnigsten Veränderungen in Bezug auf ihre Arbeitsaufgaben zu verkraften, die sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten.
    Für kleinste Fehler, werden sie fertig gemacht. Leisten sie gute Arbeit, wird ihnen immer noch mehr draufgepackt. Bestätigung bekommen sie so gut wie nie. Es herrscht eine Kultur des Misstrauensvorschusses, d.h. es wird nicht mehr davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter engagierte, kompetente Arbeit abliefert und eine ehrliche Haut ist, sondern dass sich kollektiv hinter jedem ein Faulpelz verbirgt, den man permanent zur Leistung antreiben muss. Nicht von ungefähr ist das auch immer DIE Begründung für die Ablehnung der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

    Ich kenne kaum jemanden, der in lohnabhängiger Arbeit ist, der sich an seinem Arbeitsplatz noch wohl fühlt. Mir fällt hier spontan nur ein Handwerker ein, der nichts auf seinen Chef kommen lässt, weil der fair, fürsorglich und vertrauensvoll mit seinen Mitarbeitern umgeht.

    Eine interessante Frage ist: Warum dürfen die der Arbeitsmoral so schadenden Vorgesetzten ungestört weiter ihr schlimmes Werk betreiben und somit u.a. verantwortlich sein für massenhaften Burnout und immensen volkswirtschaftlichen Schaden?

    Liebe Grüße Eva

    1. Hi Eva,

      du kannst dir denken, dass ich das etwas anders sehe. Zum einen hast du recht, ich habe andere Freiheiten. Ich habe Glück, ein Talent zu haben, mit dem ich freiberuflich arbeiten kann. Allerdings: Ich gehe auch volles Risiko. Wenn ich krank bin, bekomme ich kein Geld. Wenn die Wirtschaft einbricht, lebe ich von Erspartem. Kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, nicht einen Cent festes monatliches Einkommen. Ich bin jeden Tag zu maximaler leistung verdonnert, weil meine Texte jeden Tag auf dem Prüfstand stehen. Es gibt keine Standardleistungen, alles muss ich täglich neu erfinden. Fahre ich in Urlaub, verdiene ich nichts. Festen Urlaub habe ich die 15 Tage im Sommer, die ich mir nehem und dann noch einmal drei bis vier Tage zwischen durch, an denen ich mich wegschleiche und per Handy erreichbar bin. Das heißt: Meine Freiheit hat ihren Preis, aber den bin ich bereit zu zahlen.

      Wir leben in Deutschland auf einem hohen Niveau, das in der welt von nicht vielen Ländern erreicht wird. Unterhälst du dich mit Entwicklungshelfern oder menschen, die viel in der sogenannten 3. Welt unterwegs sind, dann ist der materielle Wohlstand hier enorm. Viel Druck, der entsteht, ist auch selbstgemacht. Wobei ich zugebe, das es wirklich schlechte Unternehmen gibt, die einfach schlecht organisiert sind und mit Druck arbeiten. Dieser Druck ist ein Wachstumshemmnis. Intelligente Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter/innen gut. Und ich muss sagen, ich kenne einige Unternehmen, die da durchgehend für ein positives ASrbeitsumfeld stehen. Deine generelle Aussage, dass sich kaum noch jemand wohl fühlt, kann ich nicht teilen.

      Und dannbleibt da natürlich auch die Aufgabe, schlechte Zustände zu ändern. Auf die Straße zu gehen. Das wird allmählich mehr, aber viele Menschen zeigen immer noch mit dem Finger auf Demonstrierende. Wie lange wurde die Anti-AKW-Bewegung belächelt? Und wie viele Menschen lesen freiwillig die Zeitung mit den großen Buchstaben und lassen sich aufhetzen? Wir leben in einem relativ freien Land, in dem sich viele aus der Politik zurückgezogen haben. Wer sich zurückzieht, gibt Positionen preis. Aufklärung. Kant. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Wer sich durch Medien und Politik in Unmündigkeit halten lässt, obwohl es viele Möglichkeiten gibt, Einfluss zu nehmen, der hat ein Problem. 1848 sind die Menschen aufgestanden. Büchner. „Friede den Hütten, Krieg den Palästen.“ 1871. Paraiser Kommune. 1918, Berlin, der Kampf in den Zeitungen. 2011. Stuttgart 21, Anti-AKW-Demonstrationen, 99%-Bewegung mit wenigen Tausen teilnehmenden in ganz Deutschland. Ich glaube, so schlecht geht es den meisten nicht. Zumindest materiell. Was meines Erachtens nicht stimmt, ist die Mitmenschlichkeit. Nur die ist von Menschen gemacht. da sind Vorgesetzte, die ohne Not drangsalieren. Die könnten auch anders sein. und das ist nicht immer eine Sache der Arbeitgeber-Ausbeuter, sondern oft eigene Unsicherheit. Nur da müssen wir uns als Bürger/innen an die eigene Nase fassen, weshalb wir so leben wollen. Weshalb wir bereit sind, uns untereinader so zu zerstreiten.

      Gestern habe ich die Leserbriefe unserer Zeitung zu Greichen land gelesen – um zurück aufs eigentliche Thema zu kommen -, und ich war teils unangenehm berührt. Wie über die „Griechen“ hergezogen wird. Weshalb? 17 % Arbeitslosigkeit, 40 % bei den 17 bis 25-jährigen. Da ist meines Erachtens Mitgefühl angebracht. Solidarität. Wie kreigen wir als Europa Griechenland wieder auf Kurs? Stattdessen Beschimpfungen und immer neue Vorwürfe, wo die „Griechen“ betrügen und das Geld zum Fenster raus werfen. Sozialneid. Weshalb? Wozu? Was bringt das? Wie ein altes Ehepaar, das nur noch aufeinander einschdrischt. Ist doch Unsinn. Das löst nichts, gar nichts. Vergiftet die Atmosphäre. Ich glaube, deutschland hat in erster Linie ein Freundlichkeitsproblem. Ein Problem der Solidarität. „Guck mal, was der Hartz-IV-Empfänger für ein Auto fährt! Von meinem Geld.“ Da ist jeder aufgerufen, sich an die eigene Nase zu fassen und diesem Land zu mehr Gemeinschaft zu verhelfen. Egoismen auszuschalten. Das lässt sich nicht verordnen, da muss schon jeder so viel Zivilcourage haben, für seinen nächsten einzustehen.

      Liebe Grüße

      Jens

  12. Hallo Jens,
    dass Du in deinem Job nur Honigschlecken hättest, habe ich ja nie behauptet, sondern, im Gegenteil, darauf hin gewiesen, dass du schon deine „Überlebenssorgen“ hast.

    Nach einem Klassentreffen am Wochenende muss ich es aber trotzdem wiederholen: Es gibt nur noch ganz wenige Menschen, die mit ihrer Arbeitsplatzsituation zufrieden sind und das weniger in Bezug auf den Verdienst, sondern wegen des Arbeitsklimas, das geprägt ist von unsinnigen Anordnungen, Kontrolle, Misstrauen, Stress und mitmenschlicher Kälte und dem Damoklesschwert der jederzeit drohenden Entlassung.

    Dass es uns allen, im Vergleich zu anderen Staaten immer noch sehr gut geht, ist unbestritten, sollte uns aber nicht dazu verführen, hier die allgemeine große Dankbarkeit darüber ausbrechen zu lassen und uns zurückzulehen. Wir sind nämlich in großer Gefahr, unsre Demokratie zu verlieren.

    Natürlich liegt die ganze Entwicklung nicht nur an den „bösen Arbeitgebern“, sondern am jedem Einzelnen und das ist auch etwas, das mich sehr traurig macht: Den Menschen geht immer mehr die Fähigkeit zur Solidariät ab, sie verpetzen des eigenen Vorteils wegen die Kollegen, die Arbeitsnehmervertreter Gewerkschaften sind unterwandert von Pseudogewerkschaften, die geschickt über Jahre hinweg von Konzernen in Betriebe und Behörden eingeschleust wurden und im Grunde genommen nur deren Interessen vertreten. Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust geht wie ein Gespenst um und treibt die Menschen immer stärker ins sich-Kuschen.

    Gesamtgesellschaftlich wurde hier auf ganzer Linie umgebaut. Das geschah jedoch nicht im Hauruck-Verfahren, sondern sukzessive. Und wenn wir momentan noch eine relativ funktionierende Demokratie haben, so sollten wir uns nicht in Sicherheit wiegen und uns darauf ausruhen, denn hier findet ein schleichender Abbau von Rechten statt.

    Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass sich die Menschen im Land in ganz offener, aber auch versteckter Leiharbeit, 400.- €- Jobs und anderen Grausamkeiten wiiederfinden? Wer hätte geglaubt, dass sich selbst besonders qualifizierte Menschen immer häufiger in HartzIV wiederfinden? Welcher ehemaliger Student wusste, dass er als ewiger Praktikant – und das zuweilen sogar ohne jegliche Bezahlung – jahrelang einer Festeinstellung wie der bekannte Hund der Wurst an der Angel hinterherrennt?

    Wir sind überrumpelt worden und stehen nun ratlos vor einer Entwicklung, die ungut ist für unser Gemeinwesen, für unsre körperliche und seelische Gesundheit.

    Der „Den-Kindern-in-Afrika-geht-es-richtig-schlecht-Vergleich“ passt m.E. nicht, um sich zufrieden mit der eigenen Sitution zurückzulehnen und dankbar übers eigene Schicksal zu sein. Dass es diesen Kindern so schlecht geht, hat was mit unserem eigenen gierigen Prassen zu tun und nicht mit unserer seelisch- moralischen momentanen Befindlichkeit und ist durchaus ein weiteres Thema.

    Mir geht es um die Befindlichkeiten der Menschen im Land, nicht um das Monetäre und ob ich mir nun 10 oder 15 Tage Urlaub leisten kann.

    Es geht um Werteumdeutungen, um Gier, um die Macht der Konzerne, um Kulturverlust, um um die uns allmählich auffressende Generalökonomisierung unserer Gesellschaft, auf die immer mehr Menschen zum Glück ganz „gesund“ reagieren, indem sie z.B. ein Burnout bekommen, das Warnsignal unserer Zeit.

    Liebe Grüße Eva

    1. Hi Eva,

      mit manchem bin ich einverstanden, mit manchem nicht. Eine sehr große Gefahr, unsere Demokratie zu verlieren, sehe ich nicht. Dass der Arbeitsalltag ruppiger geworden ist, das empfinde ich auch so. Der Preisdruck ist enorm. Oft wird zuerst die Frage gestellt: Was kostet das? Dann geht es an die Inhalte. Das schon mal anders. Hinzu kommen sehr kurzfristige Termine – extrem schnelles Arbeiten ist gefordert. Job rein, Job raus. Das Tempo ist enorm, nicht zuletzt wegen des Internets. Früher erhielt ich Briefings per Post. Bis zu zwei Tage Wartezeit. Heute: Mail rein und los. Zeit läuft.

      Allerdings muss ich sagen, dass ich selbst verantwortlich bin, Druck raus zu nehmen respektive Ausgleich zu schaffen. Meditiren, mit dem Hund gehen sind nicht nur Hobbys. Schöne Bücher lesen, nette Musik hören, Freunde treffen, Gedichte schreiben – das ist für mich Ausgleich. Das hilft mir, dem Burnout vorzubeugen. Nun lese ich oft, wie hoch der Fernsehkonsum in deutschland ist. Wie viele Stunden die Menschen vor der Kiste sitzen. Das ist kein Ausgleich. da kommen noch schlechte Nachrichten rein, die zusätzlich Ängste schüren. da ist jede und jeder aufgefordert, sein eigenes Seelenheil herzustellen. Dazu haben wir in Deutschland einfach sehr gute Möglichkeiten, weil wir ein demokratische Land mit einem hohen Maß an individueller Freiheit sind. Kürzlich habe ich gelesen, dass menschen, die ehrenamtlich tätig sind, glücklicher sind. Ja.

      Loslassen, sich nicht auf all das Negative stürzen, Ausgleich suchen, Mitmenschlichkeit – da sind wir alle aufgefordert, an einem besseren Umfeld und Miteinander mitzuwirken. Aktiv. Es wird aber nur allzu gerne geschimpft und nach Schuld gesucht. Die Griechen sind es, die Politiker, die Konzerne, die Ausländer, die Beamten, die Lehrer, die nichtsnutzigen Studenten, die Sozialschmarotzer, die überbezahlten Bundesligastars. Es findet sich immer jemand, der am Unglück schuld ist. das ist ein Hin- und Hergeschiebe. Allein wie viel Frust im Internet abgelassen wird – was unter dem Deckmantel der Decknamen rausposaunt wird. Beschimpfungen, Beschuldigungen. In Zeitungen sind Leserbriefe mit namen unterschrieben. dann wird noch gesiebt. Im Internet gibt es oft Sachen zu lesen, die sind unter aller Kanone. Das kommt alles miktten aus unserer Gesellschaft heraus. Wir sind es als Bürger, die den Staat machen. Wir prägen Gesellschaft mit unserem handeln. Wenn wir uns Egoismus und gegenseitiges Beschuldigen auf die Fahnen schreiben, dann ernten wir dementsprechen eine Gesellschaft voller Missgunst. Nehme ich mich nicht aus. Ich bin auch ab und an wütend und schreibe dann wüst zum beispiel gegen einen Spiegel-Blogger. Und verlasse da die konstruktive, sachliche Ebene. Für mich steht nach wie vor die Verantwortlichkeit des Einzelnen für sein handeln im Mittelpunkt. Das ist die Herausforderung. Sind wir Bürger/innen oder Schnarchnasen…

      Liebe Grüße

      Jens

  13. Hallo Jens,
    ich bin wirklich alles andere als eine Schnarchnase. Ich könnte mich weiß Gott bequem zurücklehnen, denn ich habe finanziell mein gutes Auskommen und zudem wenig Ansprüche. So bin ich viele, viele Jahre lang nicht in den Urlaub gefahren und habe ganz bescheiden und relativ umweltbewussst gelebt – grad auch was die Reiserei anlangt, die ja eine gewaltige Umweltbelastung mit sich bringt- und werde das auch weiter tun, wenngleich die veränderte familiäre Situation mich nun zum häufigeren Verreisen zwingt.

    Ich kann mich nur wiederholen: Den Menschen geht es am Arbeitsplatz zunehmend schlechter, das ist ein Fakt, der nicht mehr zu leugnen ist und zum Glück allmählich auch immer häufiger öffentlich problematisiert wird.
    Wie würdest Du z.B. damit umgehen, wenn deine Firma- wie meiner Freundin passiert – nun sogar in Überfallmanier „Wissensüberprüfer“ ausschickt, die ganz plötzlich hinter dir stehen und dich mit Fragen wie „Mit welchen Ländern hat unsre Bank keine geschäftlichen Verbindungen?“ überfällt und diverse andere abstrusen Kontrollen etabliert, deren Ergebnisse du dann im halbjährlichen Beurteilungsbogen wiederfindet – und das bei einer Arbeitsüberlastung, die dich nach dem dem Nachhausekommen nur noch total erschöpft ins Bett fallen lässt ? Ich nenne Dir gern weitere Beispiele aus dem Themenkreis „systematische Schikanen und sonstige Absonderlichkeiten am Arbeitsplatz bei gleichzeitigem Mangel an Solidarität“.

    Da nützt Dir auch die beste Meditation nichts – spätestens am nächsten Morgen hast Du es wieder mit im Kopf und Seele ziemlich unterentwickelten Zwischenchefs zu tun, die nach oben buckeln und nach unten treten. Diese Zeitgenossen feiern nämlich i.M. eine fröhliche Auferstehung aus der Mottenkiste.

    Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mir geht es wirklich nicht um mich selbst, denn ich bin ja nicht direkt betroffen. Aber anderen geht es schlecht und es bringt sie nicht weiter, wenn ich gute Musik höre oder die Katze streichle und ihnen selbiges empfehle. Sie werden sich nicht erst genommen fühlen.
    Ich bin ein politischer Mensch, der mitnichten überall das Schlimme wittert, sondern Realistin, die sensibel auf bedenkliche Veränderungen reagiert und das finde ich auch gut so.
    Gut finde ich übrigens auch, dass Du diesen Spiegel-Journalisten ätzend findest. Das ist er nämlich in der Tat und eine „konstruktiv-sachliche Ebene“ ist bei solchern Leuten vergebene Liebesmühe.

    Ich glaube, wir beide finden meinungsmäßig wirklich nicht zusammen, was meinerseits aber kein Problem im Umgang mit dir ist. Ich hoffe, Dir geht es genauso.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend Dir!

    Eva

  14. Hi Eva,

    ich finde das auch gut, dass du dich politisch einsetzt und dass du dran bleibst. Keine Frage. Wir nähern uns einfach aus unterschiedlichen Richtungen und nutzen verschiedene Wege. Das ist legitim und gut.

    Ich denke, wir können die Diskussion, die ein wenig vom eigentlichen Thema abgedriftet ist, nun beenden. Mir hat es Spaß gemacht, mich mit dir hier ein wenig zu reiben. Das ist gut, weil es hinterfragt und aufwühlt und Sichtweisen ein klein wenig verändert.

    In diesem Sinne danke ich dir für dein Engagement und deine Ausdauer. Man muss schon ziemlich lange scrollen, um hier unten zum letzten Kommentar zu kommen.

    Liebe Grüße

    Jens

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