Lust auf Licht!

Das ist jetzt schon tatsächlich eine reichlich herbe Umstellung. Cooper und ich waren gerade draußen, um per täglichem Spaziergang unten im Wiehltal in Natur und Wetter einzutauchen. Was uns dort begegnet ist, hat mich tatsächlich schockiert: Eine grüne Landschaft im halbdunkel. Fetter Deckel drüber. Nicht mal der Hauch eines Strahls der aufgehenden Sonne. Nun wissen Cooper und ich genau, wo die ersten Sonnenstrahlen normalerweise um die Ecke linsen. Nix. Überhaupt rein gar total nix.

Das nimmt mich mit, ehrlich gesagt. Denn irgendwie ist dieser graue Deckel da gerade näher am Boden als das in den Regenphasen der letzten Wochen der Fall war. Nun habe ich versucht, mit Tricks aus dem Dilemma zu kommen, bevor mein Körper da irgendwie durch Lichtmangel schon jetzt hormonell auf Herbst umgestellt wird. Ich will noch nicht! Lasst mich einfach noch ein wenig hier bleiben, ich komme dann nach. Tschaui, bis später!

Jetzt sitze ich hier und habe alle Lampen eingeschaltet, was aber nicht wirklich nach Sonne aussieht – eher im Gegenteil. Die Duftlampe mit Kerzenschein und Orangenöl versucht vergeblich hier lockere Spanienstimmung aufkommen zu lassen. Das Problem der ganzen Sache dürfte, soweit die Ergebnisse meiner 5-Sekunden-Google-Forschung ergeben haben, beim Hormon Melatonin liegen. Das baut der Körper in der Dunkelheit auf, weil es da wohl Sinn macht. Sobald es hell wird, baut der Körper es wieder ab. Ein ewiger Kreislauf, ein dauerndes auf und ab – da sollte man sich eigentlich über nichts mehr wundern. Tja, mache ich aber doch. Ätsch. Wieso, jetzt würde ich gerne fluchen, verkneife es mir aber aus Höflichkeit und Rücksicht auf anwesende Sprachästheten, also wieso haben wir es in der Evolution bis zu einem mondfahrenden Wesen geschafft, wenn uns bei fehlendem Licht dieses Hormon Melatonin in Stimmungsschwankungen bis hin zur Winterdepression versetzt? Wieso, weshalb, warum? Weshalb kann Melatonin nicht durch die Einnahme von Lakritz oder Gummibärchen abgebaut werden, he? Würde doch Sinn machen.

Gut, mit Melatonin schlafen wir scheinbar besser. Aber das sollten wir doch in der Nacht tun und nicht am Tag, wenn das Melatonin nur langsam und bei ausreichendem Licht abgebaut wird – und so lange es nicht abgebaut ist, für Zweifel, Missmut und andere Unschönigkeiten sorgt. Tricks müssen her, schließlich sollten wir alle den Tatsachen ins Auge blicken und uns auf die unaufhaltsamen Dinge, die da kommen werden in den nächsten Monaten, vorbereiten. Kerzen kaufen, Tageslichtlampen, noch mehr positiv wirkendes Duftöl und, und, und. Ich schaue mir schon jetzt die Fotos vom Sommerurlaub an und tanke Sonne. Korsische Sonne. Füße im Meer, das Meer ist so warm, der Himmel so blau, der Tag so hell. Ich tauche ein ins sonnenbeschienene und sonnenerwärmte Meer und spüre die Klarheit und Kraft auf der Haut, im Körper und in meiner nach Licht und Schönheit lechzenden Seele (oh, oh – Rosamunde Pilcher).

Also mein Tipp des Tages: Licht an! An die Sonne denken und trotz Wolkendeckel bei einem Spaziergang draußen (nicht in die Kaffeeküche, die Kantine oder das Ende des Flurs!) Tageslicht tanken. Jetzt kommt es darauf an, gut vorbereitet in den Herbst zu gehen und der kommenden Dunkelheit gut gewappnet entgegenzutreten. Wieso geht der Sommer immer so schnell vorbei und der Winter will überhaupt nicht aufhören? AAAAAAAH! Ich will noch nicht. Hm. Hilft ja mal nix. Es kommt, wie es kommt. Und wieder treten die herbstlichen Auswanderungsgedanken auf – es gibt auch andere schöne Ecken auf der Welt… Euch alles Liebe und Licht, Licht, Licht. Jens.

P.S. – Übrigens gibt es jetzt in Hamburg ein lichtdynamisches Bürohochhaus.

10 Antworten auf „Lust auf Licht!“

  1. Es tut auch gut, den Herbst einfach anzunehmen wie er ist. Den Kreislauf zu akzeptieren, zum einen lässt er sich eh nicht ändern, und zum anderen hat er doch auch einen Sinn. Die Zeit im Herbst lädt einen doch förmlich zur Ruhe ein … Es ist ein schönes Gefühl, wenn man es schafft sich ein paar Minuten Auszeit zu gönnen, die Augen zu schließen, sich wohlfühlen in sich, spüren dass in einem selbst ein Licht brennt …

    In diesem Sinne, einen schönen Herbst, und ja, einen mit viel Licht und kuscheligem Kaminfeuer, knisterndem Laub, bunten Wäldern, heißen Maronis …

    Lieben Gruß, Ju

    1. Liebe Ju,

      du hast den ersten Kommentar in meinem neuen Blog geschrieben. Vielen Dank.

      Das mit dem Kreislauf akzeptieren fällt mir am Ende des Sommers immer schwer, weil ich das viele Licht in den Sommenmonaten so sehr mag. Und die Wärme. Im Winter packe ich mich immer in viel Wolle ein, was auch ein schönes Gefühl ist, aber ein wenig die körperliche Freiheit nimmt.

      Wenn der Herbst dann so richtig da ist, dann geht das auch. Und sicher, die richtig schönen Herbsttage sind natürlich klasse – wenn die Sonne scheint. Das Ofenfeuer brennt schon jetzt bei uns, weil es abends hier recht kühl wird. Das ist natürlich schon sehr schön, im Hängesitz abzuhängen, das Feuer zu spüren und ein gutes Buch zu lesen.

      Viele, viele Grüße

      Jens

  2. Hi Ju,

    ja, hier ist ganz schön was los. Das freut mich. Ich bekomme gutes Feedback und bin sogar schon angerufen worden. Persönliches Lob von Mensch zu Mensch. Wunderbar. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern und Schmökern und wünsche gute Unterhaltung.

    Liebe Grüße

    Jens

  3. So true! Mir geht der Sommer auch immer viel zu schnell vorbei… Und das mit Licht: auch der liebe Gott fand’s zu dunkel auf der Erde und sprach: „Es werde Licht“, seine ersten Worte. Das erklärt doch alles. Let the sun shine in!
    Auf einen schönen, sonnigen Herbst und vielleicht ja doch noch ein paar Altweibersommertage….
    LG Uta

    1. Hi Uta,

      es werde Licht. Schöner Satz. Ein paar schöne Tage wären schon nett. Mein Barometer sagt allerdings erst einmal Lichtdürre voraus. Hoffen wir.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Hallo Jens,
    auch ich war heute richtig schockiert darüber, wie schlagartig sich das Wetter geändert hat. Hier war es richtig ungemütlich und deutlich kälter als gestern. Also habe ich die Herbstjacke hervorgewühlt. Aber unser Mops freut sich ohne Ende über das kühlere und sonnenarme Wetter. Endlich kann sie wieder laufen ohne nach einer Minute zu hecheln wie eine asthmatische Ameise mit schweren Einkaufstaschen. Ich denke, die Jahreszeiten sind schon in Ordnung. Ich bin eine Jahreszeitenmensch. Ich freu mich irgendwie auf dunklere Tage, Kamin und Decke auf dem Sofa. Blöd ist, dass man bald draußen kein Tennis mehr spielen kann. Diese Laune schlägt aber radikal um, nach Weihnachten. Der Januar ist ganz schlimm, der Februar noch schlimmer. Aber bis dahin ist es ja noch ein Weilchen,

    Gruss NIcola

    1. Hi Nicola,

      so weit mag ich gar nicht voraus denken. Momentan sind wir allerdings schon damit beschäftigt, die Holzvorräte in den Keller zu bekommen. Das getrocknete Holz muss gesägt werden – das dauert einen Samstag und ist recht anstrengend. Aber dafür lodert es dann schön im Ofen. Kuschelig. Das ist schon ein positiver Aspekt der nahenden Zukunft des Dunkels.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Ja, in drei Tagen wird der fiftyfiftyblog 3. War einer der ersten Beiträge. Damals. Und: Passt noch:)

      P.S. Samsara – das Rad des Leidens. Das Hamsterrad unserer selbstverschuldeten Verzweiflung. Grins.

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