Männer, kümmert euch um eure Söhne!

Männer im fiftyfiftyblog? Kommen, glaube ich, nicht ganz so häufig vor. Dennoch richtet sich dieser Beitrag heute eher an Männer. Genauer gesagt an Väter, an Väter von Söhnen. Weshalb? Weil ich gestern auf dem Elternabend in der Klasse meiner Tochter war. Waldorfschule. Die machen ja immer so Sachen, die allgemein nicht ganz so üblich sind. Ich meine nicht Elternabende, obwohl die hier fast monatlich stattfinden, was sicherlich so auch nicht die Regel ist, sondern den Unterricht begleitende Dinge. Projekte.

In Waldorfschulen geht es ja in erster Linie darum, die bestmögliche individuelle Entwicklung sowohl körperlich wie auch geistig zu ermöglichen. Es geht also nicht um das Fitmachen für Uni und Arbeitsmarkt über Stoffvermittlung (das natürlich auch, ist ja Pflichtprogramm des verbindlichen Lehrplans und viele legen auch trotz oder wegen anderem Unterricht gute Abschlüsse bis zum Abi hin). Deshalb kommen öfter auch andere Menschen in den Unterricht, die das Leben und den Weg auf die eigenen Füße aus anderer Sicht sehen und begleiten.

Ein Beispiel wurde gestern vorgestellt. Ein Jungenprojekt. Ein Vater unserer Schule ist Coach, der auch therapeutisch arbeitet. Er hat sich Männerarbeit auf die Fahnen geschrieben, mit der er bei Jungen anfängt. Das Credo die „Jungs gehen heute in der Schule unter“ haben wir ja alle schon gehört. Für die Mädchen wird aus Emanzipationsgründen einiges getan, die Jungen sollen mal Fußball spielen gehen. Wäre ja eine gute Sache, wenn sie es tun würden.

Der Vater und Coach hat über das Projekt gesprochen und einige interessante Thesen aufgestellt. Erstens: Jungen brauchen ihre Väter. Vor allem vom siebten bis zum vierzehnten Lebensjahr. In der Phase, in der sie ihr Ich entwickeln, ihre Identität und auch ihre männliche Identität. In dieser Phase orientieren sich die Jungen in erster Linie an den Papas. Der kleine Löwe schaut, wie es der große Löwe macht. Und die kleinen Löwen schauen ganz genau nach, um später gut zurecht zu kommen. Lernen durch abgucken.

Ist der Papa nicht da, weil dauernd auf der Arbeit oder geschieden und weg oder lieber alleine mit dem Motorrad unterwegs oder was weiß ich, schaut der Sohn in die Röhre. Zweitens: Viele Väter hätten ein schlechtes Gewissen ihren Jungen gegenüber und würden deshalb zu Spaßvätern, die dann am Wochenende immer tolle Sachen unternehmen. Alles ist super, nichts trübt das Vergnügen. Was entsteht? Eine verschobene Sicht auf das Leben, das ja nun mal auch immer wieder unangenehme Überraschungen auf der Tagesordnung hat.

So Captain, say what! Ja. Väter, Papas müssen sich um ihre Jungen kümmern. Die Ausrede „ich habe keine Zeit, ich muss Geld verdienen“ ist da kontraproduktiv und kann nicht wirklich zugelassen werden, auch wenn es sicherlich nicht einfach ist, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen. Aber: Was zählt? Was der Vater dem Sohn im Alter von 7 bis 14 Jahren nicht mit auf den Weg gibt, ist nicht da. Fehlt. Muss substituiert werden. Die Jungen holen sich das dann bei außerfamiliären Vorbildern und Vaterfiguren. Das können Stars oder wer auch immer sein. Das ist natürlich einseitig und hat auch wieder wenig mit dem wahren Leben zu tun und dem, was uns im Leben an Herausforderungen erwartet. Es ist also eine Vaterentscheidung, wie sehr sich der Mann als Papa darum kümmert, seinem männlichen Kind echte Unterstützung zu geben. Aus der Praxis heraus erzählte der Coach und Therapeut, dass er oft auf Jungen und Männer treffen würde, denen der Vater in der wichtigen Zeit gefehlt hat oder fehlt. Das würde immer zu Problemen führen. Zu Übersprungshandlungen oder Versuchen der Ersatzbefriedigung, was seiner Meinung nach auch erklären würde, weshalb Männer ein höheres Suchtpotenzial hätten.

Was ist zu tun? Erst einmal innehalten. Schauen, wie es bei euch ist. Wo liegen die Prioritäten? Seid ihr für eure Söhne im Alter von 7 bis 14 Jahren wirklich da? Als authentisches Vorbild mit Ecken und Kanten? Es ist eine zentrale Lebensentscheidung. Für euch und eure Söhne. Seid ihr nicht da, kommt der Tag, an dem der Sohn fragen wird: „Wo warst du?“ Das bedeutet also, dass da immer etwas zwischen euch und euren Jungen steht. Das ist natürlich keine Perspektive. Sollten diese Infos für euch in der Form neu sein, dann überdenkt sie, bevor ihr sie ablehnt. Vielleicht stöbert ihr mal im Internet oder lest ein Buch zum Thema. Leider kann ich euch keines empfehlen – aber dafür gibt es ja Buchhändler/innen.

Und ihr, liebe Frauen, die das jetzt gelesen habt, mischt euch da bitte nicht ein. Ihr könnt vielleicht mal anregen, diesen Text hier zu lesen, aber letztlich ist das eine Sache zwischen euren Kerlen. Das müssen die schon selbst austragen, so hart das Zusehen auch sein kann…

36 Antworten auf „Männer, kümmert euch um eure Söhne!“

  1. Hallo Jens,

    warum, frage ich Dich, lieber Jens, sollen wir Frauen uns da heraushalten? Willst Du, daß wir – sehenden Auges – zuschauen, wie unsere Jungs leiden, weil der Vater samstags lieber arbeiten geht als sich um seine Familie zu kümmern, weil der Vater sich keine Zeit für die Jungs nimmt und lieber etwas mit seinen Kumpels unternimmt, weil Sohnemann anstrengend ist? Sollen wir zuschauen, wie die Jungs den Vater anhimmeln, seine Liebe suchen und ein „Nein“ kassieren müssen? Sollen wir zuschauen, wenn der Vater geht, wenn der Sohnemann gerade erst 12 Jahre alt ist und seinen Vater braucht, und der Vater beleidigt ist, weil der Sohn nicht mit ihm sprechen will? So in dem Sinne: Wir Kerle krieben das schon geregelt! Jens, die Mutter möchte ich sehen, die da nicht versucht, zwischen den Fronten zu intervenieren, entweder dem Jungen einen kleinen Schubs Richtung Vater zu geben, oder den Vater darauf hinzuweisen, daß er der Erwachsene ist und versuchen soll, den Jungen zu verstehen. Ich würde Dir meinen Sohn gerne ein paar Tage ausleihen, damit Du siehst, wie kaputt er seelisch ist. Dazu hat sein Vater erheblich beigetragen. Danach kannst Du sagen: Mütter, haltet euch heraus. Aber erst dann.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ich kann deinen Frust und deinen Ärger verstehen. Aber: Hättest du etwas ändern können? kannst du, wenn der Vater nicht will, ihn da hinbringen? Ich meine mit raushalten vor allem, sich nicht einmischen, wenn die das aufbauen. Da als vornehmlich Erziehungsausführende, wie es nun einmal meistens ist, nicht reinintervenieren und mitmischen wollen. Denn: Manches, was zwischen Jungs und Vätern abläuft, verstehen Frauen nicht und sehen das mit anderen Augen. Für mich ist es wichtig, da sensibel m,it umzugehen.

      Wenn es wie in deinem Fall scheinbar ist, dass der Vater den Erziehungsjob ablehnt, dann ist wohl Hopfen und Malz verloren. Wenn ein Vater das nicht aus eigenem Antrieb leisten kann oder will, dann wird sich das kaum erzwingen lassen. Das ist sicherlich ätzend, das mit anzusehen. Aber: Darum geht es mir ja gerade, die Männer anzusprechen. Ihnen zu sagen, denkt mal nach. Die Väter, die gerade Söhne in dem Alter haben und für die das Thema Relevanz hat. Steht ja als Anrede drüber: Männer…

      Für mich ist das Thema in seinen Grundfesten auch durch. Jim ist jetzt 14 und ist mental schon auf einem anderen Planeten. Ich begleite ihn noch, aber er ist auf seinem Weg unterwegs. Ab 14: Vorbei. Thema Männervorbild zu Ende. Entweder es hat geklappt, oder es geht ans Reparieren. Sorry, aber ich denke das ist die grausame Wahrheit.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hi Jens und Annrgret,
    ich denke schon, dass Väter und Söhne das unter sich ausmachen müssen. Es ist doch tatsächlich eine Dynamik, die Frauen nicht verstehen – sonst könnten sie es selber machen. Allerdings geben ich Annegret recht: wenn der Papa sich fein raus hält, dann ist das natrülich nix. Aber genau das schlägt Jens nicht vor. Er sagt: Mütter sollten sich dann zurücklehnen, wenn da eine Interaktion da ist.
    Wobei ich aus eigenerErfahrung beitragen kann, dass viele Männerbeziehungen, und auch Vater-Sohn-Dinger, einer Frau eher nicht wie eine Beziehung aussehen, und sie mit besten Absichten versucht sein wird, das zu „reparieren“.
    Ciao, rocktpapa

    1. Hi rocktpapa,

      ja, das müssen Väter und Söhne untereinander ausmachen. Geschieht das unter weiblicher Führung, Anleitung oder Einmischung, läuft das schief. Das heißt ja nicht, dass man da nicht mal grundsätzlich drüber reden kann oder soll. deshalb unter anderem ja auch dieser Bericht. da kann man sich schon – wertschätzend – Gedanken machen, ohne einen Fahrplan für den Mann festzulegen. gehen Väter da nicht ihren eigenen Weg in die Erziehung, entsteht eine Schieflage.

      Mir wäre es aber lieber, wir würden hier über das eigentliche Thema sprechen und nicht über den letzten Satz aus dem Beitrag. Männer, schreibt, kommentiert.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens & Alle,

    das ist ein super wichtiges Thema, was der Coach Euch da auf die Tafel geschrieben hat, liebe Männer:-). Als Frau von 40 Jahren kann ich nur bestätigen, dass es eine Menge erwachsener Männer gibt, die nicht so richtig in ihre Männlichkeit „initiiert“ sind. Warum ich als Frau das spüren kann: es fühlt sich für mich GANZ anders an, in der Gegenwart eines Mannes zu sein, der in seiner Männlichkeit angekommen ist, als in der Gegenwart eines Mannes, der nur die äußerlichen „Männlichkeitsattribute“, die die Gesellschaft gerade schiebt, übergestreift hat.

    Ich kann Männlichkeit hier gar nicht genau definieren, ich kann es nur erspüren, es ist eine energetische Geschichte, die sich auch auf mein Verhalten auswirkt. Wenn ein Mann in seiner männlichen Kraft steht, entspanne ich mich. Immer. Und wenn er nicht in seiner Kraft steht, überfordert er mich, hat Erwartungen, die ich nicht erfüllen kann und stresst mich einfach. Daran merke ich es, ob ein Mann z.B. eine Mutter hatte, die ihm den Arsch nachgetragen hat und ihn gleichzeitig jedesmal, wenn er als Kind Gefühle gezeigt hat, ausgeschimpft hat, oder ob er als Junge erfahren hat, dass ER in der Lage ist, Sicherheit in sich selbst zu schaffen, in dem er die Dinge von innen heraus souverän handelt.

    Ich gehe stark davon aus (auch weil ich es im Leben beobachte), dass wenn der Vater abwesend ist und keine anderen Rolemodels da sind, Mütter sich der unmöglichen Aufgabe gegenüber sehen, ihre Jungs in die Männlichkeit einzuweihen. Dafür müsste eine Frau aber zunächst in ihrer Weiblichkeit angekommen sein UND das höchste Potential von Maskulinität kennen und schätzen. Ich erlebe jedoch eher in meinem Umfeld, dass Frauen krampfhaft versuchen, ihren 6-jährigen das Weinen mit Sprüchen wie „Heul nicht wie ein Mädchen“ abzugewöhnen. Ich habe noch nie einen Vater erlebt (der seine Verantwortung ernst nimmt), der SO etwas zu seinem Sohn sagt. Die machen das ganz anders und fördern eher die Fähigkeit ihrer Söhne, positiv mit Frustration und Emotionen umzugehen, als dass sie dazu anleiten, diese zu verdrängen.

    Wie Zan Perrion in einem Talk http://youtu.be/o2UbeIMg4qw mal sagte, haben wir Frauen ein „Übergangsritual“ oder Zeichen, wenn wir vom Mädchen zur Frau werden: das Einsetzen der Menstruation. Für Männer gibt es sowas nicht (mehr). Jungen wurden früher in den meisten Kulturen genau in dem Alter, von dem Du sprichst Jens, eingeweiht in ihre Männlichkeit. Die Rituale sehen anders aus, als bei uns Frauen und nur sehr wenige Mütter scheinen die Männlichkeit in ihren Söhnen wirklich fördern zu können. Sicher nicht mit Böser Absicht, einfach, weil sie keine Männer sind und gar nicht wissen, was es bedeutet, ein Mann zu sein.

    Ich denke also nicht, dass Frauen mit der Förderung des Potentials ihrer Söhne nix am Hut haben sollten, sondern eher, dass Mütter ebenso eine Verantwortung haben, allein schon bei der Wahl des Vaters ihrer Kinder ;-). Dazu gehört jedoch ein gewisses Bewußtsein über die Zusammenhänge. Wenn Frau sich natürlich jemanden aussucht, der nicht von innen heraus in seiner Männlichkeit steht (logisch, passt ja auch besser zu einer Frau, die nicht ganz in ihre Weiblichkeit angekommen ist…), dann hat man den Männer-Frauen-Krieg-Salat, wenn die Menschen erwachsen werden.

    Ich bin einfach mal so frech, hier als Frau meinen Senf dazuzugeben. Vor allem, weil es eins der faszinierendsten Themen ist, das Männer-Frauen-Thema und auch, weil ich gerade gestern erst einen Vortrag von Gerald Hüther bei der TEDx Konferenz in HH gesehen habe, in dem er dazu aufrief, dass die GESELLSCHAFT aufhört, Männer für die „Dirty Jobs“ zu mißbrauchen, die Söldner und Macht-Arbeiten, und stattdessen Raum zu schaffen, damit Männer ihr wahres Potential erreichen können. Hier gibt’s ein Interview mit Hüther, das in etwa den gestrigen Vortrag zusammenfasst: http://youtu.be/wIakU6bfrOI . Sehr sehenswert!

    Hüther ist einer der führenden Neurowisseschaftler in Deutschland und ein in seinem Bereich erfolgreicher MANN – mit einem riesengroßen, gütigen Herzen am rechten Fleck, der sich unter anderem mit den neurologischen Besonderheiten des Mannes befasst und die Ergebnisse seiner Forschung möglichst direkt in die Öffentlichkeit bringt. Er bringt beispielsweise auch neue Ansätze im Umgang mit ADS. Sehr interessant, was er so rausläßt. Und er hat auch ein Buch zum Thema geschrieben mit dem provozierenden Titel „Männer, das schwache Geschlecht“. Ich hab es noch nicht gelesen, aber ich glaube, dass es auch Müttern ziemlich die Augen öffnen und ein wenig Klarheit schaffen kann im Umgang mit Söhnen:-)

    Gestern nachmittag dann, kurz nachdem ich den Vortrag gesehen hatte, bekam ich folgende Szene an einer Supermarktkasse mit: vor mir eine Frau mit ihrem ca. 10-jährigen Sohn. Ich habe die beiden erst bemerkt, als der Junge zu seiner Mutter sagte: „Mensch, ich hab auch Gefühle!“ woraufhin die Mutter weiter störrisch die Einkäufe auf’s Band legte, ohne darauf zu reagieren. Ich habe nicht mitbekommen, was diesem Satz vorangegangen war, aber für mich war das ein Wachtraum, der mir gestern sagte, ja, die Jungs, die heute 10 Jahre alt sind, wissen instinktiv, dass sie nicht brutale Machos werden wollen, wie die männlichen „Vorbilder“ aus Medien und Politik. Sie verlangen nach Vorbildern, die ihnen dabei helfen, ihr volles Potential zu entwickeln.

    Mütter können m.E. auch eine Menge dazu beitragen, dass ihre Töchter nicht irgendwann über gefühllose Machos klagen müssen, sondern von ihrem neuen Freund berichten können, der sowohl Einfühlsam als auch kraftvoll und gütig ist und der das auch WEISS.

    Und: ich meine auch, dass der Zug nicht abgefahren ist für einen jungen Mann, der KEINEN Supervater hatte, sondern dass ab einem gewissen Alter Mann auch selbstverantwortlich für die eigene Entwicklung ist. Es gibt inzwischen eine Menge Coaches speziell für Männer und ich finde das eine tolle Entwicklung!

    So, genug jetzt, ich könnt da ein Buch drüber schreiben, was ich so wahrnehme, aber das kommt später. Hoffe, Ihr könnt mit den Links was anfangen.

    Herzliche Sonnengrüße! Have a nice day!

    Sonia*

    1. Hi Sonia,

      ja mei – das ist ein langer Text. Ich werde den Links später nachgehen.

      Zur Mann-Frau-raushalten-Thematik. Frauen sollen sich schon einmischen. Aber eben nicht eine Funktion übernehmen, die sie nicht übernehmen können und nicht in eine Beziehung reinfingern, die sehr sensibel ist und einen geschützten Raum braucht. Manchmal, ich sage manchmal sind da Frauen in ihrem Wissen und geübten Umgang mit Erziehung etwas vorschnell und reagieren aus iher perspektive heraus. Klar, ist ja normal. Nur in der Vater-Sohn-Beziehung greifen die weiblichen Mechanismen nicht. es ist natürlich hier auch eine Sache der Väter, sich ihren Erziehungsraum zu nehmen. was Väter normalerweise ja auch ganz natürlich und selbstverständlich tun. Das finde ich hier auf dem Land oft sehr eindrucksvoll, wie sich die Vater-Sohn-Beziehung meistens eindeutig und mittlerweile zunehmend liebevoll definiert. Die schrauben zusammen am Traktor. das ist kein Projekt, das ist normales Leben. Die reparieren was am Haus, am Auto oder gehen auch zusammen schwimmen. Das ist keine für den Sohn erübrigte Zeit, sondern reales, alltägliches Leben. Irgendwann trinken die zusammen ein Bier. Wenn die Jungs Papa sagen, haben die ein leuchten in den Augen. Mein Papa. Die kommen nach der Arbeit nach Hause und sind dann da. Das geht.

      Ach, ich könnte auch noch viel schreiben, muss mit meinen Kindern aber gleich zum Kiefernorthopäden. Danach zum Einkaufen und da ist noch ein Termin meiner Tochter, zu dem ich sie bringe und, und, und. Männlichkeit in Fiftyfifty-Gestalt:)

      Danke dir vielmals für den langen, ausführlichen Kommentar.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Sind auch einfach tolle Geschöpfe. Schön, wenn sie diese verlässliche Kraft zentriert ausstrahlen und es einfach stimmt.

  4. Moin Jens,

    ich melde mich jetzt mal als betroffener Sohn meines Vaters, der seinerzeit eben nciht dir Zeit hatte. Viel Arbeit, Haus abbezahlen und irgendwie schauen, das der Kühlschrank auch noch voll ist. Ich habe Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, aber eben nicht so viele, wie es hätte sein können. Der Vater als Leitfigur war nicht so präsent, wie ich es mir gewünscht hätte und das konte auch meine Mutter nicht kompensieren. Daher kann ich deinen Ausführungen nur voll und ganz zustimmen.

    Ich kann auch Annegret verstehen, denn wenn eine Situation eskaliert, dann muss sogar die Mutter eingreifen, das ist dann aber eine andere Diskussionsebene.

    Mit meinem Vater habe ich über dieses Thema gesprochen und wir können uns heute beide verstehen. Er meine Sichtweise und ich seine Motivationen und auch Zwänge der damaligen Zeit.

    Liebe Grüße

    Raoul

    1. Hi Raoul,

      danke für deine Offenheit und deinen Kommentar als Mann. Jetzt haben wir eine kleine Männerecke:) Mir ging es ähnlich, weil mein Vater, als ich 11 war, einen Schlaganfall hatte und dann zwei Jahre im Krankenhaus lag. Komplett weg. Seitdem ist er linksseitig gelähmt. Ein wenig aufgefangen haben wir das als Brüder. Ich hätte mir das auch anders gewünscht, aber was willste machen? Ich trage ihm da nichts nach, auch wenn er sich schon vor dem Schlaganfall wenig gekümmert hat. Beruf, Stress, Peng. Vielleicht schreibe ich aus diesem Grund heute Gedichte und einen Blog für eine Frauenzeitung. Wer weiß:) Obwohl mir da wahrscheinlich irgendwo etwas fehlt, gehe ich meinen Weg als Mann und fühle mich mit meinem Weg auch wohl. Für meinen Sohn war ich da. Bislang nicht nur sieben Jahre, sondern vierzehn Jahre. Das war für mich von Anfang an klar, dass ich da sein werde. Hätte ich nie anders haben wollen, auch wenn das teils ziemlich stressig war mit Beruf und Kindererziehung. Unser fiftyfifty-Konstrukt hier hat es ermöglicht. Da bin ich sehr froh mit Ela eine Frau zu haben, die das auch genauso wollte. Mir haben die Jahre mit einem Sohn, auch im Hinblick auf meine Geschichte, viel gegeben. Vielleicht habe ich da auch was nachgeholt. Auf jeden Fall fühle ich mich damit wohl und glaube, ein Verhältnis zu Jim zu haben, das uns in der Zukunftr trägt – als Vater und Sohn. Gegenüber meinem Vater bin ich froh, dass ich das Chateauneuf-Gespräch mit ihm hatte. Ich denke, meine Vergangenheit soweit klar zu haben. Da ist kein Groll. Tatsächlich versucheich jeden tag, die gegenwart zu leben. Im Hier und Jetzt zu handeln – mal mehr, mal weniger gut.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Hey Jens,

        die Frage, welche ich mir in Kontext des Leidensweges Deines Vaters stelle ist:
        Wie ist er mit sich und seiner Mitwelt im Angesicht seines Schicksals umgegangen? Wie hat er sich zu seinem Schicksal gestellt? Welches Bild von Männlichkeit hat er durch sich selbst verkörpert? Welche Einstellung zu sich als Mann, und zum Leben repräsentierte er?
        Mein erstes Bild von dem was Mann ist und was nicht, erwächst an diesem Bild, was ein Junge von seinem Vater aufnimmt.
        Dies ist diese „stille“ Vorbildfunktion, welche die Väter für uns übernehmen. Auch wenn sie nicht das sind, sind sie in ihrem „Nicht-da-sein“ uns Vorbild. Unsere Väter waren in vielen Fällen „Kriegskinder“, selbst identitätslos aufgewachsen, weil ihre Väter vielfach im Krieg geblieben sind. Diese unsere Väter haben ihre Identitätslosigkeit mehrheitlich über ein „Berufsimage“, eine Berufsidentität kompensiert. Mann ist was Mann ist … Ingenieur, Arzt, … und wenn diese Identität wegfällt, dann ist Mann – NICHTS. (vgl. hierzu die damalige Mitteilung der Familie Merckle/ratiopharm über den Suizidgrund von Adolf Merckle)

        Es gibt aber noch einen anderen wesentlichen Aspekt.
        Was will ein Kind?
        Es will die BEDINGUNGSLOSE Liebe seiner Eltern.
        Viele Jungen haben aber diese – häufig vom Vater – nie erfahren. Ich will nicht sagen, dass diese nicht existierte. Nur haben die meisten Väter ihren Söhnen das NIEMALS wirklich gesagt. Die meisten Väter GLAUBEN nämlich, dass Sie durch ihre Anstrengungen für die Familie ihre Liebe ausdrücken.
        „Ich leiste … also liebe ich.“
        Das ist der Irrglaube. Es geht hier nicht darum, dass die Väter etwas leisten müssen. Lieben hat nichts mit leisten zu tun.
        Puuh, ich könnte mich jetzt da rein steigern und ganz viel dazu schreiben. Ich lass das aber jetzt zunächst mal so stehen.

        Frieden und Feuer
        Stefan

        1. Hi Stefan,

          puh, viele Fragen. Zu meinem Vater, tja, das wäre dann eher abendfüllend. Leider wurde in der Zeit – 1976 – damit nicht umgegangen und er hat sich keine therapeutische Unterstützung geholt, um sich einen neuen Weg zu erschließen. Er hat versucht, das Beste daraus zu machen, hat aber viel gelitten. Er hat den Kontakt zu Menschen gesucht, ist in Kneipen gegangen, auf Feste, hat viel gelacht und ich glaube, innerlich viel geweint. Darüber gesprochen wurde nicht. Für die Familie drehte sich viel darum, ihm zu helfen. Es war da nicht ganz so einfach, ihn als Vorbild zu sehen. Dennoch hat er mir einiges gegeben – als sehr emotionaler Vater, der uns auch immer in den Arm genommen hat. Wenn ich weggefahren bin hat er gesagt „Junge, wenn was ist, ruf an. Ich hol dich ab. Egal, was los ist.“Autofahren konnte er noch. Von daher hat er trotz Behinderung einiges geleistet, in dem Sinne, wie du es beschreibst. Er hat mich nie in Frage gestellt und mir das gefühl gegeben, dass ich in Ordnung bin, wie ich bin. Im letzten Jahr hatte ich bei einer Flasche Wein ein langes Gespräch mit ihm und er hat mir manches erzählt, obwohl es Tabubereiche gibt, die er verschlossen hält. Ich will ihn da auch nicht quälen – er ist 77.

          Danke für deinen kommenatr und liebe Grüße

          Jens

          1. Sei gesegnet … dein Vater gab Dir das Gefühl und er hat es sogar verbal ausgedrückt, dass Du OK bist, so wie Du bist – ein großes Geschenk.
            Angenommen sein vom Vater, das ist eine nicht zu unterschätzende Kraftquelle.
            Und der Vater hat seine emotionale Seite vor Dir ausgelebt; was es Dir vielleicht heute möglich macht, der zu sein, der Du bist.
            Ein sensibler Mann mit Zugang zu seinen Gefühlen?
            Da gibt es halt auch ne Menge anderer Männerstories: „Aus Dir wird nie was“; „Du bist ein Versager“; „Heul nicht rum“ …
            Es ist unglaublich, wie tief diese Wunden sitzen. Manches Wort, so weiss ich aus den Geschichten von Männern hat sie weitaus mehr verletzt, als die Ohrfeige, die sie bekommen haben. Noch 35 Jahre später klingen diese Worte in den Seelen wieder.
            Auch hat er Dir Dein Vater vorgelebt, dass das Leben trotz eines Handycaps, trotz aller Einschränkungen ein lebens- und bejahenswertes ist.
            Allein dadurch erwächst er für mich, vor meinen Augen durchaus zu einem Vorbild.

            Als ich im Jahr 2009 an der deutschen Männerinitiation mit Richard Rohr und 120 Männern aus D/A/CH teilgenommen habe, konnte ich erleben, welcher Schmerz und welche Trauer es bei Männern gibt.
            Und wenn ich das mal hochrechne auf die Männerwelt insgesamt, da wird mir grad schwindelig.

            Sinn und Segen
            Stefan

          2. Hi Stefan,

            schön, dass du das so sagst. Habe ich so vielleicht noch nicht gesehen, obwohl ich auf meinen Vater trotz allem immer stolz war und bin. Mit Abstrichen natürlich, weil die Schattenseite halt immer auch Schatten wirft. Natürlich kenne ich auch die Männer, die leiden. Wo immer wieder der Schmerz, die Wut, die Trauer, die Hilflosigkeit hoch kommt. Da ist tatsächlich wenig Raum da. Männer müssen als Männer funktionieren. Ich denke, da gibt es wenig Mitleid und Mitgefühl, weil da schnell Begriffe wie Memme und Versager im Raum stehen. Die sichtbare Stärke ist kraftvoller, anziehender. Mein Bruder sagt immer, laut sprechen ist die halbe Miete. Nach vorne raus laut sein und Dominanz zeigen. Ich persönlich mag das überhaupt nicht. Obwohl ich beruflich oft die Erfahrung gemacht habe, dass Dominanzausstrahlung überzeugt und punktet. Selbst wenn die Inhalte schwach sind. Ich glaube, das hat auch etwas mit dem Bild von Männlichkeit zu tun. Die wird gerne als etwas grob angenommen. Dabei ist sie doch letztlich so individuell wie jeder Mann. das ist manchmal wirklich zum Verzweifeln, weil das so unitelligent wirkt. Allein das Wort Mann klickt so viele Klischeeknöpfe. Es wäre schön, wenn sich da ein sensiblerer Umgang etablieren würde.

            Liebe Grüße

            Jens

  5. Das ist ja ein super interessantes Thema, das mich als Frau – entschuldige… ;-) – aber ihr seid ja immerhin schon zu dritt, Männer!- und besonders als Mutter dreier (fast) erwachsener Söhne natürlich brennend interessiert. Was läuft da eigentlich ab zwischen Vätern und Söhnen, ja zwischen Männern überhaupt? Frau lernt ja nie aus…. Ich bin froh, dass der Vater meiner Söhne doch immer irgendwie da war auf Grund seiner eher freiberuflich organisierten Tätigkeit, so empfinden die Söhne das jedenfalls. Auf meine Frage hin sagte der 22jährige aber eben: wieso WAR? wieso nur bis 14? Wenn die Basis also stimmt, wenn da was aufgebaut wurde, dann wird da offenbar auch mit 22 noch etwas „abgefragt“, gebraucht vom Vater – ist doch gut zu wissen, falls man vorher was verpasst hat. Ein klein wenig kann man vielleicht immer noch gut machen.
    Gestern kam übrigens ne tolle 37° Sendung im TV über Kinder, deren Väter in Haft sind und deshalb eben „nicht da“, das war sehr bewegend und teilweise auch ärgerlich, das Unvermögen eines der Männer zu sehen, zu seinen Söhnen eine Beziehung aufzubauen – sie wünschten es sich so sehr.
    LG Uta

    1. Hi Uta,

      was da abläuft, ist wahrscheinlich ähnlich dem, was zwischen Mutter und Tochter abläuft. Ein Beäugen. Aus beiden Richtungen. Was ist denn das für einer? Wie reagiert der? Wie ist der drauf? Was kann ich mit dem anfangen? Macht das Spaß? Ist das gut? Kann ich mich auf den verlassen?

      Es ist ein ewiges Hin und Her. Ein Austarieren. Mal läuft es total super, dann gibt es nur Zoff. Mal ist es Harmonie pur, dann glaubt einer von beiden, das mal neu ausloten zu müssen. Der Sohn testet Grenzen, der Vater setzt Grenzen. Mal gehen die Interessen in eine Richtung, dann wieder nicht. Es ist einfach dauernd anders.

      Die Zahl 14 spielt eine Rolle in der wesentlichen Ich-Findung. Bis dahin ist einfach sehr, sehr viel passiert. Natürlich hört das Leben da nicht auf und natürlich spielt der Vater weiter eine wichtige Rolle, aber Vieles in der Entwicklung, was der Vater beeinflussen kann, ist dann abgeschlossen. Ab der Zeit reiht er sich mehr oder minder in die Außeneinflüsse ein, die jetzt genauso wichtig sind. Frag deine Söhne doch einmal, welche Männer und Männerfiguren jetzt in ihrem leben eine Rolle spielen. Da tauchen auf einmal eine ganze Menge mehr neben dem Vater auf. Und die Jungs sehen zu ihrem Vater, weil er eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt, aber sie gehen ihren eigenen Weg. Er kann jetzt noch Berater sein, Anstöße geben, Impulse bei Entscheidungen, aber er wirkt sich nicht mehr auf das im wesentlichen fertige Ich aus. Deine Jungs sind Persönlichkeiten, die sich nicht mehr total ändern werden. Da kann ein Vater nun tun und lassen, was er will. Der Kern steht.

      Ich persönlich glaube, dass sich in Deutschland bis heute der Krieg auswirkt. Sowohl Ela’s Vater, dessen Vater gefallen ist, als auch mein Vater, dessen Vater in der Zeit von 7 bis 14 in Gefangenschaft und Entnazifizierung war, haben unseren Vätern gefehlt. Mein Vater ist größtenteils ohne Vater aufgewachsen. Viele Männer waren im Krieg. Wen sollte er zum Vorbild nehmen? In dieser Zeit!!! Ich glaube, das hat ihn aus der Bahn geworfen und letztlich zu seinem Schlaganfall und seiner Behinderung geführt. Mein Vater war dann da und auch tatsächlich präsent, aber eben als ein linksseitig gelähmter Vater. Das war nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hoffe, dass bei Jim das Thema nun durch ist und wir da wieder in eine einigermaßen normale Männlichkeitsentwicklung gekommen sind. Zumindest glaube ich, mein Bestmögliches getan zu haben. Das wird sich zeigen. Er hat es dann in der Hand, so er einen Sohn bekommt, da weiterzugehen. Es ist tatsächlich ein großes, großes Thema.

      Liebe Grüße

      Jens

  6. Schön, dass Du das Thema anpackst. Wohin ich schaue, kaum ein Mann, der sich dem Vorbild sein stellt, dafür aber Mütter, die versuchen das auszugleichen. Aber eben da endet die Kunst, denn wenn ich dem Sohn etwas sage, so ist es eben nicht von jemandem, der so ist wie er mal wird. Die Gewissheit zu haben, dass ich als Mutter/ Frau eben genau das nicht liefern kann, was der Junge da braucht ist ernüchternd, aber heute ist es eben nicht mehr so einfach sich dem Vatersein zu stellen, denn ‚mit zur Arbeit‘ ist keine Selbstverständlichkeit mehr, und so verunsichert wie viele Männer in ihrer Rolle sind stimmt es sogar, das sie kaum imstande sind als RollenModell zu fungieren. Daher meine Idee der Väterläden. irgendetwas macht jeder Vater gern, und an einem Ort an dem sich verschiedene Männer abwechselnd oder gemeinsam mit ihren Söhnen beschäftigen, könnte vielleicht zu grösseren Projekten inspirieren. Das mögen doch Männer: echte Projekte, und das ist es doch, was hängen bleibt: Qualitätszeit, Zeit in der etwas erlebt/ auf die Beine gestellt/gebaut wird. Oder?
    Mein Buchtip zum thema: Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen von Steve Biddulph
    [btw, natürlich ist mit 14 nicht“alles vorbei“ so geht ‚Mensch sein‘ doch garnicht,
    ab etwa 14 folgt auf die Phase des ‚es machen wie der grosse Löwe‘ das ‚ein echter Mann werden‘. Da ist die Rebellion, das ‚ans Limit gehen‘, das Ausprobieren auf körperlich fast ausgereiftem Niveau. (Siehe zb. JackAss). Was braucht er da? Einen Mentor. Trainer beispielsweise. Für den Papa hier wichtig: zurücktreten und Anerkennen. Nicht soviel lehren. und verhandeln. Verträge aushandeln statt zu herrschen. viel Erfolg ;o) ]
    Schönen Gruß, evilmel

    1. Hi evilmel,

      ich sehe es nicht ganz so pessimistisch, weil ich viele Väter erlebe, die sich mittlerweile wirklich kümmern. Bei uns im Dorf ist es mittlerweile normal, das Väter mit Kinderwagen rumfahren. Wenn die Feuerwehrmänner vor unserem haus die Autos putzen, sind immer Kinder dabei – Mädchen und Jungen. Als wir mnoch in Köln gewohnt haben, hatten wir eine Krabbelgruppe gegründet. Die Kirche hatte uns einen Raum zur Verfügung gestellt. Es waren immer gleich viele Mütter und Väter da. Auf jeden Fall hat sich was geändert, auch wenn es weiterhin die Männer gibt, die auf das Glück, beim Aufwachsen ihrer Kinder dabei zu sein, verzichten. Mir vollkommen unverständlich. Aber ganz allgemein werden Kinder eben gerne auch als unbequeme Last gesehen. Die jungen Moderatoren/inen im radio zum Beispiel reden oft schlecht über Kinder, weil sie dem hippen Lifestyle mit Clubbesuch etc. im Wege stehen. Nun gibt es Menschen, die lieber Party machen, statt sich um Kinder zu kümmern. Das muss jede/ jeder für sich entscheiden. Wenn ich mir vorstellen würde, ich hätte einen Sohn, dessen Aufwachsen ich nicht mitbekomme, es wäre für mich unvorstellbar. Das ist einfach mein Job, wenn ich ein Kind in die Welt gesetzt habe. Kann ich natürlich so einfach sagen, weil ich das Glück habe, in einer bislang funktionierenden Partnerschaft zu leben. Das macht die Sache natürlich deutlich einfacher.

      Väterläden wären klasse, wobei der Name Väterladen wahrscheinlich die meisten Väter schon abschreckt. Das müsste schon etwas rauher klingen. Kerle.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Lieber Jens,
        Vater sein wäre auch unser Job – sorry, ich korrigiere – unsere Berufung, unsere Aufgabe, unsere Profession, wenn die Partnerschaft NICHT funktionieren würde.

        Im Grunde können wir aus dieser Rolle, selbst durch den Tod nicht heraus. Das merken auch viele Männer, die einst sich der Vaterschaft verweigert haben und zu ihrem Lebensende hin einen tiefen Verlust oder eine große Trauer empfinden.

        Viele Väter hängen mit dem Scheitern der Partnerschaft auch die Vaterschaft an den Nagel. Manchmal werden sie zu „besten Kumpels“ ihrer Kinder (besagte Wochenend-Spass-Papas).
        Das ist aber fatal.
        Der Vater darf nicht der beste Freund werden.
        Der Vater ist der Wegweiser nicht der Weg.

        In der Bibel heisst es irgendwo: Wer mir dienen will, folge mir nach. Dort steht nicht: „Wer mir dienen will, gehe in meinen Fussabdrücken.“ Ich interpretiere das so, dass der Vater richtungsweisend – wie ein Kompass – in Richtung des (Lebens-)Ziels (Was ist ein „erfolgreiches“ Leben? – auch eine interessante Frage) ist und auf diesem Weg dem Kind voraus geht. Es bedeutet nicht, dass das Kind auf dieser Reise denselben Weg gehen muss. Gut ist halt wenn der Vater dem Sohn einen guten Kompass mit auf den Weg gibt.
        Am Vater muss der Junge erfahren können, was es heisst, auf dieser „Heldenreise“ zu sein, auf der Reise – aufgepasst, jetzt wird es ein bisschen psychologisch – durch die archetypischen Kräfte (Krieger, Liebhaber, Magier, König) hin zu einem „Wilden Mann“. Wobei der Begriff „Wild“ hier nicht falsch zu verstehen ist, sondern jenen Mann meint, der Zugang zu all diesen archetypischen Aspekten hat und mit ihnen zu „spielen“ weiss.

        Auch das ist wieder ein weiteres spannen des Thema.

        Motivierende Grüße
        Stefan

        1. Hi Stefan,

          ist schon gut, wenn getrennte Eltern es schaffen, sich zusamenzuraufen. Den Kindern tut das gut, wenn trotz Trennung beide an der erziehung teilnehmen. Für mich wäre es schwer vorstellbar, auf den Kontakt zu meinen Kindern zu verzichten. Allerdings war ich auch noch nicht in der Trennungssituation mit Kindern. Wer weiß, was da mit einem passiert…

          Dass die Söhne exakt den weg der Väter gehen, dürfte kaum das Ziel sein. Mein Sohn ist in vielem total anders. Er hat Eigenschaften, die ich nicht habe und die ich sehr schätze. Eine große Ruhe. der sitzt im größten Chaos dar und lässt sich nicht stören. Allein von daher wir er schon einen anderen weg gehen. Vieles ist ja schon angelegt, wenn die im Mutterleib sind. Genetisch bestimmt. Deshalb macht es in den meisten Fällen wohl kaum Sinn, genau den gleichen weg zu gehen. Muss ja am Ende der eigene sein. Krieger, Liebhaber, Magier, König – das geht dann für mich in die Theorie, obwohl ich mir grob vorstellen und in etwa nachfühlen kann, was gemeint ist. Ich merke schon, ein unendliches Thema. Von wegen Männer sind doch so „einfach gestrickt“.

          Liebe Grüße

          Jens

          1. Hallo Jens,

            auch wenn Eltern getrennte Wege gehen, sollten die Kinder an erster Stelle stehen, d.h. die Erziehung geht weiter. Der Vater ist dann kein Alltagsvater mehr, sondern hat eine andere Position. Ja, er wird mehr zum Spaßvater, wenn der Kontakt seltener ist. In unserem speziellen Fall ist er aber auch Kriseninterventionsteilnehmer, d.h. man kann sich auf ihn verlassen, wenn Krisen bei den Kindern auftreten. Wenn die Kinder ihn nicht mehr als Alltagsvater erleben, besteht eher die Gefahr, daß sie in seine Fußstapfen treten, daß sie sich Eigenschaften abschauen, in seiner neuen, anderen Position. Ich glaube, diese Diskussion könnte unendlich weitergeführt werden, macht aber mehr Sinn, wenn man sich in der Position eines getrennten Elternteils befindet.

            Viele Grüße

            Annegret

          2. Hi Annegret,

            ob Trennung oder keine Trennung, wie Stefan schon sagte, die Beziehung zwischen vater und Sohn bleibt die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Die selbst gewählte Aufgabe Vaterschaft bleibt erhalten. Das ist ein Job, den man hat und wo es keine Arbeitslosigkeit gibt. Da kann man weder entlassen werden noch kündigen. Gerade dann zeigt sich doch, wenn sih die Eltern getrennt aben, wie sehr die Eltern anden Kinder hängen und die Probleme der Trennung überwinden.

            Liebe Grüße

            Jens

  7. Guten Morgen,

    ich denke, es ist tatsächlich diese Leitfigur Vater, die einen Jungen fasziniert und ihn aus einem Antrieb heraus zu ihm aufblicken läßt. Was gibt er mir mit auf den Weg zum Erwachsen werden, welche männlichen Eigenschaften nehme ich von ihm an?

    Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, in der mein Vater mit mir in den Wald gegangen ist und mir einen Ameisenhügel erklärt hat und allerlei Dinge in der Natur. Da war er mein Held, mein Papa war toll, der beste der Welt! Dieses Gefühl brauchen Jungen, so denke ich- Alles ist ok, da gibt es einen der Spezies Mann, der mir das Leben zeigt und auf den ich stolz sein kann.
    Natürlcih hätte mir auch meine Mutter den Ameisenhügel erklären können, aber das wäre etwas anderes gewesen. Für solche Dinge sind Väter da.

    Schöne Grüße

    Raoul

  8. Hi Raoul,

    es sind solche Erlebnisse und darüber hinaus die physische Anwesenheit. Ich glaube, ich habe meinen Vater immer beobachtet. Habe still geschaut, wie er handelt, wie er sich verhält, wie er spricht, wie er lacht, was er anzieht, was er von früher erzählt.

    Ich war nachmittags viel mit ihm unterwegs, weil er durch seine Lähmung Frührentner war. Er konnte noch Auto fahren und fuhr mit mir durch die Welt. An den Rhein, die Mosel. Wir saßen in Cafes, in Kneipen, haben Schiffahrten unternommen. Er ist mit mir nach Koblenz ins Theater gegangen, wo wir Operetten gesehen haben. Unwillkürlich habe ich das alles aufgesogen und es ist zu einem Teil von mir geworden. Auch das definiert mich als Mann. es war sicherlich ein etwas anderes männliches Vorbild, aber das liegt bei uns in der Familie. Mein Urgroßväter und Großväter waren schon etwas anders, eher sensiblere Männer. Ich für mich genieße das heute, weil ich für mich einen schönen Zugang zur Innenwelt habe. das macht mich reich und gleicht vielleicht mein Unwohlgefühl aus bei allem, was mit Dominanz zu tun hat.

    Liebe Grüße

    Jens

  9. Lieber Jens,

    ein wunderbares Thema und sehr gut, dass Du (Mann) es thematisierst. Danke Dir dafür.
    Ich habe vor über 10 Jahren ein hervoragendes Buch zu diesem Thema gelesen:
    „Mir geht’s doch gut“ von Terrence Real. ISBN 3-502-14591-1 , Scherz Verlag.
    Für alle Männer die aktiv reflektieren möchten, ein kluges Buch für alle Frauen die verstehen wollen warum Männer so sind wie sie sind.
    Auch Sonias Beitrag kann ich zu 100% bestätigen.
    Herzliche Grüsse,
    Danièle

    1. Hi Danièle,

      danke. Tatsächlich ist das ein spannendes Thema. Hab da jetzt auch schon einige wirklich gute Impulse erhalten. Macht Spaß. Danke auch für den Literaturtipp. Hast du das Interview gehört, das Sonia gestern in ihrem langen Kommentar gepostet hat? Auch sehr erhellend. Ein wirklich umfassendes und ich glaube wichtiges Thema.

      Liebe Grüße

      Jens

  10. Hallo zusammen,

    ein wirklich schöner Apell!
    Leider werden ihn wohl nur die Männer lesen, die entweder selbst einen Vater vermisst haben, oder sowieso Ihre Vaterrolle ernst nehmen.
    Töchter brauchen den Vater übrigens ebenso, wie die Söhne ;)
    Die Väter, die sich bisher nicht gekümmert haben, werden kaum den Elan aufbringen einen Beitrag zu lesen, bei dem die Überschrift schon eine Anforderung darstellt, der sie nicht nachkommen möchten. Vielleicht würden sie Ihre Haltung überdenken, wenn sie es denn lesen würden, aber ich habe da wenig Hoffnung ;)
    Mir sausen noch tausend Gedanken dazu durch den Kopf, werd‘ ich erstmal sacken lassen…. aber eines sei noch gesagt: ich denke manchmal ist kein Vater besser, als ein schlechter(Haustyrann), oder ein ‚ab und zu‘ guter(ständig wiederkehrende Enttäuschung)…

    lieben Gruß
    Lindraa

    1. Hi Lindraa,

      das ist natürlich oft das Problem. Aber ich denke, auch engagierte, erziehende Väter können ab und an – mich eingenommen – Anstöße gebrauchen. Zu gerne treten Arbeit und Beruf und tausend Dinge in den Vordergrund.

      Zu den despotischen Vätern: Ich hoffe, die sind ein Auslaufmodell. Ich finde es scon mal gut, das schlagen verboten ist. Den alten Spruch „Ein Klaps hat noch niemandem geschadte“ habe ich ewig nicht mehr gehört. Das scheint vorbei zu sein. In diesem Sinne hoffe ich, das mein Text ein kleiner Beitrag dazu ist, Väter in ihrer Erzieherrolle zu inspirieren.

      Liebe Grüße

      Jens

  11. Hallo Jens,

    ich habe deinen Text gelesen und finde ihn relativ „schwach“ keinerlei Belege über Fakten o.a., alles nur „aus den Fingern gezogen“. Wenn es so wäre das jenes existieren bzw. aktiven Daseins des Vaters vor allem im 7-14 Lebensjahr einen jungen Mann extrem prägen, wo ist dann der Zusammenhang zu schulischen Leistungen? Wolltest du dort einen darstellen oder ist es eher unbewusst passiert, dass der Leser dieses Gefühl bekommt?

    Desweiteren, kann ich aus der Erfahrung sprechen, dass mein Vater in dieser Zeit, ich würde eher sagen von meinem ersten Tag an, an dem ich das Licht des Lebens erblickte bis zum heutigen Zeitpunkt wo ich dieses schreibe, nie da war.
    Er ist beruflich sehr viel unterwegs, oftmals mehrere Wochen im Ausland und vielleicht 1-2 Tage davon Zuhause, bei uns.

    Zu pauschalisieren und zu sagen, jenes Verhalten ist falsch, kann ich garnicht unterstützen, ich denke das sollte jeder selbst entscheiden. Denn immerhin hat mein Vater mir vielleicht nicht diese Unterstützung gegeben, aber wenn man sich jene bei Freunden oder anderen Familienmitgliedern wie Tanten, Onkel, Bruder oder Mutter holt, läuft das doch auf das Selbe hinaus.

    Schließlich kann ich mich auch nicht beschweren, dass mit mir irgendwas falsch gewesen ist, sicher, jenes Gefühl das mein Vater nie für mich da war, ist vorhanden. Dennoch sollte man dafür aber auch klarstellen, was mir durch dieses Verhalten ermöglicht wurde:

    – Komplette Deckung eines normalen Grundbedarfes für eine heranwachsende Person
    – Haufenweise „Extras“ oder „Luxusgüter“ welche man eigentlich nicht benötigt
    – Keinerlei finanzielle Probleme, welche meiner Meinung nach, noch schlechter im Magen liegen, als das Gefühl das der Vater nicht da ist
    – Ein bezahltes Studium an einer renomierten privaten Universität
    – Führerschein, Auto, Wohnung usw.

    Nun, gut, jeder muss selbst entscheiden, auf welcher Seite er nun steht, meiner Meinung nach, ist die Mischung aus beidem wohl richtig, allerdings, was letzten Endes zählt, ist doch jenes was man aus dem „Ganzen“ bekommen hat.

    Und wenn ich sagen kann, ich bin glücklich mit meinem Leben. Was hat mein Vater dann falsch gemacht?

    1. Hi,

      wenn du klar kommst, ist alles gut. Das freut mich für dich. Es gibt sicherlich nicht nur den einen Weg. Materielle Absicherung ist bestimmt gut, für mich wiegt die aber keine Emotionen auf. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Ich muss mich bei dir entschuldigen, wenn du das Gefühl hast, ich würde deinem Vater Vorwürfe machen. Wenn das bei euch auf andere Art und Weise gut läuft, ist das bestens. Meine Erfahrungen sehen anders aus, aber die sind natürlich auch nur ein Teil der Wahrheit. So ist das mit Blogs: Die geben persönliche Ansichten wieder und haben keinen Anspruch auf journalistische oder wissenschaftliche Recherche.

      Dir weiterhin alles Gute

      Jens

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