Und am Abend die Mutter aller Sonnenuntergänge…

Sonnenuntergang_Flugplatz_red

Eigentlich wollte ein Freund zu Besuch kommen. Ein alter Freund aus Internatstagen, der gerade in Köln zu tun hatte. Er hatte am Nachmittag durchgeklingelt und sich für 20 Uhr angekündigt. Also habe ich ein kleines Countryside-Programm zusammmengestellt. Mit meinem Traktor rauf zum Modellflugplatz, ein Glas Wein trinken, plaudern, Sonnenuntergang gucken. Anschließend, wenn es kalt wird, runter zur alten Schule an die Feuerschale.

Fendt Farmer1_red

Also musste ich den Traktor klar machen. Batterie aus dem Keller, einbauen, starten und in den Wald fahren, um Holz für die Feuerschale zu holen. Die Holzfäller schneiden von den Bäumen immer den ersten halben Meter ab und lassen das Holz liegen. Das verrottet dann. Nun, und ich kann es für meine Feuerschale gut gebrauchen. Also habe ich mir vier ordentliche Stücke auf die Heckfläche meines kleinen Diesel-Kraftpakets geladen und die Ernte nach Hause gefahren. Auf die Schubkarre gepackt, zum Ort des Geschehens gebracht und angefangen zu spalten. Analog. Mit Hammer. Da kam mein Nachbar und meinte: „Ich zeig dir mal die richtige Technik.“ Wow.

Also für die, die es wissen wollen, wie man einen solchen Spalthammer nutzt: Eine Hand greift hinten am Stiel, eine weiter vorne. So kann man den Hammer gut heben. Ist er nun ganz oben und lässt man ihn aufs Holz sausen, rutscht die obere Hand am Stiel runter, so dass beide Hände nebeneinander greifen und der Hammer mit größtem Hebel und damit größter Kraft sein Werk verrichtet. Am besten die Beine ein wenig auseinander, so dass man sich nicht selbst ins Bein haut, wenn der Hammer mal durchschwingt. Das Holz war super hart und widerspenstig. Teilweise musste ich mit drei Alu-Keilen arbeiten. Also lag dann da ein Haufen Brennholz schön aufgestapelt und in der Feuerschale Kleinholz zum Anfeuern.

Mein Freund konnte kommen. Da rief er um zehn nacht Acht an, dass er es nicht schaffen würde. Schade. Das wäre alles zu spät geworden. Also habe ich mir meinen Traktor geschnappt und die Kamera und bin alleine hoch gefahren, den Sonnenuntergang zu sehen. Während ich mit meinem Fendt Farmer 1 aus dem Jahr 1961 durch das Dorf auf die Höhe tuckerte, fuhren die Bauern mit ihren modernen Monster-Riesen-Traktoren Silage. Dazu hatten sie das geschnittene Gras zu langen Reihen gehäufelt, die sich wie Schlangen über die Wiesen zogen. Im Abendlicht sah das sehr schön aus. Das dunkle geschnittene Gras auf den hellgrünen, optimistischen Flächen. Dazu blauer Himmel mit Cumulus-Wolken. Ein wenig Provence für Arme.

Pusteblume 2_red

Auf einer Wiese war das Gras weit ausgebreitet, weil der Bauer wohl Heu für die Pferde macht. Auf dem Gras lagen überall vollkommen intakte Pusteblumen. Sah sehr süß aus – wie kleine Federbetten für Feldmäuse. Ich habe mich bis ganz oben fahrend und fotografierend durchgeschlagen. Bis zur Airbase mit Windhose und frisch gestutzter Landebahn für die Modellflieger. War keiner da, also hatte ich den Platz für mich. Allein, allein. Die Kinder wollten nicht. Cooper hat Angst vor dem Traktor. Also habe ich meine Decke ausgebreitet, mich hingelegt und habe allein der Sonne beim Untergang zugesehen. War das schön, war das ruhig, war das besonders.

Modellflugplatz_red

Hey, und das war nicht irgendein Sonnenuntergang. Ich meine, also echt, ich hab schon ziemlich viele gesehen, weil ich drauf stehe. Und der hier, ehrlich, wirklich, Tatsache, der war Premium A+ mit Sternchen. Die Sonne knallrot und riesengroß. Sie ist vor meinen Augen bis auf den letzten Millimeter klar und deutlich am Horizont versunken. Kein Nebel, keine Schlieren, kein Dunst, keine Wolken. Perfekt. Klar, hat mir sehr, sehr gut gefallen. Das war tatsächlich die Mutter aller Sonnenuntergänge. Und mal wieder ein Landleben-Highlight. Also wenn das Wetter hier immer so wäre wie momentan… Echt irre. Dann hier es hier so richtig, richtig schön.

Nun geht hier gerade die Sonne auf und ich bin froh, dass ich das Wort Sonne hier so oft schreiben kann. Sie ist da und bleibt nocht. Yippie. Euch wünsche ich einen weiteren schönen Sonnentag. Vielleicht sucht ihr euch heute Abend ein schönes Plätzchen und schaut mal, was am Horizont passiert… Und was mit euch:)

6 Antworten auf „Und am Abend die Mutter aller Sonnenuntergänge…“

  1. Hallo Jens,

    ein wunderschönes Sonnenuntergangsbild !!! Und Dein Traktor erinnert mich an unseren kleinen roten Traktor, den wir früher hatten (neben dem großen). Nix vonwegen Servolenkung. Da mußte man richtig reinhauen, um die Spur zu halten. Ich erinnere mich gut daran, daß ich einmal den Traktor auf die Apfelbaum-Wiese gefahren hatte und ihn nicht mehr aus bekam. So eine Blamage. Da mußte ich extra nach Hause laufen, um jemanden zu holen, der ihn aus machte.
    Sag mal, Jens. Hast Du kein Hackebeil zum Holzhauen? Ein Spalthammer, das kann doch jeder. Schön mit Schmackes mit dem Beil, und hinterher weißt Du, was Du erledigt hast. Nene, dieser Fortschritt!

    Gestern Abend, mitten beim Fernsehschauen (Star Trek – Raumschiff Voyager) (meine Tochter und ich, wir sind geheime Trekkis) fiel der Strom aus. Aufregung im Treppenhaus. Alle wollen nach ihren Stromkästen schauen. Ja, der Strom ist überall ausgefallen. Ein Blick vom Balkon: Ja, auch andere Häuser sind betroffen. Viele Leute hängen nun auf ihren Balkonen. Als ob die Zeit angehalten wurde. Munteres Geplapper. Wir nutzen die Gelegenheit, noch ein wenig auf dem Balkon zu lesen. Nach einer halben Stunde ist er wieder da, der Strom. Ein schönes Zeitfenster!

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      leider hält die Kamera nicht fest, was man sieht. Die Sonne ist viel kleiner und das glühende Rot ist nicht zu sehen. Man muss halt ins Licht fotografieren.

      Traktor ausmachen muss einfach wissen – kein Schlüssel, nur der Dekompressionshebel. Abwürgen. Diese kleinen alten Trecker sind schon sehr süß und ich bin natürlich megastolz auf meinen Oldtimer, der zudem so süß aus der Wäsche schaut. Auf dem Land braucht man einfach einen Traktor. Haben hier viele. Lastesel.

      Spalthammer hat es schon immer gegeben! Also: Hast du Weichholz, nimmst du die Spaltaxt. Bei Hartholz wie Eiche oder Buche den Spalthammer. Das Beil kannst du nehmen, wenn das Holz schon auf Ofenlänge geschnitten ist. Sonst haust du mit dem Beil auf den Stamm und es bleibt einfach nur stecken – wie die Axt in hartem Holz auch. Gestern das Holz war zwar Fichte, aber weil es schon länger gelegen hat, war es sehr unkooperativ. Normalerweise hätte ich meinen elekrischen 7t-Spalter genommen, aber ich wollte es sportlich. Du schaust, wo der Kernriss ist. Der gibt vor, in welche Richtung sich das Holz spalten lässt. Normalerweise haut man da drauf und schon ist das Holz in zwei Teilen. Nicht so gestern. Draufgehauen, nix. Also musste ich Keile mich Brachialgewalt reintreiben. Trotzdem war das Holz nicht aufgerissen. Ich musste zusätzlich noch mit dem Spalthammer drauf eindreschen. Das war schweißtreibend – oder: Landleben-Muckibude:)

      Stromausfall ist in der Stadt bei schönem Wetter sicherlich schön. Der Stecker ist rausgezogen. Fernseher aus. PC. Ein schönes Zeitfenster:)

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,
    schön, dass du trotzdem losgefahren bist, auch ohne Freund. Er scheint was verpasst zu haben. Ich weiß weder was ein Spalthammer noch was ein Alu-Keil ist, aber es hört sich beides sehr beeindruckend und männlich an. Die Fotos sind wunderschön. Der Traktor sieht sehr stylisch und vintagemässig aus. Macht sich bestimmt gut vorm Haus.
    Liebe Grüße
    Nicola

    1. Hi Nicole,

      ja, gestern Abend hat es mich hochgezogen. Auf den Sonnenuntergang hatte ich mich riesig gefreut. Mein Traktor ist schon ein Schätzchen:)

      Ein Spalthammer? Groß wie ein Vorschlaghammer mit spitzer und stumpfer Seite. Die spitze Seite ist wie eine breite Axt geformt. Jedoch ohne scharfe Klinge. Sie ist quasi wie ein metallkeil geformt, der ins Holzeindringt und die Fasern auseinnedrschiebt. Das Holz reißt auf. Ein Alukeil ist ein Keil aus Aluminium, der, wenn das Holz nicht reißen will, in den Stamm geschlagen wird. Man haut dann so lange drauf, bis das Holz nachgibt uns sich spalten lässt. Man muss es spalten, damit es in den Ofen passt und damit es trocknet. denn nur trockenes Holz verbrennt gut und umweltgerecht.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Hi Danièle,

      er hat diese schönen Sitzbänke rechts und links – da wird man allerdings ordentlich durchgerüttelt, weil es keine Stoßdämpfer gibt.

      Liebe Grüße

      Jens

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