Vive la France!

Jetzt habe ich die ganze Zeit erzählt, dass ich an die Ardèche fahre und dann hat sich letztlich rausgestellt, Irrtum. Es war nicht die Ardèche, sondern der Chassezac. Ein Zufluss der Ardèche. Egal, war trotzdem landschaftlich ausgesprochen reizvoll. Im Übrigen hatte ich als Betreuer eh alle Hände voll zu tun. Kümmern, machen, tun, regeln, organisieren, hinschauen, trösten, aufbauen. Das waren fünf wirklich intensive Tage mit relativ wenig Schlaf. Klassenfahrt mit 38 Teens.

Ich bin mit einem anderen Vater zusammen in dessen Auto gefahren, damit wir für den Fall der Fälle ein Auto vor Ort haben. Hat sich letztlich als unnötig herausgestellt, aber man weiß ja nie. Also sind wir auf der Hintour die Nacht durchgefahren, haben die Zelte aufgebaut und waren dann schon in der Natur unterwegs. Eine Gruppe zum Trekking den Fluss hoch, eine Gruppe zum Klettern den Fels hoch. Ups! Nicht so ein bisschen den Fels hoch, nein. So richtig. 20 Meter die steile Wand raufklettern. Klar, mit Helm, Gurt, Seil und erfahrenen Kletterern. Aber da sind schon einige Tränen geflossen, weil das echt Überwindung kostet, da raufzuklettern und sich dann von oben senkrecht abseilen zu lassen. Nur im Seil hängend, mit den Füßen an der Wand und ansonsten fast waagerecht in der Luft. Einige kamen runter und brachen mehr oder weniger glücklich in Tränen aus. Selbstverständlich wurde niemand zu nichts gezwungen, aber der Ehrgeiz ist einfach da.

Essen gab es dann jeweils am Abend auf dem Zeltplatz, für den Tag konnten Baguettes belegt werden. Und die waren ziemlich nötig, denn die Tour hat allen körperlich einiges abverlangt. Zum Beispiel beim ganztätigen Kanufahren – teils mit Überwindung von Stromschnellen. Mit einer Mutter zusammen im Kanu bin ich am Ende gefahren, damit niemand verloren geht. Gar nicht so einfach, mit einem Kanu geradeaus zu fahren, wenn zwei oder teils auch drei Leute paddeln. Teils wurde sich gedreht, Zick-Zack gefahren, Fluß aufwärts, rückwärts… Das war ganz schön anstrengend und nicht alle konnten das hundertprozentig mit Humor nehmen, weil es einfach ziemlich anstrengend war. Aufbauarbeit, Bootbesatzungen austauschen, gute Worte, Ablenkungsmanöver…

Auf der Hälfte der Kanustrecke erwartete uns dann der Sprungfelsen mit Sprungmöglichkeiten aus 3 m, 5m, 8 m und 13 m Höhe. Bibber! 13 m! I did it! Zuvor war ich mal im Schwimmbad auf einen 10 m-Turm geklettert und gleich wieder runter gegangen. Hier aber war das anders. Als wir als letzte ankamen, waren die Jungs teils schon mehrfach von ganz oben runtergesaust. Dann auch die ersten Mädchen. Vorne an den Fels und Hopps. Das Problem bei 13 m: Es ist genug Zeit, dass sich der Körper in der Luft drehen kann. Auch in eine ungünstige Lage. Muss man ein wenig mit den Händen austarieren. Jim ist auch gesprungen. Gutes Gefühl, sich getraut zu haben. Da hatten einige der jungen Menschen ein ziemliches Leuchten in den Augen.

Am nächsten Tag ging es anderthalb Stunden mit dem Bus in die Berge – raus aus dem Cevennen-Nationalpark in ein benachbartes Gebirge. Canyoning. Mit Neoprenanzug und Poporutscher, um den Anzug zu schützen. Weil es so heiß war, haben wir die Anzüge nur an den Stellen angezogen, wo es ins Wasser ging. Highlight war ein Sprung aus acht Metern Höhe. Von einem kleinen Felsvorsprung neben einer Hängebrücke in ein Bassin. Traumhafte Landschaft. Heller Fels, klares Wasser, grüne Pflanzen, blauer Himmel. Große Begeisterung bei allen – trotz Wandern in der Hitze. Was für eine Landschaft! Wer die Gegend noch nicht kennt und Natur und Berge und wilde Flussläufe und Outdoor mag, der ist hier im Paradies.

Dann waren wir noch einen Tag auf einem großen Markt, wo ich für uns zwei Oleanderpflanzen gekauft habe, und konnten einen Tag bei uns am Campingplatz am Labyrinth verbringen. Das Labyrinth ist eine Felsformation im Wasser, durch das der Chassezac im Laufe der Zeit Kanäle gespült hat. Das Wasser fließt da beschleunigt durch und nimmt einen mit. Großer, großer Spaß. Einen Abend waren wir in der Disco – Open Air auf der Terrasse eines benachbarten Restaurants. Unsere Teens haben sofort die Tanzfläche gestürmt und nicht mehr verlassen…

Es ist wirklich faszinierend und belebend, so eine Tour mitzumachen. Kann ich Eltern nur empfehlen. Die Schüler/innen zu erleben, zu sehen, wie die drauf sind und festzustellen, das so viele Vorurteile vollkommen unberechtigt sind. Die Jugend von heute ist genauso super wie die Jugend von gestern. Die Sprüche, Ideen. Verrückt! Und: Großer Zusammenhalt. Hatte irgendwo irgendwer bei irgendwelchen Aktivitäten Probleme, gab es immer Hilfe oder gute Worte von den anderen. Keine Frotzeleien, wenn es drauf ankam. Große Freude aller, wenn jemand unerwartet von ganz oben runtergesprungen oder nach ganz oben geklettert war. Natürlich gab es auch die zwischenmenschlichen Dramen, die bei Pubertierenden anstehen. Aber auch hier – gutes, nettes Miteinander. Hut ab. Wenn die für eine ganze Generation stehen, sehen wir guten Zeiten entgegen.

Freitag sind wir zurückgekommen. Wieder waren wir eine ganze Nacht durchgefahren und ich habe das halbe Wochenende mit Schlafen und Zelt reinigen verbracht. Denn in einer Nacht hat es durchgeregnet, was am nächsten Tag roten Schlamm im gesamten Zeltlager verteilte. Lecker! Da haben einige gelernt, dass Zelte gut gespannt sein sollten und Klamotten im Innenzelt am besten aufgehoben sind. Trotzdem waren alle überraschend gut drauf und ich bin mittlerweile auch wieder ausgeschlafen und bereit für eine neue Woche voller Abenteuer… Büroabenteuer, Textabenteuer, Blogabenteuer:)

4 Antworten auf „Vive la France!“

  1. Bonjour, Jens,

    wow, das scheint eine erfüllte, gute Zeit gewesen zu sein in Frankreich. Schön, daß Du dabei sein konntest. Bestimmt flirren noch immer viele Eindrücke in Deinem Kopf. Und dann schon wieder Textarbeit.

    Ich wünsche Dir trotzdem einen guten Wochenstart.

    Annegret

    P.S.: Das Katz-und-Maus-Spiel von Sonne und Wolken geht uns allmählich auf die Nerven. Die Kinder wollen „schöne Sonne“ für die Ferien. Bitte, bitte, Petrus!

    1. Hi Annegret,

      ja, Bonjour. Da schwirrt noch einiges durch den Kopf. War sehr aufregend und abenteuerlich. Eine gute, intensive Erfahrung. Und Frankreich. Ach, so schön. Abends haben wir Betreuer uns auch ein Glas Rotwein gegönnt und geklönt. Und: meistens hat die Sonne geschienen. Sommer.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Welcome back, Jens – das war ja wohl wirklich eine tolle Erfahrung! Ich finde es klasse, wenn sich Eltern so engagieren – und wie du schon sagst, man bekommt ja auch etwas dafür und lernt die kids aus einer ganz anderen Perspektive kennen.
    Na, dann mal wieder an die Arbeit – zum Glück sind ja bald Schulferien!
    Eine gute Woche wünsche ich euch!
    Uta

    1. Hi Uta,

      zurück in Deutschland und im Blog. Und dann bald schon wieder in Italien. Bis nächste Woche gibt es noch einiges zu tun. Unter anderem den Klassenlehrer von Jim am Freitag verabschieden. Da wurde ich ausgewählt, die Rede zu schreiben. Als Texter hängt man irgendwie immer drin.

      Jim und die anderen so live zu erleben war schon klasse. Das macht einfach unheimlichen Spaß, mit denen zusammen so eine Fahrt zu unternehmen. Ich hatte eigentlich ein schlechtes Gewissen, dass ich schon wieder dabei bin. Eigentlich wollte ich anderen Väter den Vortritt lassen. Aberr es wollte niemand. Wahrscheinlich wegen der Urlaubstage. Naja, so ist das. Ich denke, das sind einmalige Gelegenheiten auch die eigenen Kinder zu erleben. Natürlich mit Abstand, wollte Jim ja nicht nerven…

      Liebe Grüße

      Jens

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