Warten auf den Vollmond

Nein, ich werde ihn nicht anheulen. Meine Zähne werden auch nicht wachsen. Ich warte auf den Wetterwechsel. Der Wind kommt derzeit aus nordöstlicher Richtung. Nordwind. Was ist gut gegen Nordwind? Wir hatten das vor kurzem, als es um den Südwind ging, der so angenehm warm daher kam. Normalerweise liegen wir hier in der Westwind-Zone und werden vom Atlantik her mit einigermaßen warmer und feuchter Luft verwöhnt. Der Golfstrom spielt da eine Rolle. Nun: Nordost. Schräg von oben.

Kürzlich hatte ich einen Text über den Klimawandel geschrieben und hatte gefragt, was denn nun los sei. Da kam die Antwort über Twitter. Vladimir Petoukhov vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung schreibt im Wissenschaftsjournal Geophysical Research, dass in der russischen Karasee, ein Teil des arktischen Ozeans, das Eis schmilzt. Die See ist eisfrei, das Wasser wärmer als die Luft, warme Luft steigt auf und verdrängt die kalte Luft der arktischen See. Es entstehen Winde, die sich zu uns bewegen.

Deshalb durften unsere Kinder heute eine Stunde länger schlafen – verspäteter Unterrichtsbeginn. Die Nachbarkinder haben frei, weil der Bus nicht kam. Unsere Kinder fahren mit einem anderen Bus, weil sie auf die Waldorfschule gehen (Ja, ja, ich weiß, das sind die, die ihren Namen tanzen können – immer wieder beliebtes Comedythema). Da stehen dann die Mütter und warten, ob der Bus kommt. Eigentlich müssten sie zur Arbeit, die Stechuhr wartet. Verzwickte Situation. Um 8 Uhr war dann klar, dass heute kein Bus mehr kommt. Abfahrt. Wohin mit den Kindern? Nordostwind. Ein kleiner Gruß aus der Karasee.

Nun kommt das Prinzip Hoffnung ins Spiel. Am 21. Dezember ist Vollmond. Der bringt meist den Wetterwechsel. Wenn er so voll am Himmel steht, beeinflusst er die Welt. Menschen und Wetter. Was sich genau ändert, weiß ich nicht. Aber da er so viel Kraft hat, Ebbe und Flut zu bewirken (bei Vollmond sind Ebbe und Flut besonders ausgeprägt), hat er auch die Kraft, Windrichtungen zu ändern. Vielleicht kommen wir dann wieder in den Genuss von Atlantikregen. Weiße Weihnacht würde dann natürlich ausfallen. Aber das Leben würde etwas geregelter laufen und ich müsste nicht um 5:50 Uhr den ersten Anruf entgegennehmen, der mir sagt, wie das heute mit den Schulbussen läuft. Telefonklingeln um diese Uhrzeit – voll aus dem Tiefschlaf gerissen. Eklig.

Ich hab mir dann den Hund geschnappt und bin raus auf die Wiesen über dem Dorf. Fantastische Luft, die da von Nordost rüberkommt. Die hat zwar unser Auto mit einer fetten Eisschicht überzogen, aber lässt sich ziemlich gut atmen. Frisch wie in der Zahnpastawerbung. Bis zum Vollmond werde ich die weiter genießen – dann bin ich gespannt, wie das Wetter am 22. Dezember aussehen wird. Ich könnte tatsächlich gut ein wenig Südwind vertragen. Da bin ich mit Emmi Rothner weiterhin einer Meinung.

Wünsche euch einen schönen Tag. Ciao.

10 Antworten auf „Warten auf den Vollmond“

  1. Hallo Jens,

    nein, Wetterwechsel war gestern, genauer gesagt gestern Abend. Mal ein Stündchen nicht aus dem Fenster geschaut und schon alles in Weiß, ganz lautlos, so mal eben dahingeschneit, bis abends um elf, alles abgetaucht unter 10 cm Schnee, ganz friedlich, bis man schon die ersten „Schnee-Schipper“ hörte, die preußischen, ordnungsliebenden Gehweg-Befreier.

    Mit Emmi und Leo bin ich noch nicht fertig geworden, weil mich diese autotechnisch begleiten. Bei Schnee und Eis bevorzuge ich es, meinen Wagen ruhen zu lassen und mich fußtechnisch fortzubewegen. Sie müssen noch etwas warten.

    Falls sich der Südwind meldet, werde ich ihm sagen, daß Du sehnlichst auf ihn wartest.

    Laß Dich nicht einschneien.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      Wetterwechsel? Gestern Abend? O.K. – neuer Schnee und noch kälter. Aber, aber, sehr geehrte Frau Annegret. Hier liegt Ende November durchgehend Schnee. Der ist zwischenzeitlich mal angetaut und hat sich Gefrierbrand geholt, aber es ist ein einziges Wetter gewesen: Schneewetter. Mit nuancierten Temperaturwechseln, wobei die positiven Zahlen immer dich bei der Null geblieben sind. Weioße Weihnacht wäre schön, aber durchgehend Schnee bis in den März lehne ich ab. Ebenso Minustemeperaturen. Weißt du, was ich morgens alles anziehen muss, damit ich in der Wildnis nicht erfriere? Sollte einmal wochentags bis 10 Uhr kein Blogbeitrag erscheinen, wäre ein Suchtrupp mit 10 Hubschraubern und mehr angemessen. Nicht warten, direkt losschicken. Heldenhaft werde ich im Schnee liegen und der Luftkavallerei ein letztes „Reitet ohne mich weiter zuhauchen“. Mein treuer Hund Cooper wird mein Gesicht lecken (ih!). Nein, so soll es nicht kommen. setze alles auf den Vollmond. Rien ne va plus.

      Schneegrüße

      Jens

  2. Guten Morgen,

    gut gegen Nordwind! Ein tolles Buch! Und als Theaterstück einmalig gut! Wir mussten es gleich zweimal schauen! Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie man einen Dialog auf die Bühne bringen will! Aber es ist außerordentlich gut gelungen!!!

    Ich mag den Nordwind – im Winter! Ich brauche keinen Wetterwechsel! Aber beeinflussen werd ich es nicht können – irgendwie zum Glück ;)! Gibt es doch hier noch etwas auf dieser Welt, wo der Mensch noch nicht eingreifen kann.

    Ich wünsche einen wunderschönen Tag!

    Viele Grüße
    Claudia

    1. Hi Claudia,

      mir ist das Wetter eindeutig zu kalt. Ich bin eine alte Frostbeule. Pullover, Pullover, Daunenjacke. Ah, mein Büro ist schön kuschelig. Und abends der Ofen. Das ist sehr schön. Aber morgens der Weg bis zum T-Shirt. Nightmare, Horror. Gut gegen Nordwind auf der Bühne stelle ich mikr auch schwierig vor, weil der Text ja davon lebt, dass sie sich nicht sehen und begegnen. War dann sicherlich gut gemacht. Für die Schauspieler aber sicherlich ein gefundenes Fressen, all diese Gefühlszustände zu spielen.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,

    bei uns war es tatsächlich so, daß mit dem Regen in nullkommanix der ganze Schnee und das Eis weggespült wurde. Es herrschte Winterpause. Ich habe die Gelegenheit gleich für einen Großeinkauf mit meinem Autochen genutzt (so in Richtung Mineralwasser- und Toilettenpapier-Nachschub) . Und erst gestern gab es wieder Schnee. So ein Lotterie-Spiel – Findet Schule statt? Fährt der Bus? – und frühmorgendliche Telefonate zu Unzeiten sind schon ätzend! Aber mit dem Wetterwechsel , einem definitiven, oder die Hoffnung darauf, solltest Du bis nach Weihnachten warten. Was würden Deine Kinder zu Weihnachten ohne Schnee sagen, zumindest Deine Tochter? Stell Dir vor: „Leise rieselt der Schnee“ auf dem Klavier – und draußen Regen? Geht doch gar nicht! Bei „Nothing Else Matters“ schon. Bis März Schnee und Kälte muß nicht sein. Und ich hoffe, daß Dein Herr Cooper als Dein persönlicher Rettungshund immer – nach Art der Schnee-Rettungshunde – eine Notration Überlebenselexier bei sich trägt.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      hier istz er liegengeblieben. Auf unserer Sonntagswanderung war er zwar sulzig, aber er war da. Weiße Weihnacht wäre natürlich schön. Nur hier ist das mit dem Wetter schon ganz schön heftig. Dauernd auf fester Schneedecke fahren, morgens das Auto enteisen, um überhaupt die Kinder zum Bus bringen zu können. das Wetter greift in so viele Lebensbereiche ein. Dann haben die Kinder jetzt oft früher Schule aus und wir müssen sehen, wie wir mit der Zeit und der „Betreuung“ hinkommen.

      Ich denke, Cooper wäre mir im Fall der Fälle keine große Hilfe. Vielleicht nur, weil er kuscheln käme, die alte Bestie.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Ach ja, „wenn jetzt Sommer wär’…“ Zur Zeit frage ich mich, ob es in diesem Land überhaupt noch eine andere Jahreszeit als WINTER gibt??? War da noch ‚was anderes? Ich frier mich auch tot. Obwohl es zugegebenermaßen auch schön aussieht mit dem Schnee. Als gestern um Mitternacht die letzten Autos durch unsere Straße gefahren waren und die Reifenspuren wieder zugeschneit waren, sah es aus wie eine Märchenlandschaft, zeitlos, friedlich, heile Welt. Wir müssen es eben nehmen wie es kommt, ich bin dabei, das zu lernen ;)
    Lagebericht und herzliche Grüße aus dem dauerhaft beschneiten Ostwestfalen von
    Uta

    1. Hi Uta,

      du bist auch eher der Sommertyp. T-Shirt und raus. Kaffee auf der Treppe, warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Ah. Kalte Füße, kalte Nase, kaltes Alles. Ih. Dabei mag ich die weiße Lanschaft, das Licht, die frische Luft, nur allein die Kälte macht mir zu schaffen. Brrrr.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Also, ich find‘ den Winter schön. Jetzt. Seit Jahren das erste Mal eine Chance auf weiße Weihnachten. (Noch.) Beimirzulande sind wir ja sehr gefährdet, dass ein schneller Föhneinbruch alles alles Weiß wegfrisst.
    Ab Ende Jänner, spätestens Februar Sehnsucht. Kleine gelbe Blumentöpfchen auf dem Fensterbrett…

    Viele Schneegrüße von
    filomena99

    1. Hi filo,

      das WEeiße finde ich auch schön. Und das Licht und die Luft. Aber die Kälte setzt mir zu. Morgens weit unter Null. Bibber. Außerdem verkompliziert das Wetter das Leben gerade ungemein. AQuto enteisen, Kinder kommen früher aus der Schule, fahren später in die Schule oder überhaupt nicht. Haben sie frei, fahren wir sie zu Freunden zum Schlöittenfahren etc. Sehr unruhig. Da muss man sehen, woher die Arbeitszeit kommt. Bin ich draueßn mit Cooper unterwegs und in der dicken Daunenjacke schön durchgeglüht, ist alles Bestens. Dann genieße ich auch…

      Liebe Grüße

      Jens

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