Weshalb Kerle Probleme mit Waschmaschinen haben

Harley Davidson SPORTSTER, Porsche 911 Turbo, Lambhorghini Countach… Das sind Teile, die gestandenen Männern Tränen in die Augen treiben können. Benzingespräche, PS liegen in der Luft, Sprüche: Hubraum kannst du nur durch eins ersetzen – Hubraum. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, in einem amerikanischen Dodge Charger bei einem Kunden mitzufahren. Benzingespräche. 425 PS. 6,1 Liter Hubraum. Der hörte sich nicht nur an wie ein Rennwagen. Waren wir schnell.

Freude am Fahren, Technik, die begeistert. Um hier mal kurz in die Werbeschublade zu packen. Tief rein. Jetzt bringen wir mal ein paar andere Namen ins Spiel. Miele, AEG, Bauknecht, Bosch, Siemens, Samsung. Die produzieren auch Technik. Geile Teile. Statt 6,1 Liter Hubraum haben die bis 7 Kilogramm Fassungsvermögen. Echte Helden des Alltags. Die laufen teils rund um die Uhr und nehmen, was kommt. Schmutzwäsche aller Couleur und Art und Weise. Waschautomaten. Frontlader, Toplader. Waschmaschinen. Maschinen. Ich habe mir mal so ein Königsteil, nein, ich müsste sagen Königinnenteil rausgesucht. Die Miele W 6576 WPS Premium Edition. Rolls Royce. Mit patentierter Schontrommel, LED-Trommelbeleuchtung und besagtem 7 KG Fassungsvermögen sowie bis zu 1.600 U/min-Schleudergang. Pure Kraft und Leistung. Hey, die kann was. Die zieht was weg. Und das mit Energieeffizienzklasse A+++. Die braucht für einen Waschgang keine KWh Strom.

Ein Wunderwerk der Technik und trotzdem. Ich muss es zugeben. Sie haut mich nicht vom Hocker. Zieht mich nicht magisch an und tatsächlich – selbst wenn wir sie hätten, ich wollte nicht viel mit ihr zu tun haben. Ein Phänomen. Gestern war eine Kundin bei mir im Büro. Sie kam als Parlamentärin ihres Unternehmens und wir besprachen den Entwurf eines Internetauftrittes. Wird eine schöne Sache. Neben allen Details schweifen die Gespräche zwischendurch ab. Das geschah, als Ela wegen der Grafik hinzukam. Plötzlich drehte sich das Gespräch im wahrsten Sinne des Wortes ums Waschen. Ela meinte: „Das mache ich hier bei uns komplett.“ Und die Kundin meinte: „Mein Mann hängt höchstens mal ab. Wir haben mittlerweile zwei Maschinen weil die Jungs so viel Sport treiben.“ Hm. Fiftyfifty. Erwischt. Breitseite aus der Frauenecke. Sie sagten das ganz ohne Vorwurf, beiläufig.

Beide haben das akzeptiert. Ich könnte mich jetzt verteidigen und erzählen, was ich so alles übernehme. Da ließe sich eine Verteidigungsstrategie aufbauen, euer Ehren. Aber das lasse ich mal. Gehe ich lieber der spannenden Frage nach, weshalb Männer zum Beispiel durchaus kochen und gerne kochen, der Waschmaschine und deren Inhalt aber gerne den Rücken zukehren. (Falls das tatsächlich so ist?) Ich weiß es nicht. Das heißt, ich weiß es nicht im Allgemeinen. Also empirisch wissenschaftlich hinterlegt (was ich eher nur bedingt und eingeschränkt schätze). Wenn ich in mir selber stöbere, komme ich zu einem emotional vagen Ergebnis. Ich kann nur sagen, mein Inneres lehnt das ab. Macho? Keine Ahnung. Vielleicht stammt das aus der Zeit, als unsere Kinder Babys waren. Ich erinnere mich an komplette Waschmaschinenladungen mit Minisocken und Unterhemdchen. 10.000.000 Teile in einem Wäschekorb. Allein das Aufhängen. Das Befestigen eines Minisockens mit einer Riesenklammer und das wieder und wieder, bereitete mir Unwohlsein. Und dann das Zusammenlegen, gerade streichen. Wem gehört denn jetzt diese Unterhose? Stapel bilden. In den Schrank räumen. Chaos, Fluch, Abneigung. Zutiefst.

Ela macht das mit einer bewundernswerten Ruhe und Gelassenheit. Sie schmeißt sich ein Hörbuch rein und los geht’s und schon ist sie fertig. Ich quäle mich durch die Wäscheberge, die für mich härter sind als die Besteigung eines Viertausenders. Mental nimmt mich das mit. Mein Körper fühlt sich unwohl, windet sich, die Haut passt nicht, die Finger haben ein komisches Gefühl. Komisch. Wäscheallergie. Ich weiß, ich weiß. Mitleid habe ich nicht zu erwarten und wahres Verständnis wohl nur von Leidensgenossen.

Was ich zu meiner Verteidigung vorbringen kann, euer Ehren: Ich versuche es trotzdem regelmäßig und ich übernehme andere Haushaltsaufgaben, um dieses Manko zu kompensieren. Fiftyfifty-Ausgleichsleistungen. Was psychologisch dahinter steckt? Bemühen wir einfach die Entwicklungsgeschichte des Mannes. Jäger. Da sind 425 PS deutlich besser geeignet als 7 KG Fassungsvermögen. Vielleicht sind wir einfach noch nicht so weit…

Dann bin ich mal auf das Echo gespannt:) Gnade! Euch einen schönen Frühlingstag im Weichwaschgang mit Lenorduft und den aprilfrischen Farben des Lebens. Vielleicht wagt ihr mal ein Experiment? Männer an die Maschine. Im Eigen- und Gegenüber-Versuch. Würde mich interessieren, was rauskommt. Empirisch. Aber bitte keinen Stress…

15 Antworten auf „Weshalb Kerle Probleme mit Waschmaschinen haben“

  1. Diese verflixte Technik – Kaum drückt frau die falsche Taste, schon verschwindet der Text – mittlerweile zum 2. Mal – in den Unendlichkeiten des Wer-Weiß-Wohins.

    Hallo Jens,

    Wäschewaschen gehört genauso zum Alltag wie Einkaufen. Keine saubere Wäsche + kein Nahrungsnachschub = Alltagschaos (neben den anderen mehr oder weniger wichtigen Punkten). Und, lieber Jens, wenn Du schon vom Rolls Royce unter den Maschinen sprichst: Je effizienter die Maschine, desto begeisterter die Frau. Mit 1.600 Touren und 7 kg Fassungsvermögen macht sich die Wäsche doch fast von selbst. Liebe Männer oder technisch versierte Frauen, die Erfindung des Jahrtausends wäre: Eine Maschine, in die man/frau Wäsche eingibt und die schrankfertige Wäsche ausliefert. Dafür würde es mehr als nur den Nobel-Preis geben! Und ist es bei den lieben Herren nicht auch so, daß sie effiziente Maschinen lieben? Ich erinnere an Rasenmäher, Kreissäge, Häcksler (Lieber Duden, wie schreibt man nun das verflixte Ding?), Motorräder, Autos … Die Sache mit der Bevorzugung von Arbeiten ist – jaja – entwicklungstechnisch bedingt. Frau Kochtopf, Mann Nahrungsnachschub. Warum wurde den Frauen nicht beigebracht, mit Pfeil und Bogen umzugehen? Nein, das ist nur was für Männer. Genug der Lästerei!

    Sonnige Grüße

    Annegret

  2. Hi Annegret,

    eigentlich müssten wir ja allmählich über das Stadium der entwicklungstechnischen Determiniertheit hinweg sein. Scheinbar läuft das mit dem modernen Mann und der modernen Frau aber nicht gaz so einfach und reibungslos. Wobei wir dann schnell wieder beim Thema Sozialisierung sind. was hat der Papa vorgelebt? Also meiner hat nur gesessen. Hausarbeit? Null oder weniger. Also bin da schon eine Ecke weiter, was ja auch nicht schwierig ist bei einer Ausgangsbasis Null. Vielleicht schafft die nächste Generation dann auch noch die Wäsche. Oder vielleicht schaffe ich das auch noch… Mal sehen.

    Liebe Grüße

    Jens

    P.S. Ja, Rasenmähen, Holz klein sägen. Motorenlärm. Da bin ich dabei. Ausfahrten mit dem Traktor. Juchhu. Die mag meine Tochter allerdings auch sehr. Nicht, dass das in die falsche Richtung läuft.

    1. Hallo Jens,

      auch Töchter können Traktor-Fahren lernen, natürlich erst ab dem erlaubten Alter (wie war das noch mal?) oder auf nicht öffentlichen Plätzen. Euer Schulhof, von der Feuerwehr genutzt, zählt natürlich nicht dazu. Klitzekleiner Hinweis: Töchter werden größer und können auch „Arbeiten“ übernehmen, falls der Vater mal fußmässig oder so …

      Viele Grüße

      Annegret

      P.S.: Schöne Bilder hast Du gezaubert!

      1. Hi Annegret,

        das wird sie bestimmt machen, sobald sie die Kraft hat, die schweren Pedale zu treten. Das ist schon ein wenig anders als bei neueren Fahrzeugen. Sie hilft mir auch immer im Wald beim Holzmachen. Schleppt tatsächlich. Meistens geht es hier ja kunterbunt durcheinander mit der Aufgabenverteilung. Nur ein Ressort, das hakt…

        Liebe Grüße

        Jens

  3. Hallo Jens,

    vorab muss ich erwähnen, dass ich einen 6,1l Big-Block jeder Waschmaschine vorziehe. Andererseits bin ich es von Zuhause gewohnt mich auch in den Haushalt einzubringen, da ich aus verschiedenen Gründen schon relativ früh damit anfangen musste. Die Waschmaschine ist z.B mein Hoheitsterritorium. Das macht mir einfach Spass, das Bügeln dann weniger, dass macht meine Frau – fiftyfifty halt. Ich bin auch für den Einkauf aller Putzmittel zuständig – Cheflogistiker sozusagen.

    Zum Thema Waschmaschine habe ich mal was ;-) – http://goodnewstoday.de/gute_nachrichten/2010/05/25/programme-die-glucklich-machen/

    Liebe Grüße

    Raoul

    1. Hi Raoul,

      super. Die Ehrenrettung. Ist halt auch hier wie immer im Leben. Es gilbt solche und solche. Wobei das eigentliche Waschen, das mache ich noch gerne. Maschine befüllen, Waschmittel rein – nur der weitere Workflow bis zur Schrankverpackung, mit dem habe ich es nicht so. Mache ich natürlich auch ab und an, ber so ganz und gar ungerne.

      Dein Spot ist lustig – Sportprogramm:)

      Liebe Grüße

      Jens

        1. Da wir tatsächlich noch auf Asche spielen, gibt es da immer einiges zu waschen. Unsere Spiel-Trikots allerdings werden zentral von einer Spielerfrau gegen Entgelt – zwei Geld fünfzig heißt es nach dem Spiel immer – wieder in Schuss gebracht. Sonst löst sich so ein Trikotsatz immer auf.

          Bei uns steht die Maschine im dunklen alten Gewölbekeller der Schule – da ist das Zuschauen eh nicht so gemütlich:)

  4. Hi Jens!

    Ein schönes Thema :) Und sicher kein einfaches… Bei uns hat es sich aber mittlerweile ganz gut eingespielt. Ich sortiere die Schmutzwäsche und wasche, da habe ich nämlich Ansprüche, die ihm zu komplex sind (z.B. die schicken schwarzen Oberteile NICHT mit den nubbeligen Sportsocken, sondern dem Spezialwaschmittel / die neue Strickjacke NICHT zusammen mit der Bettwäsche ;-). Auf- und Abhängen teilen wir uns meistens oder es macht der, der gerade Zeit hat. (Und weil auch ich Socken aufhängen und sortierenn hasse, mache ich das Socken-Memory schon beim Aufhängen, ich finde, so geht es am schnellsten und dann sind die Socken beim Abhängen schon fertig.) Die trockene Wäsche wird gesammelt und ca. einmal die Woche beim Filmgucken von uns beiden zusammengelegt und das Beste: ER bügelt Hemden und Blusen. Ja, auch meine Blusen! Und dabei trage ich auch noch öfter Blusen als er Hemden!

    Also ran an die Socken und viele Grüße,
    sam

    1. Hi Sam!

      Danke für deinen tollen Kommentar. Emanzipation lebt! Einfach machen. Gucken, wie es passt. Gibt ja keine Patentrezepte. So aufteilen, wie es Sinn macht und lebbar ist. Gute Kompromisse. Wie wäre es schön, wenn das überschwappen würde in viele Bereiche des Lebens. Wie entspannt das wäre. Einfach mal drüber reden und nachdenken. Das ist das Schöne an Beziehungen, dass da Zeit und Raum ist, Gemeinsamkeit wachsen zu lassen.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Hallo Jens,
    welch wunderbarer Beitrag – ich habe mich köstlich amüsiert. Großartig geschrieben! So lebensnah! Als ich ihn meinem Mann vorgelesen habe, hat er beständig genickt. Dabei ist er, wie du, absolut emanzipiert – wir haben sechs Kinder, sind beide voll berufstätig, da bleibt keine Zeit für Diskussionen, wer was zu machen hat. Da MACHEN wir einfach. Und er eben auch. Nur eben nicht die Wäsche. Die Diagnose „Wäscheallergie“ konnte er sofort nachvollziehen. Und dass Mann keine Liebe zu Waschmaschinen entwickeln kann, ist für ihn auch ganz klar: „Viel zu glatt, zu weiß, zuviel Plastik. Die Geräusche zu flach, zu knatterig…“ Sein Vorschlag: eine Waschmaschine aus Chrom, stromlinienförmig, mit satten Drehgeräuschen, 4 Gängen, die über Hebel zu wählen sind… :-).
    Der „Gegenentwurf“ ist wiederum unser Sohn, 23: Er ist gerade für ein paar Monate zwecks Praktikum nach Hause zurückgekehrt. Und hat freiwillig die Wäscherei übernommen. Er ist sehr ordentlich und strukturiert veranlagt und er LIEBT es, die vielen kleinen und großen Teile aus der Maschine zu holen, sorgsam und sortiert aufzuhängen und hinterher liebevoll zu falten und auf Stäpelchen zu packen.
    So kann MANN eben auch sein :-).
    In diesem Sinne einen guten, wäschefreien Tag,
    Karin

    1. Liebe Karin,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Hat mich sehr gefreut. Sechs Kinder – wie schön! Immer Leben, Geschichten, Bewegung. Ein reicher Alltag. Hört sich gut an, vor allem, wenn Söhne zu Männern werden, die keine Probleme mit Wäsche haben. Die Idee deines Mannes, einer Männerwaschmaschine zu konstruieren, ist super. So eine, wo man Zahlen vergleichen kann: PS und so. hebel, ja. Das Ding hochfahren und durchschalten. Breiter, tiefer, schneller. So, dass Wettbewerbe im Schnellwaschen möglich sind! Highspeed-Buntwäsche in der Steilkurve des männlichen Alltags. Super Idee!

      Liebe Grüße

      Jens

      1. …genau! In der Mitte tiefergelegt. Zum Draufsitzen, während die Wäsche unter einem mit V-8er-Geräusch gereinigt wird. Auf der einen Seite die Waschmaschine, auf der anderen Seite der Trockner. Mit Soll-Bruch-Stelle an der Seite, die Mann dann ab und zu reparieren kann – erfolgreich reparieren kann.
        Und wenn die Wäsche fertig ist, beginnt ein Leucht- und Hubkonzert.
        Das muss ich mal meinen Kunden vorschlagen – so ein „For Men“-Produkt wäre doch marketingtechnisch ein Gag, gerade in einer Zeit, wo alles auf Frauen ausgerichtet wird. :-)

        Liebe Grüße,
        Karin

        1. Die Miele men. Wäre ein netter Joke. Wer weiß, villeicht gibt eds ja noch mehr Haushaltsgeräte, die sich menifizieren lassen und für den haushaltstechnischen Durchbruch in der Emanzipation sorgen!

          Liebe Grüße

          Jens

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