Wo wohnt Gott in Deutschland?

In den letzten Tagen kamen hier im Blog Glaubensfragen auf, die mich beschäftigt haben. Ich meine, die beschäftigen mich schon immer. Und ich sehe und fühle hin, was um mich herum geschieht. Mittlerweile habe ich nur noch wenig Kontakt zur Kirche, erlebe sie aber dann doch immer wieder über die Teilnahme an Konfirmationen und Beerdigungen. Bevor ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, habe ich Zahlen recherchiert. Ich wollte kurz wissen, was die Fakten sind. Nach Wikipedia sieht es so aus, dass derzeit 30,5% der Deutschen katholisch sind und 29,5% evangelisch. Macht 60% Christen. Im Westen sind es derzeit 72%, im Osten 25% (nach Zahlen der Evangelischen Kirche).

Weshalb ich recherchiert habe? Wozu ich die Zahlen brauche? Nun, ich habe den Eindruck, dass bei uns hier auf dem Land die Kirche in der Zeit, seit der ich hier wohne, sich immer weiter aufgelöst hat. Es gibt nicht mehr die Pfarrer, weil es die Stellen nicht mehr gibt. Vielerorts hier heißt es, die Kirche sei pleite. Und tatsächlich haben wir die Konfirmation meines Patenkindes in einer Kirche mit Gemeindehaus gefeiert, die zum Verkauf steht. Das war ein wenig gruselig. Die war schon entweiht oder wie das heißt und stand nun wie erschlagen da. Nachdem in unserer Gemeinde hier der Pfarrer durch Burn-out ausgeschieden ist, wird ein 50% Nachfolger gesucht. 50% Pfarrer?

Bei Beerdigungen habe ich zuletzt wechselnde Prediger erlebt, die ich nicht kannte. Und die scheinbar auch nicht von hier kamen, denn immer, wenn der Name des verstorbenen Menschen genannt wurde, mussten sie nachlesen. Da entstanden peinliche Pausen. Was ist da los? Ist das nur auf dem Land so, oder auch in der Stadt?

Nun habe ich der Kirche selbst den Rücken gekehrt, weil ich mit ihr so gar nicht zurecht kam und mich anderweitig spirituell wohler fühle. Aber es ist kein gutes Gefühl, wenn sich Glauben zurückzieht. Glauben die Menschen heute anders oder ist tatsächlich der Atheismus unaufhaltsam auf dem Vormarsch? Das behauptet zumindest der Vorsitzende der Europäischen Evangelischen Allianz, der Tscheche Jiri Unger aus Prag. „In einem Seminar der Allianz-Konferenz im thüringischen Kurort Bad Blankenburg bezeichnete er den Atheismus als die am schnellsten wachsende Weltanschauung in Europa.“

Zieht Gott aus? Aus Deutschland? Zieht er sich zurück? Oder ziehen sich die Menschen zurück? In die materielle Welt. In die Welt der Wissenschaft, der Fakten, Fakten, Fakten. Oder ist das alles gar nicht so und die Kirchen sind eigentlich voll, was ich irgendwie nicht glaube.

Mein Gefühl ist: Die Sehnsucht ist da, allein die Form passt nicht mehr. Kürzlich war ich auf einer sehr deprimierenden Trauerfeier. Es wurde nur von Leid und Schuld gesprochen. Die Verstorbene hätte uns zurück gelassen und wir müssten nun ohne sie sehen, wie wir das weltliche Sein bewältigen. Eine Beerdigung ist so schon eine emotional anstrengende Angelegenheit. Einen Menschen, den man gekannt hat, zu verabschieden. Das letzte Geleit. Wir saßen in der kalten Friedhofskapelle und es wurde immer kälter. Keine Hoffnung, ganz wenig Trost. Die einzige Handreichung: Gott. Gott macht, Gott tut, Gott überall. Irgendwie war es ein blutleerer, kühler Gott. Wie schön wäre es gewesen, Trost zu bekommen im schwierigen Augenblick. Ein Gefühl von: Alles ist gut. Menschlichen Trost. Ich habe einmal bei einer Konfirmation einen alten Pfarrer erlebt. Der war als Vertretung gekommen und hielt eine Predigt, die war so kraftvoll. Jedes Wort gefühlt. Da war wirklich etwas im Raum. Wieso ist das so selten der Fall?

Ein schwieriges Thema. Puh. Zwischendurch wollte ich es einfach lassen. Dann habe ich mir gedacht: Nö. Muss raus. Vielleicht gibt es Antworten. Würde mich interessieren.

42 Antworten auf „Wo wohnt Gott in Deutschland?“

  1. Guten Morgen lieber Jens,

    ich bin Christ, egal ob ich einer Kirche angehöre oder nicht und so weit ich das richtig interpretiere beruht unser Grundgesetz auf den zehn Geboten.

    Ich bin noch Mitglied der evangelischen Kirche, eine Frage der Zeit, wenn ich demnächst mal zum Bürgeramt komme werde ich das korrigieren. Ich werde diesen Schritt gehen, weil meine Lebenserfahrung mir sagt, dass das was die Kirche lehrt nicht der Weishet letzter Schluß ist um das mal solocker zu sagen. Längst schon habe ich mich umgeschaut, mir überall das heraus gepickt was mir gut tut.
    Ein weiterer Punkt ist das leidige Thema der Kirchensteuer, ich glaube da müssen wir gar nicht erst darüber reden.
    Ob ein Prediger den Namen des Verblichenen auswendig weiß, keine Ahnung ob das wichtig ist, mir wäre es das nicht. Was ist schon ein Name? Wichtig ist der Mensch dahinter und da gibt es riesige Qualitätsunterschiede und da weiß ich ehrlich wovon ich spreche, weil ich von 2002 – 2005 alle paar Wochen auf eine Beerdigung gehen musste.
    Es entsetzt mich auf einer Trauerfeier von kirchlichen Vertretern den Satz: „Wir beten für den, der aus unserer Mitter der Nächste ist.“ Sinngemäß korrekt ob das wortwörtlichst, keine Ahnungat wohl auch egal. Das finde ich persönlich einfach abartig.

    Ich bin der Meinung, das beide Kirchen, die evangelische und die katholische sich dringenst reformieren müssen. Sünde, Fegefeuer, Beichten müssen, auch wenn Mensch dazu gerade nix enfällt, so ging das meiner Freundin in frühern Jahren, so Grundschulzeit. En Horrortritp war dasfür se jedes Mal. Die Kirchen müssen moderner werden, Zöllibat, Mensch angucken warum und weshalb und dann endlich die Überzeugung bekommen, dass das ein Schmarren war u.v.m.

    Jeder Mensch glaubt irgendwie, auch wenn er längst schon der Kirche den Rücken zugekehrt hat.

    Herzlich
    Gitta

    1. Guten Morgen liebe Gitta,

      ja, eine Reform der Kirche. Ein Wandel, ein Neudenken. Wahrscheinlich arbeitet die Kirche daran. Ich habe gerade Dan Brwon gelesen – das verlorene Symbol. Ich weiß, Belletristik. O.K. Ein Weihnachtsgeschenk. Ein recht Unterhaltsames. Am Ende geht es um das Buch der Bücher und es werden einige Umdeutungen angeboten. Eine andere Lesart. Das war sehr spannend. Nun wird dieses Buch seit Jahrhunderten gelesen und interpretiert. Und doch sieht jedes Zeitalter es in einem anderen Licht. Ich fände es schade, wenn da ein Geschichtsfaden abbrechen würde. Schön wäre eine Evolution. Eine Weiterentwicklung. Mir hat das, was Jesus getan hat, immer sehr imponiert. „Wer frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Die Verantwortung des Menschen für sein Tun. Das steht da alles drin. Irgendwie ist als Surrogat aber eher Gott übrig geblieben. Der Weltenlenker, der alles macht und tut. Schon ist der Mensch ganz klein und entbunden. Für mich passt das nicht.

      Dui meinst unser Grundgesetz fußt auf den zehn geboten? Klar, du sollt nicht töten, nicht stehlen. Aber was ist mit „keine Götter neben mir“ und „kein Bild machen“ und „du sollst nicht Ehe brechen“? Letzteres ist vielleicht Grundlage für den Schutz der Familie und der Ehe.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Lieber Jens,

        ich habe das wirklich gelesen, dass das Grundgesetz auf den zehn GEboten beruht und denke mal zurück an die früheren Jahre, wenn Frau betrogen hatte und die ehe geschieden wurde, da war Nese mit Unterhalt und so….

        Jesus war real, ich glaube da sind wr uns einige. Um mal provokant zu sein. Ist nicht jeder Mensch Gott? Ich meine man sollte vorschtig mit dem Inhalt der Bibel, ich denke da immer an stille Post, automatisch.

        Herzlich
        Gitta

        1. Hi Gitta,

          kann gut sein, dass die zehn Gebote eine Vorlage waren. da hatten ja auch die Amerikaner sichertlich die Finger mit drin. God bless… Die Auslegungen sind ja immer das Problem. Umberto Eco, der Name der Rose. Hatte Jesus Geld und darf die Kirche deshalb reich sein? Und die Auslegung des Korans ist da ja auch so eine Sache. Wie es gerade gebraucht wird.

          Liebe Grüße

          Jens

  2. Nachtrag:
    In den letzten Jahren habe ich bei einer Beerdigung einen Pfarrer erlebt, nach dessen Predigt ich aufgewühlt und doch innerlich ruhig war. Die Beerdigung war die von Andreas und es gab zwei Gründe weshalb das die meisten Anwesenden und ich selbst so erlebt hatten. Der erste Grund war besagter Pfarrer, der Worte fand, die unglaublich waren, die berührten aber auch beruhigten, der wohl etwas auf senem Papier stehen hatte, aber trotzdem darauf reagiert hat, dass wir, Andreas Schwestern Christine und Claudia, deren Freund Florian, mein Mann und ich, alles etwas in grüner Farbe trugen, weil das Andreas Farbe war. Er baute das einfach spontan ein. Ich mag diesen Pfarrer. Das andere Ereignis und das könnte man mühelos anderm Glauben zuschreiben war der schmetterling, der sich so verhielt wie im Prolog und Epilog meines Buches beschrieben. Ich habe dann Schmetterlinge anfertigen lassen und jeder hat einen: de Frauen tragen hn als Anhänger an Ketten, die Männer haben Krawattennadeln.
    Das aber hatte nichts mit Glauben, sondern Empfindung zu tun, nicht mehr und nicht weniger.

    Herzlich
    Gitta

    1. Oh ja, es gibt sie, die Pfarrer. Bei der Beerdigung meiner Großtante, die seit einem Schlaganfall in einem Pflegeheim lebte, hat mich der Pfarrer beeindruckt. Er kannte sie. Mochte sie, ihr Wesen. Das war sehr berührend. Dass ihr das Glück bei Andreas Beerdigung hattet, freut mich sehr. Kommt aber auch nicht von ungefähr, wie der Schmetterling gezeigt hat. Coelhoes Zeichen. Die menschliche Seite des Glaubens.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Guten Morgen, Jens,

    „Wo wohnt Gott in Deutschland?“ Auf Anhieb antworte ich auf diese Frage : „Bei denen, die an ihn glauben.“ Als zweites ist mir eingefallen: „Bei meinen Eltern, bei meinen Nachbarn – bei jungen Kindern, die sanft an das Thema Gott herangeführt werden, und die nicht hören „Du mußt“, „Du sollst“….“
    Und dann denke ich an solche Leute wie mich, die quasi als Kind im Elternhaus mit Gott aufgewachsen sind, als Jugendlicher offen oder versteckt rebelliert haben und als Erwachsener eigene Wege aus der Kirche heraus gegangen sind.
    Bei meinen Eltern ist Gott, die Kirche, eine Richtschnur, die ihnen geholfen hat, auch in schweren Zeiten nach vorne zu schauen, weiterzugehen. Was mich bei ihnen stört, ist die Starre, die Unabweichbarkeit. Und was ist daran christlich, wenn man den Katholizismus als den einzigen wahren Glauben zementiert und alle anderen Leute nicht akzeptiert?
    „Wo wohnt Gott in Deutschland?“ Mit Statistik kommst Du da nicht weit, denn Du kannst nicht in die Herzen der Menschen schauen.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      immer wieder treffe ich auf entäuschte Menschen, die ihren Glauben zu sich nehmen und dcer kirche den Rücken kehren. Die katholische Kirche hat es da dopplet schwer, weil sie mit ihren Dogmen einfach immer mit dem Rücken zur Wand steht: Zölibat, keine Verwendung von Kondomen. Und dann die unsäglichen Äußerungen zur Homosexualität. Das passt vieles einfach so ganz und gar überhaupt nicht. Dennoch finde ich die Institution Kirche so wichtig. Auch als Gegengewicht zur Rationatlität und faktischen welt der Wissenschaft. Immer tauchen Experten auf, die alles wissen. Warum, wenn das Wissen da ist, passiert dann so viel Mist? Egal. Die Statistik war für mich nur von Bedeutung um zu sehen, wo wir stehen. Für mich fühlt sich das anders an.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Hallo Jens,

        ich stimme Dir zu: Kirche ist wichtig. Aber Kirche, wie sie in der heutigen Zeit praktiziert wird, ist – sorry – nicht wirklichkeitsnah. Okay, es gibt Ausnahmen. Das begrüße ich sehr. Kirche als Bindeglied zu den Menschen, das wird benötigt.
        Es ist nicht so, daß ich nicht glaube, aber nicht gebunden an die Kirche als Ort. Glaube ist überall.

        Liebe Grüße

        Annegret

        1. Hi Annegret,

          ich denke, Kirche ist momentan viel wichtiger, als sie selber glaubt. Allerdings funktionieren da ein paar Dinge nicht mehr so wie früher. da müsste tatsächlich grundlegend neu gedacht werden.

          Glaube ist tatsächlich überall. Der geht durch Mauern und um die ganze Welt. Gedanken können fliegen. Wünsche. Das geht schnell in den Esoterikbereich, der so abgelehnt wird. Obwohl es mittlerweile wissenschaftliche Erkenntnisse um verschränkte Teilxchen gibt…

          Liebe Grüße

          Jens

      1. Hallo Gitta,

        meine Eltern kommen aus der Kriegsgeneration. Ich glaube, da brauchte man einen Halt. Ich glaube nicht, daß ich Krieg aushalten könnte. Ja, schwere Zeiten binden einige mehr an die Kirche, andere führt sie weg, weil man nicht mehr glauben kann angesichts der Hilflosigkeit. Genau wie Du, habe ich ein Kind verloren. Trotzdem habe ich mir nie die Frage gestellt: „Warum kann Gott das zulassen?“

        Viele Grüße

        Annegret

  4. Ich lese immer wieder gerne deine inspirierenden Veröffentlichungen.

    Nun, ich bin kein Christ – habe auch keine andere Religion, daher nicht mal ein Heide. Nein ich bin Atheist und von daher habe ich kein Gott und komme damit, wie ein Großteil meiner Familie, ganz gut ohne aus. Und nur der Vollständigkeit halber, Atheist im Sinne von Gott und und Religion. Kirche ist da nur nebensächliches Beiwerk.

    Was für mir mich emotional nicht nachvollziehbar ist, ist der von dir geäußerte Wunsch nach sich kraftvoll artikulierenden Pastoren. Währe es nicht lebensbejahender, den Lebenskreislauf zu nehmen wie er ist? Es ist nun einmal eine Dialektik, dass der Tod dem Leben folgt. Aus Tod und Trauer eine religiöse Werbeveranstaltung zu machen (nicht falsch verstehen, ich rede nur von der Wirkung auf mich) empfand ich schon immer leicht pervers. Wie lebensbejahend empfinde ich da dann doch die „Religionen“ einiger „Naturvölker“ wie z.B. den Schamanismus, Animismus etc., obgleich ich – wie gesagt – Atheist bin.

    Dennoch, ich freue mich schon auf die nächsten Essey’s auf deinem Blog

    Heinrich Schreiber

    1. Lieber Heinrich,

      danke für deinen Kommentar und dein Lob. Freut mich zu hören.

      Der Wunsch nach guten Pstoren/innen kommt aus der Erfahrung heraus, dass die mir was geben. Kirchen haben mich schon immer angezogen. Auch als Kind haben mich gute Predigten begeistert. Als ich anfing, Fragen zu stellen, wurde die Kirche eckig. Eine 4 in Religion, weil ich den Diskurs wollte. Im Abi schrieb ich eine Arbeit bewusst in dem Ton „Gott ist es“ und bekam Höchstpunktzahl. Was mich fasziniert, ist die Spiritualität. Dass da etwas ist, das ich fühle, aber nicht sehe. Da ist was in der Luft. Es gab Predigten, da war einfach was da. Ein sehr schönes Gefühl. Das wünschte ich mir öfter- Authentisch, nicht als Werbeveranstaltung der Kirche. Wenn die damit anfangen würden, würde das nach hinten losgehen. Obwohl ich mal ein Werbekonzept für einen katholischen Kirchenkreis geschrieben habe. Die wollten Plakatwerbung – ich habe ihnen etwas anderes vorgeschlagen. leider ist dann der entscheidende Pfarrer von einem Berg gestürzt. Projektende.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Gott ist überall, wenn ich an ihn denke.
    Kirche ist für mich eine Institution die nicht den Stellenwert hat, den sie für sich beansprucht.
    Ich erinner mich an meine Hochzeit, der Herr Pastor sprach die Worte “ willst du deinem Manne Untertan sein?“ Ich habe den Kopf geschüttelt denn im Jahre 1995 fand ich einen solchen Spruch von einem recht jungen Pastor unangebracht.
    Mein alter, wirklich alter, Pastor der mich auch konfirmiert hatte war da viel offener.
    Viele von uns sagen doch “ ich glaube nicht an Gott“ erwischen sich dann aber wenn sie sagen “ so Gott will“ in welchen Bereichen auch immer sie das benutzen.
    Ich bin evangelisch und immer noch in der Kirche, warum auch immer ich das Geld noch zahle,besuche aber die so genannten Gotteshäuser nicht, und beschäftige mich schon seit meiner Kindheit immer wieder mit dem Islam und habe nun auch endlich begonnen den Koran ( in deutscher Übersetzung) zu lesen.
    Nein ich will nicht konvertieren, auch wenn das manche denken würden, schließlich habe ich einen moslemischen ♥ Mann, ich lese den Koran aus Interesse.
    Ich glaube an Gott aber ich glaube nicht an die Kirche ums mal auf den Punkt zu bringen :)

    1. Hi,

      es scheinen irgendwie alle auf der Flucht vor der Kirche zu sein. AlsMomentaufnahme sieht es so aus, als würden viele nach Alternativen suchen. Buddhismus, Eigenkonstruktionen, Naturreligionen, Islam. Bei einem Moslem als Mann ist das naheliegend. Wobei wir da gleich in das Fahrwasser von dem kommen, womit der Islam momentan Schlagzeilen macht. Bestimmt kommt dann auch schnell die Kopftuchdiskussion. Herrje. Ist auf jeden Fall spannend. Fernab aller aktuellen Islamdiskussionen: Glaubst du, im Islam könntest du Gott näher sein? Würde mich interessieren.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Jens ich bin für mich Gott nah, ob nun Christ,Jude oder Moslem ist da für mich zweitrangig.
        Wenn ich nicht an Gott glaube dann hilft mir keine der gegebenen Schriften, sei es Bibel, Thora oder der Koran.
        Ich suche keine Alternative, ich glaube ja an Gott, aber ich glaube nicht das ich mein Glück und Heil in der gemauerten Kirche oder gerne auch Moschee finde.
        Um kurz das Thema Islam und das Wissen was wir haben aufzugreifen, kein, ich benutze nun das Wort “ gut“, wird dich zwingen ein Kopftuch zu tragen, er wird dich auch nicht zwingen zu konvertieren, denn es steht im Koran das er jede “ gläubige“ Frau heiraten darf. Nix von wegen nur Muslima oder so das ist Unsinn.
        Fundamentalisten stehen in den Schlagzeilen und die “ normalen“ werden mit über den Kamm gezogen.
        das ist ja nun leider immer so, egal um welches Thema es sich handelt.

        1. Ehrlich gesagt, mir ist es auch lieber, wenn Menschen Glauben positiv parktizieren, statt zu lesen und zu interpretieren. Am Ende streiten sich alle und schlagen sich die Köpfe ein. Dogmen. Tatsächlich sollten alle an Glaubensfragen Beteiligten die Menschlichkeit über die Schrift stellen. Irgendwem im Namen von irgendwas den schädel einzuschlagen oder sonst was zu tun, hat immer mit eigenen Problemen zu tun. Da wird ein Ventil gesucht für irgendetwas, das nicht passt. Oder die Schrift wird genutzt, um irgendwelche Interessen durchzusetzen. Ich denke, da tun sich die Religionen nicht viel. Kreuzritter, George W. Bush, der betet und foltern ließ, Frauen unterdrückende Taliban. Es findet sich wahrscheinlich immer was, wo unter dem Deckmantel der Religion Doofes getan wurde.

          Im Endeffekt reicht es ja, wenn für einen selbst Gott da ist. In welcher Form auch immer. Was ich für mich noch ein wenig schwierig finde, ist die Vermittlung an meine Kinder. Religiöse Erziehung. Mein Sohn besucht bin der Waldorschule den freichristlichen unterricht und geht nächstes Jahr zur Jugendweihe – so eine Art Konfirmation. Dieser freichristliche Gedanke der Anthroposophen geht wohl auch einher mit einer Institutionsabscheu. Bitte keine Kirche. ist ja auch ein Problem, wenn es im Glauben Hierachien gibt und ein Papst, Kardinal oder sonstwer automatisch mehr recht hat. Wir haben ja hier in Köln so einen Problemfall sitzen, der Dinge sagt, dass es einem die Schuhe auszieht.

          Von daher fimnde ich deinen Anstz des freien Glaubens gut. Dennoch wünsche ich mir eine Kirche, die es schafft, die Menschen im Glauben zu einen und ihnen einen gemeinsamen Ort zu geben. In einer neuen Art und Weise. Dass die Menschen nicht als kleine Gläubige kommen, sondern aus einem besseren Gefühl heraus.

          Liebe Grüße

          Jens

      1. Ja meiner meinung nach wird immer gern unter dem Deckmantel der Religion gehandelt was dann immensen Schaden für eben diese bedeutet.
        Warum der Papst soviel zu sagen hat würde mich mal interessieren, dumm ist ja nur das er nicht wirklich viel sagt aus meiner Sicht, und mit dem was er dann von sich gibt, gern mal Jahrhunderte hinten dran liegt, wie manch andere die Religon propagieren auch., aber ich höre denen ehrlich gesagt genau so selten zu wie dem Papst.
        Religion ist das eine, und Glauben eben das andere.
        Das ist wohl auch das einzige das alle Religionen eint, der Glaube an Gott.
        Das es für dich schwierig ist das deinem Kind nahe zu bringen kann ich verstehen, ich habe keine aber ich würde mir diese Frage dann auch stellen, Wie erkläre ich etwas so komplexes ohne Zwang auszuüben, wie bringe ich meinen Glauben meinem Kind nahe, und was wenn es nicht glauben will.
        Fragen über Fragen, ja du hast echt ein Hammer Thema gewählt heute :)
        grüße ela

        1. Hi Ela,

          wie meine Ela. Schöner Name.

          Tatsächlich ein Hammerthema, wenn man sich weitergehnd mit beschäftigt. Wenn. Für viele ist es, glaube ich, kein spannendes Thema. Mehr. Viel haben wohl mit Glauben und Gott und Kirche abgeschlossen.

          Übrigens haben nicht alle Religionen einen Gott im Sinne von Gott. Ich bin Buddhist. Wir haben einen Buddha, der kein Gott ist. Er wird nicht als iregndetwas über den Dingen gesehen, dass lenkt und macht und tut. Buddha ist eine historische Figur, die für Selbsterkenntnis steht. Für Buddhisten trägt jeder Mensch den Buddha in sich. Jeder kann entscheiden, diesen Buddha zu entdecken. Klarheit zu gewinnen. Zu sehen, was wirklich ist. Wenn wir uns über etwas ärgern, entscheiden wir selbst, dass wir uns ärgern. Da kommen ganz viele Bilder und Argumente hoch und wir glauben: Ja, das ist so. Der ist schuld, der ist doof. Wir könnten aber auch sagen: Ich ärgere mich nicht. Der Buddhismus arbeitet mit der Methode der Meditation daran, den eigenen Geist zu beruhigen und die Dinge klarer zu sehen. Ein langer Weg. Arbeit an sich selbst. Kein Gott macht das, der Praktizierende entscheidet sich, das zu tun. Klarer zu werden. Deshalb gibt es auch Menschen, die sagen, der Buddhismus sei keine Religion. Eher eine Übungsform oder Philosophie. Ich weiß nicht so genau.

          Meine Kinder halten vom Buddhismus Abstand. Ich lasse sie da frei entscheiden. Obwohl sie natürliches manches mitbekommen. Ich möchte ihnen aber in Glaubensfragen völlig freie Hand lassen. Bin gspannt, was draus wird.

          Liebe Grüße

          Jens

  6. Was ich so glaube:
    Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde… da ist eine „Macht des Seins“ (Paul Tillich), die ist stärker als die Macht des Nichtseins, denn sonst gäbe es nichts. Die nenne ich „Gott“ und die ist überall da, wo Menschen leben. Und die ist in allem, vor allem, nach allem, verbindet alles, durchdringt alles. Die ist im Universum und dahinter, in schwarzen Löchern und vielleicht in schwarzer Materie, wer weiß. Von der sprechen übrigens heute auch Physiker und Mathematiker. Und die macht manchmal mit mir Dinge, die ich gar nicht wollte oder für möglich gehalten hätte (Segen, Wunder?). Deshalb bin ich religiös.
    Und dann ist da Jesus Christus. In dem ist diese Macht des Seins ganz besonders deutlich geworden. Vielleicht nicht ausschließlich in ihm, da bin ich nicht ganz linientreu. Aber für mich sehr überzeugend in ihm. Da hat sich diese Macht des Seins sichtbar gemacht als Glaube, Liebe Hoffnung – als Mensch. Deshalb bin ich Christin.
    Und dann sind da die Kirchen. Die versuchen das rüberzubringen. Mehr schlecht als recht offenbar. Aber ohne sie und ohne die Bibel wüsste ich nichts von Jesus. Die verbinden mich mit anderen, die ähnlich glauben. Die tun was für die am Rande unserer Spaßgesellschaft. Deshalb bin ich da Mitglied. Ich suche mir die Orte aus, in denen der Geist dieses Jesus spürbar ist: PfarrerInnen, Kirchen, Gebäude, Veranstaltungen, Organisationen. Deshalb bin ich evangelisch. Weil er da für mich manchmal spürbar ist. Was nicht heißt, dass er anderswo nicht ist, dieser Geist. Und nicht überall wo evangelisch oder christlich draufsteht, ist er spürbar. Leider. Ich mach mir Sorgen um diesen Verein. Aber ich mach mit, weil nur so sich was ändern kann.
    Wo wohnt Gott in Deutschland? Ja, überall da, wo man ihn lässt und wo er will. Und nicht nur in Deutschland, zum Glück.
    Was jede/r glauben kann, muss er/sie selber herausfinden. Mich würde aber interessieren, was die eigentlich glauben, die sagen, sie glaubten, aber ohne Kirche. Was erwartet ihr von Kirche? Und warum gestaltet ihr sie nicht mit? Aber, wie gesagt, jede/r muss sich seinen Weg suchen. Wichtig ist das Gespräch darüber. Danke, für den Anstoß, lieber Jens!
    Gruß, Uta

    1. Hi Uta,

      der Aspekt des Geistes, der ist es für mich. Ich werde jetzt ein wenig kitschig und setze mich geren dem Vorwurf der abgehobenen Spinnerei aus. Ich hatte einmal einen Flash. Da war ich am Morgen unterwegs, war ein wenig aufgewühlt. Cooper war dabei, ich kam zu meinem Lieblingsbaum, einer alten schrumpeligen Birke. ich hielt inne und plötzlich hatte ich ein Bild vor Augen. Die ganze Welt voller Lichpunkte, die miteinander verbunden waren. Es war ein intensiver, kurzer Augenblick. Das Bild hat sich eingebrannt, der Augenblick auch. Für mich war es die Verbindung unter den Menschen. Die Wissenschaft hat ja nun die Verschränkung der Teilchen entdeckt, die Weitergabe von Information quais durch die Luft. Ohne zutun. Das ist für mich eine Art geistiger Verbundenheit, vielleicht etwas Göttliches. Aber wieder hat für mich das Göttliche mit den Menschen zu tun. Kirchen sind für mich rein als Gebäude aufgeladene Orte. Ob ich im Kölner Dom bin oder in einer einsamen Kirche in der Bretagne. Da ist was. Einmal saß ich in der Bretagne in so einer kleinen dunklen Kirche im Chorgestühl. Spürte nach. Da fiel ein Sonnenstrahl durch die Fenster. Das sah so schön aus und fühlte sich so gut an. Es wäre schön, wenn diese Orte öfter leuchten würden. Ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine. Schwierig.

      Ich danke dir für deinen Kommentar. Nun bin ich froh, den Text geschrieben zu haben. Während des Schreibens hatte ich Fluchttendenzen. Wollte es lassen, weil mir das Thema aus den Fingern zu flutschen drohte. Dann dachte ich mir, ach was, niemand kann über Gott und Glauben erschöpfend schreiben, es immer ein Eiertanz. Den Hinweis, Kirche mitzugestalten, finde ich gut. es lässt sich ja was ändern, so das Gefühl noch da ist, in der Kirche etwas verändern zu wollen.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Ich glaube ich versteh dich und ich finde deine Erfahrungen überhaupt nicht spinnert. Schade, dass sich so wenige Menschen trauen, darüber zu sprechen. Das gibt es nämlich öfter als man denkt. Der Geist, das ist das was uns heute 2000 Jahre nach Jesus bleibt. Den würde ich auch gerne öfter spüren in der Kirche – und außerhalb! Aber der weht, wo er will, leider…oder Gott sei Danke! ;) Gruß, Uta

  7. Ich habe mich von Religion im Sinne von Kirche, also Institution längst abgewandt. Dabei fühle ich mich gläubig, nur nicht in einem Sinne wie er von (Welt-) Religionen propagiert wird. Diese Einrichtungen berühren mich nicht mehr. Sie wollen Geld und Macht und Herrschaft, genau wie ihre weltlichen Pendants, haben nur ein schöneres und umso verlogeneres Kleidchen an. Da will ich nicht dem einzelnen Priester, Mullah oder Mönch seine persönliche Integrität absprechen, nein, es ist sinnlos wegen der Form und des Organisationsgrades. Die Organisation, die Größe ist das Übel und mir ist noch nichts eingefallen wie man das ändern könnte. Also bin ich mit meiner „Höheren Macht“ alleine und fühle mich längst wohl damit. Auch ohne äußerliche, weltliche Rituale.

    1. Hi Michael,

      dir scheint es nicht allein so zu gehen. Im meinem Brigitte Woman Blog hat Merveille in einem Kommentar geschrieben, dass in Deutschland viele in der Kirche wären und Steuermn zahlten, aber nicht mehr hingehen würden. Da scheint Entfremdung eingetreten zu sein – wie ein altes Paar vor der Scheidung, dass noch Haus und Hof teilt, aber nicht mehr miteinander spricht.

      Ich selbst halte auch geren Abstand zu Institutionen. Ein wenig ist es die Abscheu vor Vereinsmeierei. Plötzlich gibt es Wahlen und Vorstände und Regularien, die eingehalten werden müssen. der Apparat tritt in den Vordergrund, das Eigentliche in die zweite Reihe. Dennoch ist es schön, wenn menschen Dinge teilen. Ich kann mich erinnern, als eine Frau aus unserem Dorf 2005 vom Kirc hentag in Köln zurückkam. Sie hat so geleuchtet. das ist auch ein Aspekt von kirche.

      Viele, viele Grüße

      Jens

  8. Hallo, lieber Jens,

    wo wohnt Gott? Überall in den vielen kleinen Wundern, die uns Tag für Tag begegnen: in den Sternen, in den Bäumen, im Gesang der Amsel am Abend, im Wind über dem Stoppelfeld, im Meer und in den Wolken und auch in jedem von uns, wenngleich wir nie vergessen sollten, dass auch wir nicht mehr und nicht weniger ein klitzekleiner Teil einer wundersamen Schöpfung sind („We are stardust“, auch so ein wunderschönes Stück Woodstock – kennst Du es?).

    Gott hat für mich etwas mit Bewusstsein zu tun, mit Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstbewusstheit, mit Demut und mit Vertrauen und mit Verantwortung, aber auch mit Mystik und Trost.

    Spontan fiel mir eine Geschichte ein, die ich mit einer Nachbarin, praktizierende Katholikin erlebte. Wir reden manchmal länger miteinander, auch über „typische“ Hausfrauenthemen wie das Wäschetrocknen. Aus ökologischen Gründen und weil wir den Duft von an der Luft getrockneter Wäsche so lieben, haben wir keinen normalen Wäschetrockner, sondern mehrere – wie mein Mann es mal treffend bezeichnete – Ökotrockner, sprich: eine Wäscheleine an dem einen Balkon und zusätzlich noch mehrere Wäscheständer, die wir auch am Sonntag bestücken, wenn es nötig ist.
    Die Nachbarin, die das gelegentlich durchaus auch so macht, meinte dazu, dass sie damit immer in die innere Zwickmühle gerate, weil ihr Glaube ihr doch eigentlich verböte, das an Sonn- und Feiertagen zu tun.
    Das sind Überlegungen, die für mich, deren Gott nicht in der institutionalisierten Kirche zu finden ist und mir dort vordefiniert wird von mehr oder weniger mental unfreien, autoritätsfixierten Menschen , nicht gelten: Mein Gott – und da bin ich mir sicher – hat eher was dagegen, wenn den Energie verschleißenden Trockner anschmeiße und wenn ich das dann noch am Sonntag in aller Heimlichkeit tue, dem Tag, an dem ja nur gebetet und nicht gearbeitet werden soll, so kann er das nur bigott finden. Das heißt für mich: Ich bin verantwortlich für das, was ich tue und diese Verantwortung kann mir keine Autoriät abnehmen, wie immer sie definiert sein mag

    Andererseits: Um wie viel ärmer wären wir, gäbe es keine Kirchen, Dome, Kathedralen. Das sind Orte von besonderer Ausstrahlung. Sie geben uns Ruhe und Mystik und die brauchen wir doch alle.

    Und wie köstlich und tröstlich ist Davids Psalm 23, wenn ein Mensch zu Grabe getragen wird.
    Er lautet:

    Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
    2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
    3 Er erquicket meine Seele.
    Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
    4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
    5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
    Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
    6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
    (Übersetzung nach der revidierten
    Fassung der Lutherbibel von 1984)

    Es kann kein Zufall sein, dass hier viel in Naturbildern gesprochen wird.
    Warum aber zerstören wir das Wunder Natur unaufhörlich? Weil wir nur so tun, als glaubten wir an Gott???

    Liebe Grüße

    Eva 2

    1. Hi Eva,

      den Psalm 23 kann ich auswendig, obwohl ich kein Christ bin. Wir haben ihn öfter zusammen mit den Kindern gesprochen. Er ist einfach so schön.

      Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Gott in erster Linie ein regelwerk ist, dass sich um Sonntagstätigkeiten kümmert. Das ist die Sache mit der Vereinsmeierei, die mir im Zusammenhang mit Institutionen so schwer fällt. Irgendwann werden die Regeln wichtiger als das Wesentliche. Das kann nicht richtig sein. Obwohl ich die Sonntagsstimmung sehr mag. Am siebten tage sollst du ruhn. Familientag. Ausschlafen. Zur Ruhe kommen. Den Kopf frei kriegen. Das macht schon Sinn. Mein buddhistisches Praktizieren aber passiert in der Woche. Morgens, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Es wenn es ruhig ist. Vor dem Bloggen, dem Spaziergang mit Cooper, dem Arbeitsstart. Dann passt es am besten. Zeitlich und von der Atmossphäre her. Wie doof wäre es, müsste ich mich da Rgeln unterwerfen.

      Liebe Grüße

      Jens

  9. Lieber Jens,

    ich bin erschrocken über den Anfang deines Blogs. War das wirklich so und hast du das öfters erlebt ??? Ich meine, dass der Pfarrer auf sein Papier sehen musste, um sich an den Namen zu erinnern? Ich kann mir das nur schwer vorstellen.

    Oder erschüttert es dich, dass der Pfarrer den Menschen, den er beerdigt, manchmal nicht kannte? — Das wäre natürlich schön gewesen, aber in einer „Vokskirche“ nur schwer verwirklichbar. Wobei der Pfarrer sicher jeden kennt, der ihn kennenlernen wollte.

    Nein, ich versuche, mir bei jedem Verstorbenen im Gespräch mit den Angehörigen ein Bild zu machen, den Verstorbenen „kennenzulernen“ und dann ein tröstendes Wort zu sprechen.

    Aber darum geht es bei Beerdigungen nach meinem Glauben nicht eigentlich. Sondern darum, dass wir gemeinsam versuchen, angesichts des Todes unsere Hoffnung, dass der Tod nicht da letzte Wort hat, Ausdruck zu geben.

    Warum schiebst du die Aussage der Nachbarin. „Wäsche darf nicht an Sonntagen (oder „zwischen den Jahren“) aufgehängt werden“ ausgerechnet der Institution zu? Da sind solche Sätze mitnichten enstanden, sondern im Volks(-aber)glauben.

    In anderen Kulturen beobachten wir oft solche aus dem Volksglauben entwickelte Sitten mit Entzücken – bei uns mit Entsetzen.

    50% Pfarrer? Die möge es – Gott bewahre – nicht geben. Sondern Pfarrerinnen, Pfarrer, die ganzen Herzens dabei sind.

    Aber warum denn nicht nur mit der halben Zeit und dem halben Gehalt? Und mit der anderen Zeit Bauer oder Schreiner oder Schriftsteller oder Blogger?

    1. Wirklich krass habe ich es nur einaml erlebt. Der Pfarrer konnte sich den Namen nicht merken. Dadurch wirkte die Predigt desinteressiert. Natürlich hatte er sichvielleicht regelmäßig mit den Angehörigen unterhalten und er hatte einige Daten und Fakten zum Leben des verstorbenen genannt, aber es blieb eine große Distanz. Es ist etwas anderes, ob jemand aus der eigenen Gemeinde zu Grabe getragen wird, jemand, der vielleicht regelmäßig in der Kirche gesessen hat, oder jemand ganz Fremdes.

      Ich will aber nicht die Kirche schlecht machen. Wie gesagt, ich habe auch schon sehr gute, engagierte, überzeugende Pfarrer erlebt. Beerdigungspredigten, die Brücken gebaut haben. Nach wie vor finde ich Kirche wichtig, auch wenn ich nicht mehr dabei bin. Trotzdem schätze ich sie. Nichtsdestotrotz scheint zwischen Kirche und Menschen eine Kluft entstanden zu sein. Irgendetwas stimmt da nicht mehr. So lese ich das aus den vielen Kommentaren heute. Das ist wahrscheinlich von gemeinde zu Gemeinde anders. Und steht und fällt auch mit dem Pfarrer, der Pfarrerin.

      Bei uns hier auf dem Land wirkt es gerade so, als gingen die Lichter aus. Das rentiert sich nicht mehr. Zu wenig Geld. Vor wenigen Jahren waren für die drei Kirchen in den drei nahen Dörfern noch drei Pfarrer da. Der Katholische ist nun weg und für die beiden Evangelischen gibt es, so weit ich das richtig sehe, noch eine 50 % Stelle. Selbstverständlich kann ein Mensch 50% dies und 50% jenes tun, aber es belibt doch was auf der Strecke. In der Gemeinde. Glaube ich. Wenn ein Pfarrer mit 100% Stelle mit Burn-out ausscheidet, wirkt eine 50% Stelle wenig sinnvoll. Aber ich denke, da wird sich eine Lösung entwickeln. Wie ich das mitbekommen habe, wird jetzt meht ehrenamtlich geleistet. Zum Beispiel im Bereich Hausbesuche.

      Es ist eine Zeit des Umbruchs. Vieles wandelt sich, auch in meinem Beruf. Ich denke es ist wichtig, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu reagieren. Da find ich zum Beispiel deinen Blog klasse, den ich hier gerne empfehle: http://nichtallzufromm.blog.de/

  10. Guten Morgen, Jens,

    ein klitzekleiner Nachtrag bzw. Nachfrage, wenn es erlaubt ist:

    Ich hatte gestern einen Traum und wurde den ganzen Tag über von den guten Gedanken darin getragen. Ist es das, auf einen Punkt gebracht, was Dir Deine Meditation, Dein Nachdenken, bringt?

    Neugierige Grüße

    Annegret

    P.S.: Bitte nur beantworten, wenn Du möchtest.

    1. Hi Annegret,

      dir ist alles erlaubt.

      Zu deiner Frage: Manchmal. In erster Linie trägt für mich Meditation dazu bei, klarer zu sehen. Manche Hirngespinste und dunkle Wolken gehen. Ich mache das jetzt seit fünf Jahren und kann sagen, einiges los geworden zu sein. Manchmal gelingt es mir nun, manch duseligen Gedanken als Luft beiseite zu schieben. Das ist erholsam.

      Nun ist es so, Buddhisten missionieren nicht. Ich würde dir also nicht sagen, mach das. Werd Buddhistin. Wir sprechen auch nicht über Meditationserfahrungen, weil jeder seine eigenen hat und die Gefahr besteht, dass da Neid auftaucht. Ein kraftvolles Störgefühl mit zerstörerischer Wirkung. Deshalb kann ich dir auch nichts zu deinem Traum sagen. Du weißt sicherlich selbst, was er zu bedeuten hat und wo er her kommt. da scheint sdich etwas in dir besonders wohl zu fühlen.

      Das war jetzt alles ein wenig ausweichend, aber konkreter geht nicht.

      Liebe Grüße

      Jens

  11. Hallo, das mit der Wäsche und der Nachbarin stammt ja von mir. Ich wollte ein bisschen das Bigotte herausarbeiten : Wäschewaschen am Sonntag ist OK, wenn man es heimlich tut und nach außen hin den Ruhetag einhält, für jedermann sichtbar ist es nicht akzeptabel. Es ist mir übrigens aufgefallen, dass z.B. in Italien, dem klassischen katholischen Land, sonntags unbekümmert die Wäsche auf der Leine flattern darf. Will die ganze Geschichte jetzt aber nicht überstrapazieren, sollte eigentlich nur ein kleiner Einwurf sein. – Kirche als Institution und Raum zum Versammeln habe ich als sehr tröstlich erlebt während der Proteste im Zusammenhang mit dem ersten Irakkrieg. Damals entdeckte ich mit Erstaunen diese große solidarische Kraft, die sie Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen gab und in dem Zusammenhang ganz fantastische protestantische Pfarrer und Pfarrerinnen. Hier sehe ich eigentlich auch ihre Zukunft. Sie sollte sich stärker politisch einmischen und das auch immer dann, wenn eine Clique sich maßlos zu bereichert und dabei die Gesellschaft zu spalten versucht mit den miesesten Tricks und Schuldzuweisungen an diejenigen, die sich am wenigsten wehren können und keine Lobby haben.
    Im Moment wäre doch wieder einma so ein Zeitpunkt dafür, denn die Schere zwischen Arm und Reich spreizt sich immer stärker, die Mittelschicht bricht quasi weg. Warum ist Kirche hier so still???

    Gruß Eva 2

    1. Hi Eva,

      das mit der Position der Kirche scheint nicht so einfach zu sein. D steht un fältja auch imer mit den Menschen. In einem Nachbarort zum Beispiel hat ein Pfarrer einer Asyl suchenden Familie Kirchenasyl gewährt. Die Familie durfte letztlich bleiben. Das war sehr bewegend und aus meiner Sicht mutig und außerordentlich christlich. Wenn ich Kirche so sehe, dann hat sie eine enorme Stärke.Genausowie dich haben mich die Kirchen während es ersten Irakkriegs impniert. Dastudierte ich inAachen und wir waren abends immer auf dem Marktpatz. Und wir waren öften in den Kirchen, wo sich viele in ihrer Ohnmacht versammelt haben. Da war Kirche wirklich wichtig.

      Liebe Grüße

      Jens

  12. Hallo Jens,
    ein spannendes Thema. Ich bin evangelisch erzogen. Mein Grossvater war Theologieprofessor. Nach der Schule habe ich in einem ev.Krankenhaus Krankenpflege studiert. Vorher hatte ich gute Erfahrungen mit Christen und der Kirche gemacht. In der Ausbildung habe ich allerdings lernen müssen, das Christen nicht unbedingt die besseren Menschen sind. Meine 4 Jahre Ausbildungszeit waren hart und mitunter erbarmungslos. Später bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil sie mir nicht die Heimat geben konnte, die ich gesucht habe. Meinen Eltern sind nach wie vor fleissige Kirchgänger und ihnen zuliebe geht meine Familie ab und zu mit. Hier in unserer Stadt kam mir der Gedanke… warum gibt es kein Qualitätsmanagement für Pfarrer? Unfähigkeit wohin man schaut. Pfarrer, die zu Beerdigungen falsche Geschichten erzählen….. nicht zugehört haben. Eine Pfarrerin mit einer Piepsstimme, die sich weigert ein Mikrofon zu benutzen und deren Stimme gerade mal bis in die erste Reihe reicht. Sie hört nicht auf ihre Gemeinde…. arbeitet quasi an ihnen vorbei…. Kritik ist nicht möglich…..Wie sollen solche Menschen andere beeindrucken, sie vom Glauben begeistern? Das scheint für mich gänzlich unmöglich….
    ein grosses Thema und viele Gedanken in meinem Kopf dazu…..
    bis später
    Suse

    1. Hi Suse,

      die Kirche steht vor riesigen Herausforderungen. Auich für sie gilt die Globalisierung. Mich hat sie an den Buddhismus verloren. Das ist in Deutschland eine sehr junge Religion, die von sehr engagierten Menschen getragen und aufgebaut wird. Gleichzeitig ist es eine sehr, sehr alte Lehre, weil Buddha schon so alt ist. Ich mag Kirchen nach wie vor. Und ich mag Pfarrer und Pfarrerinnen, die beseelt sind. Die ein Wort verkünden – aus sich heraus. Die eine Merinung haben, die Liebe in sich tragen. manchmal sehe ich das, wenn ich in einer Kirche bin, aus irgendwelchen Gründen. Allerdings treffe ich tatsächlich öfter das gegenteil an. Langeweile. Konstruierte Geschichten wie die Radiobeiträge der Kirchen. „Nehmen wir diesen Baum, sind seine Blüten nicht Zeichen? Zeichen…“ Gott, der Mensch kommt nicht vor. Wirkt so klein, teils in seiner Demut erniedrigt. Sehe ich allerdings doie Kirchentage voller lebendiger Menschen, die einem Leuchten in den Augen beten und Gott nah sind, dann schlägt mein Herz höher. Es gibt sie, die andere Kirche. Leider ist sie in der Verwaltung erstickt. Im Ballast. Es ist wieder zeit für den nächsten Sprung. Reformation. Aber da bewegt sich die Kirche gerade wie ein schwerer Tanker. Ich würde mir ganz ehrlich wünschen, dass eine neue Kirche wieder mitten unter den Menschen wohnt. Hände reicht, Distanzen überwindet. Nicht predigen, handeln. Sprechen, reden.

      Liebe Grüße

      Jens

  13. Du hast ja so recht. Ich kann auch verstehen, wenn Leute enttäuscht sind, die wirklich persönlich schlechte Erfahrungen mit der Institution Kirche gemacht haben.Was mich aber immer wundert oder auch ärgert: wenn Leute aus der Kirche austreten, weil sie sich über irgendeinen Pfarrer irgendwie geärgert haben oder über die Unfähigkeit von Kirche. Wer ist denn Kirche? Meiner Meinung nach ist es die Gemeinschaft aller Glaubenden. So wie sie sind, so kann auch Kirche sein. Klar, PfarrerInnen sind die bezahlten Profis sozusagen, von denen erwarte ich auch eine gewisse „Qualität“und Professionalität. Aber „die Kirche“, das sind alle die, denen was am Glauben liegt. Ich unterstelle jetzt mal, dass das oben genannte Argument oft auch eine Ausrede ist. Dann soll man lieber dazu stehen und sagen: das bedeutet mir nichts, ich brauche das nicht, ich glaube das alles nicht und deshalb unterstütze ich es auch finanziell nicht.Oder es ist eine Kapitulation. Wenn mir etwas wichtig ist, dann setze ich mich dafür ein und versuche etwas zu verändern, mit anderen zusammen, muss ich ja nicht alleine tun.
    Es gibt ne nette Geschichte: Beerdigung der Kirche, Trauerfeier. Alle defilieren am Sarg vorbei und werfen einen letzten Blick in den Sarg. Was sehen sie? Ihr eigenes Spiegelbild!
    Ehrlich, ich sollte lieber die Klappe halten, aber dieser Blog reizt immer wieder zum Mitreden… ;-) Gruß, Uta

    1. Hi Uta,

      tatsächlich kommt es immer darauf an, was man/frau daraus macht. Nun ist es aber so, dass nicht alle die Kraft oder den tiefen Glauben haben, gegen eine Institution zu glauben. Das sollte Hand in Hand gehen. Aber auch Glaube ist kein Wunschkonzert, kein Ponyhof, kein Kindergeburtstag. Den muss man/frau schon selbst in die Hand nehmen und gestalten. Ich fände es schön, wenn Kirche da nach wie vor die Institution wäre. Einfach, weil es sie schon so lange gibt, weil die Gotteshäuser so aufgeladen sind, weil da was in der Luft liegt. Manchmal vermute ich, dass sich die Kirche in der modernen Zeit nicht mehr traut, spirituell zu sein. Dass sie versucht, sich der Zeit anzupassen. In Unternehmen heißt es immer, sich auf Kernkompetenzen konzentrieren. Da hat die Kirche viel zu bieten. Glaube, Hoffnung, Liebe, Gemeinschaft. Du hast natürlich recht, dass sich die Gläubigen dafür einsetzen sollten, dass sich der Text der vorangetragenen Fahne vielleicht ändert. Wo sich die Menschen gerade wieder mehr einsetzen und einmischen, ist es vielleicht an der Zeit, sich auch in die Angelegenheiten der Kirche wieder mehr einzubringen. Ich erinnere an die Leipziger Montagsgebete 1989. Da hatte Kirche den direkten Kontakt, den großen Sinn, den bahnbrechenden Einfluss. Und: Die Menschen sind in Scharen gekommen, weil die Kirche Format hatte, mutig war, fortschrittlich, engagiert.

      Liebe Grüße

      Jens

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