Gebt uns Grillwetter

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Ladies and gentlemen, enough is enough. Ja, ja, Kack-Englisch, aber was solls. Darum geht’s ja nicht. Ich, du, sie, er, es, wir alle wollen nicht mehr. Shitti, shitti, shitti.

April, April, der macht, was er will. Das bedeutet: Abwechslung. Rauf, runter. Mit Temperaturen und so. Aber. So ist es nicht. Dieses Land ist Dr.Oetker-Pizza-mäßig tiefgefroren. Wir sind gerade zu Fuß von einem Geburtstag gekommen. Den Berg runter. Aus dem Nachbardorf. Und verdammt ja, wir mussten uns gegenseitig anfeuern, nicht in der Kälte liegen zu bleiben und still ins weiße Licht zu gehen. „E-s w-i-r-d p-l-ö-t-z-l-i-c-h s-o w-a-a-a-a-r-r-r-m-m-m-m-m.“

Es ist zum Heulen. Aber. YES. Das Prinzip Hoffnung beginnt zu wirken. Sonntag sieben Grad. Montag acht Grad. Hey, wenn das mal nicht die Sprungschanze in den Frühling ist. Es geht aufwärts. Haltet durch, bitte. Kratzt eure letzten verbliebenen Glückshormone zusammen, verabredet euch mit Menschen, trefft euch in Gruppen, singt „we shall overcome“, akzeptiert schlechten Sex, formuliert Manifeste, kettet euch an Krokusse, schreit es raus, macht, tut, lasst euch nicht unterkriegen auf den letzten Metern. Bütteee.

Die Bitburger Brauerei, die Abfüllstation meiner Jugend aus der Eifel, verlost aktuell Grills. Die setzen voll und ganz auf Sommersehnsucht und bierselige Gartenatmosphäre. Gibt’s aktuell im Radio auf die Ohren. Irgendwas nationalistisch angehauchtes in die Richtung „Deutschland grillt“. Ganz Deutschland? Gibt es da nicht dieses kleine Dorf… Ach nee, das war der Dicke mit der Streifenhose und den Wildschweinen. Anderes Programm.

Nun. Ich bin nicht der Grillweltmeister meines Dorfes. Da gibt es ganz andere. Aber ich habe eine Sehnsucht, die sich rund um einen Gartenstuhl aufbaut. Raus vor die Tür, die Einsamkeit der weißen Innenwände verlassen, hinsetzen, über endlose Best-Way-Diskussionen den Grill entflammen und Outdoor-Gemütlichkeit erzeugen. Ah. Oh. Yes.

Ich bin so weit. Ich will nur noch Garten, Freude, Sonnenschein. In die Sonne gucken und durch die geschlossenen Augen das Orange sehen. Die letzten Meter sind immer die schwierigsten. Da droht die Puste auszugehen. Haltet durch, stützt euch. Move your sweet little ass. Es kann nicht mehr lange dauern, weil wir schon lange da sind. ES IST APRIL!!! Nicht Januar, nicht Februar. Hey!

Komme was wolle, ich werde mich nicht weiter von irgendwelchem Nordpolarwind einsperren und entmündigen lassen. Ich werde am Wochenende grillen. Basta. Pasta. Auf einer Seite gleich nebenan, quasi bei meinem lieben, netten Gartennachbarn, habe ich mir die nötige Inspiration geholt. Grills in allen Farben und Formen. Oh Herr, lass Grills vom Himmel fallen und gib mir die Kraft, gegen die Kräfte des Eises anzuglühen. Denn: Mal ehrlich, jetzt is auch mal gut mit dem Scheißwetter. Wirklich und tatsächlich. Amen.

I proudly present the one and only Gustavo Dudamel (powered by arte)

Kennt ihr Gustavo Dudamel?

Gestern. Ostersonntag. Ich war bei meiner Mutter und ihrem Freund in der Eifel. Die beiden sind wirklich nett und als Paar, ich sage es jetzt einfach mal respektlos, süß. Der Freund meiner Mutter ist über 80 aber mehr als fit. Er ist Sportlehrer, Bergsteiger, Skilehrer… Morgen fahren die beiden nach Österreich, wo er ihr Skifahren beibringt. Sie hat Angst vor den steilen Bergen, er lässt sie. „Nur, wenn du willst. Wir haben alle Zeit der Welt.“ Hut ab. Freut mich.

Ich war mit den beiden alleine, weil mein kleiner Bruder mit seinem Sohn bei einem Motorcrossrennen war (die beiden sind ein Team, mein Neffe ist der Cross-Fahrer), mein großer Bruder hatte Zahnweh, Jim segelt mit Freunden in Norddeutschland und Zoe wollte an zwei Referaten arbeiten. Also hatte ich die beiden für mich allein – und den Spargel, der für einige mehr gereicht hätte. Ein vorzügliches Ostermahl mit leckerem rheinhessischen Rose Rosé.

So, nun aber zu Gustavo. Nach dem Essen war ich noch nicht müde – Zeitumstellung und so. Normalerweise wäre ich noch ein wenig im Netz abgetaucht, aber Mama hat kein W-Lan (wäre ein schöner Buchtitel). So bin ich mit Ostersüßigkeiten vor der Glotze hängengeblieben. Erst Bruce Willis und dann Thomas Gottschalk auf arte. Hä? Thomas Gottschalk? arte? YES. Nix Gummibärchen oder so. Er präsentierte mir Gustavo Dudamel – den Chefdirigenten der Los Angeles Philharmoniker. Und dieser Dudamel steht für eine Wahnsinnsstory. FAZ vom 22.08.2007: „Gustavo Adolfo Dudamel Ramirez, am 26. Januar 1981 in der venezolanischen Provinz geboren, war zehn, als seine Großmutter ihm einen Taktstock schenkte: Grund genug, gleich ein Violin- und danach ein Dirigierstudium zu beginnen. Mit 14 übernahm er sein erstes Orchester, wenig später das Simón Bolívar National Youth Orchestra of Venezuela – und wurde bald zur Symbolfigur einer einzigartigen Klassikbegeisterung in seinem Land. Zum „heißesten neuen Dirigenten des Planeten“ ernannte ihn die „Times“ im vergangenen Jahr.“

Damit nicht genug. Das Ganze hat auch noch einen sehr sozialen Hintergrund – Wikipedia: „Das Simón-Bolívar-Jugendorchester ist das führende von mittlerweile 30 professionellen Orchestern, die zur Fundación del Estado para el Sistema de Orquesta Juvenil e Infantil de Venezuela (FESNOJIV) gehören. Das staatlich geförderte Programm hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen – insbesondere solchen aus schlechten sozialen Verhältnissen – eine fundierte musikalische Ausbildung zu ermöglichen und ihnen eine andere Lebenschance zu geben. 350.000 Teilnehmer in 180 Zentren erhalten unter anderem kostenlos Leihmusikinstrumente von dem überall so genannten «sistema», einem weltweit einmaligen System.“

Was für eine Geschichte. Und nun ermöglicht es arte auch noch, den Beitrag inklusive Konzert einzubetten. Ich kann euch also einladen, hier im fiftyfiftyblog die LA Philharmoniker unter Gustavo Dudamel mit der Gustav Mahler Symphonie No. 1 in D-Dur zu hören. Die kompletten Infos sowie ein Kurzvideo findet ihr hier auf der arte-Seite. So, denn mal viel Spaß mit Gottschalk, Dudamel und Mahler (hört sich an wie ne Anwaltskanzlei aus Duisburg oder so:) – jetzt mal nich so frech, Herr Schönlau. Respekt vor der Klassik. O.K.). Vorhang auf…

P.S. – wer sich für die Nutzungsbedingungen rund um das großzügige Embedden von arte-Beiträgen interessiert, findet die passenden Infos hier.

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