KOMED und „Lass‘ uns nie wieder miteinander sprechen…“

Freitagnachmittag. Es regnet bin Strömen. Wir sind auf der A4 unterwegs Richtung Köln. Jim hat einen Kurs im KOMED, einem der acht Gebäude des Kölner Mediaparks mit Cinedom und Mediatower. Ein Geburtstagsgeschenk. Thema: Musik schneiden, Songs basteln. Hat er sich ausgesucht. Wir bringen ihn ins Gebäude, in dem der Pförtner kurz weg ist. Wohin mit uns? Alle in den Fahrstuhl, fünfte Etage. Nichts. Zoe und ich fahren wieder runter, finden den Pförtner, alle in den Keller. Der Kurs will gerade beginnen. 17.00 Uhr. Alles ältere Menschen. Haare eher im Grauformat. Der Kursleiter fragt: Soll er alleine hier bleiben? Äh, ja. Klar. O.K. Wir lassen ihm Elas Handy da. Kursende: 21 Uhr.

Ela und Zoe fahren in die Stadt. Da fehlt noch der Schleier für das Karnevalskostüm. Indische Prinzessin. Ich lehne die Einkaufstour im Regen dankend ab. Unter dem Schirm ist eh nur Platz für zwei und gehe ins Kino. Cinedom. Vorstellung 17.30 Uhr. 72 Stunden mit Russell Crowe. Lakritz kaufe ich mir am Kiosk um die Ecke. Die Vorschau beginnt, der Film beginnt. Russell Crowes Filmfrau wird gerade verhaftet. Wegen Mordes. Die Polizei ist ins Haus gestürmt. 18.04 Uhr. In meiner Hose vibriert es. SMS-Nachricht. „Das hier ist ein Kurs für Musikverwaltung. Jim.“ Raus aus dem Kino, das schafft Russell schon alleine. Rufe Jim an: „Papa, hier stimmt was nicht. Das ist der falsche Kurs.“ „O.K. Hast du mit dem Kursleiter gesprochen?“. „Nein, wollte erst mit dir sprechen. Bin jetzt vor der Tür.“ „Dann geh wieder rein und sag das und dann musst du leider da warten, weil Ela und Zoe erst um 9 wiederkommen und du das Handy hast. Und ich bin im Kino und kann da gerade auch nix für dich tun. 90 Minuten. Dann komm’ ich raus.“

Wieder rein ins Kino. Russell hat echte Probleme. Und seine Frau erst. Alle sind überzeugt, sie ist eine Mörderin. Verurteilung, Knast, Revision abgelehnt, letzte Instanz. 18:19 Uhr. SMS von Jim. Ganz schön blöd im Kino. Hab’ natürlich auf lautlos gestellt, aber die SMS leuchtet durch den Saal. Halte das Display schief. „Der Kurs ist erst im nächsten Monat.“ Simse zurück, dass er warten müsse. Mist. Der Ärmste. Mit Russel geht es derweil bergab. Hoffnungslosigkeit. Er weiß, dass seine Frau unschuldig ist. Er schmiedet Pläne, kommt mit dunklen Gestalten zusammen. 18:30 Uhr. SMS von Jim „Ich soll anderthalb Stunden warten???“ Was soll ich machen? Es regnet in Strömen, wir haben keinen Regenschirm. „Ja.“ So leid es mir tut. Russell macht, tut und am Ende…

Ich treffe Jim. Der ist leicht entnervt. Sorry, manchmal laufen Dinge im Leben schief. Wir haben noch 70 Minuten bis zum Eintreffen der anderen Fifty-fifty-Fraktion. Jim will in die Stadt. O.K. Wir laufen durch den Regen bis zur nächsten U-Bahn-Station – klitschnass. An uns kommt eine Frau vorbei, die ins Telefon sagt „Lass‘ uns nie wieder miteinander sprechen…“ Nie wieder ist eine verdammt lange Zeit. Jim erzählt, wie er im Sommer eine Szene mitbekommen hat, in der ein Mann so um die 60 in einem Cafe seine Frau verlassen hat. Für immer. Düstere Szenerie. In der U-Bahn tausend Gespräche um uns herum. „Das kostet nur 60€. Ich weiß nicht, ob ich das machen soll…“ „Der hat immer noch diesen 900 € Job und wohnt bei seiner Mutter. Nix mit studieren.“

Jim sucht einen bestimmten Laden. Aber, willkommen bei Kafka, alle Läden machen gerade zu. Gerade, als wir kommen. 19 Uhr. Feierabend in der City. Ende Konsum. Nichts geht mehr. Wir schlendern durch die Stadt. Überall Menschen mit Bierflaschen. Feierabendbier. Freitagabend. Wochenende. Weiter strömender Regen, der allmählich durch die Jacke durchbricht. Zurück in die Bahn zum Mediapark. Noch mehr Gesprächsfetzen. Schreiende Jugendliche auf dem Bahnsteig. Party. Ein Mann erzählt einem anderen die Story von der gestohlenen Sackkarre. Zwei Frauen stehen in der Bahn neben uns, trinken Bier. Zwei andere sagen, das koste 25 Euro. Ich brauche Ohrenstöpsel. Zu viel Input…

Wir treffen Ela und Zoe. Ah. Zuhause. Lasst uns abdampfen. „Und Jungs, wie war’s bei euch?“ „Och ganz gut, nur der Kurs, der findet erst nächsten Monat statt.“ „Ah, dann können wir ja wieder…“ Ja, klar.

Und jährlich heult der Rasenmäher…

Was? Jetzt schreibt der über Rasenmäher? Das darf doch nicht wahr sein! Äh, wieso? Ist doch ein schöner Rasenmäher. In Ferrari-Rot, 4 PS, ein Benziner. Spießer. Nun. Wie ich gestern auf das Thema Rasenmäher kam, dazu später mehr. Es war das Jahr 2000. Die Menschen rätselten, ob das Millenium nun begonnen habe oder aber erst zum darauffolgenden Jahreswechsel beginnen würde. Für mich hatte das Jahrtausend angefangen, weil ja jetzt die Zwei da vorne stand. Wir lebten seit eineinhalb Jahren auf dem Land in der alten Schule und hatten jede Menge zu tun mit zwei Windelkindern, Jobs und Umbau. In dem Jahr hatten wir uns entschlossen, den Asphalt des Schulhofes, der bis ans Haus reichte, bis an die Grundstückgrenze zu entfernen. Wir waren ja nicht aufs Land gezogen, um auf Asphalt zu wohnen. Der Bagger kam, entsorgte das schwarze Gold der Straße. Es kam Mutterboden, der so bergisch steinig war, dass ich ihn auf Vaterboden umtaufte. Der Sommer kam, wir säten den Rasen und schwups hatten wir ein Problem.

Von Elas Vater hatten wir einen Handrasenmäher bekommen, der jetzt noch im Gartenhaus steht. Der riss die jungen Graspflanzen einfach samt Wurzeln aus. Auch eine Methode. Eine Entscheidung musste her, an einem Montag. Ich erinnere mich. Das Wochenende über hatten wir wahrscheinlich im Garten gesessen, damals noch regelmäßig mit Wochenend-Stadtflüchtlingen aus Köln. Da war es uns dann aufgefallen: Eine Frisur musste her. Faconschnitt. Im Nachbarschaftsgespräch wurde mir der heimische Dealer im Nachbardorf schwerstens ans Herz gelegt. Der repariert auch, wenn mal was dran ist. Es war öfter was dran, was an meiner Mähmethode liegt…

Die Auswahl war groß. Ich entschied mich im Rahmen eines großen Palavers für den schönen roten. Einer aus Italien. Rot. Italien. Super. Wir kamen ins Gespräch, also der Dealer und ich, nicht der Rasenmäher und ich, redeten über Gott und die Welt und letztlich bot mir der Händler meines neuen Vertrauens an, gleich mit zum Fußballtraining zu kommen. In Köln hatte ich immer am Fernsehturm auf der grünen Wiese gebolzt. Auf einem richtigen Platz hatte ich bislang nie gestanden. Fußballschuhe hatte ich keine. O.K. Wann? 19 Uhr. Der Termin ist bis heute geblieben. Nun also seit elf Jahren.

Weshalb ich darüber jetzt schreibe? Weil es da gestern mal wieder eine lustige Szene gegeben hat. In Vorbereitung auf die Pokalspiele der Alten Herren hier in der Region bereiten wir uns gerade intensiver vor. Was Bayern München im Trainingslager Overseas macht, absolvieren wir in heimischen Soccerhallen. Extrarunden. Donnerstagabend. In meinem Gepäck befanden sich neben den Fußballklamotten drei Flaschen Duschdas. (Merkwürdiger Name. Dusch das! Dusch was? Na, das da. Das Mensch.) Diese drei Shampoo-Flaschen hatte ich beim heimischen Discounter billigst erworben. Beim Fußball gehen solche Flaschen regelmäßig gerne mal rum und sind nach einem Duschvorgang auch fast prompt leer. Empty. Nothing.

Ein Kollege hat niemals Duschzeugs dabei. Der duscht fasst immer dann, wenn ich auch dusche. Netter Kerl, Maschinenbau-Ingenieur, entwickelt härteste Getriebe für Steinbruchnutzungen, fährt gemütlich einen alten Benz und hat niemals Shampoo dabei. Kein Thema, ich gebe gerne. Nun habe ich gedacht: Hey, drei Flaschen Shampoo. St. Martin. Zwei für mich, eine für ihn. Sind unsere ersten beiden Pullen leer, teilen wir die dritte. Also übergebe ich ihm die Pulle feierlich vor dem Training. Überraschung, ist denn schon wieder Weihnachten? Er hatte Montag Geburtstag. Da passte das ganz gut. Kleine Aufmerksamkeit des Hauses. Wir spielen also, rennen uns die Lungen aus dem Hals, gewinnen und verlieren in verschiedenen Mannschaftskonstellationen und gehen duschen. Ich stehe unter der Brause, da kommt er rein. Nackt. Klar. Mal wieder nackte Männer unter der Dusche hier im Blog. Kommen hier ja regelmäßig vor. Aber, wenn ich nackt sage, meine ich ganz nackt. Nichts. Nada. Kein Shampoo!!! St. Martin.

In dem Augenblick dachte ich, wie nett. Jetzt spielst du mit den Jungs seit elf Jahren Fußball und mittlerweile kennst du sie einfach. Der hat den Tick, der die Ecke. Und jener hat halt nie Shampoo. Ich glaube, man könnte ihm eine LKW-Ladung schenken. Der spielt bestimmt seit über dreißig Jahren Fußball. Alle Mannschaften durchlaufen. Tausend Mal und mehr den Weg von der Umkleidekabine unter die Duschen zurückgelegt. Immer ohne Duschzeugs, Duschdas. Da kann man nicht einfach so Zeugs mitbringen und dann ist alles anders. Fand ich nett. Hat mich kurz gerührt. Rasenmäher, Fußball, Duschdas, elf (!!!) Jahre und gestern hab ich über Karneval geschrieben (11.11. elf Uhr elf). Coelho, ich sehe die Zeichen:)

Wünsche euch einen schönen Tag.

P.S. Der rote Rasenmäher übrigens liegt in den letzten Zügen. Der Vaterboden hat des öfteren Steine an die Oberfläche wachsen lassen, die ich regelmäßig gekürzt habe. Meine Nachbarin, die oft parallel mäht, geht immer in Deckung und lacht sich kaputt. „Na, sprengste wieder?“ Ha, ha. Auf jeden Fall hat im letzten Jahr die Welle, an der das Messer hängt, beim Kürzen eines Meteoriten einen mitgekriegt. Jetzt hat das Teil, also der italienische Heißsporn, eine Unwucht und wackelt mit seinem kleinen roten Hintern hin und her. Das lässt parallel den Motor unrund laufen, was das Mähen – na sagen wir mal – aufheitert. Sieht lustig aus, wie ich da so Schlangenmuster ums Haus drapiere. Findet die Nachbarin auch…

Hektik, Stimmung, Karneval

Karneval. Ihr wisst: Die Sache mit dem lustig Sein. Feiert ihr nicht? Doch. Weil ihr nicht in NRW wohnt oder in Mainz oder da, wo der Karneval Fasching oder Fastnacht heißt? Ah, ihr seid sowieso immer mittendrin und tagelang nicht Zuhause. Dann ist ja gut. Hier im Haus wächst allmählich die Aufregung. Rheinische Einflüsse machen sich breit. Insbesondere bei den Damen. Ela hat ihr Kostüm schon lange, Zoe seit kurzem. Nun gibt es aber ein Problem: Am Freitag nach Weiberfastnacht findet die große Schul-Karnevals-Party statt. Und Ela ist morgens nicht da, weil Sie am Abend vorher mit einer Freundin nach Köln fährt, um dort zu feiern. Damit sie auch was trinken können, was ja nun Mal so ziemlich unbedingt dazu gehört, pennt sie dort. Das bedeutet, am Morgen ist sie nicht da, um Zoe zu schminken.

Nun liegt mir Zoe seit Tagen in den Ohren, wie wir dieses Problem des Papa-Schminkens in den Griff bekommen. Sie will ja nicht „aussehen wie Harry“. Zumal sie mit Ela gemeinsam ein wunderschönes Kostüm besorgt hat – sie wird als indische Prinzessin gehen, weil Indien das Klassenmotto ist. „Papa, du musst mal im Internet gucken, wie die aussehen.“ Prinzessin!!! „Papa, du musst da vorher üben.“ „Papa…“ So allmählich wird mir etwas mulmig zumute. Ich meine, es sind ja nur noch drei Wochen bis zu besagtem Termin. Ela erwähnte irgendetwas von Lidstrich und Lidschatten. Ich wusste gar nicht, dass man beim Schminken singen muss. Tä tä, tä tä, tä tä. Quatsch.

Also, wenn ich das vermassele, kann ich mir vorstellen, was passiert. Ich will es mir lieber nicht vorstellen. Panik im Bad. „Ich will nicht zu dieser blöden Karnevalsparty. Papa, du bist so doof.“ Stress. Morgens schon ’ne ruhige Hand haben und meinem Töchterchen mit einem Stift im Auge rumfummeln. Also wirklich. Der rote Punkt auf der Stirn, O.K. Stift und klätsch. Dreh rum und fertig. Aber sie hat da was von Ornamenten erwähnt. O-R-N-A-M-E-N-T-E!!!

Was die Sache nicht einfacher macht, ist Jims Wunsch, als Punk zu gehen. Auch hier gibt es ein kleines Problem. Jim hat ein Foto von einem Punk in einer Zeitung gesehen. Der hatte einen richtig fetten Iro oben auf der Glatze. Die Spitzen stehen sternförmig bestimmt so 40 cm ab. Fett eben. Will Jim auch. Die Haare dazu hat er. Lässt er seit dem Kindergarten wachsen und will sie auf gar keinen Fall kürzen. Da geht nix. Sein Ding. Nun muss ich also Zoe in eine Inderin verwandeln und Jim in einen Punk. Wann sollen wir denn dann morgens aufstehen? Wahrscheinlich wollen die beiden dann eh gefahren werden, weil sie mit den Maskierungen nicht in den Bus können. Ist ja gleich alles ruiniert. Das wird ein Tag, ein Morgen. Herrje. Irgendwann kommt Ela dann aus Köln dazu, weil die Feier auch für die Eltern ist. Und ich stehe dann da mit dem Ergebnis meiner Frisier- und Kosmetikkünste. Wie würde Rene Mareks Maulwurfn sagen: Autschn! Ein klassisches Fifty-fifty-Problem.

Na, warten wir mal ab. Ein noch größeres Problem ist sowieso: Was ziehe ich zur großen Karnevalsparty meines Sportvereins in der Glückauf-Halle an? Die anderen Jungs sind da in Sachen Kostüm ziemlich weit. Drei von denen werden auf der Bühne stehen und als Trio das Programm-Highlight des Abends sein. Die gehen am Sonntag ins Studio, um die Songs aufzunehmen. Boah, ey. Karneval. jetzt schon Stress. Drei Wochen vorher. Nun gut, bleibt nur eines: Mit Humor nehmen. Ich hoffe, Zoe und Jim sehen das auch so…

Wünsche euch ein schönes Alaaf und Helau und Bumm Bumm (so heißt das hier treffend bei uns) für den Tag. Macht euch lieber mal jetzt schon Gedanken über euer Kostüm. Nachher ist es zu spät und dann ist es auch schon wieder vorbei und die Fastenzeit beginnt. Auch das noch:)

Pause im Sonnenaufgang:)

Hi, hi – der Blog nimmt gerade etwas zu viel Zeit in Anspruch. Gut so. Viele Besucher/innen. Interessante Kommentare. Intensive Diskussion. Die Kommentare im Homöopathie-Artikel aber verschlingen im Lesen, Bearbeiten, Links Nachsehen einiges an Zeit. Deshalb heute nur einige Fotos vom Morgenspaziergang, weil ich ein paar Jobs auf dem Schreibtisch liegen habe, die erledigt werden wollen. Wenn ihr Lust habt, stöbert ein wenig im Blog in den Texten, Gedichten und Fotos der letzten Monate. Heute ist dafür mal Zeit:)

Spiegel Online verurteilt Homöopathie

Esoterik ist dem Spiegel ein Graus. Die streng materialistische Grundeinstellung verbietet die Akzeptanz von allem, was nicht ins Bild passt. So kämpft das Magazin gegen Homöopathie und auch gegen Waldorfschulen. Anfangs dachte ich, das wären journalistische Ausrutscher, jetzt zeigt sich, die Hamburger Redaktionen von Spiegel und Spiegel Online haben sich den Kampf dagegen auf die Fahnen geschrieben.

Wo es eine Möglichkeit gibt, die Homöopathie als Spinnerei und Placeboeffekt abzutun, da schlagen die Hamburger zu. Jüngstes, wirklich peinliches Beispiel ist die Unterstützung einer Kampagne der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaft e.V. Da haben sich im Rahmen eines Aktionstages „Aktivisten“ den kompletten Inhalt von Fläschchen mit Globoli vor laufenden Kameras in den Mund geschüttet, um medienwirksam zu zeigen, dass Homöopathie Scharlatanerie ist. Der Spiegel ist dabei, dreht ein Video und der Sprecher Benjamin Braden bemerkt am Ende mit überheblich süffisant lächelnder Stimme: „Damit die Kügelchen wirken, muss man wahrscheinlich einfach dran glauben.“ Den Satz hat ihm die Spiegel-Autorin Leila Knüppel in den Mund gelegt, die seit 2010 bei Spiegel Online ist. Redaktion Multimedia. Ah.

Im Bericht versucht die Wissenschaftsjournalistin Julia Offe als Vertreterin der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaft e.V. die Homöopathie lächerlich zu machen. Ihr Argument: Da ist nichts drin, kein Molekül des Wirkstoffes, also kann das nicht helfen. Sie ist von Hause Biologin. Muss sie sich ja auskennen. Müssen Moleküle drin sein, sonst ist da ja nichts. Ende Denken. Vor laufender Kamera betont sie dann: „Süß. Ganz lecker. Könnte man so auch übers Eis streuen.“ Da ist die Rede von klinischen Studien, in denen die Homöopathie ihre Wirksamkeit nicht nachweisen müsse. Der Spiegel betont dann auch im flankierenden Bericht, dass hier eher der Placeboeffekt wirke. Komplett überzeugt. Homöopathen, Heilpraktiker, Anwender – alles Spinner, die sich was einreden.

Spiegel Online? Niveau? Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaft e.V.? Sorry, aber das ist absolut nicht seriös. Und ziemlich arrogant. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen – auf Stammtischniveau. Das ist er, der Spiegel Online Textschrubber-Journalismus. Selbst der Kölner Stadtanzeiger ist mit dem Thema deutlich sensibler umgegangen und hat sich nicht, wie Spiegel Online, lustig gemacht. Da wurde zumindest offen gelassen, ob Homöopathie wirke. Ich verfolge es seit geraumer Zeit, dass ein Kesseltreiben herrscht, eine Jagd auf die „Gutmenschen“, auf die Esoteriker, die Andersdenkenden – der Spiegel und Spiegel Online scheinen sich da gemeinsam mit dem Fokus ganz vorne positionieren zu wollen. Die Fokus „Fakten, Fakten, Fakten“ halten Einzug.

Meine Meinung: Homöopathie wirkt. Das sage ich aus eigener Erfahrung und aus der Erfahrung eines Vaters, der seine Kinder mit homöopathischen Mitteln behandelt. Seit 14 Jahren. Nur ist es so, dass Homöopathie ganz anders eingesetzt wird als klassische Medikamente. Viel filigraner. Kein Antibiotika, das einfach alles umhaut. Ist natürlich viel einfacher zu denken. Und die Mechanismen sind viel klarer: Krankheitserreger, Antibiotika, Krankheitserreger tot. Klar.
In der Homöopathie gibt es nicht ein Mittel, das immer gegen eine Krankheit hilft. Bei allen. Deshalb kann es auch keine klinischen Studien geben, wo man 1.000 Probanden tausend Mal ein Mittel gibt und schaut, was passiert. Herauszufinden, welches Mittel zu wem passt, dauert ewig. Das passt natürlich nicht in die Zeit und die allgemeine Denke. Ja und tatsächlich, da muss man auch nachfühlen. Vollkommen unwissenschaftlich. Wissenschaft ist eine super Sache, absolute Wissenschaftsgläubigkeit ist Scheuklappendenken. Für den Spiegel scheint es zu kompliziert zu sein, sich da tiefer einzuarbeiten und die ausgelatschten Wege zu verlassen. Weshalb? Was ist da beim Spiegel los? Ich weiß es nicht…