Move your ass with R&B – dancing im Grillo-Theater

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Leute, Leute.

Ey. Also. Wenn man Sätze mit FRÜHER beginnt… Am Wochenende war ich bei Viveka in Essen, was mir echten Ärger eingebracht hat. In unserem Dorf haben sich Dinge verändert. Seit wir hierher gezogen sind, war St. Martin IMMER am 11. November ab 17 Uhr. Alle treffen sich auf dem Schulhof/Feuerwehrplatz vor unserer Tür, um in zwei Gruppen von Tür zu Tür durchs Dorf zu ziehen. Eine sehr, sehr lustige Angelegenheit, die mit Alkohol zu tun hat.

An der einen Tür gibt es Süßigkeiten und Geld für die Kinder, und Aufgesetzten oder Schnaps für die Eltern. An der nächsten Tür folgen Süßigkeiten und Geld für die Kinder, und Likör oder Bier für die Eltern. An der nächsten Tür dann Süßigkeiten und Geld für die Kinder, und Baileys oder Glühwein für die Eltern. Das ist hartes Programm. Am Ende geht dann die Tür des letzten Hauses auf – und es ist dann immer sehr lustig. Manchmal haben wir aus voller Kehle Yellow Submarine gesungen oder In der Kaffeebud… Und natürlich: Hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann, viel soll er geben, lang soll er leben… Da kamen auch so Kommentare wie: Wir nehmen auch Kreditkarten, Wertpapiere, Erbscheine… Herrje.

Am Ende treffen sich alle im Dorfhaus, wo es Kakao, Kuchen und Waffeln für die Kinder mit den roten Bäckchen gibt und einen Abschlusstrunk für die Eltern. PENG! „Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus, Rabimmel, Rabammel, Rabumm. BUMM, BUMM.“ Es ist nicht einfach, erziehender, sich einbringender, mitmachender Papa auf dem Lande zu sein. Ich sag euch, ne‘ echt harte Nummer.

Und dieses Jahr war ich nicht dabei! Verlegt aufs Wochenende. St.Martin am Samstag. Primetime. Und ich war in Essen! Zoe was not amused. PAPA! Nun. So ist das. Geht nicht alles. Sorry!

Stattdessen war ich mit Viveka tanzen. Im Grillo Theater. In der HELDENBAR. Ich hatte eigentlich Lust auf Theater. Wollte mal wieder Theaterluft schnuppern und ein Schauspiel sehen. Tja, da lief nur Lukas der Lokomotivführer im Nachmittagsprogramm. Abends: Pop, HipHop, R&B mit Batti + Miss Sayorkcity. Gut. Move yous ass, baby. Warum eigentlich nicht.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, was hart genug war. Die Kids fangen heute aus irgendeinem bescheuerten Grund erst um 24 Uhr an zu feiern. Vorher ist das irgendwie unschick. Boah. Harte Granate. Da schleppst du dich mit Bus und Bahn in die Stadt, kommst reichlich abgerockt an, zahlst Eintritt und gehörst zu den ersten. Was den Vorteil hat, das Platz ist. Wir haben uns direkt oben vor dem mittleren Fenster postiert und hatten einen wunderbaren Blick auf den Vorplatz und die Stadt.

Und dann haben wir bis in kurz vor 4 getanzt. R&B. Jetzt weiß ich auch, was das genau ist. Hat Spaß gemacht, auch wenn wir den Altersschnitt der Veranstaltung ein wenig gehoben haben. Egal, Hauptsache, es macht Spaß. Ja, und wie. Mit Viveka die Körper fliegen lassen. Wirbeln, lachen, prusten. Von den jungen hübschen Kollegen um mich herum habe ich jede Menge High Fives bekommen und einer wollte irgendetwas mit SET wissen… Ich glaube, der wollte Drogen kaufen. Wahrscheinlich dachte er, wenn man in dem Alter R&B tanzt, kann man nur auf Droge sein. Ab und an habe ich mir die Fensterbank mit dem direkten Blick nach unten gegönnt. Auf der einen Seite die Stadt, auf der anderen Viveka. Sie sah sehr hübsch aus – sie hat so ein bestimmtes Lächeln und funkelnde Augen. Habe ich euch schon einmal erzählt, dass ich sie liebe? Ne, ne? Würde ich auch nicht machen, das wäre hier in der weltweiten Öffentlichkeit viel zu privat.

Gute Nacht. Schlaft gut, träumt süß und TANZT. TANZT!

Skelettierte Türme, Musiknervensäge und ein echter Impala

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Wenn einer eine Reise tut…

Man. Das Wochenende zog sich hin. Am ersten Mai, war ich allein unterwegs, nachdem niemand Lust hatte, mich zu begleiten. Selbst Herr Cooper hatte keine Zeit. Freitag habe ich gearbeitet. Mehr oder weniger. Und Samstag bei Freunden im Garten Steine geschleppt, arrangiert, zu Mauer aufgeschichtet. danch traf mich ein Gefühl. Sehnsucht. Ich wollte, ja, nach Essen. Also habe ich mit Ela alles abgesprochen, habe meine sieben Sachen gepackt und bin abgeflogen. Viveka von der Arbeit abholen. Spät am Abend.

Sonntag haben wir uns aufgemacht, die Zeche Zollverein zu erkunden. Schönes Wetter, blauer Himmel, angenehme Temperaturen. Wir haben vor dem Ruhrmuseum geparkt und haben uns in Zweisamkeit treiben lassen. Schön. Die Ausstellungen ließe uns kalt. Ins Dunkle eintauchen, wenn der Himmel strahlt? Non, merci. Das Museum ließen wir links liegen, um tiefer in das Gebiet einzudringen. Hin zur Kokerei.

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Da mussten wir am Eingang er Ausstellung vorbei. Ein Plakat verriet den Titel: 1914. Das Foto mit den Soldaten mit den Gasmasken das Thema: Krieg. Och nö. Zudem lief schreckliche Musik, die sich sphärisch an jedes Luftmolekül klammerte, um anzulocken. Pah! Au Mann. Die Musik, sehr schwer, traurig, schräg, intellektuell, hat schon ein wenig weh getan. Ich war froh, als wir den Schallraum verlassen haben, auch wenn von Ferne ab und an ein Akkord des Schreckens herüber wehte. Wer macht so etwas? Wer zielt darauf ab, Menschen an sonnigen Sonntagen dermaßen zu belästigen? Ist das Kunst, oder kann das weg? Bitte. Tonne. Mit allem Respekt. Herrje.

Wir retteten uns. Selbständig. Distanz zum Klang. Alles große Bilder, aber ich wollte nicht fotografieren. Zunächst. Zu gelernt, all das. Industriekultur. Rost, Rohre. Also folgten wir einem Weg, der von Bauzäunen gesäumt war. Allen Ortes wird dort gebaut, entsorgt, verändert, gerettet und weiß der Himmel was getan.

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Am Ende des Wegs bot sich uns dann ein unerklärliches Schauspiel. Ein alter Reisebus, ein Cateringzelt, eine gelber Ciröen-Transporter aus der alten Zeit und Tische und Stühle in der Sonne. Eine Rast. Eine Möglichkeit, verwöhnt zu werden. Mobile Gastronomie. Und: Ein himmelblauer Chevrolet Impala. Erinnert ihr euch? In diesem Blog. Kürzlich. Das Buch eine Autors aus Essen(Kaffeetrinken in Cabutima mit Wolfgang Cziesla), in dem genau so ein Auto vom Protagonisten gefahren wird. Die Kreise schließen sich, das Schicksal wirft einem Dinge vor die Füße.

Wir nahmen Platz, unterhielten uns mit dem Wirt, ließen uns zwei Rotwein einschenken und schauten dem Treiben zu. Dort stand neben dem Impala eine alter Reisebus und Menschen waren damit beschäftigt, Dinge in die Halle hinter uns zu transportieren. Und aus ihr heraus. Unerklärlich.

Dann gesellte sich der Fahrer des Impalas zu uns und erzählte uns eine Geschichte. Dafür liebe ich dieses Ruhrgebiet. Also die Menschen. Offen, frei, verrückt. Er erzählte von einem Freund, der mit seiner Frau vor Gericht landete. Seine Frau hatte Salat angerichtet, ohne ihn ausreichend zu waschen. Das Ergebnis war ein knirschendes Geräusch auf den Zähnen. Und dieses Gefühl. Also echauffierte er sich und sprach von Schmirgelpapier Schmirgelpapier?, fragte die Frau.

Es ging hin. Es ging her. Er fuchtelte mit dem Messer und die Anwältin der Frau schrieb einen Brief, in dem von Bedrohung die Rede war. Zack, traf man sich vor Gericht. Nun ging es um den gesamten Kontext des gemeinsamen Lebens. Der Freund, ein südländischer Einwanderer, verstand die Welt nicht mehr. Was so alles auf den Tisch kam. Führen Frauen Checkliste? Tagebuch heißt das! Ah!

Die beiden Männer dachten sich, jetzt schlägt das Imperium zurück. Und so bereiteten sie sich als Freunde gemeinsam auf den nächsten Prozesstag vor. Sie schrieben auch eine Checkliste. Das machte es für den Richter schwierig, über Schuld und Unschuld zu urteilen. Und so kam die Frage auf, ob die beiden lieber Sterne oder Erdewollten? Also Frieden oder Krieg? Man einigte sich. Im Wesentlichen ging es wohl darum, dass der Salat einfach besser gewaschen wird.

So saßen wir in der Sonne, schauten auf den alten Bus (der Fahrer hatte mit ihm früher eine Baskettball-Mannschaft der 2. Liga gefahren, die regelmäßig beim Überholen neuerer Reisebusse ihre nackten Popos zum Gruß an die Scheibe drückte), tranken Wein, ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen, schauten dem unerklärlichen Treiben an diesem verlassenen Ort zu und lauschten Geschichten, die einfach angeflogen kamen. Wir fühlten uns sehr wohl.

Irgendgwann waren wir die letzten. Alle hatten eingepackt und da saßen nur noch Viveka und Jens auf Stühlen, die im gelben Citröen erwartet wurden. So gingen wir, ließen uns Treiben, gerieten auf Abwege und ich bekam Angesichtes dessen, was zu sehen war, doch noch Lust auf Knipsen.

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Ach, es war schön. Abenteuer. Die Welt da draußen mit ihren Schauspielen. Schön. Einfach schön.

Mein neues Revier im Revier

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Maikäfertal. Das ist seit Jahren mein Heimatrevier. Herr Cooper und ich. Ab und an ein Reiter, einmal im Jahr ein Jäger, der Revieransprüche stellt, sein Wild vor mir und Herrn Cooper schützen will. Ansonsten: Jeden Tag anders. Wolken, Sonne, Schnee, Grüntöne, Brauntöne, Vogelstimmen, mal ein Storch, Rehe, kürzlich ein wunderschöner Feldhase, die Wiesen mal so, mal so. Immer im anderen Look. Ein Tal, 1.000 Gesichter. Jeden Tag neu, faszinierend.

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Und nun?

Essen. Wo einen das Leben so hintreibt. Die Woche zuvor hier. Viveka auf dem Lande. Eier suchen, Osterfeuer, Dorfleben. Diese Woche: Herr Schönlau in der großen Stadt. Fast. Essen Werden, Baldeneysee am Fuße der Villa Hügel. Am See entlang. „Hallo Fredo“. Ins Haus am See. Im Liegestuhl sitzen, in die Welt schauen, auf die Segelboote, die Villa, ein Schwatz mit Patrick über Gott und die Welt und Essen und Kultur und Liebesleben und. Anders, als das Maikäfertal. Anders aufregend. Menschen, Gespräche. Veränderung.

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Mit den Rädern um den See. Weite. Schauspiele. Vögel, Kormorane, Enten, Gänse, Reiher in Hülle und Fülle. Und sogar ein Feuchtgebiet mit Schildkröten. Schildkröten! Fehlten nur die Krokodile. Ab 18 Uhr kostenlos in die Gruga. Park, Blumen, Arrangements.

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Es ist ein Mindflug, eine Kopfreise zwischen den Welten. Hier, dort. Andere Umstände, Konstellationen. Bilder. Eine Bereicherung, keine Frage. Anders und irgendwie genauso schön. Viele Eindrücke. Bilder. Fotos. Stadt, Land, Liebe. Ein verrücktes Spiel.

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Tag am See – mit Vi in Paradise

paradise. 2013
paradise. 2013

Ach, ihr Lieben.

Komme gerade wenig zum Bloggen. Der Zeit wegen. Ihr wisst, sie fliegt davon und wird von kleinen Alienmonstern in Grün gefressen. Die Dinge haben sich geändert. Nichts bleibt, nichts ist fest, es gibt kein Halten. Das ist manchmal schockierend, weil verändernd. Und wer will das schon? Never change a winning team.

Nun isses aber so und nach dem Sprung ins kalte Wasser ist dann ja auch gut und plötzlich macht es Spaß. Vorstellung. Angst. Panik. Dabei. Also mal ehrlich, was soll passieren?

Und so freue ich mich. Momentan recht still und im Hintergrund, weil so ein Tagebuch auch nicht alles erfährt. Deshalb stehen die Artikel jetzt länger. Weil ich statt zu bloggen zum Beispiel telefoniere. Oder weil ich unterwegs bin. Wie am letzten Wochenende. Da war ich bei meiner Liebsten in Essen. Ich sage es jetzt, weil es sich immer noch so ungewöhnlich anhört: Bei meiner Freundin. Huch.

Leider hatte ich Herrn Cooper nicht dabei, sonst hätte der viel Spaß gehabt. An der Ruhr entlang – von Werden nach Kettwig. Sonne, Regen, ein stiller Fluss, Schwäne, Reiher und selbst in der Stadt recht wenige Menschen, die das Draußen klauen wollen.

Lustig war: Ab und an kam ein Trupp auf Fahrrädern. Die hatten alle ein Motto. Mal kamen die Geisens, mal Männer in Frauenkostümen und einmal ein korpulenter CDU-Kandidat, der von einem Pulk orange gekleideter Menschen mit orangenen Luftballons umgeben war. Nur er trug hoffnungsfrohes Himmelblau. Das Lustige war, dass er uns schon den ganzen Tag von hunderten Plakaten entgegengelächelt hatte. Im dunklen Anzug und mit einem Stift in der Hand, um seine Termine aufzuschreiben. Da hat jemand versucht, aus einem Lokalpolitiker einen Staatsmann zu machen. Little Angie. Da war das mit dem Fahrrad doch deutlich sympathischer. Und so haben wir dem Demokratiekämpfer zugewunken, Viveka hat ihn angefeuert (um ihm eine Freude zu bereiten, weil Wahlkampf nun wirklich ein demütiges Geschäft ist) und wir hatten unseren Heidenspasss.

Eine sehr schöne Stadt, dieses Essen. Hatte ja nun schon öfter das Vergnügen und freue mich, all dies Neue zu sehen. Tja, und dann diese ganzen Schauspiele. Am Wochenende fand Essen Original statt. Mitten in der City sechs Bühnen und eine Band nach der anderen – Freitagabend sind wir in so eine Ballermann-Kiste reingeraten. Eine pralle Sängerin im Oberbayern-Outfit und mit mächtigem Stimmungspotenzial. Samstagabend dann Chima. Mit Viveka durch die Nacht getanzt – wunderbar. Zum Beispiel zu Morgen. Was für ein reiches Land – draußen & umsonst. Schaut euch mal das Programm an. Sechs Bühnen, drei Tage. Volles Programm.

Sonntag. Abschied. Viveka hatte Familienverpflichtungen. Da passe ich noch nicht so ganz rein. Schritt für Schritt. Warten. Zeit geben. Langsam. Geduld (voll meine Stärke:). Nächstes Wochenende stelle ich sie meiner Mutter vor. Geburtstag. 75. Gerne hätte ich sie mit meinem Papa bekannt gemacht. Er hätte sie sehr gemocht. Aufregend ist das Leben, wenn so vieles neu ist. Frischzellenkur. Die Gedanken ändern sich, die Einstellungen, die Farben, der Himmel, die Welt innendrin, außenrum. Dabei sieht fast alles aus wie immer. Das Haus, die Familie, die Abläufe, die Wege mit Herrn Cooper.

baldeney/ villa hügel. 2013
baldeney/ villa hügel. 2013

Sonntagmorgen haben wir am Baldeneysee gesessen und den Segelbooten zugesehen, wie sie um die Wette gefahren sind. Kreuz, Vorwindkurs, die großen Spinnacker mit BMW-Logo setzen, einholen, rum um die Boje, den besten Kurs wählen. Drei Boote Kopf an Kopf, eines hatte den Skipper mit dem glücklichen Händchen. Alles richtig gemacht und vorbei an der Zielboje. Bootsjubel über dem See im Sonnenlicht bei leichtem Wind. Noch ein Kaffee im Garten des Hauses am See. Gut fühlen, sich ins Leben kuscheln, dem Schicksal mit sanfter Hand den Nacken streicheln. Alles gut. Schön. Nach Hause. Zurück. Voll sein, glücklich, sich gut fühlen. Aufgeladen. Ruhig. Wild is the wind.

Jetzt gleich geht es auf die Autobahn nach Bayern. Job. Ein Workshop am Tegernsee morgen und Heimkehr Mittwochnacht. Wieder ein See. Er wird mich an erinnern… Jetzt ist alles noch mehr und kompletter fiftyfifty denn je:)

Baldeney 2

Es ist etwas passiert…

Viveka und Jens

Wir sind wieder zurück. Und ja, es ist viel passiert. Klar, wenn man auf Reisen ist. Wenn man sich auf den Weg macht in ein Abenteuer. Wenn man mit Freunden und family-mixes unterwegs ist. Wenn man Länder durchfährt, Tunnel durchquert, die Heimat verlässt, das sichere Terrain, die Gewohnheit, die Spülmaschine, die comfort-zone…

Ohne Herrn Cooper, der sich gestern ein Bein abgefreut hat. Was für eine Begrüßung nach drei Wochen. Er hat sich auf meine Füße gelegt, ist nicht von meiner Seite gewichen. Oh, Mann.

Aber nun, was ist passiert?

Viveka hat mich gefragt. Im Urlaub. Ob ich ihr Freund sein möchte. Was ich geantwortet habe? Klar. JA. Wir sind nun also nicht mehr irgendwie heimlich versteckt Geliebte und Geliebter oder sonstwas, sondern ein offizielles Paar. Ein Jahr später. Nach Italien 2012.

Ich hatte wieder, wie im letzten Jahr, ein wenig Schiss vor diesem Urlaub. Würde es wieder so schön werden? So unbeschreiblich? So unfassbar? Bis ins übertrieben kitschig Romantische? Nicholas Sparks ohne Tote. Das Gift der hohen Erwartungen. Ich hatte versucht, ruhig zu bleiben, mir nichts anmerken zu lassen, den Wagen zu lenken, die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Konzentration auf das Wesentliche. Ich habe ein gebrauchtes Surfbrett gekauft. Für die Kinder, für mich. Einen Dachgepäckträger über ebay-Kleinanzeigen. Einen Gaskocher, eine Gasflasche. Habe meine Sachen gepackt, meine Sehnsüchte ins Waschzeug geräumt, meine Wünsche in den Socken versteckt. Die Kamera geladen, in neue, optimistische hellblaue Boardshorts investiert. Von Quicksilver, weil Nicola Quicksilver trägt. Wer ist Nicola? Ach.

follow your heart

Wir sind beide Widder. Viveka und ich. Oje. Beide Sonntagskinder. Beide an einem Ostersonntag geboren. Paare suchen Gemeinsamkeiten als Halt und sprechen von Wundern, Besonderheiten, Seelenverwandschaften, Konstellationen, Vorsehungen. Es war ein Sonntag in Italien, als sie mich fragte. Und ich habe keine Sekunde überlegt, weil ich die Antwort längst wusste. Seit Monaten schon. Weshalb ich nicht gefragt habe? Habe ich doch gerade gesagt. Weil es nicht an mir war, eine Antwort zu finden.

Levanto Sonnenuntergang

Und dann waren wir ein Paar. Und jetzt gibt es kein fifty-fifty mehr, weil jetzt alles komplett durcheinander ist und kein Stein mehr auf dem anderen steht. Kein wildes Chaos, nein. Alles geht seinen Gang. Aber auch keine Ordnung. Davon ist es weit entfernt. Was wird, steht in den Sternen.

Die Sterne. Ich hoffe, sie werden für uns leuchten. Wieder so viele Sternschnuppen in unseren Nächten vorne auf den Steinen am Meer. Den Wellen zuhören, den Sternen beim Fallen zusehen, Viveka sagt, dass sie sich wieder nichts wünscht, küssen, Bier trinken, nicht nach Hause gehen.

An unserem familienfreien romantischen Abend waren wir in meinem geliebten Vernazza. Haben erst auf einer Bank gesessen, den Menschen zugesehen, wie sie die Hauptstrasse herunter schlendern. Ist man verliebt, braucht man nicht viel. Dann sind wir zu Giannni gegangen, haben auf der Steinbank vor der Bar gesessen, Espresso getrunken, wo sonst die Kellner sitzen und Espresso trinken. Einar kam auf uns zu. Einer der Kellner, den ich kennengelernt hatte, als er noch im Gambero Rosso bediente, wo ich meinen vierzigsten Geburtstag gefeiert hatte. Er hatte uns bedient. Seither. Weil er gähnte, sprach ich ihn auf seine Müdigkeit an. Er sagte: „Ramadan. Noch 20 Minuten. Was mir fehlt, sind die Zigaretten. Ach.“ Dann reichte er mir die Hand, sagte, Inschallah. Und ich nahm es als Segen eines netten Menschen und antwortete überzeugt: Inschallah. Einar lächelte, entschwand in die Küche.

Ach. Und ich hatte wieder Sorge vor den Erwartungen. Und dann? Wie sagte mein Papa immer: Kommt alles anders, als man denkt. Ein weiser Mann, mein Papa. Er war mir im Urlaub so nah. Viveka hätte ihn in seiner Verrücktheit geliebt. Wirklich. Ach. Ich kann euch gar nicht sagen… Muss ich den Blog jetzt umbenennen? Den Fokus neu ausrichten? Wisst ihr. Egal. Hauptsache, es macht Spaß. Lassen wir eine Sache einfach so, wie sie war.

Ich freue mich, wieder bei euch zu sein. Wahrscheinlich werde ich euch in der nächsten Zeit mit Italienfotos ein wenig nerven. Meine Kamera wollte ständig etwas festhalten und hat sich über 1.800 mal ausgelöst. Klick. Klack. Leider nur wenig, die wirklich was taugen. Vorstellungen. Es sieht dann doch immer alles anders aus. Wie sagte Tom Hanks als Forrest Gump: Das Leben ist wie eine Pralnenschachtel, man weiß nie, was man bekommt. Ciao.