Beste Freundinnen, forever!

Zoe hatte gestern Besuch. Eine Freundin aus ihrer Klasse, die über Nacht blieb. Bei den Kindern heute eine Selbstverständlichkeit, die mir sehr gut gefällt. Da sitzen plötzlich kleine, sehr selbstbewusste Wesen am Tisch und sagen „Gib mir mal bitte die Butter“ – in völliger Klarheit, kein wenig eingeschüchtert, sondern direkt und ohne ein Wanken. Hut ab. Übrigens: Zoe ist meine Tochter. Elf Jahre alt, reitet, spielt Klavier, besucht eine Waldorfschule und lacht ziemlich viel und laut. Ihr Bruder Jim meinte mal, die stamme aus dem Lachkatalog.

Nun ist es so, dass die Kinder unserer Schule von der ersten bis zur letzten Klasse zusammen bleiben. Kein Wechsel nach der fünften oder zehnten Klasse. Zoe kennt ihre Freundin nun also seit fünf Jahren, quasi von klein auf. Und so verhalten sich die beiden auch. Gestern hatten sie keine Hausaufgaben auf und sind nach dem Essen – nur Kartoffeln und Möhren mit Ketchup – direkt in Zoes Zimmer verschwunden. Dann hörte ich nur noch Popmusik und Gekicher und Gerede. Ah! So ist das! Jetzt wo ich zuschaue, wie meine Tochter groß und größer wird, da verstehe ich einiges – besser. Das ist weiblich. In die Wiege gelegt. Eine ganz andere Art von Freundschaft als bei uns Männern. Wenn Jims bester Freund da ist, hängen die beiden ab. Versuchen mir Internetzeit abzutrotzen oder Rechnerzeit, um mit Garageband Musik zu erzeugen oder mit Elas Apple Videos zu schneiden.

Ganz anders Zoe & Co. Die beiden haben sich gestern auf den Weg in den Supermarkt gemacht, um Taschengeld in Sweets umzusetzen. Dabei sind sie in einen ziemlichen Platzregen gekommen, weshalb ich sie mit dem Auto aus dem Supermarkt abgeholt habe – zwei klitschnasse kichernde Mädchen mit jede Menge Süßigkeiten. Tütenweise, um sich den Nachmittag zu versüßen. Zurück ins Zimmer, Musik an, Gekicher, Gerede, Gelache. Schön.

Abends wollten sie dann eine Gutenacht-Geschichte von mir. Ich war gerade bis zur Einleitung gekommen, in der ein Junge in der Mühle seiner Eltern eine Art Tür im Keller fand, die… Da waren sie auch schon weg. Seelig entschlummert, mit einem Lächeln im Gesicht. Freundschaft tut gut. Beim Frühstück um halb Sieben saßen sie dann mit ihren Socken auf der Bank in der Küche und sahen mit ihren Tassen in den Händen so aus, als wären sie ganz alte Feundinnen beim gemeinsamen Kaffee. Ein schönes Bild. Leider hätten wir dann fast den Bus verpasst, weil der Aufenthalt im Bad etwas länger dauerte – „Wir müssen uns aber noch kämmen!!!“. Schon klar, aber der Bus fährt um 50, gekämmt oder nicht. Hat ja geklappt. Aber es scheint Dinge zu geben, die sind einfach so. Klischees, die sich erfüllen. Kleine Gesten wie das leichte Zurückwerfen der Haare mit einem sanften Fingerwurf. Mädchen. Schmunzel. Schön.

So Ihr Lieben, jetzt aber mal los hier. Bin spät dran, weil ich mit Ela joggen war. Sie hat heute die Führung übernommen und war Coopers Alphatier – es ist im Fifty-fifty-Modus nicht alles rechts-links, männlich-weiblich festgelegt. Es gibt die wunderbaren Schattierungen und Möglichkeiten der eigenen Entscheidungen. Alles lässt sich so oder so leben. Ich wünsche euch mal, dass ihr euren heutigen Tag genau so lebt, wie ihr es braucht und wie er zu euch passt. Viel Spaß dabei. Jens.

18 Antworten auf „Beste Freundinnen, forever!“

  1. Lieber Raoul, vielen Dank. Du bist der erste Mann in meinem Blog, von dem ich dank Kommentar weiß, dass er zwei Geschichten hintereinander gelesen hat. Seit dem 18. Februar blogge ich und meistens haben Frauen reagiert. Männer lesen keine Geschichten? Oder kommentieren nicht? Du hast es getan. Vielen Dank. Darüber freue ich mich sehr.

    Ich war gestern auf deiner Seite und habe mir dein Projekt angesehen, dass mir sehr gut gefällt und dass ich hier gerne empfehlen möchte: http://www.goodnewstoday.de

  2. Ich hab die Mädels so richtig vor Augen bei deiner Beschreibung – obwohl ich 3 Jungs großgezogen habe und eher die Fußball/Bolz/Staudammbauen, aber auch Blutsbrüderschaftrituale-Varianten mitbekommen habe. Heute dann eben die „Vorglühparties“ vor der Disco und immer noch Fußball. Aber ich war ja mal selbst ein Mädchen und erinnere mich gut und gerne an die „Beste-Freundinnen-Zeit“! Rollenklischees? Egal, Hauptsache, sie (wir?) sind glücklich dabei…

    1. HI,

      ja, Hauptsache glücklich dabei. Das ist doch ziemlich zentral. Was mich so fasziniert, ist das Selbstbewusstsein. Ich hoffe, Zoe kann das in ihr Leben tragen. Ich habe zwei Brüder, weshalb meine Kindheit auch eher durch Fußball und Mofa-Reparaturen im Kinderzimmer geprägt ist. Ich bin froh, dass wir die Experimente mit Übungsmunition der Bundeswehr heil überstanden haben… Mit meinem Sohn durch den Wald zu raufen, ist wie ein Heimspiel. Mit Zoe umzugehen, ist für mich Neuland. Das ist so ganz anders, obwohl wir oft auch Jungsachen machen. Aber für sie ist es schon ein besonderes Highlight, mit ihrer Mama shoppen zu gehen – tagelange Aufregung! das ist so schön, ihr zuzusehen.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Genieße die Zeit, ich hab 3 Kinder… meine beiden Söhne, 20 – 21 sind schon aus dem Haus – mehr oder weniger…. unser Nachzüglertöchterlein ist jetzt 13…. und genau diese Momente finde ich wunderschön. Mädchen gehen sowieso ganz anders an Freundschaften heran. Was da alles schon beredet, abgekämpft, gestritten, versöhnt wird. Und meist mit dem Ende, daß sie irgendwo kichernd zusammen sitzen…. nach Stunden, Tagen…oder auch gleich. Dann mache ich das, was mir eine meiner Lebenslehrerinnen beigebracht hat. Das Bild fixieren, einmal die Augen schließen und wieder öffnen. (wie eine Kamera eben) Damit prägt sich das „Foto“ direkt im Gehirn ein und wir können es jederzeit abrufen.
    Heute fahre ich nach Erfurt…. dort lebt meine beste Freundin…. mit ihren zwei Töchtern, die die besten Freundinnen meiner Tochter sind und ihr Leben um so vieles berreichern.
    Zu meinem 40. Geburtstag habe ich alle meine Freundinnen eingeladen…. überall her aus Deutschland kamen sie…. wir waren dann 9 tolle Frauen, alle ganz unterschiedlich – aber irgendwie ähnlich. Und alle verbunden durch mich. Das ist es, was Leben ausmacht und das wünsche ich mir auch für meine Tochter.
    Danke für das Lächeln auf meinem Gesicht…. nun kann der Tag weitergehen.

    1. Hi, hi,

      vielen Dank für den Kommentar. Da kommt eine ganze Frauenwelt zusammen – Töchter, Freundinnen, Töchter der Feundinnen und Töchter der Freundinnen als Freundinnen der Töchter. Hui. Sehr viel weibliche Freundschaft! Das klingt nach Fülle. Den Geburtstag kann ich mir lebhaft vorstellen. Schön, dass ich dich zum Lächeln gebracht habe mit dem Text. Freut mich sehr und höre ich gerne – dann macht das hier alles Sinn. Lächeln, wow!

      Ich wünsche dir einen tollen Tag und viel Spaß

      Jens

  4. Freundinnen – 4ever!!

    Hallo Jens,
    ich seh‘ sie richtig vor mir, die beiden. Wie sie zusammensitzen, kichern – wie dieses Zusammensein das WICHTIGSTE im Jetzt, im Leben ist. Und wie aus vollstem Herzen schön. Du hast Recht: so üben sich Frauen von Kleinst-auf in Freundschaft. „In die Wiege gelegt“ ? – weiß nicht. Aber tief kulturell verwurzelt.

    Ich habe eine Tochter und Sohn; inzwischen beide erwachsen. Ich/wir versuchte/n sie abseites von Klischées und Rollen-Stereotypen zu erziehen. Heute muss ich sehen, wie klein dieser elterliche Einfluss war. Meine Tochter ist – ähnlich der deinen – eine selbstbewusste, klar reflektierende junge Frau und bewegt sich im Leben auf ihre ganz persönliche Weise. Mein Sohn – noch etwas jünger – gleicht in manchen ganz dem Abziehbild eines klassischen Machos. Mich beutelt es – und ich hoffe auf erkenntnisbringende Entwicklungsschritte… Prägend sind, meine ich, stark die Peer-Group, die „Zeit“, das weitere soziale Umfeld – wir Eltern sind so gesehen ein Mosaiksteinchen; aber (doch wesentlich:) der Boden, auf dem sie stehen, wachsen und wurzeln…

    Liebe Grüße, mit Augenzwinkern
    filomena99

    1. Hi filomena,

      vielen Dank für deinen Besuch in meinem neuen Blog. Jetzt habe ich zwei Blogs, aber ich kann die gut beide füttern und managen.

      Als Erziehender von zwei Kindern, die noch nicht erwachsen sind, laufe ich natürlich Gefahr meine Funktion überzubewerten. Aber es ist einfach sauschwierig, in die Rolle des Erziehenden einzuwachsen. Ist ja kein Ausbildungsberuf. Da kommst du aus dem Krankenhaus, hast so einen kleinen Wurm auf dem Arm und dann mal los. Manchmal stand ich echt kurz vorm Heulen, weil ich einfach nicht wusste, was zu tun ist, wie ich mich verhalten soll oder wie sich meine „Erziehung“ auf die Kinder auswirkt. Nund habe ich eine bislang dreizehnjährige „learning by doing“-Ausbildung hinter mir und freue mich, da meistens doch ganz gut klar zu kommen. Und tatsächlich: Die Kinder entwickeln sich gut und es macht mesitens Spaß, auf ihrem Weg dabei zu sein. Jim ist natürlich gerade anstrengend und lässt keine gelegenheit aus, seinen Papa zu testen. Ganz schön anstrengend. Aber auch da werde ich reinwachsen, hoffe ich. Werde ich. Was dann später rauskommt, wir werden sehen. Ich hoffe, wir werden dann zumindest gute Rahmenbedingungen für die individuelle Entwicklung bereitgestellt haben. Wir werden sehen.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Liebe Christine,

      ich glaube, darum geht es momentan. Als Menschen füreinander da zu sein. Uns unsere Geschichten zu erzählen, uns zuzuhören, wirklich zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf? Der Mensch ist dem Menschen ein Mensch! Wir haben uns und können jeden Augenblick miteinander kommunizieren, Spaß haben, füreinander da sein – wie die Mädchen gestern. So schön.

      Danke für den Kommentar und viele Grüße

      Jens

  5. Ganz toll: arbeite im mädchenspezifischen Bereich, aber auch ganz allgemein gibt es nichts Spannenderes als sozusagen „live“ dabei zu sein, wie aus kleinen Persönlichkeiten große werden. Sehr schön beobachtet:)

    1. Vielen Dank für den Kommentar aus qusi professioneller Sicht. Lustig, als Vater einer Tochter „arbeite“ ich auch im mädchenspezifischen Bereich. Wobei ich das große Vergnügen habe, ein Leben zu begleiten. Gerade komme ich von einem Reitturnier, wo Zoe mitgeritten ist. Große Aufregung. Sie auf dem großen Pferd, konzentriert, aufgeregt. Schön zu sehen, wie sie so ein großes Tier sicher führt. Ja, es ist unglaublich, Vater zu sein und für mich als Mann erstmals ein weibliches Wesen aufwachsen zu sehen.

  6. Hach, wie wundervoll. Dankeschön. Das hat mich an mich „in klein“ erinnert. Das ist die Zeit in der man denkt die Welt liegt einem zu Füßen und es gibt keine großen Katastrophen. Ich wünsche deiner Tochter, dass sie dies Gefühl noch ganz ganz lang behalten kann :)

  7. Liebe Fiona,

    ah, wie schön. Abtauchen ins Damals. Ich hoffe, es war schön. Und ich hoffe, dass du die Zeit heute manchmal wieder hervorholen kannst. Ist alles da, schön gespeichert. Bei geschlossenen Augen und Ruhe kommen die Erinnerungen mit Düften, Farben, geräuschen. Manchmal.

    Zuzuschauen wie meine Tochter heranwächst ist für mich schon was Besonderes. Ich hoffe auch, dass sie die Unbefangenheit des Augenblicks noch lange genießt.

    Viele, viele Grüße

    Jens

    1. Hi Jenny,

      Voielen Dank. Klar, Feeds kannst du abonnieren. Auf der Titelseite oder oben im Browserfenster. Kannst dich auch per Mail benachrichtigen lassen, wenn Neues erscheint – auch auf der Titelseite.

      Liebe Grüße

      Jens

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