In Love with Marvin, Woody & Stevie

Tatsächlich bringe ich es ein wenig durcheinander. Habe ich euch hier erzählt, dass mir Max, also Jim-Fx, mein Sohn, Kollege und Mitbewohner, mir zu Weihnachten erst drei Schallplatten und dann einen Schallplattenspieler geschenkt hat? Marvin Gaye, Miles Davis und Gil Scott-Heron.

Nachdem mein 1989 gekaufter CD-Player letztes Jahr den Umzug nicht verkraftet hatte, er wollte keine neue Location, hatte ich zwei Versuche gestartet, Ersatz zu ersteigern. Zwei Vollnieten. Geld zurück und behalt den Schrott und schönen Tag noch. Kürzlich habe ich einen weiteren plus schickem Verstärker auf dem Elektromüll gefunden. Zwei weitere Blender.

Solche Dinge nehme ich als Zeichen Gottes, an den ich mir manchmal zu glauben erlaube. Er ist wunderbar, wenn er da ist. Oder?

Was habe ich in meiner Not getan? Habe mir ein Abo andrehen lassen. Nein, nicht die Bunte noch den Stern auch nicht den Spiegel und auch nicht die Zeit, obwohl vor allem Spiegel und Zeit es auf erbärmliche Weise mit Pseudo-Umfragen im Web permanent versuchen. Sehr unangenehm und unwürdig. Nun.

Spotify. Ich war dann auch ein Jahr überzeugter Spotify-Anhänger und bin es noch, aber unser Verhältnis hat gelitten. Die Platten. Ja, man könnte mir Untreue vorwerfen. Ein missliches Verhältnis zu den Dingen. Aber nun, mal ehrlich, soll ich meine Sehnsüchte unterdrücken?

Platten.

Spotify hat etwas sehr Schönes mit mir gemacht. Montags bekomme ich eine Playlist, die zu meinen Vorlieben passt. Die Datenkrake analysiert mich, gleicht mit Facebook ab, wertet wahrscheinlich Instagram aus und manch anderes. Am Anfang der Woche dann das über Algorithmen gewonnene Ergebnis. Die neue Playlist. Maßgeschneidert, handverlesen, ein Trojanisches Pferd, ein Lockmittel, ein Suchtstoff. Für was auch immer. Irgendwas mit verkaufen, verkaufen, verkaufen.

O.K. Fast hätte ich geschrieben ein Deal. Lass ich mal. Is ’n Pseudopolitik-Idiotenwort.

Spotify hat mir Woche für Woche, Monat für Monat die Seventies um die Ohren gehauen. Blues, Funk, Soul, Jazz. Oh, ja. Und ich habe es geliebt und liebe es. I love it. Nicht den Burgerscheiss. Music. Black music. Black people music aus den Siebzigern.

Gerade läuft TROUBLE MAN von Marvin Gaye. United States of America 1972. Da konnte ich schon denken. War sieben Jahre alt und habe im Fernsehen das Bild der amerikanischen Sprinter auf dem Podest gesehen. Die Faust in die Luft gereckt. Black Panther, Black Power. Später im Politikwissenschaft-Studium habe ich mehr erfahren. Rainer hatte über Malcolm X geschrieben und präsentiert. Ich über Tuli Kupferberg und sein Stück „Fucknam“ – „den Steuerknüppel zwischen den Beinen“. New York. Off-off-Broadway. 1999 eine Woche New York. Jeden Abend Off-off-Broadway.

TROUBLE MAN hat Viveka von Woody geerbt. Woody war Jamaikaner und Viveka-Fan. Er ist, ich denke, vor zwei Jahren gestorben. Plötzlich. Vor seinem Tod hat er gesagt, dass Viveka seine Platten bekommen soll. Und weil sie keinen Plattenspieler hat, hat sie die Platten an Stevie weiter vererbt. Mit Stevie hat sie zwei Kinder. Eine coole Familie. Und Stevie ist ziemlich nett und ein ausgesprochen schöner Mensch. Er hat mit die TROUBLE MAN und zwölf weitere Platten nun weitervererbt. Die TROUBLE MAN soll Jens haben. Danke Stevie, du bist der Beste. I love you.

Ich weiß nicht, wie mir geschieht. So viele Geschenke in der letzten Zeit. Kunst, Platten. Zuneigung. Es ist schön, wenn einen das Leben streichelt und mit Aufmerksamkeiten umgarnt. Wenn die Theorie stimmt, dass sich alles ausgleicht, wenn die Theorie der Gefälligkeitsbank stimmt, dass man einzahlt und abhebt, dann habe ich entweder einen fetten Kredit aufgenommen oder vorher unbewusst eingezahlt. How ever. Egal.

Es ist schön. Punkt.

Die Siebziger sind meine Zeit. Vielleicht, weil ich dabei war, ohne dort zu sein, wo die Dinge stattfanden, die mich heute bewegen. Ich lebte in kleinen Dörfern fernab. s/w-Fernsehen. Drei Programme und mein Vater mit Programmhoheit. Er liebte die Nachrichten, ich liebte die Nachrichten. Mal heute, mal die Tagesschau. Internationaler Frühschoppen. Politik hat mich immer interessiert.

Aber ich habe nichts über Amerika, Vietnam, Nixon, Woodstock, Kalifornien, New York erfahren. Wenn ich heute die Musik aus jener Zeit höre, ist es wie ein Nachholen. Wie ein Eintauchen in eine Zeit, die meine ist. Während meiner Zeit am Stadttheater Aachen war mal eine Dance-Company aus New York zu Gast. Ich hospitierte bei Hans-Ulrich Becker und so hatte ich eine Karte für das Gastspiel und war auf der Premierenfeier in einem Club. Schwarze Tänzer. Aus New York. Ich habe die Tanzfläche nicht verlassen, weil ich auch einmal, unter anderem, Tänzer werden wollte. Ich tanze leidenschaftlich gerne. Am liebsten nach Black Music mit dem Groove. Der Körperlichkeit. Dem Raum, der alles zulässt. Den Verführungen, der Auflösung aller Gedanken, der Leichtigkeit und des Lachens. Hätten sie ein Schild dabei gehabt „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“, ich wäre weg gewesen. Wo ich wohl gelandet wäre? So habe ich eine dieser vielen unvergesslichen Nächte durchgetanzt.

All diese Seventies-Schätze sind noch da. Werden gerade neu gepresst. Wie gerne fliehe ich aus diesen Zeiten 2000+ in die geschönte Vergangenheit. Höre Gil Scott-Heron darüber reden, dass Schwarze nicht in Filmen vorkommen. Und schaue mir dann Trouble Man an. Klar, verklärte Sicht. Es gibt so viele Aspekte. Aber: So what? Es klingt einfach. Es bewegt. Es lebt. Es hat Seele. Soul. Und Groove. MUSIC.

So danke ich. Marvin, stellvertretend für alle, Woody für seinen erlesenen Musikgeschmack, Stevie für das Vertrauen sowie Max und Viveka für die Geschenke. Das ist Liebe in Vinyl.

Mit Sasa und Zoe bei CRO the BRO in der Lanxess-Arena in Köln

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Zoe hat mich irgendwann im Frühjahr gefragt, ob ich sie und Sasa, ihre Freundin, begleite. Quasi als Security (wer schräg kommt, wird komplett zack gerade gezogen). CRO in der Kölnarena, das ist schon Programm. Und mit 15 kommt man da so allein nicht unbedingt rein. Also habe ich JA gesagt. Klar. Ich meine. Sowieso. Hallo. Letztlich hat sie mich mitgenommen, was ich jetzt einfach mal als besonders schön für mich verbuche. So als Papa und dann höre ich CRO auch gern. Easy. Radio.

In die Kiste über die german Autobahn nach Köln. Parking. 4 € am Straßenrand statt Parkhaus. Aufregung. Flatter. Flitter. Je näher wir kommen, desto zappeliger. Und dann: Alles Mädchen. Hey? Boah, ey, CRO. Schlimmer Finger. Sie mögen ihn.

Ich weiß jetzt auch warum. Also: Erstens hat CRO diese Pandamaske auf, hinter die jeder und vor allem jede mal gerne schauen würde. Erst hab ich gedacht wie doof so ’ne duselige Maske. Anfangs, als ich von CRO und der Maske gehört hab. Vor 2 Jahren? Keine Ahnung. Jetzt hab ich ihn auf der Bühne gesehen und, ja, was soll ich sagen? Passt.

Bevor ich hier über das Konzert schreibe erst einmal mein CRO Fazit. Der ist echt süß. Und locker. Stellt euch ihn so vor: Dünn. Extrem lange Arme. Beine in ’ner engen Röhrenjeans, die so ein wenig hängt. Riesige weiße Basketball-Nikes, die bei einem Lied lustig wie bei ’nem Sechsjährigen in der Luft gebaumelt haben. Da war auch irgendwann ein Song, in dem es darum ging, dass er Kind bleiben möchte. Lass ich mal so stehen.

Seine Vorgruppe war ein einzelner Rapper. Gut. Aber eben nicht CRO. CRO kam auf die Bühne und war mit allem präsent. Mit dem ganzen Körper luftig unterwegs. Die Arme sind geflogen, der Body hat getanzt. Alles was geht gute Laune. Super sympathisch. Ausstrahlung nennt man das, ne. Und davon jede Menge. Das springt sofort über die Bühnenkante, die Arme und Hände gehen los und die 14.000 grooven. Und er hat Rapper-Freunde mitgebracht, mit denen er gesungen/gerappt hat. Tees hieß einer. Auch gut drauf. Die können was. Mitreißen, Spaß verbreiten, Lächeln in Gesichter zaubern, Popos sich bewegen lassen, Füße, Körper, Menschen, ganze Hallen…

Carlo heißt er, habe ich heute gelesen. CRO. A und L weggelassen und fertig ist der Rapper. Er sagt: RAOP. Rap plus Gesang, Melodie. MELLOtour. Pop. Oh ja, das klingt richtig gut. Und dazu diese fette Show. Lichter, Feuer, Lametta. Und Videos. Jeder Song bebildert. Diese Youtube-Generation hat es wirklich drauf. Multimedial, multisensitiv. Ich wusste gar nicht, wo ich so überall hinschauen soll.

Tja, und das Wichtigste – Zoe war glücklich. Hat die Songs mitgesungen. Vor allem die Hymne ihrer Gang. Meine Gang. Und Bad Chic. Und easy. Und Traum. Einmal um die Welt. Und Du. Und getanzt.

Wir saßen, zunächst. Genau gegenüber der Bühne. Volles Programm frontal. Peng.

Ich freue mich. Ein besonderer Abend. Gute Nacht. Höre noch ein wenig CRO:)

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Glen Hansard singt Bruce Springsteen

Glen Hansard

Ab und an bekomme ich über Facebook Infos von meinem guten alten Freund und Wegbegleiter Glen. Es ist wie mit einem alten Freund. Man sieht sich, trifft sich, lacht über die alten Sachen, geht auseinander und wenn die Zeit gekommen ist, schickt das Schicksal die Engel der Freude.

Er hat ein neues Album. Drive all night. 2013 erschienen, jetzt bei mir gelandet. Drive all night ist ein Song von Springsteen, der 1980 erschienen ist. Es geht um Liebe. Der Boss singt so schön. Wenn harte Jungs von Liebe singen, ich weiß nicht, das ist doppelt.

When I lost you honey sometimes I think
I lost my guts too
And I wish God would send me a word send me something Im afraid to lose

Überhaupt, die Liebe, die Liebe, ich könnte, wenn ich könnte, auch ein Lied davon singen.

I swear I’ll drive all night just to buy you some shoes
And to taste your tender charms
And I just wanna sleep tonight again in your arms

Glen hat das auch gefallen. Wir, also Glen, der Boss und ich, sind alle in einem Alter, in dem wir ziemlich genau wissen, was die Liebe so macht. Was sie kann. Wir haben es auf die eine und die andere Art und Weise erfahren. Dürfen. Müssen. Wie sie einen durchweht, machtlos macht, einem die Hand auf den Punkt dort legt, wie sie lächelt und weint.

In Düsseldorf habe ich Glen und Marketa gesehen. Nach ihrem Film gemeinsam auf der Bühne. Erst konnten sie im Film nicht zusammenkommen, dann das Happy End im Leben und später, wie es so geht. Sie spielt mit auf dem Album – im dritten der vier Songs. Marketa Irglova. In Düsseldorf wirkte sie unglücklich auf der Bühne. Glen ist Ire, ich denke, das ist manchmal nicht einfach. Rothaarig, robust. Er erzählte vom Abend zuvor, als ihn in Norwegen ein Sven küsste, so ein betrunkener Wikinger an irgendeiner Theke. Eine gute Story. Ich glaube, Marketa gefiel sie nicht und Glen schien auch nicht mehr gewillt, für sie durch die ganze Nacht zu fahren, um ihr Schuhe zu kaufen.

Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, nun. Es ist schrecklich, ganz einfach, weil es in den guts brennt, oder, Bruce? Au Mann. Ich habe euch auf youtube eine Hansard Version von drive all night rausgesucht. Schön, am Anfang zollt er dem Boss Respekt. Erzählt von einem Konzert in Dublin, wo er ihn gesehen hat und davon, dass er eben der Boss ist, das, was man erreichen kann, die Messlatte.

Und als er dann anfängt zu singen, da kommt noch einer auf die Bühne. Eddie Vedder, mit dem er viel macht. Eddie singt mit auf dem Album. Bruce, Eddie, Glen. Eddie Vedder von Pearl Jam. Von ihm ist der Song, der mich aus bestimmten Gründen am meisten bewegt hat. Aus Liebe. Better Man.

Youve got,
Youve got my,
My love heart and soul

Und nun? Liebe ich sie. Wegen ihrer ganzen Schönheit. Ihr könnt euch das nicht vorstellen. Oder doch, aber anders, weil es ja immer anders ist.

ein Wort für sich
welches man
gut behütet
wissen möchte

Hach, du.

Am Ende singen Eddie und Glen: Baby, can you feel it?

Manchmal sind Männer kitschig, schön kitschig, auf so eine rührende Art. Die weichen Momente der Väter, wenn es sie übermannt, wenn sie für eine Sekunde in die Knie gehen.

Freitagnacht werde ich meine Karre beladen. Auf den Highway. Der Sonne entgegen. Jungs, ich muss dann mal los. Man sieht sich. Wir bleiben in Kontakt. Klar.

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WOODKID – Live Music Hall Köln

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Wir waren da. Er auch, Yoann Lemoine. Das war gut, so konnten wir ihm zuhören. Jim und ich. Und ja, was soll ich sagen. Ein wunderbares Konzert, wie eigentlich nicht anders zu erwarten. Woodkid nennt seine Musik selbst Epic-Pop. Episch, groß, kolossal, gewaltig.

Zwei Schlagzeuge mit dicken Trommeln. Was haben die Jungs reingehauen. Und dann noch drei Bläser, ein Keyboarder und einer an den machines, was immer das ist. Kommt auf jeden Fall mächtig Wumms raus. „Crazy noises“, wie Yoann bei der Vorstellung seiner Mitstreiter meinte.

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Der Abend war ziemlich gut durchgestylt – immerhin hat der junge Mann mit dem Rauschebart, der fetten Silberkette und der Basecap schon für Katy Perry gedreht (das schreiben und sagen alle, heute auch wieder auf 1LIVE – der Griff in die kleine Klischeekiste, wissen, was zieht und groß macht).

Aber, soll ich euch sagen, was das Schönste war? Neben dem fantastischen Licht, der beeindruckenden Stimme, der guten Musik, des stimmigen Sounds und der mitreißenden Stimmung? Jim. Konzert mit Sohn. Mensch, war ich stolz und froh. Wir standen in der zweiten Reihe direkt vorne vorm Mikrofon. Nebeneinander. Party. Das war wirklich besonders.

Die Fotos sind natürlich shitty. Kleine Kamera, die echt gearbeitet hat, der aber einfach die Möglichkeiten fehlen. Vorne im Orchestergraben turnten die Profis mit fettem Gerät rum. Bei der Lightshow waren da sicher super Motive dabei. Ich hätte eh keine Zeit gehabt. Jim. Ach wie schön… Und damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, hier zwei Mitschnitte von gestern Abend, die eine Zuschauerin auf Youtube hochgeladen hat. IRON und BROOKLYN.

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