Die eindrucksvolle Begegnung mit Shoichi Sakurai

Ich kann es kaum fassen. Es ist. Sehr bewegend und berührend. Diese Begegnungen im Leben eines Menschen, die Spuren hinterlassen. Die tiefer gehen, unter die Haut und weiter in das innere Land. Die Ebenen, die Steppen, die Wälder, die Seen, Meere. Das innere Ausgefülltsein. Angerührt. Vom Leben liebkost. Der rotsatte Vollmond am Himmel des eigenen Fühlens.

Anfang Oktober habe ich Shoichi bei der Vernissage 4 by 4 im Kulturhaus Zanders das erste Mal gesehen. Ihn und auch seine Frau Colleen und deren beiden Werke. Helga und David hatten Viveka und mich den beiden vorgestellt. Offenes Lächeln, Herzlichkeit, die Aufregung des Kommenden.

Über die Ausstellung habe ich geschrieben.

Die Woche darauf trafen wir Anja und Marc von raum13 bei der Premiere von Interstellar 227 in der Alten Feuerwache in Köln und vereinbarten ein Essen bei uns auf dem Land im alten Verwaltungsgebäude der Bleigrube Bliebach. Auch mit Norbert und Barbara von Schachten & Ackern. Und wir wollten gerne David und Barbara dabei haben, die gerne kommen wollten. Sie würden Shoichi mitbringen. Colleen musste frühzeitig nach Japan zurück. Schade. St.Martin. Das Glück miteinander teilen, den Tisch, das Mahl, die Freude.

Es kam dann ein wenig anders. Anja und Marc mussten das Wochenende nutzen, um Ihre Buchvorstellung in der IHK Köln aufzubauen, Barbara wollte gerne ein überraschendes Zeitfenster nutzen, um endlich mal wieder ihre Familie in Bayern zu sehen und Norbert musste nach Paris. Ein Job. So blieben Helga, David, Shoichi, Viveka und ich.

Es wurde ein außerordentlicher Abend. Den Tag über hatte ich gekocht, alles hatte funktioniert, die Freunde kamen. Wenn das Gefühl der Verbundenheit im Raum ist. Wenn man sich näher kommt. Wenn die Zeit Relevanz hat. Wenn es das Lächeln des Lebens ist.

Ich durfte neben Shoichi sitzen und wir sprachen über unser Leben, über Japan, die Kunst, unsere Kinder und über sein im Kulturhaus Zanders präsentiertes Werk Kimyo-na-Enkan. Die Antwort auf Helgas Strange Loops. Die tiefe Wahrheit der Verbundenheit, das alles miteinander zusammenhängt. Die Überlagerung der Zeiten und Welten. Connected. Das Ineinandergreifen des Schicksals. Das durchgehende Anstoßen, in Bewegung bringen, auslösen. Übergeordnet im Großen, heruntergebrochen bis auf das Kleinste.

Shoichi ist ein sehr feiner Mensch. Sanft, sehr höflich, aufmerksam, interessiert, lustig. Geschickt mit den Händen, dem Geist. Er wohnt mit Colleen in einem alten Tempelhaus unweit von Tokio. Die beiden sind jeder für sich und gemeinsam eine Welt. So wie das auch mit raum13 und Schachten & Ackern und dem Atelierhaus an der Agger der Fall ist.

An dem Abend entstand die Idee, Shoichis Gedanken seiner 4 by 4-Arbeit Pieces United weiter zu tragen. Manchmal fügen sich die Dinge. Als würde man ein Puzzle in die Luft werfen und am Boden treffen sich die Teile zum fertigen Bild. Wir gingen in den Garten und suchten nach einem Platz für seine Strange Loops Kimyo-na-Enkan.

Der kleine Wald, den wir kürzlich von den Brennholzstapeln befreit haben. Die beiden hohen Buchen als Dach. Ein Raum wie eine Kirchen-Apsis. Nach Osten ausgerichtet, in Richtung der aufgehenden Sonne. Japan. Hat gepasst. Im Westen liegen das Atelierhaus und Helgas Strange Loops. Eine feine Linie.

Für mich war die Skulptur schon im Kulturhaus Zanders ein Rock eines Samurais, im Kampf beschädigt. Das Symbol eines Kriegers, der nun als Schützer in unserem Garten steht.

Heute morgen habe ich den Platz vorbereitet. Mit Räucherstäbchen die Geister verführt. Shoichi kam dann und wir haben die Skulptur aufgebaut. Ausgerichtet, den Fuß mit Steinen beschwert, geschaut, dass sie gut sichtbar ist. Kommt man auf den Hof, sieht man sie. Sitzt man im Garten, sieht man sie. Kommt man aus dem Haus, ist sie da. Sie hat eine immense Präsenz und Energie. Sie ist sehr stark in ihrer Wirkung. Leuchtend.

Nun werden wir sehen, wie sich der Rock des Samurais, der Schützer in den Gezeiten des Lebens, in den Abläufen des Wetters und der Jahreszeiten verändern wird. Ich werde das dokumentieren und Shoichi auf dem Laufenden halten. Auf diese Art und Weise sind wir verbunden. Es ist ein Faden Pieces United.

Viveka kam von der Arbeit, wir saßen in der Küche, Shoichi kochte grünen Tee, Sencha und es war Raum und Zeit, zu reden. Wir haben uns sein Haus im Internet angesehen, über den fiftyfiftyblog gesprochen, über die Kunst von Vivekas Vater, die in unserem Haus lagert und über unsere Hunde. Shoichis Hund muss operiert werden, Cooper ist heute vor einem Jahr gestorben.

Heute ist Vollmond über dem Haus, Kimyo-na-Enkan ist in die Kathedrale unter den Buchen eingezogen, Coopis Todestag jährt sich. Strange Loops. Die Dinge kulminieren. Ich sitze in der Küche, der neue Spotify-Mix läuft, ich sehe Shoichi noch hier am Tisch sitzen. Am Freitag geht sein Flieger nach Tokio. Wir haben uns gegenseitig eingeladen, das Meer zu überwinden. Ich bin sehr berührt. Von allem.

Von dem Projekt werde ich berichten. Meine Kamera wird lernen, dem Freund im Garten ein Leben zu geben.

Shoichis Werk und Einblicke in das Tempelhaus: http://www.shoichi-sakurai.com

2 Antworten auf „Die eindrucksvolle Begegnung mit Shoichi Sakurai“

  1. Shoi erzählte uns die Tage von seinem Vorhaben „Kimyo-na-Enkan“ der Natur zu überlassen, um den weiteren Prozess seines bereits einmal zu neuem Leben erweckten Gegenstandes weiter zu verfolgen.
    Das ist Shoi. Alten gebrauchten Dingen neues Leben zu geben, einen neuen Sinn, eine neue Sichtweise.
    Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen und seine neuen kreativen Ideen, wenn er das nächste Mal Köln besucht….und sind gespannt wie es „Kimyo-na-Enkan“ ergangen ist …

    1. Herzlichen Dank für den Kommentar. „Kimyo-na-Enkan“ hat sich eingelebt und seinen Ort gefunden, den er lächelnd behauptet. Jeden Tag schaue ich. Noch ist die Veränderung der Wahrnehmung in mir größer als am Objekt. Ich werde berichten. Natürlich lässt sich Shois Arbeit auch ansehen. Vorbeikommen und schauen:)

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