Die Zeichnung des Gerd Mies im Labor Ebertplatz

gerd mies red

Ich hatte Glück. Viveka konnte mich wieder besuchen. Wir durften wieder ein gemeinsames Wochenende miteinander verbringen. Wenn die Dinge nicht selbstverständlich sind, werden sie intensiver und besonders. So einfach ist das. Die Gewohnheit hat Schwierigkeiten, ihren Fuß in die Tür zu schieben.

Freitagabend sind wir nach Köln gefahren. Finissage der Ausstellung Feriengäste im Labor Ebertplatz. Das, worüber ich jetzt schreibe, wird ab Morgen nicht mehr zu sehen sein. Eine Zeichnung von Gerd Mies. Ich glaube, sie hat keinen Namen.

Es war viel los und ich hatte nach einer prallen Woche den Kopf voll und wollte eher. Ihr wisst schon. Den Augenblick genießen. Schauen. Michael Nowottny war da, der ab Freitag ausstellt. Norbert van Ackeren leider nicht.

Das Labor wurde umdekoriert. Jetzt ist es eine Galerie. Wurde vorher nur im Schaufenster ausgestellt, ist nun das ehemalige Ladenlokal der Ort des Geschehens. Feriengäste war eine Gruppenausstellung. Malerei, Zeichnungen, Fotografie. Die Infos, Namen, Fotos findet ihr unter dem Link. Ich habe nicht viel fotografiert.

Wir haben die Ausstellung betreten. Viveka sah sich um und ging schnurstracks zur Zeichnung von Gerd Mies. Ich habe ihr dann über die Schulter gesehen. Ja. Ein von weitem vielleicht eher unscheinbares Bild. Eine Straßenszene. New York. Der Blick geht die Straße entlang bis ins unruhige Weiß im sammelnden Mittelpunkt, im Zentrum der Perspektive.

Millimeterpapier. Quer. Gerd Mies ist Techniker, wenn ich das recht sehe. Arbeitet an der Uni. An der Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik, verrät Google. Das ist mir sehr sympathisch. Der andere Blick. Der Weg abseits.

Das Bild zieht. Hinein. Es hat Sog. Der Perspektiven wegen. Vielleicht. Des freien Raums wegen. Gerd Mies lässt Menschen, Tiere, Autos weg. Eine Straße in New York. Gerd Mies war dort, hat diese Straße aber nicht dort in sich aufgenommen. Google. Street View. Später. Vielleicht einfach den Impuls mitgenommen.

Ich schreibe aus der Erinnerung. Die Fotos liegen noch auf der Speicherkarte. Ich habe mir das Bild mehrfach angesehen. Oben links fehlt eine Ecke, der Rand vorne ist ausgefranst. Sind es die Farben? Irgendwann wusste ich, was es für mich ausmacht. Es ist wie der Anfang oder das Ende einer Geschichte. Es nimmt sich zurück. Eine Bühne, die der Geist bespielen kann. Protagonisten auftauchen lassen. Liebesgeschichten, profaner Alltag, Hollywood, Action, Krieg, spielende Kinder, eine Parade… Ein episches Bild.

Ich habe es für micht gefüllt. Habe ausprobiert, es das Ende einer Geschichte sein zu lassen, oder der Anfang. Ein gutes kleines Bild. Unaufdringlich, bescheiden. Und gerade deshalb von Wert.

Viveka hätte es gerne gehabt. 520,00 €. Schade, dass ich nicht reich bin und in Kategorien wie die Anschaffung eines neuen Gebrauchtwagens denke. Für die Freude, die die Kunst bereitet, wird sie recht unfürstlich entlohnt. Am Ende des Tages sind es dann doch die armen Schlucker, die kommen. Kunst gucken, ein Bier trinken, zwei, eine Wurst essen. Gebraten von dem Mann mit den schwarz glänzenden kurzen Hosen von der Firma mit den drei Streifen (in gelb), Flip-Flops und Jeanshemd.

Leider hat Gerd Mies keine Internetseite. Aber, ihr könnt ihn auf facebook besuchen. Tja, und das Bild, das seht ihr hier. Natürlich verliert es. Farben, Haptik, Optik. Der Bildschirm macht profan, raubt, schmälert. Das Internet ist nicht wirklich ein Kunstmedium. Befreundet euch am besten per facebook mit dem Labor Ebertplatz, dann bekommt ihr mit, was da so läuft. Und: Mittlerweile haben im Niemandsland der Ebertplatzunterführung noch zwei Kunstprojekte ihre Pforten eröffnet. Gute Stimmung dort. Schön subversiv. Kein Schickimicki. Genau richtig.

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2 Antworten auf „Die Zeichnung des Gerd Mies im Labor Ebertplatz“

  1. Hallo Jens,

    ein wunderbares Bild! Eindruck pur, denn sonst könnte man ja nicht die Straße, die Gebäude, die Stimmung, die Farben aufnehmen. Das hat mich spontan an etwas erinnert, was ich „den ersten Eindruck“ nenne. Wenn man neu in eine Gegend kommt, sie erst noch kennenlernen muß, dann hat man beim ersten Mal Hinschauen ein Bild, das sich nie wiederholt. So erscheint es mir zumindest. Dieser erste Eindruck einer Straße, einer Häuserzeile, einer Landschaft – das ist für mich etwas Magisches, das ich nicht in Worte fassen kann. Puzzleteile, und dann erst ergibt sich ein Ganzes. Nun, Kopfsache eben.

    Danke fürs Präsentieren.

    LG
    Annegret

    1. Hallo Annegret,

      ich freue mich, dass es dir auch gefällt. „Der erste Eindruck“ – ja, das trifft es gut. Und Magie, die habe ich auch empfunden. Wenn man das alles immer so erklären könnte…

      Bitte:)

      Liebe Grüße

      Jens

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