Hinter den verschlossenen Türen Europas…

Schlüssel

Lampedusa – Hamburg.

Es beschäftigt uns alle nun ja schon seit geraumer Zeit. Auch hier im Blog ist es immer wieder mal Thema gewesen. Lampedusa und die Festung Europa. Vor den Fernsehern und Bildschirmen schauen wir zu, wie afrikanische Flüchtlinge ertrinken. Es ist wie im Film Titanic, als die Boote wegrudern, halb leer, um nicht eventuell unterzugehen.

Wir werfen keine Rettungsringe, wir lassen ertrinken. Wenn es sich rumsprechen würde, dass geholfen wird, was wäre dann los, ist die Denke. Das alte Lied der Angst. Mal lieber nichts tun und wegschaun. Ist ja nicht unser Problem. Wir sind Europa, die sind Afrika. Wir sind weiß, sie sind schwarz. Europa will nicht. Ziert sich. Ist noch nicht einmal halbherzig.

Ich sitze hier im Warmen. Der Ofen bollert, ich ruhe mich aus, weil ich den ganzen Tag gearbeitet habe. Ich habe Arbeit, ich darf arbeiten, ich will arbeiten. Flüchtlinge dürfen es nicht. Es muss erlaubt sein. Arbeitserlaubnis ist ein Wort wie Ordnungsamt. Nicht halbherzig, kaltherzig.

Franzikus war auf Lampedusa. Seine erste Reise. Was für ein Mann, was für eine Geste. Und was macht Europa? Dicht. Kopf in den Sand. Ich schreibe darüber, weil ich eben einen Artikel der Zeit gelesen habe. Hamburg. St. Pauli. Gestrandete Afrikaner, die es so weit geschafft haben.

Der erste Satz, ein Zitat: „In Deutschland gibt es kein Mitleid. Dort lassen sie dich hungern und frieren. Dort geben sie dir kein Obdach, und falls du dir Teppichreste aus einem Müllcontainer klaubst, um dich nachts in einem Park darin einzurollen, dann kommt das Grünflächenamt und steckt Zettel in die Teppiche, dass das Betreten des Rasens verboten ist.“

Hamburg. Schon wieder. Erst kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, in dem es hieß: „Hochburg der Altersarmut ist Hamburg.“ Was ist da los in der reichen Hansestadt? Kühle Nordlichter? Herzen eingefroren?

Nicht ganz. Einer hat den Anfang gemacht. Ein evangelischer Pastor. Sieghard Wilm von der Kirche St. Pauli. Als es zu regnen begann, ließ er die Flüchtlinge in die Kirche. Die Zeit schreibt und zitiert: „Er erinnert sich nicht so sehr an die abgerissene Kleidung, die sie seit Wochen am Leib trugen, sondern an die gehetzten Blicke. „Sie sahen aus wie Gejagte.“ Warum er die Entscheidung traf, zu helfen, wo seit 2011, seit der Landung dieser Kriegsopfer an der Küste unseres Kontinents, niemand geholfen hatte, das erzählt er nicht als dramatische Geschichte. Es habe halt angefangen zu regnen.“

Mann! Gottes! In Italien war ihr Flüchtlingslager geschlossen worden, weil es unmenschlich war. Weil man nicht wusste, wohin mit den Flüchtlingen, gab man ihnen Touristenvisa. Damit sind sie nach Deutschland gekommen, wo es nun heißt, die seien illegal. Wer versteht da die Welt noch? Wo sollen sie denn hin? Hä? Zurück nach Libyen, wo sie um ihr Leben fürchten müssen? Nach allem, was sie hinter sich haben. Zwei Jahre auf der Flucht! Reicht das nicht?

Sie hatten Berufe, bevor sie Flüchtlinge wurden. Sie hatten Arbeit, ein Auskommen. Jetzt haben sie einen evangelischen Pastor, der sie in seiner Kirche wohnen lässt. Und die Politik beginnt zu kuschen, weil es zu menscheln beginnt rund um die 80 schwarzen Männer. Die Hilfe ist angelaufen, Freiwillige kümmern sich.

Kümmern wir uns mit. Hören wir auf zu akzeptieren, dass Menschen an den Grenzen Europas ertrinken.

Es gibt noch einiges zu tun: „Es fehlt noch immer an vielem, an Obst, Wegwerfbechern, Taschen, neuer Unterwäsche, Socken. Ein paar alte Fahrräder wären gut, bisher besitzen sie nur vier. Taschengeld gibt es übrigens auch nicht. Die Gäste, die so gern arbeiten würden, müssen ohne einen Cent auskommen.“

Spenden sind erwünscht: Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Konto 1206 123 331

2 Antworten auf „Hinter den verschlossenen Türen Europas…“

  1. Genau das ist es. Wir sind so bequem und übersättigt mit Elend. Ich persönlich habe vor 5 Jahren aufgehört mir im Fernsehen irgend etwas anderes als mal einen Film anzuschauen. Nicht weil ich wegschauen möchte, sondern weil es einem so verdammt schwer gemacht wird zu helfen. Und sind wir nicht ALLE Menschen? Sollten wir nicht alle zusammen halten und uns gegenseitig im Rahmen unserer Bedingungen helfen? Mich stimmt dieses Thema sehr traurig und nein eher hilflos. Sogar wenn man sich zusammentut und eine Hilfsorganisation gründet werden einem 1000 Steine in den Weg gelegt durch die Bürokratie…Ich sage es wie es ist: zum kotzen. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter
    qwer com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog

    1. Hi, hi,

      wie bei allen globalen Problemen ist es schwierig, konkret etwas zu tun. Das übersteigt alles den eigenen Horizont. Wenn ein Thema wie aktuell in Hamburg anfassbar und nah und real wird, ändert sich der Grad des Involviertseins. Hier hat jetzt ein Pfarrer Zeichen gesetzt und – gegenüber dem Grünflächenamt, das kühl nach Vorschrift arbeitet – sich den Menschen angenommen. Als Blogger möchte ich das Thema zumindest verbreiten, immer mal wieder ansprechen und vielleicht gelingt es jetzt konkret, ein paar Spender zu mobilisieren. Würde mich freuen.

      Die neue Blog-Plattform kenne ich noch nicht…

      Danke und herzliche Grüße

      Jens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.