„Mama, Papa, Jim, Cooper, Haus!“

Aus der großen Welt der Politik kehre ich zurück ins kleine Leben. Ganz schön aufregend, wenn ein Artikel plötzlich Wellen schlägt und so viele Besucher/innen in den Blog kommen. Es hat mir Spaß gemacht, zu politisieren, aber das hier ist kein Polit-Blog. Das gibt mein Leben tatsächlich nicht her. Ich habe eine Meinung, bin aber noch in der Phase, als erziehender Vater gebraucht zu werden. Deshalb die Überschrift heute.

Meine Kinder. Die Welt von Morgen. Sie sollen gut vorbereitet sein, wenn es los geht. Ihr Leben auf eigenen Füßen. Gestern Abend kam ich vom Fußball nach Hause. Es war kurz vor Zehn und Zoe konnte nicht schlafen. Das hat sie manchmal. Total müde, aber die Augen wollen nicht zufallen und der Geist will nicht ins Reich der Träume hinüberwandern. „Legst du dich noch kurz zu mir?“ Klar. Selbstverständlich. Gerne. Da liegt sie neben mir und schließt die Augen. Ich merke, wie wohl sie sich fühlt. Geborgen.

Ich rede noch ein wenig mit ihr. „Zoe, geht es dir gut?“ Eltern möchten das manchmal einfach hören. Und vielleicht gibt es ja einen Grund, weshalb sie nicht schlafen kann. Gedanken. Irgendetwas in der Schule. Probleme. „Papa, mir geht es gut.“ Schön. Eine Frage noch, denke ich. Mich interessiert es und ihr hilft es, auf andere Gedanken zu kommen und dann einzuschlafen. „Zoe, was ist dir wichtig im Leben?“ Die Antwort ist die heutige Überschrift. „Mama, Papa, Jim, Cooper, Haus!“ Das war schon immer so. Alle zusammen. Sicherheit. Heimat. Mich freut es. Ich glaube, wir können ihr ein gutes Zuhause geben. Meine Hand lege ich ihr auf den Kopf. Leicht, nicht drückend. Ihr Atem wird ruhiger und sie schläft. Drei, vielleicht vier Minuten hat die Aktion gedauert. Hätte es nicht geklappt, hätte ich ihr eine Geschichte erzählt. Das funktioniert schlafsicher.

Derweil liegt Jim in seinem Bett und schläft schon seit geraumer Zeit. Er ist am Samstag 14 geworden. Das wilde Alter beginnt. Am Sonntag hatten wir „Kindergeburtstag“. Ist natürlich nichts mehr mit kleinen Spielchen und Schokoladenessen. Im letzten Jahr war ich mit ihm uns seinen Freunden in Köln in der Kletterfabrik. Die Wände hoch. In diesem Jahr sollten Mädchen dabei sein. Ela hat den Vorschlag gemacht: Bowling. Jim war einverstanden, ich war dann drei Stunden mit sieben Teens plus Zoe bowlen. Die kleine Schwester durfte dabei sein. Sie hat gefragt und Jim fand es O.K. Da standen sie nun. Kicherten. Jungs-Mädchen-Thema. Handys, kurze SMS. „Och nö, kommt. Jetzt mal für die Zeit des Bowlings keine Handys.“ Jim hat kein Handy. Wir wollten das rauszögern. Auf dem Geburtstag hab ich dann gesehen, wie selbstverständlich die Dinger sind. Und wie die Finger beim Simsen fliegen.

Ela und ich haben dann beschlossen, dass Jim jetzt auch darf. Er hatte schon mal eins für eine Zugfahrt nach Dänemark, da hatte er aber gleich das ganze Guthaben per Internet verballert. Irgendwie war das an, obwohl wir vorher eingeschaltet hatten „Bei Verbindungsaufbau nachfragen.“ In Hamburg war die Karte leer. Vorm Umsteigen hatte er sich gerade noch mit „Bin fast im Zug gemeldet“. Später ist der Zug auf die Fähre gefahren und alle mussten aussteigen. Das wusste er nicht. Wir auch nicht. Er wollte lieber mal anrufen, aber Karte leer. Ts. Nun haben wir ihm also gestern gesagt: „Du kannst ein Handy haben“. Wollte er nicht. „Wisst ihr was, die Dinger interessieren mich nicht. Ich hab meinen iPod zum Musikhören. Mehr brauche ich nicht.“ Ah. Ja dann. „Wenn du doch willst, einfach sagen.“

Ganz schön kompliziert mit dem Erziehen. In Deutschland ist alles kontrolliert (außer Futtermittel scheinbar), nur Kindererziehung, die geschieht so. Ist ja auch gut so!!! Aber diese Vorstellung: Du kommst aus dem Krankenhaus und hast plötzlich ein Baby auf dem Arm. Und dann learning by doing. Von nix eine Ahnung. Tür auf, Eltern mit Baby raus und schönen Tag noch. Do it yourself. Heimwerkern. Irre.

Euch einen schönen, entspannten Tag.

16 Antworten auf „„Mama, Papa, Jim, Cooper, Haus!““

  1. Wie schön, so was am Morgen zu lesen … hach …. ein guter Start in den Tag!

    Es gibt ein wunderbares Schönheitsrezept von Audrey Hephurn, das ich gern hier als Kommentar zurücklassen möchte. Sie sagte mal: „For beautiful hair,
 let a child run his/her fingers through it once a day.
“

    Es lebe die Schönheit eines Lebens mit Kindern!

    1. Liebe Pia!

      Ja, klar? He? JA, KLAR! Du wieder. Kennst deine Pappenheimer. Ääährlich, is so. Glaubste nich? Na. Da weißt du Dinge, von denen ich nix weiß:)

      Das Foto hab ich geschossen. Am Sonntag. Während die Treibjäger auf Wild geschossen haben, habe ich mit meiner Kamera dieses Pferd geschossen. Das mag mich. Kommt immer an und knabbert an mir. Hatte schon die Kamera zwischen den Zähnen. Vorwitz. Auf der Weide zankt es sich immer mit den anderen Pferden. Hab ich auch schöne Fotos von. Die kommen später, wenn es mal passt. Bist du noch glücklich auf der Burg? Schön? Heimelig? Zuhause? Ach. Denke öfter dran und freue mich.

      Liebe Grüße – auch an den Kai und an die Burg

      Jens

      1. Natürlich glaube ich alles, was du schreibst und dein Text heute ist ganz besonders, aber mich hat das Foto einfach umgehauen!
        Liebe Grüße, auch an die Familie!

  2. Guten Morgen, Jens,

    nicht so leicht, die Erziehung. Stell Dir vor, Eltern, die sich ein Kind wünschen oder bei denen ein Kind unterwegs ist, wären verpflichtet einen Eltern-Führerschein zu machen. Welch ein Graus! In dem Kurs würden dann Kapazitäten Hinweise geben, auf was man alles achten muß, in der Erziehung, in der Pflege, usw. Und damit es schön im Kopf bleibt, muß man lernen und eine Prüfung absolvieren. Wer will da noch Eltern werden? Hilfe, Ratschläge ja, aber „harte Realität“ nein. Da bleibt das Wunder Kind auf der Strecke, ebenso die Eltern.

    Dir, Jens, wünsche ich einen schönen Familientag.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      nein, bloß keinen Staat in den eigenen vier Wänden. Horror. Deshalb sind wir ja nicht verheiratet, auch wenn uns das in Deutschland erhebliche Nachteile bringt. Eine Familie zweiter Klasse. Schweden ist mal wieder weiter und erkennt Familien mit nicht verheirateten Eltern an. Hier sieht das anders aus. Die verheiratete Familie wird hochgehalten, die verrückten unverheirateten Freaks sollen selber sehen, wie sie klar kommen. Keine Hinterbliebenenabsicherung, keine Steuervorteile durch Splitting, keine Erbschaftsrechte für den Partner. Konservatives Deutschland. „Dann heiratet doch!“ Jede zweite Ehe wird geschieden. Gerichts- und Anwaltstermine in Liebesdingen? Der Staat in meinem emotionalen Zentrum? Never! Deshalb: Soll er auch bitte draußen bleiben in Erziehungsfragen. Einschulung mit 5, Pisatests. Drill, ausschließliche Vorbereitung für den Arbeitsmarkt. Ich glaube, der Staat hat da eigene Interessen am Kind.

      Heute Nachmittag habe ich Kinderdienst. Kinder rumfahren von A nach B nach X. Hausaufgaben kontrollieren, Wäsche falten. Schön.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Hallo Jens,

        oh, da bringe ich Dich unabsichtlich in Fahrt. Brems, brems. Das mit dem Eltern-Führerschein war nur eine ANNAHME, eine VORSTELLUNG, nicht mit anschließender verpflichtender Verheiratung. Habe ich von Heirat gesprochen? Nee. Ich für meinen Teil kann sagen, daß es auch nicht lustig ist, verheiratet zu sein, zwei Kinder groß zu ziehen, und doch getrennt zu leben. Heirat ist kein Gütesiegel.

        Hoffentlich besser ankommende Grüße

        Annegret

        1. Hi Annegret,

          bin da vbom Thema abgekommen. Am Wochenende stand ein Bericht in der Zeitung. Die Situation Unverheirateter in Deutschland. Das hat mich in Fahrt gebracht. Keine Sorge, so allmählich kommt das HB-Männchen wieder runter:) Nur wo ich gerade schon über den Zustand der Welt ausgelassen habe, da musste das Thema auch noch raus… Du hast da nur so eine halbe Vorlage gegeben, den Rest hab ich mir hingebogen. Schlawiner aber auch. Also, ganz ruhig und entspannt, dir einen wunderschönen Tag mit deinen Lieben. Verheiratet oder nicht – es ist, wie es ist. Und ich glaube, insgesamt geht es dir ja recht gut. Zumindest kommst du hier gut, zentriert und fröhlich rüber. Ich freue mich immer, von dir zu hören.

          Liebe Grüße

          Jens

  3. Lieber Jens,

    einfach nur schön Geborgenheit, Liebe, Kuscheln all das braucht Mensch, egal wie alt er ist.

    Geburtstage wie witzig, darüber habe ich heute auch geschrieben. 14 Jahre wie schön, nicht gut für ihn, bringt ihm die Pubertät Zerrssenheit, das Gefühl nicht Fisch noch Fleisch, ncht Baum noch Borke zu sein. Aber er wird da durch gehen mit einer Lechtigkeit weil er Eltern hat, die da sind, die immer Geben werden ohne Gegenleistung, bedingungslos.

    Handy haben, meine Töchter hatten das früh, immer pre paid. Ich war dadurch ein wenig beruhigt, wenn sie her in Berlin unterwegs waren. Für mich war das wichtig, dass sie mich immer rufen konnten, wenn sie meine Hilfe brauchten. Mütterlicher Egoismus. Sie haben das niemals ausgenutzt.

    Einen schönen Tag noch
    Herzlich
    Gitta

    Schön, dass er Dich und Ela als Eltern hat.

    1. Hi Gitta,

      ja, Geborgenheit. Tatsächlich kann ein Handy das auch geben. In einer großen Stadt. es darf nur nicht zu einer langen Leine der Eltern werden, die ständig anrufen und kontrollieren, was die Kinder gerade machen. Big Brother. Bwei uns auf dem Dorf ist ein Handy eigentlich nicht nötig. Die Kinder kommen mit dem Schulsbus, werden dort abgeholt. Zu Hause gibt es drei Telefone, die sie jederzeit auch ungestört nutzen können. Und nun will er halt auch keins. Wenn doch, soll er es haben. Er kann nun selbst entscheiden, inwieweit er da mitmachen will. Wenn er eins braucht, weil es irgendwie sinnvoll ist, liegt es im schrank bereit.

      Danke für deine lieben Worte. Du kennst diese Eltern-Unsicherheit. Was ist gut und richtig? Wo fängt was an, wo hört was auf. Fragen, Fragen, Fragen. Ich glaube, deine Kinder haben es mit dir auch gut getroffen. Und du es auch mit ihnen, wenn ich lese, wie sie dich unterstützen.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Wie kommst Du nur auf die Idee, dass ein Handy dazu da ist Kinder an die lange Leine zu nehmen. Es ist vielmehr umgekehrt der Fall, meine Töchter nehmen mich an die lange Leine :-), kontrollieren wo ich bin, wenn ich wirklich mal ncht zu Hause bin. Im Moment bekäme ich, glaube ich, ziemlichen Ärger, wenn ich ohne Handy aus dem Haus gehen würde. Also wer legt nun wen an die lange Leine? :-)

        Herzlich
        Gitta

        1. Du Arme. Kontrolliert von neugierigen, besorgten Töchtern. Kein Zentimeter Spielraum. Das schreit nach Anarchie! Du bekommst also Ärger. Von deinen Töchtern. Da weiß ich ja, was mir blüht… Auch das noch:)

          Liebe Grüße

          Jens

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