Ready for Darmspiegelung.

Gitta Becker aus Berlin hat in ihrem Blog im März das Thema Darmkrebsvorsorge thematisiert. Da der Vater meines Vaters an Darmkrebs – was für ein in Klang und Anmutung unschönes Wort – gestorben ist, werde ich nun einmal die Möglichkeiten unseres Gesundheitsversorgungssystems (Bitte einmal Gesundheit an Tisch 13…) auskosten. Naja, mal sehen. Eigentlich dachte ich, ich gehe zu meinem Arzt, hole mir eine Überweisung, mache einen Termin und los geht’s. No.

Heute habe ich einen Vortermin. Darmspiegelungsvorgespräch im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchungen für Männer in den besten Jahren:) Da wird mir wohl so einiges erklärt werden. Was ich faktisch weiß: Dieser lange Schlauch wird irgendwie in mir drin sein. Mit allem, was dieser Schlauch so beherbergt: eine kleine Kamera zum genauen Untersuchen und Hinsehen sowie wohl auch ein Instrument zur Beseitigung übergroßer Erscheinungen (Monster!) und zur Probenentnahme, wenn irgendetwas nicht so aussieht, wie es aussehen soll. Und der Müll wird dann hoffentlich gleich auch entsorgt: Alte Coladosen, McDonals-Verpackungen, Magnum-Stile…

Ich stelle mir die Welt da in mir als eine Art Unterwasserszenario oder Steinkohlestollen vor. Dunkel, feucht und in diesem Fall wahrscheinlich auch mehr als etwas moderig riechend. Eine Freundin, eine Biologielehrerin hat mir erklärt, dass der Darm eigentlich gar kein Innenorgan ist. Zwar liegt das lange verschlungene Teil wie eine pennende Anaconda in uns drin, ist aber de facto wie ein durchgezogener Socken in uns hinein gesogen worden. Biologisch gesehen gehört das Teil zur Außenwelt. Wäre aber halt unpraktisch… Ih!

Geht ihr noch mit oder ist es schon zu eklig? Sind ja wir. Also nicht komplett, aber ein Teil davon. Unser Innerstes. Gestern habe ich mir auf Google Maps den Weg zum Doc rausgesucht und dabei habe ich dann gleich, was für eine mittlerweile crazy, crazy world, Erfahrungsberichte gelesen. Die standen direkt neben der Karte. Ein Frau schieb: lieb! Der Doc soll sehr einfühlsam und vorsichtig sein. Was hätte ich gemacht, wenn da etwas anderes gestanden hätte? „Vorsicht, Berserker, der reißt euch sowas von den *piep* auf…“

Fahre ich also gleich hin und werde mal nett bequatschen, wie wir das denn so hinter uns bringen. Ob mit oder ohne Narkose und überhaupt. Vorher muss ja wohl auch der Darm komplett entleert werden, also nüchtern in Form von „Alles muss raus“. Jetzt, wo es nach zwei Monaten Vorbereitungs- und Terminierungszeit endlich losgeht, wird mir doch ein wenig mulmig. Egal. Geh ich jetzt durch. Ich muss ja eh nur doof rumliegen und der Dinge harren, die da kommen. Oh, oh. War unappetitlich heute? Ich hoffe nicht. Sonst wartet ab, was ich dann beim wahren Termin live und in Farbe aus der Praxis blogge. Uaahhh….

Detailinfos und Fotos zum Thema Koloskopie findet ihr in diesem Wikipedia-Artikel.

25 Antworten auf „Ready for Darmspiegelung.“

  1. Ich habe von vielen gehört, dass man nix mitkriegt. Eine nette Dosis Dormicum und wenn Du wieder wach bist und fragst, wann es endlich losgeht ist schon alles vorbei..
    ;–)
    Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Vorsorgeuntersuchungen, auf der einen Seite ist es immer Sinnvoll, etwas Unschönes sehr rechtzeitig zu entdecken und behandeln zu können – Auf der anderen Seite spüre ich die emotionalen Turbulenzen rund um solche Termine sehr wohl und kann nur hoffen, dass diese Angst nicht letzlich mehr Schaden anrichtet als die Untersuchung nützt.

    Insgesamt bin ich aber dennoch jemand, der Vorsorgeuntersuchungen gut findet und wahrnimmt. Wir Frauen sind ja da eher auf Krebsvorsorge beim Gynäkologen gedrillt…
    Gut, wenn Du als Mann das Risioko auch ernst nimmst und einen Termin machst, viele Männer tun das nämlich nicht.

    Alles Gute!

    1. Ich habe schon so einige Koloskopien hinter mir und kann Dir sagen, dass man nichts mitbekommt.
      Wenn ich damals nach dem Tod meiner Schwester nicht die Darmspiegelung hätte machen lassen, dann wäre ich ihr sehr wahrscheinlich gefolgt. So und auf diese Weise wurden Polypen entdeckt und entfernt, die bereits „sehr berdächtig“ mit Vorstufen behaftet waren. Seit dem habe ich das midnestens ein Mal im Jahr und bis auf ein einziges Mal wurden immer wieder solche Polypen entfernt.
      Ich weiß, dass es bei uns eine familiäre Neigung zu Darmkrebs gibt und deswegen gilt für mich und meine Töchter vorzusorgen, dass das nicht ausbricht, weil wir leben wollen.

      Herzlich
      Gitta

    2. Guten Morgen,

      da bin ich also wieder, habe hier gleich einen Termin und den Blog voller kommentare! So muss das sein – lebendig, schön, aufregend.

      Dieses Vorsorgeuntersuchung nehme ich eher pragmatisch. Ich habe eigentlich keine Angst und halte den Ball flach. Wird da was entdeckt, dann ist das so. Wird das, weil ich nicht nachschauen lasse, nicht entdeckt, ärgere ich mich, weil ich ja was hätte tun können. In diesem fall macht es einfach Sinn, weil Darmkrebs in meiner Familie vorgekommen ist. Also lass ich nachschauen. Allerdings ohne Schlafmittel, weil ich sehen möchte, was da los ist. Der Arzt meinte, er würde das auch so machen und sogar noch mithelfen. Allerdings wolle er keine „Helden“. Ein Held bin ich nicht, aber betäuben finde ich unangenehmer als Schmerz. Wir werden sehen.

      Letztlich ist es so, dass jeder/jede selbst sehen muss – Betäubung, Vorsorge oder nicht. Es sollte nicht in Stress ausarten, da gebe ich dir recht. Aber auch da ist unser Kopf, der gerne Dramen produziert in schillernden Farben, das eigentliche Problem. denn: Es gibt für allesauf der Welt wären froh, wenn sie allein eine ärztliche Grundversorgung hätten.

      Danke für deinen Wünsche und liebe Grüße

      Jens

  2. Ach Jens,

    *seufz* was habe ich da nur angerichtet? Nun ist es also so weit. die Spiegelung ist nicht besonders tragisch und egal was man Dir rät, lasse Dir eine Dröhnung geben, Mensch muss nicht alles erleben.

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      wer weiß, vielleicht hast du mir das Leben gerettet! Und wenn nicht, dann hast du zumindest dafür gesorgt, dass ich weiß, was in der tiefen Dunkelheit im unteren Part meines Ichs so vorgeht. Normalerweise heißt es ja: Ri, ra runkel, die Hühnfut is dunkel, kann ja gar nicht helle sein, scheint ja keine Sonne rein:) zaubern wir mal Licht in die Tiefen des Meeres.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,

    typisch Jens Schönlau: Bringst uns in Deinem Posting über Darmspiegelung noch nebenbei zum Lachen. War beim Lesen zwar nebenbei am Frühstücken (ja, ich weiß, man soll nicht essen und lesen, sondern sich auf das Essen konzentrieren), aber ging trotzdem. Das mit dem Darm bzw. mit der ganzen Verdauung hat mir noch gestern meine Tochter eingehend erklärt, weil sie heute eine Klausur darüber schreibt.
    Ich hoffe, daß Dir das Vorgespräch hilft, die Darmspiegelung zu überstehen.

    Viele Grüße

    Annegret

    P.S.: Sohnemann schreibt heute erste Prüfung zum Hauptschulabschluß. Daumen drück.

      1. Hi Gitta,

        ich hoffe, es hat trotzdem geschmeckt. So weiß ich jetzt auch, wann und wo ihr fiftyfiftyblog lest. Kaffetrinkend, kauend, genießend. Genau so ist das gedacht:)

        Liebe Grüße

        Jens

    1. Hi Annegret,

      dann warte mal, wenn der Livebericht kommt:)

      Deinem Sohn alles, alles Gute und viel Glück. Das wäre so schön, wenn er das packt. Drücke feste die Daumen.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Lieber Jens,

    Beim Lesen deines Blogeintrags habe ich wieder meine Magenspiegelung in meiner Errinerung. Es war mit jedem Schritt traumatisch. Ich hatte ein Magengeschwür. Das habe ich gewusst, weil ich es schon öfter in meinem Leben hatte. Aber weil ich neu in Deutschland war, und weil die Ärztin mich nicht kannte, musste ich eine Magenspiegelung erleben. Sie hat mich wahrscheinlich nicht geglaubt. Erstens musste ich ein Formular, welches aus viele Seiten bestand, ausfüllen. Die erste drei Seiten hat mich informiert was für schlimme Sachen in meinem Magen und Zwölffingerdarm los sein könnten. Mit erneuerter Angst unterschrieb ich es schnell. Aber dann las ich weiter über alles was mit der Spiegelung schieflaufen kann. Mit sehr viel Bedenken unterschrieb ich wieder. Was kann dann schlimmer sein? Warten. Und dann wie ich es eigentlich erfahren wurde, war mir aber vorher nicht bekannt. Erstens hat meinen Körper gegen den Schlauch gekämpft und wollte es ständig ausspucken. Und dann fühlte es als ob ich nicht mehr Luft kriegte, als ob ich erstickte. Letztendlich reißte der Arzt den Schlauch sehr rasch und schmerzhaft aus meinem Hals. Der Befund nach einer Woche von warten: Magengeschwür. Eine traumatische Bestätigung!

    Nie wieder werde ich sowas nüchtern machen lassen. Vielleicht von hintern ist es ganz anders.

    Ich wünsche Dir eine Problemlose Spiegelung mit guten Nachrichten!

    Liebe Grüße,

    Quirina

    1. Hi Quirina,

      das hört sich nicht gut an. War wohl eher ein nicht so sensibler Zeitgenosse. Also ich glaube, mein Doc ist da etwas anders gestrickt. Sieht zumindest so aus. Ich werde sehen. Deinem Magen geht es hoffentlich mittlerweile besser.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Ich find’s ja mutig, es ohne Narkose zu probieren, aber auch interessant! Bin da eher der: bitte, bitte, schläfern sie mich ein und wecken sie mich erst wieder wenn es vorbei ist. Egal ob Zähne oder Magenspiegelung. Machen se nur nicht immer…leider. Habe mir die Fotos von meinem Magen vor ein paar Jahren behalten. Sieht abgefahren aus, wie ne Spacelandschaft. Ich musste Bananen-Betäubung schlucken:-) Es war aber nicht schlimm. Und ich hab ja die Erinnerungsfotos!

    1. Also ich mache immer alles, was irgendwie geht, ohne Narkose. Wenn es vorbei ist, kann ich mich dann gleich bei klarem Kopf freuen und weiter geht das Leben:) Fotos meines Darms? Könnte ich dann ja bloggen! Ne, keine Sorge, das wäre mir dann doch zu intim und ein zu großer Einblick in meine Welt innen:)

  6. Meine erste Colo hatte ich ohne Narkose. So weit so gut und eigentlich kann ich eine Menge ab. Bedauerlicherweise hat der Doc den Ü-Schein nicht genau gelesen, außerdem war Mittagszeit und ich die letzte noch verbliebene Patienten. Die Narkose hat er schon mal gar nicht angeboten, nach wenigen cm, einem leisen Laut von mir, hörte er auf: „da ist sowieso nix, alles nur Nerven“. Das kostete mich Jahre an Lebensqualität, denn hätte er auftragsgemäß weiter bis zu der Stelle gespiegelt, dann hätte er gesehen was die Ursache allen Übels war.
    Ich war dann Jahre nicht mehr gegangen, wozu auch? Ich freundete mich dann mit einer Frau an, die in der Endoskopie im GKH Havelhöhe arbeitete und sie war es, die mich zu meinem heutigen Doc brachte. Er macht das nicht ohne Propofol, das man in Kliniken geben kann, weil dort ja immer ein 2. Arzt da ist, weil er sagt, dass ein Mensch wie ich, der das sehr regelmässig haben muss, sich das nicht geben muss.

    Laß Dir einfach die Option offen Dich ebentuell umentscheiden zu können, auch während der Colo, die Wirkung des Dormicum tritt gespritzt sehr schnell ein.

    Herzlich
    Gitta

    1. Nee, Gitta. Ich will das wirklich sehen und erleben. Hört sich für dich als erfahrene Fachfrau vielleicht merkwürdig an, aber das ist für mich ein kleines Abenteuer wie einen 4.000’der zu besteigen. Das wird schon:) Weißt du, das ist jetzt wieder so unverständlicher Männerscheiß:)

      1. Hallo Jens,

        dieser so unverständlicher Männerscheiß ist, es genau mitkriegen und wissen zu wollen. Oder?

        Entschuldigung fürs Einmischen.

        Annegret

    1. Gitta, ich glaube, ich möchte das ohne Musik machen. Sowas entscheide ich aus dem Bauch. Und meine innere Stimme sagt: Keine musik, kein sonstwas. Hinterher weiß ich es dann vielleicht besser. Für’s nächste Mal…

    1. Hi Sonia,

      interessant – Reise durch den Darm. Aber nur, wenn alle anderen Versuche, etwas zu finden, nicht gefruchtet haben. Die kamera kostet mehere hunder Euro – pro Patient? Scheinbar. Und es geht hauptsächlich um den schlecht zu untersuchenden Dünndarm. Bei der Koloskopie wird er Dickdarm untersucht. Der ist deutlich dicker und kürzer ubd direkt zugänglich. Also habe ich das große Vergnügen, ein Video auf klassische Weise zu drehen:)

      Dir auch ein schönes Wochenende

      Jens

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