
Sprechen wir über das Konkrete? Oder das Abstrakte?
Regen wir uns auf, lassen wir es, folgen den Januar-Vorsätzen. Was.
Es ist das Jahr 2026.
Woran denkst du? Was ist dir wichtig? Kenne ich dich?
Eine Karte aus alten Zeiten zwischen den Fingern. Wir waren jung. Wir waren Jungs. Da waren Mädchen.
Wir haben uns geschrieben.
Im Keller, auf dem Speicher. Postkarten, Briefe. Gesten der Zuneigung.
Du hast drauf gewartet, den Postboten, die immer Männer waren. Ein Gruß. Eine Liebesbekundung. Eine Freundschaftsgeste. Wir waren junge Männer und haben uns Briefe geschrieben. Das war normal. Ganz normal. Und da waren junge Frauen. Wir haben uns Briefe geschrieben. Ganz normal.
Mal ging es um Liebe. Mal um nichts. Mal um alles. Eine Welt des Schreibens. Tinte, Papier. Wie Schallplatte.
Die Zeiten abwägen, gegeneinander ausspielen. Mitnichten.
Es war unsere Zeit.
Und die Gunst der Stunde, das Geschenk, ist es, selbst Kinder zu haben.
Sie zu sehen, zu spüren, ihr Leben mitzubekommen. Anders. Natürlich. Wenn die Zeiten Spikes tragen, als galloppierende Antilopen durchs All fliegen, verändert es sich. Dieses Außen. Das Drumherum. Das Gefühl, Gespür, der Schmelz. Zuckerguss, Schokoladenüberzug.
Ich mag es. Liebe es. Dass sich die Welt beschleunigt, wie ein Kreisel Speed aufnimmt. Mich an die Wand drückt wie in diesen Karussells. Früher. Schwache Erinnerung. Da stand man aufrecht. Wie Zentrifuge. Die Karussells ändern sich.
Die Zeiten, das Leben, das, was wir wollen, wünschen. Was wünschst du dir?
Ich weiß. Kriegste nich. Nich so, wie du möchtest, willst, wünschst.
Kommt halt anders. Und zweitens, als du denkst. Is ja kein Wunschkonzert. Habe ich begriffen.
Ist mir aber egal. Mach es dir schön. Die Asche ist Schnee, was dich stört, nimm es als Glitzer und Glimmer.
Fliehen oder bleiben?
Beides. Reisen, weg sein, da sein, zurückkommen, hinfahren, zurückfahren. Mit offenen Augen und Ohren. Alles anders. Menschen, Bäume, Tiere, Himmel. Der große Wagen umgeparkt. Das Licht, der Sonnenuntergang. Früher, später, mehr rechts, mehr links. Dort irgendwo hinter den Wolken, über dem Meer.
2026. Manche sagen, alles wird gut. Andere sind anderer Meinung. Wir haben es nicht in der Hand. Die Dinge sind entglitten. Dem Guten ist es verboten, das Böse zu töten. Das Böse weiß das. Man könnte sagen, es spielt ihm in die Karten. Und so drehen wir uns im Zentrifugal-Karussell mit dem Rücken an der Wand und staunen. Mit großen offenen Augen und sehen es kommen.
Eine gewisse Naivität habe ich mir bewahrt. Als zweiten Boden der Schönheit. Da wachsen die kleinen Blumen. Gänseblümchen und Margeriten. Diese weißen Blätter rund um das Gelb. Im Sonnenlicht unter blauem Himmel. Alles schön, in Ordnung, angeordnet, du liebst mich, du liebst mich nicht.
Mir ist es nun egal. Mein Leben ist gelebt. Das Haus, der Baum, die Kinder. Die Welt bereist. Geliebt, gestorben, neu geboren. Freunde gewonnen, verloren. Angekommen und doch nicht. Was soll’s.
Vermisse nichts.
All die Küsse. Die Liebe. Das Wohlwollen. Das Streicheln. Liebkosen. Die Währung des wahren Lebens. Wie es sich anfühlt, wenn eine Hand deinen Bauch streichelt. Deinen Rücken. Oder sanft dort kratzt, wo es juckt.
Wir sind Menschen.
Das Schönste und Hässlichste in einem. Der Mob und die Offenbarung.
Das Schönste, was mir in meinem Leben geschehen ist, waren Menschen. Nun, das Schrecklichste auch, aber selten. Gehört dazu. Formt. Richtet. Schiebt. Lehrt. Härtet. Ich bin hart. Härter als bei meiner Geburt. Wer ist das nicht?
Küsse die Zartheit, streichle das Lamm, den Teddy, das kleine Nilpferd in Grau. Mag es. Die Steine am Strand. Die Handschmeichler. Geschliffen. Für Fingerkuppen. Für mich.
Und alles ist Schönheit, Hoffnung, Ästhetik, Wohlklang, Geschenk und Geschenk.
So viel.
Reisen. Es sehen, dort sein, forschen, entdecken. Wir können machen, was wir wollen. Die Welt ist schön. Schöner als wir. Deshalb staunen. Deshalb staune ich. Werde nicht aufhören.
2026.
