„I believe in humanity“ – Macklemore/ Köln/ Lanxess Arena

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…and had a really really really good time

In order to have the best dance party in the world
All you have to do it: DANCE!

Weihnachten 2015. Das erste Mal ist Zoe nicht da. Surfen in Neuseeland. Mein Herz blutet. Diese kleinen Abschiede sind gut, aber schmerzen. Natürlich. Nichts anmerken lassen. Man muss sie gehen lassen. Es ist der Weg.

Zuvor hatte ich Glück. 1Live hat mir auf dem Weg nach Essen erzählt, dass am nächsten Tag die Tickets für Macklemore & Ryan Lewis vertickt werden. Online. Ey! Klar, Mann. Zoe hat wie bekloppt diese fucking 1Live Nummer gewählt, um beim Radio-Konzert dabei zu sein. For free im Gloria. 1.000 x gewählt. Besetzt. Nix.

Sie hat es ohne Tränen genommen. Sie ist tough, sie ist schön, sie ist klar, sie ist Vegetarierin, sie will Ärztin werden, sie ist die Beste. Tochter der Welt. Habe ich hier je erzählt, wie tief ihr Name in die Wände meines Herzens tätowiert ist? Ihr wisst, wie es ist, wenn man Tränen in den Augen hat, weil ein Gedanke angeflogen kommt, dass ihr irgendetwas passieren könnte.

Ich wollte diese Karten für Zoe. Das Konzert war rasend schnell ausverkauft. ZACK. Zwei Karten habe ich erwischt. Bingo. Kurz vor Schluss. Alle wollten.

Und dann, hat sie sie in Neuseeland geschenkt bekommen und hat sich wie doof gefreut. Nun hatte ich zwei gekauft, damit sie eine Freundin mitnehmen kann. Hat sich nicht. Sie hat gesagt: „Paps, natürlich gehen wir beide.“ Hach.

Das Konzert. Wow. Wie beschreiben? Dance. Abgeflogen. Ich liebe zum Beispiel den Song und das Video:

And we danced, and we cried
and we laughed and had a really really really good time
Take my hand, let’s have a blast
And remember this moment for the rest of our lives

Leider werden solche Abende derzeit überschattet. Der Abend vor den Landtagswahlen in Deutschland. War klar, dass diese Partei die Stimmen holt. Deutschland hat die Hose runter gelassen. Seit 45 heißt es: „Das darf nie wieder geschehen.“ Sie haben gekuscht, die Schnauze gehalten. Ein paar Wehrsportgruppen, immer mal wieder Nazis. Aber keiner wusste, dass es so viele sind. „Das habe ich nicht gewusst!“ Rassismus in Deutschland is real. Die traurige Wahrheit: es hat sie seit 45 immer gegeben und es sind mehr, als wir gedacht haben. Wir müssen neu denken, ich muss neu denken. Die Uhren wurden zurückgestellt. Es ist frustrierend. Dieses Land hat es nicht geschafft. Unter uns leben Nationalsozialisten. Rassisten. Und es sind viel mehr als angenommen.

Das ist Demokratie. Rosa Luxemburg: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. Wen genau muss dieses Land integrieren? Wer sind die Fremden? Mir sind hier einige Leute, die hier schon sehr lange wohnen, sehr fremd. Es ist, als ob man mit einem sehr unangenehmen Menschen in einer WG wohnt. Ausziehen? Boah, ey.

Weshalb ich die Politik erwähne? Nun: Macklemore ist Pop-Ikone mit politischem Statement. Dance und Haltung. Macklemore kam rein. Hat alle aufstehen lassen. Yep. Nix dumm rumsitzen und so ein wenig mit dem fetten Popo auf dem Sitz rumrutschen. PARTY! Das hat er drauf. Das hat er gemacht. Es krachen lassen.

Und er sagte diesen Satz: „I believe in humanity!“ Und er hat über Deutschland gesprochen und seinen Respekt gegenüber der Grenzöffnung für Flüchtlinge. Menschlichkeit. Angela Merkel. Für viele andere ist das Boot voll. Ein paar dürfen rein, der Rest soll wo auch immer einfach verrecken. Ertrinken, erfrieren, dem IS vor die Füße geworfen werden. Brot und Spiele. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Mitten in Deutschland 2016. Nun ja, nicht mitten in Deutschland, es gibt da Randbereiche. Wie viele Juden sind 39-45 gestorben, weil sie kein Asyl bekommen haben?

Es ist einfach kaum zu fassen. Ich bin gleichzeitig stolz auf Deutschland wie nie und schäme mich gleichzeitig in Grund und Boden. Wo den Blick hinwenden? Wenn Frustrierte auf Flüchtlinge treffen. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als nachzufragen, was so frustrierend ist. Wir scheinen da einige Dinge nicht mitbekommen zu haben. Demokratie muss jetzt zeigen, was Demokratie kann.

Macklemore hat den Saal gerockt. 15.000 high. Was für ein Typ. Was für ein Vergnügen, das mit Zoe zu erleben. Unvergesslich. Und Zoe und ich mittendrin. Nach dem Konzert habe ich Zoe auf eine Party in Overath gefahren und bin dann in Richtung Essen abgedreht. Macklemore im Radio. Geflasht. Hier die Songs – meine Favourites habe ich zu youtube verlinkt:

Light Tunnels
Brad Pitt’s Cousin
Buckshot
Thrift Shop
The Shades/Arrows
Wing$
Same Love
Growing Up
White Privilege II
Kevin
St. Ides
Let’s Eat
White Walls
Can’t Hold Us

Encore:
And We Danced
Dance Off

Encore 2:
Downtown

Macklemore muss unbedingt in dieses Tagebuch. Das werde ich nicht vergessen. Am Ende hat er die 15.000 Peace rufen lassen. 3x. Ich habe sehr gerne mit den Wölfen geheult. Es kommt immer auf den Text an, und die Haltung. Die verfickte Haltung, die manche einfach nicht mehr hinbekommen. Aufrecht, mit geradem Rücken, der Vergangenheit auch in Zukunft in die Augen schauen können.

„I believe in humanity!“ YES.

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