Interstellar – wollen wir die Erde wirklich verlassen?

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Nun, man kann diesen Film anschauen und interpretieren. Man kann ihn zurecht als ein Meisterwerk unserer Zeit betrachten und ihn beklatschen. Hollywood liefert ganz großes Kino. Im beachtenswerten IMDb-Ranking erreicht der Film bereits eine bemerkenswerte 8,9 von 10. Das katapultiert ihn in der alltime-hall-of-fame auf den 12. Rang. Excellent, Christopher Jonathan James Nolan.

Egal. Vergessen wir einmal den Film. All das Faszinierende um Raum und Zeit, schwarze Löcher und unendliche Unendlichkeit. Das Abenteuer auf der Suche nach einer Überlebenswelt im All. Der Plan B der Menschheit. Ein Blockbuster. Es geht um Katastrophe und Rettung. Ami-Style.

Was mich interessiert: Wieso jetzt?

Kunst und Kultur sind wie die Mode. Sie nehmen Dinge vorweg und kreieren Trends. Deshalb investieren Städte in Kunst, weil sie dadurch vorweg gehen und den Status ANGESAGT erhalten. Kultur ist ein starker Faktor.

Nun dreht dieser Nolan einen außergewöhnlichen Film. Auf die animierten, übers Wasser fliegenden Paramount Pictures-Sterne folgen 169 spannende Minuten. Diese Minuten sind eine Odyssee. Matthew McConaughey (der im Film COOPER heißt!!!), der mit dem Oscar für seine Rolle im Dallas Buyers Club, betritt Neuland und durchfliegt Dimensionen.

Auf der Suche nach neuem Lebensraum.

Das ist der Punkt. Das hat mich berührt. Tatsächlich hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es hier nicht einfach um eine Story geht. Nicht einfach um einen Film, eine Geschichte, die Aneinanderreihung gelungener Bildsequenzen. Mich hat eine Botschaft getroffen. Die Menschen verlassen das sinkende Schiff. Klar, Gedankenspiele. Aber scheinbar rückt der Kosmos ins Zentrum des Interesses.

Hier unten ist es im Zusammenleben aller ein wenig krampfig geworden. Der Club of Rome hat die Horrorszenarien der Entwicklung schon vor langer Zeit an die Wand geschrieben. Nun zeichnet sich ab, das viele Dinge eintreten. Und es gelingt nicht, eine Sprache zu finden. Babel. Es klingt wie eine Kakophonie.

Während sich Wissenschaftler Strategien überlegen, wie die Erderwärmung zu minimieren ist. Wie sich CO2 kompensieren lässt, wie mit den Folgen des weiterhin austretenden radioaktiven Wassers von Fukushima umzugehen ist, halten die Ukraine und die Idioten vom Islamischen Staat die Welt in Atem. Halten wir fest: Im Jahr 2014 freuen wir uns, dass Amerika Islamisten bombardiert. Zeitgleich ist Krieg in der Ukraine und Russland widerfahren westliche Sanktionen. Äh, wie jetzt? Was ist passiert? Da war doch mal G8. Russland als Partner… Gehen wir jetzt rückwärts?

Es scheint ein attraktiver Gedanke zu sein, dort draußen hinter der ISS das gelobte Land zu suchen. Ein Paradies, in dem Milch und Honig fließen. Lieber Planet, wir müssen uns trennen und sagen Adieu. Sorry, wir habens verkackt und nun können wir hier nicht mehr leben. Wir lassen dir die Idioten (Nazis, IS & Co.) hier und entschwinden…

Wollen wir das? Klar, eine Frage zur Unzeit. Noch ist nicht aller Tage Abend. Noch ist die Apokalypse nicht now und Armageddon ist nur ein billiger Vorreiter von Interstellar. Alles Kino. Und dennoch vorstellbarer denn je. Wir setzen die falschen Akzente. Wir vergeuden unsere Energie dafür, den schwarzen al-Baghdadi in Schach zu halten. Jahre, die verpuffen. Kräfte, die sich in Allianzen aufreiben. Sinnlos. Braucht kein Schwein.

Ich bin noch keine 50 Jahre alt und kann mich an Zeiten erinnern, da sah es echt rosig aus. Russland und Amerika hatten sich entschlossen, Abrüstung zu betreiben. Ein Michail Gorbatschow hatte eine Zeitenwende eingeleitet. Ich dachte damals: Nun ist die Welt gerettet. Wie doof kann man sein. Hammerwerfer, Vollpfosten, Kurzsichtige sterben nie aus.

Und so werden Filme gedreht, die die Geschichte der Suche nach neuem Lebensraum im All erzählen. Atlantis. Nicht im Meer, hinter den Sternen… Genau jetzt. Heute im Jahr 2014. Und die Story macht Sinn. Ja, ist überlegenwert. Paff.

O.K. Genug gejammert. Immerhin durften wir Interstellar in der Luxus-Version erleben. Nobel geht die Welt zugrunde. Für eine liebe Freundin hatte ich Webtexte für ihre Hebammenseite geschrieben – sie hat sich mit Gutscheinen für das Residenz-Kino in Köln bedankt. So ein Edelkino mit Ledersitzen und Tischchen und Bedienung und Begrüßungs-Prosecco und Antipasti und Drinks… Himmlisch. Herzlichen Dank, Michaela. Ein außerordentlich schönes und beglückendes Geschenk!

Die Sonnenfinsternis oben, das Foto, ist übrigens eine der Deckenleuchten des Kinos. So. Dann hoffen wir, dass die Wissenschaft schnell einen Weg durch die Wurmlöcher des Alls zu den sieben Bergen findet, wo es sich schön und entspannt leben lässt. Vielleicht gibt es ja für jede Religion einen Planeten, dann wären wir hoffentlich das Problem schon mal los…

2 Antworten auf „Interstellar – wollen wir die Erde wirklich verlassen?“

  1. Guten Morgen lieber Jens. :-)
    Die Untergangsszenarien im FIlmformat sind so alt wie das Kino, und der Hang zum Weltuntergang ist wohl so alt wie die Menschen auf zwei Beinen laufen können und die Religionen erfunden haben. Ob es die Ahnung ist, dass man die höhere Instanz wohl besser nicht herausfordern sollte? Ich frage mich schon länger wann die Erde uns alle mit einem mächtigen Pups von ihrer Haut weht, weil sie uns einfach satt hat mit unserem ganzen menschlichen Un-Sinn?! Vielleicht hatten wir das auch schon und die einzige Erinnerung daran ist die Geschichte über Noahs Arche und die ist gerade nicht in den Bestsellerlisten vertreten.
    Ich wünsche Dir und den Deinen einen schönen Novembertag ;-)
    Liebe Grüsse
    Danièle

    1. Guten Abend liebe Danièle,

      gerade sitze ich hier und lasse den Abend ausklingen. Langer Tag. Zoe im Bett, Jim arbeitet an einem 3D-Museum, Herr Cooper hat sich auf sein Kissen zurückgezogen und ich hänge vorm Feuer ab im Hängesitz. Plins. Mail. Kommentar. Ui. Da war noch ein Kommentar. Bin nicht mehr an den Rhythmus gewöhnt. Schaue irgendwann.

      Untergang. Nun. Das faszinierende an diesem Film ist, dass die Katastrophe so real ist. Keine Aliens, kein Tsunami, keine Monster, keine Bösewichter, kein Atomkrieg. Einfach Staubstürme. Ganz normale Autos. Amerika wie immer. Nur dass der weisen nicht mehr wächst. Und anderes. Der Mais wächst noch, schwächelt aber auch.

      Wenn man nun sieht, dass die Bienen sterben und damit Befruchtung ausfällt, z.B., kann man sich fragen: Was fällt noch aus? In den Seventies hatten wir Angst vor dem roten Knopf. Big Bang. Weg. Krawumm. Und nun sterben einfach die Bienen und keine Sau macht was. Egal. O.K. Nun gibt es noch einige andere Baustellen. Mir kam das gar nicht mehr so wie Hollywood vor – Interstellar hatte für mich eine andere Qualität. Nicht nur Kino, sondern auch viel Zeitgeist. Abbild. Perspektivische Wirklichkeit.

      Kindlicherweise hat der Film in mir den Wunsch geweckt, ins All zu fliegen. 6 Monate ISS. Eindrücke sammeln. Schreiben dort oben. Fotografieren. Nachdenken. Ob es mit ner Bahncard Prozente aufs Ticket gibt?

      Liebe Grüße

      Jens

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