Ohne mich ist alles doof – was macht dein EGO?

Verzeiht! Diese Woche ist es ein wenig ernst im Blog. Aber es macht mir gerade Spaß, die existenzielleren Themen tiefer zu beleuchten. So weit der fiftyfiftyblog das zulässt. Wir arbeiten hier natürlich nicht auf wissenschaftlicher Ebene, sondern unterhalten uns von Mensch zu Mensch. In dem Sinne sind wir hier gerade eher Diskussionsforum. In der vorvorletzten Woche ging es zunächst um Väter und ihre Söhne, dann um das Mannsein und das Frausein. Diese Woche gesellte sich dann lustvolles Leben dazu und heute nun geht es um das EGO.

ICH. Wikipedia: „Ego, (v. griech. bzw. lat. Ich), bezeichnet den Selbst-Sinn (Selbstbewusstsein und Selbstaktivität) und ist unter der Bezeichnung Ich Gegenstand der Psychologie, der Philosophie, der Soziologie, der Religion und weiterer Wissenschaften.“

Am Wochenende saßen wir mit guten Freunden zusammen und irgendwann, nachdem es draußen zu kalt geworden war, hatten wir uns reingesetzt. An den großen Tisch in der Küche, der in der Literatur immer dann auftaucht, wenn es etwas zu besprechen gibt. Plötzlich gab es Kakao, den Ela irgendwie von Zauberhand zubereitet hatte (wie macht sie das immer?). Ein Kakao befand sich in der Tasse mit dem Aufdruck „Ohne dich ist alles doof“. Ohne dich.

Da hatte ich plötzlich den Gedanken, der die heutige Headline ziert, „Ohne mich ist alles doof“. Und da war ich auch schon beim Thema EGO, das in dem Bloggespräch um „lustvolles Leben“ schon vielfach durchgeschimmert hatte, ohne benannt worden zu sein. Ich komme mal wieder, ich hoffe es nervt euch nicht, sonst müsst ihr es sagen, auf den Buddhismus zurück. Ihr wisst, Buddhisten meditieren mit dem Ziel, sich aufzulösen. Wie Ahoi-Brause im Wasserglas. Was? Ja, tatsächlich. Das EGO soll verschwinden und etwas anderes dadurch zum Vorschein kommen. Verkürzt gesagt. Vielleicht denkt ihr nun: Hey! ich will mich nicht auflösen und mein ICH, das möchte ich bitteschön gerne behalten! Das geht keinen und niemanden etwas an und ich lebe gut damit, habe das in langen Jahren feingetunt und ICH komme damit gut, ach was, bestens zurecht. FINGER WEG!!!

Keine Sorge, ich will euch nicht ans ICH. EGO. Nur. So fängt das immer an. Aber. Tja. Also: Was ist das? EGO? ICH? Wenn wir uns im Spiegel sehen, ist das dann das, was wir sind? Natürlich nicht, ist ja nur ein Teil, die äußere Hülle, die nicht unwichtige Verpackung, die durch Eitelkeit, eine Erscheinungsform des EGOs, gestylt wird. Unser EGO kleidet uns, bestimmt unser Aussehen, sagt, was wir tun sollen, um schöner, attraktiver oder auch nicht zu werden. Dabei ist das EGO eine Vorstellungswelt. Das Bild, das wir von unserer Gesamtheit haben. Unsere Eigendefinition. Wir definieren uns jeden Tag, indem wir uns sagen, wir sind so oder so oder jetzt endlich leicht anders. Wir lernen dazu, verändern uns, werden reifer, machen die alten Fehler vielleicht manchmal nicht mehr und gehen Schritt für Schritt weiter in der ICH-Definition.

Diese ICH-Definition ist natürlich hinterlegt. In Ordnern und Sicherheitsdateien in unserem Gehirn und Nervensystem. Da steckt unser EGO drin. Wir möchten uns ja nicht verlieren. Unsere Erinnerungen, unsere Erfahrungen, unser ICH. Steckt viel Arbeit drin und sind wir ja auch stolz drauf, sofern unser ICH das Mittel stolz für sich verwendet. Tja, und dieses mühsam erworbene ICH, das soll nun also aufgelöst werden. Ist ja eigentlich schade drum, oder? Oder auch nicht! Denn: Unser ICH ist nur eine Vorstellungswelt, die uns manchmal, nein oft, im Wege steht. Dieses ICH ist unser Filter, unsere Brille, durch die wir auf die Wirklichkeit schauen. Was wir sehen, sehen nur wir. Teilweise verwendet unser EGO die Tools anderer, gesellschaftlich akzeptierter, kulturell hinterlegter EGO-Bestandteile, teilweise haben wir unsere ganz eigenen Ansichten entwickelt. Egal, letztlich führt das im Gesamtbild zum EGO-Blick auf die Welt, das Sein und die anderen.

Gestern sprach mich in der Umkleide beim Sport ein Mann an. Er erzählte mir, das ziehe ich momentan an, seine Leidensgeschichte mit Trennung, Psychiatrie und den Weg zurück ins Leben. Er hat therapeutisch sein EGO bearbeitet und Glaubenssätze entfernt, Ansichten geändert und wieder zurück ins Leben gefunden. Er lächelte. Das ist natürlich ein Extrem. Nur, wenn wir uns auf der Welt umsehen, wie viel Extreme hat das EGO in der Hinterhand? Woher kommen all die Dinge, die der Mensch so glaubt, tun zu müssen. Weil das EGO das sagt? Weil im EGO hinterlegt ist, das ist richtig und das ist gut für dich!

Was manche Spinner auf der Welt an großen EGO-Verbiegungen in sich tragen, haben wir alle mehr oder minder auch im kleinen Stile. Das sind die Dramen, die wir immer wieder ausfechten, weil uns unser EGO sagt, das müsse nun so sein. Wir bauen Betonmeinungen auf und kämpfen gegen Windmühlen. Hollywood im Kopf. Selbst ausgedacht – angenommene, selbst gestaltete Wirklichkeit. Keine Realität!!! Tatsächlich ist es so: Jeder von uns könnte nun hier und auf der Stelle sein EGO umdefinieren und jemand ganz anderes sein. Würde keinen Sinn machen, weil nur ein EGO gegen ein anderes EGO ausgetauscht wird. Ergo, q.e.d., was zu beweisen war, das EGO gehört aufgelöst. Viel Spaß dabei:)

19 Antworten auf „Ohne mich ist alles doof – was macht dein EGO?“

  1. Hallo Jens,

    auch wenn ich Dein Posting mehrmals lese, verstehe ich nicht, warum das EGO aufgelöst gehört. Sorry. Soll ich mein ICH-DENKEN, mein ICH-WIE-ICH-MICH-SEHE auflösen, um nur noch ICH-SEIN zu üben, ICH-SEIN in idealer Form, in gesunder Form? Stell Dir einmal vor, irgendein EGO ist ein Niemand, angefüllt mit einer unerträglichen Leere, gleichzeitig angefüllt mit vielen Sehnsüchten. Löst sich dieses EGO auf, was bleibt dann?

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      das ist die klassische Vorstellung von ICH-Auflösung. Leere. Da ist nichts mehr. Die Buddhisten, so weit bin ich nicht gegangen, stellen ans Ende der ICH-Auflösung die Erleuchtung:) Dann sind die Schleier weg und die Dinge sind, wie sie sind. Erkenntnis. Weil wir das nicht kennen, erkannt haben, haben wir Angst vor dem vermeintlichen „Nichts“, das aber eben kein Nichts ist, sondern Klarheit. Die Nebel des ICHs verschwinden und eine reine Sicht erscheint. Hätten alle Menschen eine reine Sicht, oder – einen klaren Kopf -, würden wir uns Vieles ersparen. So meine Sicht, ohne, dass ich die reine Sicht habe. Mein Kopf ist auch voller EGO-Erscheinungen, die immer wieder stören. Aber; Mit der zeit werden die störenden Anteile weniger und ich kann manche nicht mehr ganz so ernst nehmen. Die verlieren dann ihre unangenehmen Wirkungen. Die Nebenwirkungen des EGOs.

      Ich weiß, ich habe dir nicht weitergeholfen. Aber das ist bei dem Thema auch nicht einfach möglich. Deshalb danke für deine Bereitschaft, verstehen zu wollen. Im Umgang mit dem EGO hat verständlicherweise jeder/ jede eine eigene Sicht und einen eigenen Umgang:)

      Liebe Grüße

      Jens

      P.S. – Du sollst selbstverständlich gar nichts! Es ist eine Anmerkung von mir, keine Aufforderung zu irgendetwas. Jeder/ jede so, wie jeder/ jede will.

  2. Hallo Jens,

    ich verstehe: Auflösung des EGO = Klarheit, Erkenntnis = Nichts. Und mit der Klarheit/Erkenntnis lebt es sich ruhiger, friedlicher. Weil ja das kämpfende Ego nicht mehr da ist, sondern das verstehende Ego an seine Stelle getreten ist, das dann kein Ego mehr ist.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      an die Stelle des EGO tritt eine Klarheit. Es gibt unter Buddhis den Spruch: Kein EGO, keine Probleme. Das ist aber nur eine Annahme, weil es nur sehr wenige Menschen schaffen, ihr EGO aufzulösen. Das ist viel, viel Arbeit und bedarf einiger Voraussetzungen… Ich nehme an, der Dalai lama ist so ein Fall und der gute Herr Gandhi dürfte in Sachen EGO-Auflösung auch relativ weit gekommen sein. Die Jungs spielen da in einer anderen Liga – Champions-League. Endspiel Fußball-WM. Echte Techniker.

      Liebe Grüße

      Jens Schönlau

      1. M. Ghandi ist bestimmt sehr weit fortgeschritten. Und Dir, Jens,
        wünsche ich, daß Du die Treppe Stufe um Stufe in gemächlichem Tempo angehen kannst.

        Viele Grüße

        Annegret

  3. Hallo, ihr beiden,
    nachdem ich sowohl deine Gedanken, Jens, als auch eure kleine Unterhaltung darüber gelesen hatte, hatte ich Lust das erste Mal etwas zu schreiben. Ich bin neu im Twitter- und Bloggerleben.
    Nachdem ich mich seit einigen Jahren in Meditation, Yoga und ähnlichen Dingen bewege, habe ich auch so meine Gedanken zur Egoauflösung.
    Ich denke es geht darum, das was wir für unser Ego halten aufzulösen; die ganzen Kopfgeburten.
    Das Problem ist, das es Angst macht, sich so ganz aus dem Kopf wegzubewegen, zum Beispiel mit Hilfe einer Meditation. Die meisten glauben, da sei dann nur Leere, das Nichts. Das macht Angst. Aber das Gegenteil ist der Fall. Du fängst an dich zu fühlen und hörst auf, dich zu denken.
    Ist euch schon einmal aufgefallen, wie klar und deutlich die Budhisten, die wir kennen, ausdrücken was sie wollen und was für eine klare Linie sie in ihrem Handeln haben? Bewundernswert. Die aus der Oberliga sind ganz schön straight!
    Also keine Angst vor der „Auflösung.
    Viele Grüsse

    1. Hi Heidrun,

      schön gesagt: Du fängst an dich zu fühlen und hörst auf, dich zu denken. Die Kopfgeburten, die anstrengenden kleinen Befehle aus dem Oberstübchen, die uns immer wieder reinreiten. Die eigenen Gesetze, Moralinstanzen, Grenzen, Richtlinien. Ein aufwändiges Konstrukt, das Leben sehr, sehr schwierig macht und Entscheidungen oft einfach nicht gut ausfallen lässt. Ups! Daneben. Hätte ich doch… Ja, was? Nachgedacht? Die Instanzen des EGOs herangezogen? Abert die sind es ja, die zum Beispiel viele Ehen beenden, wegen unüberbrückbarer Differenzen. Da sind dann zwei EGOs unterwegs, die sich nicht mehr akzeptieren wollen und die zu einem größeren Teil das Ungute im jeweils anderen sehen. Da greifen dann die Klischees: Auseinandergelebt, aus den Augen verloren, nicht mehr miteinander reden können, da war nichts mehr… Das sind Bewertungen, die virgenommen werden – vom EGO. Könnte man/ frau auch jeweils anders sehen, wenn das EGO bereit wäre, Platz zu machen für andere Ansichten. Für Korrekturen. Selbstkorrekturen. Aber das EGO hat einfach gerne recht und möchte sich gerne mit seiner meinung behaupten und möglichst nicht in Frage stellen. Nicht sich selbst, lieber die anderen. Das EGO sagt gerne: die anderen sind schuld. Die da, ich nicht. Das macht das Zusammentreffen mehrerer EGOs, an die ihre „Eigentümer“ glauben, oft sehr, sehr schwierig…

      Dann heiße ich dich im Twitter- und Bloggerleben herzlich willkommen und natürlich ganz besonders im fiftyfiftyblog – fühl‘ dich hier wie Zuhause:) Hier wohnen schon ein par Leute…

      Jens

  4. Erich Fromm sagt: „Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind…“ (aus: Zen-Buddhismus und Psychoanalyse, E. Fromm und D.T. Suzuki) – Da plagt man sich eine lange Wegstrecke durch diese Aufgabe und zum Schluss ist’s wieder finster: und nichts… Ich nehm’s mit Humor – das Dazwischen ist oft ganz lustvoll…

    Viele Grüße
    filo

    1. Hi filo,

      deshalb ist es für mich ganz angenehm, an Wiedergeburt zu glauben. Mein Geist spielt in der nächsten Runde auch noch mit. Da ist die Tragödie nicht ganz so groß. Ich verlasse die Welt nicht, sondern tausche nur den Körper und fange in dem Körper neu an. Wiedergeburt und gleichzeitig Neugeburt. Mir nimmt das zumindest ein wenig die Angst vor dem Ende, das ich nicht als so total endlich empfinde. Und für den Übergang gibt es im Buddhismus spezielle Tools, die helfen.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Hallo Jens,

        das mit dem Wiedergeburtsgedanken kann ich nachvollziehen. Schön, wenn es für jemanden, in diesem Fall für dich, stimmig ist.
        Ich finde den Gedanken an ein ‚endgültiges Ende‘ nicht schlimm. Ich weiß nicht, ob das in meinen letzten Augenblicken noch so sein wird – ich hoffe es. Ich fürchte mich vor einem schlimmen, sagen wir: sehr mit Angst besetzten oder unangenehmen, schmerzvollen Sterben; das Nichts danach – das finde ich nicht schlimm und nicht tragisch…

        Liebe Grüße und einen lebendigen Tag
        wünscht filo

        1. Hi filo,

          wie das dann letztendlich aussieht – keine Ahnung. Kann auch alles ganz anders kommen. Auch hier: Nur Vorstellungen, Konstruktionen. Ist aber auch nicht wichtig, für mich ist es einfach ein schöner Gedanke, mich so zu verhalten, ds ich im nächsten Leben noch aufrecht durch die Welt gehen, kriechen, springen, schwimmen, galoppieren oder fliegen kann. Kommt es anders, auch gut.

          Liebe Grüße

          Jens

  5. Hm EGO, ich kann mir nicht helfen aber das hört sich für mich im ersten Moment irgendwie negativ an. Nach Hochnäsigkeit, Eitelkeit, Narzisstisch irgendwie, dazu gibt es bei Wikipedia übrigens ein hübsches Bild http://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus. Aber das nur am Rande. Wenn ich die Sache dann etwas genauer betrachte, komme ich zu folgendem Schluss:

    Das ist EGO wie ich es sehe (sehen will ;)) Ego ist für mich nichts festgelegtes. Also meine Sicht der Dinge ändert sich irgendwie ständig. Durch die verschiedensten Dinge bzw. Erlebnisse. Freude, positive Gefühle, Angst, Schmerz, Liebe das alles begleitet uns und die Erfahrung die wir aus unseren Empfindungen sammeln die bilden für mich das was du als EGO bezeichnest. Naja und bei mir löst sich das ständig auf, bleibt nie gleich. Erst vor einem Jahr hab ich wieder ganz von vorne angefangen, weil mir das, was zu diesem Zeitpunt aus mir geworden war nicht mehr zusagte. (Gelinde ausgedrückt) Also hab ich alles hinter mir gelassen und neu angefangen alles hinterfragt und so gut wie alles über den Haufen geworfen. Tja und jetzt fühlt sich das richtig gut an aber trotzdem arbeitet mein Kopf schon wieder…

    Wenn du mich fragst sollten wir das viel öffter machen, vielleicht nicht so drastisch ;P Aber dennoch glaube ich dass es sehr gut ist wenn wir mit der ein oder anderen Gewohnheit brechen, uns ständig hinterfragen und uns ab und zu eben auflösen und neu erfinden! Das ist Leben für mich und wir sollten an uns arbeiten und Freude daran haben solange wir es können.

    Das EGO als ein wunderbares wandelbares Wesen, das in uns wohnt sehen :)

    1. Hi Silke,

      zum ersten Teil: EGO erinnert natürlich an Egoismus. Das steck drin. Und Egoismus ist verwandt mit Narzissmus, Eitelkeit, Ich-Bezogenheit…

      Zum zweiten Teil: Wir haben es jeden Augenblick in der Hand, anders zu agieren. Theoretisch. Wenn wir die innere Freiheit haben, die du beschrieben hast. Die Möglichkeit, uns zu ändern. In unserer Sprache gibt es dafür einige Ausdrücke oder redewendungen: „Über seinen eigenen Schatten springen“ oder „den eigenen Schweinehund überwinden“. Das klingt wie ein kampf mit sich selbst und das ist es auch, weil wir immer mit uns, unserem EGO konfrontiert sind. Bevor dir klar wurde, dass es so nicht mehr weitergehen soll, hat dich dein EGO genervt. Hat dich ein leben leben lassen, das für dich so nicht gestimmt hat. Nun, nachdem du bereit warst, dich zu ändern, ist es besser. Damit gibt sich das ICH aber nicht zufrieden, weil es versucht, die Sitaution neu zu definieren und wieder zu einem festen ICH zu werden. Das ist diese Bewegung, die du im Kopf spürst. Die Gedanken, die gewälzt werden. Unruhe.

      Ich weiß nicht, ob du meditierst und da Erfahrung hast. Aber versuch mal, die nur 2 Minuten irgendwo ruhig hinzusetzen und an nichts zu denken. Den Kopf auszuschalten, Ruhe reinzubringen. Setz dich entspannt hin, alleine in einen Raum und guck mal, welche Gedanken und Bilder entstehen. Das ist Kino. Immer wieder neu. Du sagst dann: Nein, jetzt ist Ruhe, daran denke ich nicht. was passiert? Der eine Gedanke geht, lässt sich zur Seite schieben und ein anderer kommt. Das ICH inszeniert sich und beeinflusst unser Handeln. Ist da Ruhe drin und wird nicht jeder aufkommende Gedanke ernst genommen, wird es einfacher, übersichtlicher und besser entscheidbar.

      Es gefällt mir, dass du das EGO als wunderbar wandelbares Wesen beschreibst. Denn tatsächlich sind das ja wir und das EGO ist nicht unser feind, sondern unsere Möglichkeit, am leben zu arbeiten und Veränderung zu bewirken. Aus der Ruhe heraus wird das einfacher. Dann sehen wir klarer.

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße

      Jens

  6. Hallo zusammen!

    Die von Jens angestossene Sichtweise des Egos ist uns zunächst einmal fremd, da wir so erzogen werden, dass das Äußere wichtig ist und unser Seelenleben nachrangig ist.

    Unser Ego zu stärken ist für mich der Schlüssel, sich seiner Bewußt werden, seiner Stärken und Schwächen, in letzter Konsequenz seiner Einzigartigkeit und liebenswürdigkeit. Aus diesem Gefühl der inneren Stärke nehme ich Abstand von den äußeren Dinge, denn ich bin bei mir und da bin ich zuhause.

    Ich bin noch nicht zuhause angekommen, aber ich bin auf einem Weg, der mich weiterführt. Klingt sehr theoretisch – ich bin mir meiner Defizite in Teilen bewußt und ertappe mich immer öfter bei der Selbstfrage, warum mich dieses und jenes gerade nervt, mir Energie absaugt, mich wütend macht . Gelassenheit aus einer inneren Stärke heraus – das wäre es.

    Schöne Grüße

    Raoul

    1. Hi Raoul,

      ja, das ist uns fremd, weil wir uns normalerweise keine Gedanken über das ICH machen. Wir nehmen das so hin, versuchen uns vielleicht zu ändern oder zu verbessern, machen uns aber selten Gedanken darüber, was und wer wir eigentlich sind und wie wir und unser EGO funktionieren. Wir glaube, das es normal ist, dass wir all diese Gedanken und Vorstellungen haben. Wir glauben: So sind wir halt. Sind wir aber nicht. Es besteht die Möglichkeit, unser ICH zu verändern, mit ihm zu arbeiten und dadurch letztlich besser zu leben. davon profitieren wir und die Menschen um uns herum.

      Das Thema Wut ist ein gutes Beispiel. Wir werden wütend und werden dann unkontrolliert. Lassen es raus, „lassen Dampf ab“. Das wird positiv gsehen. „Das reinigende Gewitter“. Es ist eine Wohltat, wenn es raus ist. Mist ist nur, dass wir damit auch verletzen und manchmal sogar zerstören. Wut ist eben oft Gewalt in irgendeiner Form und damit der Anfang der Eskalation vom individuellen bis zum gesellschafts- und völkerübergreifenden Konflikt. Die Wurzel liegt jeweils in uns. Deshalb finde ich es gut, am Bewusstsein zu arbeiten, zur Ruhe zu kommen und sich nicht von allem auf die Palme bringen zu lassen. Was nicht heißt, dass wir nicht manchmal Grenzen setzen müssen. Aber eben in der entsprechenden Form. Das hilft, dass wir besser mit anderen und damit auch mit uns zurechtkommen.

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Raoul, und liebe Grüße

      Jens

  7. Lieber Jens und ihr alle,
    was ist das EGO? Wer ist Uta? Ich bin, die ich bin, egal wie oft ich mich verändere und „neu erfinde“ in meinem lüttschen Leben – man ist nie ganz neu, ich nehme immer etwas mit und wenn es nur die Erinnerung an die alte Uta ist. Das hat für mich allerdings etwas Dynamisches und nicht Statisches und deshalb nichts Bedrohliches oder Abzuschaffendes. Ich glaube auch, dass ich nie „fertig“ sein werde und sicherlich auch nie „perfekt“. Mit fällt dazu ein Abschnitt aus der Bibel ein, in dem es ums Gott-Erkennen geht, ich finde das kann man aber auch umdrehen und dann sagt es etwas über uns und unser EGO aus: „Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel…jetzt erkennen wir Gott nur unvollkommen, dann (wann auch immer das sein wird…) aber werden wir ihn völlig kennen so wir er uns jetzt schon kennt“ (1.Kor 13,12ff) . Wäre das so etwas wie der Moment der „Klarheit und Erleuchtung“ im Buddhismus? Allerdings ginge hier das Ego nicht verloren, sondern wird eben erkannt, wertgeschätzt, aufgehoben in einem großen Ganzen. Das ist für mich persönlich auch eine tröstliche Aussicht – ich weiß nicht so genau, ob ich wiedergeboren werden will… ;-)
    Spannend, das alles….
    LG Uta

    1. Hi Uta,

      es gibt und nur einmal. Und wir sind nicht schizophren. Wir sind unser EGO und an dem arbeiten wir – mehr oder weniger. Das Optimistische am menschlichen EGO-Prinzip ist, dass das ein System ist, das lernen kann. Durch Emotionen, Intelligenz, Vernunft, Moral. Das heißt, wir haben mächtige Werkzeuge, die wir auf verschiedene Weise einsetzen. Bauen wir die Sperren ab, die verhindern, dass wir möglichst positiv agieren, ist das ein Vorteil. Für uns persönlich und für die Welt. Ich glaube, wir haben da alle noch viel Spielraum. Gott und Buddha sind meines Erachtens letztlich eins, auch wenn sie total anders definiert sind. Im Buddhismus heißt es, dass jeder mensch die Buddhanatur in sich trägt. es geht darum, sie zu erkennen und zu leben. Die Schleier des EGOs verhindern das Erkennen der eigenen Buddhanatur, der Klarheit des Geistes. Wir leben in Samsara, der welt des Leidens, weil wir durch unser EGO Leiden erzeugen. Jeden Tag. Sind die Schleier des EGOs weg, sind wir erleuchtet. Wir sind immernoch dieselben Menschen, aber eben mit einer anderen Sicht. So weit die Theorie. Die Christen glauben an Gott. Ein Wesen, eine Institution, eine Größe, die für den Menschen handelt. Gott wir gebeten in Gebeten, den Menschen zu tragen. Auch hier gibt es die Hoffnung, Gott zu erkennen und ihn in sich zu tragen. Das sind zwar zwei verschiedene Ansätze, doch denke ich, dass das Göttliche durchaus der buddhistischen Klarheit nahekommt. Das letztliche Ziel, dem leiden zu entkommen, ist gleich. Nirwana. Paradies. Vorstellungen einer Erlösung. Im Endeffekt steckt hinter bneidem eine tiefe menschliche Sehnsucht, die wir uns scheinbar selber nicht erfüllen können. Goethes Arkadien, Nietzsches Welt der Künste. Hoffnungen.

      Für mich ist es eine Frage des Tuns. Des Handelns. Des in die Handnehmens. Anstrengungen, Bemühungen zum Besten aller Wesen zu arbeiten. Im Rahmen der eigentlichen Möglichkeiten. Lieber mit dem Besen als mit dem Gewehr in der Hand.

      Danke für dein Interesse, deine theologische Sicht und überhaupt.

      Liebe Grüße

      Jens

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