Love you

Manchmal
ist die Liebe ein Schrei
ein Schlag
ein Stich
ein Aufheulen
Flehen
Vergehen
Verkommen
Verblühen
zerkratzt

Manchmal

Dann
ein Flüchtiges
zärtliches
Verlangen
Bekommen
Berührtsein
Verführtsein
Verrücktsein
umarmt
umeinander
ineinander
aufgelöst
vereint
vereint
geküsst
befriedigt
bereichert
getröstet
beschenkt
der warme Hauch
auf der Haut
das leise Singen
in dir
in mir
das Streicheln
Liebkosen
ineinander
liegen
laufen
stehen
verbunden
sichtbar
unsichtbar

unfassbar

juni 2011

GarageBand vs. Klavier vs. Take That

Manchmal ist Familienleben verrückt. Da hast du einen anstrengenden Tag im Büro hinter dir, hast dir die Finger wund geschrieben, dein Kopf ist ausgequetscht wie eine Zitrone und du wünscht dir ein paar Minuten für dich. Ruhe. Einfach in der Küche am Tisch sitzen und lesen. Also nahm ich mir gestern Abend die Magazinbeilage des Kölner Stadtanzeigers vom Wochenende und entschied mich beim Durchblättern für ein Interview mit Take That. Ihr erinnert euch. Robbie Williams, Marc Owen, Gary Barlow & Co. Neunziger Jahre, die erste gecastete Boygroup, von der ich gedacht hätte, die macht es eine Saison. Falsch gedacht. Reunion 2010.

Ich saß da, trank meinen Yogitee, las Zeilen eines geläuterten Robbie Williams, der mir fast leid tat. Wie er beschrieb, wie er in den Konzerten nie angekommen ist. Wie er sich da oben allein fühlte und verloren. Ich erinnere mich, als ich die CD „Live at Knebworth“ von ihm zum ersten Mal gehört hatte, da dachte ich sofort an Koks. Der Junge war so aufgedreht, dass selbst die Stimme gepresst war. Ist ja auch ’ne Nummer, wenn da 30.000 Menschen eine Show erwarten.

Der Text lief in meinen Kopf und füllte mein geleertes Buchstabenlager wieder auf. Das Problem sind immer die Vokale. a und e sind schnell weg. Ausverkauft. Habe ich gestern alle in eine Internetseite für ein Maschinenbau-Unternehmen gepustet. Verkauft. Darf es ein wenig mehr sein? Vielleicht noch ein i? Große, schwere, starke, kraftvolle Maschinen. Immer e und a drin. Während ich also las und Buchstaben tankte, hatten sich Jim und Ela verabredet, mich Stereo zu beschallen. Jim bastelte in seinem Zimmer per GarageBand an einem Song, Ela übte in Zoes Zimmer Klavier.

Ist ja eine super Sache. Jim ist kreativ und darf sich mit 14 nun endlich und heiß ersehnt am Rechner austoben. Hören wir irgendwo Musik, überlegen wir, was den Song ausmacht. Samstagabend auf dem Weg nach Siegen zum Championsleague-Finale in der Kneipe Lousiana hörten wir Clubmusic. Lief im Radio. Fette Bässe, geschickt wechselnde Rhythmen. Extrem tanzbar. Gestern nun saß Jim am von Ela geerbten Mac G5 und testete Loops und Gitarrentracks und Drumeinlagen. Zog an den Reglern, ließ aufheulen, niedersausen. Die zarten Töne kamen eher selten vor. Nun, was sollte ich sagen? „Dein Vater braucht mal fünf Minuten Ruhe zum Buchstabensaugen?“ „Ja ’ne, is klar.“

Derweil spielte Ela wunderschön Klavier. Feine, melodische Läufe. Allmählich wird mir die Frau an meiner Seite unheimlich. Im Durchflug. Sie lernt nicht nur Klavierspielen, sie kann es mittlerweile sogar. Die Stücke hören sich immer besser an. Laufen ruhig, wohltuend. In Konkurrenz mit GarageBand allerdings wird es schwierig. Weiße Fahne. Habe einfach das Interview zu Ende gelesen und den Musikwettstreit Musikwettstreit sein lassen. Zoe hat mich mit einer Rommepartie gerettet, die sie gewonnen hat. War irgendwie nicht mein Abend. Dann hat Jim noch Gitarre geübt und am Ende Zoe Klavier gespielt. Vielleicht sollte ich doch wieder meine Trompete rausholen, sonst vereinsame ich in dieser Familie noch. Die sind doch alle verrückt…