Kaffeetrinken in Cabutima mit Wolfgang Cziesla

Cabutima

In letzter Zeit habe ich es nicht so mit Büchern. Keine Zeit, keine Ruhe, keine Muße. Andere Dinge stehen im Vordergrund.

Nun ist mir aber ein Buch auf eine Art und Weise begegnet, die mir so am besten gefällt. Es ist mir vor de Füße gefallen, es ist in meinem Leben aufgetaucht. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein gutes Buch. Eines, das eine Geschichte mit feinen Worten stringent erzählt. Ein unentdecktes Buch, das bereits 2005 geschrieben worden ist. Von Wolfgang Cziesla aus Essen.

Mit Maupassant auf See

Auf See

Ich segle gerade. An der französischen Mittelmeerküste entlang. Eben haben wir in St. Raffael abgelegt und sind auf dem Weg nach St. Tropez. Mein Kapitän ist kein Geringerer als Guy de Maupassant, der ständig was zu berichten hat. Mal sieht er ein Liebespaar im Mondenschein, dann macht er sich Gedanken darüber, wie sich Menschen verhalten, wenn sie in Massen auftreten. Er hasst das. Geht auf kein Volksfest, meidet alle Ansammlungen. Er glaubt, dann würde der Intellekt verloren gehen und Dumpfheit würde wie reifes Obst von Bäumen fallen. Der kluge Geist würde eingeschränkt und sich letztlich in Allgemeinplätzen ergehen.

Der Tag, als der Krieg begann

„Die ersten Limousinen hielten neben kahlen Bäumen und einem Wald aus Fahnenmasten in Flushing Meadow am Stadtrand von New York und entließen ihre Fahrgäste in ein graues Gebäude, das einmal eine Eisenbahn beherbergt hatte. Draußen hatte sich trotz der kühlen Luft eine Menschenmenge versammelt. Im Innern war ein Saal mit Zuschauern und Delegierten gefüllt. Es war der 29. November 1947, ein Samstagnachmittag.
Das körnige Filmmaterial, das an jenem Tag aufgenommen wurde, zeigt Männer in Anzügen, die in Reihen vor einem erhöhten Podium sitzen, und auf demselben drei Funktionäre mit einem gigantischen Gemälde des Globus im Rücken. Helfer eilen mit Papierbündeln zwischen den Sitzreihen und dem Podium hin und her, und ihr Gesichtsausdruck entspricht dem gewichtigen Anlass: Die Abgeordneten dieser neuen Weltorganisation, der Vereinten Nationen, sind im Begriff, durch eine schlichte Abstimmung den Lauf der Geschichte zu verändern.“ (Matti Friedmann, Der Aleppo Codex – Eine Bibel, der Mossad und das Staatsgeheimnis Israels, Seite 22, erschienen im Herder Verlag.)

Die Frau im Mond von Milena Agus

Manchmal kommen die guten Nachrichten per Post. Ganz konventionell. Da ist eine Freundin, die schreibt. Wenn sie etwas zu sagen hat, kommt ein Brief. Kein Facebook, keine Mail.

Das ist ist nicht modern, aber sehr schön. Die Freude, den Briefkasten zu öffnen und dort etwas vorzufinden, die ist enorm. Herz hüpft. Aufregung. Das haptische Vergnügen, ein Couvert aus Papier zu öffnen. Letzte Woche kam ein dickerer Umschlag. Eine Büchersendung. Darin „Die Frau im Mond“ von Milena Agus. Ein Bestseller, wie der Aufkleber vorne drauf verspricht. Von einer Autorin aus Italien. Sardinien, Cagliari. Preisgekrönt, mehrfach ausgezeichnet.

Leute, lest Böll!

Lesebefehl. Leute, wie Jim und seine Jungs immer sagen. Leute, Leute. Annegret hatte mich im Forum darauf gebracht, als sie Bölls Irisches Tagebuch empfahl. Habe ich mir bestellt. Dazu die Ansichten eines Clowns. Texte, die aus der Nachkriegszeit stammen. Fünfziger, sechziger Jahre.

Was ich gerade lese…

… oder gelesen habe. Wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, lese ich. Eingentlich alles, von der Zahnpastatubenaufschrift über das Wochenblatt bis zu den verschiedenen schönen Romanen dieser Welt. Wahrscheinlich tanke ich dabei mein Buchstabenreservoir auf, das jeden Tag berufsbedingt Verluste hinnehmen muss. Aktuell habe ich zwei Bücher gelesen und in einem bin ich mittendrin.

Unterm Scheffel, Maarten ‚t Hart

JA! Ein Lyriker. Nobelpreis für Literatur geht an Tomas Tranströmer.

Ja! Ja! Ja! Seit 1996 der erste Nobelpreis für Literatur, der an einen Lyriker geht. Ich freue mich. Für die Lyrik und für Tomas Tranströmer, von dem ich bislang nie gehört habe. Ich wusste nicht, dass es diesen schwedischen Gedichteschreiber gibt, der nun 80 jahre alt ist und es geschafft hat, in den Literatenolymp aufzusteigen. Komme gerade von den Seiten der deutschen Kulturpresse. Die wissen schon alles. Wie die das immer machen? Wahrscheinlich vorgeschrieben.

Jan Brandt: „Gegen die Welt.“ Die Plutonier sind überall…

Die Zeit spricht von einem beeindruckenden Buch, die FAZ von einem beeindruckenden Roman. Blogs dürfen da schon etwas weiter gehen und die vornehme Zurückhaltung aufgeben. Wahnsinn! So ein Buch kommt hier in Deutschland nicht alle Tage in die Läden. Kein Wunder: Neun Jahre hat sich Jan Brandt Zeit genommen, sein Debüt zu schreiben. Zu verdichten, Ideen zu finden, Figuren anzureichern.

Wittgenstein von Raouf Khanfir

Wittgenstein. Ich dachte zunächst an den Philosophen, den Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein. Dann an Thomas Bernhards Roman Wittgensteins Neffe, in dem er das Leben, Sterben und Verzweifeln seines Freundes Paul Wittgenstein beschreibt. Ich dachte, es wäre ein Buch, das in die alten Zeiten reflektiert, sich mit Sprache auseinandersetzt. Wittgenstein von Raouf Khanfir habe ich auf blogg dein buch entdeckt. Da strahlte mir ein verknitterter Mercedes Benz Strich Achter aus alten Studientagen vom Cover entgegen. Ich bestellte es.

Caroline Vermalle: Denn das Glück ist eine Reise

Kennt ihr Blogg dein Buch? Eine Internetseite, auf der Blogs sich Bücher aussuchen können, über die sie dann bloggen, äh, berichten, also im Sinne von rezensieren. Kürzlich bin ich auf diese Seite gestoßen und habe ein kleines süßes Buch entdeckt, das mir von Titel und Cover her gefallen hat. Also habe ich mich angemeldet, bin ausgewählt worden und der Lübbe-Verlag hat mir das Buch zugesendet. Auf der Seite des Lübbe-Verlags habe ich dann gesehen, dass das Buch der Lesekategorie „Frauen“ zugeordnet ist. Ts. Egal. Kann ich jetzt schon sagen: Ist auch für echte Kerle – vielleicht sogar im stärkeren Maße…

Nachtraubend: Jutta Wilkes Holundermond

Seit rund zwei Wochen haben wir Jutta Wilkes Romandebüt „Holundermond“ im Haus. Ein Buch für Kinder ab 10 Jahre. Gestern Nacht war ich scheinbar 10 Jahre, denn es hat mich gepackt. Nachdem zunächst Jim an der Reihe war und das Buch verschlungen hatte, durfte ich nun ran. Erst saß ich mit Ela gemütlich im Ofenzimmer und las mich ein, dann war plötzlich Ela im Bett und ich saß immer noch da und dann war ich ins Bett gegangen, hatte das Buch mitgenommen und irgendwann gegen ein Uhr zu Ende gelesen. Ja, genau: Für Kinder ab 10.

Marc Watson spielt mit elf Leben

Auf dem Heimweg aus der Muckibude hörte ich Radio. Einen lokalen Sender aus dem schönen Köln. Ich schuckelte so über die Landstraße, versuchte mich wenig erfolgreich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten und dachte mal wieder über das Leben im Allgemeinen und überhaupt nach. Da verkündete die Moderatorin im coolen Colognestyle, sie habe Besuch von der Literaturredaktion. Ein junger Mann stellte sein Buch der Woche vor: Elf Leben von Mark Watson.

Schätzing vs. Gavalda

Mann gegen Frau. Autor gegen Autorin. Zuletzt habe ich versucht, Frank Schätzings Buch LIMIT zu lesen. Hätte aktuell eigentlich gepasst. Da geht es um Mondstationen und das Fördern von Helium3 als Ersatz für die fossilen Energieträger der Erde. Quasi ein Hoffnungsschimmer. Schätzing war früher Werbetexter in Köln. Ich kenne jemanden, der kennt ihn aus den alten Tagen. Heute ist er ein Shooting-Star mit eigener Fernsehsendung und einem Bucherfolg nach dem anderen. Mein letzter Schätzing in den Fingern war Der Schwarm. Da ging es um das sich auflösende Methanhydrat in der Tiefe des aufgewärmten Meeres, das Kontinentalhänge abrutschen lässt und Tsunamis auslöst (das Szenario ist so im world ocean review beschrieben). Am Ende des Buches gibt es einen Showdown auf einem amerikanischen Flugzeugträger. Action. Männerwelt.

Die Einsamkeit der Primzahlen…

…von Paolo Giordano. Ela hat das Buch aus der Bücherei mitgebracht. Sie hat es gelesen und für gut empfunden. Wir geben hier intern immer Empfehlungen ab, wenn wir ein Buch gelesen haben. Weil wir dauernd lesen, gibt es viele Empfehlungen. Mit der Zeit sind wir scheinbar kritischer geworden, denn wirklich überzeugte Top-Empfehlungen sind rar. Desto schöner ist es, wenn ein „das wird dir sicherlich gefallen“ kommt.