Ach, wie schön ist Wochenende…

Wie schön es ist, wenn der Geist zur Ruhe kommt und die Seele in kleinen Schritten gemütlich auf der Stelle trippelt. Wochenende. Verwöhnt werden, verwöhnen. Zeit haben, Raum. Eben habe ich Frühstück bekommen. Ans Bett. Cappuccino in der weißen Schale, Saft, Stuten mit Marmelade.

Es ist diese Frage, wie wir leben wollen. Und es gib eine wunderbare Antwort. Miteinander. Einander haltend, tragend, beflügelnd. Das Schönste am Leben als Mensch ist der Mensch. Freude miteinander, Lachen, Austausch. Einander ein wenig necken. Ansehen. Verstehen. Lieben. Küssen.

Wie schön die Welt ist. Hach. Punkt.

Die Augen schließen, nichts denken, nur empfinden. Dem Schönen nachspüren. Es ist wunderbar. Wie eine weiche Hülle. Umgebend. Anschmiegsam.

Dem Leben einen schön Sinn geben, den Moment atmen. Die schönen Augenblicke des sich Fallenlassens. Liebe ich. Suche ich. Finde ich. Manchmal. Gerade. In diese Welt eintreten, die Tür öffnen, das Paradies sehen. Ach, wie schön ist Leben. Ohne Auftrag, leicht. Lächeln, lieben. Sich haben.

Es ist alles in uns. Keinen Schritt muss man gehen, keinen Heller zahlen, das Glück zu finden. Einfach die Schichten aufdecken und dort hingehen, wo Milch und Honig fließen.

Isaac Hayes läuft unten. Soul windet sich die Wendeltreppe hinauf zu uns. Die Tasten klimpern, ich bade in Gefühl. Und schreibe, den Moment zu wahren.

Es macht so leicht, schwebend. Über allem. Aus allem heraus, mit allem verbunden. Ach, wie schön ist Leben. Wie reich sind wir mit dem, was wir empfinden können. Fallenlassen und fliegen. Love it:)

Deauville

Am Strand der Sehnsucht
die Flügel auspacken

Diese Wahrheit
unter den Füßen

Schauen
sehnen

Schweben
fallen
fliegen

Küssen

Am Ende
küssen
müssen

Grüne
blaue
Augen

Tiefe
Weite
nur ein Boot
dort draußen

Und spratzende Gischt

sEPTEMBER 2017

Das süße Gefühl Sehnsucht

Bilder, Texte, Musik. In der Summe Menschen. Die vielen und die Besonderen.

Sitze den ganzen Tag schon in der Küche. Es ist lustig. Gerade lebe ich allein in einem großen Haus. Oben habe ich eine Büroetage, aber ich arbeite an einem alten kleinen Holztisch neben der Espressomaschine. Coppis Küche. Peter Weiß. Ästhetik des Widerstands. Jim hat sich aus Nord-Spanien gemeldet, er erreicht heute Portugal. Geht über die Grenze. Hat gestern Nacht wieder in seinem Fiesta-Ford-Wohnmobil gepennt. Der Junge ist in seinem Geist, in seinen Möglichkeiten, in seinen Bedürfnissen so frei. Wenn es sein muss, schläft er auf dem nackten Boden und sagt am nächsten Morgen „war hart“, geht Frühstücken und der Sonne nach.

Zoe ist im Kindergarten. Praktikum. Kleine Jungen, die ihr den Kopf verdrehen. „Will auch Schafe sehen“. „Will auch raus.“ Diese Sprache der Kleinen in ihrer Reinheit und Schönheit und Ungefiltertheit. Wo verlieren wir eigentlich all diese uns innewohnende Schönheit und Menschlichkeit? Muss das so sein? Hart werden? Kratzig? Nun.

Heute der wöchentliche Wechsel. Von fest zu frei. Vom Angestellten zum Unternehmer. Aus dem sicheren Hafen ins Haifischbecken. Es sind die Übergänge, die Männer eigentlich nicht können. Ich liebe es, das zu managen. Mein Kopf ist ein hungriges Wesen, das Herausforderungen und Grenzüberschreitungen liebt. Weshalb eigentlich? Ja, seit Kurzem weiß ich es genau. Weil mein Sternbild Widder ist und mein Aszendent ebenfalls Widder. Was soll man da machen mit all der Energie und Power? Was ich bislang nicht verstehe bei all diesem Widdertum ist dieses Gefühl von Zartheit und Berührtheit. Noch ist da irgendwo ein Bug im System. Die Puzzleteile ergeben noch keinen Sonnenuntergang.

Zartheit, Feinfühligkeit. Mir fehlt Max. Zoe habe ich die letzten Tage gesehen, Max ist so weit weg. Tausende Kilometer. Was wäre das geworden, wenn er angefangen hätte zu studieren. Berlin, Moskau, Trinidad Tobago. Ui. Auf Spotify läuft ein neuer Liebling. Labi Siffre. Das Lustige ist, dass ich mittlerweile mit zwei Laptops hier agiere. Eines hängt an der Stereoanlage und speist die Boxen über Spotify. Wir haben jetzt ein Familienabo für 15 € im Monat. Musikalische Komplettversorgung. Herr Schönlau ist im digitalen Zeitalter gelandet. Montags bekomme ich meinen neuen Mix der Woche. Neues entdecken, noch nie habe ich Musik als so lebendig empfunden. Ich speise meine Listen. Heute höre ich Labi Siffre komplett durch. Und, der Hammer: Auf meinem zweiten Rechner, an dem ich gerade am Küchentisch schreibe, ist auch Spotify geöffnet. Höre ich aus dem Raum einen schönen Song, füge ich den hier meinen Favorites zu. Es sind so viele schöne Songs. Ich sage nur Gil Scott-Heron.

Draußen zieht die Sonne vorbei. Ich schaue aus der Küche über das Ofenzimmer nach Süden. Das Licht kommt also von rechts, Westen. Die Sonne neigt gerade ihr Haupt, um es in die Wälder des Horizonts zu legen. Heute Abend folgen die Sterne. Wenn ich in meinem indischen Bett liege, sehe ich das Winterbild ziehen. Der Orion neigt ebenfalls seinen Kopf und driftet schräg nach Westen, um Platz zu machen für den großen Wagen, der Viveka und mein Verliebtsein in diesem unvergesslichen italienischen Sommer 2012 begleitet hat. Die Nächte am Meer, der Vollmond, die peitschenden Wellen im warmen Wind. Bis morgens im T-Shirt, unendlich glücklich und verliebt. Ich frage mich, wie viele Geschenke ein Mensch in seinem Leben erwarten darf?

Das Foto oben ist im letzten Jahr entstanden. Jim und ich waren gerade aus London zurückgekommen. Unser Auto stand in Köln-Mülheim und wir hatten beide kollektiv vergessen, die S-Bahn rechtzeitig zu verlassen. So waren wir in Holweide gelandet und haben uns dem Warten hingegeben. Max kann das gut. Ich mache lieber irgendetwas. Also habe ich ihn fotografiert. So treffen und ergänzen sich die Eigenschaften, Talente und Zustände.

Was hat es zu bedeuten, dass in meinen Bildern immer wieder diese Linien und Horizonte auftauchen? Je älter man wird, desto mehr man macht, desto mehr Fragen entstehen und gleichzeitig wird die Beantwortung immer unwichtiger, weil die Zeit endlich wird und es irgendwann auch keinen Sinn mehr macht, alldem nachzugehen.

So. Feierabend. Morgen ist auch noch ein Tag. Und Herr Cooper wünscht sich ein wenig Aufmerksamkeit. Ach. Das ist alles so aufregend. Leben, oder?

Zurück in der Normalität

Ihr Lieben, erschreckt nicht. Der alte Mann auf dem Foto bin ich. Aber in Wirklichkeit sehe ich gar nicht so aus. Weshalb ich das Foto trotzdem bringe? Es erinnert mich an ein Foto von Beckett, das ich mag. Beckett hat auf dem Foto viele Falten und ist dennoch ein schöner Mann. Nun möchte ich mich nicht mit Beckett vergleichen. Herrje. Aber nein. Weder in der einen noch der anderen Art. Ich möchte es hier im Blog als Erinnerung an diese Zeit parken.

Heute ist etwas geschehen. Mein erster Arbeitstag nach 3 Wochen Urlaub, in denen ich mich um Wichtiges gekümmert habe. Um mein Mädchen, meine Kinder, meine Familie, Freunde, Herrn Cooper, die Fertigstellung der Küche, eine Stromleitung für das Küchenlicht über dem Herd, das Abgasrückführventil meines Autos, die Ölpumpe der Heizung.

In diesen 3 Wochen war ich noch ziemlich benebelt vom Jahr. Kennt ihr das, wenn man weiß, dass etwas nicht stimmt und man hat eine Ahnung, was nicht stimmen könnte, kommt aber nicht drauf? Wenn man sich selbst ein wenig fremd ist, neben sich steht? Alles ist gut, man könnte sagen sehr gut, alles hat sich positiv entwickelt und dennoch ist da etwas, das kratzt. Wie ein Stein im Schuh, ein Bläschen an der Zunge.

Ich wusste nicht was. 1.000 Dinge gingen mir durch den Kopf. Terror, Türkei, Berlin, Syrien und all dies unsägliche deutsche Geplapper auf allen Kanälen. Gutmenschen gegen Schlechtmenschen vorwärts und rückwärts. Die da. Nein, die da. Niveauloses Rumgepöbel und Pseudofachgesimple. Woher nehmen nur all die Menschen diesen Brustton der Überzeugung? Woher nehmen sie den Anspruch, die einzige Wahrheit zu kennen?

Von allen Seiten ein Aufstand der Unzufriedenen. Rechts, links, Ost, West. Hauptsache aufeinander eindreschen. Ich dachte, das wäre ein Thema in meinem Kopf. Ist es nicht, das freut mich. Geht mir heute Abend am Popo vorbei. Der Mensch flieht vor sich selbst und sucht Stellvertreterkriege. Übersprungshandlungen des Alltags. Kennst du einen, kennst du alle. Es ist ein atemloses babylonisches Geplapper auf allen Kanälen mit Protagonisten, die in meiner Küche und in meinem Kopf nichts zu suchen haben.

Aber was ist es dann? Was zählt? Worauf kommt es an? Mit sich selbst im Reinen zu sein. Mit sich selbst klar zu kommen. Chill mal dein Leben. Das habe ich heute getan. 2016 war ein schreckliches Jahr und ein schrecklich wichtiges Jahr. In näherer Zukunft kann ich erst einmal auf eine Wiederholung verzichten. Danke auch. 2017 nun liegt wie eine grüne Wiese vor mir. Und was habe ich nun heute festgestellt? Etwas ganz Profanes: Die Normalität des Alltags ist zurückgekehrt. Mehr nicht. Und das ist eine Qualität. Wenn es einfach ist. Wenn es schön ist. Wenn es die Qualität des Ruhigen, Unaufgeregten hat.

Zur Arbeit fahren. Einem Freund zwei Tage zu früh zum Geburtstag gratulieren. Per WhatsApp in den Supermarkt zum Eierkauf geleitet werden, Freunde in Nosbach besuchen, zum Fußballtraining gehen, die neuen Laufschuhe auspacken, die Freude des Herrn Cooper über die Rückkehr genießen, mit Jim plaudern, kurz Zoe auf dem Weg vom Bad zurück ins Bett sehen, im Auto mit Viveka telefonieren, ein italienisches Fertiggericht in die Mikrowelle schieben, Gill Scott-Heron per Spotify hören, in der Küche sitzen am alten Tisch, an dem ich fürs Abi gelernt habe, den Ofen stochen, die Gedanken schweifen lassen, hoffen, dass ich mal wieder ein Gedicht schreiben kann…

Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt. Ich komme mir vor, als wäre ich entführt worden und hätte Monate gegen meinen Willen in einer Höhle gelebt.

Morgen arbeite ich frei, werde an einem Text für ein Ballonfahrt-Unternehmen arbeiten, die Steuer angehen, für Jim und Zoe kochen, mit Herrn Cooper durch den Wald stromern. Das Maikäfertal fehlt mir. Sehr. Nun. Hier gibt es sehr viel Wald und schöne Ecken. Der Weg zur Quelle, vorbei am dichten Fichtenwald mit der Pfütze, in der sich die Wildschweine suhlen.

Der Weg zu den Steinbrüchen und dem Steinbruch, in dem die Eule wohnt. Durch die Buchenwälder zur Jagdhütte mit dem Blick über die Wiesen und das Dorf in das Tal. Man muss vergessen und vergeben können, um das Herz für das Neue zu öffnen und den Augen und der Seele die Möglichkeit zu geben, das Schöne zu sehen. Es ist ein Spiel, die neuen Lieblingsorte zu finden. Herr Cooper und ich diskutieren intensiv. Noch ist nichts entschieden, aber es drängen sich Favoriten auf. Es wird sich zeigen, wo der Magnetismus am größten ist.

Wir sind im Wald nicht mehr ganz so alleine wie früher. Es gibt mehr Fußspuren von Menschen und Hunden. Aber wir kennen schon einige Nischen. Ist Viveka hier, ist sie unsere geliebte Verbündete.

Nachdem ich dieses Haus lange Zeit emotional ignoriert habe, kann ich nun sagen: Ich mag es. Es fängt an, das neue Leben. O.K. Gil Scott-Heron. WE ALMOST LOST DETROIT.

So far. Und irgendwann wird dann auch in diesem Blog wieder die Normalität einziehen und es wird um Alltag und all die schönen Unwichtigkeiten gehen. Nicht mehr um fiftyfifty, aber um das Leben auf dem Land, die Kunst, das Zweifeln und Aufregen. Ja. Ich freue mich auf die Heimkehr.

Anmut

Rosen

Nun, was sind das für Zeiten.

Ein Leben im emotionalem Schleudergang. Dieses Land, diese Leute. Ein wenig diese Bert Brecht Tonality, Was sind das für Zeiten, in denen…“ So einiges abhanden kommt. Die Liebe, wie ein Stock oder Schirm. Meine Liebe nicht, sie ist das Feuer, das mein Herz warm hält und meine Seele rein. Die Wärme, die in feinen Linien alles durchzieht, gibt dieses schöne Gefühl von Geborgenheit. In Wert, Wichtigkeit, Normalität, Menschlichkeit, Sinn, Ausrichtung, Ziel und letztlich auch Verstand. Den Verstand einschalten, den schönen, wahren, tiefen Menschenverstand. Dieses Gefühl, die Liebste, das Kind, einen Bruder, einen Freund, einen guten Bekannten von Herzen zu umarmen. Und ein wenig die ganze schöne Welt.

Anmut. In diesen Text heute reihe ich einfach wohlige Worte nach Herzenslage. Das ist wie das Aufladen eines Akkus. Hinsetzen und wirken lassen: Die wunderbare Liebe. Die Sonne, die durch die Augenlider scheint. Ein etwas zu lange dauernder Kuss. Der Moment, in dem man etwas weiß. Der erste Tag nach einer Erkältung. Krokusse. Von einem verliebten Blick eingefangen werden. Hungrig den Duft einer Mahlzeit einsaugen. Die Ruhe haben, auf eine Wand zu sehen und gute Bilder der Vergangenheit zu sehen. Einen weinenden Menschen umarmen, der sich trösten lässt. Kind sein, im Telefonat mit Mama.

Kitsch, könnte man sagen. Werbung. Ja. Weil es die Emotionen sind, die berühren, die Menschen Menschen sein lassen. In den Buchten vor Levanto abtauchen. So weit es geht, so weit der Atem trägt. Im warmen Wasser frei bewegen. Sich drehen im Blau, im Grün. Auf Paris bei Nacht herabblicken. Kettenkarussell im Sonnenschein, fliegen, abheben, weg sein. Die Hand neben sich greifen, den Sitz heranziehen, versuchen, einander zu küssen. Ein Moment Unendlichkeit, entflogen, entschwebt, entkommen. Vor Korsika auf dem Surfbrett stehen, im Trapez hängen, schräg die in die Bucht einlaufenden Wellen anfahren, an der Fußschlaufe ziehen, ein Hüpfer ins Wellental, Segel dicht nehmen, Wasserspritzer im Gesicht, Geschwindigkeit, noch ein wenig mehr, Lust, Leben, Grinsen.

Ein Gedicht schreiben. Für was auch immer. Diesem Gefühl des Moments Ausdruck verleihen, in sich spüren, wie Tore aufgehen, wie sich Worte suchen, finden, ordnen. Als wäre alles immer schon da gewesen, als gäbe es einen inneren, unbekannten Plan, als würde eine geheime Hand den Stift und das Leben führen.

Mein Highlight? Top of all? Küssen. In allen Varianten. Die Königin, das Berühren der Lippen. Ganz zart. Wenn alles sich verbindet, wenn die Gefühle zu einem werden, wenn man den Moment für immer halten möchte. Die Augen sind geschlossen, der Verstand steht lächelnd am Rand. Es ist Strom, der fließt. Kontakt, Impuls. Für wie viele Küsse hat ein Leben Platz? Für wie viele von denen, die nicht nur hingehaucht sind, sondern das ganze Programm abspielen?

Draußen regnet es im Februar. Es ist kalt und ich sitze allein in der Küche. Der Kaffee ist kalt geworden, Viveka werde ich erst am Abend sehen. Eben habe ich mit Norbert van Ackeren telefoniert, er hat heute Geburtstag. Nächste Woche treffen wir ihn und Barbara in Duisburg. Ein Kunstprojekt. Anmut. Nie war die schöne Seite des Lebens wichtiger, lange hatte Kunst nicht mehr eine solche Bedeutung. Ich liebe. Ich liebe es. Der einzige Reichtum des Menschen ist die Kunst, lieben zu können und Liebe zu spüren. Alles andere ist Martyrium.

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