Blog-Rückblick!

Wochenende, Monatsende, Weltspartag. Heute präsentiere ich euch einen Rückblick auf die letzen beziehungsweise ersten Fiftyfiftyblog-Wochen. Dazu ein paar Zahlen aus Google Analytics und Links zu den Texten und Berichten, die von euch am meisten geklickt und hoffentlich auch gelesen wurden.

Wo ist denn nun wieder das Schnellfeuergewehr?

Ich weiß nicht, ob Kinder tatsächlich mit dem Zeugs spielen. Unsere haben es kaum getan. Trotzdem ist hier ein riesiger Berg Playmobil aufgelaufen. Manchmal hab ich das Gefühl, die Dinge entstehen aus sich heraus. Sind plötzlich da. Die Jahre vergehen, die Spielzeug-Berge werden größer. Dabei gibt es doch schon hier im Land-Kindergarten den Spielzeug reduzierten Ansatz. Hin zur Beschäftigung mit sich selbst.

Der Herr Cooper!

Herr Holmes hat Herrn Watson an seiner Seite, Herr Schönlau den Herrn Cooper. Als persönlichen Assistenten auf morgendlichen Streifzügen, Abenteuertouren und kleinen Entdeckungsreisen. Dass er ein guter Assistent ist, der seinen Weg geht und konstruktiv zu diesem Blog beiträgt, das zeigen die Fotos aus fünf Jahren unseres Zusammenseins und unserer intensiven Zusammenarbeit.

Cooper ist übrigens über Retriever-in-Not zu uns gekommen. Eine Organisation, die Hunde aus schlechter Züchtung befreit und gewissenhaft nach neuen Herrchen sucht. Wir sind zweimal kontrolliert worden.

Chaos, Fußball, Küchenbrand!

Gestern hatte ich eine spezielle Aufgabe. Ich war für einen Abend Ersatztrainer unserer Fußballmannschaft. Unser Trainer war nicht da und hatte mich in der Woche zuvor gefragt, ob ich ihn vertreten könnte. Klar, kein Thema. Nun hatte ich aber diesen doofen Schnupfen. Trief. Also sah mein Plan vor, abends zum Training zu fahren, die Kabinen aufzuschließen, den Job zu deligieren und dann Haruki zu lesen. Dann aber, am Nachmittag, plötzliche Spontanheilung. Ein Wunder – er kann gehen. Die Nase lief nicht mehr und die Kraft war wieder da und ich war klar im Kopf. Soweit man als Texter jemals klar im Kopf ist, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Schnupfen, Murakami, IQ84

Während ich hier sitze, läuft meine Nase. Am Samstag haben Ela und ich den Garten winterfit gemacht, wie es im Werbezettel-Reifen-Deutsch heißt. Es kommt der Tag, da muss die Säge sägen. Also habe ich meine Motorsäge, eine Stihl MS 23 ausgepackt und habe losgelegt. Weil es bei dem schönen Wetter so viel Spaß gemacht hat, lag da nachher ein riesiger Haufen Grünschnitt. In den letzten Jahren waren wir ziemlich zugewuchert. Das geht irgendwie ziemlich schnell und ist ja auch schön. Die Vögel freuen sich, das Auge…

Projekt Elaine 6

Irgendwann traf sie Bob, einen Fotografen. Einen schönen Mann. Einen, der tragen kann, was er will. Jeden Look. Einen mit Ausstrahlung. Einen mit diesem Lächeln, dem Blick der zarten Seele und der notwendigen Verruchtheit. Einen, der im richtigen Augenblick den richtigen Satz sagt. Einen mit schwarzen Punkten auf der Seele. Genügend Mann und immer noch genügend Junge. Sie hatte in einem alten Bunker gekellnert, um sich das wenige Geld zu verdienen, dass sie hier brauchte. Das Wochenende allein reichte inklusive der Trinkgelder fast zum Leben. Die Miete war lächerlich gering. Den Rest verdiente sie mit Jobs, die sich überall auftaten. Umzüge, Modell stehen, Wände streichen. Irgendwer hatte immer irgendeinen kleinen Job. Es gab viel zu tun. Bob hatte sie im Bunker angesprochen, weil er Models suchte, um die Kollektion eines Freundes, eines Designers zu fotografieren. Frauenkleidung aus alten Uniformen geschneidert. Martialisch, figurbetont, wild. Kurze Faltenröcke aus Filz kombiniert mit Fliegerjacken und schweren Stiefeln. Er beschrieb ihr den Job, sagte, dass sie ihm aufgefallen sein, wegen ihrer Größe und dem ungewöhnlich schönen Gesicht.

Ich biet‘ euch Trotz, ihr Sterne!

Da kommt Unterstützung von einem alten Schreiberkollegen. Shakespeare, mein Freund. Romeo und Julia. Verona. Der hatte es drauf. Was für eine Sprache – und ich habe die gesammelten Werke, alle Stücke, auf dem Speicher eingemottet. Schäm dich aber auch, Herr Schönlau! Der Schönheit Glanz nur allzu dürftig gar verpackt in Umzugskartons! Neumodische Einrichtungsideen, die Klarheit durch die Abwesenheit von Bücherregalen erzeugen. Raum! Atmen! Kein Shakespeare, oh.

Heute mal entschleunigt.

Gestern Abend war es spät. Gestern Nacht. Nach einem schönen Abend mit leckerem Essen und Wein haben wir noch die Küche so weit aufgeräumt. Teller in die Spülmaschine, Schüsseln gespült. Dann ab ins Bett. Jetzt bin ich ein wenig schlaftrunken und noch müde. Gähn. Hab aber ein paar Sachen auf dem Schreibtisch. Dabei bin ich heute so was von überhaupt nicht motiviert. Ich könnte mich jetzt sehr gut in mein Bettchen kuscheln und die Decke drüber ziehen. Das Einzige, was hilft, ist Entschleunigung. Heute muss alles mal langsamer und entspannter ablaufen. Mach ich halt länger. Für das Mittagessen ist noch Lasagne und Tiramisu da und für heute Nachmittag wäre da auch noch ein Stückchen Käsekuchen. Hat alles gut gepasst, da muss nix weggeworfen werden.

Wenn Männer Damenunterwäsche kaufen…

…kann es schon einmal peinlich bis turbulent zugehen. Ich spreche aus Erfahrung. Aktueller Erfahrung. Yes, I did it. Ich habe meiner Freundin Unterwäsche gekauft und geschenkt. Zum Geburtstag. Als sie mit den Kindern in den Herbstferien auf Schiermonnigkoog war, bin ich Shoppen gewesen. In Siegen. Ich hatte mich vorab für drei Geschenke entschieden, was die Sache nicht einfacher gestaltete. Unterwäsche, Parfum und einen Ring. Ups! Größenwahn. Die dreifache Herausforderung, der ultimative „Kenne-ich-meine-Freundin-wirklich-Test“.

Projekt Elaine 5

Nach der Wende, als die Mauer in Berlin gefallen war und sich der kalte Krieg in die neuen Konflikte der Welt aufzulösen begann, kam sie aus Prag. Sie wollte die komplette Wende, die Ablösung ihrer Vergangenheit durch einen gleichsam globalen und individuellen Wandel. In Prag gehörte sie der deutschen Minderheit an. Ihr Leben lang hatte sie sich dort als Fremde gefühlt, als eine Deutsche unter Tschechen, obwohl sie beide Sprachen akzentfrei sprach. Ihr Vater sagte „Eines Tages werden wir frei sein, werden dieses Land verlassen und nach Deutschland gehen.“ Nach dem frühen Tod ihrer Mutter hatte ihr Vater sie noch intensiver deutsch erzogen, hatte sie nach der Schule, nach dem Unterricht in tschechischer Sprache, unterrichtet. Hatte mit ihr die Klassiker gelesen. Er erklärte ihr den Aufbau der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland, das föderalistische Prinzip, die Aufteilung in Bund und Land, in Bundestag und Bundesrat. Sie kannte das Grundgesetz, das Wahlrecht. Die geografischen Gegebenheiten, die Mittelgebirge und Ebenen, die Flüsse und Seen, die großen Städte und die Geschichte. Er wollte sie vorbereiten auf einen Tag, an dem sie Tschechien verlassen konnten. Dann sollte sie so weit sein, sollte wissen, was auf sie zukommt und wie das Leben dort im Westen Deutschlands funktioniert. Ihre Mutter war früh an Krebs gestorben, da war sie, Emmi, zehn Jahre alt. Ihr Vater gab dem Sozialismus die Schuld am Tod seiner Frau, er zerbrach, verweigerte sich innerlich, kappte die Verbindung zur Welt und konzentrierte sich darauf, seiner Tochter eine Bildung jenseits des sozialistischen Systems geben zu können.

Hey Papa, Teamtreffen!

Nun sind sie also wieder da – Ela, Jim, Zoe, Cooper. Das war ein großes Hallo, als sie hier rein kamen. Beide Kinder umarmten mich und der Hund versuchte, auch seinen Teil abzubekommen. Und dann endlich wieder Ela in den Armen. Vorbei die Single– und Jungesellenzeit. Nun bin ich wieder mittendrin im Gewusel und genieße es. Leben in der Bude, wie meine Mutter es immer nennt. Die ist seit Freitag 50 Jahre verheiratet – mit meinem Vater – und ich habe ihr zum großen Fest im Dezember die Einladungskarte getextet, Ela hat sie gestaltet. Familie allerorten.

Projekt Elaine 4

Am Sonntag vor dem großen Tag, dem ersten Schultag Susannes in ihrer neuen Schule, dem Tag, an dem Cat sie das erste Mal sehen würde, löste sich Cats Verkrampfung. Die Schnur zog sich von ihrem Hals, sie hatte das Gefühl, wieder frei atmen und denken zu können. Die Lethargie war eingeschlafen, hatte sich in die Höhle zurückgezogen. Beim gemeinsamen Frühstück mit ihren Eltern lächelte sie still. „Bist du wieder da?“, fragte ihre Mutter zögerlich. „Ein wenig.“ Mehr konnte und wollte sie nicht sagen. „Wieso, wo war sie denn?“ „Lass. Bitte. Lass. Es ist gut so.“ Ihr Vater verstand nichts, wollte vielleicht nichts verstehen, konnte nichts verstehen.

Heute ist der Blogger faul!

Ihr Lieben,

diese Woche habe ich genug geschrieben. Wer soll das denn alles lesen? Nun, wenn ich mich hier so umsehe, dann seid das wohl ihr, beziehungsweise du, die/ der gerade fiftyfiftyblog geklickt hat. Heute Morgen habe ich mal in die Statistiken geschaut. Und was hab ich gesehen? Projekt Elaine hat relativ wenige Klicks.Teil 3 ist kaum gelesen worden. In meinem Schreibwahnsinn war ich davon ausgegangen, dass ihr an der Story dran seid und wissen wollt, wie es weitergeht. Hatte ich so aus den Kommentaren rausgehört. Und für einige trifft das sicherlich so auch zu.

Junggesellenabschied!

Beim Frühstück bin ich ein wenig in die sentimentale Schiene gerutscht. Unsere italienische Kaffeemaschine träufelte mir gerade einen Cappuccino in eine französische Boule, als ich versuchte, das Radio zu starten. Ein wenig Hintergrundmusik. Dabei fiel mir auf, dass der CD-Player keine Lichtzeichen von sich gab. Der spinnt. Sei ihm verziehen, die Anlage habe ich 1989 während des Studiums von meinem in der Getreideernte verdienten Geld gekauft. 21 Jahre, X Umzüge, tausend Jahre abgespielte Musik im Alltag, auf Feten. Neue CDs, die einen nicht loslassen, Songs, die ich auf Random-Play durchgenudelt habe, bis sie tatsächlich durch waren.

Projekt Elaine 3

Die Lehrerin hatte es vor den Sommerferien angedeutet. Es kommt eine neue Schülerin, ein Mädchen aus der Stadt, aus Berlin. In der Klasse wurde getuschelt, es gab Gerüchte. Berlin, Drogen, Sumpf, Moloch. Cat hörte die Kommentare in den Pausen, das Flüstern. Merkwürdigerweise war ihr diese neue Schülerin nicht gleichgültig. Von Anfang an nicht, als die Lehrerin, Frau Saalbach, von ihr erzählte. Sie hatte gesagt „Die neue Schülerin heißt Susanne Schuhmacher. Ihre Mutter zieht aus beruflichen Gründen hierher und wir werden Susanne aufnehmen, als hätte sie schon immer in diese Klasse gehört. Ich erwarte Kollegialität, Unterstützung und Freundlichkeit. Ihr wisst, was ich meine. Von Anfang an, keine Spielereien, keine testenden Provokationen. Ihr seid in einem Alter, in dem das möglich sein muss“. Ihre Mutter. Sie hatte gesagt, dass die Mutter aus beruflichen Gründen herzieht. Und der Vater? Hatte Susanne einen Vater? Noch nie waren Cat wegen einer Mitschülerin, sogar wegen einer, die noch gar nicht da war, so viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Sie lächelte und ihre Lehrerin fragte gleich „Catherine, ist etwas mit dir?“ Die Klasse horchte auf. Sie war angesprochen worden. Würde sie reden? Den Gefallen wollte sie niemandem tun, sie wollte ihr Schweigen nicht brechen, ihre Isolation nicht aufgeben, ihren Panzer, den Schutzraum, das Innere des Igels nicht verlassen.