Und dann ist doch alles die entscheidende Liebe

Die Liebe, nur die Liebe, die Liebe.

Es ist ein Unterfangen, dem Leben zu begegnen. Es ist schön. So schön. Zu schön. Es sind Thesen, die das Leben aufstellt.

Das letzte Jahr. Nun. Schwierig. Man weiß nicht, was kommt. Meine Mutter hat überlebt, im Job sage ich nun mit vorsichtigen Blicken Nein. Und ich komme an. Einen alten Baum verpflanzen. Es dauert. Zu oft umgezogen, vielleicht. Oder auch genau richtig. Timing. Denn nun, nach allem Missen, ein zaghaftes Ankommen. Im neuen Leben. Zurechtrücken die Figuren des eigenen Schicksals, die Spielfiguren.

Wir lachen. Viel, laut. Sie ist wunderbar. Frech, ungewöhnlich, jenseits, impulsiv, aufregend, keine Sekunde nie langweilig. Nach all den Jahren. Mittlerweile. Durch dick und dünn. Vom Himmel durchs Feuer. Von der Autobahn-Auf Wiedersehen-Wochenendbeziehung in einen ungewissen Alltag. Wer bist du, wer kommt, was willst du, was will ich, wie soll das alles. He?

Rhythmus. Arbeiten gehen. Hier sein. Zurückkommen. Sich treffen am Abend. Dort ist jemand. Unter der Woche. An einem Mittwochabend. Das verändert die Situation.

Musik läuft. Blumen stehen in den Vasen. Der Garten verändert sich. Das Bett hat eine neue Bettwäsche. Einzug gehalten. Eine Frau an Bord. Meine Geliebte, meine Frau. Sie sagt es, ich sage es.

Wir spielen Backgammon. Sie gewinnt.

Wir kochen, kaufen ein, buchen Urlaube. Gardasee, Verona, Venedig, Lissabon, Schiermonnikoog über Silvester. Mit neuen Freunden. So ist das. Ins Grüne hinein gebucht für 8. 5 Plätze sind weg. Wen nun noch einladen, dabei haben. Es sind die Schritte in einem neuen Leben, die früher so einfach waren. Leichtfüßig.

Wir etablieren uns.

Alles spannend wie lange nicht. Neustart. Der Frühling kommt, wir haben die Rosen gepflanzt, die Tulpen gesetzt, die Johannisbeeren. Der Schnittlauch kommt schon, und etwas Grünes an der Ecke des Kräuterbeetes. Kann das schon Bärlauch sein? Im März?

Sie inspiriert mich. Sie ist ein schönes Wesen. Wir reden nun seit fast 7 Jahren ohne Unterlass. Es hört nicht auf. Wir sitzen an Seen und Flüssen, laufen durch Wälder und Städte, fliegen durch Zeiten und Welten. Und reden, reden. Und küssen, und schauen einander an. Und begleiten einander und schauen und und suchen zu begreifen, wer wir sind. Schicht um Schicht. Als ich sie in Italien lieben lernte, sagte ich ihr: „Du bist besonders.“ Anders. „Besonders.“

Es gab dieses Kinderbuch, in dem es hieß, solche könne man nicht von den Bäumen pflücken. Man kann sie nicht von einem Baum pflücken, weil sie nicht von dieser Welt kommt. Weiß nicht, woher.

Wir saßen am Meer und ich fiel in eine komatöse Liebe. Keine Wahrnehmung mehr im Außen. Keine Ratio. Alles auf Null. Der Herr Checker und Kontrolleti im freien Fall. Ruhig, reflektierend ohne Widerhall, ohne Fragen oder Ergebnis. Einfach nur sehend. Glücklich. Und die höchste Stufe meines geistigen Seins: Beflügelt. Leicht, die Gewichte abgeworfen. Liebend, liebend, liebend. Ohne irgendetwas anderes. Keine Arabseken, kein Firlefanz.

Nun kann ich es manchmal nicht glauben, hier zu sein. Und manchmal beschleicht mich das Gefühl, ich müsste zahlen. Für Freude, Glück, Liebe, Lachen. Darf man so viel abheben? Wie voll muss dieses Konto sein?

Venedig im April. Ein Hotel auf der Insel. Andrea di Palladio. Eine Rückkehr. San Giorgio Maggiore mit Gunna. Sein 33zigster Geburtstag. Die Flasche Wein, die ich für ihn geklaut habe. Aus dem Restaurant vom Tisch und gelaufen, gelaufen. Unser Professor wusste nicht, weshalb. Zunächst. Gegenüber vom Markusplatz ging dann am Abend die Flasche rum. Herzlichen Glückwunsch. Das Leben. Den Canale Grande entlang zurück. Die Brenta rauf.

Das Leben in Schönheit leben, es hüllen und umsorgen.

Ich bin auf eine schöne feine Art glücklich.

Nun.

Another day in paradise

Im Leben muss man ständig etwas wagen. Sonst geht man unter, ertrinkt in Starre und Langeweile. Nun bin ich nicht der Mutigste unter der Sonne und manchmal, das gebe ich zu, macht mir das Leben ein wenig Angst. So ein wahrer Held wird aus mir wohl nie werden, auch wenn meine Kräfte und Energien manchmal wundersame Dinge geschehen lassen, die ich mir nicht erklären kann. Weshalb ich?

Diesen Sommer habe ich für uns einen Urlaubsort gesucht. Letztes Jahr Frankreich, Menton. Zwischen Monaco und der italienischen Grenze. Der Campingplatz hat zugemacht. Au Revoir. Also. Nun geschah es zu jener Zeit, dass mein väterlicher Freund Raimund mit seiner netten Freundin zu meiner Lesung nach Duisburg kam. Wir haben uns unterhalten. Wir sprachen auch über Urlaub und Italien und er erzählte von diesem Campingplatz direkt am Meer. In meinem Gehirn tiggerte es. Krawumm, wusch. Äh. Raimund, wo? Er nannte den Ort und gab mir Infos, die ich so halb absicherte, um später bei Google aus der Erinnerung den Weg dorthin zu finden.

Yep. Ich fand ihn. Und stellte eine Anfrage. Und erhielt eine Antwort. Die Reservierung wurde bestätigt. Umgehend. Nun hatte ich der Anfrage eine Zeile hinzugefügt, die mir wichtig war: Blick aufs Meer. Bingo. Asta la vista Baby.

Nun hätte ich nicht mit diesem Blick gerechnet. Viveka, Zoe und ich fuhren die Nacht durch. Zoe ist jetzt 18 und hat einen Führerschein, der sie überall hin trägt. Mittlerweile sind meine Kinder volljährig. Meine Mutter sagt immer, dass sie es sich nicht vorstellen könne, dass ihr ältester Sohn nun Mitte Fünfzig sei. Ja. So ist es. Man kann es sich nicht vorstellen. Wie so manches anderes auch nicht. Zum Beispiel, dass ich nun stolzer Träger einer Lesebrille bin. Puh. Ich bin gespannt, was an dieser alten Karre als Nächstes ausfällt. O.K. An dieser Stelle stelle ich mich der Realität und zeige mich euch mit Brille. Wusch. Alter Sack.

Es fällt mit schwer, den Zerfall zu akzeptieren. Egal. Man gewöhnt sich an alles und ich will hier auch nicht rumheulen. Gibt Schlimmeres.

Wir kamen auf jeden Fall an. Zu dem verwunschenen Ort führte nur ein alter Eisenbahntunnel. Man musste warten. Lange warten. Alle 20 Minuten geht die Ampel auf Grün und der Tross setzt sich in atemberaubender Geschwindigkeit in Bewegung. Sagen wir mal, das erste Fahrzeug würde sich in dem etwa 3 Meter breiten Tunnel aus irgendwelchen Gründen quer stellen, dann würde die gesamte Meute munter reinrauschen und man könnte sagen: Ende Gelände.

Nun sind Italiener muntere Menschen mit Esprit und Dampf im Kessel. Die Ausfahrt zum Campingplatz war dann auch sehr sportlich. Es wurde kurz hell zwischen zwei Tunneln, ich las das Schild und versuchte mit angemessener Geschwindigkeit den Tross zu verlassen. Blinker, Spiegel, Gas halten, ein wenig wegnehmen, raus, scharf bremsen wegen der Kurve. Durchatmen. Angekommen. Der Tunnel hat uns ins Licht geführt. Nun, das ganze Leben ist immer ein wenig wie Sterben und doch wiedergeboren werden, weil die Zeit einfach noch nicht reif ist.

Und dann. Ja, der Rest ist Geschichte. Weil ich etwas von Meerblick geschrieben hatte, bekamen wir diesen Platz. Oben. Ganz vorne. Mit Blick auf die Bucht. „Wie habt ihr den bekommen? Wir dachten, ihr seid Italiener?“ Nun. Weiß nicht. Grazie. Das Leben. Die Gefälligkeitsbank. Manchmal zahlt das Schicksal aus. Man muss was tun. Hier etwas geben, dort. Fair sein. Lächeln schenken. Pfadfinder im Herzen sein. Sehen, dass die ältere Dame eine Hand braucht, sie nehmen, halten und ihr das Gefühl geben, sie sei Greta Garbo. Mindestens. Warum nicht? Ist das nicht unsere Sehnsucht? Ein wenig Aufmerksamkeit, ein freundliches Wort, wahrgenommen werden?

Egal. Es kann auch ganz anders gewesen sein. Ein Buchungsfehler, ein Zufall, eine Ironie, ein verwehter Zettel, eine Laune, eine Arabeske des Lebens. Auf jeden Fall haben wir die Zelte aufgebaut, den Gaskocher mit einem Spanngurt auf die Obstkisten drapiert. Meine Küche mit Meerblick. Wie gerne habe ich gekocht. Wie sehr hat mich der Blick gefesselt. Morgens, mittags, nachmittags, abends. Zwei Hängematten. Und Viveka sagte permanent: Wie auf Jamaika. Sie hat dort fast zwei Jahre in den Hills gelebt. Ziegen gehütet. Sie muss es wissen. Mir kam es auch so vor. Irgendwann: Wie auf Jamaika.

Nun. 3 Wochen. Es war schwer, zurückzukehren. Aus der Hängematte an den Schreibtisch. Von Jamaika nach Deutschland. Von der Nachrichtenlosigkeit in die News. Ich will das alles gar nicht mehr wissen. Wie er wann wo aus welcher Sinnlosigkeit heraus.

Es war ein bedeutender Urlaub. Ich war unendlich verliebt. Viveka fehlt mir sehr. Seit fünf Jahren nun. Wochenenden. Wenn man aus dem Paradies kommt, ist die Realität ein wenig wie geteert und gefedert werden. Meine Deutschlehrerin schrieb einmal unter einen Aufsatz: „Jens, hüten Sie sich vor Übertreibungen.“

Den Gefallen konnte ich ihr nie tun. Es würde mich langweilen, die Dinge nicht zu überzeichnen. Es ist dramatischer und dramatischer ist spannender und spannender ist unterhaltsamer und unterhaltsamer ist lustiger. Gestern Abend, kurz vor dem Abschied, haben Viveka und ich im Bett anlässlich des Todes von Jerry Lewis auf YouTube einige Clips geschaut. Jerry Lewis im Boxring. Das war übertrieben. Und so lustig. Wir haben ziemlich gelacht. So ist das mit dem Leben, du lachst, du weinst, du gehst zur Arbeit, du verabschiedest dich, das Schicksal beschenkt dich, das Schicksal zeigt sich als Arschloch. Nun. Leben eben. Kriegen, was du kriegen kannst. Den schönen Blick, das feine Gefühl, das Tiefe.

L’été le pied dans l’eau

Es war im letzten Jahr in Frankreich in Menton. Pella, Viveka, Max. Und ich. Gerade hatten wir den Umzug ins neue Haus gestemmt, der mich eine Woche meines geliebten Sommerurlaubs gekostet hatte, da waren wir spät am Abend von Köln aus gestartet. Direkt nach einem Damien Rice-Konzert losgefahren, Max am Steuer, ich als Beifahrer, die Damen hinten. Klassisch.

Ich hatte eine Vorstellung vom Kommenden. Manchmal bin ich tatsächlich ein Träumer. Dann ist es so, dass mein Innerstes alle Ratio sausen lässt und die Sehnsucht nach dem Verwirklichen des Unmöglichen in mir eine Ignoranz erzeugt. Aus dem Vertrauen heraus, dass es immer einen Plan B gibt und Improvisation die Kunst der Mutigen ist.

Es begann Tage zuvor, als ich mir vorstellte, wir würden, wie früher auf dem Weg in die Bretagne, die Autobahnen meiden und die Route Nationale zu unserem Weg machen. Ich wollte Frankreich atmen, ich wollte morgens in einer Bar in einem Dorf Café trinken und Croissants essen. So saßen wir im Auto, Max startete den Motor und ich das Navi. Menton, Frankreich, s’il vous plaît. Bitte, äh, wenn es recht ist, keine Autobahn. Landstraße, sie wissen, den schönen Weg. Die Dörfer, die Häuser, die bellenden Hunde, dieses alte Frankreich, romantisch, verklärt, R4, Gauloises. Wenn sie uns den Gefallen tun würden, Madame?

Mais qui, pas de probleme. Und ja, es wird schön, sie haben viel Zeit, zu schauen. 18 Stunden. Hm. Moment. Madame. Bitte. Also, sie müssen sich irren. Ich meine. Max fahr schon einmal. 18 Stunden, das ist lang. Haben Sie sich, ich möchte sie nicht in Frage stellen oder kritisieren, vielleicht verrechnet? Pardon?

Moi?

Ui. Ich dachte, O.K. Das wird sich gleich einspielen unterwegs. Das Navi braucht ein wenig, sich an meine Reisepläne zu gewöhnen. 18 Stunden, lachhaft. Letztlich war der Fehler im System ein kleiner Denkfehler. Diese Alpen. Und all die Kurven. Max ist gefahren wie ein junger Gott. Wir haben Luxemburg bei Nacht durchquert. Haben Sie einmal Luxemburg bei Nacht durchquert? Haben Sie einmal gespürt, wie es ist, ein Land in kurzer Zeit zu durchfahren? Erst das Land zu begrüßen, sich verbunden fühlen, ein wenig ein Luxemburger zu sein und dann auch schon wieder: Vorbei. Abschied. Mein liebes Luxemburg, nie werde ich dich vergessen. Unsere kurze Zeit in jener Nacht.

Allerdings kam bald die Stunde der Wahrheit. Navis lügen nicht. Max fuhr Kurve um Kurve und irgendwie wollte der Abstand nicht kleiner werden. Es war Zeit für ein Bekenntnis. Liebe Mitreisende, es schmerzt mich mitteilen zu müssen, dass der Café in einer kleinen Bar samt der gereichten Croissants in der geschilderten romantischen Weise leider wird ausfallen müssen. Der Plan B. Der Hinreise-Joker. Junge, folge bitte den Schildern zur Autobahn, wir müssen Gummi geben und die Pferde antreiben. Yee-haw. Yippie ey yeah, Schweinebacke.

Von da an ging es voran und wir erreichten Menton und stürzten uns gemeinsam in die Fluten. Und wir suchten einen Intermarché und kauften ein und kauften diese Tasche dort oben, die nach unserer Rückkehr die unrenovierten Wände unserer Küche verzieren sollte. Im Sommer die Füße im Wasser. Nun ist sie ein Zeichen der Sehnsucht nach der Fremde, die eine Heimat in meinem Herzen ist.

Es ist wieder so weit. Übermorgen geht es los. Dieses Mal ohne Max. Er arbeitet. In der Agentur. Die letzten Tage sind wir zusammen gefahren. Er der Fahrer, ich der Herr Generaldirektor auf dem Weg ins Büro. Die Landschaften gleiten lassen, der lange Blick auf den See.

Italien, Ligurien, nicht Levanto. Ein Campingplatz direkt am Meer, mit einer Treppe herab zum Strand. So weit sind die Dinge gerichtet. Morgen noch arbeiten, am Freitag packen und Pellas 18. Geburtstag feiern mit der Familie. Und dann gleich abends los. Autobahn. Schweiz. Die Vignette klebt schon. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es mir bedeutet. Unter freiem Himmel dem Meer so nah. Vielleicht gibt es einen Platz für die Hängematte, das wäre schön. Mein Surfbrett ist dabei, vielleicht gibt es Wind. Das Wasser ist warm, kein Neopren, raus aufs Meer, weit raus, dorthin, wo die Einsamkeit beginnt. Auch das wäre schön. Wenn nicht, dann nicht.

Ich wünsche euch gute Zeiten. Bleibt standhaft und froh. Küsst, liebt, schwelgt, nehmt das Leben bei den Hörnern. Ciao.

Am Ende ankommen

Anleger

Je höher man fliegt, desto länger dauert die Landung. Runter kommen sie alle. Auf die ein oder andere Art und Weise.

Eine Kur. Sieben Tage Meer atmen, Frieden finden.

Wie oft muss man die Insel umrunden? Wie viele Kilometer muss man am Strand laufen? Wie viel Meerluft muss man atmen?

Ich habe den Vögeln die Luft weggeatmet, den Pflanzen das Licht genommen, dem Meer den Wind. Ein wenig egoistisch habe ich sieben Tage genommen, was ich nehmen konnte. Aufladen, reinigen, ordnen. Katharsis hat einmal ein Freund gesagt, der sich von allem verabschiedet hatte, um nach dem Studium als Klempner zu arbeiten.

Wo will man hin? Der Himmel ist keine Grenze?

Die letzte Fahrt mit dem Rad heute. Um die Insel. Das Meer ruhig, dichte Wolkendecke, die Möwen auf dem Wasser, die Fähre in ruhiger Fahrt. Mit der Ruhe mitschwingen. Angekommen sein. Man muss auf sich aufpassen.

Gerade komme ich aus dem Whirlpool. Eine Stunde mit Blubber, netten Gesprächen und feinen 36 Grad. Mein Papa hat immer gesagt: Was soll das schlechte Leben nutzen? Ja. Was? Und was ist das gute Leben?

Eigentlich wissen wir es doch. Ohne alle Philosophie, Ratgeber, Coaches. Das Beste von uns nehmen und als Schatz in den Händen halten, es wahren, respektieren, schützen, lieben. Es ist einfach. Am Ende. Ankommen, wo man lange schon ist.

Den Himmel küssen, die Erde halten, das Meer zum Freund nehmen.

Vögel

Deich

Fähre

Konkret vs. gefühlt

Adler

Urlaub.

Ein Zustand. Eine Zahl in Tagen. Lande mal.

Seit Tagen laufe und radle ich um die Insel. Suche meine Lieblingsorte auf. Schaue aufs Meer. Fotografiere. Denke nach.

Es ist ein Luxus, den Kopf für sich zu haben. Sich Gedanken zu erlauben, die in nichts einzahlen. Es ist Freiheit. Diese wahre.

Nichts ist wesentlicher als die Freiheit des eigenen Denkens. Wenn das aufhört, wenn sich Schranken ins Denken schieben, wenn sich die Möglichkeit auflöst, die eigenen Gedanken zu denken, wird das Individuum zur Statue. In den letzten Tagen hat mich das Meer eingeladen, meinen Gedanken zu folgen. Es zwingt, quasi.

Bevor ich auf die Insel gefahren bin, hatte ich einen kurzen Austausch mit Bruno Schulz. Ein Werber wie ich, ein Autor wie ich. Er schreibt Geschichten. Vona ist ein Thema. Vona ist eine Isländerin. Schöne Texte. Googlet.

Auf Facebook hatte er einen Schiermonnikoog-Text geteilt. Ehrbezeugungen unter Autoren. In einer Nachricht hatte er kurz notiert: Du schreibst gegenständlicher.

Ja. Gegenständlichkeit. Das Konkrete versus dem Ungenauen, dem Gefühlten, der Abstraktion. Und schon sind wir mittendrin in den Zeiten, in denen wir leben. Wie viel Abstraktion ist möglich? Möglich in Form von akzeptiert. Möglich in Form von verständlich, verstanden.

Ich habe durch meine Kamera gesehen. Herr Cooper ist konkret, real. Manchmal aber ist der Blick durchs Objektiv ein Blick in eine Metapher. Wie viel Metapher verträgt eine materielle Welt?

Mein Blick lässt sich ins Konkrete ziehen. Werber, Handwerker, ins Alltägliche eingewoben. Es ist eine Sehnsucht. Es fängt dort an, wo sich das Konkrete auflöst. Hollywood ist konkret. Die amerikanischen Erzähler sind konkret. Jonathan Frantzen ist konkret. Alles hat Hand und Fuß. Konzepte sind konkret. Strategien sind konkret. Das Konkrete ist konkret.

Das Konkrete ist eng, die Grenze des Freien. Durch das Objektiv sehen und die Dinge dahinter sehen. Frei sein. Bilder, Worte leben. Unbekümmert.

Über die Insel laufen. Hinschauen. Lächeln. Eine Muschel. Eine Muschel ist keine Muschel. Nicht zwingend. Ein Horizont ist kein Horizont.

Cooper_my friend 2

Cooper_my friend

Fischerboot

Fischerboot2

Fischerboot3

Gras 3

Holzstück

Moon

Muschel2

Schnur

Strandbuggy