Von der Entdeckung einer Schatzkiste

Schatzkisten sind nun wirklich etwas Schönes. All das Gold, die Juwelen, Diamanten, Diademe und die wunderbaren großen Taler. Hineingreifen und dieses frische Gefühl von Reichtum spüren. Kühler Glanz, Erhabenheit, Herrschaft. Ich fantasiere. Was Johnny Depp mit der wunderschönen Penelope Cruz demnächst auf der Leinwand auslebt, durfte ich bereits am Wochenende erfahren. Ich habe eine Entdeckung gemacht!

True Grit, The King’s Speech, Pina.

In diesem Jahr hat es Hollywood geschafft, mich ins Oscar-Fieber zu ziehen. Hallo Herr Schönlau, schön, dass sie sich auf den Walk of Fame gemacht haben, und ein paar Sterne vergeben wollen, die Menschen an den Himmel schießen. Gute Überleitung, Sterne, Western, US-Marshall Jeff Bridges und Texas-Ranger Matt Damon. Beide tragen einen, wie einst John Wayne, in dessen Fußstapfen sie mehr oder weniger treten. True Grit. Gestern Abend in Siegen. Skurriles Publikum, die Popcorntüten werden immer größer, für die Becher mit der schwarzen Geheimniskrämer-Limonade dürften 10.000 Xe vor dem L nicht mehr ausreichen. Wieso erinnert mich das – ich werde jetzt mal im Stile der Coen-Brüder böse und sarkastisch – an die Fütterung von diesen netten intelligenten Tieren, die im Kino manchmal Babe genannt werden? Neben mir zogen sich zwei Jungs auf ihrer Kuschelbank die Mega-Portion Tortilla-Chips mit Doppeldip rein. Das knackste und roch streng nach chemischen Gewürzen und Dip. Die Jungs waren zudem über ihre Kuschelbank überrascht – „Hey, wie assi is das denn? Deshalb hat die Alte so gegrinst.“ True Grit. Western, harte Burschen.

Schneefrei im fiftyfiftyblog.


Gestern hörte ich im Radio, dass heute Nacht Schnee aus Russland herüberwehen würde. Klar, dachte ich. Schnee. Die Frau vom Wetterdienst klang zwar ziemlich überzeugt und sagte „Im Siegerland schneit es in der späten Nacht.“ Da ich draußen die Wildgänse zurückkommen sah, konnte ich die Schneenummer nicht glauben. Wollte es nicht glauben. Und dann: Alles weiß am Morgen. Zappa! Das Telefon klingelte, die Schulbusse würden eine Stunde später fahren. Morgentiming, minutiöser Zeitplan hinfällig. Eine Stunde später kam der Bus dann nicht. Wir warteten, wir warteten, meine Bloggingzeit schwand. Wir fuhren nach Hause, Cooper verlangte nach seiner Runde und jetzt wartet Arbeit. So kann’s gehen. Kein Blogbeitrag, nur ein düsteres Zweigefoto und mal wieder ein Sonnenaufgang – dieses Mal im Maikäfertal, gestern. Schönen Schneetag euch:)

Projekt Elaine 14

Am nächsten Morgen brannte der Scheinwerfer noch. Im Zimmer roch es nach Ölfarbe. Es war dunkel, früh am Morgen, kein Vogel krähte oder zwitscherte. Cat fragte sich oft, wo und wie Vögel im Winter wohl schlafen. Mit der Kälte, dem Frost umgehen. Nur mit so ein paar Federn bekleidet. Manchmal taten sie ihr leid, vor allem die kleinen. In der Nacht hatte sie unruhig geschlafen, wirr geträumt, gleichzeitig schön und schrecklich. Ihre Seele, ihr Geist hatte sich ausgetobt und für Cat ungewöhnliche Szenen und Bilder in den Raum geworfen. Sie war verunsichert, überrascht. Ein Blick auf ihr Wandbild genügte als Erklärung. Wenn sich etwas löst, reißt es vieles mit sich. Manchmal staut sich etwas und bricht sich zum richtigen oder falschen Zeitpunkt seine Bahn. Unvorhergesehen. Cat stand auf, schaltete den Scheinwerfer aus und berührte mit der Spitze ihres Zeigefingers das Werk, um zu sehen, zu spüren, ob es real ist, ob die Farbe getrocknet ist und nicht abblättert, einfach abfällt von der Wand, vom Grund des Bildes. Sie zog sich an, schnappte sich ihre Tasche, schlich in die Küche, goss sich einen Kaffee auf, trank ihn langsam und dachte an Sue. Dieses Gefühl, diese Sehnsucht war wieder da. Sie wollte zu ihr, wollte, dass sie wieder da ist, wollte sich entschuldigen und eine Entschuldigung hören. Sie würde sich bewegen müssen, in jedem Fall. Sie konnte nicht klar denken, konnte sich nicht konzentrieren. Sie hatte Angst, einen Fehler gemacht zu haben und mit einem Satz eine Freundin, die Freundin verloren zu haben. Ihr fehlte die Erfahrung im Umgang mit Streitsituationen. Sie hatte Neuland betreten. Ihrer Mutter wollte sie sich nicht anvertrauen, weshalb, wusste sie selbst nicht genau.

So schön intensiv kann Schule sein.

Werte Leserinnen, werte Leser. Ich habe es mehrfach angedeutet, aber mich bislang nicht wirklich getraut, darüber zu schreiben. Fast ist es ein Outing, wüssten die meisten Menschen, die hier regelmäßig vorbeischneien, es nicht eh schon: Meine Kinder besuchen eine Waldorfschule. Ich schreibe das in diesem vorsichtigen Stile, weil diese Beichte in der Erfahrungswelt meiner Vergangenheit oft zu Beschimpfungen führte. Das ist ein merkwürdiges Phänomen, das ich mir mittlerweile so erkläre: Es wird als Vorwurf verstanden. Als Abgrenzung zu den normal üblichen Schulen. Es entsteht eine Verteidigungshaltung, weil, so glaube ich, das Gefühl aufkommt, die eigene Wahl einer staatlichen Schule würde durch die Wahl einer Freien Waldorfschule kritisiert. Hinterfragt.

Frieden 11

Mutters Picasso im Schlafzimmer neben dem Spiegel
Mädchen mit Taube, weiß
auf Spanplatte
Musterplatte meines Vaters
Rand gestrichen, weiß
– so sanft

Neben dem Foto
des Vaters meines Vaters
noch lächelnd
nach der Entnazifizierung
gestorben am Darmkrebs

Mein Sohn heute
in Köln
Ausflug der Klasse
ins Gestapogefängnis
Gedenkstätte
Entnazifizierung des Volkes Teil X
Lege meine Hand über deine Seele
sende dir Blumenduft und Rosenhauch
und eine starke Hand

Bilderstreit
Messehallen Köln
Ästhetik des Widerstands
danke Peter, Peter
Schmidt und Weiss
Guernica
Les Bombardements never ends

Projekt Elaine 13

Wie sollte sie reagieren? Cat fühlte sich verraten, vor den Kopf gestoßen. In Momenten der Krise öffnet die Seele die Schotten, lässt alles passieren, die Vorurteile, gefärbten Erinnerungen, unschönen Konstruktionen. Die zu Anklagen formulierten Hypothesen, die sich wie junge Staatsanwälte auf ihre Gegenüber werfen, um ihnen die Klauen des Rechts, der Moral in die ungeschützten Flanken zu rammen. Die Farben ändern sich, aus Annahmen werden Gewissheiten. Cat legte sich ins Bett, sagte ihrer Mutter, sie sei krank, habe Fieber, eine Erkältung, Kopfschmerzen, ihre Tage und überhaupt. Ihre Mutter ließ sie. Brachte frischen Orangensaft, mundgerecht geschnittenes Obst, kümmerte sich, genoss es. Drei sorgfältig auf einen kleinen Teller dekorierte Zwiebacke dokumentierten den Status anerkannte Krankheit.

Projekt Elaine 12

In der Schule wurde es für Susanne und Cat schwieriger. Während Cat früher, vor Susannes Auftauchen, einfach mehr oder weniger unbehelligt in ihrer Bank saß und ihr Außenseitertum stoisch pflegte, wurde die Bank der beiden nun zu einer Provokation. Cat schwieg weiterhin, hielt ihren Status, Susanne positionierte sich als kritische Stimme. Sie ging keinen Millimeter auf irgendwen zu. Im Gegenteil. Sie ging allen aus dem Weg, hielt sich an Cat. Wirkte fast arrogant. Im Unterricht war sie nicht bereit, irgendetwas hinzunehmen und ging keiner Diskussion aus dem Weg. Ihr Mantra war das Hinterfragen von Aussagen. Wo sie ein Klischee witterte, eine allgemein, akzeptierte Meinung, ein dahin gesagtes Argument, intervenierte sie. Vor allem bei Beiträgen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. „Woher weißt du das? Das ist doch jetzt einfach nur so gesagt, weil alle das so sagen. Hast du vorher mal nachgedacht?“

Projekt Elaine 11

Bald wurden Susanne und Cat von ihren Mitschülern spöttisch die Twins genannt. Cat hatte Susanne vom ersten Tag an für sich vereinnahmt und Susanne hatte sich gerne vereinnahmen lassen, um nicht das Gefühl zu haben, an diesem ungeliebten Ort anzukommen. Cat war für sie ein nicht definierter, freier Raum. Irgendetwas zwischen ihrem bisherigen Leben in Berlin und der neuen Wirklichkeit in dieser Kleinstadt mit Fluss. Ein Luftschutzbunker, in dem sie die Zeit überdauern konnte, eine Rettungsinsel. Mit Cat fühlte sie sich wohl, umgekehrt war es genauso. Für Cat war es ein komplett neues Leben, das sich in allem anders anfühlte – vom Aufwachen am Morgen bis zum Einschlafen. Sie hatte tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben eine Freundin. Einen echten Menschen an ihrer Seite, eine Gleichaltrige. Eine, die sie nahm, wie sie war. Vorsichtig näherten sie sich.

Ein Jahr fiftyfiftyblog. Und nun?

Am 18. Februar ging der fiftyfiftyblog On Air. Der erste Artikel damals im Brigitte Woman Blog hieß My first Blog. Es folgten eine ganze Reihe weiterer, wie die mittlerweile treue Stammleserschaft weiß, die auf die insgesamt 268 Beiträge mit 2.681 Kommentaren reagiert hat (davon etwas weniger als die Hälfte Antworten von mir).

Who you are, Mr. oder Mrs. America?

Manchmal schaue ich mir in Google Analytics die fiftyfiftyblog Weltkarte an. Überall, wo Menschen sich in den Blog geklickt haben, ist das Territorium grün gefärbt. Das ist mir sympathisch. Natürlich gibt es auch eine Rangliste der bislang insgesamt 45 Länder. Ganz vorne stehen Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wären wir jetzt bei der Olympiade, gäbe es die entsprechenden Medaillen von mir. Aber Blogbesuchen ist ja keine Disziplin, sondern soll eher ein Vergnügen sein. Oder?

The Versatile Blogger Award

Jutta Wilke hat heute Morgen dem fiftyfiftyblog den Award „The Versatile Blogger“ verliehen. Die Autorin des Romans „Holundermond“ bedankt sich damit für „die vielen unterhaltsamen Leseminuten bzw. -stunden“, die sie mit dem fiftyfiftyblog schon verbracht hat. Für dieses Lob einer erfahrenen Autorin sowie für den Award bedanke ich mich hier allerherzlichst. Danke, danke. Jutta und ich haben eine Zeit lang parallel bei Brigitte Woman gebloggt – dort haben wir uns quasi als Parallelschreiber virtuell kennengelernt.

The brillant Katona Twins.

Heute geht es weiter in der Reihe der verrückten Männer. Dieses Mal sind sie weder in ihren tollkühnen Kisten noch an den Griffen des Einkaufswagens Deutschland II im IKEA Siegen unterwegs. Diese Männer wandeln in andere Sphären. Die Rede ist von den brillanten Katona Twins. Zwillingen, wie der Name schon sagt. Ungarn. Gitarristen. Sie leben in Liverpool und arbeiten weltweit. Peter and Zoltán Katona. Vom Daily Telegraph als “the classical world’s best known guitar duo” bezeichnet.

Der IKEAmann

Hier könnte ich nun gut von einem Teil 2 sprechen. Nach Tanz im Hochregallager vom 20. September nun also wieder eine IKEA-Story. Mir war gar nicht bewusst, welche Rolle dieses schwedische Möbelhaus in unserer Familie spielt. An diesem Wochenende der sozialen Studien, die mich schon am Freitag beschäftigt hatten (siehe Text gestern), war das Småland für Erwachsene in Siegen am Samstag mein Übungsfeld. Zoe und ich hatten uns aufgemacht, einen Vorhang samt Vorhangstange zu kaufen. Irgendwie gelangten dann noch andere diverse Kleinigkeiten in unseren Wagen – eine Deckenleuchte für das Ofenzimmer (wegen der hässlichen Kabel unter der Decke), zwei hübsche Vasen und vier kleine Rosenbüsche in vier verschiedenen Farben, die es mit Familiy-Card für 99 Cent das Stück gab. Alter Schnäppchenjäger. Aber ich wollte schon lange den großen Rosenbusch vorm Haus um weitere Farben bereichern. Frühling, du kannst kommen…