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Paris!

Nun. Die Welt fliegt umher wie ein Hühnerhaufen. ALARM! Durchsuchen, kontrollieren, jagen, reagieren. Das Primat der schnellen Reaktion. Stärke zeigen, handeln, antworten. Vergeltung.

Ich habe die Nachrichten ignoriert. Fast. Der Sog war groß. Hinschauen. Wie viele Tote? Wie? Wo?

Nicht weit von dort, wo Viveka und ich für Silvester eine Wohnung gemietet haben. In Paris. Wir werden fahren.

Sorgenfrei gegenüber von Herr von Eden

Prince

Wo anfangen? Wo aufhören? Vielleicht bei der Musik, dem Ort? Mein Bett. Auf den Ohren per Kopfhörer AWESOME MIX VOL. 1, der Soundtrack zu Guardians of the Galaxy“. Seventies Pop. Geile Scheibe.

Ich war in Köln, bin seit einer halben Stunde zurück. 00:30. Ein Textjob. Eine Internetseite. Ein Kunde einer befreundeten Agentur hatte uns zu einem Arbeitsessen ins Sorgenfrei eingeladen. Wie oft so etwas passiert? Wie viele Finger hat meine rechte Hand? Also da sind dann noch einige frei. Ein wirklich sehr netter Kunde. Eine wirklich sehr nette Agentur.

Komm unter meinen Rettungsschirm, Baby:)

Ruhr_Schirm_2014
Ein kleiner Sonntagsspaziergang sollte es werden. Die Ruhr hinunter, ein wenig promenieren. Sehen und gesehen werden. „Guten Tag, Herr Komerzialrat. Gnädige Frau.“ Bewegung. Dieses Wochenende bei Viveka gab es Leckereien. Aus den oberbergischen Wäldern. Pfifferlinge, Steinpilze. Die schießen derzeit aus dem Boden, dass es eine wahre Wonne ist. Pilze, Pilze, Pilze. Heute Gnocchi mit Pfifferlingen. Olivenöl, Schalotten, ein wenig Knoblauch, Tomate mit den Zwiebeln und Knoblauch zergehen lassen, sanft, bitte, nicht zu hoch die Flamme, den Geschmack schonen, entwickeln. Feinfühlig. Die Pfifferlinge sehr, sehr klein schneiden. Hinzugeben. Rühren, dass nichts ansetzt. Nach einer Weile, wenn die Pfifferlinge eine schöne Konsistenz haben, weich, aber nicht matschig, die Gnocchi hinzufügen und ein wenig kochendes Wasser. Das nimmt den Geschmack auf und wird dann von den Gnocchis aufgesogen. Ein wenig Butter hinzugeben, frische Petersilie, Pfeffer, Salz. Es dauert nicht lange, und es kann serviert werden. Wer will, löscht ein wenig mit Sahne und eingequirlter Speisestärke ab. Ein bisschen Parmesan hinüberstreuen, einen Ruccolasalat dazu… Ja, dann tun die Schritte Not.

Skelettierte Türme, Musiknervensäge und ein echter Impala

Impala_red

Wenn einer eine Reise tut…

Man. Das Wochenende zog sich hin. Am ersten Mai, war ich allein unterwegs, nachdem niemand Lust hatte, mich zu begleiten. Selbst Herr Cooper hatte keine Zeit. Freitag habe ich gearbeitet. Mehr oder weniger. Und Samstag bei Freunden im Garten Steine geschleppt, arrangiert, zu Mauer aufgeschichtet. danch traf mich ein Gefühl. Sehnsucht. Ich wollte, ja, nach Essen. Also habe ich mit Ela alles abgesprochen, habe meine sieben Sachen gepackt und bin abgeflogen. Viveka von der Arbeit abholen. Spät am Abend.

Der Blick aus dem Zimmer meiner Kindheit

Schiefer Turm/Kaisersesch. 2013
Schiefer Turm/Kaisersesch. 2013

Was ist Kindheit?

Wenn man Vater ist, was ist Kindheit dann? Das, was man sieht, oder das, was vergangen ist? Kürzlich war ich Zuhause. In dem Zuhause, das mein Zuhause war, als ich als Kind in der Eifel lebte. Von 1974 an. Es war ein Umzug, der mir damals weder gefallen noch geschmeckt hatte. Ich war nicht gefragt und dann meiner Sprache beraubt worden, weil meine Sprache dort keinen Wert mehr hatte: Bist du was Besseres? Bin ich gefragt worden, weil ich die Sprache, die in der Schule gesprochen wurde, nicht verstand, nicht mochte, nicht lernte, nicht sprach.

Feuerwehr, Habermas, Foucault und was genau ist passiert?

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Ich warne euch vor, bevor ihr zu lesen beginnt.

Dies wird sehr wahrscheinlich ein ein wenig kryptischer Beitrag. Das hängt damit zusammen, dass Texter generell ein wenig schräg sind und das Gehirn nach intensiver Textarbeit wie ein überpowerter Prozessor überhitzt. Das kann zu Fehlfunktionen und Übersprungshandlungen führen. Dieser Text ist eine solche Übersprungshandlung, quasi ein Auslaufen, so wie es die Fußballprofis nach ihren Bundesligaeinsätzen praktizieren. Wirr. Ohne Bedeutung. Wie Blindtext. Lorem ipsum. Was Sie hier lesen, macht keinen Sinn und zeigt nur, dass hier etwas Sinnvolles, zum Beispiel Ihre Botschaft, stehen könnte…

Ja:)

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Diese besonderen Tage. Sie lächeln, schmeicheln, sind charmant.

Am Morgen musste ich früh raus. Ein Termin in Soest von der Agentur aus. Mit dem Coupé mit den vielen PS. Hemd, Sakko. Das Sakko, dass ich letztes Jahr trug, als wir dieses Treffen in Frankfurt hatten. Zum Jahresauftakt. Reden, präsentieren, schauen, feiern.

Den kommen die Polen holen

Focus I, 2001
Focus I, 2001

Ups.

Klingt wie ’ne Drohung. Nein, nein, wir wollen hier mal niemanden verunglimpfen. Aber, ja, letztlich war es tatsächlich so. Hier nun also der vierte Teil der angekündigten Trilogie-Fertigstellung. Hä? Egal. Mann muss auch mal drei gerade sein lassen, oder wie hieß das? Immer diese Konventionen.

Dann war da die Sache mit den Felgen…

Again and again. Was für eine Woche.

Es fing damit an, dass ich diese Woche hier alleine Dienst hatte. Also all den Quatsch machen musste, der in so einem Haushalt anfällt. Von Kinder versorgen über Hund ausführen bis waschen und kochen. Ela hatte vier Tage lang einen Job in Köln und ich am Montag einen Tag frei und ansonsten volles Programm. Jobs, ausgebucht. Dauernd muss ich absagen. 6 Uhr aufstehen und dann gib ihm. Kennt ihr. Wir sind ja nicht zum Spaß hier…

Schnellzulassung eines Kraftfahrzeugs auf einer deutschen KFZ-Zulassungsstelle in 14 Minuten

Kennzeichen

Ruckizucki!

Auto zulassen stand auf dem Programm. Behördengang. In meinem Innersten rumorte es und Vorstellungen von stundenlangem Rumsitzen, endlos langsamem Umklappen der mechanisch betriebenen Wartenummeranzeige und von schlechtem Automatenkaffee kamen hoch. In meinen Händen sah ich schon eine Ausgabe des Spiegels aus dem Jahr 1989, die schon Generationen von KFZ-Zulassern die Wartezeit verkürzt hatte.

Coca-Colas neues Storytelling…

Ihr Lieben, heute mal was Berufliches. Coca-Cola. Kennt ihr, klar. Groß, rot, süß. America. Die haben sich entschlossen, ihre Werbung komplett auf Storytelling umzustellen. Das heißt, die erzählen jetzt Geschichten, die Spaß machen oder bewegen oder beides. Der Vorteil: Die Menschen sehen sich die erzählende Werbung gerne an und nehmen die Botschaft beiläufig auf. Ich finde, das hat was. Eine klassische Win-Win-Situation. Geben und nehmen. Auf jeden Fall allemal besser als dauernd zu schreiben: „Oh, teste jetzt die neue Coke. Cool, fresh und irre tasty. Probier jetzt auch Coke-Waldmeister-Limone im Historienflschen-Testset…“

Parameter des Augenblicks

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Outstanding moments.

Manchmal hat das Leben einen wissenschaftlichen Touch. Vielleicht dann, wenn man zur Ruhe kommt und dem Luxus Zeit frönt. Heute Mittag habe ich mir einen Augenblick gestohlen und habe etwas getan, was eher eine Vorstellung als eine Wirklichkeit ist. Ich bin ins Hotel van der Werff gefahren. Mit Herrn Cooper im Schlepptau. Wir haben den Gastraum betreten und uns einen Platz am Fenster gesucht.

Held der Arbeit.

Der Mann an der Kasse im Supermarkt. Was für ein Wort S-U-P-E-R-M-A-R-K-T. Think Big. Da steht der ältere Herr. 65. Arbeiter. Der Körper verspannt, leichtes Hinken. Immer malocht. „Mit Karte?“ „Nehmen Sie Mastercard?“ Da hatte er mich schon. Im Aldi mit Mastercard. Klar. Die Reihe beginnt zu schauen. Schauspiel. Das würde voll daneben gehen. Einen Vormittag in der Schlange. Die Stones spielen, in Ost-Berlin gibt’s ’79 Bananen. In etwa so. 78 Euro. Zwei Paletten süßer Joghurt. Der mit der Ecke. Schokokugeln und son Gedöns. Naschkatze, dicker Bauch. Wochenendeinkauf. Die Augen nicht mehr so gut. „Nee, nur EC-Karte.“ „Ja?“. Er fragt tatsächlich. Ich meine, hey. ALDI. Quadratisch, praktisch, gut. Da gibt es keine Fragen. Du nimmst die Sachen aus dem Karton, weil dus schnell und billig haben willst. Das ist der Konsumquickie. Aus dem Karton in den Wagen, den Mund. Er sieht nicht mehr so gut. Hat rotblonde Haare, Jeans, eine helle Jacke.Klein, kräftig. Fährt, wie ich später sehe, einen 83er Polo. Coupe. Metallic-Silber, Aufkleber. Klar. Fantasialand oder Sylt oder so ’n Scheiß. Ich habs nicht gesehn. Kein Peace, kein AKW nee, kein Jesus lebt. Er legt seine Geldbörse auf die Kassenablage. Seine Hände sind etwas steif, greifen nicht so, wie sie sollten. Eher so Rückkehr zum ersten Greifen im ersten Lebensjahr. Ich gehe näher ran, will ins Portemonnaie sehen. Ein Foto von ihm auf einem Ausweis. Scheiße, ich kanns nicht sehen. Wie soll ich denn die Story im Kopf zusammenbekommen, wenn die Fakten fehlen. Was arbeitest du, Mann? Jetzt hier Rede und Antwort. Hau rein. Bleibt mir verschlossen. Ich denke, er sieht aus wie ein Ire. Er sieht nicht so gut. Also noch schlechter, als ich gedacht habe. Kramt die EC-Karte aus einem Klarsichtfach. Natürlich in der roten Kreissparkassen-Schutzhülle. Herrje. Weihnachten hab ich was vor. Die müden Hände schieben den Daumen in den Schlitz. Zwei Anläufe. Ich weiß, was kommt. Die Karte ins Terminal. Das ist so eine verfickte 3D-Denksportaufgabe mit Zuschauern. Wer wird Millionär? Na, haben wir die Karte mal wieder falsch rein geschoben? Doof oder was? Haben wir da nicht Icons? Wo gehört der Magnetstreifen hin und wo das Messingplättchen? Können wir nicht gucken oder gar begreifen? Ich sehe das als Meditationsaufgabe. Ruhig bleiben. Hinsehen, umsetzen, reinschieben. Nummer tippen, OK drücken und die Welt ist in Dortmund. Aber wennste nix siehst? Er tut mir leid. Würde ihm ja helfen, aber was würde der denken, was ich von ihm denke? Muss er durch. Ich setze auf ihn, mag ihn. Der hat Charakter, der hat sich nie gedrückt, war immer da, hat alles gemacht. Der Blick seiner Frau erzählt das. Sie liebt ihn, steht zu ihm. Dicht dabei. Die Kassiererin nimmt die Karte, führt sie ein. „Geheimzahl. OK“ Drei mal macht es PIEP. Mir ist klar, das war nix. Die Kassierein löscht. Drückt drei Mal. „Sie müssen vier Zahlen eingeben. Es muss vier Mal Piep machen und dann OK.“ Er lässt es piepen. Drei Mal. Ich habs mir gedacht. The same procedere again. Es ist mucksmäuschenstill. Der Backautomat, die TK-Geräte haben den Dienst eingestellt, lauschen, hinter der undurchsichtigen Spiegelwand lauert der Chef. Die Kassiererin drückt den Rufknopf. Plan B, zweite Kasse. Emergency Case. Auf ihrem königsblauen ALDI-Pullover steht AZUBI. Cool. Hat schon was gelernt. „Noch einmal die Nummer bitte.“ Drei Mal Piep beim Löschen, vier Mal Piep beim Eingeben. „Die Geheimnummer ist falsch.“ Geil. Jetzt fängt es an, richtig gut zu werden. Er bleibt so cool. „Kann nicht sein.“ Klar, kann nicht sein. Das Terminal irrt sich, lügt ihm frech ins Gesicht. Dann eben die gleiche Nummer nochmal. Peng! Bingo! Jackpott! Siehste, das Terminal lügt. War doch klar. Hoffentlich hat er nicht den Code für die atomaren Sprengsätze der US-Force eingegeben. Wo alles vernetzt ist. Bauts. Nee. Er hat gezahlt. Ich würde gerne applaudieren, aus vollem Herzen. Der Mann ist ein Held. Der geht mit Würde durchs Leben. Ich mag Männer. Alte Männer. Gezeichnete Männer. Standhafte Männer, die dem ALDI standhalten, selbst, wenn es Scheiße läuft. Nach ihm bin ich dran. Bar oder Karte? „Karte natürlich, Baby.“ Großes Kino, Highnoon. ICH WILL AUCH STANDHAFT SEIN. Bin noch nicht alt genug. Alles läuft easy durch. Wie langweilig. Wie will man sich im Leben beweisen…