Flying Circus

Am Morgen Gedanken wie Schwalben am Himmel
die Tür öffnet sich
ein Cappuccino schwebt auf den Hocker neben dem Bett

Die Musik beginnt
Lenny
wie schön, mein tanzender Freund
einen Augenblick später
werde ich an seiner Seite sein
den Blick aus dem Fenster
durchs Tal
auf den Hügel
der Hund neben mir
tanzt mit

Es kreist
seit langem mal wieder mein Vater
scheine zur Ruhe zu kommen
vermisse ihn
den alten Filou
die schlechten Witze
das schelmische Grinsen
die Wärme
Junge

How to say NO!

Wie ihr wisst, komme ich als Blogger aus der Richtung Frauenzeitung. Brigitte Woman, die Zeitschrift für die Frau ab 40. So eine Frau wohnt hier bei uns und so liegt hier ab und an das Magazin hier und dort. Da schaue ich dann rein und lese und finde manches gut, wenn es nicht ganz so frauenspezifisch ist. Ein Thema, das auch mich als Mann über 40 zugegebenerweise interessiert ist: FIGUR. Also meine, nicht die der Frauen über 40. Also ich meine, die natürlich irgendwie auch, aber anders. Anderes Thema. Ach. Mann. Jetzt habe ich den Einstieg vermaselt. Am Ende sollte irgendwie Brigitte-Diät stehen. Egal. Lest einfach weiter…

Große Italiensehnsucht:)

Männer können keine Übergänge, heißt es. Und jetzt? Italien/Deutschland, Sommer/Herbst. Schwierige Zeiten. Was bleibt? Fotos gucken:)

11:11 Uhr – jemand denkt an mich…

Kennt ihr dieses Spiel? Meine Kinder sind da Spezialisten. Jedes Mal, wenn sie eine gedoppelte digitale Uhrzeit sehen, rufen sie „Jemand denkt an mich!“.

Ganz ehrlich? Manchmal bin ich ein wenig neidisch, weil ich dann denke „Och, jetzt könnte auch jemand an mich denken!“ Aber ich bin meist selbst in Gedanken oder beschäftigt. Zum Beispiel mit Lenken, Schalten, Bremsen oder Gucken, was ich beim Autofahren neben Musikhören und Nachsinnen auch manchmal mache. Und beim Regen noch die Scheibenwischer bedienen, und wenn diese schon abgenutzt sind, dann geht der Regen von der Scheibe einfach nicht runter. Dann wird es Zeit, sich neue zu besorgen. Naja, im Auto geschieht es sehr häufig, dass Gedanken von außerhalb hereinfliegen: „14:14…“ Großes Hallo neben mir oder von der Rückbank. Die haben einen siebten Sinn.

Und was machen die Liebe und das Leben?

Endlich mal wieder das Kernthema dieses Blogs. Das, um das sich alles dreht und wendet.

It’s still going on. Es ist nun fast ein halbes Jahr her, dass sich unser Leben hier radikal verändert hat. Ela und ich hatten immer gesagt, dass, wenn unsere Liebe nicht mehr trägt, wir auseinandergehen und hier weiter zusammenwohnen und zusammenleben werden. Dass wir es versuchen würden, zumindest.

Mein wunderbarer Freund.

Es gibt Menschen, die sind ein Teil von einem selbst.

Manchmal kommen sie einem abhanden. Wie ein Stock oder Schirm. Über die Jahre wie Schleifstaub im Wind des Lebens weggeweht. Der Blick, das Wollen überall hingerichtet. Kinder, Küche, Kirche. Die Zeiten ziehen mit Macht wie eine Dampflock. Es passiert so viel.

Kettenkarussellflug

Kopf nach hinten geworfen
Zuckerwattestückchen wie Pusteblumensamen im Wind
Fliegendes Lachen
Füße in der Sonne
im Paradiesapfelrot
Hinübergreifen
berührende Fingerspitzen
sanfter Halt
Kribbeln
Köpfe geneigt
Blicke ineinander
Fingerkuppen leichtes Ziehen
Die Hand, der Arm, die Kette
der Kuss
das Drehen, Taumeln, sich Verlieren
Kirmesmann, go on
Schneller, schneller
höher, höher, höher
Zwischen Fliegern und Kranichen
freier Flug im Orbit
Musik der Amorbahn
Puderzuckerzuckerwatte
Glitzernd leichte Liebesschwerelosigkeit
Sternschnuppenstaub im Haar
Mondlichtkristalle auf der Haut
sonnenstrahlgestreichelt
unsere Körper

september 2012

Das #vernazzafloodbook von Andrea Erdna Barletta

Vernazza. Immer wieder Vernazza. Das Dorf lässt mich nicht los. Erst recht nicht seit der Flutkatastrophe am Tage des 25. Oktober 2011, als der Himmel über Vernazza brach und in wenigen Stunden die halbe Regenlast eines ganzen Jahres niederging. Das Wasser aus den Bergen sammelte sich. Ab 15 Uhr war die Hauptstraße des für mich schönsten Cinque Terre-Ortes ein reißender Fluss. Um 18 Uhr hatte dieser Fluss eine Höhe von rund drei Metern erreicht. Aus den Bergen kam Schlamm, es wurden Autos mitgerissen. Die Macken an den Häusern sind überall zu sehen. Das Dorf wurde durch Schlamm geflutet, teilweise wurden Häuser weggerissen.

Nacht der Nächte

Südwind. Dann liegt etwas in der Luft. Wetter aus Süden verändert. Macht leichter, unbeschwerter, freundlicher. Bringt Lächeln, Öffnung.

Gestern Nacht – hat es schon ewig hier nicht mehr gegeben. Eine laue Sommernacht. Trocken, ohne nassen, kühlen Tau. Ohne Pullover. Ich war im Nachbardorf auf eine Party eingeladen. Ein vierzigster Geburtstag. Ab 19 Uhr. Fußball. Fußballverein. Einer unserer Alten Herren ist 40 geworden. Alter Herr ist man im Fußball ab 32. Er hatte eingeladen. Weil er meine Mobilnummer nicht hatte und ich im Urlaub war, kam die Einladung per SMS nach Italien. Wer hätte da sagen können, dass das eine solche Nacht wird?

What the hell ist dieses Leben?

Kann mich mal bitte jemand an die Hand nehmen? Mich ein wenig führen? Mir Dinge erklären? Solche, wie das Leben zum Beispiel? What the hell is going on?

Das Leben. Meines, eures, unseres. Auf diesem Planeten, in unseren Wohnungen und dazwischen. Dauernd passiert was. Kleine Dinge, wie ein Cappuccino, große Dinge wie Schlammlawinen in Vernazza, das Sterben geliebter Menschen, Trennungen, Verliebungen, Finanzchaos, Fußball-Europameisterschaften und das ganze großgeopolitische Gedöns von Hindukusch bis Fukushima. Olympia, das komplett an mir vorbeigegangen ist. Einziges Bild ist eine feiernde Sprinterin im roten Dress, die ich in Levanto im Vorbeigehen in einer Eisdiele im Fernsehen gesehen habe.