Zurück in der Normalität

Ihr Lieben, erschreckt nicht. Der alte Mann auf dem Foto bin ich. Aber in Wirklichkeit sehe ich gar nicht so aus. Weshalb ich das Foto trotzdem bringe? Es erinnert mich an ein Foto von Beckett, das ich mag. Beckett hat auf dem Foto viele Falten und ist dennoch ein schöner Mann. Nun möchte ich mich nicht mit Beckett vergleichen. Herrje. Aber nein. Weder in der einen noch der anderen Art. Ich möchte es hier im Blog als Erinnerung an diese Zeit parken.

Heute ist etwas geschehen. Mein erster Arbeitstag nach 3 Wochen Urlaub, in denen ich mich um Wichtiges gekümmert habe. Um mein Mädchen, meine Kinder, meine Familie, Freunde, Herrn Cooper, die Fertigstellung der Küche, eine Stromleitung für das Küchenlicht über dem Herd, das Abgasrückführventil meines Autos, die Ölpumpe der Heizung.

In diesen 3 Wochen war ich noch ziemlich benebelt vom Jahr. Kennt ihr das, wenn man weiß, dass etwas nicht stimmt und man hat eine Ahnung, was nicht stimmen könnte, kommt aber nicht drauf? Wenn man sich selbst ein wenig fremd ist, neben sich steht? Alles ist gut, man könnte sagen sehr gut, alles hat sich positiv entwickelt und dennoch ist da etwas, das kratzt. Wie ein Stein im Schuh, ein Bläschen an der Zunge.

Ich wusste nicht was. 1.000 Dinge gingen mir durch den Kopf. Terror, Türkei, Berlin, Syrien und all dies unsägliche deutsche Geplapper auf allen Kanälen. Gutmenschen gegen Schlechtmenschen vorwärts und rückwärts. Die da. Nein, die da. Niveauloses Rumgepöbel und Pseudofachgesimple. Woher nehmen nur all die Menschen diesen Brustton der Überzeugung? Woher nehmen sie den Anspruch, die einzige Wahrheit zu kennen?

Von allen Seiten ein Aufstand der Unzufriedenen. Rechts, links, Ost, West. Hauptsache aufeinander eindreschen. Ich dachte, das wäre ein Thema in meinem Kopf. Ist es nicht, das freut mich. Geht mir heute Abend am Popo vorbei. Der Mensch flieht vor sich selbst und sucht Stellvertreterkriege. Übersprungshandlungen des Alltags. Kennst du einen, kennst du alle. Es ist ein atemloses babylonisches Geplapper auf allen Kanälen mit Protagonisten, die in meiner Küche und in meinem Kopf nichts zu suchen haben.

Aber was ist es dann? Was zählt? Worauf kommt es an? Mit sich selbst im Reinen zu sein. Mit sich selbst klar zu kommen. Chill mal dein Leben. Das habe ich heute getan. 2016 war ein schreckliches Jahr und ein schrecklich wichtiges Jahr. In näherer Zukunft kann ich erst einmal auf eine Wiederholung verzichten. Danke auch. 2017 nun liegt wie eine grüne Wiese vor mir. Und was habe ich nun heute festgestellt? Etwas ganz Profanes: Die Normalität des Alltags ist zurückgekehrt. Mehr nicht. Und das ist eine Qualität. Wenn es einfach ist. Wenn es schön ist. Wenn es die Qualität des Ruhigen, Unaufgeregten hat.

Zur Arbeit fahren. Einem Freund zwei Tage zu früh zum Geburtstag gratulieren. Per WhatsApp in den Supermarkt zum Eierkauf geleitet werden, Freunde in Nosbach besuchen, zum Fußballtraining gehen, die neuen Laufschuhe auspacken, die Freude des Herrn Cooper über die Rückkehr genießen, mit Jim plaudern, kurz Zoe auf dem Weg vom Bad zurück ins Bett sehen, im Auto mit Viveka telefonieren, ein italienisches Fertiggericht in die Mikrowelle schieben, Gill Scott-Heron per Spotify hören, in der Küche sitzen am alten Tisch, an dem ich fürs Abi gelernt habe, den Ofen stochen, die Gedanken schweifen lassen, hoffen, dass ich mal wieder ein Gedicht schreiben kann…

Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt. Ich komme mir vor, als wäre ich entführt worden und hätte Monate gegen meinen Willen in einer Höhle gelebt.

Morgen arbeite ich frei, werde an einem Text für ein Ballonfahrt-Unternehmen arbeiten, die Steuer angehen, für Jim und Zoe kochen, mit Herrn Cooper durch den Wald stromern. Das Maikäfertal fehlt mir. Sehr. Nun. Hier gibt es sehr viel Wald und schöne Ecken. Der Weg zur Quelle, vorbei am dichten Fichtenwald mit der Pfütze, in der sich die Wildschweine suhlen.

Der Weg zu den Steinbrüchen und dem Steinbruch, in dem die Eule wohnt. Durch die Buchenwälder zur Jagdhütte mit dem Blick über die Wiesen und das Dorf in das Tal. Man muss vergessen und vergeben können, um das Herz für das Neue zu öffnen und den Augen und der Seele die Möglichkeit zu geben, das Schöne zu sehen. Es ist ein Spiel, die neuen Lieblingsorte zu finden. Herr Cooper und ich diskutieren intensiv. Noch ist nichts entschieden, aber es drängen sich Favoriten auf. Es wird sich zeigen, wo der Magnetismus am größten ist.

Wir sind im Wald nicht mehr ganz so alleine wie früher. Es gibt mehr Fußspuren von Menschen und Hunden. Aber wir kennen schon einige Nischen. Ist Viveka hier, ist sie unsere geliebte Verbündete.

Nachdem ich dieses Haus lange Zeit emotional ignoriert habe, kann ich nun sagen: Ich mag es. Es fängt an, das neue Leben. O.K. Gil Scott-Heron. WE ALMOST LOST DETROIT.

So far. Und irgendwann wird dann auch in diesem Blog wieder die Normalität einziehen und es wird um Alltag und all die schönen Unwichtigkeiten gehen. Nicht mehr um fiftyfifty, aber um das Leben auf dem Land, die Kunst, das Zweifeln und Aufregen. Ja. Ich freue mich auf die Heimkehr.

Herr Schönlau hat etwas Neues erfahren und startet 2017 unter neuen Sternen

Willkommen 2017. Bin ein wenig spät dran. Das Jahr hat sich ja bereits entfaltet und geht seinen Weg. Scheint unaufhaltsam zu sein so ein Jahr als kleiner Verwandter der großen Familie Zeit.

2017. Was wird. Nun. Wer weiß das schon. Der Weg ist vorgezeichnet und einige Unaufhaltsamkeiten werden sich weiter zu Wort melden. In Wort und Bild. Wird es ein gutes Jahr? Was ist schon ein gutes Jahr und für wen?

Hier sitze ich auf meinem Sofa und schaue auf mein Jahr 17. Wie wird es werden? Gut, denke ich. Vielleicht sehr gut, vielleicht mit Sternchen. Ach. 2016 habe ich mit Viveka an Silvester oben am Montmartre gesessen und mich gefragt, was kommen wird. Samstag kam Post vom Amtsgericht. Jetzt ist es Wirklichkeit. Mein Name steht verbunden mit diesem Haus im Grundbuch. Das habe ich mit Blick vom Montmatre nicht kommen sehen. Beileibe nicht. Nun, es hat tatsächlich eine neue Ära begonnen.

Nun habe ich hier das erste Weihnachten und Silvester gefeiert. Jims Geburtstag heute. Heute Nacht mit Torte und Kerzen und Freunden und Feuer im Ofen und Ständchen. Überhaupt haben Jim und Zoe das Haus schon ausgiebig befeiert. Partyzone. Klappt. Man muss die Geister mit Fröhlichkeit und Lachen auf die eigene Seite ziehen. Das ist die Sache mit den Tricks im Leben. Ich schwöre drauf:)

Am ersten Weihnachtstag waren meine Mutter und mein älterer Bruder mit Familie hier. Silvester Freunde aus Aachen und Köln. Feuertaufe bestanden. Leben findet statt und ist schön.

Tja. Und sonst? Muss ich mich mit einer bitteren Wahrheit abfinden. In den letzten Jahren habe ich mit einer falschen Prämisse gelebt. Hm. Also. Viveka habe ich immer erzählt, dass ich einen Jungfrau-Aszendenten hätte. Der wäre der Grund für meine Ordnungsliebe und meinen Hang zu Struktur und Sinnhaftigkeit. Gestern nun hat sie gemeint, ich solle das doch mal checken. Im Scherz.

Also habe ich meine Mutter angerufen und mein Geburtsdatum gecheckt. 18. April 1965, morgens um 4:55 Uhr. Das halte ich hier jetzt mal fest, damit ich das nicht mehr vergesse. 18. April bedeutet, dass ich Widder bin. Die sind ja an sich schon verrufen. Zumindest entnehme ich das den mitleidigen Blicken, wenn ich das irgendwo erwähne. „Ooh!“. „So, Widder. Ja, äh…“ Nun soll der Aszendent ja noch einmal genauer sagen, wie man so drauf ist. Ihr kennt das: Charakter, Beruf, Beziehung und Liebe.

Und was soll ich sagen. Nun, ich traue es mich fast kaum hinzuschreiben. Herr Schönlau hat das Sternzeichen Widder. Und der Aszendent ist. Pause. Trommelwirbel. Sorry. Widder. Widder/ Widder. Und Vivekas Sternzeichen? Widder! Puh. Wir haben ein wenig im Web recherchiert, was das so bedeutet. Da ist von Feuer und Energie die Rede. Davon, dass man Führungsansprüche und Dominanzverhalten abstimmen muss. Herrje. Nun, das ist die Theorie. Gut, dass die Sterne nicht alles sind. Ich kann euch beruhigen. Wir kommen klar:) 2017 im Sommer dann seit 5 Jahren. Wie die Zeit vergeht. Ich denke, die Sterne stehen gut. Ich freue mich drauf. Auf dieses Jahr, in dem so vieles neu sein wird. Eben habe ich nach dem Abbau des Weihnachtsbaumes die Weihnachtskiste runtergebracht. Meine eigene Weihnachtskiste mit neuen Kugeln, Kerzenhaltern, Schleifen.

Widder mögen das Neue, das Abenteuer, die Veränderung. Heißt es. Sich dem Neuen ergeben, das Gute sehen, Chancen ergreifen, dieses verrückte Treiben weltweit nicht zu nah heran lassen. Bin gespannt und bereit, welche Überraschungen noch so auf mich warten und welche Prämissen ihren Halt verlieren. In Zeiten der Veränderung fallen die Mauern und neue Wege zeichnen sich in die Landschaft vor dem eigenen Horizont. Es bleibt spannend:)

Frohe, frohe Weihnacht euch allen

Ihr Lieben, ich wünsche euch eine frohe Weihnacht mit allem was dazu gehört. Allmählich wächst die Spannung. Eingekauft ist, der Baum wird jetzt geschmückt. Dieses Jahr in Gold mit Bronzetönen. Zur Begrüßung des neuen Hauses und der neuen Zeit einmal ganz anders. Bin gespannt. O.K. Ich bin bereit: Los geht’s. Herr Cooper steht mit helfender Pfote bereit. So dann, auf in die Feierlichkeiten. Ich freue mich, ihr euch hoffentlich auch:) Viel Spaß! Bestimmt. Bye.

Durch Nächte treiben, durch Städte

Urlaub. Gestern die letzte Präsentation. Das war heikel. Wäre die doof gelaufen, hätte ein Schatten auf den freien Tagen gelegen. Die Arbeit hat sich gelohnt, das Konzept ist angekommen. Es ging um Menschen, Sinn und Marken. Manchmal können wir in unserer Branche mehr bewegen. Zu Veränderung beitragen, von der Menschen profitieren. Wir können Wege denken, die über Kommunikation hinausgehen. Empfehlungen, sinnvoll zu handeln. Genau hinzuschauen, um das Richtige zu tun. Das ist eine Verantwortung, die gleichermaßen wiegt, bewegt und das Profane überwindet. Nun. Arbeit war gestern, Urlaub ist morgen. Zumindest agenturmäßig. Aber die freien Jobs laufen jetzt auch aus. Es kehrt Ruhe ein.

Das dauert natürlich, runter zu kommen. Den eigenen Wind aus den Segeln zu nehmen. „Lande mal!“ Das Jahr ist vorbeigeflogen. Ich habe so viele schöne Dinge erlebt, die im Rausch der Geschwindigkeit untergegangen sind. Die Erinnerungen liegen neben mir in dieser kleinen schwarzen Box von Western Digital. Tausende Fotos. Kurz nach Paris, Hamburg, London durchgesehen und dann vergessen. Und dann sind da noch eine ganze Reihe anderer Orte. Diese normalen. Köln, Essen, Duisburg.

Gemütlich ist es gerade. Zoe liegt auf dem Sofa, Herr Cooper schläft auf seinem Kissen, der Ofen bollert, die Adventskerzen leuchten. Draußen herrscht Ruhe. Zoe hat eben mit Ela und Jens in Neuseeland gescyped, ich habe versucht, Viveka zu erwischen. Vergeblich. Sie kommt morgen, ein langes Wochenende. Urlaub. Dieses Mal kein Paris, London, New York, Tokio. Ich brauche mal ein wenig Abstand vom Draußen. Also eher weniger Input. Die Dinge sollen sich setzen können. Im Kopf. Der Indianer an den Gleisen, der auf seine Seele wartet.

Wenn man erst einmal anfängt. Der Ordner Paris 2016 enthält 1583 Aufnahmen. Die Stühle sind No. 157. O.K. Im Leben muss man Kompromisse schließen. Der Urlaub ist lang und heute Abend möchte ich noch durch Hamburg und London ziehen. Der letzte Abend. Auf der Suche nach einem kleinen Restaurant. Der Waschsalon mit den Blubberblasen, also das Foto, ist da entstanden. In St. Pauli einige Monate später ist mir wieder ein Waschsalon vor die Linse gesprungen. Hier nun aber eine Straßenszene. Nachdem wir aus dem Restaurant gekommen waren, wo wir gerade noch so – vorher in der Wohnung hatten wir uns verquatscht – etwas zu essen bekommen haben, sind wir in diesen Laden an der Ecke und haben uns ein Bier gekauft, um in Sophies Wohnung weiter Musik zu hören. Sofa, Bier, in der Stadt der Liebe versinken.

Nun. Erst einmal genug Paris. Ich werde noch wehmütig. Ach, quatsch, bin es schon. Gehe jetzt nach Hamburg. Erster Abend St. Pauli. Alles so schön bunt hier.

Ups. Viveka ruft zurück. Was jetzt? Männer können kein Multitasking? Hey, ich blogge, suche Bilder raus, bearbeite sie und telefoniere. Bei Viveka läuft im Hintergrund Pink Floyd. Habe ich gestern den ganzen Abend mit verbracht. Wie ging es weiter in Hamburg? Übrigens: Zoe lässt euch grüßen. Hier im Blog. So aus dem Hintergrund.

Von Viveka wünsche ich mir „Hey you“. Passt. Abfliegen.

Hey you!
Out there on your own, sitting naked by the phone, would you touch me?
Hey you!
With your ear against the wall, waiting for someone to call out, would you touch me?
Hey you!
Would you help me to carry the stone?
Open your heart, I’m coming home.

Ups.

Viveka sucht nach Frank Ocean. Ich verlasse Hamburg. Das war erst der erste Abend. Nun. Ab durch die Mitte nach London. Frank Ocean findet sie nicht. Ihr Spotify klemmt. Nehmen wir meins. Noch einmal „Hey you“ durch den Hörer.

Oh. Mist. London ist auf ’ner anderen Festplatte. I hope so. Wo ist London? Nehme ich die aus dem Blog und vertiefe mich in meine Erinnerungen. Die nicht digitalen Bilder.

Ach, und eben gesehen. Mannheim ist auch auf der Festplatte. Und Menton. Was für ein Jahr.

Am Ende dieses Jahres könnte ich weinen…

Und zugeben, dass es nicht wegen Aleppo ist. Nicht wegen der Ertrunkenen im Mittelmeer. Nicht wegen des Dresdener Hasses. Das ist alles so weit weg, dass ich es nicht denken kann. Ich wünschte, all das würde nicht geschehen. Ich wünschte, die Menschen würden endlich human. Ich wünschte, ich müsste nicht zusehen, wie mein Land verroht. Wie sich Menschen vom Konsens der Menschlichkeit abwenden. Es ist, wie es ist. Unerträglich.

Nun. Ich sitze mit meiner Tochter in der Küche und wir essen Mandarinen. Die Holzkiste mit der spanischen Verführung steht auf dem Tisch. Wir sind uns nah. Wir reden. Sie erzählt mir von sich und es ist wie Südwind im Rauschen der Zeit.

Was tun, mit diesem Jahr? Bowie ist gestorben. Heroes.

Und vieles anderes ist geschehen. Ich weiß es gar nicht zu fassen. Cohen. Die Alte Schule weg. Als würde sich alles auflösen, als hätte sich die Vergangenheit aufgelöst. Alles Trugbild, Fata Morgana, Schimäre.

Wohin treibt es? Was wird dieses 2017? Den Blick richten in welche Richtung? Wo ist in diesen fucking times verdammt nochmal vorne? Wo ist das Licht?

Ich fahre Achterbahn, Berg-und-Tal-Bahn, Amorbahn, Kettenkarussell. Ich fliege zwischen den Zeiten. Silvester in Paris, Frühjahr in Hamburg, mit Jim in London, an der Côte d’Azur, Menton, ein paar Tage Ballermann mit den Jungs. Abgehoben, weggeflogen.

Und nun? Wenn ich einen Strich unter dieses Jahr ziehe? Wenn ich alles summiere und abziehe, was bleibt? Ich weiß es nicht.

Ich liege in meinem indischen Bett, und schaue auf den Mond und die Sterne draußen. Viveka nennt den Blick raus Frankreich. Ich habe noch den alten Blick im Herzen. Das Dachfenster, den Mühlenberg. Heimat ist, wenn man weiß, wie der Mond vorm Fenster zieht, wenn man die Sternenbilder des Himmelskinos vorm Fenster kennt, wenn alles da ist, was da sein soll.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Welt dort draußen zu groß ist. Dass da zu viel ist, was nach anderen Regeln spielt. Zu viel, was grob, hässlich, unästhetisch ist. Einfach grausam.

Es reißt mich. Was tun? Hinsehen und auseinandersetzen und sich in diesem Tohuwabohu zerreißen? Oder Arkadien sehen? Das Dionysische? Die Liebe?

Die Zeiten erinnern mich an Charleston und die Dreißiger. Der Tanz auf dem Vulkan. Absinth und schöne Verse. Die Türen schließen, den Ball eröffnen, die Kapelle spielt, die Augen funkeln, die Diamanten leuchten, der Champagner berauscht, das Störende löst sich auf. In den Drehungen der Nacht. Verpisst euch.

33 konnte man die Türen auch nicht mehr verschließen, weil sie eingetreten wurden. Heil Petra & Co. marschieren nun auch in braunen Stiefel durch das Land und werfen Fackeln durch Fenster und Türen. 2016. So lange hat das „Das darf nie wieder geschehen!“ gehalten. Ja, ihr seid Nazis. Nix da, man darf nichts mehr sagen. Wenn ihr so eine braune Kacke redet seid ihr eben Nazis. Bislang habt ihr euch gewunden und getarnt und nun zeigt ihr eure hässlichen Fratzen. Rote Armbinde, weißer Kreis, schwarzes Kreuz mit Haken. Nur halt alles im Kostümchen. Mit vollen Händen in der Volksseele wühlend. Knietief drin.

Und was ist mit Bowie, Pink Floyd, Jim Morrison, Cohen? CUT. Zusehen, wie das nun alles. Irgendwie. Inspirierend ist das nicht. Diese Zeiten haben den fuckin‘ Charme eines Nürnberger Parteitages. Aus den Löchern kommen die schreienden Idioten. Endlich dürfen sie wieder. Arschkrampen.

Nun gut, Herr Schönlau. Beruhigen sie sich. Für Sie ist das Jahr gut gelaufen. An ihrer Seite dieses wunderbar verrückte Wesen. Niemals langweilig. Dieses Lächeln. Die Grübchen. Und immer dabei. Ja, machen wir. Egal wie verrückt oder abwegig. Dabei. Und dieses Haus. Habe ich euch schon gesagt? Ja habe ich. O.K. Trotzdem mache ich es noch einmal. Ich habe ein Haus gekauft. Eines verkauft und eines gekauft. Ein schönes Haus mit einer schönen Atmosphäre und Platz und es ist warm und die Fenster sind neu und die Räume sind hoch und es gibt eine Wendeltreppe. Dieses Jahr ist Wahnsinn. Mindestens.

Nächste Woche noch eine Präsentation. Die letzte Marke für dieses Jahr und dann ist Schluss mit Gedanken und Business und Strategien und Bildern und Heads und Kanälen. 3 Wochen Urlaub. Vergessen, zu nehmen. Immer weiter, durchgezogen, gemacht, getan. Ganz ehrlich? Allmählich gehe ich in die Knie. Ich mag keine Adresse mehr online ändern, keine neue Versicherung mehr anfragen, keinen Stromanbieter kontaktieren, kein Wasserwerk, keinen Entsorger. Grunderwerbssteuer, Notargebühren, Zahnriemen, Treckeranlasser, Holz sägen, Küche einrichten, Wände schmirgeln. Im Klang des Zeitenrauschens. Mit Pegida als Backroundchor, das Jammern der Kleingärtner, weil jemand den Rasen betreten hat.

Es reicht. Entweder ihr beruhigt euch jetzt oder ich werde Revolutionär. Fidel is ja jetzt auch weg. Die wissen alle schon genau, weshalb gerade jetzt. Nun, kann sie verstehen. Wer will schon mit all den Arschgeigen 2016 auf einem Planeten zusammenleben? Alles hässliche Orks. Könnt ihr jetzt mal bitte wieder in eure Höhlen verschwinden? Verpisst euch einfach. Kusch. Ins Körbchen. 2016 ist das Outing-Jahr der Schwachmaten.