Rules. Targets.

Über Wüsten segeln und in Sternen baden
mit Vulkanen Füße wärmen
Drachen Pfötchen geben lassen

8.000 Meter tief tauchen
ein Atemzug

Den Mount Everest
an einem langweiligen Sonntagnachmittag erklimmen

Mit Audrey Hepburn
Kaffee trinken
dann Champagner

Die eigene Nase schön finden

Als Bundeskanzler kandidieren
Präsident der Vereinigten Staaten
Elternpflegschaft

Verzeihen
den Weg der Demut

Steuererklärung verweigern
den Fingerabdruck

Die Geschichte anhören
einer Frau
bis zum Ende

Auf Tischen tanzen
mindestens nackt

Hemmungslos
Arschlecken denken

Ins Lachen stürzen
Planeten von hinten sehn

Nichts
akzeptieren
ohne ein Lächeln

Schlafen
mit

Träumen, fliegen
zergehn
auferstehn

Gandhi küssen

dezember 2012

Je toi

Die Liebe nehmen und streicheln
an ihren kleinen Stellen küssen
die sie so mag

Sticke Herzen in die Zeit
süß wie Saft von reifen Erdbeern

Streiche über frisch gestärkte Laken
bei Sonnenaufgang

Gehe an deiner Hand

Schließe die Augen
die Finger auf meinem Körper
die kleinen küssenden Geräusche
Regentropfen
in den Rundungen
feiner Porzellantassen

Gehe mit dir
bleibe
vertraut

Meine Fingerkuppe
leicht unten
am Flügel der Nase
herauf über die Wange
die Wölbung
die Falten des Lachens
zur Schläfe
Stirn

Dorthin küssen
die Lippen liegenlassen
in den Tiefen der Liebe
die Zeiten verlaufen sich
in alle Richtungen

Warte nicht
fordere nicht
erinnere
trage

Du weißt
ich weiß

Ein Fliegen ist es
frei
schön

dezember 2012

Leuchten

Der See vom Auto
entlang
am Morgen
Tempomat
70
Punkte
Orte
Bilder

Jeden Tag anders

Heute
ein wenig mehr

Weiß
was kommt
Dezember
fünf Grad
ohne einen Hauch

Ruhig und still
spiegelgleich

Wer traut sich
hineinzusehen?
Und wenn er kommt?

Fahre

Fichten im Wasser
Wolken
später
das Bootshaus
verlassen
im Winter

Dahinter
der weite See
von der Brücke herab
das Schattenfoto
der letzten Sommertage
im Kopf

Gespiegelte Bäume
Nebel hinter
Volksliedscheiß
Deutschunterricht
hinterlegt

Manches prägt sich
ein
wie mit
Tiefkühlbeutelschweißapparaten
verankert

Still und ruhig und klar
irgendein See

In der Bucht
in dem Ort
auf der Hälfte
das Schiff

Geankert
vertäut
geparkt
geschminkt

Glühbirnen
Lippenstift
leuchtend
warmweiß

Ein Christbaum
schwimmend
voller
Illuminationskacke
so schön
wie ein Engel
wäre
mit nassen Flügeln
im Wasser

Die Bäume
das Schiff
unter Wolken
im See

Gespiegelt
der Rumpf
mit dem Licht
neben den schlafenden Bäumen

Winter
Weihnacht
schon wieder das Herz

Tausend Lichter
wie Fische

Fahre
sehe
tausend Meilen
unter das Meer

Kristallkugelsee
weise vielleicht

Möchte zum Bootshaus
ans Wasser
mich setzen
und schaun
nach Fischen
und Engeln
und Booten

dezember 2012

Lips

Augen zu
Sinne sind verschlossen
mit Seilen fest gebunden
nichts zu tun

sehe nicht
rieche nicht
höre nicht

In dieser Nacht
im Meeresrauschen
Planetenfunkeln
Satellitenblinken

Die Schalter zeigen OFF
die Männer murren
ob der ungewollten Pause

Geflüster
in den Gängen
Nicht doch jetzt.

Nur meine Lippen dürfen
alles
sie wissen
was zu tun
die Sterne haben
sie verraten
diese eine Stelle
verborgen und geheim

Für diesen Augenblick
kein Wort

Wenn Sinne implodieren
nach innen saugen
alles das
was ist

Die Lippen
kurz geöffnet
so wenig nur
kaum dass ein Luftzug
frei passieren kann

Sie treffen
jene Stelle dort
schon kurz bevor
ist was geschieht
unendlich groß
und tief

Wenn es geschieht
wenn meine Lippen
deine Haut berühren
ist nichts mehr da
nur dieser Strom und Fluss

Den kleinen Spalt
der Lippen schließen
noch tiefer fallen
in diesem kleinen Druck

Ich küsse dich
du lässt dich küssen

Nur ein Kuss
könnten wir sagen
nichts weiter
ist geschehn

oktober 2012

Tintenrausch

Der Füller
Lamy, transparent
ungeladen in der Tasche

Briefe schreiben
in denen Blüten eine Rolle spieln
anderer Schnickschnack des Herzens
als Antwort

Habe nicht geschrieben

Wollte sie nicht rüberziehn
ins Diggi-Tal der books und itters
Fastmails

Sauber soll es bleiben
klar
rein wie der Bach, der Blüten nährt
das schöne Tier mit weichem Fell und großen Augen

So’n Quatsch

Die schnelle Mail
kurz zwischendurch ein Kuss
vorbeifliehn
als stünde ich am Küchentisch
mit Händen in den Taschen

Gleitest hin
auf Rollschuhn lächelnd
ein Duft
gedreht mit Engelsflügeln
Rosaplüsch und nackt
Schnapp
ein Bild, gespeichert

In meinem Herzen singen Fanta4
jetzt bist du weg

Und weiß doch
wie es ist
was im Kopf sich ausdenkt

Wo warst du noch?

Wir haben uns vermählt
wie schön
ganz ohne Ringe
der große Chor, das Blumenmeer
Champagner aus Eimern
zwei Worte
gemailt, nicht geschrieben

Der Lamy
wartet
Tintenrausch

oktober 2012